Als der Bundesrat Anfangs Juni die TV-Versorgungsgebiete definierte, wurde der ganze Kanton Schwyz dem Versorgungsgebiet Innerschweiz zugeteilt. Bundesbern stiess damit seine eigene erste Fassung um, in der die Ausserschwyzer Bezirke March, Höfe und Einsiedeln sowie das St. Galler Linthgebiet als Mischgebiet erklärt worden waren. In diesen Gebieten hätten somit mehrere konzessionsberechtigte Sender empfangen werden können. In einer zweiten Fassung wurden dann Ausserschwyz, das Linthgebiet und der Kanton Glarus aus dem Empfangsgebiet Zürich gestrichen. Das löste in manchen Gebieten, die sich eher gegen Zürich orientieren, Unmut aus. Im Kanton Schwyz reichten zwei Kantonsräte Anfragen bei der Regierung ein, da sich ein Grossteil der Bevölkerung aus den Bezirken March, Höfe und Einsiedeln nach Zürich ausrichte. Konkret geht es darum, dass die Bevölkerung nicht auf den Sender Tele Züri verzichten wolle, heisst es in der Anfrage von Othmar Büeler. Noch zugespitzter formuliert es Kantonsrat Marco Steiner: «Viele Fernsehkonsumenten der Region stellen sich darum die bange Frage, ob wir in Zukunft auf regionale Berichterstattung verzichten müssen».
Der Regierungsrat des Kantons Schwyz hat diese Anfragen offenbar ernst genommen. Sie intervenierte vor einigen Tagen beim Bund, wie die Schwyzer Staatskanzlei der Werbewoche bestätigte. Die Regierung stört sich daran, dass sie in einer zweiten Anhörungsrunde, die im vergangenen April zum umstrittenen Versorgungsgebiet stattgefunden hatte, nicht berücksichtigt wurde. In einem Schreiben an den Bundesrat verlangt die Regierung deshalb, dass die Gebietseinteilung nochmals angepasst wird.
Bundesrat Leuenberger habe den Brief der Schwyzer Regierung bereits beantwortet, sagte Bakom-Sprecher Bernhard Bürki der Werbewoche: Die Versorgungsgebiete werden so konzessioniert, wie sie bestimmt wurden. In absehbarer Zeit gebe es daran nichts mehr zu rütteln. Doppelbedeckungen wolle man grundsätzlich vermeiden.
Tele Züri bedauert diese Entscheidung, wie Andreas Meili, Leiter elektronische Medien bei der Sender-Besitzerin Tamedia, der Werbewoche sagte. Dass das Versorgungsgebiet Zürich-Nordostschweiz nicht auch die so genannten «Ausserschwyzer Bezirke» umfasse, sei nicht im Sinne des Zuschauers. In den Randzonen des Kanton Schwyz, aber auch von St. Gallen, dem Aargau oder Glarus gebe es starke Bezüge zu Zürich, so Meili. «Es wäre wünschenswert gewesen, die wechselseitigen Beziehungen zwischen Zürich und diesen Regionen bei der Festlegung der künftigen Versorgungsgebiete zu berücksichtigen. Dass der Bundesrat anders entschieden hat, ist ein Wermutstropfen, der aber nichts daran ändert, dass wir uns mit TeleZüri für die Konzession in der Region Zürich-Nordostschweiz bewerben», erklärte Meili.
Bakom-Sprecher Bürki wies darauf hin, dass es noch nicht sicher sei, ob Tele Züri das begehrte Gebiet Zürich-Nordostschweiz tatsächlich erhalte: «Die Ausschreibung läuft ja jetzt und erst im Rahmen dieses Prozesses werden die Konzessionen vergeben». Bis im nächsten Frühjahr sollte das Prozedere über die Bühne gegangen sein.
Geht Tele Züri dabei leer aus, darf es weiterhin in den umstrittenen Schwyzer Gebieten senden: Laut dem neuen Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) besteht für Sender, die keine Gebührengelder beanspruchen, nur eine Meldepflicht. Allerdings entgehen ihnen neben den Gebühren auch die Garantien, dass sie technisch verbreitet werden. Die so genannten «must carry»-Sender sind nämlich nur die konzessionierten. Diese dürfen aber laut RTVG nur innerhalb des ihnen bestimmten Gebietes senden. Sollte Tele Züri eine Konzession erhalten, ist es also für die Ausserschwyzer tatsächlich vorbei mit dem anscheinend gerne gemochten Sender.
Carole Scheidegger