Kommende Woche startet die neue Gratiszeitung .ch. War bis anhin davon die Rede, ging es vor allem um das Distributionsnetz mit der Hauszustellung oder um die Akzeptanz des gedruckten Blattes im Leser- und Werbemarkt. Aber auch im Online-Bereich will .ch punkten. Doch hier wartet mit 20 Minuten, das über eine 50-köpfige Onlineredaktion verfügt, bereits ein etablierter Konkurrent. Das neue Gratisblatt setzt auf Technik und crossmediale Lösungen. «Wir können online schon von Beginn ein sehr ausgereiftes Angebot anbieten», erklärte .ch-Chefredaktor Rolf Leeb. Das vierköpfige Online-Team unter der Leitung von Kevin Lancashire werde seine Arbeit vor allem auf den crossmedialen Bereich fokussieren. Personell sei die Struktur sicher nicht mit anderen Onlineredaktionen vergleichbar, so Leeb. «Dafür sind wir technisch auf dem neusten Stand. Das macht uns viel effizienter». Obwohl für den Aufbau der Plattform nur wenig Zeit blieb, will man insbesondere im crossmedialen Bereich bereits ein paar exklusive Extras anbieten. Das moderne Content Management System ermögliche es, schnell aktuelle Wünsche nicht nur von Redaktion, sondern auch von den Werbekunden umzusetzen.
Wichtig war für Leeb auch, den gesamten Newsfeed möglichst automatisiert auf die Plattform zu bringen. «Wir wollen unsere knappen personellen Ressourcen nicht für eine stupide copy-paste-Arbeit einsetzen.» Der gesamte Newsbereich wird deshalb voll automatisch inklusive Bildern von Agenturen auf die Seite gebracht und rund um die Uhr aktualisiert. Hinzu kommen Inhalte aus dem Print, vor allem aus dem Lifestylebereich. Ebenso will man von Beginn weg eine regionale Struktur anbieten, die auch eine Personalisierung erlaube.
In der gedruckten Ausgabe dagegen will sich Leeb mit seinem Team darauf konzentrieren, im Newsbereich wenige, dafür gut selektionierte und recherchierte Artikel zu veröffentlichen. Damit will sich .ch auch von der Konkurrenzzeitung 20 Minuten abgrenzen. «Wir wollen Orientierung für den Leser bieten, nicht nur eine Flut von Häppchen-Meldungen», betonte Leeb gegenüber der Werbewoche. Im Online-Bereich könne man dieses Konzept hingegen vorläufig nicht anwenden, da dafür die Ressourcen fehlen würden. Der Webauftritt werde jedoch kontinuierlich ausgebaut. Das Schwergewicht liege dabei in einer konsequenten Crossmedia-Strategie. «Wir haben unzählige Angebote über Crossmedia-Partnerschaften vorliegen, die wir bisher noch gar nicht alle richtig prüfen konnten», sagte Leeb.
Damit .ch mit einer Auflage von 430’000 Exemplaren am 19. September pünktlich bis 7. 00 Uhr in den eigens entworfenen Ständern vor Schweizer Haustüren liegen kann, arbeitet Leeb mit seinem Team und externen Partnern derzeit auf Hochtouren. «Wir haben ein sportliches Ziel», erklärte Leeb. Mit einem Team von 40 Redaktionsmitarbeitern eine neue Zeitung zu stemmen funktioniere nur, wenn alle mit viel Engagement und Herzblut bei der Sache seien. Eine solche Crew habe man zusammenstellen können.
Bis zum Start am 19. September will die Redaktion noch weitere Nullnummern produzieren, um sämtliche Abläufe einzuüben. «Wir befinden uns auf stürmischer Fahrt, aber wir sind auf Kurs», so der .ch-Chefredaktor. Für Leeb selbst, der auf 20 Jahre Erfahrung im Journalismus zurückblicken kann, ist die Lancierung der neuen Gratiszeitung die spannendste Zeit seiner Laufbahn. Dass sich mit 20 Minuten ein gewichtiger Konkurrent auf dem Markt bewegt, ist Leeb klar. Er sieht sich in der Rolle des Davids, der gegen Goliath antrat: «Und wie diese Geschichte ausging, wissen wir ja».