Verlag Vor dem Wechsel in die Eigenregie präsentierten die Basler Zeitung Medien Spitzengeschäftszahlen, aber rückläufige Inseratevolumina. Wie passt das zusammen?
Als die Basler Zeitung Medien (BZM) Ende September die Zahlen ihres Geschäftsjahres 2006/07 präsentierten, sprachen sie vom «besten Ergebnis seit über zehn Jahren». Tatsächlich stiegen die Umsatzzahlen der meisten Tochterfirmen. Auch das Stammhaus mit Basler Zeitung und Zeitungsdruck legte um 3,5 Millionen auf 137,6 Millionen Franken zu. Und mit 8,1 Millionen Franken hat sich der Konzerngewinn gegenüber dem Vorjahr nicht nur beinahe verdoppelt, er erreichte auch einen Rekordwert.Ein Wermutstropfen ist im BZM-Geschäftsbericht aber enthalten: Das Gratisblatt Baslerstab weist zum zweiten Mal einen deutlichen Umsatzrückgang aus, es liegt heute um 4,2 Millionen Franken tiefer als noch 2004/05. Ein Blick in die VSW-Inseratestatistik zeigt: Der Baslerstab hat sich trotz guter Konjunktur auch in den ersten acht Monaten dieses Jahres nicht erholt. Sein Inseratevolumen reduzierte sich um gut 15 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode 2006. Besonders hoch sind die Verluste bei Stellen- und Immobilienanzeigen.
Was noch stutziger macht: Auch die BaZ weist gemäss VSW-Statistik ein stark rückläufiges Inseratevolumen auf, und zwar seit letztem Herbst, als sie eine freitägliche Grossauflage im Baselbiet lancierte. Allein im ersten Halbjahr 2007 weist die BaZ 395 Inserateseiten weniger aus (–19,6%) als im ersten Semester des Vorjahres. Unter den grossen verkauften Tageszeitungen hat sie somit die schlechteste Anzeigenperformance, die meisten andern Titel profitieren von der derzeitigen Inseratehausse. Sogar bei den Stelleninseraten weist die VSW-Statistik für die BaZ ein Minus auf (–6,6%). Auch die erst einjährige Immobilienbeilage scheint wenig erfolgversprechend zu sein: Der Rückgang bei diesen Rubrikeninseraten beträgt minus 11,3 Prozent.
Zwei Monate vor dem BZM-Schritt in die Eigenregie erscheinen die BZM-Titel somit als Grossbaustelle. Vor allem aber passt der BaZ-Volumenverlust nicht zum publizierten Spitzenergebnis. Denn wie kann das Stammhaus mit derartigen Einbussen beim BaZ-Inserategeschäft umsatzmässig zulegen? Doch bestimmt nicht durch den margenschwachen Zeitungsdruck.
Frankenmässig zugelegtAuch BaZ-Verleger Matthias Hagemann blieb dieser Widerspruch nicht verborgen. Er stellt klar: «Die BaZ hat frankenmässig zugelegt. Der Umsatzzuwachs von 2,6 Prozent im Stammhaus geht praktisch vollständig auf ihr Konto, während wir die Einnahmen aus dem Zeitungsdruck trotz Mehraufträgen bloss stabil halten konnten.» Wie aber erklärt der Verleger die happige Differenz zur VSW-Statistik? «Mit unseren Eigenaktivitäten im Inseratebereich», sagt Hagemann. So werde die BaZ-Grossauflage seit ihrem Start vor einem Jahr nicht von der Publicitas, sondern von der jungen BaZ-Tochter BZM Werbe AG vermarktet – in Eigenregie. «Die VSW-Statistik weist nur die von der P akquirierten Inserateseiten aus, jene der BZM Werbe AG sind nicht enthalten», sagt Hagemann. Eine Aussage, die Jürg Räber, Leiter der P Basel, bestätigt. Ferner weist er darauf hin, dass auch viele Anzeigen, welche Key Media, eine zweite BZM-Tochter (siehe Kasten), für die BaZ akquiriert, in der VSW-Statistik fehlen.
So oder so: Die P-Umsätze bei der BaZ sinken, während die BZM-Töchter die Lücke offenbar mehr als füllen. Dem stimmt Hagemann zu. Doch bei einem Punkt muss der BaZ-Verleger passen: Das korrekte BaZ-Seitenvolumen kann er nicht nennen. Und die Umsätze von BZM Werbe AG und Key Media will er nicht preisgeben. Klar sei aber: «Die BaZ steht besser da als noch vor einem Jahr. Und punkto Grossauflage ziehen wir eine positive Bilanz.» Die Erwartungen wurden übertroffen, das Produkt komme im Werbemarkt sehr gut an und die höheren Kosten habe man schon im ersten Jahr überkompensieren können. Ähnliches gelte für die Immobilienbeilage. «Wir haben mit der Eigenvermarktung begonnen, weil die P im Baselbiet die zur Mittelland-Zeitung gehörende Basellandschaftliche Zeitung betreut und in einen Interessenkonflikt geriet», sagt Hagemann.
Etwas anders ist die Situation beim Baslerstab: «Dieser hat tatsächlich einen Inserateneinbruch erlitten», sagt Hagemann. «Nach dem Wechsel in die P-Vollpacht vor eineinhalb Jahren hat die P die Masse der Kleinkunden nicht bewältigen können. Deshalb wurden wir auch dort wieder selbst aktiv.» Jürg Räber von der P Basel bestätigt dies teilweise. «Es ist richtig, dass wir in der Übergangsphase zwischen März und Juni 2006 bei den Rubriken herausgefordert waren. Wir haben dann mit dem Verlag Optimierungsoptionen definiert.» Später sei der Baslerstab aber zunehmend von BZM-eigenen Produkten konkurrenziert worden. «Die BaZ-Grossauflage, die Immobilienbeilage und auch der erweiterte Stellenbund erschwerten ihm das Leben, ebenso die vermehrt regionale Ausrichtung der BaZ-Redaktion», führt Räber an.
Vorbereitungen auf HochtourenWie dem auch sei: Derzeit laufen bei der BZM die Vorbereitungen für die Eigenregie auf Hochtouren. In den BZM-Titeln wird denn auch schon mit ganzseitigen Inseraten auf den Regiewechsel hingewiesen. Roland Steffen, Leiter Verlage, ist zuversichtlich. «Wir sind im Zeitplan, 35 der rund 40 Mitarbeiter sind bereits da», sagt er. Bewusst hat Steffen einige Personen angeheuert, die in Eigenregieverlagen tätig waren, so etwa Key Accounter Michael Seiler oder Administrationsleiter Andi Lüthi (beide Ex-Berner Zeitung). Dem Key Account-Team gehören ferner Steffen selbst, Harry Zaugg und Erika Sprecher an.
Die grösste Herausforderung sieht Steffen im Backoffice-Bereich, müssen doch Strukturen, Abläufe und EDV-Programme aufgebaut werden, was die BaZ 30 Jahre lang nicht kannte. Ziel sei es, so Steffen, den Kunden eine professionelle und kostengünstige Dienstleistung anzubieten. «Das heisst, dass wir auf die Aufschlagspolitik der P verzichten: Wir werden keine Zusatzkosten für Zielgruppenevaluation oder Nutzung bestimmter Studien erheben.» Diese würden das Inserieren nur verteuern. Stattdessen wählt Steffen eine andere Strategie: Ab 2008 gewährt er den Kunden, die direkt statt über die P buchen, eine Direktbuchungsentschädigung.
Nochmals zurück zu den VSW-Zahlen: Jene der BaZ sind dieses Jahr mit Vorsicht zu geniessen – aber auch 2008. Denn selbst wenn die BZM Werbe AG ab 1. Januar das Ruder übernimmt und dann das Seitenvolumen hoffentlich korrekt meldet, bleibt doch der Vorjahresvergleich fehlerhaft. Für die BZM Werbe AG ist dies ein Vorteil, denn sie wird – selbst bei sinkendem Werbeaufkommen – für die BaZ steigende Volumina ausweisen können. Der Start in die Eigenregie wird also entweder tatsächlich erfolgreich sein oder dann zumindest erfolgreich scheinen.
Markus Knöpfli
Was macht Key Media?13,5 Millionen Franken Umsatz
generierte die BZM-Tochter Key Media im Geschäftsjahr 2005/06. Im Geschäftsbericht 2006/07 finden sich jedoch keine Vergleichszahlen. Der Umsatz der jungen Firma, die primär Anzeigen für Nicht-BZM-Printtitel vermittelt und auch Kundenbudgets betreut, sei Teil des Stammhausumsatzes, erklärt Verleger Matthias Hagemann. Wie bei der BZM Werbe AG werde man den Umsatz der Key Media künftig nicht mehr separat ausweisen. Nur so viel gibt Hagemann preis: Key Media hat ihre Einnahmen gesteigert. Und im laufenden Geschäftsjahr zeichne sich ein weiteres deutliches Wachstum ab. (mk)Eigenregie-Erfahrungen der TZ Was der BZM bevorsteht,
praktiziert die Thurgauer Zeitung (TZ) seit bald zehn Monaten: Nach vielen Jahren in P-Teilpacht nahm die Tamedia-Tochter per 2007 das ganze Inserategeschäft in die eigenen Hände. Gleichzeitig verband sie sich enger mit dem Landboten: Aus dem bisher losen Kombi 1A entstand der Zeitungsverbund Nordostschweiz (NOS) mit gemeinsamer Mantelredaktion. Gemäss VSW-Statistik, die im vorliegenden Fall mit den Verlagszahlen übereinstimmt, haben sich beide Schritte gelohnt: Das TZ-Inseratevolumen, schon letztes Jahr im Plus, stieg in den ersten acht Monaten 2007 noch einmal um 20 Prozent. Der Umsatzzuwachs
in Franken dürfte allerdings tiefer ausfallen, da TZ und NOS ihre Tarife reduziert hatten. Zudem wird für die meisten Stellenanzeigen, die um 55 Prozent zunahmen, «nur» noch der Kombitarif bezahlt, weil der neue NOS-Stellenbund immer in beiden Zeitungen erscheint. Dasselbe gilt für Inserate
in den zahlreichen thematischen Beilagen. TZ-Verlagsleiter Urs Bucher bestätigt: «Der Anteil der Kombi-Inserate ist heute höher als noch zur Zeit des Kombi 1A.» Doch er ist sehr zufrieden. «Wir haben das Budget ziemlich genau erreicht», sagt er. Nun folgt für die TZ
bereits die nächste Herausforderung: Per 2008 übernimmt sie auch die Regie von Partner Landbote, der bisher in P-Händen war. Derzeit ist die TZ-Anzeigenabteilung unter Jürg Gallo daran, in Winterthur eine Filiale mit neun Personen für den lokalen Verkauf aufzubauen. (mk)