Der Landbote setzt noch mehr auf Stadt und Region

Die Tageszeitung Der Landbote setzt ab nächstem Mittwoch noch mehr auf das Geschehen in der Stadt und der Region Winterthur. Beide Ressorts werden einen eigenen Bund erhalten

Die Tageszeitung Der Landbote setzt ab nächstem Mittwoch noch mehr auf das Geschehen in der Stadt und der Region Winterthur. Beide Ressorts werden einen eigenen Bund erhalten. Der Rest der Zeitung wird unverändert bleiben. Dies berichtet die SDA am Mittwoch. Bisher wurden Lokal- und Regionalthemen im gleichen Bund abgehandelt. Der Um- und Ausbau sei die Antwort auf die neuen Gratiszeitungen, heisst es aus dem Winterthurer Zeitungshaus. Der Landbote sei und bleibe die Zeitung für daheim.
Die Leitung des Bundes «Stadt» übernimmt Chefredaktorin Colette Gradwohl. Der Regionalbund wird vom stellvertretenden Chefredaktor Markus Binder geleitet.

Thurgauer Grosser Rat lehnt Pornographie-Regelung ab

Das Thurgauer Parlament hat weitere gesetzliche Regelungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Pornographie abgelehnt. Die Begründung: Unwirksam.

 
Das Thurgauer Parlament hat eine EVP-Motion deutlich abgelehnt, die kantonale gesetzliche Regelungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Pornographie verlangte. Eine Annahme hätte auch die Werbeindustrie betreffen können. Der Grosse Rat anerkannte zwar das Problem, hielt jedoch weitere gesetzliche Regelungen für unwirksam, wie die SDA mitteilte. Pornografische und gewaltverherrlichende Inhalte seien zwar eine Realität; aber gegenüber den schwer kontrollierbaren neuen Technologien könne nur die Erziehung in Elternhaus und Schule etwas bewirken.EVP-Kantonsrat Wolfgang Ackerknecht hatte in seiner Motion beantragt, das kantonale Gesundheitsgesetz sowie die Schulgesetze um Bestimmungen über den Jugendschutz gegen Pornographie zu ergänzen. Er begründete seinen Antrag damit, dass Porno- und Werbeindustrie sowie die Medien und das Internet den Trend zu einer «Sexualisierung der Gesellschaft» bewusst unterstützten. Dies füh¬re zum Verlust tragender Werte der Gesellschaft.

Suche Gut, biete Publicis

Stickeralbum Publisuisse lädt zur Tauschbörse in Zürich.

Stickeralbum Publisuisse lädt zur Tauschbörse in Zürich. 
Wer Publisuissini-Sticker sammelt, hat irgendwann ein Problem. Irgendwann ist man auf der ewigen Suche nach einem Bild, das entweder nie in einem Päckchen ist oder das der Agenturkollege schon in sein Album geklebt hat. Für fehlende oder doppelte Köpfe organisiert Fernsehvermarkter Publisuisse am 2. November einen Tausch-Event. Stattfinden wird das Treffen in Zürich.  
Grund für die Aktion ist der grosse Erfolg der Publisuissini-Kleber bei den Werbern. Wie Publisuisse-Werbeleiter David Elsasser sagt, würden laufend neue Alben bestellt. Das Sammelfieber ist sogar von der Agenturszene auf die Kunden übergesprungen. Seit der Lancierung der Panini-ähnlichen Sticker haben sich fast 700 User auf der offiziellen Online-Tauschbörse registriert und pflegen so ihr Album.
 
Die Aktion ist mittlerweile auch zum Selbstläufer geworden. Das zeigen unter anderem die Werbewoche-Inserate vergangener Ausgaben. Die Werbeagentur Publicis zum Beispiel suchte in einem Inserat einen neuen Chief Creative Officer. Das Sujet zeigte ein Publisuissini-Album, auf dem das Porträt von Markus Gut weggekratzt ist. Darunter die Auforderung zur Bewerbung: «Wer wird unser nächster Spielmacher?»
 
Auch die Agentur Ibl nutzt die Gunst der Stickerstunde und fragt Kunden: «Wozu warten, bis sich die Stars gesammelt und im Sticker-Album formiert haben?» David Elsasser: «Was kann uns Besseres passieren, als dass andere mit unserer Aktion werben?»
 
Vom Tausch-Event verspricht sich Publisuisse einen weiteren Sammelschub. Die Teilnahme lohnt sich übrigens in jeder Hinsicht. Neben Stickers können Preise gewonnen werden. Hinzu kommt, dass auch für die Verpflegung gesorgt sein wird.
 
Christian Lüscher
 
 
Spielvarianten  
Wenn die Sticker-Nachfrage das Angebot übersteigt, ist Tauschhandel oder Wettkampf gefragt:
 
«Schäri – Schtei – Papier» für die Psychologen unter den Werbern,
auch bekannt unter dem Namen «Schnick, Schnack, Schnuck». Das Symbolduell ist ein weltweit verbreitetes Knobelspiel. Es ist ganz einfach: Die beiden Kontrahenten entscheiden sich für eines von drei Symbolen. Da jedes Symbol gegen eines der anderen gewinnen oder verlieren kann, ist der Spielausgang ungewiss. Der Sticker gehört dem, der mit der richtigen Wahl seines Symbols jenes seines Kontrahenten schlägt. Gefragt sind psychologische Eigenschaften der Spieler. Rein zufällig wählt niemand. Das richtige Einschätzen der Verhaltensweisen führt zum Erfolg.  
«Klatschen» oder «Blöösle» für Pausenhof-Nostalgiker
Wer mit Panini-Bildern auf Schweizer Pausenplätzen aufgewachsen ist, kennt das «Blöösle» oder «Klatschen». Das Spiel ist kinderleicht. Beide Kontrahenten legen ihre Sticker kopfüber auf den Tisch oder an eine Wand. Der Reihe nach pustet oder klatscht jeder Spieler über die Bilder. Wer eines aufdeckt, darf es behalten.

Wagner steigt bei BZM aus

Privatradio Der neue Basilisk-Besitzer Martin Wagner ist bestens vernetzt. Auch mit den Basler Zeitung Medien.

Privatradio Der neue Basilisk-Besitzer Martin Wagner ist bestens vernetzt. Auch mit den Basler Zeitung Medien.Martin Ernst Wagner, Basler Rechtsanwalt und neuer Besitzer von Radio Basilisk, ist – wie vor einem Monat von ihm kommuniziert – VR-Präsident der Weltwoche Verlags AG von Roger Köppel, VR-Vizepräsident des Verlags Neue Ideen.ch von Filippo Leutenegger, VR-Mitglied bei der zu Axel Springer gehörenden Jean Frey AG (neu Axel Springer Schweiz) sowie Vizepräsident der beiden Firmen Highlight Communications AG und Rainbow Home Entertainment von Bernhard Burgener.  
Was Wagner damals aber nicht sagte: Bis Ende September war er auch eng mit den Basler Zeitung Medien (BZM) liiert. Er war für die BZM als Rechtskonsulent tätig und unterstützte das Medienhaus seinerzeit beim Verkauf der Tochter Jean Frey AG. In der Vergangenheit nahm Wagner auch Einsitz im Verwaltungsrat diverser BZM-Tochterfirmen, so bei Birkhäuser + GBC, bei Birkhäuser + GBC Spezialprodukte, beim Verlag Multipress AG, bei der Adic Insurance Services AG sowie bei der Telemarketingfirma bc best connect ag.
 
Als feststand, dass Wagner den Basler Sender Basilisk von Tamedia übernehmen würde, gab er alle VR-Mandate bei BZM-Firmen ab: Das Handelsregister weist seine VR-Austritte per 26. und 27. September 2007 aus, was zeigt, dass Wagner sie schon vor der Bekanntgabe seines Basilisk-Deals eingefädelt hatte.
 
BZM-VR-Präsident Matthias Hagemann bestätigt die Trennung von Wagner wegen des Basilisk-Kaufs. «Herr Wagner gab diese Mandate von sich aus ab, weil er die Meinung vertrat, dass sie sich mit seiner neuen Stellung als selbstständiger Radiounternehmer in Basel nicht vertragen», sagt der BaZ-Verleger. Das temporäre Mandat als BZM-Rechtskonsulent werde Wagner aber weiter wahrnehmen.
 
Weil auch Hagemann vor einem halben Jahr Interesse am Sender Basilisk angemeldet hatte, stellte letzte Woche das Basler Newsportal Onlinereports die Frage, ob Wagner wegen seiner Verbindungen zur BZM nun als deren Strohmann fungiere. Sowohl Wagner als auch Hagemann dementierten diese These. Und auch Onlinereports kommt zum Schluss: Eine Nähe zwischen Wagner und BZM besteht zwar, die Strohmann-These lasse sich aber kaum beweisen. Zudem anerkennt Onlinereports, dass sich Wagner, kaum so einspannen liesse.
 
Markus Knöpfli

Pfizer-Journalistenpreis geht an «Cash TV»

Der Fernsehredaktor Patrick Teuscher vom Wirtschaftsmagazin «Cash TV» erhält den Pfizer-Journalistenpreis 2007, der unter dem Moto «Schönheit durch Medizin» stand.

Der Fernsehredaktor Patrick Teuscher vom Wirtschaftsmagazin «Cash TV» erhält den Pfizer-Journalistenpreis 2007, der unter dem Moto «Schönheit durch Medizin» stand. Teuscher erhält die mit 15’000 Franken dotierte Auszeichnung für den Beitrag «Für immer jung – Das Anti Aging Business». Dies teilte die SDA am Mittwoch mit. 
Im Beitrag werden eine junge Frau vor, während und nach einer Brustvergrösserung sowie ein Manager nach einem Burnout begleitet. Laut Jury zeichnet sich der Beitrag durch eine spannende, informative, wissenschaftlich korrekte und dennoch für den Laien verständliche Behandlung des Themas aus.

Kamera läuft

DigitalkamerasJung von Matt/Limmat rückt die Camcorder von Panasonic ins rechte Rampenlicht.

Digitalkameras Jung von Matt/Limmat rückt die Camcorder von Panasonic ins rechte Rampenlicht. 
Panasonic kommt mit neuen Produkten. Beworben werden sie wie gewohnt von Jung von Matt/Limmat. Den Anfang macht die Lumix FX55. Die kleine Alleskönnerin verfügt über eine Motiverkennung und übernimmt alle Einstellungen für ein perfektes Foto selbst. Umgesetzt wird das von Jung von Matt/Limmat mit dem Motiv Rubik: Ein ungelöster Rubik-Zauberwürfel vor der Linse der Lumix erscheint auf ihrem LC-Display bereits gelöst.  
Der neue Full-HD-TV-Camcorder (HDC-SD5EG-K) wartet mit einem Feature auf, das bis jetzt nur im Profibereich zu haben war: Die Pre-Record-Funktion startet die Aufnahme drei Sekunden vor dem Drücken des Auslöseknopfes. Vorbei also die Zeiten, als man den Record-Knopf erst drückte, wenn das Spannendste vorbei war. Oder wie es Texter Livio Dainese im Team von Alexander Jaggy und Lukas Frei in einer passend verstümmelten Headline zusammenfasst: «ie mehr den Anfang verpassen.» Das Artwork wurde von Fernando Perez mit Yves Gerteis und Christina Baeriswyl gestaltet.
 
Andreas Panzeri

Wagner beteiligt sich nicht an Radiovermarktungsfirma

Entgegen den Erwartungen wird sich der neue Besitzer von Radio Basilisk, Martin Wagner, nicht mehr an der Werbevermarktungsfirma Radio Vision beteiligen. Die Anteile von Basilisk werden von der Basler Zeitung gekauft, die im Besitz von Radio Basel 1 ist.

 
Der neue Besitzer des Basler Lokalradios Basilisk, Martin Wagner, wird sich nicht am gemeinsamen Werbeunternehmen der Radios Basilisk, Basel 1 und Regenbogen beteiligen. Der Basilisk-Anteil von 50 Prozent soll somit an die Basler Zeitung gehen, der das Radio Basel 1 gehört. Die Basler Zeitung nehme damit ein im Aktionärsbindungsvertrag vorgesehenes Vorkaufsrecht wahr, bestätigen gemäss SDA die Basler Zeitung Medien und Wagner am Mittwoch. Die Basler Zeitung hält an der Vermarktungsfirma Radio Vision bereits 33 Prozent, Radio Regenbogen hält 17 Prozent. Die Basler Zeitung will mit der Übernahme des Basilisk-Anteils die Weiterführung des Werbeunternehmens sichern.Wagner hatte Basilisk im September von der Zürcher Tamedia gekauft. Damals war angekündigt worden, dass der Basler Anwalt und Medienunternehmer auch den Tamedia-Anteil an der gemeinsamen Werbefirma mit Basel 1 und dem im süddeutschen Raum sendenden Regenbogen übernehme. Er habe daran jedoch kein Interesse, sagte Wagner. So entstehe keine kapitalmässige Verflechtung, und er werde nicht Einsitz im Verwaltungsrat nehmen. Stattdessen könne er mit einem blossen Vermarktungsvertrag auch wieder aussteigen, wenn er wolle. Wegen der Refinanzierung des Basilisk-Kaufs seien ihm die Erträge wichtig, und ohne Anteil an Radio Vision sei die Finanzlast geringer.

Neue Leitung bei Tele und Co. nach Weggang Geisselers

Nach dem Weggang Dominic Geisselers wird die Leitung bei Tele, TV Star, TV2, TV vier sowie der Schweizer Ausgabe von TV Digital neu geregelt. Die Blätter erhalten eine redaktionelle Gesamtleitung unter dem 39-jährigen Chefredaktor Gion Stecher, bleiben aber punkto Positionierung eigenständig.

 
Nach dem Weggang Dominic Geisselers wird die Leitung bei Tele, TV Star, TV2, TV vier sowie der Schweizer Ausgabe von TV Digital neu geregelt. Die Blätter erhalten eine redaktionelle Gesamtleitung unter dem 39-jährigen Chefredaktor Gion Stecher. Urs Padel, 55, wird Chefredaktor von Tele und gleichzeitig Stellvertreter Stechers. Roger Kuster, 32, übernimmt die Funktion des zweiten stellvertretenden Chefredaktors. Die fünf Blätter gehören zum Gesamtbereich der TV-Zeitschriften von Axel Springer Schweiz. Wie bisher bleiben sie bezüglich ihrer Positionierung sowie ihrem Inhalt und ihrer Gestaltung eigenständig, wie es in der Medienmitteilung vom Mittwoch heisst.Alle drei Mitglieder der Chefredaktion sind bereits in den Chefredaktionen der TV-Zeitschriften bei Axel Springer Schweiz: Gion Stecher war bislang Chefredaktor von TV Star, sein Stellvertreter in dieser Funktion war Roger Kuster. Urs Padel zeichnete als stellvertretender Chefredaktor von Tele, TV2 und TV vier verantwortlich. Diese drei Titel hatte Axel Springer Schweiz im Juli 2007 von Ringier übernommen. Der bisherige Chefredaktor von Tele, TV2 und TV vier, Dominic Geisseler, verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch und kehrt zu Ringier zurück (Siehe:
)Bildlegende (v.o.n.u.): Gion Stecher, Urs Padel und Roger Kuster.

Wo bleiben lokale Inhalte?

TV Vaud-Fribourg TV wird das zweitgrösste Privatfernsehen der Schweiz werden. Der Sender gehört der Stadt Lausanne sowie einer Reihe weiterer Waadtländer Gemeinden.

TV Vaud-Fribourg TV wird das zweitgrösste Privatfernsehen der Schweiz werden. Das zukünftige Regionalfernsehen für die Kantone Waadt und Freiburg nimmt Gestalt an. Um die flächen- und bevölkerungsmässig bedeutendste Konzession der Romandie bewirbt sich eine Projektgruppe, in der neben den Verlagshäusern Edipresse und Saint-Paul, der Herausgeberin der Freiburger Zeitung La Liberté, auch eine Reihe von Waadtländer Gemeinden mitmischen.Das Projekt des Bakom für ein gemeinsames TV-Verbreitungsgebiet in den Kantonen Waadt und Freiburg sei absurd, hiess es noch vor wenigen Wochen in interessierten Kreisen. Weder im Kanton Waadt noch im französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg konnte man sich vorstellen, ein Fernsehen für zwei so verschiedene Gebiete zu machen. Und so lautete die Kritik: Die Bürgernähe werde auf der Strecke bleiben, das überkantonale Verbreitungsgebiet erschwere die Suche nach Werbekunden, die Interessen und die Unabhängigkeit der Region Fribourg kämen unter die Räder und der Einfluss von Grossverleger Edipresse, dem gar noch die Werberegie und damit der «nerf de la guerre» gehöre, sei zu stark.
Das Bakom zeigte sich taub für die Kritik und bestätigte das Verbreitungsgebiet Vaud-Fribourg, das von Grösse und Bevölkerungsdichte her gleich nach dem Verbreitungsgebiet Zürich kommt: 40 Prozent der Westschweizer Bevölkerung gehören zu den potenziellen Zuschauern von Vaud-Fribourg TV. Mit 3,2 Millionen Franken, das heisst dem Löwenanteil aus dem Gebührentopf, will das Bundesamt der Grösse des Sendegebiets und der Schwierigkeiten Rechnung tragen, dass im Kanton Freiburg noch kein Lokalsender aktiv ist und die Strukturen völlig neu aufgebaut werden müssen.
Das Manna aus Bern liess den Widerstand schmelzen, ebenso die Arbeit einer Pilotgruppe, die das Projekt inhaltlich so weiterentwickelte, dass die Angst vor einem Verlust lokaler Inhalte und regionaler Unabhängigkeit kleiner geworden ist. So soll das Fernsehen von einer Chefredaktion in Lausanne sowie je einem stellvertretenden Chefredaktor in Lausanne und in Fribourg geführt werden. Regionale Fernsehteams werden in Lausanne, Yverdon, Vevey und Freiburg aktiv sein. Für den französischsprachigen Teil des Kantons Freiburg ist ein spezielles Tagesschaufenster von rund 15 Minuten vorgesehen, das von der Freiburger Redaktion in der dortigen Kunstgewerbeschule Emaf produziert werden soll.
Genügt das, um die Gleichberechtigung der Partner zu garantieren? «Jein», sagt Alfred Noth. Der Verleger von La Liberté hat es sich als Herausgeber einer der letzten unabhängigen Regionalzeitungen zweimal überlegt, ob er mit Konkurrent Edipresse in ein gemeinsames Projekt einsteigen will. Noth sieht noch einige strittige Punkte, wo es «Nägel mit Köpfen» zu machen gelte: Er spricht von der  Einsitznahme in die operative Leitung und vom Einsichtrecht, was die Freiburger Belange betreffe. Diese Punkte seien Gegenstand der nächsten Sitzungen im November. «Im Moment sind Finanzen und Strukturen geklärt, alles andere kommt noch», so Noth. Das Projekt sei jedoch auf gutem Weg, gibt er sich zuversichtlich.
Fernsehen mit ModellcharakterVaud-Fribourg TV könnte tatsächlich zu einem interessanten Modell werden. Denn der Lokalsender TVRL (Télévision de la Région Lausannoise), der als grösstes bestehendes Waadtländer Lokalfernsehen im Zentrum des Projekts steht, gehört nicht einem regionalen Verleger, sondern der Stadt Lausanne sowie einer Reihe weiterer Waadtländer Gemeinden. Und die Gemeinde Lausanne will laut Bürgermeister Daniel Brélaz ihre «historische Verantwortung» als Gründerin von TVRL wahrnehmen: Die Stadtexekutive hat beschlossen, 1,2 Millionen Franken auf den Tisch zu legen und sich mit 21,08 Prozent am Aktienkapital von Vaud-Fribourg TV zu beteiligen (siehe Kasten). Sie wünscht, bis zu 600000 Franken zusätzliche Anteile erwerben zu können, falls andere Partner aussteigen. Im Unterschied zur Beteiligung der Stadt Genf am Genfer Haussender Léman bleu stellt das starke finanzielle Engagement der Stadt Lausanne jedoch kein Problem dar: In Genf hatte das Bakom Njet gesagt zu einer Mehrheitsbeteiligung der Stadt am Aktienkapital von Léman bleu. Im Unterschied dazu ist in Lausanne die öffentliche Hand nur mehrheitlich an einem Partner des Projekts beteiligt, nämlich an TVRL.
Mit ihrem Engagement will die Stadt Lausanne dafür sorgen, dass lokale Informationssendungen nicht unter die Räder geraten und dass die Kriterien von Objektivität und Service public erfüllt werden. «Wir wollen die Kontinuität garantieren und eine Banalisierung der Inhalte verhindern», so Brélaz. Der Leistungsauftrag des Bakom genügt dem «grünen Riesen von Lausanne» offensichtlich nicht als Garantie gegen einen Substanzverlust. «Wir wollen keinen Sender, der den ganzen Tag lang Musikclips und am Abend eine blasse Kopie von TSR-Nachrichten ausstrahlt», sagt Daniel Brélaz.
 
Hélén Brügger
Sieben PartnerAm zukünftigen Sender Vaud-Fribourg TV
(6,4 Millionen Franken Aktienkapital) sind zurzeit sieben Partner beteiligt, die das Aktienkapital provisorisch wie folgt unter sich aufteilen:–    TVRL: 30,3 Prozent
–    Verlag Edipresse: 30,3 Prozent
–    der Freiburger Verlag Saint-Paul und das Lokalradio Radio Fribourg: 15,6 Prozent
–    der Lokalsender Ici TV in Vevey: 10,9 Prozent
–    der Lokalsender Canal Nord Vaudois in Yverdon: 10,9 Prozent
–    der Lokalsender Val TV im Vallée de Joux: 1,9 Prozent
Der Lokalsender Max TV in Morges hat das Prinzip einer Beteiligung beschlossen, die Höhe dieser Beteiligung ist noch zu bestimmen. Aus dem Projekt ausgestiegen ist ein Lokalsender im Gebiet von Nyon. (hb)

BaZ rüstet sich für die Eigenregie

Verlag Vor dem Wechsel in die Eigenregie präsentierten die Basler Zeitung Medien Spitzengeschäftszahlen, aber rückläufige Inseratevolumina. Wie passt das zusammen?

Verlag Vor dem Wechsel in die Eigenregie präsentierten die Basler Zeitung Medien Spitzengeschäftszahlen, aber rückläufige Inseratevolumina. Wie passt das zusammen? 
Als die Basler Zeitung Medien (BZM) Ende September die Zahlen ihres Geschäftsjahres 2006/07 präsentierten, sprachen sie vom «besten Ergebnis seit über zehn Jahren». Tatsächlich stiegen die Umsatzzahlen der meisten Tochterfirmen. Auch das Stammhaus mit Basler Zeitung und Zeitungsdruck legte um 3,5 Millionen auf 137,6 Millionen Franken zu. Und mit 8,1 Millionen Franken hat sich der Konzerngewinn gegenüber dem Vorjahr nicht nur beinahe verdoppelt, er erreichte auch einen Rekordwert.Ein Wermutstropfen ist im BZM-Geschäftsbericht aber enthalten: Das Gratisblatt Baslerstab weist zum zweiten Mal einen deutlichen Umsatzrückgang aus, es liegt heute um 4,2 Millionen Franken tiefer als noch 2004/05. Ein Blick in die VSW-Inseratestatistik zeigt: Der Baslerstab hat sich trotz guter Konjunktur auch in den ersten acht Monaten dieses Jahres nicht erholt. Sein Inseratevolumen reduzierte sich um gut 15 Prozent gegenüber der Vergleichsperiode 2006. Besonders hoch sind die Verluste bei Stellen- und Immobilienanzeigen.
Was noch stutziger macht: Auch die BaZ weist gemäss VSW-Statistik ein stark rückläufiges Inseratevolumen auf, und zwar seit letztem Herbst, als sie eine freitägliche Grossauflage im Baselbiet lancierte. Allein im ersten Halbjahr 2007 weist die BaZ 395 Inserateseiten weniger aus (–19,6%) als im ersten Semester des Vorjahres. Unter den grossen verkauften Tageszeitungen hat sie somit die schlechteste Anzeigenperformance, die meisten andern Titel profitieren von der derzeitigen Inseratehausse. Sogar bei den Stelleninseraten weist die VSW-Statistik für die BaZ ein Minus auf (–6,6%). Auch die erst einjährige Immobilienbeilage scheint wenig erfolgversprechend zu sein: Der Rückgang bei diesen Rubrikeninseraten beträgt minus 11,3 Prozent.
Zwei Monate vor dem BZM-Schritt in die Eigenregie erscheinen die BZM-Titel somit als Grossbaustelle. Vor allem aber passt der BaZ-Volumenverlust nicht zum publizierten Spitzenergebnis. Denn wie kann das Stammhaus mit derartigen Einbussen beim BaZ-Inserategeschäft umsatzmässig zulegen? Doch bestimmt nicht durch den margenschwachen Zeitungsdruck.
Frankenmässig zugelegtAuch BaZ-Verleger Matthias Hagemann blieb dieser Widerspruch nicht verborgen. Er stellt klar: «Die BaZ hat frankenmässig zugelegt. Der Umsatzzuwachs von 2,6 Prozent im Stammhaus geht praktisch vollständig auf ihr Konto, während wir die Einnahmen aus dem Zeitungsdruck trotz Mehraufträgen bloss stabil halten konnten.» Wie aber erklärt der Verleger die happige Differenz zur VSW-Statistik? «Mit unseren Eigenaktivitäten im Inseratebereich», sagt Hagemann. So werde die BaZ-Grossauflage seit ihrem Start vor einem Jahr nicht von der Publicitas, sondern von der jungen BaZ-Tochter BZM Werbe AG vermarktet – in Eigenregie. «Die VSW-Statistik weist nur die von der P akquirierten Inserateseiten aus, jene der BZM Werbe AG sind nicht enthalten», sagt Hagemann. Eine Aussage, die Jürg Räber, Leiter der P Basel, bestätigt. Ferner weist er darauf hin, dass auch viele Anzeigen, welche Key Media, eine zweite BZM-Tochter (siehe Kasten), für die BaZ akquiriert, in der VSW-Statistik fehlen.
So oder so: Die P-Umsätze bei der BaZ sinken, während die BZM-Töchter die Lücke offenbar mehr als füllen. Dem stimmt Hagemann zu. Doch bei einem Punkt muss der BaZ-Verleger passen: Das korrekte BaZ-Seitenvolumen kann er nicht nennen. Und die Umsätze von BZM Werbe AG und Key Media will er nicht preisgeben. Klar sei aber: «Die BaZ steht besser da als noch vor einem Jahr. Und punkto Grossauflage ziehen wir eine positive Bilanz.» Die Erwartungen wurden übertroffen, das Produkt komme im Werbemarkt sehr gut an und die höheren Kosten habe man schon im ersten Jahr überkompensieren können. Ähnliches gelte für die Immobilienbeilage. «Wir haben mit der Eigenvermarktung begonnen, weil die P im Baselbiet die zur Mittelland-Zeitung gehörende Basellandschaftliche Zeitung betreut und in einen Interessenkonflikt geriet», sagt Hagemann.
Etwas anders ist die Situation beim Baslerstab: «Dieser hat tatsächlich einen Inserateneinbruch erlitten», sagt Hagemann. «Nach dem Wechsel in die P-Vollpacht vor eineinhalb Jahren hat die P die Masse der Kleinkunden nicht bewältigen können. Deshalb wurden wir auch dort wieder selbst aktiv.» Jürg Räber von der P Basel bestätigt dies teilweise. «Es ist richtig, dass wir in der Übergangsphase zwischen März und Juni 2006 bei den Rubriken herausgefordert waren. Wir haben dann mit dem Verlag Optimierungsoptionen definiert.» Später sei der Baslerstab aber zunehmend von BZM-eigenen Produkten konkurrenziert worden. «Die BaZ-Grossauflage, die Immobilienbeilage und auch der erweiterte Stellenbund erschwerten ihm das Leben, ebenso die vermehrt regionale Ausrichtung der BaZ-Redaktion», führt Räber an.
Vorbereitungen auf HochtourenWie dem auch sei: Derzeit laufen bei der BZM die Vorbereitungen für die Eigenregie auf Hochtouren. In den BZM-Titeln wird denn auch schon mit ganzseitigen Inseraten auf den Regiewechsel hingewiesen. Roland Steffen, Leiter Verlage, ist zuversichtlich. «Wir sind im Zeitplan, 35 der rund 40 Mitarbeiter sind bereits da», sagt er. Bewusst hat Steffen einige Personen angeheuert, die in Eigenregieverlagen tätig waren, so etwa Key Accounter Michael Seiler oder Administrationsleiter Andi Lüthi (beide Ex-Berner Zeitung). Dem Key Account-Team gehören ferner Steffen selbst, Harry Zaugg und Erika Sprecher an.
Die grösste Herausforderung sieht Steffen im Backoffice-Bereich, müssen doch Strukturen, Abläufe und EDV-Programme aufgebaut werden, was die BaZ 30 Jahre lang nicht kannte. Ziel sei es, so Steffen, den Kunden eine professionelle und kostengünstige Dienstleistung anzubieten. «Das heisst, dass wir auf die Aufschlagspolitik der P verzichten: Wir werden keine Zusatzkosten für Zielgruppenevaluation oder Nutzung bestimmter Studien erheben.» Diese würden das Inserieren nur verteuern. Stattdessen wählt Steffen eine andere Strategie: Ab 2008 gewährt er den Kunden, die direkt statt über die P buchen, eine Direktbuchungsentschädigung.
Nochmals zurück zu den VSW-Zahlen: Jene der BaZ sind dieses Jahr mit Vorsicht zu geniessen – aber auch 2008. Denn selbst wenn die BZM Werbe AG ab 1. Januar das Ruder übernimmt und dann das Seitenvolumen hoffentlich korrekt meldet, bleibt doch der Vorjahresvergleich fehlerhaft. Für die BZM Werbe AG ist dies ein Vorteil, denn sie wird – selbst bei sinkendem Werbeaufkommen – für die BaZ steigende Volumina ausweisen können. Der Start in die Eigenregie wird also entweder tatsächlich erfolgreich sein oder dann zumindest erfolgreich scheinen.
Markus Knöpfli
Was macht Key Media?13,5 Millionen Franken Umsatz
generierte die BZM-Tochter Key Media im Geschäftsjahr 2005/06. Im Geschäftsbericht 2006/07 finden sich jedoch keine Vergleichszahlen. Der Umsatz der jungen Firma, die primär Anzeigen für Nicht-BZM-Printtitel vermittelt und auch Kundenbudgets betreut, sei Teil des Stammhausumsatzes, erklärt Verleger Matthias Hagemann. Wie bei der BZM Werbe AG werde man den Umsatz der Key Media künftig nicht mehr separat ausweisen. Nur so viel gibt Hagemann preis: Key Media hat ihre Einnahmen gesteigert. Und im laufenden Geschäftsjahr zeichne sich ein weiteres deutliches Wachstum ab. (mk)Eigenregie-Erfahrungen der TZ Was der BZM bevorsteht,
praktiziert die Thurgauer Zeitung (TZ) seit bald zehn Monaten: Nach vielen Jahren in P-Teilpacht nahm die Tamedia-Tochter per 2007 das ganze Inserategeschäft in die eigenen Hände. Gleichzeitig verband sie sich enger mit dem Landboten: Aus dem bisher losen Kombi 1A entstand der Zeitungsverbund Nordostschweiz (NOS) mit gemeinsamer Mantelredaktion. Gemäss VSW-Statistik, die im vorliegenden Fall mit den Verlagszahlen übereinstimmt, haben sich beide Schritte gelohnt: Das TZ-Inseratevolumen, schon letztes Jahr im Plus, stieg in den ersten acht Monaten 2007 noch einmal um 20 Prozent. Der Umsatzzuwachs
in Franken dürfte allerdings tiefer ausfallen, da TZ und NOS ihre Tarife reduziert hatten. Zudem wird für die meisten Stellenanzeigen, die um 55 Prozent zunahmen, «nur» noch der Kombitarif bezahlt, weil der neue NOS-Stellenbund immer in beiden Zeitungen erscheint. Dasselbe gilt für Inserate
in den zahlreichen thematischen Beilagen. TZ-Verlagsleiter Urs Bucher bestätigt: «Der Anteil der Kombi-Inserate ist heute höher als noch zur Zeit des Kombi 1A.» Doch er ist sehr zufrieden. «Wir haben das Budget ziemlich genau erreicht», sagt er. Nun folgt für die TZ
bereits die nächste Herausforderung: Per 2008 übernimmt sie auch die Regie von Partner Landbote, der bisher in P-Händen war. Derzeit ist die TZ-Anzeigenabteilung unter Jürg Gallo daran, in Winterthur eine Filiale mit neun Personen für den lokalen Verkauf aufzubauen. (mk)

E-Medien punkten

Gemi Gemäss Goldbach Electronic Media Index (Gemi) steigern die E-Medien den Werbedruck mit einem Plus von 6 Indexpunkten und lassen den Index aller Medien um 2 Punkte klar hinter sich. TV setzt den Höhenflug mit einem erneuten Rekord-Plus von 7 Indexpunkten auf 400 (393) fort.

Gemi
Gemäss Goldbach Electronic Media Index (Gemi) steigern die E-Medien den Werbedruck mit einem Plus von 6 Indexpunkten und lassen den Index aller Medien um 2 Punkte klar hinter sich. TV setzt den Höhenflug mit einem erneuten Rekord-Plus von 7 Indexpunkten auf 400 (393) fort. Radio weiss mit plus 1 Indexpunkt auf 258 aufzuwarten und auch Teletext profitiert im Wahlherbst mit einem Anstieg um 6 Indexpunkte auf 138 (132). Die elektronischen Medien starten den Herbst insgesamt mit hohem Wachstum um 6 Indexpunkte auf 387 (381). Der Markt aller durch Media Focus erfassten Medien steigt um einen Indexpunkt auf 188 (187).Media Focus hat die Internet-Daten komplett nacherfasst und freigeschaltet, weist aber darauf hin, dass Nachprüfungen nötig sind. Zudem widerspricht der negative Internet-Index den Zahlen des Halbjahresjabschlusses 2007 des wichtigsten Internet-Vermarkters Adlink.

Virtueller Werbespielplatz

Games Das Computerspiel wird zum bedeutenden Leit- und Werbeemedium. Das war an der Gamehotel-Konferenz zu erfahren.

Games Das Computerspiel wird zum bedeutenden Leit- und Werbeemedium. Das war an der Gamehotel-Konferenz zu erfahren. 
Gamen ist kein Randgruppenphänomen mehr. Weltweit wird mit Computer- und Videospielen viel Geld umgesetzt. In den USA bereits mehr als mit Kinofilmen. Auch Schweizer tauchen regelmässig in virtuelle Welten. Bereits jeder fünfte hier zu Lande verbringt Zeit mit Konsolen- oder PC-Games, wie eine Studie von Publica Data weiss. 
Wenn nachweislich immer mehr Menschen Computergames spielen, was bedeutet das für die Werbeindustrie? Wer mehr spielt, guckt schliesslich weniger Fernsehen oder liest weniger Zeitungen. Deshalb: Was können Games als Marketing- und Werbemedium leisten? Welche Möglichkeiten eröffnen sie der Markenkommunikation?
 
Diese und ähnliche Fragen versuchten die Referenten an der Gamehotel-Konferenz am vergangenen Freitag zu beantworten. Gamehotel ist eine internationale Eventreihe. Das Thema Werbung in Games kommt nicht von ungefähr. «Videospiele haben eine kulturelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung», so Bruno Beusch. Der in Paris lebende Berner ist Gründer und Organisator von Gamehotel. Nach Ausgaben in Paris und in Kalifornien fand die Veranstaltung in diesem Jahr zum zweiten Mal in Zürich statt. Computerspiele finden sich im Spannungsfeld von Technologie und Kreativität. «Zürich ist ein Hochtechnologiestandort und hat in Sachen Kultur und Lifestyle die Nase vorn», erklärt Beusch seine Standortwahl.
 
Computer- und Videospiele sind ein bisher noch wenig mit Werbebotschaften besetztes Territorium, obwohl Games in vielerlei Hinsicht Bedeutung für die Werbeindustrie haben. Zum einen wegen der demografischen Verbreitung: Gamen ist heute ein Volkssport. In allen Altergruppen, in allen Einkommensklassen, in allen Bildungsschichten, überall wird gespielt. Zum anderen ist Spielen mit vielen Emotionen verbunden. Freude, wenn man den Partner im Autorennen schlägt. Stolz, wenn man ein Rätsel gelöst hat. Verzweiflung, wenn der Spielcharakter ein Level nicht geschafft hat. Ausgelassenheit, wenn man mit Freunden Karaoke singt. Die emotionale Komponente ist , in der Theorie zumindest, die perfekte Voraussetzung, um Markenbotschaften in Computerspielwelten zu platzieren.
 
Umstrittene Bannerwerbung So einfach sich das anhört, so komplex ist die Materie, mit der sich die junge Werbedisziplin «In-Game-Advertising» beschäftigt. Wie an der Konferenz zu erfahren war, wollen die Hersteller Games als Marketing- und Werbemedium öffnen. Die Umsetzung ist aber schwierig, denn es lassen sich nicht einfach die Mechanismen der Massenmedien in virtuelle Welten transformieren. «Games folgen eigenen Spielregeln», sagt Bruno Beusch.
 
Virtuelle Spielwelten einfach mit Bannern zu bepflastern, davon raten praktisch alle Experten ab. Vor allem Achim Jenner von der Werbeagentur Jung von Matt/Limmat ist gegenüber Bannerwerbung kritisch. Der Werber sieht in dieser Werbeform Schwächen, weil gewisse Spielertypen auf Grund ihrer Spielweise und ihres Verhaltens keine Werbung wahrnehmen. «Es müssen neue Ansätze her. Man darf Games nicht mit Bannerformaten überladen, wie man das in den Anfängen des Internets tat», sagt Jenner.
 
Der Geschäftsführer der Digital Media Unit von Jung von Matt/Limmat warnte die Zuhörerschaft von weiteren «Bubble-Bursts». Man beobachte die Bereitschaft der Unternehmen, in Computerspielwelten zu investieren. Im Fall Second Life würden sich aber immer mehr Marken wieder zurückziehen, so Jenner. Grund sei der Hype in den Medien gewesen und die Ernüchterung vieler User. Hinzu kommt, dass virtuelle Welten einen rechtsfreien Raum darstellen. «Wenn alle so sein dürfen, wie sie wollen, kann das für Werbung kein gutes Ende haben», sagt Achim Jenner. Die Palette der Rechtsverstösse in Second Life reicht vom Drogen- und Waffenhandel bis hin zur Kinderpornografie.
 
In welchem Kleid Werbung in Computerspielen künftig daherkommen wird, darüber waren sich die Referenten der Konferenz weitgehend uneinig. Auf Grund der Komplexität des Themas könnte sich die Frage nach Werbung in Computerspielen, pathetisch formuliert, als Schicksalsfrage entpuppen. In keinem anderen Medium seien die Nutzer so sensibel wie in Computer- und Videospielen, sagt Bruno Beusch.
 
Mit den herkömmlichen Werbeformaten, so ein Teil der Referenten, nehme das Medium langfristig Schaden. Deshalb legt man die Hoffnung in neue Spielformate. Gamehotel-Organisator Bruno Beusch ist davon überzeugt, dass gewohnte Spielwelten von immer komplexeren Strukturen abgelöst werden. Der Trend geht zu mehr Wettbewerb unter den Spielern und «User generated Gaming». Was heisst, dass sich die User in Zukunft ihre Spielumgebung selber basteln.
 
Relevante Werbezielgruppe – Jung von Matt und die Typologie der Gamer  
Für einen Grossteil der Bevölkerung ist das Abtauchen in virtuelle Welten Alltag geworden. Der Altersdurchschnitt beim Gros der Freizeitspielerspieler liegt dabei über 40 Jahren. Das geht aus einer Studie von Jung von Matt, Videospielhersteller Electronic Arts und der Fachzeitschrift GEE hervor. Herausgekommen ist eine Typologie der Gamer:
 
Freizeitspieler
Mehr als die Hälfte aller Gamer lassen sich als Freizeitspieler kategorisieren. Mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren ist er auch der älteste aller Videospieler. Der Freizeitspieler ist überwiegend berufstätig und spielt nur gelegentlich. Er wird er als unverbraucht und für In-Game-Werbung empfänglich eingestuft. Er spielt zum Entspannen oder zum Zeitvertreib, wenn es andere Freizeitbeschäftigungen, Job oder die Familie zulassen. Beliebte Games: Sport- und Rennspiele.
 
Gewohnheitsspieler
Dieser Spielertyp ist um die 30. Seit er als Kind mit C64 und Atari 2600 gespielt hat, ist er Games treu geblieben. Heute spielt er zwar weniger als früher, da neben Beruf und Familie nicht mehr so viel Zeit bleibt. Werbung steht er positiv gegenüber. Videospiele haben im Leben des Gewohnheitsspielers ihren festen Platz: zum Beispiel beim Spielabend mit Freunden. Beliebte Genres: Retrogames, Action, Strategie.
 
Intensivspieler
Der Intensivspieler wird im Volksmund auch «Zocker» genannt. Er stellt die jüngste Gruppe unter den Gamern – 80 Prozent sind unter 30 – und verbringt die meiste Zeit vor dem Bildschirm. Schule, Studium, Ausbildung und noch nicht vorhandene familiäre Verpflichtungen lassen viel Zeit zum Spielen. Beliebte Genres: alle. Wegen seines intensiven Spielkonsums ist er für Werbung in Games nicht empfänglich.
 
Fantasiespieler
Er ist ein Familienmensch. 75 Prozent der Rollenspieler leben in Drei- und Mehrpersonenhaushalten, in denen ein unteres bis mittleres Haushaltsnettoeinkommen verfügbar ist. Videospiele bieten ihm die Möglichkeit zur Verwirklichung, die er im realen Leben auf Grund sozio-kultureller Zwänge nicht hat. Mit 6 Prozent gehört der Rollenspieler zu einer Minderheit unter den Spielern. Beliebte Genres: Rollenspiele, Adventures. Dieser Spielertyp nimmt auf Grund seines Verhaltens in Games keine Werbung wahr oder stuft sie als störend ein. Er ist zu sehr mit dem Erschaffen einer eigenen Welt beschäftigt.
 
Denkspieler
Deckt sich in Demografie, Konsum- und Freizeitverhalten mit dem Freizeitspieler. Allerdings ist seine Motivation zum Spielen eine ganz andere: Ihm kommt es nicht auf Entspannung oder Zerstreuung an, er will taktieren, knobeln, gefordert werden. Ausserdem hat er mit 38 Jahren ein deutlich geringeres Durchschnittsalter. Beliebte Genres: Strategie-, Simulations- und Geschicklichkeitsspiele. Für den Denkspieler wirken Werbebotschaften störend, weil er zu sehr mit den Inhalten der Spiele beschäftigt ist.
 
Christian Lüscher
 
 
Gamehotel  
Gamehotel wurde 2003 von Bruno Beusch
in Paris gegründet und wurde ein Jahr darauf als europäischer Veranstalter ins Programm der weltweit grössten Spieleentwicklermesse, der kalifornischen Game Developers Conference in San Francisco, aufgenommen. 2006 machte Gamehotel erstmals in Zürich halt. Gamehotel produziert TV- und Radioshows, Konferenzen und Studien zu Bedeutung und Einfluss von Videospielen. Im März 2007 wurde der Gamehotel Think Thank ins Leben gerufen. Die Denkfabrik analysiert mit Partnern aus Wirtschaft und Medien die zentralen Trends in der interaktiven Unterhaltung. Auf Grund des grossen Interesses der Besucher wird im nächsten Jahr die Veranstaltung in Zürich noch weiter ausgebaut. (cl)
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