Die von vielen Kantonen erfolgten Vernehmlassungsantworten zu den Radio- und TV-Konzessionen rufen bei den Gesuchstellern unterschiedliche Reaktionen hervor. Die Werbewoche hat Reaktionen gesammelt. Lesen Sie, wie sich Tele Züri, Tele Ostschweiz, Tele Top, Tele Säntis und RBB äussern. Tele Top und Tele Säntis zufrieden Günter Heuberger ist gleich mit zwei Sendern im Konzessionsrennen: Tele Top für das Gebiet Zürich-Nordostschweiz, Tele Säntis für die Ostschweiz. Für Tele Top verbuchte der Medienmann in Schaffhausen und im Thurgau Erfolge. Für das Gebiet Ostschweiz dagegen ziehen die Ostschweizer Kantone Tele Ostschweiz vor. Dennoch zeigte sich Heuberger zufrieden. Er freue sich insbesondere, dass die Regierungen mehrfach die «hohe Qualität der Gesuche» erwähnen würden. Er dankte den Regierungen ausserdem für «die Sicherung der Medienvielfalt bei den TV-Konzessionen». Positionsbezüge seien für die Kantonsregierungen «in den jeweils von einem Medienunternehmen beherrschten Monopolräumen heikel und deshalb umso wertvoller», heisst es in einem Communiqué.
Tele Top und Tele Säntis hätten die vom Bakom formulierten Qualifikations- und Selektionskriterien von Anfang an akzeptiert. In den Monaten bis zum Konzessionsentscheid wollen die beiden Sender nun den Informationsstand der Bevölkerung über die zu erbringenden Leistungsaufträge erhöhen.
Tele Ostschweiz freut sich Tele Ostschweiz gibt sich «hoch erfreut» über die Stellungnahmen der Ostschweizer Kantone. «Sowohl die Regierung des Kantons St. Gallen als auch die Regierungen der Kantone Thurgau und Appenzell-Ausserrhoden sprechen sich für die Vergabe der Konzession an Tele Ostschweiz und gegen das Projekt Tele Säntis aus», schreibt der zum Verlag des St. Galler Tagblatt gehörende Sender in einer Mitteilung. Die gleiche Empfehlung hätten die Stadt Rapperswil-Jona und der Verband der St. Galler Gemeindepräsidenten geäussert.
Der Sender wertet dies als «überwältigender Vertrauensbeweis» und «einen Beweis für die hervorragende Verankerung in der Region». Man wolle nun den geplanten Ausbau des Programms und der Redaktion mit aller Kraft vorantreiben. Tele Ostschweiz zeigte sich zuversichtlich, die Konzession für das Gebiet Ostschweiz zu erhalten. Man wolle anschliessend noch dieses Jahr den im Konzessionsgesuch beschriebenen deutlich erweiterten Programmauftrag umzusetzen.
Tele Züri will nicht für den eigenen Erfolg bestraft werdenDas Tele Züri-Mutterhaus Tamedia gibt sich kämpferisch, obwohl sich die Schaffhauser und die Thurgauer Regierung nicht für den Sender ausgesprochen haben. «Natürlich hätten wir uns gefreut, wenn der Thurgau uns unterstützt hätte», sagte Sprecher Christoph Zimmer der Werbewoche. «Aber wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass Tele Züri als Nummer Eins unter den Privatsendern einen Leistungsausweis hat, bei dem es unverständlich wäre, wenn es bei der Konzessionierung leer ausginge.»
Zimmer parierte auch die in den Stellungnahmen geäusserten Befürchtungen, dass die TV-Station den lokalen Themen im Thurgau und in Schaffhausen nicht genügend Beachtung schenken könnte: «Tele Züri macht die Nachrichtenauswahl anhand von journalistischen Kriterien. Anhand der Relevanz der Themen wird gewichtet, nicht anhand des Orts des Geschehens». Die Vorstellung, dass eine gewissen Quote an Meldungen einer bestimmten Region oder Institution gewidmet sein müssten, findet der Sprecher «eine Beleidigung für jede unabhängige Redaktion». Die regionalen Themen würde man ja ausserdem zusätzlich in den Nachrichtenfenstern berücksichtigen.
Sollte Tele Züri die Konzession verweigert werden, hätte das laut Zimmer gravierende Konsequenzen: «Das hätte existenzielle Folgen. Wir müssten das gesamte Konzept des Senders und den Betrieb von TeleZüri in dieser Form überdenken.» Tamedia ist der Auffassung, dass nicht zwei Sender nebeneinander im gleichen Raum existieren könnten. Das Argument, dass Tele Züri unter all den Privatsendern wohl noch am ehesten ohne Gebührengelder überleben könnte, lässt Zimmer nicht gelten: «Das ist doch aberwitzig. Man kann doch Tele Züri nicht einen Strick daraus drehen, dass der Sender wirtschaftlich erfolgreich ist».
Radioprojekt RBB möchte Zweifel an Wirtschaftlichkeit zerstreuen Obwohl die Basler Regierung in ihrer Stellungnahme Zweifel geäussert hatte an der Wirtschaftlichkeit des Projekts RBB von Christian Heeb, sieht der Medienunternehmer das Etappenziel erreicht. «Die beiden Regierungen von Baselstadt und Baselland haben unser Projekt nicht grundsätzlich abgelehnt, was für uns eine grosse Bestätigung ist», so Heeb gegenüber der Werbewoche. Und die Zweifel punkto Wirtschaftlichkeit will er auch zerstreuen. Er hat am Donnerstag mit einem Vertreter der Basler Regierung gesprochen. «Ich habe ihm die Finanzierungsanalyse vorgestellt, die die Publigroupe unter Leitung von Christian Gartmann für unser Projekt gemacht hat. Sie rechnet darin sehr vorsichtig und kommt dennoch auf sehr gute Prognosen, was die wirtschaftliche Seite anbelangt».
Natürlich sei es schwierig, gegen bestehende Projekte anzutreten. «Aber es ist ein Irrglaube, dass die Sender wegen der neuen Bewerbungen geschlossen würden. Alle Konzessionen wurden im vergangenen August gekündigt, und dagegen hat schliesslich niemand Einspruch erhoben». Heeb betont, dass es gemäss der Bakom-Kriterien keine Vorrechte für die schon bestehenden Sender gebe. Und er appelliert an Moritz Leuenberger, die Meinungsvielfalt und die Unabhängigkeit der eingereichten Gesuche zu berücksichtigen. Man wolle in den kommenden Monaten vermehrt Anstrengungen treffen, um die Basler über das RBB-Projekt zu informieren. «Das ist nicht ganz einfach, weil die Basler Zeitung die Berichterstattung über uns schlicht boykottiert. Die Basler Zeitung Medien schickt ja mit Radio Basel 1 auch einen eigenen Sender ins Rennen.»
Heeb ist aber guten Mutes: «Wir stehen mehr denn je hinter RBB.» Unterstützung hat er von Ringier-Mann Fibo Deutsch, Tele-Top-Chef Günther Heuberger und dem ehemaligen Basellandschaftliche-Zeitung-Chefredaktor Franz C. Widmer. Sollte die Konzession erteilt werden, will sich die Publigroupe mit 25 Prozent an RBB beteiligen.