Nehmen wir das Beispiel der Medienmarke Tages-Anzeiger: Aus der Wemf-Studie Mach Basic 2010-2 ist bekannt, dass die Zeitung 473'000 Leserinnen und Leser pro Ausgabe (LpA) ausweist. Und die Studie Net Metrix-Profile 2010-2 zeigte auf, dass Tagesanzeiger.ch 338'000 Unique User pro Woche (UUpW) generiert. Die Marke Tages-Anzeiger kommt also auf eine wöchentliche Bruttoreichweite von 811'000 Personen. Doch wie viele von ihnen konsultieren nun sowohl die Zeitung als auch die Website? Und wie viele lesen ausschliesslich auf Papier, wie viele exklusiv auf dem Portal? Sind jene, die primär Tagesanzeiger.ch nutzen, städtisch, jung und weiblich – oder wohnen sie eher auf dem Land, sind im mittleren Alter und männlich? Und gibt es bei dieser Klientel Nutzungsveränderungen – zum Beispiel weg von der Zeitung hin zum Internet? Oder spricht die Onlineausgabe ein ganz anderes, neues Publikum an? All diese Fragen konnten die Verleger bisher nicht beantworten.
Mit der gemeinsamen Pilotstudie «Total Audience 1.0», die heute Freitag Vormittag publiziert wird, wollen Wemf und Net Metrix hier nun aber Abhilfe schaffen. Wie es der Name antönt, liefert die Studie genauere Angaben über das Gesamtpublikum von Medienmarken. Im Fall des Tages-Anzeigers heisst das nun, dass derzeit 83'000 Personen täglich sowohl die Printausgabe lesen als auch mindestens einmal wöchentlich das Portal konsultieren. Somit wird diese Medienmarke jede Woche von 728'000 verschiedenen Personen genutzt (= Nettoreichweite von Tages-Anzeiger und Tagesanzeiger.ch). 390'000 von ihnen entnehmen ihre Informationen nur der Zeitung und 255'000 rufen sie ausschliesslich online ab. Angaben zu Alter, Geschlecht oder Wohnregion der Nutzer lassen sich natürlich ebenfalls abrufen. Ob und wie sich diese Nutzung aber verändert, wird man erst mit Folgestudien feststellen können.
Möglich sind jedoch Über-Kreuz-Auswertungen, so etwa zwischen Blick und NZZ-Online. Das Resultat: 32 000 der total 638 000 Blick-Leser konsultieren mindestens einmal pro Woche auch das Portal nzz.ch, das wöchentlich von insgesamt 319'000 Personen genutzt wird. Wer in beiden Medien Werbung schaltet, erreicht also 925'000 verschiedene Personen.
Die Pilotstudie «Total Audience 1.0» wurde für 23 Zeitungen, 3 Zeitschriften und 15 Websites (darunter A-z.ch, Scout24 oder Newsnetz.ch) durchgeführt, die extra dafür bezahlten.
Für den neuen Intermedia-Ansatz musste die Wemf bei den Personen, die für die Mach Basic 2010-2 befragt worden waren, mittels Folgeinterviews noch zusätzliche Daten zur Nutzung von Websites erheben. Die entsprechenden Antworten bilden nun quasi die Brücke zur Net Metrix-Profile 2010-2, wo solche Scharnierfragen schon seit dem Start vor vier Jahren standardmässig dazu gehören. Das gilt übrigens auch für das neue Forschungssystem Mach 3, das die Werbewoche in ihrer nächsten Ausgabe vom 4. März vorstellt. Auch bei der Mach 3 werden Fragen zur Online- und Mobile-Nutzung von Zeitungsinhalten Teil des Forschungskonzeptes sein. Anders bei der Studie «Total Adience 1.0»: Hier ist die Nutzung von Apps noch nicht enthalten, weil die Befragung schon im März 2010 endete.
Markus Knöpfli
(Bild: Keystone)