Mit 18 Prozent mehr Einsendungen als im Vorjahr präsentierte sich der Wettbewerb der Fachzeitschriften aus Europa, Osteuropa und Naher Osten sowohl qualitativ wie quantitativ als sehr hochstehend. Insgesamt 3738 Einsendungen von 588 Agenturen kämpften um die Preise. Von den 48 teilnehmenden Ländern war die Schweiz mit 14 Agenturen und 335 einzelnen Beiträgen die Nummer 4 der Konkurrenten, hinter Deutschland mit 803 Einsendungen, Frankreich mit 478 und Schweden mit 375. Zum Verständnis: Als Einsendung gezählt werden bei einer Printkampagne zum Beispiel alle einzelnen Sujets, ein Film gilt als 1 Einsendung.
Dieser grosse Fleiss der Schweizer Kreativen hat sich am Freitagabend nach vier intensiven Tagen mit Visionieren und Bewerten durch die Vertreter der 48 Fachzeitschriften auch in einem ähnlich aussergewöhnlichen Resultat für die Schweiz gespiegelt. Der Vertreter der Werbewoche war bei zahlreichen Votings zum «neutralen» Zuschauen verurteilt, weil eine Schweizer Arbeit im Finale stand. Gewonnen haben schliesslich vier Agenturen sieben Epicas. Welche davon als Silber und welche als Bronze gerechnet werden, kann erst nach einer Analyse aller Punktzahlen am Montag bestimmt werden.
Gekürt in einer Schlussabstimmung in Paris wurden aber vier «Grand Prix» – was Gold bedeutet. Dabei ging erstmals in der 25jährigen Geschichte der Epicas ein «Grand Prix» an die Schweiz. Spillmann Felser Leo Burnett bekommt Gold in der Kategorie «Press» mit den Wortspielen in der Kampagne für Swiss Life. Dazu gewinnt SFLB einen weiteren Epica in der Kategorie «Promotions & Activation» für Micasa mit der Idee «50 Prozent Rabatt – wenn ein Möbelstück den gleichen Namen hat…».
Ruf Lanz gewinnt einen Poster-Award für Lucerne Classic Music Festival mit dem Plakat, wo über jeder Loge des Konzerthauses ein Signallicht «Notausgang» leuchtet, weil ein Konzert mit experimenteller Musik auf dem Programm steht. Der zweite Epica für Ruf Lanz gibt es in der Kategorie «Film» mit dem Hyundai-Spot, wo der VW-Präsident mit echt «versteckter Kamera» aufgenommen wird, wenn er sich wundert, wieso Hyundai schafft, was bei VW bis jetzt nicht möglich war.
Zwei Epicas gehen an die Y&R Gruppe. Der Film mit Hillary Clinton und Sarkozy für die SonntagsZeitung hat bei der Jury für viel Spass gesorgt. Die soeben mit elf Clios ausgezeichneten Illustrationen, die Musik und Geräusche für Phonak «sichtbar» machen, haben auch in Paris gefallen und einen silbernen oder bronzenen Epica gewonnen.
In der Kategorie «Press» durfte sich Remy Fabrikant nach seinem Bronze-Löwen in Cannes auch noch über einen Epica freuen für seine Hakle-Anzeige «See you later» – wenn das Zeitungspapier recyclet wird, auf welchem diese Anzeige gedruckt worden ist.
Nur knapp in der letzten Diskussionsrunde ausgeschieden ist die Facebook-Aktion für Obermutten von Jung von Matt/Limmat. Eine grosser Teil der Jury wollte dieser Idee einen Epica in der Kategorie Social Media geben. Ebenso Walkers Filme für Möbel Pfister haben für viele Lacher gesorgt, sind dann aber in der Konkurrenz gegen ein wahres Festival von Ikea-Filmen aus zahlreichen Ländern wieder in die Shortlist zurück gestellt worden. Otrivin für Novartis von Saatchi & Saatchi hat die Jury unterhalten. Die Filme mit dem «offenen Mund» wegen Atembeschwerden haben es aber nicht aus der Shortlist heraus geschafft. In Cannes wurde die gleiche Idee mit einem Goldlöwen ausgezeichnet. Da dürften wohl ein paar zusätzliche Münder offen bleiben…
Weitere Schweizer Shortlist-Plätze gab es auch für Wirz und Publicis sowie noch einmal SFLB, Jung von Matt und Y&R. Mehr dazu in der Printausgabe der kommenden Werbewoche. Andreas Panzeri