Von den hier aufgeführten 132 Printtiteln aus der ganzen Schweiz erhöhen 45 per 2012 den Preis pro Anzeigenseite, nur zwei senken die Seitenpreise. Letztere sind GuideTVLoisirs von Edipresse (neu: Tamedia Publications romandes) und die Tessiner Tageszeitung LaRegione Ticino. Während GuideTVLoisirs nach dem Konzept- und Namenwechsel vor knapp zwei Jahren nun ein Viertel weniger Leser ausweist, war eine Tarifreduktion auch angebracht. Allerdings bleibt sie mit -14,7 Prozent deutlich unter dem Leserverlust, weshalb beim Programmheft eine Erhöhung des Tausendleserpreises (TLP) resultiert – jedenfalls gegenüber früher. Anders bei LaRegione: Dessen Tarifreduktion erscheint zwar mit -0,3 Prozent als klein, da die Zeitung aber 7,8 Prozent mehr Leser ausweist, ergibt sich unter dem Strich ein tieferer TLP. Dies wohl primär aus strategischen Gründen, denn LaRegione muss sich gegenüber dem neuen 20 minuti behaupten. Die deutlichste – wenn auch versteckte – Preisreduktion gegenüber dem Vorjahr findet sich aber bei der Wochenzeitung WoZ: Sie belässt ihre Preise auf heutigem Niveau trotz markanter Reichweitensteigerung um 18,8 Prozent. Ihr TLP sinkt damit um 15,8 Prozent. Bei den Titeln, die ihre Seitenpreise aktiv erhöhen, fallen einige mit Steigerungen über 10 Prozent auf: Da ist zunächst die junge Migros-Zeitschrift Vivai, die gleich um 78 Prozent aufschlägt – und dies noch bevor erste Leserzahlen vorliegen. Eine Begründung seitens der Migros gab es nicht. Noch erstaunlicher ist der Preisaufschlag um fast 20 Prozent bei der Genfer Wirtschaftstageszeitung Agefi, hat doch der Titel gemäss neusten Leserzahlen innert eines Jahres beinahe die Hälfte seiner Leser (-43,8 %) verloren hat. Somit ergibt sich bei Agefi per 2012 eine Verdoppelung des TLPs – ebenfalls ohne Begründung.
Zu den erstaunlichen Preisaufschlägen gehören zudem jene bei den Edipresse-Lokalzeitungen La Broye und Journal de Morges: Sie kosten künftig 13,4 Prozent und 9,3 Prozent mehr. Ebenfalls Preisaufschläge von über 10 Prozent finden sich beim Blick am Abend und beim Magazin, sie fallen aber moderat aus. Denn Ringiers Gratisblatt erhöht seinen Seitenpreis um 15,6 Prozent und bleibt damit unter der Leistungssteigerung von 23,8 Prozent. Sein TLP wird also günstiger. 15 Prozent mehr pro Seite verlangt auch das Magazin, was aber exakt der Reichweitensteigerung entspricht. Wie jedes Jahr gibt es auch eine ganze Reihe versteckter Preiserhöhungen, etwa dann, wenn ein Titel signifikant Leser verliert, die Preise aber in keiner Weise anpasst. Beides ist bei acht Titeln der Fall, sie erhöhen somit ihren TLP. Konkret handelt es sich um den TV Star, dessen TLP gegenüber Vorjahr um 12,7 Prozent teurer wird, bei Bilan steigt er um 12,6 Prozent, bei der Finanz und Wirtschaft um 12 Prozent, bei Le Temps um 11 Prozent, bei 20 minutes um 7,3 Prozent, bei SI Style um 6,7 Prozent, beim SonntagsBlick um 5,5 Prozent und beim Gesundheits- Tipp um 5,4 Prozent.
Interessant ist aber auch, wie sich die Pressetitel seit 2008, als die Finanzkrise ihren Anfang nahm, preislich verhalten haben. Die Werbewoche verglich deshalb – sofern möglich – die Tarife 2012 mit jenen von 2008 – sowie die jeweils zugrunde liegenden Leistungswerte (Reichweiten). Das Resultat: 37 Titel verlangen 2012 pro Anzeigenseite noch gleich viel wie 2008, 21 kosten sogar weniger als damals. Doch 54 Titel haben den Preis trotz Rezession angehoben. Den Frankenbetrag am meisten erhöht hat 20 minutes, nämlich um 110 Prozent, gefolgt von Heute/Blick am Abend (91,7 %) und 20 Minuten Deutschschweiz (+35 %). Die grösste Tarifreduktion nahmen die Programmhefte TV2 und TV vier von Axel Springer Schweiz vor, die ihre Seitenpreise halbierten (-50,8 %).
Auf der Ebene TLP sind seit 2008 56 Titel teurer geworden, das heisst, ihr Preis erhöhte sich seit dem ersten Krisenjahr prozentual stärker als die Leistung. 20 minutes zeigt dies exemplarisch: Hier schlug der Seitentarif in den letzten vier Jahren wie erwähnt um 110 Prozent auf, während die Reichweite «bloss» um 67 Prozent zulegte. Der TLP erhöhte sich somit um 25,5 Prozent.
Geradezu frech ist es aber, wenn die Reichweite sinkt und der Preis dennoch stark angehoben wird. Agefi ist dafür wohl das Paradebeispiel, doch weil dessen Tarife 2008 nicht vorliegen, kann der Vierjahresvergleich nicht vorgenommen werden.
Aber Agefi steht nicht allein: Auch die Basler Zeitung wurde seit 2008 um 12,7 Prozent teurer, ihre Reichweite in derselben Zeit aber um 14,4 Prozent kleiner. Das Oltner Tagblatt erhöhte den Preis um 13 Prozent, trotz Reichweitenverlust von 9,3 Prozent. Die Zürichsee-Zeitung verkauft ihre Anzeigenseite um 2,4 Prozent teurer, obwohl sie 15,7 Prozent weniger Leser bringt. Der Tages-Anzeiger erhöhte seinen Seitenpreis um 11,8 Prozent, trotz Leserverlust von 5,2 Prozent. GHI schlug um 3,4 Prozent auf, verlor aber 9,6 Prozent seiner Leser. Der Blick verlangt 3,1 Prozent mehr trotz Reichweitenverlust von 9,7 Prozent. Und auch die NZZ kostet 5,6 Prozent mehr, obwohl sie 6,4 Prozent weniger Leser ausweist. Dass es auch anders geht, zeigen Le Temps oder die Südostschweiz: Le Temps hat heute wieder exakt die Reichweite von 2008 – und auch den Preis von damals – null Aufschlag also.
Ähnlich bei der Südostschweiz, wo Preis und Leistung seit 2008 um je 0,4 Prozent zurück gingen. Auch bei SI Style und der SonntagsZeitung ist die Kluft zwischen Preis und Leistung über die vier Jahre sehr klein geblieben.
Zu erwähnen sind aber auch die 28 Titel, die in der Krisenzeit ihren TLP reduzierten –durch Tarifsenkungen, durch Leistungsverbesserungen – oder durch beides. So ist heute der TLP von TV vier und TV2 um rund 35 Prozent günstiger als noch 2008, der Impartial senkte seinen TLP in derselben Zeit um 14,9 Prozent, die Glückspost um 12,5 Prozent und TV8 um 11,3 Prozent. Markus Knöpfli
> Brutto-Anzeigentarife im Überblick (PDF)