Vor etwas weniger als einem Jahr hat die Werbewoche in ihrer Titelgeschichte vom 18. Februar 2011 gross über das Phänomen berichtet. Nach Dominomania, Oceanmania und Stickermania hat die Migros ihre Kunden damals mit der «Nanomania» angesteckt. Wer für 20 Franken beim orangen Riesen einkaufte, bekam eine kleine Spielfigur geschenkt. Das Sammeln und Spielen mit den farbigen Nano-Kapseln entwickelte sich zum Mega-Hit. Entwickelt wurde die Idee bei Wirz. «Eine schönere Aufgabe kann sich eine Agentur kaum wünschen», freute sich CD Hanspeter Schweizer über die «carte blanche», aus einer einfachen Metallkapsel eine völlig neuartige und crossmediale Kampagne zaubern zu dürfen. Bei Wirz hat man den 48 Figuren verschiedene Farben, Namen und eine Familie gegeben. Dazu wurden erste Spiele entwickelt. Diese sollten die Kids anregen, auf einer eigens lancierten Plattform weitere Spielmöglichkeiten für die Nanos hochzuladen. Das hat im Netz zu einem veritablen Fieber geführt.
Davon ist jetzt offensichtlich auch der Real-Markt in Deutschland angesteckt worden. Wer für 15 Euro in einem der über 320 Warenhäuser in Deutschland einkauft, bekommt als Kundengeschenk eine Nano-Figur. Bei Real heissen diese allerdings «Funky-Beans» und statt 48 gibt es nur 30 exklusive Figuren. Auf den ersten Blick wirken diese etwas billiger als die Kreationen von Wirz und Migros.
Bei der Zürcher Agentur zeigt man sich überrascht. «Ob die Kampagne in Deutschland eine Kopie unserer Nanomania ist, können wir nicht mit Sicherheit sagen», erklärt CD Hanspeter Schweizer. Bei Wirz hält man daran fest, dass die Kampagne mit den Spielkapseln als eine Premiere entwickelt worden ist. «Die Migros hat meines Wissens 2010 als erster Detailhändler in Europa für diese Plastikbohnen eine Lizenz erworben: von Nebus, einem holländischen, auf Spezialpromotionen ausgerichteten Unternehmen», präzisiert Schweizer. Alle über die nackte Kapsel hinaus reichenden Ideen wurden dann bei Wirz entwickelt. Bei der Migros hat der Projektleiter noch keine Stellungnahme abgeben können. Es sei aber bekannt, dass Nebus die besagten Kapseln international vermarkten wolle.
«Real Funky Fieber» startete am 2. Januar 20112 und dauert bis Mitte Februar. Entwickelt – oder adaptiert? – wurde die Kampagne von der Agentur zum Goldenen Hirschen in Köln.
Andreas Panzeri
> Zum Real Funkyfieber-Spot auf Horizont.net
Kommentar von Roman Reichelt, Senior Projektleiter Marktbearbeitung beim Migros-Genossenschafts-Bund:
«Korrekt ist, dass die 'Nanomania' als solche eine Eigenkreation des Migros Genossenschaftsbundes in Zusammenarbeit mit zwei externen Partnern ist. Gekauft haben wir lediglich die Lizenz des Plastikbehälters mit Eisenkugel darin. Was wir darauf gedruckt haben – also dass wir 6 Völker und einen eigenen Planeten entwickelt haben – das alles war in dieser Form einmalig auf der Welt. Wirz Werbung zeichnete für das Artwork und die Bewerbung verantwortlich.
Da das zugrundeliegende Spielzeug (die Plastikhülle mit Kugel) von jedem Händler oder jeder Promotionsagentur weltweit eingekauft und selbst neu bemalt und vertrieben werden kann, war uns klar: Irgendwer im Ausland wird versuchen, den Erfolg der Nanomania zu reproduzieren bei sich. Wir haben die Kampagne von real,- Deutschland zur Kenntnis genommen und betrachten es als Kompliment, dass der Aufbau der Nanomania sicher das ein oder andere Mal Pate stand. Darüber hinaus steht es uns aber nicht zu, die Marktbearbeitungsmassnahmen eines anderen Händlers zu kommentieren.»
Kommentar von einem Werbewoche-Leser:
«Die Nanos (ev. anderer Name), gab es schon vor dem Einsatz bei Migros. Sie wurde bereits in Holland bei einer Ladenkette verwendet. Gleiche Verpackung, gleiche Grösse nur anderes Design und ev. andere Mengen. Ist ja nicht so tragisch, wer es erfunden hat, hauptsache die Idee ist gut.»