Den Champions League-Match FC Basel gegen FC Bayern München, der am letzten Mittwoch mit einem 1:0 für Basel endete, haben in der ganzen Schweiz – über alle Sprachregionen – insgesamt 945 000 Personen mitverfolgt. Der Marktanteil betrug in der Deutschschweiz (SFzwei) 40,6 Prozent, in der Romandie (TSR2) 25,5 Prozent und im italienischen Sprachgebiet (RSI2) 15,1 Prozent.
10 Millionen sahen den Siegestreffer
Topquoten erreichte das Spiel auch in Deutschland: Dort haben 7,46 Millionen Menschen den Sieg des «kleinen» über den «grossen» FCB von Anfang bis zum Schluss auf Sat.1 gesehen, ein Marktanteil von 22,9 Prozent. Auch in Österreich interessierte man sich für den fussballerischen Schlagabtausch: Dort sassen 464 000 Personen vor dem Fernseher und genossen das Spiel auf ORF1. Der Marktanteil betrug 17 Prozent. Da aber die Österreicher erst Personen ab 12 Jahren als Zuschauer rechnen, während die Schweiz und Deutschland schon Kinder ab 3 Jahren mitzählen, sind die Zahlen nicht ganz vergleichbar. Immerhin: In den drei erwähnten Ländern haben mindestens 8,9 Millionen Personen das Spiel verfolgt. In der zweiten Halbzeit schauten dann noch einige mehr zu, so dass insgesamt rund 10 Millionen Personen Jacques Zouas perfekten Pass und Valentin Stockers Siegestreffer in der 86. Minute mitbekamen.
Chance für Basel Tourismus?
Angesichts dieser Quoten – vor allem in Deutschland – stellt sich die Frage, ob etwa Basel Tourismus im Vorfeld oder während des Matches die Chance genutzt hat, um die Stadt am Rheinknie zu promoten. Wurden etwa auf Sat.1 Spots geschaltet, um auf den «Morgestraich», die BaselWorld, die Kunstmesse ART oder das BaselTattoo hinzuweisen? Oder plant man Solches auf das Rückspiel hin? Und wie wärs mit einer originellen Präsenz vor oder im Münchner Stadion?
Nichts davon ist verwirklicht oder geplant, wie eine Anfrage bei den Basler Stadtvermarktern ergab. Basel Tourismus verfüge bloss über ein Budget von 1,6 Millionen Franken pro Jahr, TV-Spots vor oder während eines solchen Matches kämen deshalb nicht in Frage, beschied Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus. Auch an eine Standaktion in München fasse man nicht ins Auge. So etwas habe man schon einmal ausprobiert – ohne Erfolg. Auch günstige Übernachtungsangebote auf Websites ausländischer Fanclubs seien gänzlich ohne Nachfrage geblieben.
Steter Tropfen höhlt den Stein
Abgesehen davon sei München ohnehin zu weit entfernt. Basel Tourismus bearbeite mit seiner Werbung primär zwei «Zielgruppen»: Einerseits Menschen, die maximal zwei Autostunden von Basel weg wohnen – andrerseits aber neue Märkte wie China und Indien. Dies probiere man aber nur indirekt… Wir richten uns eigentlich nicht an die Endkunden», sagt Egloff. Vielmehr gehe man auf Reiseveranstalter zu, auf Tour Operator und Reisemedien. Diese lade man nach Basel ein, auch mal an einen FCB-Match. Das sei günstiger als Werbung direkt an den Endkunden zu richten. Für den Match FCB gegen FCB habe man allerdings keine Tickets zur Verfügung gehabt, fügt er an.
Hat denn ein solcher Spitzenmatch für das Basler Stadtmarketing keinen Stellenwert? Doch, sagt Egloff, aber nur langfristig: Je weiter der FCB in der Champions League vorankomme, desto breiter mache er den Basel unter den Fussballfans bekannt. Nach und nach setze sich dieser Begriff so in den Köpfen fest – und irgendwann einmal, vielleicht auch verbunden mit weiteren Basler Inputs, werde der eine oder andere die Lust packen, einmal ans Rheinknie zu reisen, jedenfalls eher, als wenn er nie von Basel gehört hätte. Insofern sei der FCB als Botschafter von Basel durchaus von Bedeutung.
Markus Knöpfli