Das Bieler Tagblatt, Journal du Jura sowie weitere im Kundenauftrag erstellte Zeitungsprodukte werden fortan im Druckzentrum Bern gedruckt, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Dies führt in Biel zu einem Abbau von 26 Stellen, wovon fünf Mitarbeiter in Bern weiterbeschäftigt werden können. Das Bieler Medien- und Druckunternehmen Gassmann sichere mit diesen Schritten langfristig seine finanzielle und operative Unabhängigkeit als führendes und selbstbestimmtes Druck- und Medienunternehmen im Raum Biel / Seeland / Berner Jura sowie in Teilen der Romandie, heisst es in der Mitteilung. Aus personeller Sicht sei die Einstellung des Zeitungsdruckes auf der Rotationsdruckmaschine am Längfeldweg in Biel als einschneidend zu bezeichnen. Für die Betroffenen solle ein Sozialplan zur Anwendung gelangen, der nach Angaben des Medienhauses über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinausgeht.
Zu der grundlegenden Neuausrichtung im Zeitungsdruck kam es, weil das Bieler Medienunternehmen vor der Frage stand, ob es die erneuerungsbedürftige Zeitungsdruckerei und Speditionsanlage ersetzen oder eine Kooperation eingehen soll. Angesichts der mittel- und langfristigen Rahmenbedingungen im Schweizerischen Zeitungsdruck-Markt entschied man sich für eine Kooperation. Das Medienhaus Gassmann verweist in diesem Zusammenhang auf bestehende Überkapazitäten bei neuen Anlagen. Von dieser Neuausrichtung nicht betroffen ist gemäss SDA das Geschäftsfeld Kunden- Akzidenzdruck der W. Gassmann AG und der Courvoisier Arts Graphiques SA für Kataloge, Broschüren und Bücher. Im Akzidenzdruck am Bieler Längfeldweg sind rund 80 Mitarbeitende tätig. In diesen Geschäftsbereich will Gassmann in Zukunft investieren.
Syndicom kritisiert Tamedia
Syndicom fordert von Tamedia, dass alle 26 Betroffenen, nicht nur deren fünf, einen neuen Arbeitsplatz angeboten bekommen. Dies schreibt die Gewerkschaft in einem Communiqué. Man kritisiere dabei nicht primär Gassmann, dass sie in einem von Überkapazitäten geprägten Druckmarkt nicht gewillt sei, in eine Modernisierung der Produktionsanlagen Millionen von Franken zu investieren. Sie kritisiere aber scharf den Medienkonzern Tamedia, dass dieser offensichtlich nur fünf von 26 von der Entlassung bedrohten Beschäftigten einen neuen Arbeitsplatz in Bern anbieten wolle. Tamedia habe genug Möglichkeiten in ihrem Konzern, um von Gassmann nicht nur Druckaufträge zu übernehmen, sondern allen Betroffenen eine neue berufliche Zukunft zu garantieren, so die Gewerkschaft.
Mehr als nur erstaunt sei man über die Mitteilung in der Presseerklärung von von Gassman , dass offenbar ein Sozialplan für die Betroffenen zur Anwendung kommen soll. Ein Sozialplan, über den es nach GAV für die grafische Industrie auch Verhandlungen mit der zuständigen Gewerkschaft Syndicom geben müsste. Solche Verhandlungen hätten aber noch gar nicht stattgefunden. Syndicom fordere Gassman deshalb auf, rasch möglichst zu Verhandlungen mit der Gewerkschaft und der Betriebskommission Hand zu bieten.
Die W. Gassmann AG ist ein inhabergeführtes Druck- und Verlagshaus. Gegründet wurde das Unternehmen 1780. Die Gassmann-Gruppe beschäftigte Ende Januar insgesamt 361 Mitarbeitende, davon 231 bei der vom Personalabbau betroffenen W. Gassmann AG.
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