Einer der Kläger, der österreichische Journalist Klaus Kamolz, will mit der Anzeige ein «symbolisches Zeichen» gegen die in seinen Augen durch die Weltwoche betriebene «Pauschalverurteilung der Roma als Verbrecher» setzen. Dies sagte er am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Bund und Tages-Anzeiger hatten bereits am Samstag über die Anzeige von Kamolz berichtet.
Auslöser der Klagen ist das Titelbild der aktuellen Weltwoche. Auf dem Titel ist ein Kind abgebildet, das eine Waffe in die Kamera hält. Eingeführt wird der Artikel auf der Titelseite mit den Worten «Die Roma kommen: Raubzüge durch die Schweiz». Das Foto selbst stammt vom italienischen Fotografen Livio Mancini. Er hat es im Jahr 2008 auf einer Mülldeponie am Rande der kosovarischen Stadt Gjakova aufgenommen, wo Roma-Kinder mit ihren Familien leben und die giftige Abfallhalde als Spielplatz nutzen. Dies steht im Bildbeschrieb auf Mancinis Internetseite.
Die Kombination von Titel und Bild war dann auch Auslöser für weitere Klagen. So entschied sich eine im Kanton Baselland wohnhafte Frau bereits am Donnerstagvormittag, Anzeige gegen die Weltwoche zu erstatten. Sie sehe die Anti-Rassismus-Strafnorm, Artikel 261 des Strafgesetzbuches, verletzt, sagte die Klägerin gegenüber der SDA. Zudem wurde auf dem Internet-Kurznachrichtendienst Twitter am Samstag die Meldung verbreitet, wonach auch in Deutschland eine Klage im Zusammenhang mit der aktuellen Ausgabe der Weltwoche eingereicht worden sei.
An der Botschaft des Fotos stört sich auch der Schweizer Medienrechtsexperte Peter Studer. Es sei ein unerhörtes Bild mit rassistischen Zügen, sagte Studer gegenüber Radio 1. Er könne nicht begreifen, dass Köppel so etwas gemacht habe. Ansonsten sei der Bericht aber «sehr gut dokumentiert».
Kein Verständnis für Empörung
Wer hingegen die Empörung nicht nachvollziehen kann ist Philipp Gut, stellvertretender Chefredaktor der Weltwoche und Co-Autor des Hauptartikels. Die Aufnahme symbolisiere «den Umstand, dass Roma-Banden ihre Kinder für kriminelle Zwecke missbrauchen», so Gut gemäss SDA. Der eigentliche Skandal sei, dass sich keiner der Empörten gegen diesen Missbrauch ausgesprochen habe. Zum Inhalt der Artikel schrieb Gut, diese brächten ein «gravierendes Problem ernsthaft und differenziert zur Sprache». Die Recherchen würden auf «Zahlen und Fakten der Behörden sowie von Roma-Organisationen selber beruhen».
> Weltwoche-Titelbild: Empörung auch in Deutschland