So kommen Sie schneller zu Ihrem Geld

Wenn Ihr Geschäftspartner nicht zahlt, müssen Sie ihn betreiben. Das geht schneller mit einem neuen und günstigen Hilfsmittel. Von Michael Krampf, lic. iur., Rechtsanwalt, arbeitet als Jurist und Redaktor beim Beobachter- Beratungszentrum.

Vollstreckbar öffentliche Urkunde» ist der sperrige Name eines neuen Hilfsmittels, das mit der Schweizerischen Zivilprozessordnung (ZPO) anfangs 2011 eingeführt wurde. Es ermöglicht dem Gläubiger, seine Forderung gegen einen säumigen Schuldner ohne vorgängigen Zivilprozess durchzusetzen. Gegenstand der Urkunde kann jede Art von Leistung sein. Neben Geldforderungen kommen auch andere Leistungen in Betracht, wie zum Beispiel Sachleistungen oder die Abgabe einer Willenserklärung. Davon ausgenommen sind nur bestimmte Bereiche des sozialen Privatrechts. Zum Beispiel darf aus sozialpolitischen Gründen eine öffentliche Urkunde nicht für Ansprüche aus Arbeits-, Miet- und Konsumentenverträge (etwa Konsumkreditverträge) errichtet werden. Dagegen ist die Urkunde bei familienrechtlichen Unterhaltsansprüchen möglich. In der Praxis wurde die Urkunde bisher vor allem dann errichtet, wenn ein Schuldner trotz Fälligkeit eine Geldschuld nicht zahlte und die Parteien einen Abzahlungsplan vereinbarten.

Für die Errichtung der Urkunde ist der Notar zuständig. Die Kosten muss der Schuldner übernehmen. Diese richten sich nach dem entsprechenden kantonalen Notariatsgebühren-Tarif. Im Kanton Zürich bemessen sie sich nach dem Streitwert. Sie betragen ein Promille der Streitsumme, mindestens aber 200 Franken.

Falls der Schuldner später nicht zahlt, muss der Gläubiger die Geldforderung mit einer Betreibung durchsetzen. Er hat also wie jeder andere Gläubiger die Betreibung gegen den Schuldner einzuleiten. Wehrt sich dieser gegen den Zahlungsbefehl mit einem Rechtsvorschlag, muss der Gläubiger dessen Beseitigung im gerichtlichen Rechtsöffnungsverfahren beantragen. Dabei erfährt die vollstreckbare öffentliche Urkunde – verglichen mit einer gewöhnlichen Schuldanerkennung – eine Privilegierung: Sie gilt als definitiver Rechtsöffnungstitel. Zwar kann der Schuldner noch Einreden geltend machen. Doch genügt es nicht, dass er sie – wie bei der gewöhnlichen Schuldanerkennung – glaubhaft macht. Er muss sie sofort beweisen, und zwar mit Urkunden. Blosse Behauptungen genügen nicht (mehr). Misslingt dem Schuldner der Beweis, beseitig das Gericht den Rechtsvorschlag. Der Gläubiger kann die Betreibung bis zur Konkurseröffnung fortführen. Dem Schuldner stehen dann noch die so genannte negative Feststellungsklage oder – falls er die Forderung bezahlt hat – die Rückforderungsklage offen. Bei beiden Klagen trägt er als Kläger aber das Prozessrisiko, weil er die Gerichtskosten vorschiessen muss.

Die öffentliche Urkunde hat einen weiteren Vorteil: Der Gläubiger kann mit ihr einen so genannten Arrest auf Vermögenswerte des Schuldners legen lassen, wenn er nicht rechtzeitig zahlt. Die Folge: Der Schuldner kann über die betroffenen Gegenstände nicht mehr verfügen. Der Arrest ist beim Gericht am Ort der Betreibung möglich oder dort, wo sich die Vermögenswerte befinden.
 

Zur Sache: Medienkritik findet statt

Es geht wieder mal um Medienkritik. Langsam, aber sicher kann ich das Gejammer über die schwindende Bedeutung der Medienkritik nicht mehr hören.

Okay, es gibt immer weniger regelmässige Medienkritik-Seiten oder -Gefässe in der gedruckten Tages- oder Wochenpresse. Dem ist leider so. Wenn heute medienkritische Artikel in der gedruckten Presse erscheinen, sind es leider immer öfters Geschichten, bei denen man sich nie sicher ist, ob sie nur ins Blatt gerückt wurden, um der lieben Konkurrenz ans Bein zu pinkeln, die politisch anders denkenden Journalisten-Kollegen zu verunglimpfen oder aber einfach ins Geheul der Wölfe einzustimmen. Oder aber einfach, weil man ein Extra-Blatt mit Aussagen füllen will, die nicht besser und nicht wahrer werden, wenn man sie gebetsmühlenhaft wiederholt.

Das alles heisst aber nicht, dass es weniger echte Medienkritik gibt. Auf Medienseiten im Internet, in Medienblogs, auf Twitter und sogar in dem von den üblichen Kulturpessimisten so verhassten Facebook gibt es heute wahrscheinlich mehr medienkritische Beiträge als je zuvor. Und das nicht nur aus der Schweiz, sondern auch aus dem Ausland.

Diese weisen aber zur gedruckten Version einen entscheidenden Unterschied auf. Im Gegensatz zu den medienkritischen Printartikeln, auf die nur äusserst selten eine Reaktion erfolgt, sind die Online- Medienkritiken immer Ausgangspunkt einer Diskussion – Medienkritik 2.0 eben.

Ich höre nun schon das Gemurmel der Online- Kritiker und Printfetischisten, die auf die oft unterirdische Qualität der Blogkommentare hinweisen. Natürlich ist ein Teil der Reaktionen jenseits jeglichen ernst zu nehmenden Inhalts. Aber liebe Leute, auch Leserbriefe sind nicht immer von hoher Qualität. Aber man kann sie wenigstens wegschmeissen. Daneben gibt es aber immer wieder hervorragende Kommentare oder Denkanstösse, die die Diskussion auch weiterbringen. Man muss sich halt die Leute aussuchen, denen man auf Twitter folgt oder die auf Facebook zu seinen Freunden zählen. Ganz so wie im wirklichen, realen Leben auch: Ich suche mir ja auch nicht den grössten Deppen als abendlichen Gesprächspartner aus, nur um nachher indigniert feststellen zu können, dass eine Diskussion mit diesem mir gar nichts gebracht hat. Was mich erstaunt, ist, dass man in der gedruckten Presse praktisch nichts über diese Diskussionen aus der Onlinewelt liest. Da nehme ich mich selbst auch nicht aus. Ich werde in Zukunft vermehrt auf solche Beiträge hinweisen oder sie kommentieren und zur Diskussion stellen. Und zwar online und im Print.

Pierre C. Meier, Chefredaktor [email protected]
 

SP arbeitet an neuem Modell für die Presseförderung

Die SP will die Presse mit mehr Geld fördern. Allerdings sollen dies nicht die Steuerzahler, sondern Suchmaschinen wie Google oder Werbekunden bezahlen.

Das Positionspapier, vom dem ein definitiver Entwurf vorliegt, schlägt einen Werbezuschlag und eine Datenverkehrsabgabe zur Presseförderung vor. «Wir suchen nach einer Finanzierungslösung ohne Steuergelder, nach einer Branchenlösung», sagte SP-Nationalrat Hans-Jürg Fehr (SH) in einem Interview mit der Branchenzeitung Edito+Klartext, das am Donnerstag im Internet veröffentlicht wurde. Die SP denke an eine Förderkasse, die aus zwei Quellen gespiesen werde.

Als eine Quelle schwebt der SP ein Werbezuschlag vor. Auf jeden Franken, den ein Medium für Werbung verrechnet, könnte ein Zuschlag von einem bis zwei Prozent erhoben werden. Diese Werbeabgabe müssten die Medienhäuser auf ihre Inserate-Preise draufschlagen, analog der Mehrwertsteuer. Damit es zu keiner Wettbewerbsverzerrung kommt, soll der Werbezuschlag auch bei Werbung im Radio und Fernsehen verlangt werden.

Als zweite Quelle schlägt die SP eine sogenannte Datenverkehrsabgabe vor: «Suchmaschinen wie Google generieren einen enormen Datenverkehr und profitieren von journalistischen Leistungen, zu denen sie nichts beigetragen haben», erklärte Fehr. Auf diese Daten könne eine Abgabe erhoben werden, nach dem Modell der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe.

Gemäss Fehr hat die Swisscom bereits bestätigt, dass eine solche Abgabe technisch machbar wäre. «Schon heute wird der Datenverkehr gemessen. Es wäre gut möglich, ihn den jeweiligen Verursachern zuzuordnen», sagte Fehr. Wichtig sei allerdings, dass diese Abgabe nicht den Nutzern abverlangt werde, sondern «grossen Monopolisten wie Google und anderen». Die Datenverkehrsabgabe müssten die Netzbetreiber einfordern.

100 Millionen Franken pro Jahr

Nach Angaben von Fehr geht die SP davon aus, dass jede der Abgaben je rund 50 Millionen Franken pro Jahr einbringen würde. «Die heute ausbezahlten Steuergelder für die indirekte Presseförderung wären also nicht mehr oder nur noch subsidiär nötig», sagte Fehr. Von den Fördermillionen sollen aber nicht alle bedingungslos profitieren: «Die Förderkasse schliesst mit privaten Medien einen Leistungsauftrag ab wie es heute das Bundesamt für Kommunikation Bakom mit den Lokalradios und den privaten Regional-Fernsehsendern macht, die am Gebührensplitting partizipieren wollen», erklärte Fehr.

Wer Geld will, muss sich an gewisse Vorgaben halten. Dazu gehöre die Verpflichtung zur Aus- und Weiterbildung für Journalisten und zu einem gewissen Anteil an bestimmten publizistischen Leistungen, sagte Fehr. Und auch bezüglich Löhnen und Arbeitsbedingungen will die SP Bedingungen aufstellen.

Übernächste Woche berät die parteiinterne Arbeitsgruppe Medien das neue Positionspapier zur Presseförderung. Fehr rechnet dabei «höchstens noch mit Retuschen», wie er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA sagte. Danach kommt das Papier vor die Parteileitung. Im Januar oder Februar 2013 soll es schliesslich veröffentlicht werden. (SDA)
 

Aufgespiesst: Der welsche Idiot

Anne-Friederike Heinrich, freie Mitarbeiterin der Werbewoche, über tierische Übersetzungspannen.

Ein Dachs als Verkehrsbotschafter ist bereits im Ansatz etwas seltsam. Schliesslich ist ein Dachs weder schlau wie ein Fuchs noch bunt wie ein Papagei mit quasi naturgegebener Warnweste noch flink wie ein Wiesel, das besonders schnell über die oft lebensgefährlichen schweizer Zebrastreifen düsen könnte. Warum sich die Axa Winterthur also für einen Dachs als Hüter des goldenen Warndreiecks entschieden hat, wird ihr Geheimnis bleiben. «Der Dachs ist ein kompakter, gedrungener Erdmarder mit einem schlanken Kopf, einer rüsselartigen Schnauze und kräftigen Grabpfoten», weiss Wikipe- dia. Das ist aber noch nicht alles: Max, der Dachs, ist nämlich auch noch ein Idiot. Jedenfalls jenseits des Röstigrabens.

Aber der Reihe nach: Jedes Kind (und jeder Erwachsene) kennt Max, den Dachs, das Wappentierchen der Axa Winterthur. Es soll Kinder dazu anhalten, sich im Strassenverkehr richtig und sicher zu verhalten. Der Schlau-Dachs tritt in Spots auf und füllt Plakate und Bücher mit Lebensweisheiten aus dem Strassenverkehr: «Halt, stehenbleiben, es ist Rot!» Das ist gut so, denn Kids lieben und gehorchen Max, dem Dachs. Die Erwachsenen nervt das Tierchen manchmal mit seinem Oberschlau-Modus. Aber dass man ihn als Idioten betitelt, hat er nun doch nicht verdient, der Max.

Dämmerts?!

Trotzdem hat sich der Dachs in der aktuellen, schweizweiten «Dämmerungs-Kampagne» der Axa Winterthur nun zum Affen gemacht. Denn im französischsprachigen Teil der Schweiz kommt er als «Max le Blaireau» daher, als Max der Idiot. Natürlich heisst Blaireau «Dachs», allerdings auch «Rasierpinsel » oder schlicht «Pinsel». Und wer auf Französisch so gerufen wird, gilt dem Rufenden als Idiot. Das hätte die angeblich renommierte Übersetzerin der Axa (genauer: des Nord-Süd Verlags, der das Projekt für die Axa realisiert hat) wissen sollen. Hat sie aber nicht! So gehen in der französischen Übersetzung nicht nur Reim und Wortwitz verloren, wie so oft bei der Übertragung in eine andere Sprache. Sie gibt das Maskottchen und alles, wofür es steht, auch noch der Lächerlichkeit preis. Endlich konnten die Romands mal wieder richtig herz- und boshaft über die Suisses toto lachen. Und das haben sie auch ausgiebig getan. Auf Facebook und YouTube, in E-Mails und auf offener Strasse.

Noch peinlicher wird die Sache, weil die Axa Winterthur seit ein paar Jahren zum französischen Axa- Konzern gehört. Fast unglaublich, dass niemandem im ganzen Unternehmen die Doppeldeutigkeit von Max le Blaireau aufgefallen ist. Vermutlich gibt es dort einfach keine Idioten. Eine Pressesprecherin verweist auf den Nord-Süd Verlag als Schuldigen, und überhaupt habe man aus dem Fehler gelernt und «le Blaireau» einfach gestrichen – jedenfalls bei den Plakaten. Im Welschland ist Max nun einfach nur noch Max. Ein bisschen nackt für alle, die Max, den Dachs, kennen. Aber immer noch besser als ein Trottel als Maskottchen. In den Büchern bleibt Max ein Idiot, bis eine neue Auflage ansteht. Aus ökologischen Gründen. Die Dachse sagen danke. «Wer lüchted, wird au im Dunkle gseh», verkündet Max in der aktuellen Kampagne. Richtig. Und wer Französisch beherrscht, wird auch im Welschland verstanden. Vous avez compris?
 

Segen oder Fluch?

Geht es um die aufkommenden Methoden des Real-Time-Advertising, sind sich Publisher und Werbetreibende uneins.

Die Verunsicherung ist gross – nicht nur bei Publishern bei uns, sondern rund um den Globus stehen Betreiber werbefinanzierter Websites vor der Frage, wie mit den automatisierten Handelsabläufen (oft als Real-Time-Bidding/Advertising, RTA/RTB, bezeichnet) umzugehen sei. Auch wer das Thema noch nicht voll im Griff hat, merkt, dass dadurch tiefgreifende Veränderungen der Werbebranche mit einhergehen. So erstaunt es nicht, dass die Umfrage der Werbewoche unter Publishern in der Schweiz zu RTA längst nicht überall mit einer Antwort bedacht wurde (so auch bei einem national bekannten Unternehmen mit üppig ausgebauter Medienstelle) und dass die übrigen Antworten (vgl. separaten Text) markant unterschiedlich ausfielen. Dabei geht es kaum um die Frage, ob RTA in der Schweiz eingeführt werden soll oder nicht. Denn längst werden markante Anteile der im Netz verfügbaren Werbefläche so gehandelt: Bei Google allemal, aber auch bei ausländischen Anbietern mit Schweizer Präsenz, wie etwa bei Microsofts MSN-Plattform. Dazu kommt der sogenannte Crossborder- Traffic, also all die Abrufe aus der Schweiz bei Websites im Ausland, der via RTA monetarisiert wird. Vor allem Mediaagenturen versprechen sich davon effizientere Abläufe beim Einkauf (vgl. WW 20/ 9.11.2012, S. 30 f.) Hingegen ist offen, wie sich die Preise und Erträge entwickeln werden, wenn auf breiter Fläche Werbeplätze innerhalb von Sekundenbruchteilen dem besten Gebot zugeschlagen werden.
 
Geht es um RTA, können Publisher in diese Kategorien eingeteilt werden:

Die Konservativen: Sie befürchten, dass RTA-Methoden nicht hinreichend auf die Vermarktung ihrer Premium-Platzierungen ausgerichtet sind, sondern dass damit vor allem Restplätze zu Billigpreisen verramscht werden. Prägend sind oft Erfahrungen aus der Vergangenheit, da in Investitionen in Online-Lösungen ohne den erhofften Erfolg blieben, wenn nicht gar zu happigen Verlusten und sinkenden Preisen führten. Diese Publisher hoffen insgeheim, wenn genügend Publisher sich RTA versagen, dieser Trend zusammenfallen und der Status quo mit den bekannten Abläufen gedeihlich fortbestehen werde. Können sie dereinst nicht länger auf die Ertragspotenziale aus dem RTA-Handel verzichten, riskieren sie bei einem Strategieschwenk, aufgrund mangelnder Erfahrungen und Kenntnisse überstürzt und nachteilig handeln zu müssen.
 
Die Exklusiven: Sie haben, was viele der Konservativen sich erträumen: Sie sind so in einer vertikalen Nische positioniert, dass sie Werbekunden eine treffsichere Ansprache ihrer Zielgruppen nicht nur versprechen, sondern zu guten Preisen auch liefern können. Wer mit dieser Strategie unterwegs ist und nachhaltig gute Erträge erzielt, ist nicht auf RTA angewiesen. Zu dieser Gruppe gehört etwa der Economist, dessen Online-Chef sagt (vgl. «Werbekunden machen Inhalte»), RTA bisher noch nicht ausprobiert zu haben, weil schon gar kein Inventar unverkauft übrig bleibe. Aufgrund des Fluchs des kleinen Marktes lässt sich in der Schweiz eine solche Strategie kaum im grossen Stil umsetzen.
 
Die Progressiven: Wo die Konservativen das Risiko scheuen, wagen sie sich vor. Sie investieren in Infrastruktur und bauen Know-how auf in der Absicht, von Anfang an eine führende Rolle einzunehmen und so ihre Position zu verteidigen und auszubauen. Sie erhoffen sich grössere Umsätze zu höheren Preisen und nehmen dafür das Risiko in Kauf, ihre Direktverkäufe zu kannibalisieren und Premiumplätze auch tiefpreisig zu verkaufen.
 
Die Pragmatiker: Sie versuchen einen Mittelweg zu finden, um RTA möglichst kontrolliert einsetzen zu können. Dies erfordert allerdings erhebliche Aufwendungen in Zeit und Managementressourcen und die unbedingte Absicht, erfolgreich zu sein. Gemäss der amerikanischen Fachliteratur stehen dabei diese Erfolgsmethoden im Vordergrund:
 
1 Blocken optimieren: Eine der grössten Befürchtungen von Publishern geht um den Schutz von Premiuminventar und das Verhindern von Konflikten mit den Direktverkäufen des eigenen Verkaufsteams. Dies kann verhindert werden, wenn Sperrlisten im eigenen RTA-System (einer sog. Sales-Side-Plattform, SSP) eingegeben werden. Damit ist es jedoch nicht getan, denn diese Listen müssten konstant gepflegt werden, damit sie immer auf dem neuesten Stand sind und etwa eigene Deals mit neuen Kunden abbilden.
 
2 Reports auswerten. RTA-Systeme liefern umfangreiche Datenmengen, deren Auswertung zu Marktvorteilen führen kann. Etwa wenn neue Kunden erkannt werden können, die über RTA einbuchen und vom eigenen Verkauf direkt angesprochen werden können. Verkäufer können auch erkennen, welche Preise Einkäufer zu bieten bereit sind, und die eigenen Preise womöglich entsprechend anpassen.
 
3 Preise testen. Bevor Teile des Inventars für den RTA-Handel freigegeben werden, können Versuche mit bewusst hohen Preisen gefahren werden. Das wird in der Regel kaum zu grossen Verkäufen führen, doch kann die Preissensibilität ausgelotet und erkannt werden, welche Werbekunden zu welchen Preisen einzukaufen bereit sind. So können die Preispolitik und die Sperrlisten optimiert werden.
 
4 Geschlossene Handelsplattformen erkunden. Wer in der offenen RTA-Landschaft Erfahrungen gesammelt hat, wird darauf Schlussfolgerungen ableiten, um geschlossene Handelsplattformen aufzubauen oder sich daran zu beteiligen. Darüber können Marktteilnehmer und das gehandelte Inventar gut kontrolliert werden und die Effizienzvorteile des automatisierten Handels können für alle Beteiligten realisiert werden. Naheliegenderweise ist dieser Schritt den Schwergewichten der Branche vorbehalten. Ein Beispiel für ein solches Vorgehen sind französische Verleger, die Anfang September die Gründung von «La Place Media» bekannt gaben, worüber derzeit mittels RTA-Methoden mehr als 80 Mediensites gebucht werden können.

Schlussendlich geht es den Publishern nicht darum, RTA zu verhindern. Sie wollen vor allem sicherstellen, dass sie damit ihre Direktverkäufe nicht kannibalisieren. Und letztendlich möchten sie, dass RTA nicht zu einem Käufermarkt, sondern zu einem Verkäufermarkt wird.
 
Christoph J. Walther

rta

Thomas Moll, Leiter Online-Entwicklung/Projekte Tamedia AG:

Die Schweizer Marktteilnehmer sprechen in Bezug auf den automatisierten Handel mit Online-Werbung vermehrt von Real-Time-Advertising anstelle von Real-Time-Bidding. Diese Entwicklung begrüsst Tamedia sehr. Auch wir haben grosses Interesse an einer effizienteren Auftragsabwicklung. Eine Öffnung für einen automatisierten Ein- und Verkauf von Online-Werbung, bei der die Prozessoptimierung und nicht das Preis-Dumping im Vordergrund steht, können wir uns auch zeitnah vorstellen und wären auch bereit, eingesparte Transaktionskosten dem Werbekunden weiterzugeben. Ein Entgegenkommen würden wir aber von Mediaagenturen und Vermittlern fordern, denen wir heute für jeden Auftrag 15 Prozent Kommission für den Mehraufwand bei der Buchung von Online-Werbung bezahlen. Zentral bleibt für Tamedia in jedem Fall die Rolle als aktiver Vermarkter der eigenen Werbeplätze, da wir keinen Markt anstreben, in dem Dritte in eigenem Namen mit dem Werbeinventar von Tamedia handeln und eigene Produkte schnüren.

Branko Radosevic Russo, Leiter Werbemarkt Digital Media Blick-Gruppe:

Wir von der Blick-Gruppe beurteilen RTB in der Schweiz als problematisch. Negativ empfinden wir insbesondere, dass nicht mehr die Qualität, sondern nur noch der Preis im Vordergrund steht. Auch können durch RTB langfristig nicht zusätzliche Einnahmen aus dem Ausland erzielt werden. Zwar wird man kurzfristig über den einen oder anderen Kunden zusätzliches Budget bekommen, langfristig wird RTB in der klassischen Form jedoch zu einem Preiszerfall des Tausender-Kontakt-Preises (TKP) im Schweizer Markt führen. Dies weil die RTB-Anbieter immer weitere, billige Crossboarder-Websites dazu buchen können, um ihren Einkaufspreis zu senken. Das Logo der Schweizer Premium-Publisher würde lediglich dazu benutzt, den Kunden bessere Qualität vorzutäuschen. Die Kampagnen könnten jedoch weiterhin auch auf billigen, internationalen Websites ausgeliefert werden. Wenn für die Blick-Gruppe RTB überhaupt jemals ein Thema sein sollte, dann nur in einem geschlossenen Netzwerk ohne diverse andere (ausländische) Sites. Das aktuelle System können wir in dieser Art nicht unterstützen, da es nicht die für den Kunden entscheidende Qualität bringt, sondern nur auf Quantität zu einem tiefen TKP setzt. Um RTB und Netzwerke entsprechend zu optimieren, pflegen wir seit Jahren erfolgreich eine enge Zusammenarbeit mit den Media-Agenturen (z.B. Omnicom Media AG).

Michael Baum, Stailamedia, im Auftrag der Sportal Group:

Die Entwicklung in Richtung Real-Time-Advertising sehen wir für den gesamten Online-Display-Markt als wegweisende Chance. Durch den direkten Draht zwischen Advertiser und Publisher und die automatisierte Abwicklung der Buchungsprozesse sinken die Transaktionskosten. Das Online-Display-Werbegeld ist so in Zukunft effizienter investiert. Somit wird die Nachfrage nach Display-Werbung steigen und dies ist letztlich im Sinne der Publisher. Natürlich beeinflusst der Crossborder- Traffic und der Trend zum automatisierten Einkauf über RTB die Preisstruktur in der Schweiz. Allerdings sind wir der festen Überzeugung, dass für Schweizer Kampagnen qualitativ hochwertige Schweizer Umfelder unabdingbar sind und die damit verbundenen höheren Preise gerechtfertigt sind. Mit RTB können die Publisher ihre eigenen Netzwerke etablieren. Sobald die Nachfrageseite umfassend mit DSPs ausgerüstet ist, werden dazwischengeschaltete Netzwerke überflüssig. Die Publisher übernehmen wieder die Kontrolle über ihr eigenes Inventar.

Remo Baumeler, Leiter Werbemarkt NZZ-Netz:

Die Bedeutung von RTB ist in der Schweiz noch immer gering, da die wichtigsten Publisher ihr Werbeinventar bisher nicht über solche Systeme anbieten. Zudem ist in der Branche noch zu wenig Knowhow vorhanden. Bestimmt wird RTB an Bedeutung gewinnen, aber das ganze wird nicht von heute auf morgen passieren. Wichtig ist, dass wir alle marktrelevanten Technologien sehr genau kennen, daher hat für uns der Knowhow-Aufbau Priorität. Da auf RTB-Plattformen hauptsächlich verhaltensbasierte Werbung gebucht wird, hat das Umfeld nicht mehr den gleichen Stellenwert. So nimmt der Preisdruck weiter zu, denn mit dem Billig-Inventar aus dem Ausland können die meisten CH-Sites nicht mithalten. Indirekt werden also vor allem qualitative Nachrichtensites geschwächt, was sich insgesamt negativ auf die Wahrnehmung von Online- Werbung auswirken kann. Ein internationales RTB-System für Premiumsites ist eine mögliche Lösung. Die Publicitas geht mit ihrem Marktplatz in diese Richtung, wir werden diese Möglichkeit genauer prüfen. Den eigentlichen Vorteil von RTB-Systemen sehe ich vor allem im effizienten Buchungsprozess, wir sprechen daher lieber von Real-Time- Advertising als von Real-Time-Bidding. Ein Self-booking- Prozess vermindert die administrativen Kosten und rechtfertigt leicht tiefere TKPs. Gleichzeitig gibt es aber auch einen Trend zu qualitativer Online-Werbung. Die Nachfrage nach komplexen Site-Integrationen, individuellen Branding-Formaten und verschiedensten PR-Möglichkeiten nimmt zu. Diese Kampagnen können aber nicht mit RTB-Systemen gehandelt werden.

 

Bilderklau?

Fotos und Illustrationen ungefragt zu nutzen, ist ein Delikt. Aber nicht alle Bilder sind geschützt. Von Ueli Grüter, LL.M., Rechtsanwalt, Grüter Schneider & Partner AG, Zürich, Dozent für Kommunikationsrecht und Co-Herausgeber des Buches Kommunikationsrecht.ch. Er nimmt einmal im Monat in der Werbewoche zu aktuellen rechtlichen Fragen in der Werbung Stellung. Fragen an den Werbewoche-Rechtsexperten unter [email protected].

In der Praxis mehren sich die Fälle, in denen Fotoagenturen und deren Rechtsanwälte Jagd auf Bilder ihrer Fotografen machen, die ohne Lizenz genutzt werden. Dabei werden die Nutzer abgemahnt, und es werden von ihnen hohe Strafzahlungen gefordert. Zu den mutmasslichen Tätern gehören aber nicht nur Kleinunternehmer, die vielfach unbedacht ein Bild vom Internet kopieren und zur Verschönerung ihrer Homepage verwenden, sondern vermehrt auch Werbe- und Marketingagenturen. In den letzten Tagen kam sogar der IT-Riese Apple in die Schlagzeilen, ein Bild einer Schweizer Fotografin nicht vereinbarungsgemäss genutzt zu haben. In solchen Fällen stellt sich vorab die Frage, ob ein Bild überhaupt urheberrechtlich geschützt ist. Das Bundesgericht hat auf Grund von zwei Klagen die Frage des urheberrechtlichen Schutzes von Fotografien praktisch erörtert. Im ersten Fall musste das Bundesgericht den urheberrechtlichen Schutz eines Bildes beurteilen, das der Schweizer Fotograf Max Messerli im Jahre 1978 bei einem Open-Air-Konzert in Kalifornien von Reggae- Sänger Bob Marley schoss. Das Bild wurde von einem Schweizer Unternehmen unter anderem für den Druck von Postern verwendet.

Im zweiten Fall ging es um eine Fotografie von Christoph Meili, einem Wachmann einer Schweizer Bank, der mit der Rettung von Bankakten betreffend so genannter nachrichtenloser Vermögen vor dem Shredder Berühmtheit erlangte, die er auf einer Fotografie zeigt. Dieses Bild der Schweizer Journalistin Gisela Blau wurde von BBC ungefragt im Dokumentarfilm «Nazi Gold» gezeigt. Nach Art. 2 des Urheberrechtsgesetzes (URG) setzt der Schutz von Fotografien voraus, dass diese einen «individuellen Charakter» aufweisen. Individualität erreicht man bei Fotografien gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung durch den Einsatz von fototechnischen Mitteln, durch die Gestaltung des fotografierten Objekts oder durch Spannung im Bild. Fototechnische Mittel sind zum Beispiel die Wahl des Blickwinkels, des Bildausschnitts, der Brennweite des Objektivs, der Blende, der Helligkeit oder der Farbgebung. Ein fotografiertes Objekt kann im Sinne dieser Rechtsprechung insofern gestaltet werden, als der Fotograf die Haltung einer porträtierten Person, die Auswahl und die räumliche Anordnung eines Stilllebens, die Beleuchtung oder die Wahl der Umgebung eines Objekts bestimmt. Tür und Tor für Interpretationen lässt das dritte Element, die Spannung im Bild, offen und macht es praktisch unmöglich, im Voraus beurteilen zu können, ob einer Fotografie urheberrechtlicher Schutz zukommt. So fand das Bundesgericht bei der Fotografie von Bob Marley, dass der Schattenwurf der Rasta-Locke auf die Backe von Bob Marley eine besondere Spannung erzeuge, und gestand dem Bild urheberrechtlichen Schutz zu. Hingegen fand das Bundesgericht das Bild von Christoph Meili banal und erachtete es damit als urheberrechtlich nicht geschützt.

Ueli Grüter*
 

Doppelt erfolgreich

Benjamin Kempf und Rainer Binz haben den Mut zur doppelten Power entdeckt. Sie wollen sich als Regisseure für Werbespots nur noch im Duo anbieten, unter dem Label Regie Pack. Exklusiv vertreten werden die beiden durch Rudi Haller von Solid & Hallerfilm.

In der Werbung ist Unsicherheit verboten. Alle Kreativen fühlen sich in dieser Situation unter einem grossen Druck. «Um etwas Schönes und Eindrückliches inszenieren zu können, braucht es aber eine menschliche und damit auch natürliche Unsicherheit. Nur so kann etwas Neues entstehen. Wer keinen Mut zur Unsicherheit hat, bleibt in den festgefahrenen Mustern stecken.» Von dieser These sind die Regisseure Rainer Binz und Benjamin Kempf Siemens schon länger überzeugt. «Wenn du einen Film kopieren willst, den es schon gibt, ist das kein Problem. Wenn man aber etwas Neues probieren will und sucht, muss auch Unsicherheit erlaubt sein.» Aufgrund dieser Idee bieten sich die beiden seit Januar 2012 unter dem Label «Regie Pack» als Regie-Duo an. Diese Arbeit im Team garantiert nicht nur die doppelte Power. «Man hat auch ständig die Unterstützung: Da hinten ist noch einer. Man weiss mehr zu zweit. Einer sucht, der andere schützt. Dazu kommt das kreative Pingpong. Man arbeitet zudem ständig mit einer zweiten Meinung.» Auch die Kunden wissen das zu schätzen. «Diese bekommen einen Mehrwert, weil sie wissen: Da brennen zwei für uns!»

Ein Spot für die Privatbank Notenstein läuft aktuell von Regie Pack am Schweizer Fernsehen. Hinter dem Film steckt die neue «Future Agency» Short Cuts. Im Herbst war «Aus Überzeugung» für Bio Suisse vom überzeugten Duo zu sehen. Die Kampagne wird von der Agentur Spillmann Felser Leo Burnett betreut. Weitere Spots mit der Handschrift von Regie Pack sind für Allianz oder Hirz-Joghurt entstanden. Alle diese Filme sind unter der Produktion von Rudi Haller und seiner Solid & Hallerfilm realisiert worden. «Rudi und ich haben die Solid & Hallerfilm gemeinsam gegründet, diese Kooperation hat sich bewährt», verrät Rainer Binz.

Gleiche Schule, gleiche Träume

Die beiden Regisseure haben sich in noch jüngeren Zeiten als Gymnasiasten im Internat von Immensee kennen gelernt. Binz als interner, Kempf als externer. Bereits in dieser Zeit wurden bei Benjamin Kempf die Vorstellungen immer klarer, dass er später in einem kreativen Beruf arbeiten wollte. Am Santa Monica College in Los Angeles besuchte er ein Jahr lang eine Fachklasse für Modefotografie. Daraus ergab sich bei der Rückkehr in die Innerschweiz die Chance, bei einem Werbefotografen zu assistieren. Anschliessend arbeitete er bei der Bayerischen Staatsoper in München als «Beleuchter Bühne links». Zurück in der Schweiz öffneten ihm diese Erfahrungen die Tür zum Film. Kempf arbeitete als zweiter Kameraassistent für Spielfilme und Werbung. Dann meldete er sich für eine Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich. Dort studierte er ab 1995 für fünf Jahre Film und Video. In den ersten Jahren jobbte er gleichzeitig als freischaffender Beleuchter beim Schweizer Fernsehen. Noch vor dem Studienabschluss arbeitete er mit Rainer Binz und anderen Regisseuren bereits als Verantwortlicher an der Kamera.

Parallel zu seinen Erfahrungen an der Kamera entwickelte sich Benjamin Kempf auch im Fach Regie. Sein erster Kurzfilm «Broke» wurde an diverse Filmfestivals eingeladen und lief in den Schweizer Kinos als Vorfilm von Jim Jarmushs «Ghost Dog». Auch Kempfs Diplomfilm «Ade» wurde an zahlreichen internationalen Festivals gezeigt. Der von Samirs Dschoint Ventschr produzierte Kurzfilm «Exit» von Benjamin Kempf gewann mehrere nationale und internationale Preise. Der Film mit Walo Lüönd und Stephanie Glaser behandelt einfühlsam das Thema Sterbehilfe. Aktuell verfolgt Kempf für einen Dokumentarfilm über die Kraft des Willens über längere Zeit einen Tennisprofi sowie eine Rennfahrerin im Formel-1-Zirkus.

Die filmische Entwicklung von Rainer Binz erfolgte ebenfalls über den Umweg der Fotografie. Bereits nach der Matura war er fasziniert von dieser Kunst und machte ein Praktikum bei einem Fotografen in Luzern. Das führte zu einem ersten Job in der Lokalpresse. «Das war aber nicht meine Welt», fasst er den kurzen Abstecher zusammen. Rainer Binz wechselte zum Jusstudium und jobbte in der Freizeit als Surflehrer am Comersee. Als ihn ein Riss seiner Kreuzbänder zum Stillsitzen zwang, «wäre das eine gute Gelegenheit zum Lernen für die Abschlussprüfung gewesen». Rainer hat aber lieber «an einer grafischen Collage gebastelt» und sich mit dieser bei einer Werbeagentur am Zürichsee beworben. Bei dieser hat man ihn allerdings in die Beratung gesteckt. Trotzdem hat sich Binz «ständig in die Grafik geschlichen» und als ein grafisches Büro in der Nachbarschaft nach sechs Wochen entdeckt hat, dass der Neue «am Morgen jeweils der Erste in der Agentur und am Abend der Letzte» war, hat dieses Unternehmen ihm schliesslich ein Angebot als Desktoper gemacht. Dort hat er «viel Praktisches» gelernt. Nach
einem Jahr am grafischen Computer sah Binz seine Zeit aber für etwas Neues gekommen. Binz meldete sich bei Christian Breitschmid, einem anderen Kollegen aus den Zeiten des Internats in Immensee. Gemeinsam mit einem weiteren Freund gründete das Trio 1995 die heute noch erfolgreiche Eqal Visual Production.

Schnelles «learning by doing»

Der erste Auftrag kam gleich von Nissan. Die Händler wollten einen modernen Clip mit möglichst spektakulären Snowboardaufnahmen als Auflockerung an ihrem Stand am Genfer Automobilsalon zeigen. «Mit null Können und 100 Prozent Kreativität haben wir so den Einstieg ins Film-Business geschafft.» In der Folge hat Eqal über mehrere Jahre mit ihren Snowboardfilmen die Sendung «Freestyle» bei Star TV gestaltet. Vom stilsicheren Clip zum Regisseur für Werbespots war es dann ein logischer Schritt. Die alten Internatskollegen Kempf und Binz fanden kurzzeitig wieder in einer WG zusammen. Dort setzte Rainer den Filmstudenten Beni zu Beginn seiner Karriere als Kameramann ein. Eqal realisierte einen TVSpot für eine Smart-Kampagne. Der von Binz und Breitschmid realisierte Spot «Reduce to the Max» hat auf Anhieb beim ADC Deutschland Silber gewonnen. Das weckte auch das Interesse von Condor Film. Martin Fueter wurde auf Rainer Binz aufmerksam. Es folgte mit Helvetic Tours eine ADC-Gold-Kampagne. Diese führte endgültig zum Durchstarten in eine sehr erfolgreiche Karriere als Werbefilmregissuer. Rainer Binz, der heute als seine wichtigsten Einflüsse «learning by doing» bezeichnet, wurde mit «Elan» für die Migros an den New York Festivals mit Bronze ausgezeichnet. Später durfte er auch beim Edi sowie ADC regelmässig Preise abholen. Benjamin Kempf verlegte in dieser Phase seinen Wohnsitz vorübergehend nach London. Heute arbeitet er von Berlin aus. «Eine inspirierende Metropole mit sehr viel Möglichkeiten für Kunst und gleichzeitig auch ein idealer Ort für mein Familienleben mit zwei Kindern.»

Rainer Binz hat es vor sechs Jahren nach Hamburg gezogen. «Ich wollte in der deutschen Hochburg für Werbung und Film arbeiten.» Der Wahlhamburger musste aber trotz seinen Erfolgen als Werbefilmer in der Schweiz im Norden noch einmal weit vorne anfangen. «Ich musste zwei Jahre lang pitchen, bis ich tatsächlich auch den ersten Auftrag in der Tasche hatte. Die Konkurrenz in Deutschland ist sehr hart und der Markt ist unglaublich hart umkämpft.» Binz hat es aber auch dort geschafft. Er hat während drei Jahren die Europa-Kampagnen für BASF inszeniert. Auch Siemens wurde ein wichtiger Kunde. Für Dr. Oetker hat er die Spots für die verschiedensten Produkte gedreht. Seit 2012 arbeiten Rainer Binz und Benjamin Kempf als Duo Regie Pack. In der Schweiz werden sie durch die Produktionsfirma Solid & Hallerfilm exklusiv vertreten.

Andreas Panzeri

kebi01
kebi02
 

Politfolklore, Stammtisch und Rammbock-Methoden

Eine Anti-SRG-Volksinitiative erreicht kaum Unterschriften, doch die Initianten starten bald erneut. Die SVP klagt wieder einmal ins Leere. Von Hans Stutz, freier Journalist

Die Botschaft war einfach: «Radio und Fernsehen finanzieren sich selbst. Empfangsbeiträge sind freiwillig; das Empfangen von Sendungen begründet keine Beitragspflicht.» In juristische Prosa gegossener Anti-SRG-Stammtisch also, wie von vielen Rechtsbürgerlichen in den vergangenen Jahren häufig genährt, sei es von Kalten Kriegern (Walther Hofer, SVP), Marktwirtschaftsideologen (Filippo Leutenegger, FDP) oder Interessenvertreterinnen (Nathalie Rickli, SVP).
 
Und nun: Der Misserfolg ist grossartig. Nicht einmal 20 000 stimmberechtigte Frauen und Männer unterschrieben die Volksinitiative in den vergangenen 16 Monaten. Die Initianten des Vereins Solidarische Schweiz (SOS) aber wollen nicht aufgeben. SOS-Präsident This Bürge, St. Gallen, verbreitet sogar esoterische Hoffnung: «Wie ein kleiner Schneeball immer grösser und grösser wird, wird die zweite Initiative erfolgreicher sein als die erste.» Er vergisst, dass der Schnee jeden Frühling schmilzt. Da nützt es auch wenig, dass die Gescheiterten bereits im kommenden Februar wieder starten wollen. Wenn es sein muss, noch ein drittes, viertes, fünftes Mal: «Wenn wir im zweiten Run ‹nur› 20 000 oder 30 000 Unterschriften erreichen, machen wir einen dritten. Wir kommen ans Ziel!» Es wird also noch eine Weile dauern, Bürge nennt das «Rammbock-Taktik».
 
Kann erfolgreich sein, muss aber nicht. In der Stadt Bern haben die SVP und weitere Rechtsbürgerliche bereits fünfmal die Reithalle per Volksabstimmung schleifen wollen. Selbstverständlich gestützt durch Stammtisch-Parolen. Ergebnis: Vergangene Woche hat die Ratsmehrheit den Leistungsvertrag mit dem Kulturzentrum Reitschule für die nächsten drei Jahre bestätigt. Und Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät (SP), stetiger Verteidiger der Reitschule, wird sein Amt bei den Wahlen vom kommenden Wochenende behalten können. Zu schwach sind seine beiden bürgerlichen Gegenkandidaten. Selbst die Linkenbeisser von der Weltwoche kamen vergangene Woche nicht umhin, ein wohlwollendes Tschäppät- Porträt zu publizieren, liessen es allerdings von einem «ehemaligen WOZ-Kolumnisten» (Weltwoche) verfassen. Auch Weltwoche-Opportunismus hat seine Grenzen.
 
Ich bin abgeschweift. Das Projekt «SRG-Schleifung » gehört zur Schweizer Politfolklore wie die SVP-Klagen über die Medien. Aktuell im landesweit verbreiteten Extra-Blatt. Dort behauptet Parteipräsident Toni Brunner, seine Partei habe das Gefühl, dass «die Ziele, Aktivitäten und Erfolge» seiner Partei «häufig verschwiegen» würden. Liest der laute Mann aus dem Toggenburg keine Zeitung, hört er kein Radio, schaut er nicht fern? Oder meint er, die Medien müssten alle SVP-Communiqués vollständig verbreiten? Und ihn auch jeden Tag interviewen? Und wenn nicht ihn, dann sicher einen Christoph. Und ach ja, das SVP-Extrablatt klagt – zu recht – über die Medienkonzentration. Mit keinem Wort erwähnt es allerdings das entstehende SVP-Medienkonglomerat: Basler Zeitung (BaZ oder muss man wegen der sinkenden Auflage bald Bazli sagen?) und Weltwoche und Ulrich Schlüers Schweizerzeit und der Zürcher Bote und Blochers Fernsehen. Und auch die Neue Luzerner Zeitung gefällt sich seit Jahren als Sprachrohr der Nationalkonservativen. Warum nur klagt Toni Brunner? Strebt er nach Dominanz? Das Extra-Blatt fördert aber auch die Erkenntnis über die Grenzen der SVP: Diese erreichte bei den letzten Wahlen in zwanzig (von 26) Kantonen einen Nationalratssitz, hat jedoch nur fünf Ständeräte (in vier Kantonen) und ist nur in elf Kantonen in der Regierung vertreten. Oder anders ausgedrückt: Die SVP ist die wählerstärkste Partei, aber ihre KandidatInnen sind selten mehrheitsfähig. Zuviel Stammtisch schadet eben der Glaubwürdigkeit. Nicht nur in der Medienpolitik. P.S. Die SRG-Reichweiten übertreffen jene der privaten Anbieter immer noch um Weiten. Die öffentlich-rechtlichen Sender entsprechen offensichtlich einem Bedürfnis. 

Busse um Thun, Spiez und Interlaken neu mit TV für unterwegs

Seit heute sind die ersten Busse der Verkehrsbetriebe STI mit dem neuen Fahrgastsystem von Passenger TV unterwegs. Bis im Sommer 2013 wird die ganze Flotte ausgerüstet sein.

Das Programm von Passenger TV ist auf den Doppelbildschirmen in den Bussen der Verkehrsbetriebe STI in Thun und Region zu sehen. In den kommenden Monaten werden sämtliche Fahrzeuge in der ganzen Region um Thun, Spiez, rechter Thunersee, Interlaken, West- und Ostamt mit diesem TV für unterwegs ausgerüstet. Aufgeschaltet werden auf dem einen Bildschirm im Bus Informationen der Verkehrsbetriebe STI zu Anschlusszeiten, Routen und Störungen. Auf dem andern Bildschirm schaltet Passenger TV laufend aktualisierte News zu Sport, Politik, Wirtschaft, Meteo und Kultur.

Zwischen die Newsblöcke kann bis zu maximal 25 Prozent Werbung geschaltet werden. Dies sei besonders interessant für lokale KMU, weil sie ihre Informationen vom eigenen PC aus zielgenau auf Route und Zeitpunkt fokussieren können, so Passenger TV in einer Mitteilung vom Donnerstag. Das ÖV-Unternehmen partizipiere an den Einnahmen aus der Werbung und kann so den Eigenfinanzierungsgrad verbessern. Im Fokus sind die rund 15 Millionen Fahrgäste, welche STI pro Jahr befördert.

Die Doppelbildschirme sind bereits in zahlreichen regionalen wie auch in nationalen ÖV-Unternehmen wie etwa Postauto präsent. Heute werden mit Passenger TV täglich über 685‘000 Zuschauer in 22 Kantonen erreicht. Passenger TV ist ein Produkt der Berner Firma Livesystems und hat in diesem Jahr den Swiss Economic Award gewonnen.

ptv1
 

Kontinuität und Wandel in Basel

Seit bald 45 Jahren entsteht bei cr basel Werbung für lokale und nationale Kunden. Insbesondere Präventions- und Sensibilisierungskampagnen halten die Basler auf Trab. Und derzeit auch die Neuen Medien.

Früher fuhren auf dem Areal an der Basler Sankt- Jakobs-Strasse 185 Bauern vor, um ihre Milch abzuliefern. Seit 1988 ist die ehemalige Geschäftsstelle des Milchverbands Miba, eine einstige Fabrikantenvilla, das Zuhause – oder besser gesagt – die Residenz von cr basel. Auf drei Stöcken haben sich die 22 Mitarbeitenden der Basler Agentur eingerichtet. Im Parterre der Empfang und das Sitzungszimmer, zuoberst die Kreation, dazwischen Beratung und Geschäftsleitung.

Mit cr basel ist ein Unternehmen mit Tradition eingezogen. 1968 gegründet, kam die Kommunikationsagentur ab den 80er-Jahren mit Kampagnen für das Bundesamt für Gesundheit (BAG) immer wieder zu nationaler Aufmerksamkeit. Während 18 Jahren warb sie für den Schutz vor HIV und um Solidarität mit den Betroffenen. Ihre Stop-Aids- Plakate aus den 80er- und 90er-Jahren mit den rosaroten Kondomen, der Slogan «Ohne Dings kein Bums» oder die kopulierenden Strichmännchen beziehungsweise -pärchen auf gelbem Hintergrund sind zu Klassikern geworden. Auch die Alkoholpräventionskampagne «Schau zu dir und nicht zu tief ins Glas» hing über Jahre immer wieder an den Plakatwänden. Nach wie vor zählen Präventions- und Sensibilisierungskampagnen zu den Spezialitäten der Agentur. Für das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt hat sie eine Kampagne zum Thema Depression realisiert. Um das Beklemmende, den Zustand eines Depressionskranken, zu visualisieren, wurden Menschen in Boxen gesteckt und damit räumlich eingeengt. Die Idee des Sujets fand über die Landesgrenze hinweg Beachtung und zierte Anfang 2011 sogar das Cover des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.

Ohne Mahnfinger

Bei der im Frühling lancierten Präventionskampagne gegen Spielsucht setzte cr basel Schlagworte aus der Spielerszene ein, «Play», «Game over» oder «Rien ne va plus». Typografisch an leuchtenden Neonreklamen, wie man sie aus Las Vegas kennt, orientiert, sollten die Sujets die Aufmerksamkeit und Sympathie der Spieler gewinnen und sie, ohne den Mahnfinger zu heben, auf die Suchtgefährdung des Spielens hinweisen. Spielen ja, aber «ohne Sucht», so die Aussage. In eine ähnliche Richtung zielt die Sensibilisierungs- und Informationskampagne fürs Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Mit Slogans wie «Unter der Hand ist unter der Gürtellinie», «Dein Chef bescheisst dich bar auf die Hand» oder «Schwarzgeld stinkt!» sagt sie der Schattenwirtschaft den Kampf an. Bevor die öffentliche Kampagne auf Plakaten und Gadgets – und dank PR-Arbeit in der Presse – war, zog cr basel gemeinsam mit dem Kunden die betroffenen Branchenverbände bei. So sollte sichergestellt werden, dass die Kampagne von den Vertretern mitgetragen wurde. «Wir brachten die Verbände an einem runden Tisch zusammen, was uns nicht nur den direkten Draht zu den Betroffenen sicherte, sondern auch Hinweise für die Kampagnenumsetzung lieferte», erklärt Creative Director Gabriel Heuberger. Zum Beispiel was das Wording anbelangte. Welche Worte sollen benutzt werden? Welche Ausdrücke finden Anklang? Präventionskampagnen erforderten eine präzise Ansprache, so Heuberger, eine spezifische Tonalität. «Sie müssen den Menschen auf einer anderen Ebene berühren als eine Werbung für ein Reinigungsmittel.» Trotzdem gehören auch Aufträge letzterer Art zum Alltag bei cr basel. Für Henkel zum Beispiel haben die Basler die Trikots des FCB mit Persil gewaschen und zum Glänzen gebracht. Für die Cornèrcard der Luganeser Cornèr Banca, die cr basel schon seit Jahren vollumfänglich betreut, wird jährlich eine Above-the-line-Kampagne gestaltet.

Standort als Vorteil nutzen

Die Verankerung in der Rheinstadt ist bei cr basel in zweierlei Hinsicht erkennbar. Einerseits durch lokale Kunden wie die Pharmaunternehmen Mepha, Roche oder Novartis oder den Basler «Zolli», für dessen neue Menschenaffenanlage die Agentur erst kürzlich mit einer Plakatkampagne warb und dabei, um die Vergrösserung des Raumes zu dramatisieren, die Primaten aus den Sujets herauswandern liess. Andererseits sieht Heuberger die Attraktivität des Basler Standorts durch die geringe Fluktuation bestätigt. «Uns gelingt es, die guten Leute zu halten.» Kontinuität ist bei cr basel nicht zuletzt in der Kreativ- und Geschäftsleitung gegeben. Der 36-jährige Heuberger hatte als Grafiklehrling bei der Basler Agentur begonnen und ist ihr treu geblieben. Vom Junior AD zum AD, bis er mit 28 Jahren zum CD ernannt wurde. Managing Director Peter Frey ist seit den Anfängen an Bord, Daniel Bürgi, Client Service & Strategic Director, seit 13 Jahren. Trotz Tradition – genauso wie rund um die alte Fabrikantenvilla grosse Überbauungen entstanden sind, bewegt sich auch innerhalb des Unternehmens einiges. Für den Bereich Neue Medien hat sich die bisher klassisch orientierte Agentur mit Adrian Zumbrunnen als Strategic Planer & New Media Manager Verstärkung geholt. Der 26-jährige Wirtschaftsinformatiker bringt eine neue Denkweise ein und stellt sicher, dass bei Kampagnen der New-Media- Gedanke von Anfang an mitschwingt. Zumbrunnens Handschrift zeigt sich zum Beispiel bei der für die Post entwickelten Online-Kampagne für «WebStamp easy», einem Tool, mit dem Kunden Briefmarken mit dem eigenen Bild erstellen können. Gleiches gilt für die aktuelle Imagekampagne der zu den AZ Medien gehörenden bz Basel, die auf Feedback der Leserschaft abzielt. So können auf Bzbasel. ch/meineStimme die Leser dem Blatt derzeit mitteilen, was sie von einer «weltoffenen Basler Forumszeitung erwarten».

Zurzeit ist Zumbrunnen mit der Entwicklung der neuen Firmenwebsite von cr basel beschäftigt. «In den USA haben die meisten Restaurants bereits eine für Mobile optimierte Website. Diese Denkweise und Haltung bezüglich Anwenderfreundlichkeit liegt dem neuen Auftritt zugrunde und sollte sich auch in der Schweiz als neuer Standard etablieren», so Zumbrunnen. «Schliesslich ist die Website die Visitenkarte eines jeden Unternehmens.» Der neue Geist soll allerdings nicht nur die Optik betreffen, sondern gleichzeitig innerhalb der Agentur ein Umdenken bewirken. «Wir wollen nicht die erste Anlaufstelle für die technische Realisation werden, aber das diesbezügliche Know-how in Konzeption und Beratung einsetzen», kommentiert Heuberger. «Habt ihr Flash-Erfahrung?», solche Fragen sollten einen Kommunikationsberater schliesslich nicht ins Schwitzen bringen.

Isabel Imper

Unbenannt-11_1
Unbenannt-12_4

 

Luzern bleibt Hauptstandort der Journalistenschule Maz

Der Stiftungsrat der Schweizer Journalistenschule Maz hat entschieden: Das Maz bleibt in Luzern, erwägt aber, im Aargau und in Basel künftig Teilangebot zu realisieren.

Das Maz fühlte sich vom Kanton Luzern brüskiert. Im März dieses Jahres hatte der Kantonsrat den Betriebsbeitrag von 50'000 Franken aus Spargründen aus dem Budget 2012 gestrichen. Dieser Sparbeschluss sorgte für Aufsehen in der Maz-Führung. Auch, weil der Kanton Luzern Gründungskanton der Journalistenschule und im Stiftungsrat vertreten ist. Das Maz hatte deshalb das Gefühl, dass Luzern nicht mehr richtig zur Institution stehe. Es dachte über einen Wegzug nach. Mehrere Regionen meldeten Interesse an.

Nun aber habe das Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern Wege aufgezeigt, wie der Ausfall der jährlichen Pauschalentschädigung für die Dauer des kantonalen Entlastungsprogramms unter anderem durch Leistungsaufträge teilkompensiert werden könne, teilte das Maz am Donnerstag mit. Die Standort Entscheidung sei ihnen nicht leicht gefallen, sagte Stiftungsratspräsident Iwan Rickenbacher auf Anfrage. Es sei schwierig gewesen, alle möglichen Optionen abzuchecken. Nun aber habe man sich bewusst für den Standort Luzern entschieden. Zumal hätten sich auch die Stadt Luzern sowie zahlreiche Institutionen und Persönlichkeiten für den Verbleib der Journalistenschule in Luzern eingesetzt, betonte Rickenbacher. Und: Die Studierenden beurteilten Infrastruktur, Umfeld und Erreichbarkeit in Luzern sehr positiv. Im Zusammenhang mit den Wegzugsüberlegungen traf das Maz in den letzten Wochen «intensivere Abklärungen» mit Vertretungen von Basel und Aargau.

Im Vordergrund stand die Zusammenarbeit mit Hochschulinstitutionen, die «bis zur Verwirklichung eines externen Teilstandorts des Maz gedeihen kann», heisst es in der Mitteilung. Dies auch, weil die Kooperation mit der Uni in Luzern beispielsweise «nicht ganz einfach» sei, sagte Rickenbacher. (SDA)
 

Werbe-Flaute treibt britische Regionalblätter zu Grossfusion

Unter dem Druck sinkender Werbeeinnahmen kommt es auf dem britischen Zeitungsmarkt zum grössten Umbruch seit Jahren. Zwei rivalisierende Verleger schliessen ihre Regionalblätter in einem neuen Pressehaus zusammen.

Unter dessen Dach werden damit über 100 Print-Titel und 60 Internetseiten vereint. Sie erreichen wöchentlich sechs Millionen Leser und sieben Millionen Online- Nutzer. Beteiligt an der Konzern-Neugründung mit Namen Local World sind der Daily-Mail-Verlag, der für seine Regionalzeitungen umgerechnet 78,6 Millionen Franken (52,5 Millionen Pfund) bekommt. Die Yattendon Group bringt 36 Titel in den Verlagsriesen ein, wie am Mittwoch bekannt wurde.

Dritter im Boot ist der Konkurrent Trinity Mirror, der sich für 14 Millionen Pfund einen 20-prozentigen Anteil an Local World sichert. Trinity behält seine Titel aber für sich. Der Daily-Mail-Verlag bekommt 39 Prozent, die Yattendon Group 21 Prozent an Local World, bei dem künftig der mit Umstrukturierungen erfahrene Zeitungsmanager David Montgomery den Ton angibt.

Sinkende Werbeeinnahmen machen nicht nur der britischen Presse zu schaffen: In Hamburg steht die Financial Times Deutschland vor dem Aus, erst kürzlich hatte die Frankfurter Rundschau Insolvenz angemeldet. (SDA)

Teaserbild: Keystone

get_footer();