SVP erhielt mediale Unterstützung
Eine der Schweiz am Sonntag vorliegende Fög-Studie zeigt, welche Medien wie über die Zuwanderungsinitiative berichteten. Der Tages-Anzeiger stellt seine Pro-Spitzenposition allerdings in Frage.
Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (Fög) wertete in den letzten Monaten die Berichterstattung von sechs ausgewählten Zeitungen zur Zuwanderungsinitiative der SVP aus. Dabei zeigt sich, dass die als linksliberal geltende Zeitung Tages-Anzeiger den grössten Pro-Überhang aufweist: Von insgesamt 76 veröffentlichten Artikeln berichteten 51 für die Initiative (Pro-Überhang: +13). Ebenfalls mehr positive als negative Publikationen gehen auf das Konto eines zweiten Tamedia-Mediums, nämlich 20 Minuten (Pro-Überhang +3).
Gegen die Initiative positionierten sich laut Studie Le Temps (Anzahl Artikel: 115, Kontra-Überhang: -29), NZZ (98/-38) und Blick (49/-24). Fög-Leiter Kurt Imhof spricht gegenüber Schweiz am Sonntag von einem in den letzten Wochen wachsenden Zuspruch für die Initiative, von einem «tiefen Reflexionsgrad über die Auswirkungen» und einem «fehlenden aufklärerischen Horizont». Die häufig geäusserte Kritik in Leserkommentaren, Politik und Medien würden die Probleme der Zuwanderung herunterspielen, habe zu einer «Überkompensation bei der Problembeschreibung» geführt.
Gegenüber Schweiz am Sonntag bestreitet der Tages-Anzeiger den Pro-Kurs. Die Thematisierung von Problemen sei nicht mit einer Ja-Positionierung gleichzusetzen, so Inlandchef Daniel Foppa. Zudem sei die Methodik der Studie «abenteuerlich». Er bestätigt jedoch, dass es redaktionsintern Pro-Stimmen gab – ein Novum bei einer SVP-Initiative. Die Mehrheit der Redaktion habe sich jedoch klar gegen die Initiative ausgesprochen.
Kurt Imhof erklärt die wachsende mediale Zuwanderungsskepsis ausserdem damit, dass Medienschaffende aufgrund der «rasanten Verschlechterung ihrer beruflichen Perspektiven selbst von Abstiegsängsten geplagt» seien. Eine These, die im Artikel auch von Das Magazin-Autor Daniel Binswanger gestützt wird: Journalisten seien mit einem realen Absinken ihres Lebenstandards konfrontiert, wodurch ihre Immunität gegenüber der SVP-Rhetorik abgenommen habe. Die persönliche Betroffenheit lasse wichtige Gegenargumente in den Hintergrund geraten. (SaS/hae)



























