In der wichtigsten Kategorie, die nicht umsonst «Dienst an der Öffentlichkeit» heisst, wurde der Preis extra geteilt, um sowohl die «Washington Post» als auch den «Guardian» ehren zu können. Letzterer ist eine britische Zeitung und kann damit eigentlich gar keinen Pulitzer-Preis bekommen. Die Jury fand einen Ausweg und ehrte höchst ungewöhnlich nur einen Auslandsableger, nämlich die US-Ausgabe des «Guardian». Die Zeitung habe «mit ihrer streitlustigen Berichterstattung geholfen, einen Funken an die Debatte um staatliche Überwachung und den Widerspruch zwischen Sicherheit und Privatsphäre zu legen». Oder anders gesagt: einen Skandal öffentlich gemacht.
Bei der «Washington Post», die auch die Papiere des Informanten Edward Snowden veröffentlicht hatte, ist die Begründung in einigen Teilen wortgleich. Bei ihr wurde hinzugefügt, dass das Vorzeigeblatt aus der Hauptstadt den Preis erhalte, weil bei der «Enthüllung der weitreichenden Überwachung durch die National Security Agency» die «massgeblichen und aufschlussreichen Berichte der Öffentlichkeit halfen, den grösseren Rahmen zu verstehen».
Gratulation von Snowden
Edward Snowden gratulierte den Journalisten und bedankte sich. Die Preise erinnerten daran, dass eine freie Presse das bewirken könne, wozu kein Einzelner alleine imstande sei, schrieb er auf der Webseite der US-«Freedom of the Press Foundation». «Meine Anstrengungen wären ohne Einsatz, Engagement und Können dieser Zeitungen bedeutungslos gewesen.»
Die Pulitzer-Preise in den anderen Kategorien verschwinden hinter den Hauptauszeichnungen fast ein bisschen. Das Herz des Pulitzer-Preises Auszeichnung sind Ehrungen für Journalisten, die keiner kennt, die für Blätter arbeiten, von denen man kaum etwas gehört hat. Aber die doch trotz Gegenwind beharrlich Missstände aufzeigen. So wurde der Journalist Chris Hamby geehrt, der ein Kartell aus Anwälten und Ärzten aufdeckte, die kranke Bergarbeiter um ihre Entschädigungen brachten.
Zwei Reporter der «Tampa Bay Times» aus Florida zeigten, unter welch armseligen Bedingungen Obdachlose in Wohnprojekten hausen. «The Gazette» aus Colorado Springs machte deutlich, welche Probleme Kriegsheimkehrer haben, wenn sie wegen einer Kleinigkeit entlassen wurden. Und der «Boston Globe» wurde für seine «eingehende und einfühlsame Berichterstattung» über den Bombenanschlag auf den Marathon vor einem Jahr geehrt.
Preise für Literatur und Musik
Donna Tartt («Die geheime Geschichte») bekam den Hauptpreis in Literatur für ihren Roman «Der Distelfink». Er schildert den Kampf eines Knaben, nachdem seine Mutter bei einem Bombenanschlag ums Leben kam. Dabei kommt der 13-Jährige einem Geheimnis auf die Spur. Nach Ansicht der Jury ist der Roman «wunderschön geschrieben» und die Charaktere sind «ausgezeichnet entworfen».
Bestes historisches Werk war für das Komitee «The Internal Enemy: Slavery and War in Virginia, 1772-1832» von Alan Taylor über Sklaverei im Bundesstaat Virginia, der Heimat von George Washington und Thomas Jefferson. Die beste Biografie habe Megan Marshall mit «Margaret Fuller: A New American Life» über die Schriftstellerin geschrieben.
Mit dem Preis für Poesie wurde der in Indien geborene Vijay Seshadri für «3 Sections» geehrt, der für Musik ging an John Luther Adams für sein Orchesterwerk «Become Ocean».
Die Pulitzer-Preise werden seit 1917 vergeben und gelten als weltweit wichtigste Auszeichnung für Journalisten. (SDA)