Viel mehr als reine Give Aways
Nachhaltige Werbeartikel werden stärker nachgefragt, sind aber auch teurer. Immer häufiger umgarnen Unternehmen nicht nur Kunden, sondern auch ihre Mitarbeitenden.
Eine Trinkflasche, Gehörschützer und – wenn es mal wieder regnet – ein Mini-Taschenschirm: Für Ina Klingele sind diese Werbeartikel derzeit ihre liebsten Alltagsbegleiter. Die Vizepräsidentin beim Verband der Schweizerischen Werbeartikelindustrie Promo Swiss in Weggis erkennt in den Gaben aber auch einen übergreifenden Trend: «Die Branche kommt weg von den günstigen Einmal-Gebrauchsartikeln hin zu qualitativ hochwertigeren Artikeln, die langlebig sind und an denen man lange Freude hat.»
Doch gibt es auch einen Haken. Solche Artikel sind um einiges kostspieliger als bekannte Streuartikel wie Kugelschreiber oder Schlüsselanhänger. Dafür bleiben sie bei den Beschenkten auch im Gedächtnis haften und werden gerne behalten. Das fördert Nachhaltigkeit, der sich die Werbeartikel-Industrie schon seit Jahren verschrieben hat. «Vor allem mittlere und grössere Unternehmen erwarten heute Transparenz und Umweltverantwortung entlang der gesamten Lieferkette», weiss auch Roman Hasler, Head of Procurement und Marketing bei BB Trading Werbeartikel in Dietikon. Zertifizierungen wie ISO 14001, EcoVadis oder Amfori BSCI spielen ihm zufolge eine grosse Rolle, um die Spreu vom Weizen zu trennen.
Das Motto lautet heute: Weniger ist mehr
«Statt grosser Mengen günstiger Streuartikel werden heute hochwertige, nützliche und langlebige Produkte gewählt – oft aus recycelten oder ressourcenschonenden Materialien, idealerweise in Europa produziert», berichtet Hasler. Um die Herkunft der einzelnen Artikel transparent zu machen, stellt BB Trading Werbeartikel ein hauseigenes Bewertungssystem zur Verfügung, das die Nachhaltigkeit von Produkten für den Endkunden nachvollziehbar macht. «Damit lässt sich der Einkauf gezielt auf nachhaltige Alternativen umstellen», verspricht der Werbeartikel-Experte.
Strenge Umweltstandards sind Pflicht
Für die werbetreibenden Unternehmen zahlt sich das aus. «Produkte mit klarem Mehrwert und ökologischer Kommunikation stärken sowohl Markenimage als auch Kundenbindung», erklärt Hasler. Der Manager zählt dazu: «Fischermützen, Dad Caps, Sportsocken, der Original Stanley Cup oder ähnlich designte Trinkbecher, sowie generell alles, was im Retail- und Fashion-Bereich im Trend liegt oder durch Social-Media-Kanäle gehypt wird.»
Auch bei der PSI Messe 2025 als der europäischen Leitmesse der Werbeartikelindustrie bestätigte sich im vergangenen Januar diese Tendenz: «Jedes Jahr wächst die Nachfrage nach europäischer Produktion und strengen Umweltstandards, was auf der diesjährigen Messe besonders deutlich wurde», beobachtet Anna Nyhlin, die für ihre Firma Teko Tryck aus dem schwedischen Sölvesborg als Ausstellerin nach Düsseldorf angereist ist. Zur Produktpalette zählen Geschirrtücher, Küchentücher und Velourstücher, die in Europa hergestellt werden, beschreibt die Verkäuferin aus Schweden: «Unsere Produkte erfüllen sowohl hohe Umweltstandards als auch die wachsende Marktnachfrage.»
Was sich noch auf der PSI beobachten liess: Werbeprodukte werden immer persönlicher – der modernen Techniken sei dank. Auf der Messe zeigten Hersteller wie Ullmann, wie sich über einen Laserautomaten Schreibgeräte ganz einfach mit einer individuellen Aufschrift versehen lassen. Das gleiche geht mit etlichen weiteren Artikeln, von Trinkflaschen bis hin zu Tech-Gadgets rund ums Smartphone und Notebook.
Mitarbeitende werden umgarnt
In Genuss dieser nützlichen Aufmerksamkeiten kommen auch immer häufiger die Mitarbeiter als wichtigste Markenbotschafter der Unternehmen. So führen Homeoffice, Hybridarbeit und Kulturpflege dazu, dass Mitarbeiter von Unternehmen mehr umgarnt werden als je zuvor. «Das Employer Branding nimmt derzeit einen hohen Stellenwert ein», findet Ina Klingele von PromoSwiss. Nach Ende eines Projekts gibt es beispielsweise Dankesgeschenke fürs Team, und auch an Weihnachten gehört es häufig schon vielerorts zum guten Ton, die Mitarbeit im zurückliegenden Jahr wertzuschätzen. Oder im Voraus dazu zu motivieren: Immer öfter kommt es vor, dass neue Angestellte an ihrem ersten Arbeitstag eine Willkommensbox erhalten mit Tasche, Flasche, Tasse, Powerbank, Snacks, Kugelschreiber und Notizbuch, wie Klingele beschreibt: «Oftmals werden diese Mitarbeitergeschenke von der Personalabteilung ausgewählt und beschafft.»
Eine Studie des Gesamtverbands der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW) aus dem Jahr 2023 belegt, dass 19 Prozent der Unternehmen in Deutschland Werbemittel für die Mitarbeiterbindung einsetzen. Häufiger allerdings werden die Aufmerksamkeiten nach wie vor an Kunden überreicht. In der GWW-Studie gaben 71 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie Werbeartikel bei Kundenbesuchen im eigenen Unternehmen einsetzen würden, weitere 70 Prozent beim Kontakt in den Kundenräumlichkeiten. Es folgen Werbeartikel, die auf Events überreicht werden, sowie solche, die zur Kundenbindung zum Jahresende dienen. Das Kalkül geht auf: Dem Werbeartikel-Monitor zufolge, die der GWW mit der Dima-Marktforschung im Zwei-Jahres-Rhythmus erhebt, bleiben zwei Drittel der Werbeartikel länger als ein Jahr und rund 40 Prozent über zwei Jahre im Besitz beim Empfänger. «Das ist eine Verweildauer, die andere Medien, wenn überhaupt, nur mit Mehrfachschaltungen über längere Zeiträume erreichen. So kann schon die einmalige Übergabe eines Werbeartikels die Werbebotschaft langfristig nachhaltig kommunizieren», sagt Ralf Samuel. Für den Geschäftsführer des Gesamtverbands der Werbeartikel-Wirtschaft (GWW) in Frechen bei Köln, ist es daher nur konsequent, dass Firmen, die Nachhaltigkeit als einen ihrer Leitwerte betonen, sie konsequent in alle Bereiche ihres Handels integrieren. Und sie eben auch über die passenden Werbeartikel ausdrücken. «Das fängt beim Einkauf und der Beschaffung an und geht über die Produktion bis hin zum Marketing und Vertrieb», erklärt Samuel. Doch tiefer in die Tasche greifen wollen Unternehmen dafür nach wie vor nicht.
In Studien des GWW wurde festgestellt, dass für 91 Prozent der werbenden Unternehmen Nachhaltigkeit eine Rolle spielt. Jedoch fällt die Akzeptanz von damit verbundenen höheren Kosten deutlich geringer aus: Gerade einmal vier Prozent sind bereit, mehr als ein Fünftel zusätzlich mehr Geld für Nachhaltigkeit aufzubringen. Dagegen finden zwar drei von vier Befragten eine Preiserhöhung unterhalb von 20 Prozent für angebracht, würden in dem Fall allerdings eher die Bestellmenge reduzieren als das Marketing-Budget zu erhöhen. Weniger muss dann – auch im Sinn gelebter Nachhaltigkeit – eben mehr sein.
«Mehrwert und ökologischer Kommunikation stärken die Kundenbindung.»













Nadia Kohler geht bei Tamedia einem Job nach, den es noch nicht lange gibt. Ihr Titel: «Head of AI Lab». Vor zwei Jahren lautete er noch «Head of Product Management Content Development». Viel sperriger, viel diffuser. Doch heute weiss man beim Medienhaus in Zürich ganz genau, wohin sich der Journalismus entwickeln soll. So setzt Tamedia den Leserinnen und Lesern seiner Titel wie Tages-Anzeiger und Basler Zeitung Inhalte nicht länger nur in einer festen Form vor. Vielmehr sollen sie selbst entscheiden können, in welchem Format sie Informationen erhalten möchten. Ein erster Testlauf im Frühling bei der Basler Zeitung, bei dem die Leserschaft zwischen Original-Interview und zusammengefasstem Lauftext wechseln konnte, kam gut an. Nun werden schrittweise weitere Formate eingeführt. «Liquid Content», nennt Kohler das Prinzip.

