Das Jahr der Werbung: Wettbewerb startet

Das Jahr der Werbung bittet ab dem 1. September wieder zum Wettstreit und sucht die nächsten Megaphon-Preisträger, die Newcomer-Agentur des Jahres 2014 sowie junge Talente im Nachwuchswettbewerb Campus.

Beim Wettbewerb Das Jahr der Werbung haben Agenturen und Unternehmen vom 1. September bis 17. Oktober 2014 die Möglichkeit herausragende Einzelleistungen und Kampagnen in den Kategorien Print, Out of Home, Film, Audio, Direktmarketing, Promotion und Digitale Medien
vorzulegen. Eine unabhängige Expertenjury bestehend aus Auftraggebern von Unternehmensseite, Kreativen und Strategen aus Agenturen sowie Vertretern aus Medien und Fachmedien – darunter erneut auch Werbewoche-Chefredaktor Pierre C. Meier – garantiert einen neutralen Leistungsvergleich, der Kreativen Aufmerksamkeit und Auftraggebern eine hilfreiche Orientierung innerhalb der jeweiligen Branche bietet.

Im letzten Jahr haben es gleich zwei Schweizer Unternehmen unter die Preisträger geschafft: Swisscom gewann in der Kategorie Out of Home das Megaphon in Gold mit der Aktion «All Eyes on the S4» und Pitsch Sport konnte sich gemeinsam mit der Agentur am Flughafen für ihren Skiwaxbrief das bronzene Megaphon in der Kategorie Direktmarketing sichern. Diesjährige Anwärter auf ein Megaphon können sich unter Jdw.de anmelden.

AgentFlughafen_eugster
René Eugster von der Agentur am Flughafen mit dem Megaphon in Bronze (Direktmarketing) für Pitsch Sport

Bereits seit dem 11. August können sich zudem junge Agenturen um den Titel Newcomer-Agentur des Jahres 2014 kostenfrei bewerben. Zugelassen sind Agenturen, deren Gründung nach dem 1. Januar 2012 erfolgte. Sie werden auf die Qualität ihrer kreativen Leistungen, ihren wirtschaftlichen Erfolg und ihre Kommunikationsmaßnahmen in eigener Sache hin bewertet. Neben dem renommierten Titel erhält der Gewinner einen Gutschein über 5'000 Euro, einsetzbar im regulären Wettbewerb. Anmeldung und weitere Informationen unter Jdw.de/newcomer. Bewerbungsschluss ist der 17. Oktober.

Der Nachwuchswettbewerb Campus hingegen sucht vom 1. bis 30. September 2014 begeisternde Hochschulabschlussarbeiten (Bachelor, Master, Diplom) aus den Bereichen Kommunikationsdesign, Mediendesign und Werbung. Mit einer ebenfalls kostenfreien Anmeldung und Vorstellung ihrer Arbeiten unter Campus.jdw.de nehmen die Absolventen teil. Neu in diesem Jahr ist die zweite Bewertungsrunde, in der die zuvor mit ihren Arbeiten auf die Shortlist gewählten Studenten ihre Werke noch einmal direkt vor der Jury präsentieren.

Alle Preisträger, die Shortlist der Jury und die in den Branchenvergleich aufgenommenen Arbeiten werden im Buch zum Jahr der Werbung 2015, das im April erscheint, dargestellt. Die Preisträger werden zudem auf der Preisverleihung Ende Januar in Berlin geehrt.

[BUs für Bilder]
„AgenturDJahres2013_HEIMAT.jpg“ Die Abräumer des letzten Wettbewerbs: HEIMAT BERLIN wurde Agentur des Jahres 2013
„AgentFlughafen_eugster.jpg“ René Eugster von der Agentur am Flughafen mit dem Megaphon in Bronze (Direktmarketing) für Pitsch Sport
“MegaphonVisual1.jpg”, “MegaphonVisual2.jpg”, “MegaphonVisual3.jpg” DAS JAHR DER WERBUNG sucht die nächsten Megaphon-Preisträger
 

Hanna, sag mal «Zopf»!

In der digitalen Welt kann sich jeder entdecken lassen. Manche wollen das und machen sich einen Namen oder stärken jenen, den sie schon haben. Andere fliegen auf und werden ihre Geschichte nie mehr los – sie ist für immer im Netz. Von Andrea Jansen

Die einen wollten es so: Justin Bieber verdankt seine Karriere seiner Mutter, die Auftritte von ihm ins Netz stellte. Andere werden nicht gefragt, ob sie wollen (ich wäre gerne dabei, wenn Hanna in zehn Jahren ihre Eltern zur Rede stellt – geben Sie mal «Hanna, sag mal Zopf» bei YouTube ein)!

Comedians, Models oder Sänger stellen ihr Können ins Web, mit der Hoffnung, von Netz-Talent- Scouts entdeckt zu werden. Und die sind im englischsprachigen Raum schon lange aktiv. Mitarbeiter der United Talent Agency beispielsweise surfen in der Hoffnung, ungeschliffene Diamanten zu finden. Spezielle Menschen und Geschichten, die sich vermarkten lassen und die sie dann direkt mit den Werbeagenturen verlinken, um sie gezielt aufzubauen. Und das, bevor das breite Publikum sie entdeckt.

Davon sind wir in der Schweiz natürlich weit entfernt. Unser Output in Sachen Internet-Prominenz beschränkt sich noch auf den im Auto fluchenden Massimo (gepusht vom Blick und später zu Gast bei «Giacobbo/Müller») oder auf die #selfiegate – Sekretärin aus dem Bundeshaus (deren Geschichte es übrigens sogar bis in die New York Times geschafft hat – dort wurde allerdings ausschliesslich ihre Brust verpixelt. Prioritäten müssen sein!). Da wir Schweizer grundsätzlich argwöhnisch werden, wenn jemand aus der Masse herausragt, erstaunt es auch nicht, dass die 15 Minuten Ruhm für die Betroffenen dann vor allem negative Folgen haben: Massimo findet keinen Job mehr, und Sekretärin A. ist ihren vielleicht schon los. Es wäre ihr zu gönnen, wenn wenigstens ihre Pornos von der Aufmerksamkeit profitierten.

In der Schweiz wird man schwerlich zum Cyber- Prominenten, aber bereits bekannte Persönlichkeiten könn(t)en sich weiter profilieren. Oder genau so schnell demontieren. «Wir rasen mit 3000 Kilometern pro Sekunde über die Datenautobahnen, (…) wissen aber noch viel zu wenig darüber, wie wir uns ausreichend vor Unfällen schützen. (…) Der grösste Feind: Ignoranz. Bis tatsächlich etwas passiert, halten wir uns häufig für unverwundbar. Auch das ist genauso wie im Strassenverkehr» schreibt Martin Hellweg in seinem Buch «Safe Surfer», in dem er praktische Tipps zum Schutze der Privatsphäre im digitalen Zeitalter gibt*. «Ein unbedachter Moment kann in der heutigen digitalen Welt Leben verändern. » Geri Müller würde das bestätigen.

Einmal im Netz, immer im Netz. Obwohl es meist immer noch die klassischen Medien braucht, um die breite Öffentlichkeit darüber zu informieren. Bilder auf Facebook, Twitter oder Instagram werden ungefragt von anderen Medien weiterverwendet – dessen muss man sich bewusst sein. Ein emotionaler Tweet zu einem politischen Thema wird am nächsten Tag plötzlich zitiert, und vielleicht wird man ungewollt zur Galionsfigur ernannt. «Überlegen Sie sich bei Ihrem Handeln immer, ob Nutzen und Risiko in einem guten Verhältnis stehen. Ist dies nicht der Fall, lassen Sie es besser einfach sein. Das ist der beste Schutz», so der Tipp des Experten Hellweg.

Die böse, böse digitale Welt also? Am besten gar nichts mehr und mit niemandem teilen? Im Gegenteil – wir müssen die digitale Welt, die schon längst mit unserer realen Welt verschmolzen ist, zu unseren Gunsten nutzen. Bekannte Persönlichkeiten einerseits, um den sonst so schwierigen direkten Kontakt zu ihrem Publikum zu pflegen. Um zu kommunizieren, auch Privates, aber eben nur das, was sie auch wollen (um vielleicht auch davon abzulenken, was sie eben lieber nicht preisgeben möchten). Und für die Werbewelt andererseits: Stark digital vernetzte Persönlichkeiten scheinen als Influencer und Multiplikatoren hierzulande nur selten im Einsatz zu sein. Und wenn, dann sind Angebote nur halbherzig – als Entgelt für Posts und Tweets gibts Gratisjoghurts oder – immer wieder gerne angeboten – «Medienpräsenz». Klar, dass das niemanden hinter dem Ofen hervorlockt. Präsenz im Netz ist heute ein Muss. Aber um beim Bild der digitalen Autobahn zu bleiben – auch hier gilt «luege, lose, loufe» oder eben «überlege, abwäge, poste». Hanna wäre dankbar.

*Hellweg, Martin: «Safe Surfer – 52 Tipps zum Schutz Ihrer
Privatsphäre im digitalen Zeitalter». www.safe-surfer.com/buch

Andrea Jansen ist Mitinhaberin der People-Management- Agentur Andreas&Conrad. Sie twittert unter @jansenreistrum
 

Messbar erfolgreich

Wirz Wietlisbach Dialog gewann dieses Jahr mehrere der wichtigsten Dialogmarketing-Preise im deutschsprachigen Raum. Vor Kurzem hat ein neues Geschäftsleitungs-Trio die operative Verantwortung für die Agentur Übernommen. Die Werbewoche hat die drei zum Gespräch getroffen.

Unbenannt-19_8

Wirz Wietlisbach Dialog ist die auf Performance ausgerichtete Agentur der Wirz Gruppe und bietet Kunden wie der Schweizerischen Post, Betty Bossi oder dem TCS eine breite Palette an Dialog- und Response-Aktivitäten. Erst vor drei Jahren gegründet, freut man sich in der Agentur, 2014 ins Scheinwerferlicht zu rücken. Mit zwei Gold- sowie drei Silberpreisen war sie der Abräumer beim Schweizer SDV-Award. Auch beim Deutschen Dialogmarketing- Preis gewann die damit erfolgreichste Schweizer Agentur Gold und Silber. Zum gleichen Zeitpunkt zog sich Mitgründer und Namensgeber Guido Wietlisbach aus seiner CEO-Funktion in den Verwaltungsrat zurück. Die operative Verantwortung trägt nun ein Trio: Stefan Dätwyler verbleibt in der Geschäftsleitung. Neu unterstützen ihn der Kreative Jörg Bewersdorff und die Beraterin Nadine Vasella.

Stefan Dätwyler ist Gründungsmitglied von Wirz Wietlisbach Dialog. Er prägte zudem die ereignisreiche Vorgeschichte der noch jungen Agentur, deren Wurzeln im Digital-Bereich liegen. Dätwyler arbeitete als gelernter Grafiker ursprünglich in der klassischen Werbung. So unter anderem als Art Director bei Advico Young & Rubicam. Schon relativ früh machte er sich jedoch ins Internetzeitalter auf. 1998 heuerte er beim international tätigen Internetdienstleister Pixelpark an und zog nach Berlin. Ein Jahr später kehrte er im Auftrag der Unternehmensgruppe zurück in die Heimat, um für die neuen Niederlassungen in Basel und Zürich die Kreativabteilungen aufzubauen. «Die Kunden rannten Schweizer Digital-Agenturen damals regelrecht die Türe ein», erinnert sich Dätwyler. Schmunzelnd ergänzt er: «Darum haben wir uns damals dann auch lieber selbstständig gemacht und mit Endeed Interactive unser eigenes Unternehmen gegründet. »

2002 fusionierte Endeed mit Wirz Interactive und wurde in Assai umbenannt – die Vorgängeragentur von Wirz Wietlisbach Dialog. «Zu dieser Zeit waren wir ständig unter den Top 3 im Online- Bereich», so Dätwyler. Die 2007 erfolgte Umbenennung in Assai Dialog + Digital markiert bereits die zunehmende Bedeutung des Dialogmarketings für die Gruppe, der 2011 mit der Gründung von Wirz Wietlisbach Dialog final Rechnung getragen wurde. Die Begeisterung für digitale Kommunikation indes ist dem Juror zahlreicher Kreativ-Awards geblieben. Wobei er, wie er sagt, «grundsätzlich kanalneutral denkt». «Mir geht es um die Idee. In welchem Kanal diese dann kommuniziert wird, hängt von der Botschaft und vor allem von der Zielgruppe ab.»

Nadine Vasella vertritt in der Geschäftsleitung als Managing Director die Beratung – und die habe bei Wirz Wietlisbach Dialog keine untergeordnete Funktion, betonen die beiden Kreativen an ihrer Seite. Vasella startete ihre berufliche Laufbahn als Werbeassistentin und später als Marketing- und Kommunikationsleiterin. Ihre ersten Stationen waren die Internetplattform Car4you und deren Mutterhaus, Eurotax International. Von hier wechselte sie auf Agenturseite. Als Beraterin bei Ogilvy One in Zürich lernte sie Guido Wietlisbach kennen, seinerzeit Chef der Agentur. Nach einem MAS in Fundraising ging sie zu Pro Senectute und später als Bereichsleiterin Fundraising zum Schweizerischen Roten Kreuz. «Es war der soziale Aspekt, der mich reizte», so Vasella. Warum sie von den Non-Governmental Organisations (NGOs) abermals auf die Agenturseite wechselte, hing laut der Stadtzürcherin vor allem damit zusammen, dass sie «dauerhaft wohl doch eher für das Agenturgeschäft mit seinen ständig wechselnden Aufgaben gemacht sei». Weiter betont sie: «Es ist schon so, ich bin eher der Zahlenmensch. Darum fühle ich mich auch so wohl, wenn es um umfangreiche Testingprozesse geht und um die daraus resultierenden Learnings.» Als Wietlisbach sie 2013 anfragte, ob sie die Leitung der Beratung bei Wirz Wietlisbach Dialog übernehmen wolle, ergriff Vasella die Gelegenheit beim Schopf. In der Dialog-Agentur der Wirz Gruppe fühlt sie sich am richtigen Ort. «Bei einer Dialog- marketing-Kampagne kann man den Erfolg der eingesetzten Massnahmen meistens exakt überprüfen. » Mit der Zeit verstehe man die Mechanismen dahinter und könne so die Wirksamkeit von Details vorhersagen. Gerne würde sie diese Erfahrungen auch vermehrt nutzen, um von Agenturseite aus NGOs zu betreuen.

Jörg Bewersdorff leitet seit 2012 gemeinsam mit Stefan Dätwyler die Kreation. Der Texter und Konzepter landete eher durch Zufall im Dialogmarketing – immerhin ein zufälliger Entscheid, der sich während der letzten 16 Jahre bewährte, so Bewersdorff. Statt von Dialogmarketing spricht er allerdings lieber von «emphatischem Marketing». Das bringe präziser auf den Punkt, was die Disziplin ausmache. «Man muss sich in die Zielgruppe einfühlen, um die für sie relevanten Geschichten zu finden.» Der direkte Kontakt zu den Zielgruppen sei es auch, was ihn auch heute noch jeden Tag gerne selbst in die Tastatur greifen liesse. Gelernt hat Bewersdorff das «Handwerk des Textens » bei Ogilvy One in Frankfurt am Main. Auf diesem Weg entstand auch bereits «vor vielen Jahren » sein Kontakt in die Schweiz. Bewersdorff arbeitete damals an einem internationalen Projekt für Ogilvy One Schweiz mit – im Auftrag von Guido Wietlisbach. Bevor er vor zwei Jahren seine Heimat Deutschland verliess, sammelte er Erfahrungen bei diversen Kreativagenturen und internationalen Netzwerkagenturen wie dem McCann Erickson Communication House in Berlin, Springer & Jacoby Direct oder TEQUILA \, beide in Hamburg. Bewersdorff ist überzeugt davon, dass das Dialogmarketing eine zukunftsträchtige Form von Kommunikation ist. «Die Bedeutung von Social Media spielt für uns. Wir wissen dadurch viel besser, wie die Leute auf Massnahmen reagieren.»

Nicht zuletzt aufgrund dieses Rückkanals ist er ein Fan von Social Media. «Ausserdem spielt uns das Mediennutzungsverhalten der Menschen in den letzten Jahren extrem in die Karten.» Die Menschen seien es heute gewöhnt, mit Unternehmen und deren Marken direkt zu kommunizieren. Im Zentrum der vielfach ausgezeichneten Dialogmarketingkampagne «Advertiser Anonymous» steht das Dialogmarketing selbst: Die Kampagne im Auftrag der Schweizerischen Post will das Image des Direktmarketings bei Werbe- und Mediaagenturen stärken. Die Ansprache der Zielgruppe erfolgt dabei auf einem für die Post ungewöhnlichen Weg: Statt die eigenen Leistungen ins rechte Licht zu rücken, machen sich die Pöstler über die Werber und deren Vorstellungen von Direktmarketing lustig. «Der Kunde benötigte eine Kampagne, die mit den Erwartungshaltungen dieser anspruchsvollen Zielgruppe bricht», so Bewersdorff. «Es ist doch so: Wenn ich als Agenturvertreter Werbung von der Post auf den Tisch bekomme, weiss ich schon vorher, dass mich die auf keinen Fall interessiert», meint Bewersdorff weiter. Natürlich stimme das nicht, aber das erfahre diese Zielgruppe im Zweifelsfall gar nicht, weil sie die Werbung direkt wegwerfe oder überblättere.

Dabei leide die Post – wie das Dialogmarketing allgemein – zu Unrecht unter einem Imageproblem, so Bewersdorff. Das negative Fremdbild resultiere aus den Erfahrungen am eigenen Briefkasten: der Massenwerbung. «Innerhalb der Wirz Gruppe schätzte man die Agentur hingegen stets», stellt Dätwyler klar. Bereits mit der Gründung 2011 würdigte Wirz die Bedeutung des Dialogmarketings als eigene Disziplin. «Die Auszeichnungen haben ihren Teil dazu beigetragen, doch intern positiv wahrgenommen werden wir vor allem durch den intensiven Kontakt.» Bei internen Präsentationen begeistere die Vielseitigkeit und das Handwerkliche. Auch für die Rezipienten seien Dialogmarketingmassnahmen im Idealfall nicht lästige Massenwerbung, sondern überraschend und auf ihre Bedürfnisse abgestimmt. Und entsprechen damit einem Trend. «Kampagnen mit Dialogmarketing-Anteilen funktionieren einfach besser – zukünftig werden sie die Regel sein.» Es bestehe eine allgemeine Tendenz, mehr an der Performance gemessen zu werden.

Das Tagesgeschäft habe sich mit dem Wechsel in der Geschäftsleitung nicht massiv verändert, ist sich das neue Geschäftsleitungs-Trio einig. Guido Wietlisbach wird nach wie vor für strategische Entscheidungen herbeigezogen. «Die Strategie ist seine Stärke und seine Leidenschaft – und dieser kann er sich jetzt voll und ganz widmen», so Vasella. Im Gespräch wurde jedoch eine wichtige Erweiterung des Portfolios angekündigt. Ab sofort werde man auch analytisches CRM und den gesamten Bereich des Kundenwertmanagements anbieten. Um noch gezielter mit den richtigen Botschaften zur richtigen Zeit über die richtigen Kanäle die richtigen Menschen anzusprechen, setzt die Agentur bei der Auswertung von Kundendaten neu auf die Unterstützung des Partners Datalogue. «Da gibt es in der Schweiz noch viel Raum nach oben», so Vasella. Viele Unternehmen verfügten zwar über hervorragende Kundendaten, hätten aber agenturseitig nicht die Ansprechpartner, um dieses Kapital auch sinnvoll und gewinnbringend einzusetzen. Analytisches CRM und Kundenwertmanagement stünden nicht im Gegensatz zur sonst so betonten Kreativität, sind Dätwyler und Bewersdorff überzeugt. Es sei ja nicht so, dass Wirz Wietlisbach Dialog ein Hotshop wäre. Nicht ohne Grund sei man in der Schweiz der Exklusivpartner des deutschen Instituts für Kommunikationsanalyse und -optimierung (IKAO). Dessen «wissenschaftliche Dialogstrukturmessung zahlreichen Kunden zu mehr Wirkung bei ihren Werbemitteln verholfen habe», bestärkt Dätwyler. «Stimmt», so Bewersdorff. «Wir sind eigentlich eher strukturiert arbeitende Handwerker, die zusätzlich extremen Spass an guter Kreation haben.»

Simone Isliker

Unbenannt-20_6
Unbenannt-20b_0
 

Der Motz von Butz: Coopzeitung versus Vogue

Müssen Highend-Fashion-Produkte attraktiv und alltägliche Produkte unattraktiv beworben werden? Das ist zu einfach gedacht.

Nach längerem Italien-Aufenthalt in unserem Büro Süd bin ich wieder hier in der Werbewelt Zürich gelandet und habe mich darum rasch umgesehen, ob ich gute und auch abscheuliche Werbung sichten kann. Von der wenigen Werbung mit Ausnahme am TV konnte ich nichts sichten, nichts begreifen und somit nichts Gutes entdecken.

In den Tageszeitungen ist ausser Sex-, Todesoder Günstiganzeigen eigentlich gar keine Werbung mehr vorhanden. Im Internet sind die Pop-ups von der NZZ lästig. Die Werbung ist auch zu printmässig gedacht, und geklickt habe ich noch nie.

Meine Konzentration galt dann zwei Medien. Der deutschen Vogue, 402 Seiten, 50 Prozent Werbung. Der Coopzeitung 112 Seiten, weit mehr als 60 Prozent Werbung. Das eine ist die Werbetrommel von Coop und die grösste Wochenzeitung der Schweiz. «Sie finden neue leckere Rezepte, spannende Reportagen und Gewinnspiele,» heissts auf Google. Was da aber nicht steht, dass weit über die Hälfte mit Schrottwerbung der untersten Schublade bestückt ist. Aktionswerbung mit Hunderten von Elementen, Symbolen, Kleintexten, dilettantischen Illustrationen, hässlichen Farbkombinationen. Sie können es sich vorstellen, was ich meine.

Bei der Zeitschrift Vogue trifft man auf eine ganz andere Welt. Hervorragend fotografierter, designter und gestalteter Redaktionsteil. Unüberladene, ruhige, originelle Inserate von 3 Doppel- bis zu 1/3 Seiten sind eine Wohltat.

Wessen Theorie ist es, zu denken, dass nur Luxusprodukte bessere und modernere Werbung verdienen? Meine Theorie ist eine andere: Ich glaube, dass die Auftraggeber für Inserate in der Coopzeitung die Meinung vertreten, dass die Preiskracher auf gelbem Grund mit roten Preisen, einem Bon und einem Wettbewerb usw. überladen werden müssen, damit sie Beachtung finden. Irrtum!

Warum, liebe Coopzeitungs-Macher, warum wendet Ihr nicht das Prinzip der Vogue an? Dieses funktioniert anscheinend ganz gut. Da werden unter verschiedenen Themen Produkte redaktionell vorgestellt (Product Placement). Die Coop-Redaktion könnte Produkte zu Themen wie Weintrinken, Schönheitspflege, Kochen usw. mittels Product Placement anstatt mit hässlichen Anzeigen locker und appetitlich anpreisen.

Noch eine weitere Theorie von mir: Ich glaube, dass hinter den Vogue-Anzeigen wenige, entscheidungskompetente Menschen stehen. Und bei Coop ganze entscheidungsinkompetente Gremien.

Mein Aufsteller der Woche war, dass ich das legendäre Petangue-Turnier auf dem Lindenhof letzten Sonntag zusammen mit Rolf Hürlimann gewinnen konnte.

Unbenannt-6_43

Theophil Butz, Grafiker, Werbeagentur-Inhaber, Inspirator und seit mehr als drei Jahren auch noch Motzer für die Werbewoche- Leser. Sachdienliche Hinweise bitte an [email protected].
 

Es ist nie zu spät, Vegetarier zu werden

In der neusten Werbekampagne fürs Hiltl zeigt Ruf Lanz real existierende Beispiele aus der Tierwelt, in der sich Fleischfresser wie Löwe, Gepard oder Fuchs plötzlich eng mit Tieren befreunden, die eigentlich auf ihrem Menüplan stehen.

Die ungewöhnlichen Tierbeziehungen erscheinen offline und online in diversen Formaten und Anwendungen. Sowohl in deutscher wie in englischer Sprache. 

Verantwortlich bei Hiltl: Rolf Hiltl (Gesamtverantwortung), Marsha Lehmann (Marketing + Kommunikation). Verantwortlich bei Ruf Lanz: Markus Ruf, Danielle Lanz (Creative Direction), Marcel Schläfle (Art Direction), Florian Birkner (Text), Laura Hofer (Grafik), Sabrina Luck, Christian Brütsch (Beratung). 

tiere1
tiere2
tiere3
 

Mediapulse: von Weissenfluh übernimmt Steuer

Franziska von Weissenfluh Stähli übernimmt per Anfang Oktober das Stiftungsratspräsidium der Mediapulse Stiftung. Sie wird damit auch Verwaltungsratspräsidentin der Tochtergesellschaften Mediapulse und Publica Data.

Von Weissenfluh folgt auf Marco de Stoppani, der auf Ende September, «wie bereits seit längerem geplant», zurücktritt. Das teilte Mediapulse am Donnerstag mit. Von Weissenfluh ist mehrfache Verwaltungsrätin und Verwaltungsratspräsidentin – unter anderem der Bernexpo.

De Stoppani habe die Mediapulse seit ihrer Gründung begleitet und erfolgreich auch durch schwierige Jahre geführt, hält die Stiftung im Communiqué weiter fest.

Mediapulse misst im Auftrag des Bundes für die gesamte Schweiz die Zahlen zur Radio- und Fernsehnutzung. Die Daten beeinflussen Werbepreise und das Schicksal von Sendungen. Anfang 2013 sorgte Mediapulse für Schlagzeilen als Zweifel an Daten laut wurden, die nach der Umstellung auf ein zeitgemässes Messsystem erhoben wurden. (SDA)
 

Zu guter Letzt: Ein Knall, ein Schrei, ein Kuss unter Frauen

Überall warten ungelöste Aufgaben – die Welt war noch nie so unfertig. Also los, spring aus dem Fenster, küss eine Frau, reparier eine Lampe.

Der neue Werbe-Spot der Handwerkskammer Hannover überzeugt mit tollen Effekten, verfehlt aber das Thema dabei. So kommt die Kernaussage am Schluss des Werbefilms ein wenig zu kurz: Die Aufforderung an Schulabsolventen und junge Quereinsteiger, mitanzupacken. Zumindest auf Youtube ist die Kinoversion des Werbefilms dann jedoch erklärt: «Noch nie gab es so viel zu tun – überall warten ungelöste Aufgaben. Doch in jeder Herausforderung steckt auch eine Chance»

//www.youtube.com/watch?v=8gXEXwKJqts

Kinogänger wollen in Kino normalerweise aber auch nicht Werbefilme verstehen, sondern unterhalten werden. Da passt der Kampagnen-Slogan «Die Welt war noch nie so unfertig. Pack mit an.» eigentlich gar nicht mal so schlecht.

Wer dennoch lieber Action-Filme mit «Jööh-Effekt» geniesst, sollte sich das «Action Movie Kid» anschauen. Der zweite Teil wurde gerade erst auf Youtube veröffentlicht, wie Storyfilter.com schreibt, und bereits über eine Million Mal angeklickt. (uma)
 

//www.youtube.com/watch?v=PHjvySrshVI

Neue Moderatorin «Literaturclub»

Nicola Steiner heisst die neue Moderatorin beim «Literaturclub». Seit 2008 ist sie Mitglied der Literaturredaktion von SRF.

Als Redaktorin war sie bis anhin unter anderem für die Inhalte des «Literaturclub» verantwortlich und produziert Radiosendungen, vor allem die Literatur-Hintergrundsendung «52 beste Bücher» auf SRF 2 Kultur. Nach ihrem Studium der Sprachen sowie Wirtschafts- und Kulturraumstudien in Passau arbeitete sie bei den Verlagen Hanser in München und Schöffling & Co. in Frankfurt und ab 2003 bei der Zeitschrift «Du» in Zürich. Seit 2007 war sie Redaktorin bei den «Sternstunden» von SF sowie SRF und freie Mitarbeiterin für Daniel Keel, den Verleger des Diogenes Verlags. Zudem ist sie Herausgeberin der Bücher «Lustig ist das Verlegerleben – Briefe von und an Daniel Keel» und «Spätlese – Aufsätze, Reden und Gespräche von Daniel Keel».

Das Kritikerteam wird erweitert: Acht versierte Literaturkennerinnen und -kenner diskutieren künftig abwechselnd engagiert über Literatur. Einen festen Platz im erweiterten Kritikerteam des «Literaturclub» nehmen Martin Ebel, Elke Heidenreich, Hildegard Keller, Christine Lötscher, Rüdiger Safranski, Julian Schütt, Thomas Strässle und Philipp Tingler ein. In der Septembersendung zu Gast sind Christine Lötscher, Julian Schütt und Philipp Tingler. Das Kritikerteam der Sendung vom 21. Oktober 2014 besteht aus Elke Heidenreich, Thomas Strässle und Philipp Tingler.

SRF zeichnet den «Literaturclub» im Papiersaal Sihlcity in Zürich öffentlich und vor Publikum auf. Die neue Runde unter der Moderation von Nicola Steiner mit den Kritikern Christine Lötscher, Julian Schütt und Philipp Tingler startet am Dienstag, 30. September 2014, zu ihrer ersten Sendung.
 

Zu guter Letzt: Das perfekte Gesicht

Das amerikanische Satire-Portal The Onion nimmt in einer Spot-Parodie die Kosmetikwerbung auf die Schippe. 

Der fiktive Werbespot wirbt für ein neues Beauty-Produkt von Maybelline, welches anstelle von Make up angewendet werden kann. Es hilft effektiv gegen Fältchen oder grosse Poren, sorgt für den perfekten Hautton und bringt sogar eine unvorteilhafte Nase zum Verschwinden. Rasch in der Anwendung und preiswert zugleich sorgt es für eine fantastische Wirkung. Sollte eines Tages eine Nachfrage nach dem Produkt bestehen, könnte es problemlos lanciert werden. (sis)

//www.youtube.com/watch?v=_44Tb9Ggkqg

Neue Redaktionsleiterin Dok Eigenproduktionen

Ab 1. September 2014 übernimmt Belinda Sallin die Leitung der Dok Eigenproduktionen. Damit ist die Neuorganisation innerhalb des Bereichs Dokumentarfilm und Reportage der Abteilung Kultur abgeschlossen.

Belinda Sallin ist seit 2008 Autorin bei «Dok» und «Reporter». Von 2002 bis 2006 war sie Redaktionsleiterin des Politmagazins «Rundschau», für das sie seit 1998 tätig war. Belinda Sallin kam 1996 zum Schweizer Fernsehen und stieg dort als Redaktorin bei der Sendung «Lipstick» ein. Sie studierte Deutsche Literatur, Philologie und Kommunikationswissenschaften an der Universität Freiburg im Üechtland und schloss 1994 mit dem Lizenziat ab.

«Dokumentarfilme sind meine grosse Leidenschaft. Ich freue mich sehr darüber, die Dok Eigenproduktionen von SRF zusammen mit Marius Born und einem Team von hervorragenden Autorinnen und Autoren mitgestalten zu dürfen», sagt Belinda Sallin. Marius Born freut sich laut Mitteilung auf «eine enge, inspirierende Zusammenarbeit.»

Mit dem Wechsel zur Abteilung Kultur im Frühling 2014 wurden diverse Aufgaben im Bereich Dokumentarfilm und Reportage bereits im April neu geordnet: Nathalie Rufer ist stellvertretende Bereichsleiterin sowie Redaktionsleiterin Reporter und mitenand; Frank Senn leitet die Redaktion DOK Serien; Pacte-Verantwortlicher ist Urs Augstburger; und Michèle Sauvain ist für Koproduktionen und Sonderprogramme zuständig. Das Team Dok Fremdproduktionen leitet Marius Born neben seiner Funktion als Bereichsleiter.

Neben den angestammten Sendungen «Dok», «Dok»-Serien und «Reporter» ist neu auch der Dokumentarfilm-Teil des Pacte de l’audiovisuel, jener Vertrag, der die Zusammenarbeit mit den freien Filmschaffenden regelt, im Bereich angesiedelt. In Koproduktion mit SRF und der SRG SSR entstehen so Dokumentarfilme für das Kino oder für die Sendungen «Dok», «Sternstunden» und «ch:filmszene». Die Sendung «mitenand» rundet das Bereichsangebot ab.

Die Butterschelme schlagen erneut zu

Leo Burnett lanciert auch 2014 eine Kampagne für die unwiderstehliche Floralp-Butter.

Der Kampagnen-Klassiker mit der Vorzugsbutter Floralp als Hauptdarstellerin wird mit einer Plakatserie fortgesetzt. Dieses Jahr brechen Brötchen aus dem Brotkorb aus, um sich die unwiderstehliche Vorzugsbutter zu schnappen. Die Plakate mit den Butterschelmen sind ab September in der ganzen Schweiz zu sehen.

Verantwortlich bei Floralp: Peter Ryser (Geschäftsführer BO Butter), Martin Rüst (Leiter Werbung & Promotionen SMP), Xenia Hupp (Projektleiterin Werbung & Promotionen SMP). Verantwortlich bei Leo Burnett: Christian Bircher (CD/Art), Patrick Suter (CD/Text), Axel Eckstein (ECD), Annika Seidel und Andrea Aegerter (Beratung), Suzana Kovacevic (Art Buying); Fotograf: David Willen; Bildbearbeitung: Tania Willen.
 

floralp0
floralp1_1
 

In Flagranti verstärkt Beratung und Kreation

Die Lysser Agentur freut sich gleich über fünf neue Mitarbeiterinnen.

Zum Beratungsteam stösst Denise Flury. Sie war vorher Marketing Specialist bei Swisscom IT Services und bringt Event-Erfahrung mit. Zusätzlich unterstützt Brigitte Hager das Team während zwei Monaten. Sie verfügt über einen Master in Unternehmenskommunikation und war Marketing Assistant bei Post Finance.

In der In Flagranti Academy, dem Förderprogramm für junge Talente, startet ab September Nadine Zuber als angehende Beraterin. Sie hat den Bachelor of Art in Medien- und Kommunikationswissenschaften in der Tasche. Auch Prisca Meier absolviert die Academy – als Grafikerin mit abgeschlossener Ausbildung.

In der Kreation hat Selina Gerber die Lehre zur Grafikerin begonnen.
 

get_footer();