Der Gockel stirbt, solang er will

DRS-Ombudsmann Otto Schoch erweitert seine Zuständigkeit auf Werbung

DRS-Ombudsmann Otto Schoch erweitert seine Zuständigkeit auf WerbungVon Luca Aloisi Ein Psychiatrie-Chefarzt beanstandete einen TV-Spot für Radio DRS. Nicht wie zu erwarten bei der Lauterkeitskommission, sondern bei Ombudsmann Otto Schoch. Rechtlich verstösst der Spot nicht gegen das Gesetz. Die Beanstandung hält Schoch aber dennoch für begründet.
Wie die WerbeWoche bereits beim Kampagnenbeschrieb (WW 23/01) mutmasste, wurde kürzlich der von Advico Young & Rubicam realisierte Spot für das Schweizer Radio DRS, in dem ein lebensmüder Hahn sein irdisches Dasein unter dem Zug beendet, tatsächlich beanstandet. Nicht von aufgebrachten Tierschützern, sondern von einem Chefarzt einer psychiatrischen Klinik, der den Spot «absolut geschmacklos» empfand. Der TV-Spot könne wegen des suggerierten Hahn-Suizids auf selbstmordgefährdete Jugendliche auffordernd wirken und habe damit eine breit abgestützte Kampagne zur Suizidprävention unterlaufen, moniert der Psychiater.
Zwar hat die Werbebotschaft laut Otto Schoch, Ombudsmann von Radio und TV DRS, ein überaus positives Echo bei den Fernsehzuschauern ausgelöst. Schoch sah dennoch Anlass, die Beanstandung juristisch abzuklären. Ergebnis: Der Spot verstösst weder gegen das RTVG noch gegen die Konzessionsbestimmungen und die Bakom-Richtlinien, weshalb ihn Radio DRS auch weiter ausstrahlen will.
Grosszügige Auslegung von Artikel 60 RTVG
Überraschender als der «Freispruch» ist Schochs Entscheid, den Begriff Sendung, wie er im RTVG definiert ist, grosszügig auszulegen und seinen Kompetenzbereich auch auf Werbung auszubreiten. Zur Werbespotprüfung schrieb er im Magazin des Publikumsrates Link: «Ich hätte eine engherzige Auslegung der gesetzlichen Vorgaben als sehr kleinlich empfunden, und ich bin deshalb auf die Rüge eingetreten. Denn Art. 60 RTVG sieht immerhin vor, dass jedermann eine Sendung beanstanden kann, und ich meine, auch Werbebeiträge seien Sendungen im Sinne dieser Norm.»
Die SDA folgerte, dass nebst dem Programm neu auch TV-Spots beim Ombudsmann beanstandet werden können, für die eigentlich die Lauterkeitskommission zuständig ist. BSW-Geschäftsführer Walter Merz ist damit nicht glücklich: «Wenn man den eingespielten Kompetenzenweg einhalten würde, hätte Herr Schoch den Psychiatrie-Chefarzt darauf aufmerksam machen sollen, dass für Werbung diese Kommission zuständig ist.»
Wie sie in einem solchen Fall entscheiden würde, könne er nicht abschätzen. Dass aber ihr Urteil unter den gegebenen Umständen vorgespurt ist, steht für ihn fest. Eine neue Schere im Kopf der Kreativen befürchtet er wie auch Peter Felser, CEO der verantwortlichen Werbeagentur, hingegen nicht. Felser: «Wir werden weiterhin das Briefing unserer Kunden, das eine Aufgabe in den Vordergrund stellt, nach bestem Wissen und Gewissen erfüllen.»
Beim beanstandeten TV-Spot ging es darum, die Botschaft verblüffend umzusetzen, wonach sich immer mehr Leute vom Radio wecken lassen. «Ist der Inhalt nicht gegeben, ist es eine sinnlose Provokation à la Benetton», ergänzt Felser. Für Publisuisse-Vizedirektor Othmar Stadelmann, der den Spot visioniert hatte, ist dieser besonders aus Sicht depressiv veranlagter Menschen durchaus diskutabel, weshalb er Schochs Vorgehen verstehe.
DRS-Pressesprecher René Bardet legt Wert darauf, dass das Ganze im Prinzip mit SF DRS nichts zu tun habe und weiterhin «eine strikte Trennung zwischen Programm und Werbung gilt». Wegen Abwesenheit konnte Ombudsmann Otto Schoch zur entscheidenden Eintretensproblematik nicht Stellung nehmen. Bleibt also offen, ob sein Beschluss als richtungsweisend zu interpretieren ist.
Für Merz ist denkbar, dass der Sekretär der Lauterkeitskommission mit dem Ombudsmann den Kontakt sucht, um sein Eintreten auf die Rüge zu klären. Schliesslich könne Ethik nicht von einer staatlichen Stelle verordnet werden. Verletzt eine Agentur ethische Grundsätze, schadet sie sich und den Kunden, und daran habe wohl niemand ein Interesse.
Obwohl sich der Lauterkeitskommission noch nie ein solcher Fall gestellt hat, fühlt man sich weder herabgesetzt noch ersetzt. Kommissionssekretär Hanspeter Marti sieht seine Aufgabe subsidiär zu den Gerichten. «Sobald Lauterkeitsrecht tangiert ist, behandeln wir alle Fälle, unabhängig davon, ob schon Behörden oder andere sich damit befasst haben.» Auch erwartet er nicht, dass eine staatliche Stelle den Fall an eine private weiterleitet. Erst recht nicht, wenn es um ethische und nicht um Rechtsfragen geht. «Wir wollen schliesslich nicht Sittenrichter sein.»

Shortlist: les soirées dorées

Mittlerweile dürften es auch diejenigen bemerkt haben, die das Wort Festtage jeweils im wörtlichen Sinn dergestalt ernst nehmen, dass sie erst jetzt wieder ansprechbar sind:

Mittlerweile dürften es auch diejenigen bemerkt haben, die das Wort Festtage jeweils im wörtlichen Sinn dergestalt ernst nehmen, dass sie erst jetzt wieder ansprechbar sind:Shortlist Ah, les soirées dorées
Von Beat Fritsch
Das neue Jahr hat unwiderruflich begonnen und mit ihm eine neue Saison von Werberevents. Wir rollen darum den Partyrest des vergangenen Jahres, das sich mit Pauken und Trompeten verabschiedete, nochmals von hinten auf.
Ausklingende Jahre haben es an sich, dass sie sich das jeweils Beste bis zum Schluss aufsparen. Das letzte Fest ist darum logischerweise immer das beste. Am «Saint Sylvestre», von tüchtigen Ganzjahrespartygängern auch «La plus belle des nuits» genannt, sieht man die Leute schöner angezogen denn je und ausgelassen wie nie.
Dass zur Bewältigung des vergangenen Jahres eigentlich nur feiern hilft, sagten sich wohl auch Manuel Nappo und Michel Pernet, welche die mit Abstand hippste Silvesterparty auf die Beine beziehungsweise auf die Tanzfläche brachten. Das Ganze nirgendwo anders als im besten Haus am Platz Zürich, dem Dolder Grand Hotel. Der feinste Jahresabschluss fand nicht im Kaufleuten, nicht im Q und schon gar nicht in St. Moritz oder Gstaad statt (die Berge sind sowieso seit längerem out für den Jahreswechsel – wer will schon mit den Schickimickis aus Euroland feiern), sondern in der Nobelherberge mit Blick über die Stadt. Das liessen sich auch 160 persönlich geladene und handverlesene Gäste aus dem Zürcher Party- und Werberkuchen nicht entgehen.
«Jeunesse dorée» hiess nicht nur das Partymotto, so seien auch die Gäste zu bezeichnen, meinten die Veranstalter in ihrer kurzen Begrüssung. Und sprachen ihren Dank aus. Denn die ganze Sause wäre nicht möglich gewesen ohne die tatkräftige Unterstützung von Walter K. Daubenmeier, stellvertretender Direktor des Dolderpalais mit Blick auf den Golfplatz. Etwas Mut brauchte dieser Entscheid schon, wird doch Zürichs Jeunesse dorée, auch wenn sie in Abendkleidern und Smokings auftritt, nicht immer für gesittetes Benehmen gerühmt.
Jedoch, es ging alles glatt – ausser dem kleinen Malheur auf der Toilette, dem einen oder anderen Brandloch im Teppich und dem zerschlagenen Geschirr (bringt aber Glück!). Über solche Kleinigkeiten lässt sich jedoch in der Nacht der Nächte grosszügig hinwegsehen. Wohl möglich, dass die rauschende Party nächstes Jahr wieder stattfindet. Anmeldung vermutlich zwecklos! Die Guestlist dürfte jetzt schon total overbooked sein.
Vor dem Jahreswechsel standen aber erst noch zwei weitere Einladungen mit eher sportivem Charakter auf dem Programm. Einer auf, der andere neben dem Eis. Die Goldbach Media forderte ihre Kunden zum Duell auf dem Eis. Wer jetzt ans beschauliche Curling denkt, irrt gewaltig. Michi Frank und seine Mannen sind schliesslich harte Jungs – im Geben und im Nehmen, weshalb der Showdown für einmal auf dem Hockeyfeld stattfand. Obwohl das Spiel mit Stock und Puck mit einem Remis endete, übergab Gastgeber-Coach und Captain Michi Frank den Siegerpokal den Gästen.
Eine ziemlich anstrengende Sache, meinten übrigens alle Anwesenden. Eishockey sieht zwar leicht aus, geht aber schwer in
die Knochen. Einen Verletzten (Handgelenkbruch) hats nämlich im IPM-Team gegeben. Claudio sei eigentlich ein Eisprofi mit viel Routine, meinte Michi Frank, und trotz allem sei er beruhigt, dass dies nicht einem Kunden passiert sei. Dennoch brauste der IPM-Chef nach Turnierende sofort ins Spital, um erste Genesungswünsche zu überbringen.
Auch Walter Bosch war vor Matchbeginn sehr skeptisch und musste lange zu einer Teilnahme überredet werden. Als Präsident des 1. FC Frischauf Seefeld kennt er die Verletzungsgefahren bei Mannschaftsspielen nur zu gut. Am Ende war alle Skepsis verflogen, und Bosch wurde zum
Nice Player gewählt, obwohl er gemäss eigener Aussage die meiste Zeit auf der Strafbank gesessen habe. Best Player wurde
auf der IPM-Seite Michi Frank
(2 Tore), der sich – ganz bescheiden – somit gleich selber auszeichnete. Bei den Gästen wars Andy Lehmann, der ebenfalls zwei Tore geschossen hatte. Fazit: Alle hatten derart viel Spass, dass die Revanche nicht lange auf sich warten lassen wird.
Wie man es richtig macht, davon erhielten die Gäste der SonntagsZeitung am Spengler-Cup eine Kostprobe. Weder Stephan Küng noch IPM-Gast-Topskorer Andy Lehmann liessen sich die Chance auf etwas Anschauungsunterricht in Davos entgehen. Und obwohl Lehmann in Küsnacht eine Topleistung erbrachte, hat er gemäss eigenen Aussagen in Davos noch etwas lernen können.
Neben den Leistungen auf dem Eis – der HC Davos gewann übrigens das Turnier, wenn auch mit Glück – war der angekündigte Verkauf der Jean Frey AG an Ringier das Hauptthema.
Nicht so gute Noten für die ganze Geschichte erhielt dabei Matthias Hagemann. Er habe Weltwoche-Verlagsleiterin Uli Rubner und ihr Team ins offene Messer laufen lassen, war der Tenor. Kurz vor Weihnachten hatte die Weltwoche nämlich noch die Einladungen für die Relaunchparty vom 30. Januar verschickt. Anzeigenleiter Ivan Schultheiss sei jetzt wohl wieder am Ausladungen schreiben, wurde bösartig gescherzt.
Erholung und Ruhe kehrten auch in Davos erst wieder nach Spengler-Cup und Jahreswechsel ein. Die Schlachtenbummler waren abgezogen, die Erholungssuchenden eingetroffen. Auf der Skipiste sahen wir Bettina Schmid und Claudia Wilden. Und neben der Skipiste Oliver Künzler und Filippo Zanchi, die Inhaber von Trendcommerce, die anscheinend ein gutes Jahr hinter sich haben. Oder kennen Sie einen anderen Grund, den Tag im Chalet Güggel bereits mit Champagner fröhlich einzuläuten?
Beat Fritsch recherchierte für die Neujahrsshortlist an eher kalten Orten. Neben dem Eishockeyfeld in Küsnacht stand der SpenglerCup in Davos auf dem Programm. Was auch gleich zum Anlass genommen wurde, einen Blick in die umliegenden, nett gedeckten Skihütten zu werfen. Und dann gabs noch eine heisse Silvesterparty, die im Dolder Grand Hotel in Zürich übers Parkett ging.
Wer auch dieses Jahr wieder feine Werberfeten feiert, sich zu Plauschturnieren versammelt oder sonstwie positiv oder negativ auffällt, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder
in die Tasten (info@werbe woche.ch). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www. werbewoche.ch

Novemberkater

Schwerer Einbruch der Stellenanzeigen belastet Inseratestatistik

Schwerer Einbruch der Stellenanzeigen belastet InseratestatistikVon Bruno Amstutz Der November 2001 brachte dem Stellenvolumen der Schweizer Presse den bisher massivsten Rückgang des vergangenen Jahres und riss weitere grosse Löcher in die Inseratestatistik. Am stärksten gebeutelt wurden Wochenzeitungen und Deutschschweizer Tageszeitungen.
Die Novemberzahlen der Inseratestatistik der Schweizer Presse lassen nach dem Silvester Katerstimmung aufkommen. Die Stellenanzeigen erlitten erneut Einbrüche und zogen die Bilanz nach unten: Die Zeitungen verzeichneten einen Rückgang des Stellenvolumens um 42,6 Prozent gegenüber dem November 2000, wobei die Wochenzeitungen mit minus 57,1 Prozent den grössten Verlust hinnehmen mussten.
Die schlechte Lage der Stelleninserate kombiniert sich mit diskreteren Verlusten im Bereich der kommerziellen Inserate, wo die Zeitungen 10,9 Prozent weniger Volumen generierten als im Vorjahresmonat.
Für die Wochenzeitungen ergibt sich ein gesamthafter Verlust an Inseratevolumen von 25,6 Prozent, der sich seit dem Oktober mehr als verdoppelt hat. Zeitschriften verloren im November mit minus 13,7 Prozent erstmals mehr als zehn Prozent Anzeigenvolumen gegenüber dem Vorjahresmonat.
Nach elf Monaten des Jahres 2001 ergibt sich ein düsteres Bild. In fast allen Kategorien zeigt sich in den kumulierten Monatswerten ein Rückgang des gesamten Inseratevolumens: Bei den Zeitungen beträgt er minus 8,2, bei Zeitschriften minus 5,5 Prozent.
Positive Zahlen sind Mangelware. Die vierzehn mittelgrossen Deutschschweizer Tageszeitungen mit einer Auflage zwischen 10000 und 50000 Exemplaren schafften es immerhin, ihr kumuliertes Inseratevolumen gegenüber dem Jahr 2000 um 1 Prozent zu steigern. Bei ihnen liegen nach elf Monaten sogar die Stelleninserate mit einem Gewinn von 0,6 Prozent leicht im Plus.
Auch der Publicitas-Index der Werbeausgaben in der Tagespresse schwindet konsequent: Im November 2001 lag er bei 127,2 Punkten und damit 1,9 Punkte unter dem Oktoberwert. Der Index der Stelleninserate sank um 11,3 Punkte auf 298,8 Punkte.

Per aspera ad astra

Der «Quereinsteiger» und Betriebswirtschafter Dominique von Matt ist Werber des Jahres 2002

Der «Quereinsteiger» und Betriebswirtschafter Dominique von Matt ist Werber des Jahres 2002Von Luca Aloisi

Dominique von Matt, Mitinhaber von Jung von Matt/Limmat (JvM), blickt
auf ein bewegtes 2001 zurück: Anschluss an das JvM-Netz seines Bruders,
Prestige-Etatgewinne und Umzug in ein Gebäude mit historischem Flair.
Gut startet für ihn und die Agentur auch das neue Jahr: Von der
Branche, die ihn anfangs mied, wurde er mit dem Titel «Werber des
Jahres 2002» ausgezeichnet.
Weder ist er ein Werber mit überzogenem
Selbstwertgefühl noch sprudeln Slogans oder Konzepte aus ihm heraus.
Eher ist der Berater Dominique von Matt ein Denker und Motivator. Seine
angenehm gedämpfte, aber markante Stimme passt zu seiner beherrschten
Art wie zum tadellos gepflegten Äusseren. Daran reiht sich nahtlos auch
das sanierte Gebäude, in das JvM/Limmat kürzlich gezogen ist: ein
ehemaliges Primarschulhaus mit Anbau, das auf den Grundmauern eines
Bordells aus dem 19. Jahrhundert errichtet wurde. «Mit Gesellenhaus,
Kasino und eben diesem Puff war damals die Wolfbachstrasse noch die
sündige Meile Zürichs», weiss von Matt zu erzählen. Mit der knallroten
Agenturfassade nimmt der Mitinhaber augenzwinkernd Bezug zur Geschichte
und hebt die Authentizitätshaltung von JvM auch optisch hervor.

Mit Kompetenz-Units mutiger von der Ideallinie abkommen Dass
der Werber des Jahres 2002 am liebsten sein Assoziationsregister zieht,
stellt man gleich fest. Seinen Anspruch an gute Werbung umschreibt
Dominique von Matt (43) mit einer Formel-1-Analogie: «Ob Monza,
Hockenheim oder Suzuka – jeder Kurs hat seine Ideallinie. Auf dieser
kommt man zwar am schnellsten und sichersten um die Kurve. Sie hat aber
den Nachteil, dass sie jeder nimmt. Wenn man überholen will, muss man
sie verlassen. Gerade das ist das Problem der Werbung: Wenn man
kompetitiv sein will und etwas bewegen will, muss man den Mut haben,
von der Ideallinie wegzukommen.»
Die Kampagne für die Schweizer
Uhrenmarke Maurice Lacroix widerspiegelt dieses Credo deutlich: Anders
als die üblichen Testimonial-, Close-up- und Lifestyle-Umsetzungen
konstruierte das 55-köpfige Zürcher Team eine eigenständige, mutige
Erlebniswelt zwischen Luxus und Wildnis, die den Instinkt für Klassiker
– eben Maurice Lacroix – thematisiert. Nicht minder unkonventionell war
der Relaunch von Amaretto-Disaronno aus dem Hause JvM/Limmat, das den
ersten riechbaren Spot in die Kinosäle brachte und den Spagat zwischen
Paragraphen und Kreativität medienwirksam vorführte. Dabei wurde es vor
der Filmvorführung im Kinosaal zappenduster, man vernahm Geräusche von
klimpernden Eiswürfeln, um kurz danach den verführerischen Duft des
Mandellikörs zu riechen. Bevor das Rätsel gelüftet wurde und die
Disaronno-Flasche in einem flackernden Lichtkegel auftauchte, erschien
auf der Leinwand die Zeile: Ein Original erkennt man, bevor man es
sieht.
Die Kommunikationsauftritte für die rund 35 Kunden – von
Ascom und Bluewin über Ikea und SBB bis zu kleineren wie dem
Hairstylisten Zelo oder dem Restaurant Tres Kilos – sind von derselben
Originalität geprägt. Dank des Think-Tank-Konzepts, das mit dem Aufbau
einer integrierten PR- und Webunit startete, will Jung von Matt/Limmat
seine Auftraggeber noch integraler beraten, um sie in ihren Branchen
weiter zu stärken.
Die Agentur, die 1993 als Honegger von Matt in
einem Keller mit fünf Mitarbeitern und Keystone als erstem Kunden
startete, erzielte im Jahr 2000 rund 8,5 Millionen Franken
Bruttobetriebserträge (BBE) und avancierte so auf den 13. Rang der
BSW-Agenturen. Im allgemein rückläufigen Werbemarkt 2001 konnte
JvM/Limmat als eine der wenigen Agenturen seine BBE über 10 Prozent
verbessern. Beachtlich war auch der Kreativitätszuwachs, der mit
nationalen und internationalen Preisen quantifizierbar ist. Im
Kreativranking der Schweizer Agenturen platzierte sich die Zürcher
Agentur 2001 erstmals in den Top Ten und gleich auf Platz 7.

Mit «Stark-werder» werden Werber stark Wäre
es nach Dominique von Matts Ursprüngen gegangen, dann würde auch er –
entsprechend der Familientradition – sich heute in der Buchbranche
bewegen. Sein 79-jähriger Vater führt in der Nähe des Zürcher Central
immer noch eine eigene Buchhandlung. Doch so wie der Beruf des
Buchhändlers beim Vater eine Berufung ist, stellt auch die Beziehung
der Söhne zur Werbung eine völlige Verschmelzung von Beruf und Hobby
dar.
Obschon die aussergewöhnliche Häufung von Werbern in dieser
Von-Matt-Generation auf vererbte Gene tippen lässt, sieht der
Agenturgründer die Erziehung und die kommunikativen Charakterzüge, die
seine Eltern ihm und seinem Bruder Jean Rémy mitgegeben haben, als
Causa prima für den Erfolg in der Werbebranche: «Vom Vater haben wir
das Unternehmerische und die klare Haltung, die wir an ihm immer sehr
bewundert haben. Bestimmte Bücher verkaufte er einfach nicht, weil sie
nicht
in seine Ideologie passten und er solche Inhalte nicht
verbreiten wollte. Das Werberische haben wir von unserer Mutter.» Sie
lehrte ihre Kinder, wie man das Verhalten der Leute beeinflussen, sie
zu etwas motivieren kann.
Dabei fällt dem Werber die
«Stark-werder»-Anekdote ein. Zum Leidwesen der Mutter, die aus Belgien
stammte, hassten die Söhne Blaukraut, ein belgisches Nationalgericht.
Um sie für das gesunde Gemüse zu gewinnen, kam statt Blaukraut in der
Familie von Matt «Stark-werder» auf den Tisch. «Von diesem Augenblick
an haben wir das Zeug jahrelang gefuttert», erinnert sich von Matt
schmunzelnd an eine der vielen mütterlichen Überzeugungstaktiken im
Familienalltag.
Zu den elementaren Regeln der Verführung gesellte
sich als weiterer einflussreicher Faktor eine Erziehung mit wenig
Zwängen und Grenzen. «Wir hatten sehr viele Freiheiten, aber unsere
Mutter hat uns immer sehr geschickt gelenkt. Wir wurden extrem zu
Why-not- und nicht zu Yes-but-Denkern erzogen.» Darin sieht er
Parallelen zu seiner heutigen Arbeit: «Ich bin in einem Beruf, in dem
ich dafür bezahlt werde, an Grenzen zu gehen und diese zum Teil zu
überschreiten.» In diesem liberalen, aber auch leistungsorientierten
Mikrosystem spielte das Buch als Hauptmedium eine katalytische Rolle
für das ausgeprägte assoziative Denken der Söhne.

Unverständnis und Frustration auf dem Weg in die WerbungJene
Mischung aus uneingeschränkter Lebensgestaltung und erfolgsorientierter
Einstellung findet sich heute im offenen Klima der Agentur wieder, die
laut von Matt mit sehr wenig einengenden Strukturen auskommt.
Andererseits ist diese lockere, aber schwer fassbare Firmenkultur klar
erfolgs- und leistungsverpflichtet.
Obwohl Dominique von Matt
zielstrebig seine akademische Ausbildung und die Stages auf einen
Beratungsjob hinsteuerte, blieb ihm der Einstieg in die Werbebranche
lange verwehrt. Mit 28 Jahren, einer Dissertation über Markenpolitik
und Erfahrung als Waschmittel-PM bei Unilever im Rucksack, musste von
Matt frustriert feststellen, dass die Branche ihn nicht haben wollte.
Nicht
mit Ressentiments, aber mit Erstaunen erinnert er sich heute noch an
das Unverständnis und die vielen Absagebriefe von namhaften Werbern,
die ihm nett verklausuliert mitteilten, dass das einfach keine Laufbahn
sei und dass er nicht in ihre Agentur passen würde. Dankbar denkt der
Werber des Jahres 2002 zurück an den einzigen, der erkannt hatte,
welches Potenzial im Unilever-geprüften Eleven steckte, weil diesem das
Basic-Know-how des Marketings eingeprügelt worden und ihm die
Kundenperspektive bekannt war: Ziehvater Hansueli Schweizer von Wirz
Werbung.
In den fünf Jahren, die er beim Werbe-Doyen arbeitete,
lernte er das Handwerk und den Wert einer guten, konsistenten
Agenturkultur. Als Account Executive leitete und koordinierte er bei
der Londoner DMB&B die Whiskas-Europakampagne. Aus England brachte
er Professionalität und fokussiertes Arbeiten mit nach Hause. Diese
beiden Qualitäten implementiert er heute in die Prozesse bei
JvM/Limmat. Das drückt sich beispielsweise in der Singlemindedness der
Agentur aus, «die prinzipiell bei Konkurrenzpräsentationen nur eine
Lösung vorstellt».

Wachstum muss kein Kulturdefizit nach sich ziehen Da
auf seiner Stufe alle Bereiche der Werbeagentur zusammenkommen, liebt
er es, Strukturen, Formen und Prozesse der Werbung zu analysieren. So
hält er die zusammenschweissende und wertevermittelnde
Unternehmenskultur umso wichtiger, je grösser die Agentur wird, was in
seinem Fall zur Institutionalisierung kulturprägender Aufgaben geführt
hat: Strategietage im Grünen, prozessoptimierende Klausuren,
Fun-Ski-Weekends oder die von einem internen Team gestaltete
Erholungs-Lounge im Keller.
Den Geist, den er in seiner Agentur
spürbar machen will, drückt er abermals in einer bildstarken Metapher
von Antoine de St-Exupéry aus: «Wenn man will, dass Leute ein Schiff
bauen, muss man ihnen nicht Werkzeuge geben, sondern bei ihnen die
Sehnsucht nach dem Meer wecken.» Dank des proportionalen Wachstums
konnte die Wertekultur immer organisch verankert werden. Leadership
heisst für Dominique von Matt, Vorbildfunktion übernehmen.
Mit der
Gradlinigkeit seines Vaters hat Dominique von Matt auch schon Mandate
abgelehnt. «Viele meinen, wir wären immer raffgierig und hätten um des
Wachstums willen alles an uns gerissen. Aber das stimmt nicht. Wir
fuhren nie eine aggressive Wachstumsstrategie.» Schon im ersten Jahr
hätte die Agentur 30 Prozent mehr Volumen haben können, wenn sie alles
angenommen hätte. Aber zwei Punkte waren von Matt immer wichtig, ohne
die es keine gute Zusammenarbeit und Beziehung geben kann: Shared
values und ethische Aspekte gewisser Produktbereiche. «Als Agentur sind
wir überhaupt nicht dem Wachstum verpflichtet, sondern der Qualität.
Diese können wir auch in Ruhe erarbeiten, weil es keinen Shareholder
gibt, der Anfang Jahr sagt: Ende Jahr müsst ihr 30 Prozent grösser
sein.»

Der phänomenale Aufbau der Agentur JvM geht weiterEigentlich
ist das Wachstum der Agentur das Resultat der Begehrlichkeit, die sie
als Marke geschaffen hat, meint Dominique von Matt. Nur so sei der
phänomenale Erfolg des JvM-Agenturnetzwerks nachzuvollziehen.
1991
gründete Dominiques Bruder, Konzepter Jean Rémy von Matt, mit Berater
Holger Jung in Hamburg die Agentur, die in rund elf Jahren ein enormes
Wachstum erfuhr, ohne, gemäss Eigendarstellung, zu einem anonymen
Moloch zu mutieren. Nicht nur die metaphorisch als Trojanisches Pferd
dargestellte Agenturphilosophie, die das Werben mit Lust und List
visualisiert, lehnt sich an altgriechische Weisheiten an. Alle elf
Niederlassungen wie JvM/Limmat sind dem Panta-rhei-Gedanken gemäss nach
Gewässern benannt. Auch hier sinnbildlich für das stete Vorwärtsdrängen
der Agentur ohne zu verweilen. «Insofern ist für mich die Partnerschaft
mit Hamburg eine sehr gute, weil wir beide die gleichen Maxime haben»,
meint von Matt, der im April 2001 die unternehmerische Verbrüderung
beschloss.
Zwar sei der Gedanke, etwas zusammen zu machen, oft
aufgekommen, doch sprachen immer zwei Gründe dagegen. «Mein Bruder lebt
in Deutschland und will dort bleiben, wie ich in der Schweiz bleiben
will. Der zweite Grund liegt in unserem ähnlichen
Stärken-Schwächen-Profil, was unsere Stärken potenzieren würde, aber
auch unsere Schwächen.»
Eine Schwäche hatte Dominique von Matt vor
allem auch für den Sport, der ihm eine gute Lebensschule war. Aus den
drei Disziplinen, die er leidenschaftlich betrieben hat, zog er
verschiedene Schlüsse: Aus dem 100-Meter-Sprint lernte er, in wenig
Zeit alles zu geben, vom Fussball übernahm er den Teamgeist, während er
sich das überraschende Zuschlagen, aber auch das Einsteckenkönnen vom
Boxsport aneignete. «Alle Eigenschaften sind absolut zentral für den
Job als Werber», glaubt er.

Der Erfolg ruht auf einer starken Schulter – der Familie Vom
Typ her hat Dominique von Matt eher Ziele als Träume. Kurzfristig will
er die kreative Leistung seiner Agentur steigern, wobei er die
Verbindung mit JvM/Hamburg als Benchmark angibt. «Wir wollen an diesem
Niveau Mass nehmen.» Der Einzug in die Kreativ-Top-Ten und die
wachsende Anzahl Auftraggeber, die mutige und kreative Werbung wollen,
stimmen von Matt sehr zuversichtlich.
Ein weiteres Ziel besteht
darin, mit der Marke JvM, seit vergangenem Sommer auch in Wien vor Ort,
den grössten einheitlichen Markt in Europa, den deutschen Sprachraum
oder den 100-Millionen-Markt abzudecken. «Das eine oder andere Mandat
zu finden, bei dem wir unsere gemeinsame Karte spielen können, würde
mich schon sehr reizen», gibt er unumwunden zu. Gleichzeitig betreut er
als Kontrastprogramm und wegen sehr enger persönlicher Beziehungen
gerne auch Kleinkunden.
Neben diesen ehrgeizigen beruflichen
Plänen will er weiterhin genug Zeit für seine Familie haben, um dort
eine sehr aktive Rolle zu spielen. Darauf, dass ihn seine 13-jährige
Tochter und sein 5-jähriger Sohn gut kennen, ist er besonders stolz.
Alle Anlässe mit seinen Kindern priorisiert er sehr hoch. Gemeinsam mit
seiner Frau, die seit Agenturgründung ebenfalls für JvM teilzeitlich
arbeitet, schlüpft er immer wieder in die Rolle des
Geburtstagsanimators. «Neben meiner Familie habe ich mich voll und ganz
der Werbung verschrieben», bekräftigt er.

Ausserdem: Jean-Blaise Defago, Ex-SVP-Generalsekretär, wechselt von Burson-Marsteller zu Farner PR und Consulting, Freiburg/ Bern und baut die Agentur Freiburg aus.

Ausserdem Jean-Blaise Defago, Ex-SVP-Generalsekretär, wechselt von Burson-Marsteller zu Farner PR und Consulting, Freiburg/ Bern und baut die Agentur Freiburg aus. Beim Medienvermarkter RMB Switzerland ist ab sofort Daniel Beier für die B

Ausserdem Jean-Blaise Defago, Ex-SVP-Generalsekretär, wechselt von Burson-Marsteller zu Farner PR und Consulting, Freiburg/ Bern und baut die Agentur Freiburg aus.
Beim Medienvermarkter RMB Switzerland ist ab sofort Daniel Beier für die Betreuung der Deutschschweizer Kinos zuständig. Er übernimmt die Nachfolge von Gabriel Polinelli.
Pius Christ arbeitet neu bei der Zürcher Agentur 4C Campaigning and Crisis Communications Consulting GmbH.
Das Anzeigenteam der Weltwoche ist wieder komplett. Als Nachfolger von Gregor Eschle übernimmt ab sofort André Reichenbach die Funktion des Gebietsverkaufsleiters Zentral-/Nordwestschweiz. Neu bei der Weltwoche tätig ist Michael Hermann, bisher Senior Key Account Manager der Berner Zeitung. Er betreut als Gebietsverkaufsleiter Media- und Werbeagenturen.
Tamsayne Beesley und Christof Egger verstärken die Zürcher Kommunikationsagentur Peter Bütikofer & Company.
Seit Anfang Jahr unterstützt Adrienne Pearson die Zürcher Agentur MetaDesign in den Bereichen Interaction Design und Online Strategy.
Unter dem Namen Duktus hat Hanspeter Eggenberger (früher Kulturchef bei Facts und stellvertretender Chefredaktor von 20 Minuten) eine Firma für Media Consulting und Editorial Services gegründet. Duktus betreut in Zürich unter anderem die Redaktion der Zeitschrift Chuchi.
Seit Anfang Jahr verstärkt Andreas Wiederkehr das Team von Blickle Directmarketing.
Die US-Marketinggruppe Panoramic Communications hat Bruno Widmer zum VR-Präsidenten ernannt. Widmer war bis Ende April Chairman von Young & Rubicam Europe, Middle East and Africa. Nach seinem Rücktritt blieb er VR-Präsident von Advico Young & Rubicam, Zürich.
Robert Hangartner verstärkt als Leiter Kommunikation die Abteilung Marketing & Kommunikation der Bank Linth.
Ekkehard Kuppel, CEO der 20 Minuten-Holding, tritt seine Position an Sverre Munck ab. Munck bleibt gleichzeitig Executive Vice President von Schibsted ASA. Auf das Management von 20 Minuten (Schweiz) AG habe der Wechsel keinen Einfluss, hiess es in einer Mitteilung.
Hannes Goetz, Ex-VR-Präsident der SAir-Group, verlässt den Verwaltungsrat der AG für die Neue Zürcher Zeitung. Er tritt auf die Generalversammlung vom 13. April zurück. Als neue Mitglieder des Gremiums sind Susanne Bernasconi-Aeppli, Rechtsanwältin und Kantonsrätin aus Zürich, und Konrad Hummler, geschäftsführender Teilhaber von Wegelin & Co. Privatbankiers in St.Gallen, vorgeschlagen.

Abenteuer unter Wasser. Wie gelangt man möglichst effizient an eine sehr spezielle Zielgruppe? Lowe Lintas GGK hat die Antwort unter Wasser gesucht und gefunden.

Mit einem kostengünstigen Verzicht auf klassische Medien und auch ohne Direct Mail wirbt die Agentur mit einer versenkten Parkbank für die Tauchschule Stingray Dive Center Schlieren. In Zusammenarbeit mit dem Sport- und Freizeitpark Erlen in Dielsdo

Mit einem kostengünstigen Verzicht auf klassische Medien und auch ohne Direct Mail wirbt die Agentur mit einer versenkten Parkbank für die Tauchschule Stingray Dive Center Schlieren. In Zusammenarbeit mit dem Sport- und Freizeitpark Erlen in Dielsdorf wurde eine «funktionsfähige Parkbank inklusive integrierter Plakatstelle» im Aussenbecken der Badeanlage versenkt. Darüber prangt die Aufschrift: «Bleiben Sie doch noch ein Weilchen. Anmeldung für Tauchkurse: www.stingraydive.ch». Wer es nicht glaubt: Die wasserdichte Idee mit der Bank bleibt noch bis Ende Januar im Tauchbecken in Dielsdorf zu bewundern. Konzept Marc Koller, AD Flo Bachofen, Beratung Priska Engelmann.Aus für Toaster. Die Jugendzeitschrift Toaster wird mit der Februarausgabe eingestellt. Das Blatt wurde bislang teilweise durch Subventionen der Stadt Zürich finanziert. Unter dem Druck bürgerlicher Parteien, besonders der SVP, wurden diese per 2002 gestrichen. Mit einem neuen Partner wollte der Toaster künftig landesweit dreisprachig mit 250000 Exemplaren erscheinen und dabei kostendeckend arbeiten.
Stossgebet für Auftraggeber. «Hab Erbarmen, o Herr! Diese Werbefilmer mögen vielleicht kreativ sein, aber Organisation und Logistik gehören wahrlich nicht zu ihren Gaben. Bitte mach, dass sie den Spot endlich vollenden, denn der Tag der ersten Erscheinung ist nah. Amen.» Solches und noch viel heftigeres Flehen findet sich im frommen Büchlein «Stossgebete für Auftraggeber». Verfasst hat das Werk Markus Ruf. Segensreich sein soll es «für alle, die nicht mit Condor arbeiten.» Mit dem Ablass «Gott sei Dank gibt es Condor» leitet die Bibel in einem zweiten Testament über zu vier geweihten Kapiteln, in denen die erlösenden Verheissungen von Condor Commercials, Condor Corporate, Condor Entertainment und Condor Studio Services vorgestellt werden. Gottes Ruf, wahrlich wieder einmal teuflisch kreativ zu Fleisch geworden!
Zuwachs beim BSW. Vier Agenturen sind neu als Mitglieder beim Branchenverband Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen BSW aufgenommen worden. Freiburghaus und Banderini AG (neu Freiburghaus und Partner AG) in Bern ist im Besitz von Simon Freiburghaus (13 Mitarbeitende). Futurecom Interactive AG in Zürich ist im Besitz von Advico Young & Rubicam und Wunderman (98). MediaCom Zürich ist im Besitz von MediaCom Düsseldorf (20). Universal McCann SA in Genf (21) firmierte bis Ende 2000 unter Qualimedia und gehört der Interpublic Group of Companies Inc.
Ausgewachsener Foto-Nachwuchs. «Auch Zwerge haben klein angefangen», steht als Motto hinter dem neuen Jahrbuch des Bundes Freischaffender Foto-Designer BFF. Unter dem Titel «Junioren 2001» sind zum siebten Mal im handlichen Zwergenformat die Arbeiten von 68 jungen Fotografinnen und Fotografen abgebildet. Das rote Büchlein kann für 15.34 Euro bei der BFF-Geschäftsstelle in Stuttgart, Telefon 0049 711 473 422, bestellt werden.
Lowe präsentiert neue Corporate Identity. Seit Montag heisst das internationale Werbenetzwerk Lowe Lintas & Partners offiziell nur noch Lowe & Partners Worldwide. Der Name von Agenturgründer Frank Lowe stehe für kreative Glanzleistungen und solle die Agentur ins neue Jahrtausend führen, heisst es in einer Mitteilung. Das neue Agenturlogo zeigt die Buchstaben des Namens in einem blauen Quadrat angeordnet. Lokale Niederlassungen dürfen die Logofarbe nach eigenem Geschmack wählen.
Aktionen Snowboard Fahrschule. Die Snowboard Fahrschule Flims Laax Falera, seit über 15 Jahren im Business, ist die grösste Snowboardschule der Schweiz. Sie besticht durch ein breites Angebot: Basic-, Allround-, Freestyle-, Carve/Speed-, Freeride/Backcountry- und Master-Kurse. Halfpipe- und Freestyle-Coaching. Camps. Contest-Trainings. Für Kids, Profis, Silverboarder und alle Altersgruppen dazwischen. Werberisch gesehen liessen Andy Bärtsch und Reto Poltera, die beiden Inhaber der Snowboard Fahrschule, mit diesen Facts in der Vergangenheit gerne auf die Pauke hauen. Heuer besticht in ihrer Kampagne am meisten ihr «Klötzchen». Neben «Jesus» und «Falle» ist das Sujet seit Anfang Dezember rund um Flims/Laax sowie im Grossraum Zürich als B12- und Schaufensterplakate zu bewundern. Verantwortlich bei Publicis sind Daniel Krieg (Text), Uwe Schlupp, Raul Serrat (AD, Grafik), Caroline Peter (Beratung), Anna Francke (Art Buying), Jonas Kuhn (Foto).
IHA mit neuer Firmenbezeichnung. Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut IHA mit Sitz in Hergiswil firmiert neu unter dem Namen IHA-GfK AG und reagiert damit auf die Übernahme durch die GfK-Gruppe vor drei Jahren. In der GfK-Gruppe arbeiten 4700 Mitarbeiter in 50 Ländern an der Aufbereitung von Marktinformationen. Für IHA hat sich die Übernahme positiv ausgewirkt: Das Institut verzeichnete im Jahr 2001 ein zweistelliges Umsatzwachstum und baute den Marktanteil aus.
Plakate zum Jahreswechsel. Bereits zum 4. Mal wurden in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Gestaltung und Kunst Luzern Plakate zum Jahreswechsel initiiert. Die Botschaften sollten auf Alltägliches hinweisen und mit einem zweideutigen Augenzwinkern «zu einem Lächeln und hoffentlich zum Denken anregen». Nun sind die bisweilen bezaubernden Arbeiten der angehenden Plakatkünstler bis zum 21. Januar vor der Seebar beim Kultur- und Kongresszentrum Luzern ausgestellt.
Editorial Eine Zahnlücke schmerzlos gefüllt
Der Verlust an publizistischer Ausstrahlung tut weh. Denn die Titelpalette macht Identität und Charakter eines Medienunternehmens aus. Deshalb bedeutet der Abschied von der Jean Frey AG für die Basler Mediengruppe eine radikale Amputation und einen schweren Schlag.
Das Desaster der Basler, zu dem die Kostenfalle Weltwoche unerwartet und dramatisch geführt hat, wird für Ringier zum Glücksfall. Unverhofft kommen die Zürcher zu ihren Wunschtiteln, welche die von Boulevard und Regenbogen dominierte Palette glänzend erweitern und aufwerten. Das bisher einseitig geprägte verlegerische Gebiss erhält seine Zahnlücken gefüllt, praktisch schmerzlos, wenn man den Preis für die «Behandlung» in Rechnung stellt.
Das tut dem Image gut und verspricht dem nochmals gewachsenen grössten Schweizer Medienhaus zudem eine beflügelnde Ausstrahlung nach innen. Ringier ist zweifellos im Hoch. Von den neuen Geschwistern wird die gesamte Titelfamilie profitieren.
Allerdings ist der Druck auf Ringier riesig. Rundum werden die Zürcher bereits jetzt als definitive Retter der Weltwoche gefeiert. Doch auch Frank A. Meyer und seiner Crew steht ein gigantischer Kraftakt bevor, will sich die Weltwoche einen Platz herausstemmen im gesättigten und laufend noch kompetitiveren Markt der gedruckten Hintergrundinformationen. Diese unangenehme Marktwahrheit wird vom unglaublich starken Pathos der Weltwoche gern überblendet.
Heisse Köpfe sind auch rund um die Inhalte der Weltwoche kaum vermeidbar. Aus den spärlich erhältlichen Aussagen wissen wir, dass das Blatt «intellektuell zulegen muss». Eines scheint allerdings gewiss: Nochmalige Umschichtungen und weitere Turbulenzen wie bei der gerade erst vollzogenen Radikalerneuerung der Redaktion würde die Weltwoche kaum überleben.
Doch auch wenn das schillernde und viel versprechende nächste Kapitel im Abenteuer Weltwoche schlecht ausgehen sollte, ist zumindest der finanzielle Schaden gering. Die neue «Gralshüterin» bekommt die Jean Frey AG zum Schnäppchenpreis. Da darf sie ein Risiko wie die Weltwoche ohne schlechtes Gewissen miterwerben. Daniel Schifferle

Korolnik steigt wieder ein

Ein Lendenwirbel verursachte Marcel Korolnik, ADC-Mitglied und Inhaber der gleichnamigen Zürcher BSW-Agentur, immer heftigere Schmerzen und immer kürzere Gehstrecken, bis der Wirbel schliesslich operativ fixiert werden musste.

Ein Lendenwirbel verursachte Marcel Korolnik, ADC-Mitglied und Inhaber der gleichnamigen Zürcher BSW-Agentur, immer heftigere Schmerzen und immer kürzere Gehstrecken, bis der Wirbel schliesslich operativ fixiert werden musste.«Es ist, als ob ich die Welt neu entdecke», freut sich Korolnik jetzt ein halbes Jahr nach dem Eingriff.Korolnik ist froh, sich wieder voll um seine Geschäfte kümmern zu können. «Ich bin offen für neue Mandate – vorzugsweise KMU, den gehobenen Detailhandel, Luxusgüter, Kulturinstitute», sagt er.
Seine Agentur bietet weiterhin Fullservice und neu auch projektweise Zusammenarbeit oder Kreativleistungen für Agenturen und Direktkunden an. «Die Zusammenarbeit mit einem Netz von Spitzenkreativen zeichnete meine besten Zeiten aus. Das ist jetzt wieder so», meint der Werber. Einen Vorgeschmack darauf gibt der von der Agentur Department entwickelte Internetauftritt www. korolnik.com (pan)

Bremsmanöver

Bruttowerbeausgaben weiter im Sinkflug

Bruttowerbeausgaben weiter im SinkflugPresse und Bannerwerbung fuhren im November 2001 schwere Verluste an Bruttowerbeeinnahmen ein, während Radio, TV und Plakat positive Zahlen ausweisen.Zeitschriften erlebten im November 2001 die bisher grössten Einbussen des vergangenen Jahres: Publikumszeitschriften verloren 11,2 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, Fachzeitschriften sogar 26,1 Prozent.
Indes warteten Radiostationen mit dem bisher besten Monatsergebnis des vergangenen Jahres auf. Nach vier verlustreichen Monaten konnten sie die Einnahmen im November um 13,1 Prozent steigern. Umgekehrt zeigt sich die Lage beim Fernsehen: Nach vier Monaten mit sehr guten Ergebnissen sank der Zuwachs im November auf 1,3 Prozent.
Praktisch identische Werte wie im Oktober lieferten die Tageszeitungen mit einem Minus von 11,8 Prozent. Die Internetbanner konnten den Sturzflug der letzten drei Monate etwas abbremsen, kassierten aber mit minus 43,9 Prozent immer noch massive Verluste.
Gemessen über alle Medien weist der November einen Verlust von minus 8,9 Prozent aus. Das macht ihn hinter dem September bis anhin zum zweitschwärzesten Monat des vergangenen Jahres. Bruno Amstutz
Bruttowerbeaufwand nach MedienNovember 2000/November 2001 im Vergleich
in 1000 Fr. 2000 in 1000 Fr. 2001 +/– in %
Tageszeitungen 170 907 150 808 – 11,8
Publikumszeitschriften 79 021 70 185 – 11,2
Fachzeitschriften 30 007 22 188 – 26,1
TV 76 719 77 733 1,3
Radio 11 860 13 418 13,1
Kino 5093 4507 – 11,5
Teletext 1691 1550 –  8,3
Plakat 30 458 30 488 0,1
Internetbanner 3333 1870 – 43,9
Gesamt 409 089 372 747 –  8,9
Quelle: Media Focus

Vistas unter neuem Dach

Sanatrend passt das Magazin in sein Zeitschriftensortiment ein

Sanatrend passt das Magazin in sein Zeitschriftensortiment einHandänderung beim Gratis-Gesundheitsmagazin Vista: Vom Birsig Verlag wechselte es per Anfang 2002 zu Sanatrend, einem Verlag, der auf Gesundheitsthemen ausgerichtete Fach- und Kundenzeitschriften herausgibt. Daniel Spaeni, Sanatrend-Mehrheitsinhaber, übernimmt auch Voilà und Salute, die französisch- und italienischsprachigen Schwesterblätter von Vista, stellt diese aber vorläufig ein.Vista, das sich an Leser ab 35 Jahren richtet, wird einer «vorsichtigen» Layout- und Konzeptänderung unterzogen. Es soll ins Sanatrend-Sortiment eingepasst werden. Dieses besteht einerseits aus drei Fachzeitschriften für Drogerien, Apotheken und Zahnärzte. Zudem führt Sanatrend auch die Apotheker-Kundenzeitschriften Feelgood’s Mail und Diabetes Mail. Vista wird denn auch für den Fachhandel zu einer besseren Inserateplattform umgebaut und bekommt eine stärkere Ausrichtung auf die Themen Selbstmedikation, Schulmedizin und Gesundheitspolitik. Dabei muss die Auflage von den bisherigen 1,3 Millionen auf eine Million Exemplare abspecken. «Wir beschränken uns auf die kaufkräftigsten Regionen», sagt Spaeni. Künftig soll Vista zudem in Arztpraxen und Spitälern aufliegen.
Sanatrend senkte auch den Anzeigentarif um rund 20 Prozent auf 27900 Franken pro vierfarbige Anzeigenseite. Künftig sind zudem Kombis mit anderen Sanatrend-Produkten möglich.
Die nächste Ausgabe von Vista liegt im April in den Briefkästen von Deutschschweizer Haushalten. Insgesamt wird das Magazin dieses Jahr nur dreimal erscheinen, doch könnten nächstes Jahr bereits wieder fünf Hefte verteilt werden. Auch das Wiedererscheinen von Voilà und Salute fasst Spaeni für 2003 ins Auge.
Vista war 1997 von Kurt Kast gegründet worden. Als sich Kast letztes Jahr zurückzog, entschloss sich sein Partner Michel Schär zum Verkauf des Titels. Der Birsig Verlag ist derzeit inaktiv. Markus Knöpfli

Aus für OMD Zollikerberg

Ausserdem Per 1. Februar wird Jürg Aemmer CD der Zürcher Niederlassung von Euro RSCG. Er übernimmt die Nachfolge von Jeremy Rawle. Der Web-AD Patman alias Patrick Spahr ist bei der Internetagentur RØSA ausgetreten. Seit dem 1. Januar 2002

Die OMD Optimum Media Direction AG, bekannt unter dem Namen OMD Zollikerberg, hat ein Konkurseröffnungsbegehren an das Bezirksgericht Meilen gestellt.Der Mediaagentur droht eine Überschuldung, für die VR-Präsident Herbert Seiler in einem Schreiben an die Kreditoren zwei Gründe angibt: Zum Ersten hat OMD Zollikerberg per 1. Januar 2001 auf Drängen des Netzwerks das Mediageschäft der Seiler DDB AG übernommen. Jedoch habe sich kein Investor für die Überbrückungsfinanzierung dieses Transfers gefunden, als sich OMD Europa nach dem 11. September nicht mehr finanziell engagieren konnte. Zum Zweiten habe sich ein ehemaliger leitender Mitarbeiter von OMD Zollikerberg entgegen den Geschäftsrichtlinien im Alleingang auf Spekulationen grossen Ausmasses eingelassen. Seiler betont, dass das operative Geschäftsjahr 2001 hingegen grundsätzlich erfolgreich verlaufen sei.
Die OMD Zürich AG, die zwar unter dem gleichen Label firmiert, aber personell, rechtlich und finanziell von OMD Zollikerberg völlig unabhängig ist, wird internationale Kunden und Personal von OMD Zollikerberg übernehmen. Zu diesem Zweck ist die OMD Zürich AG umstrukturiert und in drei autonome Units gegliedert worden: «OMD Zürich See», die bisherige OMD Zürich, «OMD Zürich City», wo mehrheitlich Kunden und Mitarbeiter vom Zollikerberg unterkommen sollen, sowie «OMD Genève» mit Sitz in Nyon. Die OMD Zürich AG soll voraussichtlich in absehbarer Zeit in OMD Schweiz AG umbenannt werden.
«Wir fahren auf diese Weise eine Vorwärtsstrategie», erklärt Peter Kettiger, Verwaltungsratspräsident der OMD Zürich AG, «mit der Umstrukturierung können wir die internationalen Kunden vom Zollikerberg auffangen.» Organisatorisch ist die Bildung der drei Units abgeschlossen, doch fehlen für die OMD Zürich City noch eigene Räumlichkeiten. Die Managing Directors der drei Units sind Luise Diem (OMD Zürich See), Christophe Waeber (OMD Zürich
City) und Sébastien Fabby (OMD Genève). (ba)

«Panikartig, jedoch ohne Imageschaden ausgestiegen»

Werber und Mediafachleute zum Verkauf der Jean Frey AG an Ringier

Werber und Mediafachleute zum Verkauf der Jean Frey AG an RingierWelche Chancen und Risiken geht der grösste Schweizer Medienkonzern Ringier mit dem Kauf der Jean Frey AG ein? Wie leidet das Image der Basler Mediengruppe (BM) unter dem selbst verordneten Rückzug in den Nordwestschweizer Heimmarkt? Die WerbeWoche bat Werber, Media- und Verlagsspezialisten, sich zum Schweizer Mediendeal des Jahrzehnts zu äussern. Fazit: Der Rückzug ist kein Imageschaden für die BM.Was mich als Werber und Leser interessiert, sind die Titel – in diesem Falle solche von besonderer Qualität. Es gibt viele Zeitschriften, aber nur einen Beobachter, viele Wirtschaftsorgane, aber nur eine Bilanz, viele Wochenblätter, aber nur eine Weltwoche. Dass insbesondere diese Wochenzeitung wie auch die anderen Blätter eine gesicherte Zukunft erhalten, das hoffe und darauf zähle ich. Es sind nicht austauschbare publizistische Grössen von seltener Eigenständigkeit.
Familienstrategien von langer Dauer im Schweizer Mediengeschäft zahlen sich aus. Als Ringier sich in den Neunzigerjahren aus dem Regionalzeitungsgeschäft (Bund, Luzerner Neueste Nachrichten) verabschiedete, wurde dies als Schwäche gewertet. In der Tat wurden jene Kräfte und Mittel frei, die Ringier – Schritt für Schritt – zum national und international gewichtigsten Medienkonzern des Landes machen.
Nach dem Auf- und Ausbau des Ausland- und des Fernsehgeschäftes hat Ringier wohl im günstigsten Augenblick die ein wenig ins Wanken geratene Perle Jean Frey AG übernommen.
Immerhin: In den Siebzigerjahren war man eng verbunden. Die Weltwoche gehörte zu 51 Prozent Jean Frey AG, Ringier hielt 49 Prozent. Beim Blick waren die Verhältnisse umgekehrt. Nachdem Ringier, nach einigen Auf und Ab, im Gegensatz zu Jean Frey die Nachfolge familienintern hat regeln können, macht es Sinn, dass das Haus mit der familieneigenen Strategiekapazität Weltwoche und weitere gewichtige Publikationen, also Jean Frey, übernommen hat.
Gleiches lässt sich von der Basler Mediengruppe sagen.
Seit die Familie wieder das Sagen hat, will man nicht ein schwächelnder nationaler Medienkonzern, sondern ein starkes, vielfältiges Nordwestschweizer Medienunternehmen sein. Anders gesagt: Als es eng wurde – in den Neunzigerjahren für Ringier, Anfang 2000 für die Basler Mediengruppe –, haben nicht fremde Manager, sondern kompetente Familienmitglieder die richtigen Weichenstellungen in beiden Unternehmungen vollzogen.
Für mich macht der Deal auf den ersten Blick extrem Sinn. Ringier suchte schon seit längerer Zeit eine Möglichkeit, im oberen Lesersegment Fuss zu fassen. Mit neuen, eigenen Titeln wäre dies enorm schwierig gewesen (Glaubwürdigkeit). Die Titel der Jean Frey AG eignen sich dafür aber hervorragend. Es sind etablierte Marken, und Ringier hat sicher unbestritten die besten Möglichkeiten, diese Marken sinnvoll in die bereits bestehenden Strukturen einzubringen.
Meiner Meinung nach muss die Basler Mediengruppe keinen Imageverlust hinnehmen. Wenn der Relaunch der Weltwoche gescheitert wäre, dann wäre das wohl ein Imageverlust gewesen. Auch war für mich klar, dass die Basler Mediengruppe das finanzielle Potenzial für diesen aufwändigen Relaunch nicht hat – ganz im Gegensatz zu Ringier. Die Gefahr für Ringier ist natürlich, dass die Kosten für den Weltwoche-Relaunch unterschätzt werden könnten. Ich meine, der Relaunch ist sicher nötig – aber dieses Projekt braucht Zeit. Ich hoffe, dass nun die Rahmenbedingungen so sind, dass die Weltwoche eben diese Zeit auch bekommt.
Durch den Weihnachtseinkauf legt Ringier vor allem intellektuell zu: Neben Schweizer Illustrierte und Glückspost macht sich der Beobachter gut, neben Blick und SoBli die Weltwoche. Bleibt nur zu hoffen, dass sich jetzt nicht zu viele mit deren Rettung profilieren wollen und die Eigenständigkeit erhalten bleibt. Die Basler Mediengruppe gesteht durch den Verkauf ein, dass sie eben eine reine Basler Mediengruppe ist und das teure nationale Pflaster der «Zyrcher Präss» überlassen muss. Kein Grund zur Häme, aber bestimmt ein Sujet für die nächste Basler Fasnacht.
Hoppla, was macht jetzt bloss die Weltwoche-Crew nach dieser Vollbremsung? Was wohl wird sich in der Branche noch alles bereinigen? Der beabsichtigte Deal brachte beziehungsweise bringt wohl allen etwas. Der Medienbranche weniger Langeweile über die Festtage. Ringier zweieinhalb weitere schöne Titel. Der BaZ-Gruppe Flüssiges und die Kapazität, bei der BaZ endlich ordentlich Schub zu geben. Und dem Frank A. Meyer (hoffentlich bald!) zwei interessante Gäste in seinen TV-Talk: Köppel und Angst. Ich jedenfalls würde mir die Sendung gerne anschauen.
Es ging bei diesem Deal eigentlich nur um die Weltwoche.
Ringier hat sich mit dem Kauf des imagestärksten Titels der Schweiz die höchste «Verlegerweihe» selbst erteilt. Michael Ringier hat mit den von ihm selbst definierten journalistischen Qualitätsansprüchen sehr hohe Erwartungshaltungen geweckt und wird diese auch finanzieren. Für Roger Köppel und sein Team bedeutet dies die ultimative Chance, die Weltwoche in neue journalistische Sphären zu bringen. Die anderen Titel bringen Ringier sicher einige «Abstimmungsprobleme» im Lesermarkt (Cash/Bilanz, TR7/ Tele) oder im Anzeigenmarkt (Schweizer Illustrierte/Beobachter/Glückspost). Dies sind aber alles Herausforderungen, welche die Ringier-Verlagsprofis in der Weltwoche-Euphorie locker wegstecken werden.
Die Werbeauftraggeber müssen mit einem weiteren Media-riesen leben, sind sich dies aus anderen Mediagattungen (Plakat, TV) jedoch bereits gewohnt. Die Basler Mediengruppe ist in diesem schwarzen Herbst zwar eher panikartig, jedoch ohne Imageschaden aus dem Abenteuer Schweiz ausgestiegen, wird sich aber in einigen Jahren sicher die Augen reiben und den zu günstigen Verkaufspreis bedauern. Michael Ringier kann sich ob dieses Deals dann sicher noch mehr freuen.
Umfrage: Daniel Schifferle

Kleines Zubrot – höchste verlegerische Relevanz

Die Akquisition des Jahrzehnts oder der Rückzug des Jahrzehnts – ob Glücks- oder Schadenfall wird von der Perspektive bestimmt. Offensichtlich ist:

Die Akquisition des Jahrzehnts oder der Rückzug des Jahrzehnts – ob Glücks- oder Schadenfall wird von der Perspektive bestimmt. Offensichtlich ist:Bezüglich Umsatzverlust trifft es die Basler Mediengruppe (BM) nicht dramatisch. Zum Gesamtumsatz von 512 Millionen Franken (Juli 2000 bis Juni 2001) steuerte die Jean Frey AG gerade 95 Millionen Franken bei. Das ist nicht einmal ganz ein Fünftel. Nachdem im letzten Jahr bereits die Druckerei Winterthur für 80 Millionen Franken ebenfalls an Ringier gegangen war sowie zusätzlich verschiedene kleinere Firmen abgestossen worden sind, schätzt BM-Chef Matthias Hagemann das neue BM-Umsatzvolumen auf 330 bis 350 Millionen Franken. Davon werde das Stammhaus um die 220 Millionen, Birkhäuser 80 Millionen und der Baslerstab 40 Millionen Franken beisteuern.Aber auch für Ringiers Gesamtumsatz von 1019 Millionen Franken (2000) bedeuten die zusätzlichen 95 Millionen Franken der Jean Frey AG gerade mal einen Klacks. Anders sieht es im Blick auf die verlegerische Bedeutung der Titel aus, die sich als Schwergewichte outen. Ringier gewinnt eine abonnierte Auflage von knapp 607000 Exemplaren oder rund 2,2 Millionen Leserinnen und Leser hinzu. Und dabei handelt es sich teils um komplementäre Zielgruppen, die Ringier bisher fehlten. In den Händen von Ringier sind die Titel – dank Einbindung in eine nationale Kundenstruktur und reichlich Möglichkeiten für Querpromotionen – mehr wert als bei der BM. Siehe die Seiten 2, 15 und 20. (dse/mk)
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