Muse & Musse: Gaby Häfliger

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Muse & Musse Gaby Häfliger
Gaby Häfliger: Eine Crazy-Christmas-Party bei Freunden.
Was lesen Sie gerade?
Häfliger: Ich beginne mit «Harry Potter». Aus reiner Neugier.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Häfliger: «Happy New Year 2002» von Lajos Vizner.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Häfliger: «Shakespeare in Love». Wegen der Sprache und des herrlich britischen Humors.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Häfliger: Kann mich nicht erinnern.
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Häfliger: www.cede.ch. Ist nicht die neueste, aber immer wieder gut.
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Häfliger: Freunde, Tanzen und Rotwein.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Häfliger: Geniessen.
Liebe ist…?
Häfliger:Was man liebt, muss man freilassen. Kehrt es zu dir zurück, gehört es dir. Wenn nicht, hat es dir nie gehört.

News: Bertelsmann will RTL Group komplett

Der Medienkonzern Bertelsmann will die RTL Group vollständig übernehmen.

Der Medienkonzern Bertelsmann will die RTL Group vollständig übernehmen.News Bertelsmann will RTL Group komplett
Er kauft von der britischen Pearson-Gruppe 22 Prozent für 2,2 Milliarden Franken. Bertelsmann hält bereits 67 Prozent an der Mediengruppe, die im Juli 2000 aus der Fusion von CLT-Ufa und Pearson TV entstanden ist. Die restlichen 11 Prozent befinden sich im Streubesitz, da die RTL Group nach ihrer Gründung an der Londoner Börse kotiert wurde. Man werde Gespräche mit der RTL Group aufnehmen, die in ein öffentliches Kaufangebot für diese Aktien münden könnten, teilte Bertelsmann mit.
Kirch verkauft Mediaset-Anteile Die Kirch-Gruppe hat ihre Beteiligung an Silvio Berlusconis Medienkonzern Mediaset verkauft. Kirch erhält für den Anteil von 1,28 Prozent 120 Millionen Euro. Die KirchMedia KGaA habe die Aktien über die Börse verkauft, erklärte ein Sprecher. Der Schritt erfolge im Rahmen der Konzentration auf den deutschsprachigen Raum. Mediaset ist seinerseits an KirchMedia mit 2,3 Prozent beteiligt.
Tag Heuer bleibt bei TBWA Die Schweizer Uhrenmarke Tag Heuer wird weiterhin von TBWA Paris betreut. Laut Advertising Age setzte sich TBWA in einem Pitch unter anderem gegen BBDO, Euro RSCG, Young & Rubicam sowie die Genfer Agentur Simko durch. Im September hatte Advertising Age noch ohne Quellenangabe gemeldet, dass TBWA im Pitch gegen einen unbekannten Konkurrenten unterlegen sei.
EU-gericht macht slogans zu Marken Werbeslogans können künftig europaweit als Marke geschützt werden. Das hat der Europäische Gerichtshof laut Financial Times Deutschland entschieden. Der deutsche Bundesgerichtshof urteilte bereits vor zwei Jahren erstmals, dass Slogans als Marke eingetragen werden können und damit gegenüber Nachahmern geschützt sind. Auf europäischer Ebene war dies bislang nicht geklärt.

«Träg, verfilzt, innovationsfeindlich»

Schweizer Verleger erhielten reihenweise Backpfeifen an der Dreikönigstagung

Schweizer Verleger erhielten reihenweise Backpfeifen an der DreikönigstagungVon Markus Knöpfli An der Dreikönigstagung haben gleich mehrere Redner den Schweizer Verlegern die Leviten gelesen. Die härteste Kritik äusserte Ex-Swissair-Sprecherin Beatrice Tschanz: Sie geisselte die schlechte Kommunikation der Schweizer Grossverlage.
Die Ohrfeige, die den versammelten Verlegern am meisten schmerzte, teilte Josef Trappel von der Prognos AG aus. Die Schweizer Medienunternehmen seien träge, wenig innovationsfreundlich und zu sehr miteinander verflochten, sagte er. Das habe sie zwar auch schon vor happigen Fehlinvestionen bewahrt, doch insgesamt werden dadurch auch deren mediales und publizistisches Leistungsvermögen sowie der ganze Schweizer Markt beeinträchtigt. Je nachdem, wie innovativ sich die Schweiz etwa im Onlinebereich oder bei der Digitalisierung der elektronischen Medien zeige, könne sie dank ihrer Kleinheit und Mehrsprachigkeit internationalen Unternehmen als Testmarkt für neue Medienprodukte oder Dienstleistungen dienen – oder aber sie komme erst im Nachhinein zum Zug. Trappel, der ab 2003 wieder ein Licht am konjunkturellen Horizont ausmachte, rief deshalb die Verleger auf, bald grundlegende strategische Entscheide zu treffen.
Auch Norbert Specker, CEO von Interactive Publishing GmbH, bemängelte, dass Schweizer Verleger eigene Impulse, speziell bei der Entwicklung neuer Onlinewerbeformen, vermissen liessen. Diesbezüglich stelle man zu sehr auf die PubliGroupe ab, dabei sei doch die Einbindung der Werbepartner integraler Bestandteil jedes einzelnen Medienunternehmens, mahnte Specker.
Die Ohrfeige, die am lautesten klatschte, teilte aber Beatrice Tschanz, die einzige Referentin, aus. Die heutige Kommunikationsverantwortliche bei Sulzer Medica geisselte NZZ, Tages-Anzeiger, Basler Zeitung, Aargauer Zeitung und Berner Zeitung wegen der unangekündigten und offensichtlich abgesprochenen Kioskpreiserhöhung Anfang Jahr.
Sodann bezeichnete sie Michael Ringiers Kommunikationsverhalten im Zusammenhang mit dem Jean-Frey-Deal als «peinlich» (Applaus im Publikum). Kommunikation sei Chefsache, deshalb gehe es nicht an, bei einem Merger keine Stellung zu nehmen und kurze Zeit später im konzerneigenen Sonntagsblatt ein paar freundliche Fragen zu beantworten, sagte sie. Die Medienunternehmen müssten ihre eigene Kommunikation überdenken, meinte sie weiter. Und an die Adresse von Fridolin Luchsinger, Peter Hartmeier & Co. fügte sie hinzu: «Unternehmenskommunikatoren sind Dienstleister. Jederzeit!»
Kleinere Multimediasuppen kocht derzeit nur die Tamedia
Etwas milder schien zunächst Martin Kall, Leiter International bei Ringier und designierter CEO von Tamedia. Der allgemeinen Verlegergilde hielt er zugute, dass sie mit mehr Konkurrenz leben müsse als etwa ihre deutschen Kollegen. Doch seine Aussage, es sei für einen Schweizer Grossverlag «gefährlich, sich nicht für das Ausland zu interessieren», war wohl eine Kritik an der bisherigen Tamedia-Strategie. Und die Frage, weshalb die Pendlerzeitungen keine Idee der Schweizer Verlage sei, ärgerte wohl die Zürcher Grossverlage, hatten doch diese Mitte der Neunzigerjahre eine solche Idee geprüft – und dann verworfen.
Obwohl Michael Ringier, CEO des Ringier-Konzerns, den Reigen der Referenten mit einer brillanten Rede beschloss, wollte er der geballten Kritik nichts entgegenhalten. Er begnügte sich damit, seinerseits ein paar Schläge auszuteilen – vor allem in Richtung der derzeit geschwächten Tamedia. Das TV-3-Konzept kanzelte er mit «Quoten durch Zoten» ab. Eine Aussage von TV-3-Chef Jürg Wildberger, wonach dieser «Big Brother» als ein soziologisches Experiment bezeichnete, qualifizierte Ringier als «intellektuellen Dünnpfiff». Und unter dem Vorwand, die journalistische Qualität im eigenen Haus hoch halten zu wollen, richtete er schliesslich folgenden Rat an seine Chefredaktoren: «Kümmert euch weniger um die Analysten, dafür mehr um die Journalisten.» Was wiederum einer Speerspitze gegen Tamedia gleichkam.
Gar nicht wehren konnte sich Hans Heinrich Coninx, VR-Präsident der Tamedia. Er war nicht nur der erste Referent, er schien auch nicht zur Verteidigung aufgelegt. Bei seiner eher trockenen Rede wirkte er ernst, beinahe demütig. Zwar spannte er staatsmännisch den Bogen vom Uno-Beitritt über das Bankgeheimnis bis zum Fall Regli, wohl aber nur, um den bewundernden Seitenblick auf die Konkurrenz (NZZ, Pendlerzeitungen, Ringier) zu kaschieren, deren Mut für neue Projekte er lobte. Von eigenen Projekten oder Ideen war nicht die Rede, bloss das Eingeständnis, dass der Abschied von TV 3 und Moneycab «schmerzlich» gewesen sei und dass Tamedia künftig die eigene Multimediasuppe auf kleinerem Feuer kochen werde.

Mehr Chancen am Goldbach

Moneycab wechselt vom Vermarkter Adlink zu Active Agent

Moneycab wechselt vom Vermarkter Adlink zu Active AgentDie Übernahme von Moneycab verursacht der Goldbach Media primär noch Kosten. Doch die junge Börsenplattform soll den Break-even bis Ende 2004 schaffen – vor allem dank neuer Einnahmequellen.«Die Handänderung von Tamedia, Credit Suisse und Bluewin zu Goldbach Media bringt uns auf den ursprünglichen Pfad zurück», sagt Moneycab-Geschäftsführer Markus Gisler und meint damit den Termin für den Break-even der Börsenplattform. Dieser war mal auf 2004 geplant gewesen, musste aber wegen Einbrüchen bei der Onlinewerbung um ein Jahr hinaus- geschoben werden. «Dank Goldbach können wir aber wieder mit 2004 rechnen», sagt Gisler.
Für diesen Optimismus kennt er zwei Gründe: Einsparungen dank Synergien sowie der Wechsel vom Vermarkter Adlink zur Goldbach-Tochter Active Agent. Zum Ersten: Da die Wirtschaftsredaktion der Goldbach-Tochter Swisscontent Corp. zu Moneycab umziehen wird und die gleiche Technologie benützt, lassen sich die Infrastrukturkosten senken.
Chancen sieht Gisler aber vor allem mit dem Wechsel zu Active Agent, die Michi Frank unterstellt ist. «Goldbach Media hat für die elektronischen Medien einen guten Namen», lobt er. «Und es ist halt ein Unterschied, ob Michi Frank bei einem Marketingleiter vorsprechen will oder irgendjemand von Adlink.» Adlink habe zwar technisches Know-how, «aber sie haben unsere Plattform nicht wirklich verkauft».
Für Martin Radelfinger von Adlink ist «Moneycab eine sehr gute Onlinewerbeplattform». Sie habe aber wesentlich weniger Traffic generiert als budgetiert, sagt er. Dennoch habe Adlink die vorhandene Kapazität zu 80 bis 90 Prozent verkauft. Um aber kommerziell erfolgreich zu sein, «muss Moneycab mehr Traffic generieren, die Onlinewerbung umstrukturieren oder andere Einnahmequellen finden», ergänzt Radelfinger.
Gisler setzt auf neue Einnahmequellen. Noch im Januar steht ein neuer Release von Moneycab an, dank dem der Handel mit Wertpapieren direkt ab Plattform möglich wird – über bezahlte Links zu elektronischen Banken. Ein zweiter kostenpflichtiger Service, das Moneycab-Radio, startet Ende Januar. Damit kann man via Telefon den gesamten Inhalt der Plattform abhören, wobei die Infoauswahl mit gesprochenen Befehlen gesteuert wird. «Wir glauben, dass dies sehr attraktiv ist und uns sofort Einnahmen bringt», sagt Gisler.
Ab Frühling dann ist die Einführung eines oder mehrerer Paychannels vorgesehen, eine Art Abogebühr für neue zusätzliche Angebote.
Auf alle diese bezahlten Dienste ist Moneycab angewiesen, mittelfristig sollen sie 60 bis 70 Prozent des Betriebsbudgets von rund 10 Millionen Franken decken. Über Werbung, so Gisler, lassen sich «bloss» 30 bis 40 Prozent finanzieren. Markus Knöpfli
Berichtigung In der WerbeWoche-Ausgabe 46/01 war unter dem Titel «Wirtschafts-Einheitsbrei» zu lesen, dass Moneycab von den bisherigen Aktionären Bluewin, Credit Suisse und Tamedia mit Content beliefert werde. Das Umgekehrte ist richtig: Moneycab ist der Lieferant, die drei ehemaligen Aktionäre bleiben Empfänger.

«Sofort wachsen ist nicht nötig»

Verleger Matthias Hagemann zum Verkauf der Jean Frey AG an Ringier und über seine neuen Optionen

Verleger Matthias Hagemann zum Verkauf der Jean Frey AG an Ringier und über seine neuen OptionenZurück zu den Kerngeschäften in der Nordwestschweiz – das ist die neue Devise der Basler Mediengruppe (BM). Ihr Verwaltungsratspräsident Matthias Hagemann denkt bereits wieder an Expansion – über den Hauenstein oder die Landesgrenze hinaus.Im letzten Mai wollten Sie die Weltwoche noch behalten, jetzt verkaufen Sie sie gleich mit der ganzen Jean Frey AG. Warum?
Matthias Hagemann: Wir fragten uns letztes Jahr intensiv, was denn unsere Kerngeschäfte sind. Im Verlagsbereich mussten wir uns entscheiden, ob wir die bisherige nationale Strategie, die grosse Investitionen vorausgesetzt hätte, oder ob wir den Rückzug auf die Nordwestschweiz wählen sollten. Weil dann der Inseratemarkt einbrach und so beträchtliche Teile unserer geplanten Einnahmen ausblieben, überwog schliesslich die Option Rückzug.
Aber es könnte ja in Sachen Inserate auch wieder aufwärts gehen?
Hagemann: Sicher, aber wir versuchen ja auch schon seit acht Jahren, die Jean Frey AG zu einer für uns Gewinn bringenden Sache zu machen. Irgendwann mussten wir bilanzieren, ob wir erfolgreich sind oder nicht. Und dieser Zeitpunkt war angesichts des Umfeldes gekommen. Auch Tamedia hat ja noch vor kurzem ihre Multimediastrategie bejaht und sich plötzlich anders entschlossen.
Den Entscheid, bei der Jean Frey AG einzusteigen, hatten damals Peter Sigrist und Ihr Vater getroffen. War er falsch?
Hagemann: Man kann den damaligen Schritt nicht mit den heutigen Kenntnissen beurteilen. Damals hatte man das Gefühl, die Chance packen zu müssen, weil sich eine von mehreren Möglichkeiten bot, über die Region hinaus zu expandieren. Viele Schwierigkeiten, wie jene bei der Weltwoche, waren ja auch nicht absehbar. Kurz: Ich glaube, dass beide Entscheide – damals einzusteigen und jetzt auszusteigen – richtig sind.
Die grossen Schweizer Medienhäuser müssen mit Zukäufen, neuen Projekten, Auflagesteigerungen wachsen. Die BM bildet mit ihrem Rückzug eine Ausnahme. Hat sie Zukunft?
Hagemann: Wir haben den Baslerstab vor kurzem zu einer ausgebauten Gratiszeitung gemacht. Auch Tachles und Projekte im Onlinebereich haben wir lanciert. Zudem erhält die Redaktion der Basler Zeitung (BaZ) durch die neue Zeitungsrotation neue Möglichkeiten. Wir sind in unserer Region in einer relativ starken Position, eine Position, die sich etwa die Aargauer Zeitung noch erarbeiten muss. Unsere Zukunftsfähigkeit ist also keineswegs beeinträchtigt.
Heisst das, dass sich die BM nur in ihrem heimischen Monopolmarkt behaupten kann, nicht aber in einem Konkurrenzumfeld?
Hagemann: Konkurrenz herrscht auch bei uns. Und sie wird immer stärker. Die Pendlerzeitung 20 Minuten ist für uns auf der Kostenseite eine Herausforderung, und die NZZ am Sonntag könnte dazu führen, dass Inseratekampagnen von der Tagespresse weg auf den Sonntag verlegt werden.
Die Berner Zeitung (BZ) glaubt, eine Auflage von 200000 Exemplaren erreichen zu müssen, um im Werbemarkt bestehen zu können. Und die BaZ?
Hagemann: Für die BZ mögen diese Zahlen stimmen. Damit aber eine Zeitung wie die BaZ eine Vollredaktion finanzieren kann, braucht es drei Eckpfeiler: Sie muss in einem Wirtschaftsraum mit urbanem Zentrum beheimatet sein, ihn optimal abdecken und eine Auflage von 100000 Exemplaren überschreiten. Solange dies bei der BaZ gegeben ist und unsere Region die Nummer zwei in der Schweiz bleibt, sehe ich kein Problem.
Abgesehen vom Oberbaselbiet hat die BaZ aber kaum Wachstumsspielraum.
Hagemann: Die Basellandschaftliche Zeitung in Liestal und die Volksstimme in Sissach machen einen guten Job. Käme von dieser Seite aber der Wunsch nach einer Zusammenarbeit, würden wir uns nicht a priori verweigern. Doch ich glaube auch nicht, dass wir nur so noch wachsen können. Ich bin nicht sicher, ob im Mittelland die Würfel schon definitiv gefallen sind. Das glaubt auch die Espace Media Groupe nicht.
Sie sehen also über den Hauenstein hinaus?
Hagemann: Ja. Das ist für uns nicht vordringlich, aber dort besteht für uns durchaus ein gewisses Wachstumspotenzial. Übrigens auch in Deutschland. Falls sich die Schweiz nach Europa hin öffnen sollte, könnte der Wirtschaftsraum Oberrhein Realität werden. Das würde dem Zentrum Basel und der BaZ neue Möglichkeiten eröffnen. Auch wenn das noch weit weg ist, soll dies zeigen, dass wir uns mit unserem jetzigen Entscheid nicht hinter die sieben Berge zurückziehen.
Gibt es jenseits des Hauensteins schon konkretere Gespräche?
Hagemann: Nein. Die Mittelland Zeitung ist ja erst gerade gestartet.
Sehen Sie denn für die gesamte BM kurzfristige Wachstumsmöglichkeiten?
Hagemann: Ich sehe dafür keine Notwendigkeit, aber durchaus gewisse Chancen, etwa unsere Multimedialität (Radio, TV, Internet) zu steigern.
Die SonntagsZeitung schrieb, dass Sie auch Birkhäuser abstossen wollen und dass bis in einem Jahr die ganze BM Tamedia gehören könnte.
Hagemann: Beides stimmt klar nicht. Einen Verkauf der Gruppe hatten wir nie vor. Wir wollen das Familienunternehmen mit der bisherigen Aktionärsstruktur weiterführen. Und in der neuen regionalen Strategie ist die Druckerei Birkhäuser mit ihrem Umsatz von 80 Millionen Franken ein Eckpfeiler.
Kann man sagen, dass die BM ihre Restrukturierung nun abgeschlossen hat?
Hagemann: Ja. Das, was wir als ausserordentliche Restrukturierung bezeichnet haben, ist mit dem Verkauf der Jean Frey AG beendet. Aber das Unternehmen ist natürlich nie fertig.
Interview: Markus Knöpfli

News: TR 7: The relaunch goes on

Der Wechsel der Jean Frey AG von der Basler Medien Gruppe (BM) zu Ringier ändert nichts an dem für Ende Februar geplanten Relaunch der Programmzeitschrift TR 7.

Der Wechsel der Jean Frey AG von der Basler Medien Gruppe (BM) zu Ringier ändert nichts an dem für Ende Februar geplanten Relaunch der Programmzeitschrift TR 7.News TR 7: The relaunch goes on
Während Neukonzept und Relaunch der Weltwoche vorläufig gestoppt wurden, werde am Facelifting von TR 7 weitergearbeitet, sagte Peter Urs Naef, Direktionsvorsitzender der Jean Frey AG und BM-Konzernleitungsmitglied. Wo dies möglich sei, würden bereits Synergien mit dem Ringier-Pendant Tele gesucht, etwa bei der Programmdatenbeschaffung, doch sei noch nichts konkret. Zur Frage einer Zusammenlegung der beiden Titel sagte Naef: «Im Moment wird gar nichts Derartiges diskutiert.» An der TR-7-Herausgeberin Tevag Basel AG sind neben der BM auch die St.Galler Tagblatt AG zu 31 Prozent und die PubliGroupe zu 7 Prozent beteiligt.
Comeback von Move Das Outdoor-Magazin Move wird im Februar neu lanciert. Die Firma Swiss Sports Publishing GmbH (SSP) übernimmt den Titel, der im Juni von der bisherigen Verlegerin Fischer Media eingestellt wurde. Move erscheint künftig als reines Mountainbike-Magazin vier-mal jährlich mit einer Startauflage von 20000 Exemplaren. Es wird im Zielversand gestreut und an der 2-Rad-Messe vom 20. Februar aufgelegt. Begleitet wird die Druckausgabe von einem Webauftrit. Das neue Move wird von einer dreiköpfigen Redaktion gemacht.
Neuerungen beim ZürichExpress Seit Montag wartet der Gratisanzeiger ZürichExpress mit Neuerungen auf. Die Berichterstattung über die Stadt Zürich wird verstärkt: Künftig enthält der erste Bund täglich ausser montags zwei Zürich-Seiten. Auch die Mitwirkung der Leser soll forciert werden. Sie können sich als «Single des Tages» einspaltig präsentieren lassen oder zum «Tagesthema» per E-Mail ihre Meinung kundtun.
Borsalino.ch rückt näher zu Cash
Seit dem vergangenen Wochenende zeigt sich die Ringier-Börsenplattform Borsalino.ch mit neuem Design. Die blauweisse Gestaltung lehnt sich an den Auftritt der Partnersites Cash.ch und CashTV.ch an. Die drei Plattformen sind neu zuoberst in der jeweiligen Navigationsleiste verlinkt, sodass mit einem einzigen Klick gewechselt werden kann. Ein grösseres Redesign für Borsalino.ch ist im Mai oder Juni geplant, wie der Netzticker berichtete.
Lava TV expandiert nach BerlinDie Zürcher Filmproduktionsgesellschaft Lava TV expandiert nach Deutschland. Unter der Geschäftsleitung von Basil Gelpke und Roland Mai wurde in Berlin die Lava Productions GmbH eröffnet. Sie soll sich auf Dokumentarfilme, TV-Dokumentationen und Reportagen konzentrieren. Geplant sind Produktionen für ARD, ZDF, Arte und SpiegelTV. Lava TV hat in Deutschland bereits die Serie «Inselduell» für Sat 1 produziert.
Regional-TV-Pool Romand wächst Das Westschweizer Regionalfernsehen Canal 9 tritt per sofort dem Pool Romand bei. Bisher umfasste der von Radiotele vermarktete Pool die Sender Canal Alpha, Canal Nord Vaudois, ICI TV, Léman bleu und TV Région Lausannoise. Canal 9 erreicht im Unterwallis und in der angrenzenden Waadt eine Abdeckung von rund 55000 Haushalten. Damit wird der Pool um rund 120000 neue Zuschauer erweitert.
TPC wird international Die TV Productioncenter Zürich AG (TPC), eine 100-Prozent-Tochter der SRG, und die deutsche Salzbrenner Stagetec Mediagroup treten auf dem internationalen TV-Produktionsmarkt künftig gemeinsam unter der Marke TPC International auf. Dazu wird die Salzbrenner Stagetec TV Production GmbH in TPC International GmbH umfirmiert.
Metro will nach Frankreich Metro International will seine Pendlerzeitung im ersten Quartal 2002 in Lyon, Marseille und Paris lancieren. In Paris stehen die öffentlichen Verkehrsmittel aber nicht zur Verfügung, da diese durch einen Exklusivvertrag mit der Publicis-Tochter Metrobus gebunden sind. Metrobus verkauft Fahrzeugwerbung und produziert das wöchentliche Gratisblatt A Nous Paris.

Kopf der Woche: «Ich will in Zukunft die Wemf-Studien bekannter machen»

Carine Lins ist seit Januar neue Marketingleiterin bei der AG für Werbemittelforschung (Wemf)

Carine Lins ist seit Januar neue Marketingleiterin bei der AG für Werbemittelforschung (Wemf)Kopf der Woche «Ich will in Zukunft die Wemf-Studien bekannter machen»
Während der ersten sechs Monate habe sie sich als Welsche in der Deutschschweiz wie «in einem schlechten Film» gefühlt, sagt Carine Lins. Bevor sie jedoch zur Reise in die Deutschschweiz ansetzte, studierte die im Berner Jura aufgewachsene Lins politische Wissenschaften an der Universität Lausanne. Nach Studienabschluss liebäugelte sie damit, in der Westschweiz zu bleiben und in den Journalismus einzusteigen, doch sie entschied sich trotzdem, nach Zürich zu gehen: «Marketing hat mich seit jeher interessiert, deshalb war das Praktikum der CS für Hochschulabsolventen ein attraktives Angebot.»
Nach einem zweimonatigen Sprachaufenthalt in Berlin begann sie in einer Zürcher Bankfiliale ihr zweijähriges Praktikum. Im ersten Jahr war sie in der Kreditabteilung tätig, danach wechselte sie in den Bereich Marketing und Marktforschung. «Ich hatte nie ein ausgesprochenes Faible für Zahlen, doch plötzlich entdeckte ich, dass mir das Jonglieren mit ihnen wider Erwarten viel Spass bereitete.» Deshalb beschloss sie, nach dem Praktikum weiterhin für die Grossbank im Bereich Strategie für Klein- und Mittelbetriebe tätig zu bleiben und die Ausbildung zur Marketingplanerin zu absolvieren.
1990 wechselte sie als Projektleiterin Marktforschung zu Tamedia. Nach drei Jahren in der Leserschafts- und redaktionellen Forschung übernahm sie die Leitung des Marktforschungsteams und bildete sich zur Marketingleiterin weiter.
1998 wechselte sie zur Wemf: «Bei Tamedia gab es in dieser Zeit immer wieder Änderungen und Umstellungen, die ständig Neuanfänge mit sich brachten.» Bei der Wemf, wo sie für Medienforschungsprojekte zuständig war, konnte sie nicht nur ihr Medienforschungswissen vertiefen, sondern auch ihre Muttersprache Französisch nutzen. Dank des 80-Prozent-Pensums liess sich für die allein erziehende Mutter auch
die Betreuung ihres fünfjährigen Sohnes besser vereinen.
Als neue Wemf-Marketingleiterin will Lins mittelfristig die verschiedenen Studien bekannter machen: «Ich bin überzeugt, dass wir hier noch viel Potenzial nutzen können.» Sie freut sich darauf, in Zukunft mehr Kundenkontakt zu pflegen und nicht mehr so häufig von Zahlen umgeben zu sein. «Es ist auch reizvoll, mich nicht mehr nur auf einzelne Projekte zu konzentrieren, sondern eine gesamtheitliche Sicht vertreten zu können», sagt Lins.
Hat der erwähnte «schlechte Film» also doch noch ein Happy End gefunden? «Natürlich spiele ich manchmal mit dem Gedanken, in die Westschweiz zurückzukehren. Doch mittlerweile fühle ich mich auch hier zu Hause, obwohl die Deutschschweizer nicht so locker sind wie die Romands», sagt Lins schmunzelnd. Daniela Zivadinovic

Kein gemeinsames Ostschweizer TV.

Die Suche nach einem Modell für eine Zusammenarbeit der Ostschweizer Regionalfernsehsender hat zu keinem Ergebnis geführt.

Die Suche nach einem Modell für eine Zusammenarbeit der Ostschweizer Regionalfernsehsender hat zu keinem Ergebnis geführt. Tele Ostschweiz und TV Schaffhausen sehen nach eigenen Angaben keine Möglichkeit zur Kooperation mit TeleTop. Der Grund: Dessen Bedingungen wären einer Übernahme gleichgekommen, teilten sie mit. Top-Chef Günther Heuberger will seine Türen für die Mitbewerber aus Schaffhausen und St.Gallen weiter offen halten.Typografische Monatsblätter. Das Museum für Gestaltung Zürich hat in einem Buch seine Grafische Sammlung zum Thema gemacht. Es handelt «von der Kunst, die Schrift in Form von Texten wirkungsvoll einzusetzen und mit Bildern zu komponieren». Aufsätze widmen sich der Kunst der Buchumschläge, die der Kunsthistoriker Konrad Farner in den Zwanziger- und Dreissigerjahren gesammelt hatte, der Arbeit der Basler GGK in den Sechzigerjahren sowie den Hintergründen typografischer Freiheiten von Schweizer Grafikern in den Neunzigerjahren. Das Buch wird am 5. Februar im Mu- seum vor- gestellt.
Mehr Werbefreiheit für Privat-TV. Private TV-Sender sollen Unterbrecherwerbung betreiben, Privatfernsehen und Privatradio für Wein und Bier werben dürfen. Die Ständeratskommission für Verkehr- und Fernmeldewesen (KVF) arbeitet an einer entsprechenden Vorlage. Die KVF setzt damit eine parlamentarische Initiative von Schweizer-Werbung-Präsident Carlo Schmid um, die das Plenum im vergangenen September gutgeheissen hat.
BBDO, O&M und Deutsch sind Agencies of the Year. Das Werbenetzwerk BBDO hat Grund zum Jubeln: Beide grossen amerikanischen Fachmagazine, Adweek und Advertising Age, haben es zur weltweiten Agentur des Jahres gewählt. Advertising Age zeichnet damit zum ersten Mal dieselbe Agentur in zwei aufeinander folgenden Jahren aus. Mit weltweit 1,3 Milliarden Dollar Neugeschäft dürfte BBDO das einzige Netzwerk sein, das 2001 ein zweistelliges Wachstum (11 Prozent) erreicht hat, heisst es in der Begründung. Zur US-Agentur des Jahres ernannte Advertising Age Ogilvy & Mather. Adweeks US-Agentur des Jahres wurde Deutsch.
Für kommende Grosseinkäufe. Ende März wird in Rapperswil ein «neuer Stadtteil», das Albuville, eröffnet. In der Albuville-Rondelle, dem «Albuville-Turm», wird auch Tower Sports zu Hause sein. Auf 1312 Quadratmetern findet man dort Nike Department, Adidas Department, Bikes, Outdoor, Skis und Snowboards, Fashion und Trends. Für dieses neue Sportparadies hat Publicis, Zürich, ein neues CI entwickelt, das natürlich mit dem Namen und dem realen Erscheinungsbild von Tower Sports spielt. Ausgehend davon realisierte Publicis ein Mailing, einen Messestandauftritt für die Expo Jona 02 sowie ein Aufmerksamkeit weckendes Give-away: doppelt so hohe Einkaufstüten wie normale. Des Rätsels Lösung liefert die Schlagzeile von Daniel Krieg auf der Rückseite: «Der passende Sack für kommende Grosseinkäufe». AD: Flo Wacker; Grafik: Corinne Stadelmann; Beratung: Caroline Peter.
Alternative zum Hotel. In München etabliert sich langsam, aber sicher ein touristisches Pilotprojekt: Statthotel, die Alternative zu Hotel und Pension in Form einer Privatzimmervermittlung. Beworben wird Statthotel aus der Schweiz von Department. Die junge Fullservice-Netzwerkagentur in Zürich hat seit ihrer Gründung vor einem Jahr schon einige stattliche Projekte abgeliefert. Identity und Test-Launch des Schweizer Fahrzeugs Sam, der komplette Launch der Marke Head Snowboards international und eine Onlineplattform für den deutschen Telekomanbieter T-Mobile sind einige der Kunden. Der Umstand, dass im Department-Portfolio viele internationale Mandate auftauchen, lässt sich über die Gründer erklären. Johne Eisenhut (Text) ist in den USA aufgewachsen und hat vor der Gründung in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich auf Marketingseite gearbeitet. Ollie Brunschwiler (Art) hat eine AD- und Freelance-Karriere hinter sich, bei der er immer wieder über die Grenzen geschaut hat. Begegnet sind sich die beiden schliesslich Anfang der Neunzigerjahre als Snowboardprofis.
15 Jahre Sonntag. Zu ihrem fünfzehnjährigen Bestehen hat die SonntagsZeitung eine Serie mit Inseraten lanciert, in denen Menschen porträtiert werden, die in diesen 15 Jahren «etwas bewegt und so wie viele andere auch zu einer lebendigen Schweiz beigetragen haben». Die Kampagne ist inhouse realisiert worden und «unser eigenes
Geburtstagsgeschenk», verrät Verlagsleiterin Sandra Geiger. Als AD wirkte Othmar Rothenfluh; Text: Peter Steiner; Foto: Daniel Boschung; Werbeleitung: Christine Lesnik. Eröffnet wurde die Reihe mit Franz Steinegger und Beatrice Tschanz. Die Kommunikationsfachfrau «und SonntagsZeitungs-Leserin über all die Jahre» verzichtet wie alle Porträtierten auf ihr Honorar und lässt es einem gemeinnützigen Zweck zukommen. Geschaltet wird die Anzeige in hauseigenen Titeln, aber auch in Bilanz und Weltwoche.
Novartis konzentriert Media bei MindShare. Der Schweizer Chemieriese Novartis konsolidiert laut US-Fachmagazinen seine Mediaetats bei der WPP-Agentur MindShare. Demnach hat sich MindShare gegen die Konkurrenten OMD und Starcom MediaVest durchgesetzt und betreut künftig das weltweite Gesamtbudget von 250 Millionen Dollar. Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto wollte die Berichte gegenüber der WerbeWoche nicht bestätigen: «Wir geben keine Auskunft zu Drittfirmen, von denen wir Dienstleistungen beziehen.» Auch Cosima Giannachi, Geschäftsführerin von MindShare Schweiz, gab sich bedeckt. Die Angelegenheit sei noch nicht entschieden, zumal MindShare in Europa auch den Novartis-Konkurrenten Pfizer betreue.
Editorial

Ein eher seltener Fall von Eintracht Die Leserinnen und Leser der WerbeWoche haben Dominique von Matt zum Werber des Jahres 2001 gewählt. Der promovierte Betriebswirtschafter und Agenturleiter von Jung von Matt/Limmat machte das Rennen mit gut 25 Prozent der Stimmen, gefolgt von
Frank Bodin und Martin Spillmann, die beide gleich viele Stimmen erhielten.
Dominique von Matt begann seine Werbelaufbahn auf Kundenseite als Marketingassistent und Product Manager; 1993 gründete er zusammen mit David Honegger die Agentur Honegger von Matt. Nach dem Ausscheiden seines Geschäftspartners erfolgte im April 2001 die «Verbrüderung» seiner Agentur mit derjenigen seines grossen Bruders
Jean Rémy von Matt in Deutschland zu Jung von Matt/Limmat. Heute arbeiten
55 Leute in der Agentur, die kürzlich vom Seefeld an die Wolfbachstrasse beim Zürcher Schauspielhaus umgezogen ist. Die Redaktion der WerbeWoche gratuliert Dominique von Matt ganz herzlich zu seiner Wahl. Mehr über den Preisträger lesen Sie auf den Seiten 12 und 14.
Zum dritten Mal wird die «Kampagne des Jahres» ausgezeichnet. Zur Auswahl standen 21 Kampagnen, die wir im letzten Jahr auf unserer Titelseite vorgestellt hatten. Neben den Leserinnen und Lesern der WerbeWoche haben sich dieses Jahr erstmals auch die Leserinnen und Leser der Schweizer Illustrierten und der Programmzeitschrift Tele an der Wahl beteiligt. Mit rund 18 Prozent der abgegebenen Stimmen wurde die ZVV-Kampagne («ZVV – Richtig verkehrt») von Publicis, Zürich, zur Kampagne des Jahres gewählt.
Aufschlussreich ist an diesem Resultat, dass sowohl die Leserschaft der Fach- als auch der Publikumspresse zur selben Einschätzung gelangte. Die ZVV-Kampagne wurde im vergangenen Herbst zudem für ihre Effizienz mit einem Effie ausgezeichnet und hat gute Chancen, Ende Januar mit einem ADC-Würfel ausgezeichnet zu werden. Mit anderen Worten: Es handelt sich um den eher seltenen Fall, bei dem eine Kampagne alle drei involvierten Parteien zufrieden stellt: Werber, Werbeauftraggeber und Konsumenten. Wir gratulieren herzlich. Samuel Helbling, Chefredaktor

«Die Quantität des Bösen hat sich verändert, nicht die Qualität»

Sigi Feigel über einen unbezwingbaren Feind der Menschlichkeit: Die Gewalt

Sigi Feigel über einen unbezwingbaren Feind der Menschlichkeit: Die GewaltMit friedlichen Mitteln kämpft Sigi Feigel seit 20 Jahren im Rahmen der von ihm initiierten Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) gegen Gewalt. Um sie einzudämmen, ruft der 80-jährige Jurist die Bevölkerung nun durch die Kampagne «gemeinsam gegen Gewalt» zu mehr Zivilcourage auf (siehe auch Seite 10).Welches Resultat erwarten Sie von der Kampagne «gemeinsam gegen Gewalt»?
Sigi Feigel: Eine Sensibilisierung. Es schlagen nämlich nicht einfach etwa Skinheads auf Schwarze ein. Es ermordet nicht einfach ein Halbwahnsinniger einen Juden, sondern hinter allen Gewalttaten verbirgt sich etwas, was wir rechtzeitig überlegen und bekämpfen müssen. Ich habe die Überzeugung gewonnen, dass man die ganzen Wurzeln zu erfassen versuchen, dass man an den Anfang gehen muss. Der Anfang ist die Diskriminierung im Allgemeinen, sind Vorurteile, der Hass, der sich dann gegen einzelne Minderheiten richtet. Ich zeige das jeweils am Beispiel Hitlers auf, der durch den Judenhass an die Macht kam. Ein anderes einigendes Programm kannte der Nationalsozialismus eigentlich nicht. Am Anfang stand die Vernichtung von 6 Millionen Juden. Das Ende war ein Weltkrieg, der 50 Millionen Menschen das Leben kostete.
Weshalb heisst das Credo der Kampagne «gemeinsam gegen Gewalt»?
Feigel: Die Diskriminierung der Minderheiten trifft zwar Minderheiten, aber sie ist das Problem der Mehrheit. Es geht um die Zivilcourage, darum, was jeder selber gegen physische Gewalt tut. Die Mehrheit der Leute ist anständig und will, dass Anstand herrscht. Doch viele von ihnen denken, dass man nichts ändern kann. Diese wollen wir durch die Kampagne motivieren und sensibilisieren, indem wir sagen: «Achtung, Gewalt kann auch dich selbst treffen.» Durch die Kampagne werden die Leute auf das Problem aufmerksam und können sich wahrscheinlich besser wehren.
Weshalb erscheint die Kampagne gerade jetzt?
Feigel: Momentan gibt es viele Herde, in denen Feuer mottet. Wenn ich auf die Weltgeschichte blicke, hatte jedes Jahrhundert seine grässlichen Kriege, und wo sich die Religionen eingemischt hatten, hinterliessen sie die breitesten Blutspuren. Aber während früher ein Soldat mit einer Hellebarde vielleicht zehn Feinde tötete und dann müde war, kann er heute mit einer Maschinenpistole in einer Minute 250 Menschen umbringen. Die Quantität des Bösen hat sich verändert, nicht die Qualität, die ist immer noch dieselbe. Unsere Zeit ist aber nicht schlimmer als andere. Im Gegenteil. Aber wir leben im so genannten Informationszeitalter. Wenn im hintersten Bundesstaat Indiens ein Zug entgleist, wissen wir das eine halbe Stunde später. Das stumpft uns ab. Es ist der Moment gekommen, in dem man die Leute darauf aufmerksam machen muss, dass Gewalt nicht etwas ist, was sich auf gewisse unbedeutende Einzelvorfälle beschränkt, die keine Auswirkung auf das Gesamte haben, sondern Ausdruck eines Denkens, das der demokratischen Staatsordnung, die auf Respekt und Menschenwürde gründet, mithin der menschlichen Freiheit gefährlich wird.
Aus welchen Beweggründen engagieren Sie sich gegen die Gewalt?
Feigel: Um der Judenverfolgung zu entgehen, kam mein Vater als 14-Jähriger aus Russland in die Schweiz. Eigentlich wollte er nach Deutschland. Um eine Stelle als Hilfsmechaniker zu finden, gab er sich vier Jahre älter aus. Aber Juden bekamen keine solche Arbeit. Schliesslich ging er in die Schweiz, wo er eine Anstellung fand. Ich bin in der Schweiz geboren, aufgewachsen, habe meinen Militärdienst geleistet, und bei allem, was passiert ist, wurde mir kein Haar gekrümmt. Links und rechts kamen die Menschen grässlich zu Tode. Zu Beginn war es Dankbarkeit, die mich motivierte, aber nun ist es eine Verpflichtung geworden, mich gegen die Gewalt zu engagieren. Nicht nur für uns Juden. Die ersten Italiener, die in die Schweiz kamen, waren «Tschinggen». Ich habe einfach gesehen, dass Minderheiten schlecht dran sind. Wir wissen, wo Gewalt, Terror und Diskriminierung beginnen, nicht aber, wo sie enden. Wir müssen den Anfängen wehren. Im Interesse des Ganzen,
des Menschlichen und der Demokratie.
Glauben Sie wirklich daran, dass man die Menschen ändern kann?
Feigel: Ganz wird man das Gewalttätige nicht aus dem Menschen herausbringen. Der Mensch hat Milchzähne und Fleischzähne. Er wird immer ein wenig ein Raubtier bleiben, sonst bräuchten wir kein Strafgesetz. Mit dem Antirassismusgesetz etwa merzt man den Rassismus nicht aus, aber man bekämpft ihn. Auch Mord, Diebstahl und Betrug rottet man mit dem Gesetz nicht aus, aber man hält die Kontrolle in den Händen, man kann etwas dagegen unternehmen. Die Herausforderung besteht darin, trotz aller Schwierigkeiten den Mut nicht zu verlieren und weiterzumachen. Der «Erfolg» im Kampf gegen die Gewalt macht bescheiden. Ich kann höchstens sagen, es wäre noch schlimmer, wenn man nichts dagegen unternommen hätte. Gegen die Gewalt kann man nicht in dem Sinn ankämpfen, dass sie verschwindet. Sie ist ein Teil der menschlichen Dummheit, die man nie schützen müssen wird. Die menschliche Dummheit wird es immer im Überfluss geben.
Hassen Sie manchmal?
Feigel: Ich muss ehrlich sagen, wenn ich etwa höre, dass wieder ein mit Kindern besetzter Bus in die Luft gesprengt worden ist, dann bekomme ich schon eine Wut. Aber dann meldet sich der Verstand, der sagt, dass die Täter verleitete, verführte und bedauernswerte Existenzen sind, die kein Zuhause und vielleicht auch nichts zu essen haben.
Kann es denn einen dauerhaften Frieden geben?
Feigel: Es wird nie einen echten Frieden geben, solange die wichtigste Grundlage des Unfriedens nicht beseitigt ist: das Elend der Menschen. Solange so viele Menschen an der Hungergrenze leben, kann es keinen Frieden geben. Erst wenn alle ein Auskommen und eine Wohnung haben, ihre Kinder erziehen und zur Schule schicken können, wird zwar nicht alle, aber doch ein grosser Teil der Gewalt verschwinden. Darauf hin müssen wir arbeiten. Statt Gewehre und Munition muss man den Leuten Schaufeln und Pickel und den Mut geben, sich damit ein Haus zu bauen. Da aber jedes Jahr Millionen Menschen neu dazukommen, ist das ein fast unlösbares Problem.
Interview: Ernst Weber

Etat-News: I&F für Kreditkarten und Sanitärbedarf

Die Zürcher Kommunikationsagentur Inhalt & Form (I&F) erhielt den Unternehmensetat des Kreditkartenvermarkters Europay für die Kreation und Umsetzung eines neuen Auftrittes.

Die Zürcher Kommunikationsagentur Inhalt & Form (I&F) erhielt den Unternehmensetat des Kreditkartenvermarkters Europay für die Kreation und Umsetzung eines neuen Auftrittes.Etat-News I&F für Kreditkarten und Sanitärbedarf
Zweiter Neukunde ist die Gétaz-Romang-Gruppe. Für deren Töchter Sabez Sanitär-Bedarf AG und Sanitär-Material AG realisiert die Agentur einen neuen visuellen Auftritt mit Inseraten, Direktmarketing und Events.
Simko gewinnt LeShop.ch
In einer Konkurrenzpräsentation gewann die Genfer Werbeagentur Simko das Gesamtkommunikationsbudget von LeShop.ch. Der Onlinesupermarkt LeShop.ch liefert Lebensmittel in die Schweiz aus. Simko kümmert sich künftig um sämtliche Above- und Below-the-line-Aktivitäten des Unternehmens.
Wacker und Rosser wirbt für Dell Die Zürcher Kommunikationsagentur Wacker und Rosser (W+R) betreut das gesamte Werbebudget von Dell Computer SA in der Schweiz. Nachdem W+R bereits DM-Aktivitäten im B2B-Bereich durchgeführt hat, übernimmt die Agentur auch den Home- und Small-Business-Bereich.
Bürgi & Partner macht b2b für Hero Die Lenzburger Werbeagentur Bürgi & Partner betreut neu den Bereich Gastronomie von Hero (Schweiz). «Wir sind gerade mal zehn Meter über die Strasse von Hero entfernt und versuchten, uns bemerkbar zu machen», erklärte Geschäftsführer Andi Schaerer der WerbeWoche. Weiter für den Gesamtetat des klassischen Bereichs zuständig ist Matter & Partner, Zürich.

«Leider werkeln noch zu viele Medien still vor sich hin»

Gérard Geiger, Direktor von Ringier Romandie, wird Chef aller Ringier-Zeitschriften

Gérard Geiger, Direktor von Ringier Romandie, wird Chef aller Ringier-ZeitschriftenRingier Romandie soll mit der Wahl ihres Direktors in das Mutterhaus in Zürich nicht an Autonomie verlieren. Mit Gérard Geiger erhält die Westschweizer Tochter aber erstmals einen direkten Draht zur Konzernleitung.Kaum ein Jahr nach Ihrer Ernennung zum Direktor von Ringier Romandie werden Sie am 1. April Chef der Abteilung Zeitschriften von Ringier. Dann sind Sie wohl in Zukunft eher in Zürich anzutreffen?
Gérard Geiger: Das ist wohl so. Ich bin ja auch neu Mitglied der Geschäftsleitung von Ringier. So werde ich wohl öfters zwischen Lausanne und Zürich pendeln. Da ich aber neu für den gesamten Bereich Zeitschriften verantwortlich bin, werde ich natürlich nach wie vor viel Zeit in Lausanne verbringen, da Ringier Romandie mehr Zeitschriften hat als Ringier in der Deutschschweiz.
Wie wollen Sie die beiden Fulltimejobs unter einen Hut bringen?
Geiger: Verglichen mit Managern, die sich zwischen Genf und Hongkong aufteilen, ist die Arbeitsaufteilung zwischen Zürich und Lausanne eigentlich ganz bescheiden.
Welche Affinität besitzen Sie zur Deutschschweiz?
Geiger: Eine sehr grosse. Ich habe ja einmal als Chefredaktor von Optima gearbeitet. Aber natürlich ist für mich persönlich die neue Aufgabe bei Ringier Zürich eine grosse Herausforderung und gleichzeitig eine berufliche Horizonterweiterung.
Welches werden Ihre Prioritäten sein in Ihrem neuen Job?
Geiger: Es liegt mir daran, die bestehenden Titel weiterzuentwickeln. Eine ganz wichtige Aufgabe sehe ich aber auch in der Integration der Zeitschriften aus dem Jean Frey Verlag, wenn der ganze Deal über die Bühne gegangen ist.
Verliert Ringier Romandie mit Ihrer Ernennung in das Mutterhaus an Selbstständigkeit?
Geiger: Das ist überhaupt nicht der Fall, und niemand hier in Lausanne befürchtet dies. Im Gegenteil: Alle sind erfreut darüber, dass Ringier Romandie nun direkt in der Konzernleitung in Zürich vertreten sein wird. Das war bisher nie der Fall. Das zeigt auch das Interesse von Verleger Michael Ringier am Westschweizer Medienmarkt und an der Tochtergesellschaft selber.
Sie werden aber eine Art Statthalter in Lausanne einsetzen, um sich selber zu entlasten?
Geiger: Das ist richtig. Ich behalte aber die Oberaufsicht für Ringier Romandie und werde nur einzelne Aufgabenbereiche delegieren. Und damit die Kontinuität gewährleistet ist, werde ich meinen Stellvertreter aus den eigenen Reihen suchen. Wir haben hier sehr fähige Leute, die dazu durchaus in der Lage sind.
Was steht denn so an, das Sie in guten Händen wissen möchten?
Geiger: L’Hebdo wird ab 31. Januar die Zusammenarbeit mit dem französischen Magazin Express im Bereich Reisen aufnehmen. In Zusammenarbeit mit Cash lanciert L’Hebdo zudem einmal im Monat die Wirtschaftsbeilage Value. Wir machen aber keine Reproduktion von Cash. Wir sprechen ja auch eine andere Leserschaft an, als dies Cash als Wirtschaftsmagazin tut. Mit Value wollen wir den Lesern von L’Hebdo, die sich zum Beispiel für Geldanlagen interessieren, aber dafür nicht unbedingt Fachliteratur konsultieren, einen Service bieten. Übrigens ein gutes Beispiel dafür, wie Synergien genutzt werden können. Gerade auf diesem Gebiet möchte ich in meiner neuen Aufgabe aktiv werden. Leider werkeln noch zu viele Medien still vor sich hin, wie seinerzeit der kleine Uhrmacher, der eine Uhr von A bis Z in mühsamer Arbeit selber herstellte, statt vom Know-how der Kollegen zu profitieren.
Es gibt aber andere Produkte von Ringier Romandie, die Ihnen doch eher Kopfzerbrechen bereiten, wie zum Beispiel dimanche.ch und Edelweiss?
Geiger: Seit seiner Lancierung vor drei Jahren hat das Frauenmagazin Edelweiss die beglaubigte Auflage stets erhöhen können, das Gleiche gilt für die Leserzahlen. Wir sind jetzt bei einer Zahl von 65000 Leserinnen angelangt. Bezüglich des Anzeigenmarktes sind sämtliche internationalen Werbeauftraggeber für Luxusgüter vertreten. Die anvisierte Positionierung ist also richtig. Im redaktionellen Bereich müssen wir aber noch zulegen.
Und deshalb musste kürzlich die zweite Chefredaktorin innerhalb von drei Jahren ihren Sessel räumen?
Geiger: Ich möchte betonen, dass die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen erfolgt ist, weil Marie-France Vigor von sich aus erklärte, nicht in der Lage zu sein, den Ideen zu einem redaktionellen Relaunch zu folgen. Am 22. Januar wird übrigens der oder die neue Chefraktor(in) gewählt. Wir hatten seit dem Weggang von Marie-France Vigor keinen Abgang unter den Journalisten bei Edelweiss, was beweist, dass wir keine Krise beim Magazin haben. Aber es ist richtig, dass wir Edelweiss bis jetzt noch nicht richtig zu «verkaufen» gewusst haben, um es gegenüber der Konkurrenz abzuheben. Das bedingt aber nicht nur Anstrengungen auf redaktioneller Ebene, sondern auch auf Seiten des Marketings.
Vielleicht liegt ja die Schwierigkeit auch im Namen Edelweiss; er ist für ein Frauenmagazin eher ungewöhnlich.
Geiger: Für mich ist dieser Name tatsächlich ein Rätsel. Ich war ja auch nicht an der Lancierung des Magazins beteiligt. Marktstudien haben jedoch ergeben, dass die Leserinnen diesen Namen sehr mögen und alles, was ein Frauenmagazin ausmacht, in diesen Namen hineinprojizieren.
Und was hat der Chefredaktorenwechsel bei dimanche.ch gebracht?
Geiger: Man kann von einem wahren Pillard-Effekt sprechen. Denn seit Daniel Pillard letzten Herbst die Leitung der Sonntagszeitung übernommen hat, haben die Verkaufszahlen stetig zugenommen. Wir werden im nächsten Frühjahr zudem eine neue Werbekampagne lancieren und die Anzahl der Verkaufsboxen verdoppeln.
Und wenn Sie persönlich und völlig unabhängig ein neues Magazin lancieren könnten, was wäre das?
Geiger: Ich würde wahrscheinlich ein Wirtschaftsmagazin herausgeben. Interview: Anita Vaucher

Muse & Musse: Denise Azzini

Muse & Musse Denise Azzini Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Denise Azzini: Cirque du Soleil, weils einfach so schön ist...Was lesen Sie gerade?Azzini: Henning Mankell «Die fünfte Frau». Spannend, spannend…

Muse & Musse Denise Azzini
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Denise Azzini: Cirque du Soleil, weils einfach so schön ist…
Was lesen Sie gerade?
Azzini: Henning Mankell «Die fünfte Frau». Spannend, spannend…
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Azzini: Keine spezielle Vorliebe – quer durch den Garten.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Azzini: «Out of Africa» – ich liebe Afrika!
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Azzini: Ich schalte vorher aus.
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Azzini: Bin im Moment auf Entzug. Mein Internet funktioniert nicht!
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Azzini: Familie, Freunde und Pommes Chips.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Azzini: Einfach geniessen.
Liebe ist…?
Azzini: …das Leben.
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