Aufgefallen: Zu viel Espresso schadet dem Herzen. Manchmal auch dem Hirn.

AufgefallenZu viel Espresso schadet dem Herzen. Manchmal auch dem Hirn. Gefährdet sind vor allem regelmässige, so genannte Lavazzianer. Dass ihre Zahl jährlich zunimmt, belegt unter anderem der Erfolg des Kalenders «Espresso & Fun», den der

Aufgefallen Zu viel Espresso schadet dem Herzen. Manchmal auch dem Hirn. Gefährdet sind vor allem regelmässige, so genannte Lavazzianer. Dass ihre Zahl jährlich zunimmt, belegt unter anderem der Erfolg des Kalenders «Espresso & Fun», den der Fotokünstler David LaChapelle dieses Jahr im Auftrag der italienischen Kaffeemarke realisiert hat. Die 2002er-Ausgabe enthält knallig-phallistisch-ölverschmierte und farbenfrohe Impressionen, die viel über die Bedürfnisse des Homo sapiens, vulgo Macho, aussagen. Eine Kostprobe von La-Chapelles Fotos tauchte dieser Tage im Le Figaro Magazin in Form einer Anzeige auf. Lust auf mehr? Auf www.espressoandfun .com klicken und zuvor einen Lavazza trinken. Zwecks Erweiterung der Herzkranz- und, psst!, der Hirngefässe. Chandra Kurt
Kolumne

Einbildung von Liz Sutter
Filme auf Zelluloid gibt es seit etwas mehr als hundert Jahren. Filme im Kopf gibt es, seit Menschen träumen. Und seit man Bücher kaufen kann, wird für das Lesen geworben, weil sich damit jeder seinen eigenen Kopffilm basteln kann. Warum zahlreiche Filmkritiker ausgerechnet beim Kinostart von «Harry Potter und der Stein der Weisen» diesen hinlänglich bekannten Sachverhalt so stark betonen, ist nicht einsehbar. Noch weniger, warum manche geradezu beleidigt bemerken, die Bilder, die Chris Columbus ihnen serviere, deckten sich nicht mit ihren eigenen Vorstellungen.
Manchmal können einen die Bilder im Kopf auch reinlegen: Für einen Artikel über improvisierte Sonnenhüte suchte ich eine Zeichnung von einem Mann, der ein Taschentuch auf dem Kopf trägt. Ich hatte sie gesehen, aber wo? Klar! Im Magazin, in einem Essay von Thomas Hürlimann über Gottfried Keller. Fieberhaft blätterte ich das Heft durch. Nichts. Nur irgendwo im Text ein Kellner, der sich über den Gast auf der Terrasse lustig macht: «Gezipfeltes Nastuch auf dem Grind!» Das passende Bild hatte ich mir einfach eingebildet. Hoffentlich, so dachte ich, muss ich nie eine Zeugenaussage machen.
«Nehmt ihm die Waffe weg! Holt endlich die Polizei!», hörte ich von der Strasse herauf. Ich stürzte ans Fenster, sah zwei ineinander verkeilte Männer, Blut auf dem Asphalt. «Bitte, kommen Sie schnell!», schnatterte ich ins Telefon. Die Aussage, die ich später zu Protokoll gab, war völlig falsch. Für mich war eindeutig der Überlegene der Böse. Ich hatte nicht gesehen, wie es dem Opfer gelungen war, den Angreifer zu überwältigen. Den Ruf nach der Polizei hatte ich dem Falschen zugeordnet, also die Sprechblase falsch platziert. Offensichtlich muss man nicht nur allen gedruckten, gesendeten und eingebildeten Bildern misstrauen, sondern schlicht allem, was man sieht. Also: Augen zu und durch.
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Liz Sutter ist Journalistin.
Sprachbeobachter

Es
Es ist kalt. Es ist gleich vorbei. Es ist Zeit zu gehen. – Als die Schriftstellerin Yoko Tawada von Tokio nach Hamburg zieht und dort Deutsch lernt, fällt ihr ein Wörtchen auf, das es im Japanischen nicht gibt: Es.
Sie schlägt im Lehrbuch nach, und da steht, dass es gar nichts bedeutet, dass es bloss eine grammatikalische Lücke füllt, da ohne es das Subjekt des Satzes fehlt, und da es im Deutschen keine Sätze ohne Subjekt gibt, springt es eben ein.
Im Übrigen ist es ein Pronomen. Beispiel: «Das Haus war so klein, dass es aus dieser Entfernung kaum zu sehen war.» Hier gibt es sich eindeutig zu erkennen. Es steht als Platzhalter für das Haus, für ein Nomen, weshalb es auch Pronomen heisst. Aber in einem Satz wie «Es war kurz vor elf, als der Fremde am Bahnhof ankam.»? Wofür steht Es hier? Für die Zeit? Oder: «Es sah aus, als würde es gleich regnen.» Wofür steht das erste Es? Wofür das zweite? Steht das zweite für das erste? Oder stehen sie für Verschiedenes?
Wenn jemand sagt «es regnet», dann entsteht etwas, das Wasser auf die Erde tropfen lässt. Wenn «es jemand gut geht», dann ist da etwas, das dazu beiträgt. «Es ist möglich, dass du morgen stirbst.» Wer hat diese Möglichkeit geschaffen? Gott? Der Zufall? Das Schicksal? Das Leben in seiner Unergründlichkeit? Die Gesetze der Physik?
Wir gelangen rasch zu den letzten Fragen, wenn wir über das kleine Wörtchen nachdenken, das so bescheiden in seiner grammatikalischen Lücke lebt. Es vegetiert unerkannt unter zahlreichen Namen, es amtiert als gewissenhafter Platzhalter, als Variable, als Unbekannte, als das X unzähliger Gleichungen. Es ist immer auf der Suche nach seiner Lösung, nach seinem Wert, seiner Bestimmung. Dabei verwandelt es sich bei jedem Satz in etwas anderes.
In der Schöpfungsgeschichte steht: «Es werde Licht.» Und es ward Licht. Nach der Bibel («Im Anfang war das Wort») steht es für das Wort, das sich an jedem Schöpfungstag in reale Dinge umformte und so die Wirklichkeit auf der Erde schuf: «Es ward Abend, und es ward Morgen…»
Ob am Anfang das Wort war oder die Kraft, der Urknall oder das Chaos, Tat, Kraft oder Sinn, Vernunft, Zufall oder göttliche Fügung: Es ward Licht. Bis zu diesem kleinen Wörtchen können wir im Deutschen denken, dahinter beginnt die Spekulation.
Sigmund Freud hat das wohl geahnt, als er die Psyche des Menschen in Über-Ich, Ich und Es aufteilte. Das Über-Ich ist durch die moralischen Gesetze der Zivilisation bestimmt. Das Ich ist das Subjektive und deshalb immer im Sandwich. Das Es wird gebildet durch das Ursprüngliche, die Triebe, das Animalische, das Unklare, das, was wir nicht wissen können – und vielleicht auch gar nicht wissen wollen.
Wie ist es möglich, dass eine Sprache wie das Japanische ohne das Wörtchen Es auskommt? Beat Gloor, www.textcontrol.ch

Wirtschafts-Einheitsbrei

Goldbach Media schluckt Moneycab

Goldbach Media schluckt MoneycabDie Küsnachter Goldbach- Media-Gruppe übernimmt per 15. Dezember das Internetfinanzportal Moneycab. Die Redaktion von Moneycab wird mit derjenigen von Swisscontent Corp., der Contenttochter der Goldbach Media, zusammengelegt. Mit diesem «Schachzug» sollte der Fortbestand von Moneycab garantiert sein, wie Goldbach Media mitteilte.Moneycab war im Frühling mit einer Crew von 18 Journalistinnen und Journalisten gestartet und bot im Internet Informationen zu Wirtschaft und Börse an. Gegründet wurde die Firma von Internetprovider Bluewin, Credit Suisse (CS) und Tamedia.
Über Kaufpreis und Konditionen wurde Stillschweigen vereinbart. Fest steht, dass CS, Bluewin und Tamedia der künftigen Redaktion von Swisscontent Corp. und Moneycab weiterhin als Inhaltelieferanten dienen werden. Für Goldbach Media bedeutet dies vor allem einen Imagegewinn, kann sie doch ihr Kundenportfolio erweitern. Zudem kann sie ihre Position in der Vermarktung und Verknüpfung elektronischer Medien und in der Herstellung von Inhalten weiter ausbauen.
«Moneycab wird langfristig nur mit starken Allianzen und Partnerschaften erfolgreich sein», kommentierte Goldbach Media die Übernahme. Doch wie sie Moneycab auch kommerziell interessant machen will, blieb ungesagt. Letztlich war es die fehlende Aussicht auf Gewinn, die die Gründungspartner zum Verkauf von Moneycab bewog.
Kommt dazu, dass auch Goldbachs eigene Tochter Swisscontent Corp. Probleme hat. Wegen des Verlusts der Grosskunden Swissonline (Cablecom) und Yellowworld (Post) muss sie sich umorientieren und wird neben Wirtschaftsinformationen künftig auch Corporate Publishing anbieten, was Fachartikel (Channel-Contents) aus dem Produkteumfeld der Kunden sowie PR-Services umfasst. Zu Letzterem wird nächstes Jahr eine eigene Unit aufgebaut. Die Folge dieser Neuausrichtung: In Bern werden zwölf Stellen abgebaut. Dies habe mit der Übernahme von Moneycab aber nichts zu tun, hiess es. Goldbach Media will denn auch alle Mitarbeitenden inklusive leitendes Management von Moneycab in eine neue Organisationsstruktur integrieren, hiess es.
Mit der Übernahme von Moneycab durch Goldbach Media hält nun auch bei Schweizer Internetanbietern Einzug, was bei andern Mediengattungen längst schon der Fall ist: Content wird fusioniert. Der Goldbach-Jubel, nun «der einzige unabhängige Contentanbieter der Schweiz» zu sein, ist deshalb doppelt zweifelhaft. Zum einen, weil Vielfalt verloren geht, zum anderen, weil es keinen «unabhängigen» Content gibt. Und der aus der künftigen Moneycab/Swisscontent-Redaktion stammt weiterhin zumindest teilweise von Bluewin, CS und Tamedia. Markus Knöpfli

Überstunden für den Samichlaus

Pucci Sulzer und cR DDB treten – nicht alleine – in die Werbefussstapfen von Coca-Cola

Pucci Sulzer und cR DDB treten – nicht alleine – in die Werbefussstapfen von Coca-ColaVon Simone Keller Der amerikanische Weihnachtsmann, Santa Claus, ist auf Promotiontour in der Schweiz. Nicht nur für Coca-Cola, auch für Migros, Coop und Co. rührt der wohl genährte, bärtige Santa kräftig die Werbetrommeln.
Der Samichlaus kommt am 6. Dezember – das weiss hier zu Lande jedes Kind. Trotzdem ist der liebe, alte Mann mit dem weissen Bart auch bei uns bis Weihnachten auf Plakaten, in Schaufenstern und im TV präsent. Schuld daran ist Santa Claus, St. Nikolaus’ Onkel aus Amerika, der mit der Coca-Cola-Weihnachtspromotion den Sprung über den grossen Teich geschafft hat und in hiesigen Kreativabteilungen zusehends Fuss fasst.
So auch bei cR DDB, die im Rahmen des Coop-Dachmarkenauftrittes mit einer Festtagskampagne betraut wurde. Um die laufenden Aktionen in der Adventszeit bekannt zu machen, hat das Basler Team den Santa gleich selbst vor den Kommunikationsschlitten gespannt. Ob mit Weinglas, Cremetupfer auf der Nase oder hinter dem Tannenbaum, der zwinkernde Santa-Coop sorgt auf Werbemitteln für Präsenz in der Vorweihnachtszeit.
Auch bei der Konkurrentin Migros hat der gute Alte vom Nordpool kurz Halt gemacht, um auch deren Aktionen feilzubieten. Für die Bekanntmachung der Vergünstigungen hat die Zürcher Agentur Pucci Sulzer einen besonderen Adventskalender entwickelt. Vom 1. bis 23. Dezember präsentieren die verschiedensten Chläuse im Rahmen eines Castings je ein Produkt. Gesucht wird der perfekte Weihnachtsmann, der natürlich erst am Vorweihnachtsabend entdeckt wird.
Marketing ist für Amerikaner halt immer Dienst am Kunden
Die beiden Grossverteiler sind lange nicht die Einzigen, die den Absatz ihrer Produkte durch den Advent mit dem Zugpferd Santa Claus anzukurbeln versuchen. Ob für Coca-Cola, Swisscom oder Bol.ch, der Weihnachtsmann und seine Rentiere sind heuer fast omnipräsent. «Wir waren selbst erstaunt, dass die Figur des Weihnachtsmannes dieses Jahr so aggressiv eingesetzt wird», gesteht Peter Graf, Kampagnenverantwortlicher für Coop bei cR DDB.
Man habe auch andere Ansätze geprüft, musste aber feststellen, dass Figuren wie Christkind oder Engel «nicht alles machen können». Das Coop-typische Zwinkern passte besser zu einem pausbäckigen Santa Claus als zu einem ätherischen Engel. Ähnlich erklärt auch Däni Sulzer, CD bei Pucci Sulzer, die Entstehungsidee der Migros-Spots. «Die Figur des Santa Claus lässt am meisten Spielraum.
Das Christkind ist ja eher heilig, diese Gestalt kann man nicht gut schalkhaft in Szene setzen oder Schabernack treiben lassen.» Inspirationsquellen beider Kreationen waren amerikanische Vorbilder wie die Coca-Cola-Kampagnen oder die Hollywood-Produktion «Miracle on 34th Street» mit Richard Attenborough. Diesem, so Peter Graf, sei der Coop-Santa nachempfunden.
Während unser Samichlaus die Kinder am 6. Dezember besucht, steigt sein amerikanisches Pendant in der Nacht vor Weihnachten durch den Kamin, um die Geschenke unter den Tannenbaum zu legen – eine Aufgabe, die hier zu Lande vom Christkind erledigt wird. So wie Halloween Allerheiligen mit Kürbissen und Hexen konsumtauglich macht, so halten auch die US-Weihnachtsbräuche in Schweizer Einkaufshäusern Einzug. «Den Amerikanern gelingt es mühelos, Marketing und Religion kurzzuschlies- sen», erklärt David Bosshart, Geschäftsleiter des GDI. «Marketing ist dort immer Gottesdienst am Kunden. Bei uns ist man trotz aller Säkularisierung vorsichtiger, wenn es um Religion geht.»
Trotzdem sei ein klarer Trend in die gleiche Richtung zu erkennen, meint Bosshart und fährt fort: «Wenn der Papst Rap-CDs verkauft, um für den Vatikan und den lieben Gott zu werben und neue Kunden zu akquirieren, gibt es kaum noch weitere Tabus zu brechen.» Bleibt zu hoffen, dass der fette Santa nicht eines Tages das ärmliche Christkind sogar aus seiner Krippe in den Schweizer Wohnzimmern kippt.

Betreten bewegt Werbung

In den USA läuft ein Werbeversuch mit Bodenanimation in Supermärkten

In den USA läuft ein Werbeversuch mit Bodenanimation in SupermärktenVon Thérèse Balduzzi Seit fünf Jahren ist die amerikanische Firma Floorgraphics auf Produktewerbung in Supermärkten spezialisiert und bietet Werbeauftraggebern Werbeflächen auf Böden und an Einkaufswagen an. Das neueste Produkt von Floorgraphics sind Boden-Billboards mit bewegten Bildern, Ton und vielen Möglichkeiten zur Interaktion.
Die vor sechs Jahren gegründete Firma Floorgraphics aus Princeton, New Jersey, betreut die Werbeflächen von 13000 Warenhäusern und Supermärkten in den USA, darunter von grossen Ketten wie Kmart, A&P und Safeway.
Die Firma wurde in wenigen Jahren erfolgreich, allerdings nicht ohne Anfangsschwierigkeiten. Frühere Anzeigen für Fussböden bedingten, dass ein Stück des Bodenbelags herausgerissen werden musste, was auf wenig Begeisterung stiess. «Es brauchte viel Zeit und Missionarsarbeit, um die Werbewirksamkeit zu demonstrieren», sagt Richard Rebh, CEO von Floorgraphics. Mit den rund einen halben Quadratmeter grossen Anzeigen, in Gängen von Supermärkten genau vor dem Gestell mit dem entsprechenden Produkt platziert, lassen sich laut Rebh die Verkaufszahlen um 15 bis 35 Prozent steigern.
Bald kitzeln in 4000 Geschäften Giraffen Babyfüsse
Floorgraphics beteiligt die Geschäfte zu einem Viertel an den Werbeeinnahmen, was vor allem für kleinere Betriebe einen stattlichen Anteil des Einkommens ausmachen kann. Für die Werbeauftraggeber ist die Lösung ebenso vorteilhaft. Die Kosten (Cost per Thousand) der Floorads sind halb so hoch wie die der Aussenwerbung und 16 Mal geringer als die für Fernsehwerbung.
Einen weiteren Durchbruch verspricht sich Rebh von seinem neuesten Angebot: Floorads mit bewegten Bildern und Ton. Sie werden Flooranimations genannt. Im Herbst lief ein Test in über 75 Geschäften an, an dem sich solch bekannte Firmen wie Campbell Soup und Procter & Gamble beteiligen.
Die Flooranimations wurden während zweier Jahre entwickelt und funktionieren mit Hilfe von Mikroprozessoren. Sie können wie die herkömmlichen Floorads schlicht auf den Boden geklebt werden und offerieren eine ganze Reihe von Möglichkeiten: bewegte Bilder, Abfolgen von bewegten Bildern, Ton, Aktivierung durch einen Motion Detector und einen Zähler, der die Interaktionen mit den Konsumenten misst.
Eine Flooranimation für Pampers zeigt beispielsweise eine Giraffe. Setzt man einen Fuss auf die Anzeige, ist ein Baby zu sehen, das gekitzelt wird und lacht. Campbell Soup wirbt in der Testphase für ihre Pastamarke Prego Pasta. «Die Flooranimations sind vor allem bei kleinen Kindern ein grosser Hit, weil sie näher am Boden sind», sagt Rebh. Doch auch Erwachsene bleiben interessiert stehen – wenigstens so lange, wie Flooranimations eine Neuheit darstellen.
Am Ende der Testphase soll die Wirkung der neuen Flooranimations mit der der herkömmlichen Floorads verglichen werden. Rebh verspricht sich, dass Flooranimations weit besser abschneiden werden als Floorads. Sollte sich das bestätigen, ist für das kommende Jahr eine Lancierung auf breiter Ebene in 4000 Geschäften vorgesehen. Geplant sind auch Flooranimations mit einer vorbeiziehenden Textzeile, was den Werbeauftraggebern erlauben würde, den Text so oft wie gewünscht zu ändern oder bestimmten Lokalen anzupassen.

News: Tele Ostschweiz erbt von Tele 24

Der Regionalsender Tele Ostschweiz (TVO) übernimmt vom eingestellten Tele 24 die Programme «Videogang» und «Lifestyle».

Der Regionalsender Tele Ostschweiz (TVO) übernimmt vom eingestellten Tele 24 die Programme «Videogang» und «Lifestyle».News Tele Ostschweiz erbt von Tele 24 «Videogang», eine Sendung von Teenagern für Teenager, wird ab sofort jeden Nachmittag ausgestrahlt. Das Magazin «Lifestyle», das von Tele Züri weiter produziert und gesendet wird, ist ab Anfang 2002 jeweils freitags auch auf TVO zu sehen. Es ersetzt das Magazin «Klopfer», das Ende Jahr eingestellt wird.
20 Minuten wartet auf bessere Zeiten Die Pendlerzeitung 20 Minuten, die derzeit an je 60 Kiosken in Basel, Bern und Zürich gratis aufliegt, verzichtet vorläufig auf eine Ausweitung der Kioskpräsenz. Geplant war, das Gratisblatt an rund 1000 Deutschschweizer Verkaufsstellen der Kiosk AG aufzulegen, wie die WerbeWoche Ende September berichtete. Verlagsleiter Rolf Bollmann betonte, dass das Projekt vom Verwaltungsrat nur verschoben, nicht aufgehoben worden sei. Es werde vermutlich im nächsten Frühjahr erneut traktandiert.
BaZ rotiert für Coop-Zeitung Die Basler Zeitung (BaZ) hat bei Koenig & Bauer eine neue Rotationsanlage für die Produktion ihrer Tageszeitung sowie 29 weiterer Zeitungstitel von Kunden und Partnern bestellt. Sie investiert dafür – inklusive eines Anbaus an die bestehende Druckerei – über 80 Millionen Franken. Die neue Rotation wird Ende 2003 in Betrieb genommen und in der Lage sein, durchgehend vierfarbig zu drucken. Letzteres hatte die Coop-Zeitung von der BaZ-Druckerei verlangt.
Publimag lanciert neues Kombi Ab Anfang Jahr bietet Publimag die Anzeigenkombination PolyTec an. Sie vereinigt neun Fachzeitschriften aus der Schweizer Industrie. Die einzelnen Titel sind: Baublatt, Chemische Rundschau, Kunststoffe/ Synthetics, Lebensmitteltechnologie, Precision, Schweizer Holzzeitung, Schweizer Maschinenmarkt, Tara, Viscom Print & Communication. Das Kombi erscheint zehn Mal im Jahr mit einer Auflage von rund 99000 Exemplaren.

Sahnig ist die Erotik einer Whiskyflasche

JWT + Hostettler + Fabrikant positioniert Baileys als Objekt der Begierde

JWT + Hostettler + Fabrikant positioniert Baileys als Objekt der BegierdeDurch eine optische Täuschung siedelt ein von JWT + Hostettler + Fabrikant konzipierter sinnlicher Kinofilm die unter anderem aus Milch, Whisky, Kakao und Karamell bestehende Irish Cream Baileys im Bereich der Erotik an. Der Werbestreifen, der auf demselben Konzept wie ein im vergangenen Jahr entwickelter Plakatauftritt basiert, verfolgt dasselbe Ziel: Nämlich Baileys bei 18- bis 29-jährigen eher städtischen Frauen und Männern top of mind zu bringen und emotional stärker an die Zielgruppe zu binden. Ferner soll das in einem warm schimmernden Braunton gehaltene Licht die Stimmung der Produktfarben vertiefen.
Im ersten Augenblick glaubt der Betrachter, hinter einer geschwungenen Hügelkuppe die Sonne aufgehen zu sehen. Doch entpuppt sich das vermeintliche Gestirn als dickflüssige Masse, die einem zunächst nicht identifizierbaren Objekt entlangrinnt. Der weitere Verlauf des Films impliziert, die Form zeige die von einem feinen Strahlenstreifen begrenzten Rundungen des nackten Körpers einer braunen Frau. Doch am Schluss stellt sich heraus, dass es sich um einen Tropfen Baileys handelt, der entlang einer liegenden Baileys-Flasche fliesst. Über die Ernüchterung tröstet der Slogan «Let your senses guide you» hinweg.
Agenturinhaber Remy Fabrikant bezeichnet die Umsetzung als «emotionale Erotik», verneint jedoch, dass die Flüssigkeit auch als Ejakulat interpretiert werden könnte. «Wir haben versucht, eine Mischung zwischen Gefühl und Erotik zu erzeugen, ohne mit dem Gesetz in Konflikt zu kommen», sagt Fabrikant, der als Creative Director den Dreh in London persönlich überwachte.
Um die Klippen der staatlichen Restriktionen zu umschiffen, war bei diesem Projekt sowieso Vorsicht angesagt. Eine Wiederholung der unliebsamen Erfahrung im Zusammenhang mit der Kreation eines Smirnoff-Plakats wollte man auf keinen Fall riskieren. Daher liess die Agentur vom Storyboard bis zur Kinokopie jede Stufe des Films von der Alkoholverwaltung absegnen.
Vertont wurde die Produktion von den Zürcher Musikern Philippe Schmid und Moritz Schneider in Anlehnung an den Titel «You sexy thing» von Hot Chocolate. Ernst Weber

Highlights 2001: Der Sinkflug des jahres:

Versprühte im Jubiläumsjahr 1999 die Dachorganisation Schweizer Werbung Optimismus, so hat sich das Blatt inzwischen gewendet.

Versprühte im Jubiläumsjahr 1999 die Dachorganisation Schweizer Werbung Optimismus, so hat sich das Blatt inzwischen gewendet.Der Sinkflug des jahres: Besonders die Werbebranche hat nach dem glänzenden Jahr 2000 (gesamtschweizerisch 4,4 Milliarden Franken Werbeausgaben) das Stottern des Konjunkturmotors stark zu spüren bekommen. Solche Schwankungen nimmt dieser Sektor schliesslich früher und gleich überproportional wahr. Gefloppte Start-ups und sistierte IPO, rollende Fusionswellen und serbelnde New Economy, Stellenabbau und Konsolidierungen. Der schwarze Herbst mit seinen Ereignissen dämpfte die Stimmung der Konsumenten dergestalt, dass auch Zinssatzsenkungen die Ausgabefreude der Konsumenten nicht anheizen konnten. Entsprechend purzelten die meisten Aktienkurse internationaler Werbegiganten wie der nicht kotierten Agenturaktien: Im Vergleich zum Kurs zu Jahresbeginn notierten am Stichtag 11. Dezember Interpublic Group (unter anderem McCann-Erickson, Lowe Group) 34,9 Prozent tiefer; Havas Advertising (Euro RSCG) 42,2 Prozent tiefer; WPP Group (Young & Rubicam, Ogilvy & Mather, J. Walter Thompson) 18 Prozent tiefer; Ausnahmefall Omnicom (BBDO, DDB, TBWA) satte 5,8 Prozent höher und Publicis (Publicis, Saatchi & Saatchi) 15,6 Prozent tiefer.Die bewegteste Agentur des Jahres: Am 6. Dezember liess Publicis-CEO Fredy Collioud die Katze aus dem Samichlaus-Sack: Das Büro Lausanne wird auf Anfang 2002 geschlossen. Auslöser der Massnahme war die Budgetneuordnung bei Hauptkunde Nestlé, die seinerzeit Publicis, Lausanne, aus dem Nestlé-internen Bureau des études publicitaire (BEP) abkoppelte. Die Kunden sollen künftig von der Zürcher Schwesteragentur oder durch Saatchi & Saatchi in Nyon, ebenfalls im Publicis-Netzwerk, betreut werden. Die Schliessung in Lausanne führt auch zu Veränderungen in der Führung der Publicis in Zürich: Ab Januar 2002 übernimmt Cornelia Harder von Fredy Collioud die Funktion des Managing Directors. Collioud, der Publicis Zürich seit 15 Jahren geleitet hat, bleibt Vorsitzender der GL. Im Gegensatz zum jähen Rückzug standen zwei positive Ereignisse: Im Februar erwarb die Schweizer Publicis-Gruppe die Aktienmehrheit an der grössten Schweizer DM-Agentur, der Adliswiler Fisch Meier Direkt. Und am 9. August gaben Optimedia und BG Media ihre Fusion per Anfang 2002 zur führenden Mediaagentur bekannt. Mit kumulierten Billings von rund 310 Millionen Franken setzt sich die Firma vor die Leader Best of Media/CIA und m&m Holding.
Die Liberalisierer des jahres: In den kommenden Jahren soll eine schrittweise Deregulierung des Inlandmarktes eine Annäherung an die Marktverhältnisse der Europäischen Union bewirken. Eine Offenheit der Märkte werde am besten durch den freien Marktzutritt für internationale Konkurrenz erreicht, sagen die Spezialisten. Bisher erfolgte bei den Basisinfrastrukturen am 1. Januar 1998 eine generelle Marktöffnung in den Bereichen der Telekommunikation. Teilweise liberalisiert ist seit dem gleichen Datum der Postverkehr. Erst geringfügig hat sich ein Jahr später der Eisenbahnverkehr auf die zukünftige Marktsituation eingestellt. In den Kreisen weiterer Betroffener führte und führt diese Liberalisierung etwa zu patriotischen Reaktionen in deren Kommunikation: Esst Schweizer Käse, bevorzugt Schweizer Brot, und entscheidet euch für Schweizer Fleisch. Diese Hauptbotschaft richtete die Werbung der genannten Produktgruppen im vergangenen Jahr an die Konsumenten. In der Energieversorgung bildeten sich Interessengemeinschaften wie zum Beispiel Axpo, Swisspower und 1to1-Energy, die auf den hiesigen Markt drängende Mitbewerber gebührend empfangen: indem sie ihnen durch die Bildung und Verankerung von Schweizer Strommarken einen steinigen Marktboden bereiten.
Das Brand-Grounding des Jahres: In Advicos Markenstudie Brand Asset Valuator 2000 flog der Schweizer Carrier nicht mehr in die Top-20-Power-Marken der Schweiz, obschon die Fluggesellschaft öfter Branchen-Awards einheimste und die Marke einige Milliarden wert sein sollte. Sollte. Am 2. Oktober, als die Swissair wegen der hoffnungslosen Schuldenlast nicht mehr abhob und zu einem unschweizerisch chaotischen Grounding gezwungen war, hätte man sich gewünscht, mit dem immateriellen Brand-Value-Posten das nötige Kerosin berappen und die Verpflichtungen gegenüber den Partnern und Angestellten begleichen zu können. Doch weder das auf der Startbahn abgebrochene Rebranding von CEO Mario Corti noch die im Juli im AY&R-Hangar gestartete Imagekampagne konnten die Airline aus den Turbulenzen retten. Im cool puristischen «We care»-Auftritt, der die Premiumattributte der Airline Weiss in Weiss wiedergab, schien sich der ehemalige Stolz der Nation schon in seine Atome aufgeteilt zu haben. In Luft haben sich dann nicht nur Tausende von Arbeitsplätzen bei der Swissair aufgelöst. Nebst dem Schweizer Selbstverständnis haben vor allem die Tourismus- und die Kommunikationsbranche gelitten. In Letztere liess die Swissair in ihrem letzten Jahr allein in der Schweiz gut 6,2 Millionen Franken fliessen. Laut eigenen Angaben musste Hausagentur AY&R, die auch Kuoni und deren Tochter Helvetic Tours betreut, bisher noch keine blauen Briefe versenden. Die Existenz des Bordmagazine-Verlags Target Publishing hingegen ist in der Schwebe und sucht einen neuen Landeplatz.
Die Kreativsten des Jahres: Wenig Bewegungen gab es in den Top Ten der Schweizer Kreativagenturen. Publicis, Zürich, wurde von Advico Young & Rubicam (AY&R), Zürich, vom ersten Platz auf den zweiten verwiesen. Der neuen Tabellenführerin gelang dazu ein seltenes Kunststück: Nachdem AY&R mit dem aufrüttelnden Spot für Médecins sans Frontières schon von den WerbeWoche-Lesern zur Kampagne des Jahres 2000 gewählt wurde, räumte die Gockhausener Agentur in Cannes den begehrten Goldenen Löwen ab. Unverändert auf den Bronze-Platz zu stehen kam McCann-Erickson, Zürich. Neuzugänge waren Jung von Matt/Limmat auf Platz sieben und die Webagentur
RØSA auf dem neunten Rang.
Die Werbesparer des Jahres: Das Jahr 2001 hats in sich: Sogar am bisher strahlend blauen Himmel des prosperierenden Wirtschaftszweigs der Telekommunikation zogen die Gewitterwolken der Instabilität auf. Das bewegte Telekommunikationsjahr begann mit dem Zusammenschluss von Diax und Sunrise, wobei die Marke Diax auf der Strecke blieb. Kurz nach der Fusion wechselte Sunrise von Lowe Lintas GGK (LLGGK), Zürich, zu Wirz Werbung, Zürich. Auch Anbieterin Orange, die weltweit von Lowe-Netzwerkagenturen betreut wird, platzierte ihr Budget um. Sehr zum Leidwesen von Frank Bodins Euro RSCG Switzerland und sehr zur Freude von Mark Stahels LLGGK. Laut Media Focus beträgt in der Sparte EDV/Büro, unter der die Telekommunikation eingereiht wird, der Rückgang der Werbeinvestitionen in den ersten drei Quartalen dieses Jahres 18,3 Prozent respektive 228,2 Millionen Franken. In der Vorjahresperiode gab dieselbe Kategorie noch 279,4 Millionen Franken für Werbung aus. Massgeblich beteiligt an dieser Schrumpfung sind die Telecomfirmen, die ihre Werbeinvestitionen gesamthaft um 29,2 Prozent drosselten. Negativleader mit 43,8 Prozent ist Orange. Gerade einmal 17,4 Millionen gab die «Grönlandmarke» noch für ihre Kommunikation aus, während das Budget im selben Zeitraum des Vorjahres satte 30,9 Millionen betragen hatte. Mit einem blauen Telefonhörer kam die ehemalige Monopolistin Swisscom davon. Sie musste ihren Werbeeinsatz lediglich um 3,9 Millionen Franken respektive um 7,2 Prozent von 55 Millionen auf 51,1 Millionen Franken reduzieren. Auf der Liste der Top-50-Werbeauftraggeber belegt die Schweizer Telecomanbieterin derzeit den dritten Platz, gefolgt von TDC Switzerland (Sunrise), die mit Ausgaben von 20,5 Millionen Franken auf Platz 12 rangiert. Orange Communications ist auf Platz 19 anzutreffen.
Die Party-Flops des Jahres: Die Diplomfeier Planerinnen und Planer Marketing Kommunikation war der Branche unwürdig. Einer Branche, die sich brüstet, Emotionen zu vermitteln, zu verdichten, visuell umzusetzen. Im Seminarraum der Marketingmesse X’01 wurden schnell einige Sponsorenfahnen hingepappt, auf 250 Stühlen verloren sich knapp 100 Anwesende, um sich vor Podiumsrednern zu langweilen, die die Veranstaltung schon vor zehn oder mehr Jahren bestritten. Einem militärischen Antrittsverlesen gleich tanzten die Neudiplomierten in Dreiergruppen auf der Bühne an, um ihr Papier zu empfangen. Mittelmässiger Wein und feuchte Sandwiches gaben der tristen Sache den Rest. Die Juniors hätten an diesem wichtigen Tag Besseres verdient! Einzige Lichtblicke: die Ansprache von SW-Präsident Carlo Schmid-Sutter, der es blendend versteht, wenige Worte zu prägnanten und gescheiten Aussagen zu formen. Und die hoffnungsvolle Erwartung in den Augen der Diplomierten, dass die Zukunft besser wird.
die Party-Highlights des Jahres: Werber verstehen zu feiern. 2001 gabs mehr feine Events denn je. Einige verdienen eine Würdigung: Gambling-Night der SonntagsZeitung und Plakandafest sind sichere Werte. Beide verdienen Bronze! Goldbach-Center-Einweihung und ADC-Gala verdienen das Prädikat wertvoll und somit Silber! Bei beiden gab Sternekoch André Jaeger seine nicht eben billigen Künste zum Besten. Und das sagt alles zur Qualität. Gold geht aber an die Berner! Von uns gerne als Provinz belächelt, liefen die coolen Partys dieses Jahr in der Bundeshauptstadt oder wurden dort erdacht. Auftakt war die Bund-Fete beim verrückten Hunziker-Mühli-Päsche in Rubigen. Alles gratis, alles bestens! Konsolidiert von der Berner Zeitung mit dem Bodega-Apéro in Zürich. Den Abschluss machte Lang Gysi Knoll. Die Einladung zur Jahresparty war geschmückt mit CD Simone Quast im Domina-Look. Und so verrückt war auch das Fest
der stärkste Werbeauftraggeber des Jahres: Ein wahres Feuerwerk an Marketing-Neuigkeiten liess 2001 die Nummer 2 unter den Schweizer Grossverteilern aufsteigen und setzte sich bei den Werbeausgaben klar vor die jahrelange Spitzenreiterin Migros. Den Startschuss für die Absatz- und Kommunikationsstrategie machte Anfang Jahr die «So macht’s Freude»-Imagekampagne von cR DDB, Basel, die mit dem neuen Logo von Külling & Partner die Coop-Forte-Vision nach innen und aussen kommunizierte. Der Aufbau der neuen Markenidentität ist zwar nicht gerade billig, aber die ersten Früchte trägt sie bereits. Stattliche Marktanteilgewinne in allen Bereichen sprechen eine deutliche Sprache. Im Vergleich zur Vorjahresperiode legten gemäss Media Focus die Coop-Spendings von Januar bis Oktober um gut 8,8 Prozent (2001: 161 Millionen/2000: 148 Millionen Franken) zu, während die Migros im Jahr eins nach ihrem 75-Jahr-Jubiläum ihren Bruttowerbeaufwand um 14,8 Prozent zurückschraubte (2001:144 Millionen/2000: 169 Millionen Franken). Die vielen Werbeagenturen, die für Coop arbeiten, können sich weiterhin freuen. Hält man sich an CEO Hansueli Looslis klare Markenführung und Worte, dürfte sich auch in Zukunft an der Werbestrategie des Basler Detaillisten kaum etwas ändern.
Der Aderlass des Jahres: Als der ehemalige Optimedia-Chef Andy Lehmann Ende Juni die Gründung einer eigenen, unabhängigen und inhabergeführten Mediaagentur bekannt gab, ahnte man zwar, dass dies auch personelle Folgen für die Optimedia haben könnte. Die gewaltige Dimension, die der Aderlass für die Netzwerkagentur der Publicis erreichte, erschreckte dann aber doch: Von total rund zwanzig Beschäftigten hatten sich nicht weniger als deren zehn für eine Mitarbeit bei Lehmanns Mediahaus Seefeld entschieden. Publicis löste das Problem, indem sie Anfang August die Fusion der ausgebluteten Optimedia mit der bisher unabhängigen Mediaagentur BG Media per Januar 2002 kommunizierte. Doch damit war der Aderlass noch nicht ganz ausgestanden, denn Mitte September teilte die Unit Aussenwerbung der BG Media mit, sie werde beim Zusammenschluss der beiden Mediaagenturen nicht mitmachen und künftig ebenfalls für das am 1. Dezember gestartete Mediahaus Seefeld arbeiten. Unterdessen gleiste BG Media nicht nur die Unit Aussenwerbung neu auf (mit Florian Walz an der Spitze), auch die anderen Vakanzen wurden neu besetzt. Mit Spannung wird nun die auf Anfang Jahr angekündigte Kundenliste von Mediahaus Seefeld erwartet. Auch hier sind Abwerbungen zu erwarten.
Die Medienbaustelle des Jahres: An der Wochenzeitung Die Weltwoche wird bereits seit Jahren wenig erfolgreich herumgebaut, herumdiskutiert und herumgemosert. Zur definitiv grössten Printmedienbaustelle der Schweiz wurde sie aber ab Anfang Juni dieses Jahres, als die beiden neuen Ko-Chefredaktoren Roger Köppel und Kenneth Angst die Macht übernahmen. Damit begann für die ohnehin schon vor ungewisser Zukunft stehende Redaktion eine noch schwierigere Zeit, zumindest vorübergehend. Denn wie zu erwarten war, mussten im Verlauf der Neunkonstituierung zahlreiche Mitarbeitende ihre Pulte räumen, um besser ins Konzept passenden Kolleginnen und Kollegen Platz zu machen. Im Oktober wurde endlich das Rätselraten über den künftigen formalen Auftritt der Weltwoche aufgelöst: Ab 31. Januar 2002 wird das Traditionsblatt zur Zeitschrift mutieren – hinsichtlich Format etwas grösser, hinsichtlich Umfang (104 Seiten) aber rund ein Drittel dünner sein als Facts. Am Anzeigenmarkt soll sie jene Erlöse und im Lesermarkt jene neugierigen Magazinleser holen, die in der Vergangenheit schmerzlich gefehlt hatten. Die bevorstehende Neulancierung bezeichnet die Basler Mediengruppe selber als letzte Chance, um ihrem Zürcher Fass ohne Boden endlich wieder Boden zurückzugeben.
der Unruhestifter des Jahres: Wenn Michi Frank den Arbeitgeber wechselt, ist Ärger, sprich: ein ganzes Arsenal neuer Konkurrenzprodukte gewiss. Nach sechs Jahren bei der Belcom AG heuerte Frank per 1. Januar 2001 bei IP Multimedia (Schweiz) an. Nur acht Monate später regnete es nur so neue Vermarktungsprojekte aus dem Füllhorn der Küsnachter Firma. Eines kontroverser als das andere: Das ursprünglich auf den
1. Oktober geplante Werbefenster auf M6 brachte zunächst das Bakom, dann TSR und die halbe Romandie in Rage. Noch heute wird mit einzelnen Kabelnetzbetreibern um die Aufschaltung des Werbefensters gerungen, weshalb sich dessen Start weiter verzögert. Ebenfalls auf heftigen Widerstand stiess die Ankündigung der IPM, künftig auch für Regional-TVs Werbezeit zu verkaufen. Dieses Mal seitens der TeleNewsCombi-Vermarkterin Radiotele. Ohne heftige verbale Prügel von der Konkurrenz gingen lediglich die beiden anderen neuen Engagements der IPM – der Einstieg in die schweizweite Lokalradiovermarktung sowie das im Januar startende Werbefenster auf Vox – über die Bühne.
Stehaufmännchen des Jahres: Kaum war Christian Stärkle im Frühjahr bei Schawinskis Belcom als deren CEO eingetreten, wurde diese verkauft und Stärkle von Jürg Wildberger und Kurt W. Zimmermann bereits wieder abserviert. Zu aller Unbill liefen Stärkle auch noch die Schäfchen aus seinem Radioverband davon. Manch einer dachte schon: Jetzt ist der Chrigel weg von der Radio- und TV-Branche. Doch was Stärkle nicht umbringt, macht ihn stark. Man erinnere sich: Als er sich um ein Privat-TV-Kombi bemühte, wurde er vom grossen Roger Schawinski noch verhöhnt. Heute ist Schawinski weg vom Fenster, Stärkle aber steht dem TeleNewsCombi vor. Wetten, dass er nach dem Aus von TV 3 und Tele 24 auch seine Prime-TV-Idee wieder neu auflegt? Fest steht: Schawinski, Wildberger, Zimmi und wie die TV-Macher alle heissen – sie gehen, der Stärkle aber bleibt. Natürlich als Belcom-CEO.
Asket des Jahres: Der Walpen verdient rund 450000 Franken im Jahr, beim SBB-Weibel ist es etwas mehr, auch der Honegger von der Swissair zockt unverschämt viel ab. Die Lohnschere zwischen den Chefs und den kleinen Angestellten öffnet sich immer weiter. Doch mitten in dieses Sozialdesaster setzte einer einen wohl tuenden Kontrapunkt: Kilian Gasser. Er wechselte als Anzeigenleiter von Facts zur WochenZeitung (WoZ), wohl wissend, dass er damit auf die Hälfte seines bisherigen Lohnes verzichtet. Wer nun meint, Gasser lasse sich mit ein paar Fränkli mehr bereits wieder irgendwohin abwerben, der sei hier zur Vorsicht gemahnt: Er wird sich an Gassers Idealismus noch die Zähne ausbeissen.

Kabelradio ist doch kein Stiefkind

Fast zwei Drittel des Deutschschweizer Publikums hören regelmässig Kabelradios

Fast zwei Drittel des Deutschschweizer Publikums hören regelmässig KabelradiosEine von Privatradios und SRG veröffentlichte Studie räumt mit dem Vorurteil der ungenutzten Kabelradios auf. Erstaunlich: Die Deutschschweizer sind den Westschweizern bezüglich Kabelradionutzung weit voraus.Kabelplätze sind Mangelware, ein Problem, das sich angesichts der diversen Privatradios, die jetzt mit Zweitprogrammen ins Kabel drängen, weiter verschärft (siehe dazu auch WW 42/01). Angesichts dieser Situation ist es wichtig zu wissen, wie und welche Kabelradios überhaupt genutzt werden – um darauf aufbauend eine Prioritätenliste der sinnvollen oder verzichtbaren Programme formulieren zu können.
In diesem Sinne regte Sunshine-Chef Markus Ruoss eine Kabelradiostudie an, bei der sich neben Sunshine auch der Kabelverband Swisscable, die Radios 105, Argovia, 32, Aktuell, Central, Top und das bereits eingestellte 24Plus sowie die Radiotele AG und die SRG beteiligten.
Für die von der Publica Data AG ausgeführte Studie wurden im vergangenen Juni und Juli 3300 Personen in der Deutschschweiz und 1700 Personen in der Romandie auf ihre Gewohnheiten rund um die Kabelradionutzung befragt.
Die erste Überraschung vorweg: Sehr viele Haushalte haben ein Radio am Kabel angeschlossen. In der Deutschschweiz sind es nicht weniger als 76 Prozent. Die Romandie hingegen ist mit lediglich 42 Prozent weit abgeschlagen. Der viel tiefere Wert erklärt sich dabei nur teilweise durch die etwas geringere Verkabelungsdichte in der Westschweiz (70 Prozent gegenüber 78 Prozent in der Deutschschweiz). Ein Grund für den Vorsprung der Deutschschweiz könnte die längere Tradition mit Kabelradios sein. Es ist nahe liegend, dass Eviva und Radio 105, die hier bereits seit vielen Jahren Thema sind, zu einer besseren Etablierung der Kabelradios schlechthin geführt haben.
SRG-Programme werden am meisten genutzt
Zweite Überraschung der jüngsten Kabelradiostudie: Radios sind nicht nur häufig am Kabelnetz angeschlossen, die Kabelradios werden auch gut genutzt. In der Deutschschweiz hören immerhin 64 Prozent täglich oder fast täglich Kabelradio, 12 Prozent tun dies mehrmals pro Woche und 6 Prozent einmal pro Woche. Nur 8 Prozent sagen, sie stellen nie ein Kabelradio ein. In der Westschweiz gab hingegen nur knapp die Hälfte der Personen in Kabelhaushalten an, täglich oder fast täglich Kabelradio zu nutzen.
Ein grosses Hindernis auf dem Weg zum Kabelradio bleibt die Tatsache, dass pro Haushalt meistens nur 1 Zimmer mit Kabelanschluss ausgestattet ist (71 Prozent in der Deutschschweiz, 55 Prozent in der Westschweiz). Lediglich eine Minderheit verfügt über 2 oder mehr verkabelte Zimmer (29 Prozent in der Deutschschweiz, 45 Prozent in der Romandie).
Bei der Frage, welche Sender am meisten genutzt werden, schneiden die ersten Programme der SRG am besten ab. Sie belegen die ersten drei Ränge. Unter den am häufigsten aufgeschalteten privaten schweizerischen Radioprogrammen haben Eviva und 105 die Nase klar vorn (zu 79 Prozent und mehr aufgeschaltet). Daneben belegen aber auch andere reine Kabelsender wie Swiss Classic, Swiss Pop, Sky Radio und RTL Oldies vordere Ränge.
Auch darüber, was das Schweizer Publikum von Kabelradios erwartet, gibt die Studie Auskunft. Die Mehrheit wünscht sich entweder ein reines Musikprogramm. Oder ein Mix-Radio, das meint ein Angebot, bei dem möglichst viele Programmkomponenten – Musik, Nachrichten, Moderation – ausgewogen vertreten sind. Daniel Schifferle

All that beautiful Jazz

Untrügliches Zeichen für die nahende Weihnachtszeit ist die jährliche Jazzbar, zu der die «Idée – Vereinigung für Werbekommunikation» jeweils Ende November Mitglieder und Gäste einlädt.

Untrügliches Zeichen für die nahende Weihnachtszeit ist die jährliche Jazzbar, zu der die «Idée – Vereinigung für Werbekommunikation» jeweils Ende November Mitglieder und Gäste einlädt.Von Beat Fritsch Heuer ging die Veranstaltung in der Szenebeiz El Lokal über die Bühne, allwo schon das Interieur ein ideales Jazzambiente schafft.
Da bereits bewährt, griffen die Veranstalter der Idée fürs Line-up der Bands einmal mehr auf die Jazzhochschule Zürich zurück. So können am Idée-Jazz nicht nur jedes Jahr frische und unverbrauchte Bands gehört werden, man bietet Nachwuchsmusikern auch eine gute Plattform vor interessiertem Publikum. Allerdings nicht ohne auf einen sicheren Wert zurückzugreifen. Neben Stan and Art und Sold out wurden auch die vom letzten Idée-Jazz bekannten Round Corner verpflichtet.
Dabei gings ziemlich ab. Die Youngsters zeigten den Jazzfans, was Sache ist, und zogen das Publikum in ihren Bann. Trotzdem gabs für die Gäste genügend Raum für anregende Gespräche, und auch das leibliche Wohl kam nicht zu kurz. Die feinen Antipastiplatten waren im Nu leer geräumt, die Küche des «El Lokal» bot mit Pilzrisotto oder Thai-Green-Curry zwei währschafte Hauptspeisen, und die gut sortierte Weinauswahl liess Liebhaber des roten Safts auf ihre Kosten kommen.
Die Gespräche drehten sich – um Werbung. Intensiv diskutierten Mario Buchmann von Mediaxis und Sandra Haldi von By Heart, in einer Ecke sah man den neuen ASW-Geschäftsführer Peter Grob mit Ehefrau Ursula, Daniel Stierli von Typolitho parlierte mit den Kollegen vom Drucklade, und bald sah man auch die etwas später eingetroffene frühere Idée-Präsidentin Romaine Marti mit Gatte Kari in Gespräche mit dem Vorstand vertieft.
Hier zeigte man sich sehr erfreut, dass der Jazzevent der Idée auch in seiner weiteren Neuauflage abermals mehr Publikum anzog als im Jahr zuvor. Alten Hasen ist der Anlass von früher her wohl bekannt, allerdings wurde das Jazzkonzert ab Anfang der Neunzigerjahre nicht mehr durchgeführt. Vor vier Jahren entschloss sich der damalige Vorstand zu einem Revival der Jazznight. Mit grossem Erfolg, wie man letzte Woche sehen konnte, denn das «El Lokal» war fast bis auf den letzten Platz besetzt.
In seiner Rede wies Idée-Präsident Heinz Egli darauf hin, dass die Veranstaltung nur dank vieler Sponsoren möglich sei. Zwar sei die Suche nach diesen auch schon einfacher gewesen, aber trotzdem: Wie man an der Laufbildprojektion im Saal, an den Plakatwänden und an den Transparenten sehen konnte, sind die Ideen der Idée breit abgestützt.
Das Anlegermagazin Stocks sponserte die Bands; das Modeblatt Meyer’s den Apéro; Plakanda, Facts, Publimedia, die Schweizer Werbeagenda und die Typolitho-Gruppe stellten einen namhaften Geldbetrag zur Verfügung; die Werbe- und Eventagentur Bongusto Kommunikation überarbeitete den Programm- und Einladungsflyer, der vom Drucklade gratis hergestellt wurde. Schliesslich gabs dieses Jahr das erste Mal Radiospots fürs Idée-Jazz, gesponsert von Bongusto Kommunikation und IP Multimedia und kostenlos produziert vom NJP Tonstudio. Deshalb sei im Namen des Idée-Vorstands, in dem sich auch der Shortlistautor engagiert, an dieser Stelle nochmals herzlichst Danke schön gesagt.
Beat Fritsch

tritt in den Hintergrund für Marion Denzler, stimmgewaltige Sängerin der Jazz-Formation Round Corner, die an der Idée-Jazzbar zu hören war. Die Vierercombo begeisterte neben zwei weiteren Bands der Jazzhochschule Zürich das Publikum im «El Lokal» an der Gessnerallee restlos. WerbeWoche-Redaktor Luca Aloisi besuchte am selben Abend das Agenturfest von Lang Gysi Knoll, das in Bern über die Bühne ging (Seite 25).
Wer sonst stimmgewaltig auftritt, mit leisen Tönen feiert oder im Domina-Look zur Fete bittet, wird an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

News: Edipresse spart an internet-jobs

Edipresse Online wird als selbstständige Unternehmenseinheit aufgehoben und in Edipresse Suisse integriert.

Edipresse Online wird als selbstständige Unternehmenseinheit aufgehoben und in Edipresse Suisse integriert.News Edipresse spart an Internet-Jobs Die Integration, die rund 20 Arbeitsplätze einspart, erfolgt aus Kostengründen. Ab dem 1. Januar 2002 werden alle Aktivitäten, die die Information sowie Projekte zur Entwicklung neuer Inhalte in anderen Medien (Internet, Mobiltelefon, TV usw.) betreffen, in der neu geschaffenen Unit Nouveaux Medias & Services zusammengefasst. Die Unit wird von Christophe Rasch geleitet. Für nächstes Jahr kündigt Edipresse die Umstrukturierung von www.edi com.ch und der Sites der Edipresse-Tageszeitungen an. Ebenfalls für nächstes Jahr plant Edipresse eine Neupositionierung ihrer Tageszeitung 24 Heures. Projektleiter ist David Moginier, bisher Chefredaktor von www.edicom.ch
Gruntz startet neu Nach drei Jahren Pause ist die neunte Ausgabe des Berner Jugendmagazins Gruntz erschienen. Mit einem neuen Konzept: Gruntz besteht jetzt aus mehreren kleinen, unabhängig produzierten Magazinen, die sich mit den Subkulturen Skateboard, Snowboard, Graffiti, Breakdance, Hiphop und Breakbeats befassen. Rund 100 freie Mitarbeiter reichten Beiträge zu Gruntz ein; künftig sollen sich die Leser selbst beteiligen. Hinter dem 132-seitigen Magazin steht die Berner Event- und Produktionsfirma Wiseguys; als Vermarkterin tritt Publimag auf.

Aufgefallen: Wie man vergangenes Wochenende in der SonntagsZeitung ausführlich lesen durfte, steckt nicht nur die Welt, sondern ganz besonders die Schweiz in einer Krise.

Wie man vergangenes Wochenende in der SonntagsZeitung ausführlich lesen durfte, steckt nicht nur die Welt, sondern ganz besonders die Schweiz in einer Krise. Als Folge davon wird etwas weniger verreist, etwas weniger der Arbeitsplatz gewechselt und g

Wie man vergangenes Wochenende in der SonntagsZeitung ausführlich lesen durfte, steckt nicht nur die Welt, sondern ganz besonders die Schweiz in einer Krise. Als Folge davon wird etwas weniger verreist, etwas weniger der Arbeitsplatz gewechselt und ganz wichtig – viel näher zusammengerückt. Und zwar innerhalb der Familie und des Freundeskreises. Vorbei sind die Zeiten des egomanen Singledaseins, denn lustiger (oder wärmender) ist das Gruppenleben. Wer jetzt noch keinen Duvetpartner gefunden hat, der findet keinen mehr. Lange nach Rainer Maria Rilke hat die Werbung diesen Trend bereits vor allen Katastrophen der letzten Monate erahnt und entsprechende Kampagnen kreiert. Und da Sex nach wie vor Bestseller Number one ist, werden die seit dem 11. September sich suchenden und findenden Menschengruppen nicht einfach beim Kochen oder TV-Glotzen gezeigt, sondern beim «gegenseitigen Mutmachen». Was unsere Eltern in den 68ern feierten, können wir 68er jetzt endlich nachholen.Darauf freut sich Chandra Kurt, Jahrgang 1968.
Kolumne

Ratschläge Von Michael Barney
Schwimmen lernt man im Wasse und nicht an Land. In der Werbung nennt man das learning by doing. Als Quereinsteiger, vom Schaufensterdekorateur zum Werbetextervolontär, habe ich fast alles by doing und durch Abgucken gelernt. Die ersten Lehrmeister waren Bücher von David Ogilvy und Howard L. Gossage und Anzeigen von DDB für VW. Später kamen die Arbeiten von GGK, TBWA und Lürzer, Conrad dazu. Ich wollte so denken und schreiben wie sie. Und das gilt auch heute noch, obwohl ich weiss, dass sich vieles geändert und verändert hat. Geblieben allerdings scheint der Irrtum, die Empfänger unserer Werbebotschaften seien dumm, simpel oder schwer von Begriff. Woher sonst zeugen solche Argumente wie: «Die Headline versteht keiner.» Oder: «Die Telefonnummer und die www-Zeile müssen grösser sein.» Noch schlimmer: «Der Messehinweis nebst Logo muss kreativer ausgetextet werden.» Oh, liebe Besserwisser, für wie bescheuert haltet ihr eigentlich eure Zielgruppen? Wie plump, wie laut und wie dämlich müssen Botschaften denn sein, damit sie eurer Meinung nach «verstanden» werden? Bringt ein dickes Expo.02-Logo den Leser dazu, alles stehen und liegen zu lassen, um sofort zum Kaufakt zu eilen? Leiht er sich, in der S-Bahn sitzend, beim Nachbarn sofort einen Schreiber aus, um sich eure Faxnummer zu notieren? Sagt er abends zu seiner Frau: «He, die Headlines aller Anzeigen, die ich heute sah, habe ich komplett kapiert, toll, was?» Verschiebt jemand seinen längst geplanten Urlaub wegen einer kreativ getexteten Messestandangabe nebst Logo? Überfällt jemand eine Filiale, weil der Absender stolz auf ein Expo.02-Logo hinweisen konnte? Und dürfen Texte nie mit einem Und oder Sondern beginnen? Nein, der laufende Schwachsinn beginnt woanders. Gossage hat das einmal so formuliert: «Bei der Werbung darf jeder, der einen Ball mitbringt, mitspielen.» Kein Ratschlag, sondern Wahrheit.
Michael Barney ist Senior-Copywriter bei Lowe Lintas GGK, Zürich.
Sprachbeobachter

Die kleinsten Fehler der Welt1. Telegramm
Komm nicht zu spät!
Komm nicht, zu spät!
2. Mach bitte nicht auf, liebe Susi.
Mach bitte nicht auf Liebe, Susi.
3. Das Gesetz sagt, das Gewissen spielt keine Rolle.
Das Gesetz, sagt das Gewissen, spielt keine Rolle.
4. Ralf Schuppisser betrat die Bar auf dem Kopf, den Helm an den Füssen, die lehmverschmierten Motorradstiefel in der Hand, ein überfahrenes Huhn mit einem listigen Funkeln in den Augen.
Ralf Schuppisser betrat die Bar, auf dem Kopf den Helm, an den Füssen die lehmverschmierten Motorradstiefel, in der Hand ein überfahrenes Huhn, mit einem listigen Funkeln in den Augen.
5. Was sagte der Chef bei der Besprechung?
Gut hast du gearbeitet.
Gut, hast du gearbeitet.
6. Was willst du noch mehr?
Was, willst du noch mehr?
7. Druckfehler im Tagi
Skindheads
8. Andere gute Produkte
Andere, gute Produkte
9. Zu zweit oder zu dritt?
Karl, mein Bruder und ich gingen spazieren.
Karl, mein Bruder, und ich gingen spazieren.
10. «Die Stadt Göttingen, berühmt durch ihre Würste und Universität…»
(Aus Heinrich Heines «Harzreise». Vor dem Wort Universität müsste streng grammatikalisch ein zweites ihre stehen, denn die Würste stehen im Plural, die Universität im Singular. Die Stelle erregte Anstoss, da sich Würste und Universität durch die Unterlassung zu nahe kamen. Die Göttinger Behörden verboten das Buch.)
11. Das längste je gedruckte Wort stammt aus der amerikanischen Fachzeitschrift «Chemical Abstracts» – und enthält einen Schreibfehler:
Acetylseryltyrosylserylisoleucylthreonylserylprolylserylglutaminylphenylalanylvalylphenylalanylleucylserylserylvalyltryptophylalanylaspartylprolylisoleucylglutamylleucylleucyllasparaginylvalylcysteinylthreonylserylserylleucylglycllasparaginylglutaminylphenylalanylglutaminylthreonylglutaminylglutaminylalanylarginylthreonylthreonylglutaminylvalylglutaminylglutaminylphenylalanylserylglutaminylvalyltryptophyllysylprolylphenylalanylprolylglutaminylserylthreonylvalylarginylphenylalanylprolylglycylaspartylvalyltyrosyllysylvalyltyrosylarginyltyrosylasparaginylalanylvalylleucylaspartylprolylleucylisoleucylthreonylalanylleucylleucylglycylthreonylphenylalanylaspartylthreonylarginylasparaginylarginylisoleucylisoleucylglutamylvalylglutamylasparaginylglutaminylglutaminylserylprolylthreonylthreonylalanylglutamylthreonylleucylaspartylalanylthreonylarginylarginylvalylaspartylaspartylalanylthreonylvalylalanylisoleucylarginylserylalanylasparaginylisoleucylasparaginylleucylvallasparaginylglutamylleucylvalylarginylglycylthreonylglycylleucyltyrosylasparaginylglutaminylasparaginylthreonylphenylalanylglutamylserylmethionylserylglycylleucylvalyltryptophylthreonylserylalanylprolylalanylserine.
12. Wir bitten unsere Gäste, nicht zu rauchen.
Wir bitten, unsere Gäste nicht zu rauchen.
Beat Gloor, www.textcontrol.ch

Warte nie auf den Mediaplaner

Die Verlagstagung der Publimag suchte Antworten auf die Frage: «Kundenzeitschriften – Lust oder Frust?»

Die Verlagstagung der Publimag suchte Antworten auf die Frage: «Kundenzeitschriften – Lust oder Frust?»Von Andreas Panzeri Seit 1995 ist die Zahl der Kundenzeitschiften im deutschsprachigen Raum von 1700 auf über 3000 angewachsen. Insgesamt 457 Millionen Exemplare werden heute
pro Erscheinungsintervall verteilt. «Sind sie auch ein interessantes Medium für Anzeigenkunden?», fragte eine Talkrunde an der Verlagstagung der Publimag.
In der Schweiz geht die Publimag von über 400 Kundenzeitschriften aus. «Zwei Drittel der grössten 200 Unternehmen haben ein solches Magazin», präzisierte Stefan Staub bei seiner Begrüssung im Zürcher Kongresshaus. Die Potenziale seien noch lange nicht ausgeschöpft, weshalb laufend neue Firmen gegründet würden, die sich ausschliesslich auf Kundenzeitschriften spezialisierten.
Für viele Verlage seien solche Publikationen längst schon zu einem zweiten Standbein geworden. Die Gesamtauflage der Kundenzeitschriften übertreffe bei weitem die Tagespresse. Ist das heimliche Schwergewicht im Schweizer Blätterwald somit auch ein Geheimtipp für Mediaagenturen?
Bevor Andy Lehmann vom Mediahaus Seefeld zu dieser Frage eine ernüchternde Analyse abgeben wollte, hat Ulrike Röttger vom Publizistischen Institut der Universität Zürich erst die Ergebnisse einer Studie zum Thema «Die Kundenzeitschrift in der schweizerischen Medienlandschaft» präsentiert.
Durchschnittlich 4,5- mal pro Jahr erscheinen nach ihren Forschungen Kundenzeitschriften. Die erste wurde 1894 von der damaligen Kreditanstalt herausgegeben. Heute unterstützen die meisten in einem Crossmediasystem das Internet. «Diese interaktive Bedeutung wird aber von den meisten Firmen noch zu wenig gepflegt», weiss Röttger.
Sie fand auch heraus, dass Kundenzeitschriften vom Publikum nur ernst genommen werden, wenn sie einen Nutzwert für den Leser haben. Sie müssen journalistisch professionell gemacht sein und sollten exklusive Infos vermitteln oder allgemeine Infos «schneller und mit geringerem Aufwand rezipierbar machen». Am meisten Aufmerksamkeit können sie ernten, wenn sie Entwicklungen auch mit ihren negativen Seiten journalistisch thematisieren, statt mit einem veralteten PR-Konzept «positive Endresultate beschönigend darzustellen».
Fremdinserate würden bei den meisten Kundenzeitschriften als «ideal zur Refinanzierung» angesehen. Die Firmenzeitschriften glauben, ein gut definiertes Zielpublikum anbieten zu können.
Kundenzeitungen müssen proaktiv auf den Markt gehen
Spätestens hier musste Andy Lehmann einwenden, dass die Verleger von Kundenzeitschriften das Wort «Fremdinserate» sofort vergessen sollten. Ein sinnvoll platziertes Inserat dürfe sich nämlich nie «fremd» in einem Medium fühlen. In launiger Art demonstrierte dann Lehmann, dass auch die Idee mit dem klar definierten Zielpublikum bei Kunden- oder Mitgliedschaftsmedien dem Mediaplaner noch lange nicht eitel Freude bedeutet.
Die Zeitschrift der Briefmarkensammler richte sich zwar klar an Briefmarkensammler. Diese könnten sich aber vom pensionierten Bankdirektor bis zum Backfisch erstrecken, der Briefmarken mit Schmetterlingsmotiven sammle. Ähnlich soziodemografisch zerrupfen könne man auch das «Zielpublikum» der Coop-Zeitung, die in 60 Prozent aller Haushalte verteilt wird.
Lehmann appellierte deshalb an die Verleger von Kundenzeitschriften, dass sie das Konferenz-thema «Kundenzeitschriften – Lust oder Frust?» zuerst einmal im Sinne von «viel Lust für Arbeit» interpretieren müssten. Mediaagenturen vermissen neben einem Titelverzeichnis vor allem professionell brauchbare Daten. «Die grossen Verlagshäuser bieten viel mehr Service für ihre Anzeigenkunden», meint er.
Sein wichtigster Rat schliesslich an die Inserateverkäufer von Kundenzeitschriften: selber aktiv werden bei potenziellen Inserenten und nicht warten, bis ein Mediaplaner anrufen könnte.
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