Aufgefallen: Fällts auf, oder bilde ich mir beim Blick auf diese Anzeigen etwas ein?

Fällts auf, oder bilde ich mir beim Blick auf diese Anzeigen etwas ein? Wie dem auch sei: Die beiden Models sehen verblüffend ähnlich aus – verblüffend ähnlich auch die Haltung der Körper, die einmal für Unterhosen und einmal für Schuhe werben. So, w

Fällts auf, oder bilde ich mir beim Blick auf diese Anzeigen etwas ein? Wie dem auch sei: Die beiden Models sehen verblüffend ähnlich aus – verblüffend ähnlich auch die Haltung der Körper, die einmal für Unterhosen und einmal für Schuhe werben. So, wie freischaffende Texter oder Journalisten für mehrere Auftraggeber arbeiten, müssen wohl freischaffende Models für diverse Modehäuser antreten. Auffallend wirds nur, wenn die beiden Anzeigen nur wenige Seiten von einander entfernt sind wie in diesem Fall. Überzeugen kann man sich davon in der neuen Wallpaper-Ausgabe. Aufschlussreich sind zudem die Perspektiven. Während auf der Schuhanzeige die Aufmerksamkeit primär der Stellung der beiden Oberkörper gilt, gelingt es D&G, das Auge auf die Ware zu bannen. Chandra Kurt [email protected]

Der Seiten-Sprung
Von Anna Esposito
Früher lieferte die NZZ die bleischweren Inhalte, und der Blick war schlicht ein Revolverblatt. Während die Alte Tante Meinungen bildete, stimulierten die Ergüsse der Klatschtanten-Liga ganz andere Zonen. Das ist vorbei. Der Blick zum Wochentag und der zum Sonntag ziehen nun gleich mit dem Osservatore Romano und machen in Doppelmoral, denn das ist wirklich geil. Das Leibblatt von Herrn und Frau Bünzli, das uns gerne blutti Wiiber präsentiert und nur die genauen Tatsachen nicht so scharf sieht, berichtet – jetzt neu – die nackte Wahrheit. Vom primitiven Stinkefinger gegen böse Ausländer zum erhobenen Zeigefinger gegen Botschafter im Ausland ist es nur ein kleiner, unbewiesener Seiten-Sprung. Kein Wunder, geschah dieser Medien-Machtwechsel, predigt doch hinter der ganzen Druckerschwärze eine Lichtgestalt wie Michael Ringier die obersten Gebote. Nachdem seinem Verlag die Weltwoche, der Beobachter und andere heilige Kühe der Schweizer Presse-kultur durch die Latte gegangen sind, hörte man ihn psalmodieren, es gebe einfach zu wenig gute Journalisten in der Schweiz. Er erwäge einen Intelligenzia-Import aus Deutschland. In diesem Licht zeigt sich nun das wahre Ziel der ganzen Kampagne gegen das Borer-Paar. Ein paar clevere Ringier-Consultants haben das ultimative 2-für-1-Powerpack geortet. Selbstverständlich ist es Shawne, die schöne Fielding, die man nach Hause holen wollte. Als journalistische Verstärkung für das Haus Ringier vereint sie auf ihre Person zwei ins Auge springende Vorteile. Sie kann jederzeit als Seite-3-Girl herhalten und gleichzeitig, quasi instantmässig, für einen Haufen Klatsch sorgen. Doch die Südstaatenbeauty wird auf die Millionenofferte antworten, wie einst Rhett Butler seiner Scarlett O’Hara am Ende von «Gone with the Wind»: «Frank, my dear, I don’t give a dime.»
[email protected]
Anna Esposito ist Texterin und Mitinhaberin von Brot und Spiele, Zürich.
Business Lunch

Hier hat die Pasta eine feste Burg
Hat der Gast die Türschwelle übertreten, ist er in einer anderen Welt. In Mauris La Roccas Welt. La rocca heisst der Fels, die Festung. Und so falsch ist das nicht, denn das Lokal besitzt zwei Ebenen, eine davon ist erhöht: Man thront feierlich über den anderen Gästen und fühlt sich wie auf dem Balkon. Allerdings: Ein wenig eng ist es schon auf dieser Empore – schmisse Mauris noch zwei, drei Tische raus, könnte man auch ausgewachsene Klaustrophobe zum Essen einladen. Aber nein, er will ausbauen – soll er doch. Darum ists für den diskreten Businesstalk weniger geeignet.
Mal abwechslungsweise nicht am Mittag, sondern an einem Abend dort gegessen und zu zweit 500 Franken weggeputzt. Gut, die Hälfte der Rechnung dürfte der Chardonnay von Gaja belastet haben und weniger das Essen. Mittags kommt der Gast zu zivilen Preisen davon. Drei Menüs stehen zur Wahl, zwischen 25 und 39 Franken. Aber das heisst so viel: Tagesteller plus Salat. Wer gerne davor noch einen Teller Pasta verschlingen will und danach noch ein Dessert, kommt dann gut und gerne auf sechzig Franken, mehr oder weniger. Lohnt sichs?
Sì, sì. Die Pasta ist frisch, schön angerichtet und wird dem Gast im Rohzustand am Tisch präsentiert, bevor sie ins simmernde Salzwasserbad kippt. Das regt die Fantasie an, und man stillt den ersten kleinen Hunger mit hausgebackenem Olivenbrot. Enttäuscht wird man keineswegs, wenn das Ergebnis kulinarischer Fertigkeit auf dem Teller liegt. Beim zweiten Gang, Wolfsbarsch gegrillt mit Gemüse, wirkt die Sache schon weniger inspiriert – bleibt aber tadellos in Konsistenz und Geschmack. Was Wunder, schliesslich steht gleich beim Eingang ein Grill, und der Maestro verströmt mit seiner persilweissen Kochbluse viel Kompetenz, wenn er mit Grillzange Feuer und Flamme dirigiert.
Alta cucina ist das freilich nicht. Und beim Dessert wurde das Dinner gar etwas flach: Die Cassatta kam aus einer Packung, die ich jeweils im Supermarkt links liegen lasse…Schade. Offene Weine gibts über Mittag drei, einer davon steht bei mir in der Küche, ist äusserst angenehm zu einem Teller Spaghetti und kostet bei Vergani 9.80 Franken – die Flasche. Umfangreicher ist die Siebendeziliste. Sommers lockt ein schöner Garten. Carlo Bernasconi [email protected]
Ristorante La RoccaLimmatstrasse 273
8005 Zürich
Tel. 01 271 92 77
Fax 01 272 72 98
Parkplätze sind in diesem Quartier Glückssache.

Neuer BSW-Vorstand

An seiner Mitgliederversammlung hat der Branchenverband Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen (BSW) Hervé Devanthéry (Synthèse, Ecublens), Christoph Kaufmann (OMD Schweiz, Zürich)

An seiner Mitgliederversammlung hat der Branchenverband Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen (BSW) Hervé Devanthéry (Synthèse, Ecublens), Christoph Kaufmann (OMD Schweiz, Zürich), Peter Leutenegger (FCB Leutenegger Krüll, Wallisellen) und Andreas Widmer (Futurecom Interactive, Zürich) neu in den Vorstand gewählt. Mit Kaufmann und Widmer sitzen erstmals Vertreter von Media- und Spezialagenturen im BSW-Vorstand.Aus dem Vorstand ausgetreten sind Fredy Collioud (Publicis, Zürich) und Peter Felser. Er muss gemäss Statuten mit seinem Austritt bei Advico Young & Rubicam den Vorstand verlassen.
Hanspeter Detsch (TBWA Switzerland) wurde erwartungsgemäss zum Präsidenten gewählt. Der neue Präsident «elect», der im nächsten Jahr die Präsidentschaft übernehmen wird, heisst Dominique von Matt (Jung von Matt/Limmat).
Diana Strebel darf nach ihrem Austritt bei Publicis, Zürich, Ende 2001 nicht mehr dem Vorstand angehören. Sie tritt in den Ausstand, bis ihre neue Stelle bekannt ist. Sollte sie wieder bei einer BSW-Agentur arbeiten, sitzt sie wieder im Vorstand. (ba)

Die heile Welt im Auge

In der Werbung kommt wieder vermehrt die Illustration zum Zuge

In der Werbung kommt wieder vermehrt die Illustration zum ZugeVon Ernst Weber In Schweizer Werbekampagnen wird wieder vermehrt zur Illustration gegriffen. Sie erlaubt eine detailreiche und zielgenaue Darstellung eines Produktes oder einer Lebenshaltung. Offen bleibt die Frage, ob die erneute Häufung illustrierter Auftritte mit den Ängsten der Konsumenten oder lediglich mit dem Zeitgeist zu tun hat.
In den vergangenen Jahren spielte die Illustration auf der Ebene der Image- und Markenwerbung keine federführende Rolle. Abgesehen von Ausnahmen wie etwa den Zeichentrickfilmen für das angeblich Flügel verleihende Red Bull und die Damenbinde Always oder dem Auftritt der Mobiliar-Versicherung wurde die Schweizer Dachkommunikation visuell von der Fotografie dominiert. Das Einsatzgebiet der Illustration beschränkte sich auf untergeordne-te Werbemittel wie Einzelmotive und Aktionswerbungen sowie auf die visuelle Auflockerung etwa von Geschäftsberichten.
Mit Illustrationen lässt sich (fast) alles bewerben
Die Fotografie wird wohl auch in Zukunft das primäre visuelle Ausdrucksmittel der Werbung bleiben, doch blitzen in den lange Zeit geschlossenen Reihen der Fotokampagnen seit einem Jahr vermehrt illustrierte Dachauftritte und Markenkampagnen auf.
Eine Anhäufung dieser Art ereignet sich nicht zum ersten Mal. Thomas Lüber, CD bei Lesch + Frei (L+F), Zürich, und der Zürcher Illustrator Christian Kitzmüller beobachteten das Phänomen bereits zu Beginn der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Damals war gerade die Airbrush-Technik im Schwange. Auch in der Mitte des darauf folgenden Dezenniums kamen für kurze Zeit illustrierte Kampagnen in Mode (WW 42/95). Und nun rollt bereits wieder eine neue Illustrationswelle über die Schweizer Werbung.
Die Massierung zeigt sich beispielsweise in den Spendenauftritten, die L+F für das Zoorama – den Kinderzoo des Zürcher Zoos – und für die Hilfsorganisation Swissaid konzipiert hat. Bei Letzterer kam der Anstoss von Swissaid. «Ein Foto hätte den Eindruck erwecken können, eine bestimmte Person sei gemeint», sagt Werner Küng, Leiter der Abteilung Information und Fund Raising bei Swissaid. Ferner in einer fotorealistisch illustrierten Imagekampagne derselben Agentur für die Brauerei Eichhof. Auch Euro RSCG, Zürich, beanspruchte kürzlich die Illustration bei einem Auftritt für das virtuelle Habbo Hotel des Telecomanbieters Orange. Die modischen Schrecken, die die Modemarke Big durch einen von Ruf Lanz gestalteten Plakatauftritt verbreitet, werden durch eine Kombination aus Fotografie und Illustration dargestellt. In einer ebenfalls von Ruf Lanz konzipierten neuen Leserkampagne für das NZZ Folio sind illustrierte Visuals die Träger der Kernbotschaft. Und im Werbefernsehen erklärt derzeit ein flauschig illustrierter Bär dem Betrachter die Eigenschaften des neuen Toilettenpapiers Charmin.
Das vorläufig jüngste Beispiel eines illustrierten Markenauftritts bildet eine Kampagne von Wirz, Zürich, für den legendären italienischen Nachkriegsroller Vespa, der 1946 von Corradino d’Ascanio und Enrico Piaggio erfunden worden ist. Piaggio, Besitzer einer nach Kriegsende stillgelegten Rüstungsfabrik, wollte durch den Bau der Vespa verhindern, dass seine 12000 Arbeiter auf der Strasse stehen.
Die heutigen Illustrationen im Pin-up-Stil stimmen mit der Geschichte des Rollers überein. Es wirkt nicht aufgesetzt, dass sie die Erinnerung an jenes italienische Lebensgefühl zu wecken versuchen, das den Wiederaufbau des Landes damals begleitete. Dass diese Erinnerung beim heutigen Zielpublikum noch lebendig ist, ging aus Umfragen hervor: «Zur Marke Vespa wurden Namen wie Sophia Loren und Cary Grant assoziiert, die Befragten trauerten dieser verschwundenen Welt irgendwie nach», sagt Sven Oeschger, Strategischer Planer bei Wirz.
Die Massierung ist logisch und plausibel zu erklären
Für die relativ unvermittelte erneute Häufung illustrierter Auftritte werden unterschiedliche Gründe genannt. Wirz-CD Matthias Freuler, Thomas Lüber und Agenturinhaber Markus Ruf – sie alle setzen die Illustration nur dann ein, wenn eine konzeptionelle Notwendigkeit dies verlangt – schreiben die Massierung dem Zufall zu. Mehrfach wird das zyklische Auftreten von gezeichneten Werbebotschaften durch eine Übersättigung der Wahrnehmung erklärt, die sich nach einer länger anhaltenden fotografischen Periode einstellt. Lüber sagt: «Im Moment ist die Fotografie wahrscheinlich ein wenig ausgereizt, deshalb greift man nun wieder zum Stilmittel der Illustration.» Matthias Freuler wie Christian Kitzmüller bringen die Zunahme mit Geldknappheit in Verbindung, die derzeit offenbar nicht selten zu Budgetkürzungen führt.
«Die Aufträge nehmen im Augenblick zu, auch wenn nicht alles realisiert wird. Um sich die Kosten für das Model, die Statisten, die Location, die Stylistin und die Visagistin zu sparen, greift man für aufwändige Bilder wieder öfter auf Illustrationen zurück», so Kitzmüller.
Die grösste Übereinstimmung herrscht in der Wahrnehmung, wonach jede Illustration – und sei sie auch noch so fotorealistisch gezeichnet – eine Illusion darstellt. Lüber etwa attestiert ihr «eine Dimension mehr, die die Fotografie gar nicht mehr ausdrücken kann». Kitzmüller stuft die Fotografie als geeignet ein, um etwas als besonders realistisch, nüchtern und glaubwürdig darzustellen. Gerade Banken und Versicherungen würden deshalb oft darauf zurückgreifen. «Bei einer Foto hat man immer das Gefühl, sie sei ein Spiegelbild der Realität. Will man aber eine Illusion oder Traumwelt darstellen, ist die Illustration besser geeignet», sagt Kitzmüller. In diesen Kanon stimmt auch der Zürcher Illustrator John Hollander ein: «Viele meinen, dass ein Foto glaubwürdiger ist.»
Häufen sich Illustrationen in Zeiten des Unbehagens?
Offen bleibt die Frage, weshalb sich die Werbewelt ausgerechnet den jetzigen Zeitpunkt ausgesucht hat, um in die illusionäre Darstellungswelt zu entfliehen. Dem Antwortversuch liegt die philosophische Ansicht zu Grunde, dass der Mensch nichts in die Welt setzen kann, was nicht bereits in ihm angelegt ist – ein gemeinsames Gefühl zum Beispiel, das zu einer bestimmten Zeit eine ganze Gesellschaft bewegt, wie etwa das beschriebene italienische Nachkriegsgefühl.
Voraussetzung dafür ist natürlich die Begabung der Künstler und Kreativen, Gesamtgefühle der genannten Art wahrzunehmen und unbewusst in ihren Werbearbeiten wiederzugeben.
Danach könnte eine Antwort auf das häufigere Auftreten der Illustration darin zu suchen sein, dass Konsumentinnen und Konsumenten derzeit ein gesteigertes Bedürfnis nach Illusionen verspüren. Dieses Bedürfnis kann etwa durch das Gefühl von Unsicherheit ausgelöst werden. Ein Gefühl, das viele vermehrt beschäftigt, seit die Wirtschaft eindeutig rückläufige Tendenzen aufweist, die Gewalt zunimmt, Krisen eskalieren und die Angst vor dem Terrorismus umgeht.
Da es Aufgabe der Werbung ist, die Dinge in ein vorteilhaftes Licht zu rücken, versucht sie, diese Sehnsucht des Konsumenten zu stillen. Dazu hält sie ihnen die Illusion der kindlichen Unschuld vor Augen, die die Illustration wahrscheinlich per se ausdrückt. Zeichnen ist eine Tätigkeit, die vor allem von Kindern in nicht zweckgebundener («unschuldiger») Absicht ausgeübt wird.
Daniel Süess, Kommunikations- und Medienpsychologe und Lehrbeauftragter an der Hochschule für angewandte Psychologie in Zürich, sagt: «Die Illustration abstrahiert sicher stärker als die Fotografie und liegt daher weiter von der Abbildung von Realität entfernt. In der Wahrnehmung des Publikums ist sie stärker gestaltet und weiter weg vom Alltag. Wenn nun der Alltag als schwierig und bedrückend erlebt wird und mit Ängsten verbunden ist, dann wendet man sich lieber einer gestalteten Welt zu, um positive Gefühle zu entwickeln.»
Gestützt wird diese Annahme durch die Tatsache, dass die beiden letzten Häufungen ebenfalls in problematischen Zeiten auftraten: Anfang der Achtzigerjahre beherrschte das Waldsterben die öffentliche Diskussion. Das allgemeine Umweltbewusstsein erwachte. Mitte der Neunzigerjahre mischten sich die USA in den Balkankonflikt ein. Es wurde die Ohnmacht Europas sichtbar, die Kriege in Ex-Jugoslawien aus eigener Kraft beizulegen.

«Der Kampf hat erst begonnen»

Konsumkritiker Kalle Lasn über seine Wut und die «Generation mindfucked»

Konsumkritiker Kalle Lasn über seine Wut und die «Generation mindfucked»Von Oliver Classen Seit zwölf Jahren sind die Adbusters der Alptraum jedes Marketingchefs. Kalle Lasn, Gründer und Chef der kanadischen Antiwerber (siehe auch der Beitrag auf Seite 14), will seine subversiven Ideen nun auch in Europa Wurzeln schlagen lassen.
Neben Adbusters existierte in Nordamerika bis Ende letzten Jahres noch ein zweites medienkritisches Magazin. Dieses hiess nach seinem Herausgeber Brill’s Content und mahnte im Untertitel «Skepsis ist eine Tugend». Adbusters tut im Prinzip ja nichts anderes, gewinnt aber stetig an Auflage.
Kalle Lasn: Dass Brill’s Content eingegangen ist, hat uns betrübt, aber nicht überrascht. Das Heft hatte zwei Schwächen: Es wurde darin mit Insiderstorys hauptsächlich journalistische Nabelschau betrieben, und dies in einem ziemlich altbackenen, akademischen Stil. Wenn schon beim ersten Durchblättern nur gepflegte Langeweile aufkommt, nützt auch die ehrenwerteste aufklärerische Absicht nichts.
Adbusters kleidet seine Konsum- und Kulturkritik in avantgardistisches Design. Ist dieser jugendliche Fun-Faktor der Schlüssel zum Erfolg?
Lasn: Unsere Arbeit ist nicht Bestandteil der Spassgesellschaft, sondern ein Gegenentwurf dazu. Was uns von den meisten alternativen Presseerzeugnissen unterscheidet, ist vermutlich die Adbusters-spezifische Mischung aus idealistischer Leidenschaft und handwerklicher Professionalität. Wir haben eine Message, und wir wissen, wie sie am effizientesten unters Volk zu bringen ist, nämlich mit eigenen Medien und Werbekampagnen. Dieses Social Campaigning und Subvertising macht bei allem Ernst in der Sache immer wieder eine Menge Spass. Und der spricht auch aus unseren Artikeln und Aktionen.
Seit 1989 haben Sie neben Adbusters Magazine auch die Agentur Powershift und eine Stiftung für unabhängige Medien gegründet. Woher beziehen Sie die Energie und Überzeugungskraft, mit der Sie dieses Aktivistennetzwerk geknüpft haben?
Lasn: Aus meiner unbändigen Wut. Es macht mich zornig, dass ein halbes Dutzend Medienkonzerne über die Hälfte aller weltweit verbreiteten Nachrichten und Unterhaltung kontrollieren. Auf diese Meinungsdiktatur muss aufmerksam gemacht werden, und zwar mit allen «tricks of the trade». Nicht weniger schlimm ist die durch Werbung verursachte mentale Umweltverschmutzung. Dass Adbusters mit dieser Einschätzung nicht allein steht und gerade im Kommunikationsbusiness eine Menge Sympathisanten hat, ist schön, aber eigentlich nicht weiter verwunderlich. Schliesslich ahnen heute immer mehr Menschen, dass unser Planet mit Werbung und so genannten Informationen systematisch zugemüllt wird. Wirklich wissen tun es aber jene, die diesen Schrott täglich produzieren, also Werber und Journalisten. Die bilden zusammen mit Designern und Künstlern denn auch das Rückgrat unseres globalen Netzwerks.
Wie viele solche «Culture Jammers» («Verweigerer der Konsumkultur») erreichen Sie heute mit Adbusters Magazine und adbusters.org?
Lasn: Auf unserer Website tummeln sich täglich so um die 10000 Besucher, Tendenz rapide steigend. Registrierte Nutzer, die zugleich Empfänger unseres Newsletters sind, haben wir zurzeit etwa 60000. Auch die Auflage der Zeitschrift sprengt alle Erwartungen und liegt gegenwärtig bei knapp 100000 Exemplaren. Drei Viertel davon verkaufen wir in den USA und in Kanada, den Rest in Übersee. Am meisten euro-
päische Abonnenten haben wir in Grossbritannien und Skandinavien, aber auch Holland und das deutschsprachige Europa sind wachsende Märkte, wo wir via Kioskverkauf verstärkt präsent sein wollen.
Ihre Organisation profitiert stark von der Antiglobalisierungsbewegung. Die hat Ihren Zenit inzwischen aber überschritten.
Lasn: Das glauben Sie! Mein Eindruck von der Protestfront ist ein ganz anderer. Viele Aktivisten insbesondere der jüngeren Generation fühlen sich durch ihre von Markendiktat und TV-Terror gezeichnete Kindheit psychologisch derart missbraucht, dass ihr Zorn auf die Konsumgesellschaft lange nicht verrauchen wird. «They mindfucked us. It’s time to fuck them back now.» So lautete ein einprägsames Motto der Steinewerfer von Seattle. Der Kampf gegen medialen Schwachsinn, «corporate criminalism» und dessen verheerende Auswirkungen auf die kollektive Psyche hat erst begonnen. Seattle war sozusagen der Sturm auf die postmoderne Bastille. Nun kommt die zweite französische Revolution in Fahrt …
… und forderte in Genua bereits ihr erstes Todesopfer. Sind Gewalt und illegale Kampagnen wie die Adbusters-Aktion «Liberating Billboards» legitime Mittel der Gesellschaftskritik?
Lasn: Jede Kulturrevolution hatte ihre gewalttätige Seite. Für mich gehört etwa die Befreiung von Plakatwänden zum zeitgenössischen Spektrum zivilen Ungehorsams. Dieses schöpfen wir aus und erweitern es gelegentlich. Was die radikalen Krawallmacher angeht, halte ich ihre Exzesse für einen problematischen, letztlich aber integralen Bestandteil der Bewegung. Ohne ein paar Scherben, blaue Flecken und den einen oder anderen Märtyrer gehen solche politischen Prozesse nicht ab.
Protest und Pazifismus schliessen sich Ihrer Ansicht nach aus. Es scheint Ihnen aber keine Mühe zu bereiten, dass Ihr Buch «Culture Jam» in Rupert Murdochs Harper-Collins-Verlag erscheint.
Lasn: (lacht) Wir alle sind wandelnde Widersprüche und leben in einem Spiegelkabinett aus Kompromissen und Gegensätzen. Dass ausgerechnet mein Lieblingsfeind Murdoch die Rechte an meinem Erstling gekauft hat, ist mir nach anfänglichem Ekelgefühl nun gar nicht so unrecht. Manche subversive Idee reist am schnellsten und weitesten, wenn man sie als Trojanisches Pferd in die Welt schickt.
In Norwegen ging Ende letzten Jahres der erste Adbusters-Ableger online. Wann kommt die erste deutschsprachige Filiale?
Lasn: Die Jungs in Oslo haben diese Initiative mit Billigung, aber ohne konkrete Unterstützung unserer Zentrale in Vancouver gestartet. Wir haben nichts dagegen, wenn unser Name und unser Logo weiter verwendet werden. Etwa für eigenständige Adaptionen unseres Magazins, wie sie bereits auf Französisch und Hebräisch existieren. Mehr noch: Eine weitere Internationalisierung von Adbusters hat höchste Priorität. Sollten sich also Interessenten aus der Schweiz melden, lassen Sie es mich wissen.

Kopf der Woche: «Ich geniesse die frankofone Leichtigkeit»

Andrea Hemmi ist neue Leiterin Corporate Communications von McDonald’s Schweiz

Andrea Hemmi ist neue Leiterin Corporate Communications von McDonald’s SchweizKopf der Woche «Ich geniesse die frankofone Leichtigkeit»Erste Beziehungen zum Fastfood-Giganten McDonald’s hat Andrea Hemmi bereits in ihrer Kindheit geknüpft. Als der erste Ableger des Hamburgerbräters in Lausanne eröffnet wurde, entdeckte Andrea bei einem Verwandtenbesuch in der Westschweiz den Cheeseburger, der bis heute ihr Favorit geblieben ist. Bei Trimedia lernte Andrea Hemmi als Beraterin die Facetten des Kunden McDonald’s kennen, sodass sie heute als Leiterin der Corporate Communications des Happy-Meal-Anbieters in ein Unternehmen einsteigt, das sie eigentlich schon recht gut kennt.
Derzeit pendelt sie zwar noch fleissig zwischen Zürich und Lausanne und eilt von einem Meeting zum andern, um sich in die neue Aufgabe einzuarbeiten. Trotz Hektik geniesst sie, wie sie es ausdrückt, die frankofone Leichtigkeit, die ihre Arbeit seit Mitte März begleitet. Dass sich das Unternehmen in der Westschweiz befindet, wertet Hemmi als zusätzliche glückliche Komponente. McDonald’s schätzt Andrea Hemmi als Arbeitgeber vor allem deshalb, weil dieses Unternehmen innovativ sei, sich weiterentwickle, in der Öffentlichkeit etwas bewegt habe, nahe bei seinen Kunden sei und ein starkes Image besitze. Andrea Hemmi möchte für McDonald’s einen alle Landesteile gleich behandelnden Informationsstil pflegen.
Ihre schriftstellerische Tätigkeit wird die Autorin von «Flamingoküsse» inskünftig etwas zurückstellen müssen. Obwohl sie bereits als kleines Mädchen mit dem Zeigefingersystem eifrig in die Schreibtasten griff, um ihre Fantasie in kleine Geschichten einfliessen zu lassen, könnte sich Andrea Hemmi nicht vorstellen, als Berufsautorin tätig zu sein. Das wäre zu sehr Knochenarbeit und würde sicher auch nicht mehr so viel Spass machen, ist sie überzeugt. Schreiben soll weiterhin ihr Freizeitvergnügen bleiben. Ein weiteres Werk schliesst sie auch nicht aus, auf ein Thema festlegen lassen will sich Hemmi nicht. Im Moment sei der Kopf sowieso mit andern Dingen angefüllt als mit neuen Romanprojekten, verrät sie. Kommt hinzu, dass sie sich vertieft mit der französischen und englischen Sprache befassen will – und zwar nicht nur aus beruflichen Gründen.
Obwohl sie die Vielseitigkeit des Beraterjobs bei Trimedia geschätzt hatte, wollte sie näher an die Medienfront, um den direkten Kontakt mit der Öffentlichkeit zu pflegen. Das tat sie auch leidenschaftlich gern für ihren früheren Arbeitgeber, TV 3, dessen abruptes Ende die Pressesprecherin lange beschäftigt hat. Obwohl sie sich das Worst-Case-Szenario immer vor Augen gehalten habe, sei sie dann doch überrascht gewesen, welche Emotionen das Ende des Senders bei ihr ausgelöst habe, meint sie rückblickend auf das Debakel in Downtown Schlieren. Anita Vaucher

Muse & Musse: Keith Loell

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?

Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Keith Loell
Keith Loell: Das Kasperlitheater im Park im Grüene. Mein Sohn weiss, was lustig ist.
Was lesen Sie gerade?
Loell: «Das Foucaultsche Pendel» von Umberto Eco. Mord, Humor, Religiöses, Verschwörungen – was will man mehr?
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Loell: Den Soundtrack zum Film «Oh Brother Where Art Thou?»
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Loell: «Snatch».
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Loell: Was ist TV?
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Loell: www.theonion.com
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Loell: Auf meine Frau und mein Kind.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Loell: Meccano.
Liebe ist …?
Loell: … überall.

News: Niveau gehalten

Trotz des Absackens des Werbemarktes hat die LZ Medien Holding im Jahr 2001 den konsolidierten Umsatz mit 134,9 Millionen Franken fast auf Vorjahresniveau (135,5) gehalten.

Trotz des Absackens des Werbemarktes hat die LZ Medien Holding im Jahr 2001 den konsolidierten Umsatz mit 134,9 Millionen Franken fast auf Vorjahresniveau (135,5) gehalten.News Niveau gehalten
Der Konzerngewinn sank um 11,9 Prozent auf 8,9 Millionen Franken. Zum Gruppenumsatz trug die Neue Luzerner Zeitung AG mit 110,7 Millionen Franken bei. Davon entfallen 65,5 Millionen Franken auf den Anzeigenertrag, der damit um 6,6 Prozent sank.
SMD für Geld offen Ab dem 3. April wird die Schweizer Mediendatenbank (SMD) allen zahlenden Kunden zugänglich. Die SMD war 1996 von Ringier, SRG und Tamedia als interner Presseservice gegründet worden. Nun lanciert das Unternehmen den Onlinedienst www.swissdox .ch, der Presseschauen zusammenstellt und Suchen im SMD-Archiv erlaubt. Die monatliche Grundgebühr für die Nutzung von Swissdox.ch beträgt 60 Franken. Dazu kommen 3.80 Franken für Artikel, die im Volltext angezeigt werden.
Pixelpark Schwarz Der deutsche Internetdienstleister Pixelpark hat das zu erwartende Loch in der Kasse bestätigt: Bei einem Umsatz von 81,3 Millionen Euro erzielte Pixelpark vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einen Verlust von 20,2 Millionen Euro. Der Konzernfehlbetrag betrug 86 Millionen Euro. Positiv schloss dagegen die Schweizer Tochtergesellschaft ab. Sie trug 21,7 Millionen Euro (rund 32 Millionen Franken) zum Konzernumsatz bei und erzielte ein Ebitda von 0,9 Millionen Euro.
NTL fast Bankrott Die britische Kabelnetzfirma NTL, Muttergesellschaft der Cablecom, bewegt sich am Rand der Zahlungsunfähigkeit. Zwar erzielte NTL ein positives operatives Ergebnis von 708,3 Millionen Dollar (Ebitda). Das Unternehmen zahlt aber jährlich 1,2 Milliarden Dollar Schuldzinsen und fuhr durch die Abwertung seiner Aktien 2001 einen Rekordverlust von rund 16 Milliarden Dollar ein. NTL verhandelt nun mit seinen Hauptgläubigern über eine Umwandlung von 11,5 Milliarden Dollar Schulden in neue Aktien.

Markencocktail verleiht Flügel

Swiss startet von der Piste der Vergangenheit zum Flug in die Zukunft

Swiss startet von der Piste der Vergangenheit zum Flug in die ZukunftVon Ernst Weber Seit Ostermontag hat die kleine Schweiz wieder eine grosse Airline. Als Voraussetzung für einen erfolgreichen Langstreckenflug muss Swiss schon im Steigflug halten, was die Marke verspricht.
Die Phase zwischen dem Zusammenbruch der Swissair im vergangenen September und dem Start von Swiss am vergangenen Ostermontag war für die Kommunikationsabteilung der neuen Schweizer Fluggesellschaft eine turbulente Zeit. Um die Marke vom Boden zu bringen, arbeiteten die 15 Mitglieder der neuen Werbecrew bis zu 14 Stunden am Tag. Das Team wurde aus ehemaligen Kommunikationsmitarbeitern der Swissair (35 Angestellte) und der Crossair (6) rekrutiert.
Die grösste Schwierigkeit beim Aufbau der Marke Swiss bestand darin, sich für einen Namen und für eine Strategie zu entscheiden. Diskutiert wurden zahlreiche Optionen der Namensgebung, bis man sich für einen neuen Namen für die neue Marke entschied. Aus gutem Grund. Gegen Swissair sprach das bestehende Risiko, wonach die Flugzeuge der hoch verschuldeten Airline im Ausland hätten festgehalten werden können. Den Namen Crossair meinte man wegen seiner geringen internationalen Bekanntheit nicht weiterverwenden zu können.
Schwerkraft ist überwindbar, Vergangenheit nicht
Dennoch wurde die neue Schweizer Flugmarke nicht losgelöst von der Vergangenheit der Swissair aufgebaut, die im Sturzflug am Boden der ökonomischen Realität zerschellt ist. Weil die interkontinental verkehrende Liniengesellschaft sich als Botschafter der Schweiz versteht, erwuchs die Verpflichtung, auch Schweizer Werte wie «Gastfreundschaft, Qualität, Service und Sauberkeit» ins Ausland zu transportieren.
Ferner stieg die Swiss einen Phönix gleich aus der Asche ihrer Vorgängerin hervor. Diese wies nämlich bedeutende Markenwerte auf. So versuchte man etwa die Care-Positionierung der Swissair zu rezyklieren und alte Crossair-Werte wie etwa Effizienz, Dynamik und Jugendlichkeit ins neue Portfolio zu integrieren.
«Swiss soll definitiv keine zweite Swissair werden. Es ist eine sinnvolle Zielsetzung, die hohen Werte der Swissair mit den Werten der Crossair gemeinsam in der neuen Marke zu verankern», sagt Michael Boenigk, Werbeleiter bei Swiss.
Um diese in Zusammenarbeit mit Advico Young & Rubicam (AY&R), Zürich, entwickelte Strategie des Swiss-Brand-Heritage international durchzusetzen, ist ein zweistelliger Millionenbetrag budgetiert. Allein in diesem Jahr kommen noch mindestens 15 Millionen Franken hinzu. So viel kostet nämlich die internationale Launchkampagne, die vom 8. April an sechs Wochen lang zu sehen sein wird. Gestaltet wurde der aus Anzeigen, Plakaten, DM und einem am Ostersonntag ausgestrahlten TV-Spot bestehende Auftritt von der Londoner Agentur Wink Media. Eine weiterführende, die Launchkampagne ablösende Brandkommunikation wird derzeit entwickelt. Sie beinhaltet taktische, integrierte Produkt- und Partnership-Werbung.
Noch besteht kein homogenes Produkterlebnis
Da es bei Kosten dieser Grössenordnung unverantwortlich gewesen wäre, eine Blindflugpositionierung zu riskieren, wurde die Marktforschung als Lotse eingesetzt. Sie definierte und verifizierte die Relevanz der Markenpersönlichkeit der neuen Airline. Erfahrung, On-Board-Befragungen, Focusgruppeninterviews sowie eine mit dem Brand Asset Evaluator von AY&R durchgeführte Studie lieferten die Daten. Darauf stützt sich nun die Positionierung Quality-Made-in-Switzerland.
Sie manifestiert sich zunächst im Visual der Flotte. Die Farben Weiss und Rot stehen für die Schweiz. Durch die Reduktion beabsichtigte man, einen verständlichen und stilvollen Auftritt zu schaffen. In der Schweiz werde diese Brand Identity vielleicht als arrogant wahrgenommen. Man dürfe aber nicht vergessen, dass die Positionierung auch in Märkten wie etwa den USA, in Grossbritannien, Frankreich, Japan, im asiatischen und arabischen Raum tragfähig sein müsse, erklärt Boenigk.
Ferner versucht man, authentisch helvetisch zu sein, indem man an Bord Schweizer Produkte einsetzt. «An Bord wird es keinen Kaviar geben, sondern wir servieren Honest Food», meint Boenigk. Er schätzt, dass derzeit noch existierende Produktabweichungen wie etwa eine relativ gemischte Flotte, unterschiedliche Sitzplatzkonfigurationen oder ein nicht einheitliches Verpflegungskonzept erst gegen Ende 2002 ausgeräumt sein werden.
«Zurzeit gibt es noch kein homogenes Produkterlebnis des neuen Brands. Bis die letzte Stoffserviette an Bord ist und der letzte Plastikbecher aussortiert ist, wird es eine Weile dauern», so der Werbeleiter von Swiss.

Heinz, bitte zum Diktat

Annabelle Business für Karrierefrauen erscheint nun definitiv und eigenständig

Annabelle Business für Karrierefrauen erscheint nun definitiv und eigenständigVon Markus Knöpfli Die Frauenzeitschrift Annabelle lanciert im September die eigenständige Zeitschrift Annabelle Business, ein Berufs- und Karriere-Magazin von Frauen für Frauen. Als Quartalszeitschrift sieht sie sich als Ergänzung zu aktuelleren Wirtschaftstiteln.
Gemäss einer Mach-Basic-Auswertung in einer Annabelle-Business-Dokumentation sind 230000 Frauen in der Deutschschweiz zwischen 20 und 49 Jahre alt, haben ein ausgeprägtes Interesse an Beruf, Arbeitswelt und Karriere, verfügen über eine gute Ausbildung sowie ein Monats-einkommen von mindestens 8000 Franken. Viele von ihnen sind zudem in Führungspositionen tätig.
Diese Frauen bilden das Marktpotenzial für Annabelle Business, zumal sich der grösste Teil von ihnen, nämlich 167000 Leserinnen, von den Wirtschaftstiteln Finanz & Wirtschaft, Cash, NZZ, Bilanz und HandelsZeitung gar nicht erst angesprochen fühlen.
Um mit dem neuen Titel sicherzugehen, nahm Tamedia eine bemerkenswerte zusätzliche Marktabklärung vor: Im letzten Mai lancierte sie zunächst einen Prototyp von Annabelle Business mit einer Auflage von 140000 Exemplaren. Davon gingen 110000 Exemplare an Annabelle-Abonnentinnen, 1000 wurden separat am Kiosk zu 5.50 Franken verkauft, und mit 20000 Exemplaren wurde ein Zielgruppenversand realisiert. Jedem Heft war ein Fragebogen beigelegt, der von 2481 Leserinnen eingesandt wurde. Diese nicht repräsentativen Antworten, kombiniert mit einer telefonischen Umfrage unter Annabelle-Abonnentinnen, brachten das folgende Resultat: Zwei Drittel der Antwortenden waren der Meinung, dass eine Zeitschrift wie Annabelle Business fehlt.
Grund genug also für Tamedia, den Versuch einer Neulancierung zu wagen. Annabelle Business wird ab September als vierteljährliche, eigenständige Zeitschrift mit einem Umfang von rund 100 Seiten erscheinen, in einer «garantiert verbreiteten Auflage von 45000 Exemplaren», wie Tamedia verlauten lässt. Das Abonnement wird
20 Franken im Jahr kosten. Ziel ist es, nach einem Jahr eine verkaufte Auflage von 20000 Exemplaren beglaubigen zu können, sagt Verlagsleiterin Caroline Thoma.
Auch wenn es sich beim neuen Heft um einen Spin-off handelt, läuft der Vertrieb separat und vorerst primär über Kiosk. Annabelle-Abonnentinnen erhalten Annabelle Business nicht automatisch. «Das würde keinen Sinn machen, denn die Zielgruppe von Annabelle Business ist sehr viel spezifischer», sagt Thoma.
Auch inhaltlich wird sich der neue Titel von Annabelle und Annabelle Création abheben, und zwar noch deutlicher als in der Testausgabe. Die Chefredaktion bleibt dieselbe. Das Schwergewicht liegt auf Themen zu Beruf und Arbeitswelt: «Frauen, die Mut machen und Vorbilder sein können», Arbeitsmodelle, Tipps zu Weiterbildung, Karriere, Altersvorsorge sowie Lifestyle. Fest stehen auch die Anzeigenpreise: Ein ganzseitiges, vierfarbiges Inserat kostet brutto 9000 Franken.

Glücklich eingelöstes Versprechen

Rechtzeitig vor ihrem Ende ist das Buch zur Ausstellung «Happy. Das Versprechen der Werbung» erschienen

Rechtzeitig vor ihrem Ende ist das Buch zur Ausstellung «Happy. Das Versprechen der Werbung» erschienenMehr als ein halbes Jahr nach Eröffnung, aber noch rechtzeitig vor Ende der Ausstellung «Happy. Das Versprechen der Werbung» am 28. Juli ist jetzt das Buch dazu erschienen. Das Warten hat sich gelohnt. Auf 280 Seiten ist eine umfangreiche und akribisch bebilderte Dokumentation rund um das Phänomen «Glücksversprechen in der Werbung» zusammengestellt worden. Wie wird Glück heute verstanden? Wie entsteht es? Welche Vorbilder stehen am Anfang dieser Vorstellungen? – Das sind die Fragen, denen Herausgeber und Ausstellungsmacher Christoph Doswald in seiner Arbeit nachgehen wollte. Vor dem Hintergrund der abnehmenden Bedeutung von religiösen und politischen Werten will die Ausstellung und jetzt noch vertiefter auch die vorliegende Publikation untersuchen, «in welchem Ausmass die Bilder der Werbung diesen frei werdenden Platz im Orientierungsdispositiv einer multi-optionalen Gesellschaft besetzen und welchen Anteil die Werbesujets an der Kreation von neuen Rollen- und Gesellschaftsvorstellungen haben».
Werbung und Konsum als Weltreligion? Antworten darauf geben im Katalog zum Beispiel Stefan Oglesby und Daniela Schütz vom Institut Link. Sie führten eine Bevölkerungsbefragung durch, und die Ergebnisse lieferten Grundlagen für die Ausstellung. Im Buch werden sie ausführlich analysiert und kommentiert. Neu und überraschend als Erkenntnis ist dabei die grosse Bedeutung der sozialen Einbindung und der altruistischen Familienwerte, ganz besonders auch bei der jüngeren Generation, die selbst noch keine Familie gegründet hat.
Im Kapitel «Happy TV» analysieren Regula Bochsler und Pascal Derungs, wie Werbung Produkte veredelt oder Sympathie durch die Inszenierung von Glück evoziert. Sie stellen zum Beispiel fest, dass im Gegensatz zur klassischen Lebenstreppe das Alter in der Werbung ein Abschnitt ist, der angefüllt ist mit Vitalität und «gar verliebten Gefühlen». Nur die Pubertät sehen diese Autoren als Lebensabschnitt, der zu sperrig ist, um ihn ins allgemein herrschende Werbeglück integrieren zu können. Als wirkungsvollste Werbefigur wird beim TV der junge Erwachsene gesehen. Diese «idealen Menschen» vereinigen auf sich die Kaufkraft der Berufstätigen mit der Attraktivität der Jugend.
«Happy Propaganda» zeigt eine Sammlung von Politinseraten aus mehr oder weniger glücklichen Ländern und Systemen. In einem dazu verknüpften Kapitel «Happy Agencies» stellen acht Agenturen ihre individuelle Definition von Glück in für die Ausstellung gestalteten Inseraten vor.
Weitere Beiträge stammen aus den Federn von Stefan Banz, Daniel Di Falco, Richard Frick, Tom Kummer, Liliane Lerch, Muda Mathis, Samir und Sus Zwick. Andreas Panzeri Chronos Verlag, Zürich, ISBN 3-0340-0549-0

Shortlist: Champagnerselige Trends

Den letzten offiziellen Termin der Branche vor Ostern setzte die HandelsZeitung mit der Präsentation ihrer Auftragsstudie Werbetrends 2002.

Den letzten offiziellen Termin der Branche vor Ostern setzte die HandelsZeitung mit der Präsentation ihrer Auftragsstudie Werbetrends 2002.Shortlist Champagnerselige Trends
Von Beat Fritsch
Der Anlass zieht immer Unmengen von Fachkräften aus der Werbe- und Marketingszene an, und auch heuer haben sich über 500 Personen im Lakeside am Zürichhorn eingefunden. Die jährlich durchgeführte Werbetrendstudie basiert auf einer schriftlichen Befragung von Kommunikationsverantwortlichen der 500 werbeintensivsten Schweizer Firmen und von Kadern in Werbe- und Mediaagenturen.
Zwar tuschelt man gelegentlich, dass die Erhebung auch nicht mehr hergebe, als man mit Branchenerfahrung und gesundem Menschenverstand selbst zusammenreimen könne. Vielleicht ist ja gerade das ein Erfolgsgeheimnis der Studie. Die Ergebnisse sind einfach zu verstehen und plausibel, weil man das alles selbst schon mal an-, aber vielleicht nicht zu Ende gedacht hat. Beispielsweise der Umstand, dass ein starker Rückgang bei Neugründungen von Webagenturen mit der Stagnation im Dotcom-Markt einhergeht.
Wer die Präsentation sausen liess, kriegt hier in eisenhart geraffter Form Status und Entwicklung des Werbemarkts 2002: Keiner lehnt sich im Moment zu weit aus dem Fenster, aber für das zweite Halbjahr sind alle verhalten optimistisch.
Ganz im Gegensatz zur letztjährigen Studie. Optimismus war angesagt! Tja, erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Den Schuldigen für die Misere haben die Amis in seinem Bunker im Paschtunenland vermutlich totgebombt, und wenn nicht, könnte man ihm die Schuld nochmals zuschieben, falls die Prognostiker dieses Jahr wieder danebenhauen. Deshalb gilt auch hier Churchills Regel: «Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.»
Trotz verhaltener Wachstumsaussichten liess sich die HandelsZeitung nicht lumpen. Der Champagner floss bereits beim Apéro, und auch das Buffet sorgte für Begeisterung. An diesem trafen wir ganz unerwartet auf Sabina Cadalbert. Die ehemalige Publimedia-Werbeleiterin ist aus New York zurückgekehrt und jetzt bei Onspirix zu finden. Dort wird versucht, das Swisscom-Monopol der letzten Meile zu knacken. Das sind die paar Meter vom Verteilerkasten bis zur Telefonsteckdose. Das macht Onspirix per Funk, weil die Swisscom ihre Kabel eifersüchtig hütet und partout keinem anderen den Zugang zu diesem lukrativen Markt gewähren wolle, wie Sabina erklärte.
An Ostern gehen nicht wenige Zürcher in die Berge. In Davos sah man Heinz Krebs, ZürichExpress-Verlagsleiter, Pickpay-Werbeleiterin Sandra Ulrich, aber auch deren jüngere Schwester Yvonne Ulrich. Sie fühlte sich nach dem Repi des Kommunikationsverbands Idée-VfW bestens vorbereitet auf die mündliche Prüfung zur Planerin Marketingkommunikation, zu der sie – und über 100 weitere Youngsters aus der Branche – diese Woche anzutreten hatten.
Auch nach Ostern dürfte die Zürcherschwemme in Davos nicht abflauen. In den Eishockey-Playoffs spielen die Davoser gegen die Lions vom Zürcher Schlittschuhclub. Zu den ZSC-Fans gehören Gerry Stadler von MPG oder Andy Lehmann vom Mediahaus Seefeld. Auf Seite der Davoser sieht man jeweils die Gebrüder Georg «Gigi» und Roman Gasser von der Kommunikationsagentur Viva. Ist schliesslich Ehrensache, denn Georg Gasser ist auch Marketingleiter beim Davoser Spengler-Cup.
Beat Fritsch mit einer überdimensionierten HandelsZeitung im Lakeside Zürichhorn. Wie jedes Jahr zog die Präsentation der Werbetrendstudie viel Publikum aus allen Fachbereichen der Marketingkommunikation an, bevor man sich für die Ostertage vom Berufsleben verabschiedete.
Wer in der Kommunikationsszene gesellige Anlässe veranstaltet, ob mit oder ohne kluge Präsentationen, wird an den verschiedensten Events der Szene geortet. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewo che.ch

Waschen, legen, reden

Lowe schickt Grönlandheimkehrer Orange subito zum Werbecoiffeur

Lowe schickt Grönlandheimkehrer Orange subito zum WerbecoiffeurNach einsamen Jahren in der Abgeschiedenheit des Nordens kehrt der Telecomanbieter Orange frisch frisiert in die Markenzivilisation zurück. Ein von Lowe, Zürich, konzipierter Auftritt versetzt die Telecommarke in Frank & Tina’s Coiffeursalon. Vordergründig bewirbt er konkrete Angebote, derzeit etwa die Tarifstruktur von Orange. Doch der Auftritt nimmt auch Markenaufgaben wahr. Durch die Wahl des Umfeldes stellt die Kampagne das Kommunizieren auf nachvollziehbare Weise so dar, wie es gemeint ist und zumeist praktiziert wird: als fröhliche, unkomplizierte Oberflächlichkeit. Griffige Werbeideen zeichnen sich eben dadurch aus, dass sie nicht an den Haaren herbeigezogen sind. Seite 10
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