Mitglieder kritisieren die Absetzung von SWA-Direktor Fredi SchwabVon Markus knöpfli Nicht alle Mitglieder des Schweizer Werbeauftraggeberverbandes (SWA) goutieren die Art und Weise, wie SWA-Direktor Fredi Schwab vom eigenen Vorstand abgesetzt wurde (WW 15/02). Mit einer Unterschriftensammlung wollen einige nun gegen den Vorstandsbeschluss rekurrieren.
WerbeWoche-Recherchen zeigen: An der SWA-Basis brodelt es. Wie stark, das wird sich im Laufe dieser Woche zeigen. Denn die rund 130 SWA-Mitglieder haben bis zum 26. April Zeit, um gegen einen Entscheid des SWA-Vorstandes zu rekurrieren, der die Absetzung des bisherigen SWA-Direktors Fredi Schwab beinhaltete. Ein Rekurs kommt zustande, wenn mindestens zehn Prozent der Mitglieder dies verlangen. Dann müsste eine ausserordentliche Generalversammlung (GV) angesetzt werden.
Und geklärt werden muss einiges, insbesondere das Informationsgebaren des SWA-Vorstandes. Dieser hatte in seiner alten Zusammensetzung (siehe Kasten) dem Vernehmen nach erst die SWA-GV am 13. März 2002 verstreichen lassen, bevor er Schwab und später die Mitglieder informierte – dies obwohl offenbar schon im Dezember der Vertrag mit Schwabs Nachfolger Jürg Siegrist unterschrieben vorgelegen hatte. Kurz zuvor, am 30. November 2001, soll der Vorstand Schwabs Absetzung beschlossen haben.
Von all dem wurde an der gut besuchten GV vom 13. März kein Wort gesagt. Einzig die sechs neu gewählten Vorstandsmitglieder (siehe Kasten) wurden offenbar kurz danach orientiert, Schwab selbst hingegen erst Ende März – Stunden bevor er für zwei Wochen in die Ferien reiste. Alle übrigen SWA-Mitglieder erhielten die entsprechende schriftliche Mitteilung, datiert vom 16. April, nach Schwabs Rückkehr, nur zwei Tage vor Siegrists offiziellem Stellenantritt am 18. April.
Das alles will SWA-Mitglied Fred Dietiker, Medialeiter bei den Schweizer Milchproduzenten, nicht goutieren. Er kritisiert zum einen das «befremdliche» Vorgehen des Vorstandes gegenüber Schwab. Zweitens versteht er nicht, «weshalb der Vorstand eine Person mit einem derart guten Leistungsausweis entfernt – und wenn schon, weshalb er es an der GV nicht offengelegt hat.» Und drittens hegt er Zweifel, ob an der SWA-GV alles mit rechten Dingen zugegangen sei. «Wir haben dem Vorstand Décharge erteilt, ohne zu wissen, dass er Schwabs Kündigung beschlossen hatte», führt Dietiker an. Zudem hätten die SWA-Mitglieder für dieses Jahr ein Budget abgesegnet, bei dem kein doppeltes Salär vorgesehen war – für den neuen Geschäftsführer sowie für Schwab, der bis Herbst noch zwei SWA-Mandate betreut.
«Was passiert ist, ist für uns Mitglieder noch nicht transparent», konstatiert auch SWA-Mitglied Fritz Zimmermann, Leiter Media bei den SBB. «Eine ausserordentliche GV könnte hier Klarheit schaffen.» Nötig sei womöglich auch, «dass die Juristen die Angelegenheit anschauen». Ohne Klärung würde hingegen die Einheit und damit die Schlagkraft des SWA beeinträchtigt, befürchtet Zimmermann.
Der SWA-Vorstand hüllt sich in vornehmes Schweigen
Wie aber reagiert der Vorstand auf die Vorwürfe? SWA-Präsident Gérard Stalder war nicht erreichbar. SWA-Vizepräsident Georg E. Müller sandte bloss ein Mail mit folgendem Inhalt: «Wir, Präsident und Vorstand, haben zu unserer Mitteilung, welche Sie in der vergangenen Woche erhielten, keine weiteren Angaben abzugeben.» Auch Ex-Vorstandsmitglied Urs Keiser wollte explizit nicht Stellung nehmen. Die anderen bisherigen oder zurückgetretenen Vorstandsmitglieder konnten nicht erreicht werden. Von den neuen Vorstandsmitglieder waren Thomas Golücke, Muriel Arts, Jürgen Pick und Werner Bärtschi erreichbar, Golücke wollte sich jedoch nicht äussern. Pick und Bärtschi bedauerten Schwabs Entlassung, als neue Vorstandsmitglieder wollten sie aber die Hintergründe dazu nicht beurteilen. Beide bescheinigten dem bisherigen Vorstand jedoch, juristisch korrekt vorgegangen zu sein – zumindest soweit sie dies hätten überprüfen können. Arts ihrerseits stellte sich hinter die offizielle Mitteilung des Vorstandes und wollte das Vorgehen des SWA-Vorstandes nicht weiter kommentieren.
Ueli Custer, Publizist und bisher Schwabs fachlicher Berater, hat bereits Konsequenzen gezogen. In einem Brief an Stalder schrieb er, dass er die Absetzung Schwabs nicht unterstütze und mit dem Vorgehen nicht einverstanden sei. Darum werde er den SWA nicht weiter beraten, sagte er der WerbeWoche.
Der SWA-Vorstand
In dieser Zusammensetzung hatte der SWA-Vorstand Schwabs Absetzung beschlossen:Gérard Stalder, SWA-Präsident
Georg E. Müller, SWA-Vizepräsident, GE Capitalbank
Urs Hammer, McDonald’s
Peter Schmid, UBS
Alain Bonta, Novartis*
Urs Keiser, BRO Finanz & Solutions*
Marco Taborelli, Effems*
Die sechs neu gewählten** Vorstandsmitglieder:Muriel Arts, Lever Fabergé AG
Werner Bärtschi, Subaru
Thomas Golücke, Novartis
Claude Hauser,
Migros-Genossenschaftsbund
Stefan Nünlist, Swisscom
Jürgen Pick, British American Tobacco (Suisse)
* Austritt an der GV vom 13. März 2002
** an der GV vom 13. März 2002