Muse & Musse: Regula Kennel

Muse & Musse Regula Kennel Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Regula Kennel: Ein Konzert des Konzertvereins Langnau im Emmental. Mein Mann ist Dirigent.Was lesen Sie gerade?Kennel: «Der Klavierstimmer» von P

Muse & Musse Regula Kennel
Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Regula Kennel: Ein Konzert des Konzertvereins Langnau im Emmental. Mein Mann ist Dirigent.
Was lesen Sie gerade?
Kennel: «Der Klavierstimmer» von Pascale Mercier. Lag zuoberst auf dem Stapel der ungelesenen Bücher.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Kennel: Diana Krall, «All for you».
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Kennel: «Cinema Paradiso», im Originalton. Die Story, die Musik und die Schauspieler – alles passt.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Kennel: Passiert mir nicht, schalte den Fernseher vorher aus.
Welches ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Kennel: www.bobthebuilder.com
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Kennel: Auf ein Buch.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Kennel: Nichts.
Liebe ist…?
Kennel: …vielfältig.

News: Sat 1 Schweiz spielt weiter Fussball

Auf dem Programmfenster des Privat-TVs Sat 1 werden weiterhin die Spiele der Schweizer Fussball-Nationalliga zu sehen sein.

Auf dem Programmfenster des Privat-TVs Sat 1 werden weiterhin die Spiele der Schweizer Fussball-Nationalliga zu sehen sein.News Sat 1 Schweiz spielt weiter Fussball Sat 1 Schweiz hat von der Sportrechtevermarkterin ISPR die Rechte für die nächsten vier Jahre erworben und zeigt pro Saison 26 Live-Spiele.
Basilisk kauft LH-Holding zurück Die Basler LH-Holding befindet sich wieder voll im Besitz der beiden Gründer und Inhaber von Radio Basilisk: Hans-Ruedi Ledermann und Christian Heeb haben die 1997 an die Basler Zeitung und die Internationale Treuhand AG verkauften Beteiligungen von je 20 Prozent zurückerworben.
SDA will AWP Die Schweizerische Depeschenagentur (SDA) hat mit der AWP Holding AG eine Zusammenarbeit im Bereich Wirtschaftsnachrichten vereinbart. Bisher haben die Töchter der beiden Gesellschaften, die AG für Wirtschaftspublikationen (AWP) und die SDA-AFX AG, ihre Dienstleistungen für Wirtschaftsinformationen getrennt verkauft. Nun übernimmt die SDA eine Minderheitsbeteiligung an der AWP. Im Verlauf von vier Jahren soll diese Minderheit auf 100 Prozent ausgebaut werden.

Einigkeit, Kraft und Preise

Ganz in der Nähe der Rivella-Produktionsstätte fand letzte Woche die ASW-GV statt. Rund siebzig Mitgliedervertreter und knapp fünfzig Gäste folgten dem Ruf der Allianz und pilgerten ins solothurnische Rothrist.

Ganz in der Nähe der Rivella-Produktionsstätte fand letzte Woche die ASW-GV statt. Rund siebzig Mitgliedervertreter und knapp fünfzig Gäste folgten dem Ruf der Allianz und pilgerten ins solothurnische Rothrist.Von Beat Fritsch Beim Apéro vor der GV freute man sich über diverse Zusammentreffen, darunter auch eine eher kritische Konstellation. Zwischen Fredi Schwab, der beim SWA (Schweizer Werbeauftraggeber) hinauskomplimentiert worden ist, und dem neuen SWA-Direktor Siegrist Jürg, hätte man eigentlich gerne eine Begegnung gesehen (SWA-Präsident Stalder Gérard tauchte nur in der Rubrik entschuldigte Gäste auf). Doch schien man sehr darum bemüht, die beiden nicht mit denselben Grüppchen zu mischen. Gleichentags wurde nämlich noch bekannt, dass gegen die Neubesetzung des SWA-Direktoriums ein Rekurs zu Stande kam und eine ausserordentliche GV einberufen wird (die WerbeWoche berichtete über den SWA-Knatsch ausführlich). Man zeigte beim ASW diplomatisches Geschick und achtete denn auch darauf, dass die beiden Exponenten nicht am selben Tisch sassen.
Im Gegensatz zum SWA herrscht bei der ASW eitel Einigkeit und Freude. Die Vorstandsmitglieder wurden allesamt bestätigt, Carmelo A. Buffoli wurde mit breitester Zustimmung neuer Vize, und mit Diego Bally bekam die Allianz einen neuen alten Präsidenten. Bally lebt das Rotationsprinzip in Reinkultur. Zur Erinnerung: Das Präsidium bilden drei Leute, welche die Titel President elect, President und Past-President für je ein Jahr tragen und sich so drei Jahre engagieren. Bally befindet sich bereits in der zweiten Dreierrunde.
Das Budget ist ausgeglichen und schloss mit einem kleinen Plus ab. Auf Grund der wiederum verbreiterten Kapitalbasis äusserte Benno Frick den Wunsch, nicht in diesen Spalten lesen zu müssen, dass die ASW im Geld schwimme. Also: Die ASW hat zwar jetzt ein bisschen mehr Flüssiges, aber sie schwimmt noch lange nicht drin! Allenfalls reichts für ein Sitzbad … zufrieden, Benno?
Nur kurz versuchten zwei Mitglieder Agents provocateurs zu spielen und etwas Leben in die Sache zu bringen. Schon an der letzten GV plädierte Jörg Suter für einen einmaligen Obolus von 1500 Franken je Mitglied fürs ASW-Kommunikationsbudget.
Der Vorstand versuchte die erhöhten Ansprüche an die Verbandskommunikation ohne Kostenfolgen durchzuführen, was auch in weiten Teilen gelang. Dennoch schien Suter mit dem Erreichten noch nicht zufrieden. Hans-Ruedi Tanner wiederum ist die momentane ASW-Kampagne «Die Perlen unter den Werbern» zu überkandidelt.
Bally verwies auf die Freiwilligenarbeit, die der Vorstand im Milizsystem leiste, und lud die Provokateure gleich zur Mitarbeit ein. Es erhoben sich darauf auch einige Mitglieder zu kurzen Wortmeldungen, um die ASW-Leitung für ihre Arbeit zu loben und sich zu bedanken. Und es ist ja auch nicht so, dass Suter und Tanner so richtig unzufrieden wären, sie versuchten einfach ein bisschen Pep reinzubringen. Das bestätigte auch Bally: «Der Jörg und ich, wir verstehen uns blendend.»
Kurzfristig abgemeldet hatte sich SW-Präsident Carlo Schmid Sutter, Geschäftsleiterin Monika Luck vertrat die Dachorganisation der Schweizer Werber. Wer nachts zuvor die News gesehen hatte, wusste warum. Schmid steckt irgendwie am Gotthard fest. Er beisst sich momentan in seinem zweiten Präsidentenamt – demjenigen bei der Astag, wo sich die Brummis organisieren – die Zähne am bundesrätlichen Verkehrsregime aus. Ein Zusammentreffen nicht ohne Zündstoff dürfte deshalb auch der Tag der Werbung gebracht haben, der einen Tag vor Erscheinen, aber erst nach Redaktionsschluss dieser WerbeWoche in Bern über die Bühne ging. Vorausgesetzt, niemand wurde krank. Der traditionelle bundesrätliche Ehrengast dieses Jahr sollte Verkehrsminister Moritz Leuenberger sein. Jener Magistrat also, der dem SW-Präsidenten momentan schlaflose Nächte bereitet.
Eine (fast) schlaflose Nacht gabs auch für viele Direktwerber, die sich im Zürcher Kongresshaus zur vierten DM-Award-Night einfanden. Nach dem offiziellen Ende verlustierten sich sehr viele Gäste mit sehr vielen Getränken bis sehr spät an der Bar.
Die ganze Sache hätte übrigens auch DM-Award by Fisch Meier Direkt lauten können. Die zur Publicis-Gruppe gehörende Agentur veranstaltete nicht nur erstmals den Event, sondern holte mit acht Awards auch gleich die meisten Preise. Den zweiten Platz belegten Lowe/Lowe Direct, und mit Matter und Partner landete eine so genannt klassische Agentur mit fünf Auszeichnungen auf Platz drei.
Die Award Night wurde nach den diversen Misstönen bei der letztjährigen Austragung neu von Fisch Meier Direkt organisiert. Nach der Kritik, der Anlass sei überdimensioniert, die Dramaturgie langsam und langweilig, die Location schlecht und so weiter und so weiter, die üblichen Kritikpunkte also, wollte man dem entgegensteuern.
Die Preisübergabe wurde extrem zügig abgewickelt, Sandra Studer als Moderatorin sorgte für den nötigen Glamour, mit Kisha und René Rindlisbacher im Showblock setzte man auf Bewährtes. Vor allem Komiker Rindlisbacher sorgte für Erheiterung. Zuerst hiess er die Gäste herzlich willkommen zum Werber des Jahres, bis er von Sandra Studer aufgeklärt wurde. «Dialogmarketing! Das sind doch die mit den überfüllten Briefkästen», hob der Komiker unweigerlich zu einer viertelstündigen Branchenschelte an, die zu Lachtränen rührte. Vor allem Gilbert Fisch musste sich einige ganz persönliche Seitenhiebe gefallen lassen. Easy. Er hat sie locker weggesteckt.
Beat Fritsch

vor dem Zürcher Kongresshaus, wo die vierte DM-Award-Night über die Bühne ging. Zuvor besuchte das Shortlistteam noch die GV der Allianz Schweizer Werbeagenturen in Rothrist, wo man unter anderem den neuen Trink-dich-gesund-Saft von Michel (Rivella) verköstigte, was dem Shortlistautor nicht bekam, weshalb er gleich zur Kur in die Berge fuhr.
Wer sich in der Szene versammelt oder awarded, orten wir an verschiedensten Veranstaltungen der Branche. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten ([email protected]). Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder gibt es online unter www.werbewoche.ch

Kanal 1 lässt noch viele Fragen offen

Mit dem Kauf der Studioräumlichkeiten von TV 3 ist Kanal 1 zwar einen Schritt weiter.

Mit dem Kauf der Studioräumlichkeiten von TV 3 ist Kanal 1 zwar einen Schritt weiter.Trotzdem bleiben wichtige Fragen des Dreiländer-TV-Projektes von Hanno und Erwin Soravia, den beiden Kärtner Bauindustriellensöhnen, weiterhin offen. Noch fehlt der benötigte Schweizer Partner, und auch die Kabelverbreitung liegt noch in weiter Ferne.Trotzdem ist Peter Kölbel, Projektleier von Kanal 1, optimistisch, bereits im September oder allenfalls einen Monat später starten zu können. Täglich sollen acht Stunden Programm mit Magazinsendungen, Reality-Formaten, Reportagen, Talkshows und Diskussionsrunden über den Bildschirm gehen. Das Jahresbudget von Kanal 1 werde klar unter den 70 Millionen Franken von TV 3 liegen, verrät Kölbel.
Loslegen werde man im Rahmen der österreichischen Satellitenlizenz. Zu diesem Zeitpunkt werde es aber noch keine Schweizer Inhalte geben. Mit diesen starte man, sobald die Konzession für die Schweiz vorliege. Kanal 1 suche immer noch einen Schweizer Partner, der die konzessionsrechtlich vorgeschriebene 51-Prozent-Mehrheit an der Schweizer Gesellschaft übernehmen werde. Nachdem Ringier und Tamedia bereits abgewinkt haben, könne er sich gut auch einen Partner ausserhalb der Medienbranche vorstellen. «Zum Beispiel eine Werbeagentur», sagt Kölbel.
Auch was das ungelöste Verbreitungsproblem betrifft, bleibt er zuversichtlich. Sobald das Programm eine Schweizer Konzession habe, womit er frühestens in einem halben Jahr rechnet, werde Cablecom dem Sender einen analogen Kanal zugestehen müssen.
Zusammen mit dem Programmstart im Herbst plant Kanal 1 eine fünfmal wöchentlich erscheinende Gratis-Programmzeitschrift, die in Wien produziert und gedruckt werden soll. Das als Promotionsmittel gedachte Heft mit dem Titel U 1 soll in rund 100000 Exemplaren in Zürich, Bern und Basel verteilt werden. Zu diesem Zweck hat Kanal 1 die rund 450 verwaisten Metropol-Boxen gekauft. (dse)

NZZ kauft Ringiers Peanuts

Neue Luzerner Zeitung öffnet der «alten Tante» die Türen in den Medienmarkt Zentralschweiz

Neue Luzerner Zeitung öffnet der «alten Tante» die Türen in den Medienmarkt ZentralschweizVon Markus Knöpfli Die AG für die Neue Zürcher Zeitung baut ihre Regionalzeitungsstrategie aus, indem sie von Ringier dessen 49-Prozent-Beteiligung an der Neuen Luzerner Zeitung übernimmt. Diese Beteiligung bringt sie in die LZ-Medien-Holding ein, wo sie mit einem Anteil von 33 Prozent zum grössten Aktionär wird.
Ringier begründete den Ausstieg aus der Neuen LZ laut COO Martin Werfeli damit, dass die letzte Ringier-Beteiligung an einer Regionalzeitung nicht mehr in die Strategie des international tätigen Konzerns passe. Umso mehr, als man bei der Neuen LZ nur eine Minderheitsbeteiligung gehabt habe.
Für die NZZ sieht das anders aus. Sie hat mit den Mehrheitsbeteiligungen an St.Galler Tagblatt (SGT) und Bund bereits zwei Regionalzeitungen im Portfolio und kann dieses nun mit dem Zweig Luzern ausbauen. Mutmassungen, wonach die NZZ nun bei SGT, Bund und Neuer LZ über Kooperationen bis hin zu einem möglichen Kopfblattsystem nachdenke, bezeichnet Beat Lauber, NZZ-Verantwortlicher für Regionalzeitungen, als «absurd». «Wir wollen starke, regionale Verankerungen, und diese ist bei der Neuen LZ optimal», sagt er. Zwar seien in der NZZ-Gruppe Synergien zwischen SGT und Bund durchaus ein Thema, und man werde dazu sicher auch die Neue LZ mit ihren sechs Splitausgaben einladen. Doch es gehe nicht um das Zusammenlegen von Teilredaktionen, sondern eher um Kooperationen in den Bereichen EDV, Buchhaltung oder Distribution. Im redaktionellen Bereich käme eine Zusammenarbeit lediglich bei Sonderseiten, Beilagen oder Grossevents in Frage.
Auch im Inseratemarkt will Lauber nicht viel ändern. Den Swisspool, dem SGT und Neue LZ angehören, bezeichnet er jedenfalls als «gute Sache». Ein Pool der NZZ-Blätter hingegen sieht er nicht. Andererseits haben die drei Regionalzeitungen eine Publicitas-Pacht, was der NZZ-Gruppe mehr Gewicht gegenüber der «P» verleiht. Lauber zeigt sich zurückhaltend. «Wir sind für die ‹P› ein bedeutender Kunde», bestätigt er nur.
«Wir haben diesen Wechsel im Aktionariat nicht gesucht, aber wir verstehen Ringiers Ausstiegsgründe und sind mit der neuen Aktionärin zufrieden.» Mit diesen Worten kommentierte Erwin Bachmann, Verwaltungsratsdelegierter der LZ-Medien-Holding, die neue Situation. Für die Neue Luzerner Zeitung selbst ergäben sich dadurch aber keine wesentlichen Veränderungen. «Ein Kopfblattsystem wird es nicht geben», sagt auch er.
Dass die NLZ «als grösster Ertragsbringer unserer Unternehmung» nun zu 100 Prozent unter das LZ-Medien-Dach kommt, wertet er hingegen als positiv. Der Grund: Bisher konnte Ringier jeweils die Milchkuh Neue LZ fast zur Hälfte melken, bevor diese buchhalterisch in den LZ-Medien-Stall geführt wurde. Wie es dem gesamten Bauernhof wirtschaftlich ging, kümmerte Ringier nicht. Die NZZ hingegen wird sich – wie die gut 1900 anderen LZ-Medien-Aktionäre auch – nur am Gewinn des ganzen Hofes laben oder allfällige Gesamtverluste mittragen. Insofern zeigt sie mehr Verantwortung, sichert sich aber auch mehr Mitsprachemöglichkeiten, etwa im Druckbereich oder bei den Privatradios.
NZZ hält nun Beteiligungen an fünf Lokalradiostationen
Jedenfalls baut sie durch die Akquisition in Luzern in diesen beiden Bereichen kräftig aus. Denn die LZ-Medien wird nach der vollständigen Integration der Neuen Luzerner Zeitung AG unter anderem an den Druckereien LZ Multicolor und Kündig sowie zu 16% an Radio Sunshine und zu 36,4% an Radio Pilatus beteiligt sein. Laubers Strategie hier: Die Regionen sollen mit diesen Mediengattungen weiterhin bedient werden, beim Akzidenzdruck wird er aber «Optimierungen» prüfen, wie er sagt. Und mit der Beteiligung an nunmehr fünf Radios (neben Sunshine und Pilatus auch an BE1, Aktuell und Ri) will er ein deutlicheres Wörtchen bei den derzeitigen Pooldiskussionen mitreden. Nebenbei: Die LZ-Medien-Holding hält weiter 6,5% bei Tele Tell, 23,75% bei Swissclick, 33,3% bei der Pressevertriebs AG (an der auch Ringier und die Zuvo je ein Drittel halten), 16,7% an der Surseer Woche, 32% an der Digitaldruck Pyramis AG und 100% an den Verlagen Maihof und Profi Press.
Doch bis der NZZ-Einstieg in Luzern wirklich möglich ist, müssen noch zwei (wohl eher kleine) Hürden genommen werden: Zum einen braucht es das Einverständnis der Wettbewerbskommission, zum anderen müssen die LZ-Medien-Aktionäre voraussichtlich an der GV vom 18. Juni die Vinkulierungsbestimmungen ändern, die den Einzelaktionären bisher Anteile von höchstens 20 Prozent zugestanden. Dann aber kann die NZZ zwei Personen für den zwölfköpfigen LZ-Medien-Verwaltungsrat zur Wahl vorschlagen. Die mit dem NZZ-Einstieg verbundene Erhöhung des Aktienkapitals um 2,6 Millionen auf 7,8 Millionen Franken war hingegen schon früher und in anderem Zusammenhang beschlossen worden.
Übrigens: Bei Tamedia, die einen 5-Prozent-Anteil bei der LZ- Medien-Holding hält, wollte man den Einstieg der NZZ nicht kommentieren.
NZZ will mit «P» über Pacht verhandeln

Der neue Pachtvertrag zwischen St. Galler Tagblatt und Publicitas ist unter Dach. Im Prinzip sei der bisherige Vertrag einfach verlängert worden, sagt Lauber. Wie lange, will er nicht sagen. Doch bestätigt er, dass beim SGT über einen Ausstieg aus der «P»-Pacht nachgedacht worden sei. Dieses Thema werde man aber mit der «P» erst besprechen, wenn die neue PubliGroupe-Führung unter Generaldirektor Hanspeter Rohrer im Amt sei, sagt Lauber.

Etat-News: Publicis gewinnt Parfum-Pitch

Die Zürcher Werbeagentur Publicis unterstützt den französischen Parfumhändler Marionnaud beim Eintritt in den Schweizer Markt.

Die Zürcher Werbeagentur Publicis unterstützt den französischen Parfumhändler Marionnaud beim Eintritt in den Schweizer Markt.Etat-News Publicis gewinnt Parfum-Pitch Marionnaud ist laut Publicis mit 980 Verkaufspunkten Europas grösste Parfumeriekette. Ab 25. April werden alle bisherigen Filialen der Marionnaud-Tochter Alrodo umbenannt und die Marke Marionnaud offiziell in der Schweiz eingeführt. Die Kampagne umfasst klassische Werbung (TV-Spots, Plakate, Print) sowie Dialogmarketing- und POS-Massnahmen.
Konnex betreut Fujifilm Der Fotokonzern Fujifilm hat sein Schweizer Mediabudget per Anfang Juli an die junge Zürcher Mediaagentur Konnex vergeben. Fujifilm vertreibt das komplette Sortiment von Filmen und Kameras im Amateur- und Profibereich. Konnex wird die gesamte Mediaplanung und -abwicklung für alle Bereiche in Zusammenarbeit mit der Leadagentur Wunderman in Zürich betreuen.
Frame Eleven macht ARD-Wetter Jörg Kachelmanns Wetterfirma Meteomedia AG übernimmt die Wettervorhersage auf ARD im Anschluss an die «Tagesthemen». Mit dem Design des komplett neuen Formats wurde die Zürcher Designagentur Frame Eleven betraut. Sie zeichnet verantwortlich für das Grundkonzept, das Design, die neuen Wetterkarten bis hin zum virtuellen Studio.
Euro RSCG und JWT teilen sich Reckitt Der britische Chemiekonzern Reckitt Benckiser verteilt sein weltweites Werbebudget auf Euro RSCG und J. Walter Thompson (JWT). Euro ist künftig für die Bereiche Haushaltreiniger, Geschirrspülmittel und Textilpflege zuständig. JWT übernimmt die Sparten Oberflächenpflege und Gesundheit & Körperpflege. Insgesamt betragen die Werbeausgaben von Reckitt Benckiser über 300 Millionen Pfund (720 Millionen Franken). Beide Agenturen betreuen den Neukunden von ihren Londoner Niederlassungen aus.

Bücher-Service: Medienarbeit in Krisenzeiten

«Erst in Krisenzeiten zeigt sich, ob eine Firma ihre Medienarbeit beherrscht».

«Erst in Krisenzeiten zeigt sich, ob eine Firma ihre Medienarbeit beherrscht».Bücher-Service Medienarbeit in Krisenzeiten
Davon ist Karin Müller überzeugt. Die Medienberaterin für Gross- und Mittelstandsunternehmen, die zuvor bei Tages-Anzeiger, Blick, SonntagsZeitung und Tele 24 die Branche mit allen Mechanismen, lauernden Gefahren, Tricks und Spielregeln kennen gelernt hat und heute ihre Erfahrungen auch regelmässig als TV-Coach einbringt, hat ein Sachbuch zum Thema «Professionelle Medienarbeit in Krisenzeiten» geschrieben. Es trägt den Titel «Hotline Presse» und ist im Verlag Orell Füssli erschienen. Die Autorin plädiert darin für eine grösst- mögliche Offenheit gegenüber den Medien: «Nur wer schnell und ehrlich informiert, wird nicht zum Spielball der Pressevertreter.» So plädiert sie dafür, Worst-Case-Szenarios durchzuspielen, denn «in Krisenfällen kennen sowohl die Presse als auch die Bevölkerung kein Pardon». Karin Müller beschreibt, wie «Wühlmäuse, Distinguierte, Pantoffeljournalisten und Seniorreporter» jeweils ihre Story jagen und wie man mit solchen Vertreterinnen und Vertretern einer bestimmten Typologie jeweils am konstruktivsten zusammenarbeiten kann. Ergänzt werden diese Psychorezepte mit kurzen Analysen der Medienarbeit bei verschiedensten Krisensituationen aus dem aktuellen Alltag. Das Buch gibt auch viele praxiserprobte Tipps, von der Kleiderwahl bis zum Abbau von Lampenfieber im Umgang mit Medienvertretern.
Karin Müller: «Hotline Presse», Orell Füssli Verlag, Zürich.
ISBN 3-280-02692-X, 49 Franken.

Online-Marketing: Gebäudeversicherung Bern

Ziel: Promotion von Brandpräventionsprodukten und der neuen Bestellmöglichkeit über den Onlineshop der Gebäudeversicherung.

Ziel: Promotion von Brandpräventionsprodukten und der neuen Bestellmöglichkeit über den Onlineshop der Gebäudeversicherung.Gebäudeversicherung Bern Werbemittel: Bannerwerbung als Begleitmedium zu Inseraten, Bus- und Tramhängern. Einsatz: Seit Mitte April bis Mitte Mai.
Auftraggeber: Gebäudeversicherung Bern; Verantwortung: Bernhard Müller, Leiter Öffentlichkeitsarbeit, Ittigen. Werbeagentur: Hofer AG Kommunikation, Bern; www.hofer kommunikation.ch, Beratung und Vermittlung: Publimedia Webadvertising AG; Verantwortung: Tiziano Obrecht.

Bücher-Service: Auch für Naisälis und Doorfnoggels

Martin Müller, Germanist mit Neigung zu lexikalischem Tiefgang, beschäftigt sich in seinem neuesten Werk mit Dialektwörtern der Deutschschweiz und sammelte Bezeichnungen für Frau und Mann

Martin Müller, Germanist mit Neigung zu lexikalischem Tiefgang, beschäftigt sich in seinem neuesten Werk mit Dialektwörtern der Deutschschweiz und sammelte Bezeichnungen für Frau und MannBücher-Service Auch für Naisälis und Doorfnoggels
und für das, was in der Regel Frauen und Männer bisweilen gemeinsam hinter zugezogenen Vorhängen praktizieren. In Zürich würde man das mit dem Verb «böpperle» bezeichnen, im Kanton Uri hingegen «boorä» oder (kräftiger noch): «boorzä». Müller hat sein «Wörtermuseum» mit 3000 Begriffen, fast ausschliesslich Substantiven, ausgestattet. Das Buch gehört auf jedes Regal eines so genannten Industrielyrikers, dem auf der Suche nach dem treffenden Wort in Mundart nichts Menschliches fremd ist.
Martin Müller, «Amedisli. Frau und Mann im Schweizerdeutschen». Verlag Huber, Frauenfeld, ISBN 3-7193-1274-7, 39.80 Franken.

Olympiabroschüre von Albin Christen.

Das Olympische Museum in Lausanne hat zusammen mit seinem pädagogischen Service eine Besucherbroschüre lanciert. Illustriert wurde sie vom Lausanner Grafiker Albin Christen.

Das Olympische Museum in Lausanne hat zusammen mit seinem pädagogischen Service eine Besucherbroschüre lanciert. Illustriert wurde sie vom Lausanner Grafiker Albin Christen. Dieser hat sich in den vergangenen Jahren über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht mit dem Plakat für das Montreux Jazzfestival 2000 und der St.Valentins-Swatch-Uhr. Daneben illustriert er den Wirtschaftsteil des Westschweizer Wochenmagazins L’Hebdo. Die neue Broschüre orientiert mit Zeichnungen über Entstehung, Sinn und Zweck der Olympischen Spiele. Goldbach Media kassierte für Moneycab-Übernahme. Als im Dezember 2001 die Goldbach Media-Gruppe das Finanzportal Moneycab von Tamedia, Credit Suisse und Bluewin übernahm und vor der Schliessung rettete, wurde über den Kaufpreis und die Konditionen Stillschweigen gewahrt. Jetzt ist ein Teil der Bedingungen ans Licht gekommen: «Die 33,3-%-Beteiligung an der Finanzfachmarkt AG («moneycab») wurde am 11. Dezember unter Zahlung von 3,3 Mio. CHF abgestossen», heisst es im Geschäftsbericht 2001 der Tamedia AG. Wie der Netzticker schreibt, ist davon auszugehen, dass die beiden anderen Teilhaber den gleichen Betrag für die Übernahme des Finanzportals bezahlt haben. Peter Hartmeier, Pressesprecher von Tamedia, wollte diesen Vorgang auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren.
Achtfach geheftet… Für den Kunden Generali liess sich das Kreativteam der Genfer McCann-Erickson von der Redewendung «doppelt genäht, hält besser» inspirieren und setzte eine ausgefallene Idee um, die die getroffene Vorsorge nicht nur visuell, sondern auch haptisch kommuniziert. Statt, wie üblich mit zwei, wurden Magazine, in denen die doppelseitige Generali-Anzeige platziert wurde, gleich mit acht Heftklammern gebunden. Unüblich war auch die bis auf das Generali-Logo leer belassene Werbefläche. Obwohl diese Sonderidee «in keinem wirklichen Zusammenhang mit der übrigen Kommunikation steht», sei der Kunde auf Anhieb so angetan gewesen, dass er die Anzeige schalten liess, erklärt CD Timo Kirez.
LIA Awards prämieren neu auch Pseudowerbung. Bis zum 17. Juni läuft die Eingabefrist für die Londoner International Advertising Awards. Gesucht werden die besten Arbeiten in den Kategorien interaktive Medien, Verpackungsdesign, Aussenwerbung, Print, Radio und TV/Kino, die zwischen dem 1. Juli 2001 und dem 30. Juni 2002 erschienen sind. Für die drei letzteren Kategorien gibt es erstmals den Wettbewerb «Lavoie’s Playground»: Auf Initiative des Jurypräsidenten Paul Lavoie (CD der kanadischen Werbeagentur Taxi), dürfen hier Arbeiten eingereicht werden, die vom Kunden nicht eingesetzt, zurückgewiesen wurden oder fürs eigene Portfolio realisiert wurden (www.liaawards.com).
Trimedia Schweiz hält ihr Honorarvolumen. Das Agenturnetzwerk Trimedia Communications hat im Jahr 2001 sein Honorarvolumen konsolidiert. Die Schweizer Niederlassungen in Genf, Zürich, Bern und Lugano erzielten mit 14,5 Millionen Franken ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr (14,3 Millionen Franken). 2000 war mit einem Wachstum von 30% ein Rekordjahr ausgewiesen worden. Die Schweizer Honorarvolumen machen heute noch rund einen Drittel der gesamten Einkünfte des Netzwerks aus, während Trimedia noch vor fünf Jahren ausschliesslich in der Schweiz vertreten war. Heute gehören auch Agenturen in Brüssel, Paris, Düsseldorf, Frankfurt, Berlin und Wien dazu.
Schöne Aussichten. Am 17. April wurde das frisch renovierte Dienstgebäude der VBZ am Bellevue für die Bevölkerung wieder zugänglich gemacht. Es ist mit einem neuen Sandwich-Kiosk, Ticketeria und WC-Anlagen versehen. Gleichzeitig startete das Projekt «Schöne Aussichten» in den sieben Vitrinen des Gebäudes. Die monatlich wechselnden Bildserien in Plakatformat nehmen thematisch Bezug auf Anliegen der Firmen und Institutionen, die das Ausstellungsprojekt finanzieren. Die permanente Wechselausstellung will Gestaltenden aller Art eine Gelegenheit bieten, ihre aktuellen Arbeiten einem grösseren Publikum zu präsentieren. Die öffentliche Galerie definiert sich selber als Schnittstelle von Kunst am Bau, Kultursponsoring, Gestaltung und Werbung. Das Projekt wird betreut von Agnès Laube und This Dormann. Die erste Plakatserie ist von Hinder Schlatter Feuz gestaltet und hat die neue Nutzung des VBZ-Gebäudes zum Thema. Im Mai folgt das Rote Kreuz mit «Menschlichkeit», fotografisch festgehalten von Niklaus Spoerri.
Markenbilder der ganz anderen Art. «51 Views of Mount Matterhorn» heisst ein Buch über das Schaffen des Schweizer Künstlers Nic Hess. Der 1968 geborene Zürcher, der an der Gerrit Rietveld Akademie in Amsterdam und an der Berliner Hochschule der Künste studierte, setzt sich mit emblematischen Markensymbolen auseinander, die offenbar global entziffert und verstanden werden. Hess, derzeit Stipendiat am New Yorker P.S.1, verwebt diese Warenzeichen zu Wandinstallationen. Ein Monumentalbild von Hess, das im Empfangsraum des europäischen Hauptsitzes des US-Konzerns Dow Chemical in Horgen hängt, gab dem Buch den Namen. «51 Views of Mount Matterhorn» ist im Hatje Cantz Verlag, Stuttgart, erschienen.
Editorial

Rede, damit ich dich sehen kann Wer sich einmal die Mühe nimmt, branchenübergreifend nach Ähnlichkeiten in der Werbung zu fahnden, wird durch die Gleichmacherei der werblichen Aussagen erschlagen. Kein Wunder werden Designermarken in den Köpfen der Konsumenten immer austauschbarer, werden Kaufentscheidungen immer sprunghafter getroffen.
Das wichtigste Wirtschaftsgut vieler Unternehmen – ihre Marke – wird durch werbliche Einheitstrends bei Schriften, Motiven und Farben geschwächt. Um dieser zumeist selbst verschuldeten Austauschbarkeit ihrer Marken entgegenzuwirken, bleibt Firmen in der Regel nur eines: Sie erhöhen ihr Mediabudget, um vom Kunden wahrgenommen zu werden. Billiger wäre dies zu haben, wenn die entsprechende Werbung nicht so einfallslos wäre. Zu diesem Thema ist ein inspirierendes Lehrbuch erschienen mit dem Titel: «Abweichen von der Norm». Geschrieben hat es Werner Gaede, emeritierter Professor an der Hochschule der Künste in Berlin (siehe Seite 20). Auf 800 Seiten gelingt es ihm mit Bildern und Zitaten, das Geheimnis der Werbung zu enthüllen: Kampagnen seien immer dann erfolgreich, so sein Fazit, wenn sie Regeln verletzen, von Normen weichen, Erwartungen durchbrechen, bekannte Muster verfremden…
Im Vorwort zu diesem Werk tröstet Walter Lürzer (Lürzer’s Archiv) unkreative Werber mit der präventiven Feststellung: «Blöde Werbung ist solange erfolgreich, solange sie nicht ganz wesentlich blöder ist als die Mehrheit der Bevölkerung.»
So betrachtet hat jede Gesellschaft letztlich die Werbung, die sie verdient.
Samuel Helbling, Chefredaktor

Taschenlies mal dieses Buch

Werner Gaede zeigt in seinem Buch «Abweichen von der Norm», wie erfolgreiche Werbung funktioniert

Werner Gaede zeigt in seinem Buch «Abweichen von der Norm», wie erfolgreiche Werbung funktioniertVon Andreas Panzeri Kreative Lösungen werden durch das Verletzen von Regeln, durch das Abweichen von Normen realisiert. Wie man das macht, erzählt der Berliner Werner Gaede in einem Buch mit über 4000 Beispielen auf 760 Seiten.
«Die These vom Regelbruch, vom Abweichen von der Norm, ist in Theorie und Praxis unbestritten. Aber niemand hat bisher die Frage beantwortet: Welche Normen werden bei der kreativen Werbung auf welche Weise gebrochen?», schreibt Werner Gaede in der Einleitung zu seinem Buch «Abweichen von der Norm». Er lehrte als Professor an der Hochschule der Künste in Berlin verbale Kommunikation und verbale Gestaltung. Heute ist er emeritiert, «aber weiterhin aktiv». Und sehr belesen, wie eine wohl rekordverdächtige Ansammlung von Zitaten und Weisheiten aller Art rund um das Wesen der Kommunikation in seinem Buch zeigt.
Gaede streut diese Anregungen mit viel Sinn für Assoziationen zwischen die mehr als 4000 Beispiele aus der Werbung, die auf den 760 Seiten seiner umfassenden «Bibel» nicht nur als Dokumente, sondern vor allem als sehr ergiebige Fundgrube für Ideen gesammelt worden sind. «Es gibt Bücher, die man bloss kosten, andere, die man verschlingen, andere endlich – aber es sind nur wenige –, die man sozusagen kauen und verdauen muss», lässt Gaede dazu Francis Bacon (1561–1626) zitieren.
Erst das Wissen um die Regel ermöglicht die Abweichung
Wie ein solches Verdauen funktioniert, muss in Gaedes Buch aber erst einmal in einem ziemlich neuen Sinn herausgefunden werden. Anders als bei herkömmlichen Lehrbüchern werden die Leserin und der Leser nämlich nicht von einem durchgehenden Lauftext geleitet. Getreu dem Rezept von Bert Brecht «Man muss vom Alten lernen, Neues zu machen» stellt Gaede an Stelle seiner eigenen und zu Ende gedachten Ideen eher eine Materialsammlung für eine weiter gehende Beschäftigung mit den gestellten Fragen zur Verfügung.
«Dieses Buch soll orientieren und stimulieren! Es ist kein geschlossenes, sondern ein offenes System. Darum enthält es eine grosse Zahl an Beispielen; sie demonstrieren, wie mans macht», erklärt der Autor die eigenwillige Form seines Lehrbuchs, bei dem der Leser auf jeder Seite zuerst mal vor der Wahl steht, ob man jetzt das Zitat oben links, die Schlagzeile unten rechts oder vielleicht die Tabelle in der Mitte, die Lehrsätze im grossen Kasten oder vielleicht doch zuerst die Grundsatzüberlegungen im kleinen Kasten lesen soll.
Je länger man sich allerdings durch diese vielschichtig konzipierten Seiten kämpft, desto mehr wird man gefesselt von den sich ständig neu eröffnenden Zusammenhängen. Kreativität ist «die Fähigkeit, neue Beziehungen zu sehen, ungewöhnliche Ideen und Einfälle zu produzieren und von herkömmlichen Denkschemata abzuweichen», könnte man zu dieser interaktiven Form des Lesens Gaede zitieren. Noch deutlicher wird er in seiner Zusammenfassung: «Die besten Bücher sind die, von denen jeder meint, er hätte sie selber machen können.»
Ein Leser hätte allerdings die rund um den Globus gefundenen Beispiele aus der Geschichte der Kommunikation und Werbung, die Gaede in seinem grossen Werk zum Studieren darbietet, kaum selber zusammentragen können. «Theorien ohne Beispiele sind wie Beispiele ohne Theorien», begründet er den akribisch dokumentarischen Stil seines Lehrbuches. Alle Exempel werden vom Kommunikationswissenschafter als umgesetzte Ideen auf der Basis von bestimmten Regeln kommentiert. Allerdings meistens von hinten aufgezäumt, wenn Gaede sagt: «Das Wissen um diese Regeln ermöglicht ein besseres, bewussteres Verletzen dieser Regeln und Normen. Nur wer die Normen kennt, findet die Abweichungen.»
Wie ein Flop eine kreative Überraschung illustriert
Für Gaede muss jeder Werbetreibende davon ausgehen, dass rund 95 Prozent der Kontakte mit einem Low-Involvement-Publikum stattfinden. Das heisst: Nur zwei bis fünf Prozent des Informationsangebots wird beachtet. Aus diesem Grund heisst die Lösung für Gaede immer wieder: abweichen von der Norm. Das erhöht die Aufmerksamkeit. Man bewirkt eine Aktivierung der Zielperson. Oder um es mit Umberto Eco zu sagen: «Zusammen mit der emotionalen Komponente ist die ästhetische bestimmt die wichtigste. In der Reklame herrscht das barocke Gebot: Des Dichters Absicht ist die Verwunderung.» Wer es lieber etwas alltäglicher formuliert hätte, findet in «Abweichen» den Satz: «Vor Fosbury war niemand auf die Idee gekommen, dass der Hochsprung auch anders als von vorn ausgeführt werden könnte.» Oder mit anderen Worten: Erdbeeren mit grünem Pfeffer, statt mit Sahne und Zucker wie bis anhin.
Das Buch ist in diesem Sinn als «Normenkatalog» konzipiert. Es gipfelt immer wieder in der Botschaft: «Kreative Werbung kann nur geschaffen werden, wenn Regeln verletzt werden, wenn man von Normen abweicht. Eine lila Kuh erfinden zum Beispiel.» Oder wie sagte es doch Richard Strauss bei den Proben zu seiner Oper «Salome»: «Nur Mut, meine Herren, je falscher es klingt, desto richtiger ist es.» Hinter all diesen Regelbrüchen muss allerdings unbedingt die Regel eingehalten werden: «Langfristig ist man nur erfolgreich, wenn man weiss, warum man erfolgreich ist.»
Die Basis für all diese Überlegungen hat der studierte Germanist, Publizist und Theaterwissenschafter Gaede «werbe-praktisch» bei verschiedenen beruflichen Engagements, zum Beispiel beim Stern sowie bei den Hamburger Agenturen Lintas und McCann, gesammelt. Werner Gaede ist auch Ehrenmitglied des Art Directors Clubs Deutschland. 26 Agenturen haben das Buch unterstützt und kommen je auf einer Seite zum Zug mit einer Anzeige zum Thema Abweichen.
«Abweichen von der Norm» eignet sich sowohl für Texter als auch für visuelle Gestalter. Getreu dem Motto: «Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie» fasst Gaede natürlich seine gesammelten Dokumente immer wieder wissenschaftlich zusammen. Für Texter gibt es verschiedenste interessante Passagen im Buch, in denen die zahlreichen Variationsmöglichkeiten mit Sprache und ihren Verformungen und Verfremdungen abgehandelt werden. Getreu der Erkenntnis eines gewissen Rudyard Kipling, der sagte: «Worte sind die mächtigste Droge, die die Menschheit benutzt», werden in verschiedenen Kapiteln Themen wie Jugendsprachen, Vulgarismus, Dialekt, Fremdwörter, Seltenheitswörter, Neuwörter und Wortmischungen wie Wellenküssen oder Schweppstase abgehandelt sowie Formulierungen wie «Taschenbuchen Sie einen kurzweiligen Urlaub» wissenschaftlich analysiert. Als vertikale Erweiterungen bezeichnet Gaede zum Beispiel: «Tio Pepe. Nur nichts trinken ist trockener.»
«Die wahren Poeten unserer Zeit sitzen in den Werbeagenturen», lässt er zu solchen Ideen den Dramatiker Tennessee Williams schmeicheln.
Für visuelle Gestalter ist weiter von Redundanznormen oder Assoziationsnormen die Rede, von Bild-Headline-Beziehungen, Normen der Bildkommunikation oder auch typografischen Normen.
Das Buch ist – wie es sich für einen Professor gehört – mit einem sehr reichhaltigen Literaturverzeichnis ergänzt. Und falls in dieser Rezension vielleicht ein paar Zitate mehr als sonst üblich eingeflossen sind, dann soll hier zum Schluss noch einmal Werner Gaede bemüht werden – mit einer Erklärung auf seinem Buchumschlag: «Niemand darf sagen, ich hätte nichts Neues berichtet. Die Anordnung des Materials war neu.»
Werner Gaede: «Abweichen von der Norm», Wirtschaftsverlag Langen Müller/Herbig, München. 760 Seiten, ISBN 3-777844-7416-0.

TV-3-Wahn führte zu 12 Millionen Franken Verlust

Die grosse Verunsicherung in Politik und Gesellschaft sieht Tamedia-VR-Präsident Hans Heinrich Coninx als Hauptgrund, wieso die Tamedia-Gruppe im Jahr 2001 mit einem Verlust von 11,8 Millionen Franken

Die grosse Verunsicherung in Politik und Gesellschaft sieht Tamedia-VR-Präsident Hans Heinrich Coninx als Hauptgrund, wieso die Tamedia-Gruppe im Jahr 2001 mit einem Verlust von 11,8 Millionen Franken(2000: 117,1 Millionen Franken Gewinn) abrechnen muss. Dieses schlechte Resultat versteht sich jedoch nach Sonderrückstellungen für den Kauf der Belcom sowie Sonderabschreibungen für den mittlerweile geschlossenen Sender TV 3. Letzterer riss ein Loch von 55 Millionen Franken in die Tamedia-Kasse. Die Belcom kostete insgesamt 95,8 Millionen Franken, doch wurde sofort eine Wertberichtigung von minus 25 Millionen Franken vorgenommen.Das Konzernergebnis (ohne TV 3) beträgt 43,4 Millionen Franken und erlaubt eine Dividende von 1.50 Franken pro Aktie. Der Umsatz ist um 61,8 auf 756,1 Millionen Franken zurückgegangen. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen beträgt
145,7 Millionen Franken. Dies entspricht einer Marge von 19,3% statt der erwarteten 25%. «Unsere Bilanz ist aber solide und kerngesund», betonte Coninx an der Medienkonferenz.
Mittelfristiges Ziel bleibt eine Gewinnmarge von 22 bis 25 Prozent. Im laufenden Jahr soll das Focus-Projekt und ein Sparprogramm mit 20 Millionen Franken wirksam werden. Der Investitions- und Einstellungsstopp wird beibehalten. (pan/mk)
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