Neue Luzerner Zeitung öffnet der «alten Tante» die Türen in den Medienmarkt ZentralschweizVon Markus Knöpfli Die AG für die Neue Zürcher Zeitung baut ihre Regionalzeitungsstrategie aus, indem sie von Ringier dessen 49-Prozent-Beteiligung an der Neuen Luzerner Zeitung übernimmt. Diese Beteiligung bringt sie in die LZ-Medien-Holding ein, wo sie mit einem Anteil von 33 Prozent zum grössten Aktionär wird.
Ringier begründete den Ausstieg aus der Neuen LZ laut COO Martin Werfeli damit, dass die letzte Ringier-Beteiligung an einer Regionalzeitung nicht mehr in die Strategie des international tätigen Konzerns passe. Umso mehr, als man bei der Neuen LZ nur eine Minderheitsbeteiligung gehabt habe.
Für die NZZ sieht das anders aus. Sie hat mit den Mehrheitsbeteiligungen an St.Galler Tagblatt (SGT) und Bund bereits zwei Regionalzeitungen im Portfolio und kann dieses nun mit dem Zweig Luzern ausbauen. Mutmassungen, wonach die NZZ nun bei SGT, Bund und Neuer LZ über Kooperationen bis hin zu einem möglichen Kopfblattsystem nachdenke, bezeichnet Beat Lauber, NZZ-Verantwortlicher für Regionalzeitungen, als «absurd». «Wir wollen starke, regionale Verankerungen, und diese ist bei der Neuen LZ optimal», sagt er. Zwar seien in der NZZ-Gruppe Synergien zwischen SGT und Bund durchaus ein Thema, und man werde dazu sicher auch die Neue LZ mit ihren sechs Splitausgaben einladen. Doch es gehe nicht um das Zusammenlegen von Teilredaktionen, sondern eher um Kooperationen in den Bereichen EDV, Buchhaltung oder Distribution. Im redaktionellen Bereich käme eine Zusammenarbeit lediglich bei Sonderseiten, Beilagen oder Grossevents in Frage.
Auch im Inseratemarkt will Lauber nicht viel ändern. Den Swisspool, dem SGT und Neue LZ angehören, bezeichnet er jedenfalls als «gute Sache». Ein Pool der NZZ-Blätter hingegen sieht er nicht. Andererseits haben die drei Regionalzeitungen eine Publicitas-Pacht, was der NZZ-Gruppe mehr Gewicht gegenüber der «P» verleiht. Lauber zeigt sich zurückhaltend. «Wir sind für die ‹P› ein bedeutender Kunde», bestätigt er nur.
«Wir haben diesen Wechsel im Aktionariat nicht gesucht, aber wir verstehen Ringiers Ausstiegsgründe und sind mit der neuen Aktionärin zufrieden.» Mit diesen Worten kommentierte Erwin Bachmann, Verwaltungsratsdelegierter der LZ-Medien-Holding, die neue Situation. Für die Neue Luzerner Zeitung selbst ergäben sich dadurch aber keine wesentlichen Veränderungen. «Ein Kopfblattsystem wird es nicht geben», sagt auch er.
Dass die NLZ «als grösster Ertragsbringer unserer Unternehmung» nun zu 100 Prozent unter das LZ-Medien-Dach kommt, wertet er hingegen als positiv. Der Grund: Bisher konnte Ringier jeweils die Milchkuh Neue LZ fast zur Hälfte melken, bevor diese buchhalterisch in den LZ-Medien-Stall geführt wurde. Wie es dem gesamten Bauernhof wirtschaftlich ging, kümmerte Ringier nicht. Die NZZ hingegen wird sich – wie die gut 1900 anderen LZ-Medien-Aktionäre auch – nur am Gewinn des ganzen Hofes laben oder allfällige Gesamtverluste mittragen. Insofern zeigt sie mehr Verantwortung, sichert sich aber auch mehr Mitsprachemöglichkeiten, etwa im Druckbereich oder bei den Privatradios.
NZZ hält nun Beteiligungen an fünf Lokalradiostationen
Jedenfalls baut sie durch die Akquisition in Luzern in diesen beiden Bereichen kräftig aus. Denn die LZ-Medien wird nach der vollständigen Integration der Neuen Luzerner Zeitung AG unter anderem an den Druckereien LZ Multicolor und Kündig sowie zu 16% an Radio Sunshine und zu 36,4% an Radio Pilatus beteiligt sein. Laubers Strategie hier: Die Regionen sollen mit diesen Mediengattungen weiterhin bedient werden, beim Akzidenzdruck wird er aber «Optimierungen» prüfen, wie er sagt. Und mit der Beteiligung an nunmehr fünf Radios (neben Sunshine und Pilatus auch an BE1, Aktuell und Ri) will er ein deutlicheres Wörtchen bei den derzeitigen Pooldiskussionen mitreden. Nebenbei: Die LZ-Medien-Holding hält weiter 6,5% bei Tele Tell, 23,75% bei Swissclick, 33,3% bei der Pressevertriebs AG (an der auch Ringier und die Zuvo je ein Drittel halten), 16,7% an der Surseer Woche, 32% an der Digitaldruck Pyramis AG und 100% an den Verlagen Maihof und Profi Press.
Doch bis der NZZ-Einstieg in Luzern wirklich möglich ist, müssen noch zwei (wohl eher kleine) Hürden genommen werden: Zum einen braucht es das Einverständnis der Wettbewerbskommission, zum anderen müssen die LZ-Medien-Aktionäre voraussichtlich an der GV vom 18. Juni die Vinkulierungsbestimmungen ändern, die den Einzelaktionären bisher Anteile von höchstens 20 Prozent zugestanden. Dann aber kann die NZZ zwei Personen für den zwölfköpfigen LZ-Medien-Verwaltungsrat zur Wahl vorschlagen. Die mit dem NZZ-Einstieg verbundene Erhöhung des Aktienkapitals um 2,6 Millionen auf 7,8 Millionen Franken war hingegen schon früher und in anderem Zusammenhang beschlossen worden.
Übrigens: Bei Tamedia, die einen 5-Prozent-Anteil bei der LZ- Medien-Holding hält, wollte man den Einstieg der NZZ nicht kommentieren.
NZZ will mit «P» über Pacht verhandeln
Der neue Pachtvertrag zwischen St. Galler Tagblatt und Publicitas ist unter Dach. Im Prinzip sei der bisherige Vertrag einfach verlängert worden, sagt Lauber. Wie lange, will er nicht sagen. Doch bestätigt er, dass beim SGT über einen Ausstieg aus der «P»-Pacht nachgedacht worden sei. Dieses Thema werde man aber mit der «P» erst besprechen, wenn die neue PubliGroupe-Führung unter Generaldirektor Hanspeter Rohrer im Amt sei, sagt Lauber.