Muse & Musse: Detlef Brose

Muse & Musse Detlef Brose Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht? Detlef Brose: Konzerte in der Berliner Sinfonie und beim Berliner Classic Open Air. Das Ambiente auf dem

Muse & Musse Detlef Brose Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Detlef Brose: Konzerte in der Berliner Sinfonie und beim Berliner Classic Open Air. Das Ambiente auf dem Gendarmenmarkt ist überwältigend, und die Berliner Sinfonie ist ebenso beeindruckend.
Was lesen Sie gerade?
Brose: Im Moment lese ich nur Sachbücher (Statistik, Wahrscheinlichkeitsverteilungen, Visual Basic für Excel-Anwendungen).
Welche CD hören Sie zurzeit?
Brose: Eine selbst zusammengestellte CD mit berühmten klassischen Stücken sowie eine Promotions-CD von Sebastian Knauer, einem befreundeten Hamburger Pianisten.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Brose: «Casino» mit Robert de Niro oder «Cincinatti Kid» mit Steve McQueen. Las Vegas und Casinos faszinieren mich.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Brose: Einschlafen würde ich bei Soaps oder «Big Brother».
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Brose: Ich möchte demnächst eine eigene Homepage gestalten.
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Brose: Auf Sport und Urlaub.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Brose: Ich habe zurzeit keine freie Minute.
Liebe ist…?
Brose: …mit einem Partner ein ganzes Leben zu verbringen.

20 Minuten Holding ab 2004 mit neuem Aktionariat?

Geht die 20 Minuten Holding, die Beteiligungen an Pendlerzeitungsverlagen in der Schweiz (100%), Frankreich (16%) und Spanien (67%) hält, 2004 an die Börse?

Geht die 20 Minuten Holding, die Beteiligungen an Pendlerzeitungsverlagen in der Schweiz (100%), Frankreich (16%) und Spanien (67%) hält, 2004 an die Börse?Zumindest wird ein IPO nicht ausgeschlossen. Möglich sind auch andere Umstellungen im Aktionariat und in der Holdingstruktur. Die Aktionäre haben bei ihrem Einstieg vertraglich vereinbart, dass sie ab Ende 2003 gemeinsam mögliche Ausstiegsszenarien für die von der A&A-Gruppe geführten Investoren (29,1%) und Apax (27,8%) prüfen. Dies erklärte Chris Tanner auf Anfrage. Er führt die von der A&A-Gruppe zusammengestellten Investoren an und amtet als einer der Verwaltungsräte bei der 20 Minuten Holding. Zu den denkbaren Umstellungen gehört laut Tanner der Ausstieg von einem oder beider Investoren oder der Verkauf von Teilen ihres Aktienpaketes. Möglich sei auch, dass einzelne Teile der Holding (etwa die 20 Minuten Schweiz AG) verkauft würden. Jedenfalls halte das norwegische Verlagshaus Schibsted, es ist mit 41,3% an der Holding beteiligt, ein Vorkaufsrecht. Weitere 1,8% hält das Holding-Management.
«Finanzinvestoren wollen beim Start ihres Engagements auch den Ausstieg fixieren», sagte Tanner, allerdings gebe es dafür keine Eile. «Für einen Verkauf ist zumindest jetzt der falsche Zeitpunkt.» Dennoch würden allfällige Offerten jederzeit geprüft. «Aber wir stehen jetzt ganz klar mit niemandem in Verhandlung», unterstrich er. Ob es schon zu Beteiligungs-sondierungen mit Ringier, Tamedia oder NZZ gekommen ist, wollte er nicht beantworten (siehe Seite 11). Bei der Apax Partners Beteiligungsberatung GmbH in München erklärt Christian Stahl, für Medieninvestitionen zuständig, dass kein Ausstiegsdruck bestehe, die aufgelegten Fonds würden zehn Jahre laufen. (mk)

Kopf der Woche: «Ungewohntes erweckt mehr Aufmerksamkeit»

Daniel Comte ist ab Juli neuer Creative Director bei Advico Young & Rubicam

Daniel Comte ist ab Juli neuer Creative Director bei Advico Young & RubicamKopf der Woche «Ungewohntes erweckt mehr Aufmerksamkeit»
Die Herausforderung ist gross: «Advico ist ein super Brand, der für ausserordentlich kreative Werbung steht. Das ist genau das, was ich wieder vermehrt machen will», meint Daniel Comte. Dass ihn in Gockhausen kein leichtes Erbe erwarten wird, macht dem neu erkorenen CD keine Angst. «Nach wie vor sind viele gute Leute bei Advico geblieben, mit denen ich früher oder bei McCann schon einmal gut zusammengearbeitet habe», weiss er.
Sehr jung hat Comte seine Schritte in die Werbung gesetzt. Sein Vater war Werbeleiter bei Biella-Neher in Biel, wo klein Dani deshalb bereits als Bub Maquetten kleben durfte. Nach der Kunstgewerbeschule arbeitete Comte zuerst als Grafiker und dann mit 22 Jahren bereits als Atelierleiter bei seinem Lehrer Christian Jaquet. Nach vier Jahren Werbung für Kunden wie Berner Zeitung oder Schweppes ging er nach Basel zur GGK. Sein «längster Comic-Strip der Welt» für Michel-Fruchtsäfte erstreckte sich damals auf 34 Plakatstellen über 50 Meter an der Weinbergstrasse und brachte ihm 1992 erstes ADC-Gold.
Als Reinhold Weber mit Yvonne Hodel von der GGK in eigene Büros wechselte, folgte ihnen auch Daniel Comte und machte bei den Pionierjahren von Weber Hodel Schmid mit. 1994 wechselte er zu Dani Matter nach Zürich. Als CD bei Matter Leo Burnett war er vier Jahre in der Geschäftsleitung tätig. In dieser Zeit gewann er einen Eurobest mit dem sprechenden Plakat von Red Bull, auf dem ein Kätzchen wie ein Löwe brüllt, wenn man daran vorbeigegangen ist.
«Ungewohntes erweckt mehr Aufmerksamkeit», meint er und will auch in Zukunft «unausgetretene Pfade beschreiten sowie ein Medium neu beleben». Als Executive CD bei McCann, wohin ihn Edi Andrist geholt hatte, ist Comte vor allem stolz auf die Launchkampagne von Diax mobile sowie auf die Personality-Fotos mit Lauda, Tutu oder Agnelli von Richard Avedon für XL Winterthur international.
Bei Advico freut er sich nun, «dass die Kunden zuversichtlich sind, wie es weitergeht». Intern möchte er die Leute unterstützen, die bei Advico geblieben sind «und es denen zeigen wollen, die sich bis anhin am meisten hinauslehnen konnten». In der Werbung, meint Comte, brauche es heute viel mehr Energie, eine Idee gut zu behalten, als sie zuerst einmal überhaupt zu erfinden. «Alles wird zerpflückt, weil immer mehr Spezialisten in ein Projekt involviert sind und mitreden wollen.»
Daniel Comte ist verheiratet, hat drei Söhne von fünf, sieben und neun Jahren und lebt in Bern. Wie bereits seit 20 Jahren will er auch in Zukunft das Pendeln im Zug als kreative Umgebung und Chill-out, nämlich quasi als «Reinigungsphase zwischen Jobleben und Privatleben», weiter pflegen. Andreas Panzeri

Cinzano schenkt wieder ein

Guye Benker holt den Wermut aus der werblichen Versenkung

Guye Benker holt den Wermut aus der werblichen VersenkungMit einem Auftritt von Guye Benker (GB), Zürich, will der in Zug domizilierte Importeur von Cinzano, Campari Schweiz, einen Bekanntheitsverlust für Cinzano aufholen. Entstanden ist er aus einer knapp 20-jährigen Werbeabstinenz. Weil die Geschichte der Marke im 16. Jahrhundert beginnt, positioniert der Auftritt Cinzano als Originalwermut. Im Sinne einer authentischen Differenzierung kehrt die Low-Budget-Kampagne zu den Wurzeln des Produktes, zur Italianità, zurück. Bei der Darstellung dieser Inhalte verliess sich GB auf die Kraft des 1925 gestalteten Cinzano-Logos.
Das rechteckige Markenemblem ist durch die Diagonale in eine rote und eine blaue dreieckige Fläche unterteilt. Über die Farbfelder verläuft der Schriftzug. Er wird von negativen, von einem Goldrand umrissenen schattierten Kapitälchen und einem ebenso gestalteten grossen Z gebildet, das die Mitte des Markennamens bestimmt. Nach einer Interpretation des Importeurs soll die blaue Fläche das Mittelmeer symbolisieren, das rote Feld die Leidenschaft bedeuten und die Diagonale den Aufschwung darstellen.
Der Brandingauftritt erhebt das Logo in den Rang eines Key Visuals. Gestaltung und Typografie des Logos wurden unverändert übernommen. Lediglich den Namenszug hat man durch positionierende und Wörter mit aufforderndem Charakter ersetzt wie etwa «Originale» oder «CinCin».
Aufgelöst werden die in der Gastrofachpresse erscheinenden Motive durch den Slogan «Servieren Sie das Original». In Sujets für Konsumenten wird im Slogan das Verb servieren durch das Verb trinken ersetzt.
«Es ist uns einmal mehr gelungen, einen auffälligen Ansatz zu finden, der alle Zielsetzungen erfüllt», so Christophe Guye. (ew)

Fruchtkernmetamorphosen

Matter & Partner bewirbt Hero-Konfitüre

Matter & Partner bewirbt Hero-KonfitüreWie lässt sich das ziemlich ausgelöffelte Konfitürensortiment wieder beleben? Ganz einfach: mit neuen Kombinationen. Dies hat sich auch der führende Schweizer Konfitürehersteller Hero gesagt und im Juni eine neue Kreation auf den Markt geworfen. Die bewährten Geschmacksrichtungen Schwarze Kirsche, Aprikose und Zwetschge wurden jeweils mit Mandeln, Hasel- oder Baumnüssen angereichert. Für die Einführung der neuen Produktelinie «Nuss & Frucht» hat sich die Hero-Hausagentur Matter & Partner (M&P) etwas Besonderes ausgedacht: Das Team um CD Daniel Matter transformiert auf Anzeigen die natürlichen Steine dieser drei Früchte kurzerhand in die jeweilige Nuss.
Was in erster Linie als Eye Catcher dient, regt auch gleich die Fantasie und die Magensäfte an – davon ist man bei M&P überzeugt. Denn der Konsument weiss auf Grund der visuellen Umsetzung sogleich, was ihn geschmacklich erwartet. Die drei leckeren Anzeigensujets stimulieren seit Mitte Juni die Geschmacksrezeptoren der Leserinnen und Leser von SonntagsZeitung, NZZ am Sonntag sowie Coop-Zeitung. (sk)

No Lobby, no Lions!

Von Beat Fritsch

Von Beat FritschNicht umsonst findet das jährliche Festival der Werbung in Cannes statt. Die Franzosen haben schliesslich auch den Club Med erfunden. Und so ähnlich präsentiert sich jeweils die Stadt an der Côte d’Azur während einer Woche im Juni: als überdimensioniertes Clubdorf für Werber aus der ganzen Welt! Es herrscht eine angenehme und gelöste Stimmung – Halli und Hallo allenthalben, denn auf den Bummeltouren entlang der Croisette trifft man immer wieder auf bekannte Gesichter. Ganz zu schweigen von den langen Nächten, in denen man neben der Beziehungspflege viele neue Werber aus aller Herren Länder kennen lernen kann.Auch beim mittäglichen Lunch in einem der unzähligen Strandclubs stösst man fast immer auf Landsleute, sogar wenn man einfach auf gut Glück irgendwo reinspaziert. Aus der Schweiz waren gut hundert Gäste anwesend. Und niemals wird einem der Platz am Tisch verweigert, wenn man sich dazusetzt. Denn auch vermeintliche Geschäftsgeheimnisse erhalten in der lockeren Atmosphäre von Cannes plötzlich einen geringeren Stellenwert.
Der erste offizielle Anlass fand am Dienstag statt. Die Verleihung der Media-Lions sowie jener aus dem Press-&-Outdoor-Wettbewerb stand auf der Abendordnung. Samt anschliessendem Buffet im Beach Club des «Carlton». Von allen offiziellen Anlässen ist das der beste, denn Anfang Woche ist das Festival jeweils noch nicht so überlaufen. Und auch die Location ist unschlagbar: Direkt am Meer zu tafeln, hat schon was Mondänes; da fühlt man sich gleich wie Onassis und Trump zusammen. Das Milliardario-Feeling genossen unter anderem Otto Meier, Dani Strobel und Moreno Cavaliere von Publimedia, Martin Radelfinger und Roger Baur von Adlink, Christoph Morach von Mailprofiler und Jury-Mitglied Remy Fabrikant mit Ehefrau Mirjam Fabrikant. Anwesend auch die Mediaspezialisten Karin Baatsch von Carat, Josi Bauer von Starcom Adplus, Christoph Weber von OMD Zürich-City, Christof Kaufmann von OMD Schweiz, Axel Beckmann von Mediacom, Gerry Stadler von MPG sowie die RMB-Crew mit Corinne Blaser, Nicole Steinegger und Matthias Luchsinger. Apropos Publimedia – die Jungs hatten ja ziemliches Glück: Wegen des Streiks der französischen Fluglotsen kamen sie in den Genuss eines unfreiwilligen, aber sicher nicht unwillkommenen Verlängerungstages.
Derweil Festival-Chairman Roger Hatchuel vor Wut schäumte – der Streik kam ganz und gar ungelegen. Ganze Agenturcrews – viele Gäste kommen jeweils erst am Mittwoch nach Cannes – sollen wegen der Unsicherheit im Flugverkehr ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt haben. Andere stiegen aufs Auto um – und blieben prompt in einem der zahlreichen Staus stecken. Cannes 2002 dürfte wohl auch als Festival in Erinnerung bleiben, das vielen Leuten eine Menge Nerven gekostet hat – nicht nur der Preise wegen, die sie nicht bekommen haben…
Nervliche Anspannung war gegen Ende Woche auch bei den Schweizern zu spüren. Migros-Werbeleiter Beat Mühlemann und Exxtra-CEO Christoph Bürge äusserten beim Lunch am Donnerstag noch die Hoffnung auf einen Löwen, die sich aber am Abend jäh zerschlug. Auf der Filmshortlist waren nur Arbeiten von Wirz (1) und Publicis (5) zu finden. Hier muss aber betont werden: Schon ein Shortlistplatz in Cannes ist eigentlich Gold wert. Und von den Schweizer Einreichungen kamen knapp zehn Prozent in die Endauswahl – da sehen aber andere Länder um einiges älter aus! Die USA beispielsweise haben mit über tausend Einreichungen gerade mal vier Goldlöwen geholt, wogegen die Briten mit etwas mehr als vierhundert (und der zweithöchsten Anzahl) Einreichungen auf sieben Goldlöwen kamen. So lässt sich sagen, dass beispielsweise die Zürcher Publicis eine sehr kluge Festivalpolitik zu pflegen scheint: Von neun ihrer Filmeinreichungen landeten deren fünf auf der Shortlist – eine sehr gute Quote. Für einen Löwen hats letztlich auch nicht gereicht – und auch beim erstmals durchgeführten DM-Wettbewerb gingen die Schweizer leer aus. Wir hatten halt ein bisschen Pech dieses Jahr! Und zwar nicht nur im Wettbewerb.
So wurde Rudi Haller von HA Productions die Kreditkarte geklaut. Als er den Verlust drei Stunden später bemerkte, hatte sich der «Finder» bereits ein Nachtessen (300 Euro) und einen Ausflug in die «Martinez»-Bar (200 Euro) auf fremde Kosten geleistet. Doch damit nicht genug. Noch deftiger trafs Reiner Roduner von Absolutturnus. In der Nacht auf Samstag wurde sein Haus in Mougins leer geräumt: Laptop weg, Synthesizer weg, Kreditkarten weg, Pässe weg, alle Wertsachen und alles Geld weg. Dafür zusätzlich ganz viel Stress kurz vor der Abreise. Trotzdem erreichte man den gebuchten Rückflug noch knapp. Weniger Glück hatten Reinis Kollegen aus Deutschland: Sie parkten ihr Mietauto etwas unglücklich, weshalb es abgeschleppt wurde. Auslösen konnten sie den Wagen erst nach der polizeilichen Mittagspause, die in Frankreichs Midi bis in den Nachmittag hinein dauert. Folge: Flug verpasst!
Zurück zu den angenehmeren Seiten von Cannes. Der traditionelle Swisslunch war dieses Jahr auf Freitag angesetzt und fand neu auf der Plage Miramar statt. Der Anlass schien uns in den letzten Jahren allerdings etwas besser besucht – just an diesem Tag nämlich stiegen auch in Cannes die Aussentemperaturen ins Unerträgliche. Sodass der eine oder andere geladene Gast wohl dem Verbleiben im klimatisierten Hotelzimmer den Vorzug gegeben hatte.
Am Samstag gabs endlich das grosse Finale. Wegen der Sicherheit wurde einiges anders abgewickelt als auch schon. So achtete man darauf, dass keine grossen Menschenansammlungen entstehen konnten, weshalb die Tore des Palais de Festival zwei Stunden früher geöffnet wurden als sonst. Die Gäste wurden einzeln mit Metalldetektoren gescannt, und die Damen mussten sich eine Kontrolle ihrer Handtaschen gefallen lassen. Diese Prozedur gehörte übrigens auch während der Woche zum Prozedere, wenn man ins Palais rein wollte.
Weil die Jury heuer weniger Löwen vergab als in anderen Jahren, ging die Verleihung zügig über die Bühne. Leider sah man bei der Party danach im «Palm Beach» nur gerade vier Eidgenossen (Shortlist-Autor inklusive). Das ist natürlich ganz schlecht: Denn in Cannes gute Werbung einzureichen, reicht heute einfach nicht mehr. Da muss man lobbyieren, mit Leuten aus anderen Teilnehmerländern sprechen – der CD nebenan könnte ja nächstes Jahr ein Jurymember sein – kurz:
Exzellent machten dies Ingrid Thommen von Condor, die bei den Belgiern am Tisch sass, und Nicole Spring und Melanie Auerbach von Central Kontra Productions, die sich zu den Chilenen gesellten. Also ihr Leute: Nicht den Schweizer Igel machen, sondern politisieren. Zu verstecken brauchen sich die Schweizer nach allem, was man in Cannes gesehen hat, nämlich nicht!
Zu guter Letzt: Dem Scherzkeks, der mir am Sonntagmorgen kurz vor elf Uhr den Escort-Service aufs Zimmer orderte, möchte ich hiermit und coram publico bestellen, dass er das vielleicht nächstes Jahr etwas früher tun sollte (bei Bestellung gleich auch die Kreditkartennummer angeben!) – oder grad ganz bleiben lassen könnte. Weil ich verschlafen hatte und gar gräuslich im Stress war, um noch rechtzeitig auf den Flughafen zu kommen, konnte ich die nicht unansehnliche Dame nicht mal mehr auf einen Kaffee einladen – und wer hier jetzt weiterdenkt, kann gleich noch die Bilder auf Seite 9 angucken und den Text dazu lesen…
Bleibt noch, den Sponsoren kräftig die dankende Hand zu schütteln. Die diesjährige Berichterstattung sowie die tägliche Shortlist auf dem Internet wurden ermöglicht durch die Firmen Absolutturnus, Adlink, Mailprofiler und Publimedia. Und ein Extra-Dankeschön geht an Nicole Steinegger von RMB. Sie organisiert jeweils weltmeisterlich den Cannes-Aufenthalt für viele Schweizer Gäste, samt Rahmenprogramm – und das mit der routinierten Perfektion eines Schweizer Uhrwerks.
Beat Fritsch

mit «Wilbert dem Grossen», Produzent und Flugzeugverpasser aus Germany, an Reiner Roduners Gartenparty in Cannes. Das war aber nur einer der unzähligen Events, die letzte Woche an der Côte über die Festivalbühnen gingen. Zusätzlich trifft man sich nicht nur an Fiestas, sondern jeweils auch noch zum abschliessenden Schlummertrunk auf der «Martinez»-Terrasse. Und das sind sehr spät angesetzte Schlummis (oder früh – hängt vom Zeitgefühl ab), denn im «Martinez» gehts erst um zwei Uhr morgens so richtig los. Weshalb auch diese Woche noch einzelne Cannes-Besucher mit Augenringen unterwegs gewesen sein dürften.
Welche Werber sich an Partys, an Festivals oder einfach auf einen Drink treffen, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Branche. Haben Sie jetzt schon etwas Spannendes zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01
296 97 98) oder in die Tastatur ([email protected]). Für Veranstaltungstipps wie auch weitere Bilder aus Cannes: www.werbewoche.ch

Spiel mir das Lied vom Glück

WHS Zürich inszeniert Prominente am Spieltisch für das Grand Casino Baden

WHS Zürich inszeniert Prominente am Spieltisch für das Grand Casino BadenVon Ernst Weber Nicht des schnöden Mammons wegen soll man das Grand Casino Baden besuchen, das am 5. Juli eröffnet wird, sondern um in der Welt der Schönen und Reichen glücklich zu sein. Dazu fordert eine von Weber Hodel Schmid (WHS), Zürich, konzipierte Eröffnungskampagne auf.
Das Casino Baden ist via bundesrätliches Dekret ein Grand Casino geworden. Als solches darf die Spielbank alle in den klassischen europäischen Casinos üblichen Glückspiele anbieten wie etwa Baccarat, Black Jack, Boule, Poker, Roulette und Glücksrad.
Detlef Brose, seit Februar CEO des Grand Casinos, rechnet, dass dieses Angebot rund 1500 Besucher pro Tag anziehen wird. Er schätzt, dass das Casino einen Jahresgewinn von zirka 100 Millionen Franken mit 300 Mitarbeitenden erzielen wird – 200 davon sind in der Spielbank, 100 in der Gastronomie tätig.
Auch wer verliert, gewinnt: Ein vornehmes Vergnügen
Weil das Grand Casino Baden kein Ort für Glücksritter und Spielsüchtige sein will, setzt ein von WHS, Zürich, konzipierter Lancierungsauftritt die Positionierung «das andere gehobene Ausgehvergnügen» um.
Anzeigenmotive und Plakatsujets zeigen Prominente, wie man sie kaum je gesehen hat: einen ausgerechnet weiss gekleideten H.R. Giger etwa, der zugleich sich, Mephisto und Marlon Brando darstellt, oder einen Polo Pokerface Hofer, der immer noch ein Ass im Smokingärmel hat.
«Üblicherweise arbeitet man mit Prominenten, weil sie prominent sind. In diesem Fall war es von der Idee her zwingend. Würde man die Person auf dem Bild nämlich nicht kennen, könnte man auch nicht sagen, was an ihr anders ist als sonst», erklärt dazu WHS-CD Reinhold Weber.
Im Stil von Autogrammkarten fotografiert, wie sie die Hollywood-Stars der Dreissiger- und Vierzigerjahre benutzten, entführen die hochformatigen Motive, den Betrachter in eine Wunsch- und Glamourwelt. Unterstützt wird die Idee durch die Kampagnen-Headline «Einmal anders ausgehen».
«Die Motive drücken Spielvergnügen aus. Es wäre aber zu eindimensional gewesen, hätten wir das Spiel und das Spielen in den Mittelpunkt des Auftritts gestellt», so Weber.
Das Casino muss auch die Spielsüchtigen schützen
Anstatt sich zu sehr bei offensichtlichen optischen und verbalen Hinweisen auf das Casino aufzuhalten, mystifizieren die Aufnahmen das Glücksspiel. Insbesondere das zwielichtige Motiv mit H.R. Giger drückt aus, dass dem Besucher am Spieltisch zwar das Glück lachen, aber geradeso gut auch das Verderben lauern kann. Dazu ergänzt Detlef Brose: «Die Konzessionsvergabe war auch an die Bedingung eines Sozialkonzepts zur Früherkennung und zum Schutz von Spielsüchtigen geknüpft. Für uns ist die Spielsucht ein wichtiges Thema.»
AD–Rating

Grand-Dasino-Baden-Kampagne Heavy K.o. in der ersten Runde für die Appenzeller-Werbung! Diese Woche steigt Reini Weber in den Ring, fürs Grand Casino Baden. Die Ratings, wie immer, bitte auf www.werbe woche.ch/adrating
Appenzeller-KampagneTop: 3,87%
Flop: 96,13%
Lob und Tadel der Ad-Raters zusammengefasst auf www.werbewoche .ch/adrating/comments

Im Bann des Zwielichts

WHS siedelt das Grand Casino Baden zwischen Gut und Böse an

WHS siedelt das Grand Casino Baden zwischen Gut und Böse anVergangenen November sicherte der Bundesrat, einer Empfehlung der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESK) folgend, dem bereits seit 125 Jahren bestehenden Casino Baden eine A-Konzession zu. Nun nimmt die Spielbank im Kanton Aargau am 5. Juli den Spielbetrieb als Grand Casino auf. Insgesamt vier Bewerbungen um eine Grand-Casino-Lizenz wurden bei der ESK aus der Konzessionsregion Nordostschweiz eingereicht, zu der auch die Stadt und die Region Zürich gehören.
Definitiv wird der Spielbank die Konzession erst nach Abnahme des Casinos durch die ESK in diesen Tagen erteilt. Doch dürften kaum noch Einsprachen den Lauf der Badener Roulettekugeln aufhalten.
Ein Lancierungsauftritt der Zürcher Agentur Weber Hodel Schmid (WHS), die auch das Corporate Design und das Logo der Spielbank gestaltet hat, soll die Stätte des Glücksspiels als vornehm knisterndes Ausgeherlebnis positionieren.
Die Motive, in denen Prominente als Spieler auftreten, versuchen vielmehr Distinguiertheit zu transportieren, als den Eindruck einer Spielhölle im Stile von Las Vegas zu erwecken. Aus demselben Grund zielt die Kampagne nicht auf chronische Tischspieler, Spielsüchtige und per Car Anreisende, die scharenweise ins Automatencasino einfallen. «Wir versuchen jene anzusprechen, die vielleicht noch nie in einem Spielcasino im Ausgang gewesen sind», sagt WHS-CD Reinhold Weber. Seite 6

Der rosa Traum von der Zukunft

Die Dokumentation «All-American Ads» entdeckt die Fifties noch einmal als Ideenquelle

Die Dokumentation «All-American Ads» entdeckt die Fifties noch einmal als IdeenquelleVon Andreas Panzeri Werbung in den Fünfzigerjahren war vor allem geprägt von Amerika. Während der Kalte Krieg eskalierte, brachen US-Familien, vom Kaufrausch getrieben, ins Zeitalter der modernen Technik auf. Eine dankbare Herausforderung für die Werbebranche, wie der ideenreiche Sammelband «All-American Ads» auf über beinahe tausend Bildseiten zeigt.
In der Werbung der Fünfzigerjahre spiegeln sich amerikanischer Stolz und ein Gefühl der Sicherheit. Dem sowjetisch gefärbten Kommunismus steht das Land der unbeschränkten Möglichkeiten gegenüber. Das kapitalistische System verspricht der Gesellschaft kurz nach dem Krieg ein neues Lebensgefühl mit Tausenden von neuen Produkten. Aus der damals endlosen Vielzahl von immer bunter werdenden Magazinen ergiesst sich eine Flut von Anzeigen über die Leser.
«Es gibt in den Fünfzigerjahren kein Produkt, für das nicht geworben wird», schreibt Jim Heimann im Vorwort zu seinem Buch «All-American Ads». Der Grafiker, Autor und Historiker lebt in Los Angeles und lehrt am Art Center College of Design im kalifornischen Pasadena. Heimann hat sich einen Namen gemacht mit zahlreichen Büchern über Architektur, Populärkultur und über die Geschichte Hollywoods.
Bereits im letzten Jahr hat Heimann den Bildband «All-American Ads» mit Werbung aus den Vierzigerjahren publiziert. Nach den Fifties gibt es in diesem Jahr auch noch die Sammlung mit Anzeigen und Plakaten aus den Sixties und den Dreissigerjahren sowie im kommenden Jahr die «Ads» aus den Zwanzigern und den Siebzigern.
Herausgegeben werden diese für Kreative und für an Kulturgeschichte Interessierte wertvollen Dokumentationen vom deutschen Taschen Verlag. Das Kölner Verleger-Ehepaar Angelika und Benedikt Taschen – mit Wohnsitz inzwischen auch in Los Angeles – gilt als «Popstar der Branche» und geniesst weltweiten Erfolg mit seinen Kunst- und Erotikbüchern.
Begonnen hatte alles 1980 mit einem nicht funktionierenden Comicbuchladen. Vier Jahre nach der Gründung stand der 24-jährige Besitzer Benedikt Taschen vor der Pleite. Der Zufall wollte es aber, dass er 40000 amerikanische Magritte-Bücher für einen Dollar pro Stück aus einer Konkursmasse ergattern konnte. Zwei Monate später waren alle wieder für 9.95 Mark verkauft.
Das brachte den Verleger auf den Geschmack. Taschen produzierte Kunstbücher von Renoir, Chagall oder Picasso und brachte alle zu Schleuderpreisen zwischen 9.95 und 49.95 Mark auf den Markt. Das Erfolgsgeheimnis: Taschen nutzte Qualitätsdruckplatten, um Auflagen bis zu 100000 Exemplaren zu drucken. Eine im Kunstbuchmarkt bisher nie gewagte Zahl. Doch die billigen Bücher hat Taschen gleich palettweise in die grossen Buchhandlungen liefern können.
Heute verkauft Taschen jährlich rund 15 Millionen Bücher in den Bereichen Architektur, Design, Lifestyle, Kunst und Erotik. «Taschen hat mit diesem Massengeschäft die Grenze zwischen Trivial- und Hochkultur abgeschafft», anerkennen namhafte Kulturkritiker. Gleichzeitig hat Taschen mit dem 30 Kilogramm schweren Fotoband «Sumo» von Helmut Newton werbewirksam nicht nur die schwerste, sondern für 5000 Mark auch eine der teuersten Neuerscheinungen auf den Markt gebracht.
Viel Kreativität für nur ein paar Rappen pro Idee
«All-American Ads» kostet 49.95 Franken pro Band oder knapp einen Rappen pro abgebildetes Werbesujet, denn auf vielen Seiten hat Jim Heimann gleich mehrere Ads zum gleichen Thema zusammengestellt. Im Buch sind diese Inserate und Plakate unkommentiert, aber sinnvoll nach Kapiteln wie Alcohol&Tobacco, Atomic/Defense, Automobiles, Consumer Products, Entertainment, Fashion & Beauty, Food and Beverage, Industry, Interiors sowie Travel eingeteilt.
Die Anzeigen mit Träumen und Alltagsszenen aus den Fifties lassen den Betrachter förmlich in andere Zeiten und Welten eintauchen. Für den Werber bilden die Sujets nicht nur eine überquellende Dokumentation zur Stilgeschichte. Sie sind auch eine verführerische Anregung zum Ideenklau oder zumindest Basismaterial für amüsante und weiterführende Brainstormings. «All-American Ads», Taschen Verlag, www.taschen.com

Spherix mit Zürcher Dépendance

Erstaunlich ist das schon: In einer Zeit, in der manche Webagenturen mit Konkursen oder Personalabbau auf die Internetkrise reagierten

Erstaunlich ist das schon: In einer Zeit, in der manche Webagenturen mit Konkursen oder Personalabbau auf die Internetkrise reagierten, konnte die St.Galler Spherix seit ihrer Gründung vor knapp zwei Jahren konsequent wachsen. Ihr Erfolg basiert auf der Positionierung als Multimedia- und Designagentur. Mit der Eröffnung des Büros in Zürich schliesst sich für Geschäftsgründer und -leiter Pasquale de Sapio der Kreis. Denn seine Karriere nahm Anfang der Neunzigerjahre nur einige Häuser weiter bei Radio 24 seinen Lauf. Damals unterstützte der gelernte Tontechniker Patrizia Boser beim Launch der Freitagabend-Sendung «Trends». Tätigkeiten in diversen Tonstudios und Beteiligungen an Musikproduktionen der BMG Ariola für Künstler wie Michael von der Heide folgten, bevor de Sapio, zurück in der Ostschweiz, bei Videcom für die Vertonung von SF-DRS-Produktionen wie «Fascht e Familie» und «Mannezimmer» verantwortlich zeichnete. Die Aneignung innovativer Multimediatechnologien ergab sich so von alleine.
Fasziniert von Flash, erkannte er schon früh das Potenzial des Tools und propagierte es in verschiedenen Produktionen. Dank der zunehmenden Aufträge und des Know-hows in Sachen Audio-Vision wagte er vor zwei Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. De Sapio gründete in St.Gallen eine Multimedia- und Designagentur, die ihre Nische in der visuellen ästhetischen Orientierung gefunden hat und erfolgreich bewirtschaftet. «Dieses USP erleichtert die Integration des Kunden in allen Produktionsphasen der digitalen Kommunikationsmittel», sagt de Sapio.
Mit «High-End-Packages» wie zum Beispiel der «Aua Extrema»-CD-ROM für den Expo.02-Auftritt der Ostschweizer Kantone verhalf Spherix vielen Kunden zu interaktiven Medienauftritten. Und die eigene Firmenpage wurde schon mit internationalen Designawards prämiert. Das erklärt auch die Kundenliste mit namhaften Firmen – von Avis über mehrere Kantonalbanken bis Warner Music. Da das achtköpfige Designer- und Programmiererteam immer mehr Mandate aus dem Mittelland und Zürich betreut, war die Eröffnung der Zweigstelle die logische Folge des Aufschwungs.
Ihren Hauptumsatz generiert Spherix im Onlinegeschäft und in der Veredelung bestehender Sites. Marktpotenzial macht die Agentur dank ihres audiovisuellen Stilbewusstseins bei Image- und Lifestyle-orientierten Aufträgen aus. Dass die Expansion in einer heiklen Konjunkturphase geschah, macht de Sapio keine grossen Sorgen, denn: «Die Visionen gehen uns nicht aus…» Luca Aloisi

«Wir brauchen keine Werbeagenturen»

Am Internationalen Werbefestival in Cannes wird Nicolas G. Hayek als «Advertiser of the year» ausgezeichnet

Am Internationalen Werbefestival in Cannes wird Nicolas G. Hayek als «Advertiser of the year» ausgezeichnetDie Auszeichnung «Advertiser of the year» wird in Cannes an Nicolas G. Hayek für die innovative Produkteentwicklung und kreative Werbung von Swatch vergeben. An der Präsentation des Swatch-Olympia-Engagements 2004 in Athen befragte die WerbeWoche Nicolas G. Hayek, Nick Hayek junior und den Swatch-Präsidenten Michele Sofisti über das Geheimnis der Swatch-Werbung. Beim «Advertiser of the year» in Cannes geht man davon aus, dass er die beste Werbung aller Global Players macht. Wieso geht dieser Preis ausgerechnet an Sie und damit an die Werbung für Swatch?
Nicolas G. Hayek: Weil wir sehr nahe am Volk sind. Wir haben eine dynamische Botschaft, die wir selber vermitteln. Diese Botschaft ist verständlich für alle, wirkt provokativ und wahrheitsgetreu.
Wie weit kümmern Sie sich als Chairman und CEO selber um die Werbekonzepte?
N. G. Hayek: Sehr viel. Bei unserer Prestigemarke Breguet hundert Prozent, bei Swatch fünfzig, bei Omega etwa siebzig Prozent. Ich bin bei der Produktgestaltung ebenso präsent wie bei der technischen Produktgestaltung und natürlich bei der Werbung.
Was macht den Alltagsgegenstand Uhr zum Lifestyle-Produkt?
N. G. Hayek: Uhren sind wie Malerei, Skulpturen und Musik: Uhren sind Kunst. Wenn Sie die Breguet an meinem Handgelenk anschauen, dann ist das für mich ein Kunstwerk wie ein Picasso. Sie kostet auch ähnlich viel. Uhren sind emotionale Konsumgüter und nicht normale Gegenstände. Und das müssen Sie als Uhrenhersteller auch so kommunizieren.
Was ist an der Swatch-Werbung so speziell, dass Ihr Vater in Cannes als internationaler «Advertiser of the year» ausgezeichnet wird?
Nick Hayek junior: Weil wir nicht Werber sind, sondern weil wir eine echte Botschaft haben, und weil wir immer wieder aussergewöhnliche und innovative Sachen machen – ohne Werbeagenturen.
Alles inhouse?
N. Hayek jr.: Ja, alles inhouse. Das gesamte Konzept für diesen Anlass hier in Athen oder kürzlich die Proklamation des 27. Kantons auf Star-TV im Rahmen der Expo.02 sind inhouse entwickelt worden. Wir brauchen keine Werbeagenturen.
Werbeagenturen sind Ihnen also zu schlecht als Ideenlieferanten?
N. Hayek jr.: Überhaupt nicht. Werbeagenturen sind gut. Nur helfen viele nicht einer Firma, ihre Botschaft zu entwickeln, sondern haben eigene Interessen. Die Werbeagentur will zuerst sich selbst vermarkten – und erst dann den Kunden. Natürlich arbeiten auch wir mit Werbeagenturen in einer fortgeschrittenen Phase eines Projekts. Die Werbeagenturen sind aber nicht diejenigen, die uns sagen, was wichtig wäre für Swatch. Wir engagieren sie nur für spezielle Aufgaben.
Wie gross ist Ihr internes Team?
N. Hayek jr.: Das können zuerst fünf Leute sein, dann werden alle Spezialisten in den später an der Aktion beteiligten Ländern miteinbezogen. Zum Schluss sind wir vielleicht ein Team von 20 bis 30 kreativ arbeitenden Leuten.
In Athen arbeiten Sie nun mit der Verbindung Sport/Kunst. Was ist hier die Botschaft?
N. Hayek jr.: Kunst kann bewegen und berührt die Menschen. Sport tut das Gleiche. Im Sport sehen wir Leistungen von Einzelnen und von Teams, welche die Menschen auf der ganzen Welt begeistern und mitziehen. Wenn wir jetzt Kunst zum Volk bringen, ist der Effekt der gleiche. Die Leute werden begeistert und über den Event mit hineingezogen.
Der Event läuft unter dem Begriff «Kaleidoscope». Was soll dieser Name bedeuten?
N. Hayek jr.: Das ist mehr eine Verbindung zu Swatch als zu Athen. Das heisst, man kann etwas von verschiedenen Seiten her betrachten. Die 150 eingeladenen Künstler und Persönlichkeiten wie Peter Fonda, Vivienne Westwood, Claude Nobs, No Angels und viele internationale Sportstars mussten Sportgeräte mit Hilfe von verschiedenen Bestandteilen aus unseren Uhren in Kunstwerke verwandeln.
Ist Athen der bisher grösste Event in diesem Stil?
N. Hayek jr.: Nein, Athen liegt auf einer Linie mit anderen Events. Wir haben die Internetzeit auf einem Gletscher lanciert. In Sizilien haben wir einmal unser Olympia-Engagement mit Pferderennen im Stile von «Ben Hur» präsentiert. Mit unserer Nobelmarke Breguet waren wir im Château de Versailles. Swatch sucht für seine Events immer aussergewöhnliche Orte.
Wie viel kostet das Swatch-Sponsoring an der Olympiade in Athen?
N. Hayek jr.: Das ist ein Geben und Nehmen. Swatch arbeitet hier auf zwei Ebenen. Wir liefern mit Swiss Timing die Daten für die offizielle Zeitmessung. Das ist ein Auftrag. Wir haben einen Vertrag als Timekeeper und Datahändler bis ins Jahr 2010 und machen die offizielle Zeitmessung für Athen, Turin im Winter 2006 und die Sommerspiele in Peking im Jahr 2008 sowie für die noch zu bestimmende Winterstadt 2010. Dafür werden wir bezahlt. Parallel dazu leisten wir einen Sponsoringbeitrag mit Swatch. Aber auch diese Rechnung wird aufgehen, weil wir als Gegenleistung speziell für Athen entwickelte Swatch-Uhren weltweit verkaufen können.
Sie haben den Pitch gegen die japanische Konkurrenz gewonnen.
N. Hayek jr.: Die Schweiz ist ja schon lange für die offizielle Zeitmessung zuständig. Dazu kommt, dass es keine andere Marke gibt, die für das perfekte Funktionieren der Zeitmessung garantieren und gleichzeitig noch ein Marketingkonzept darum herum anbieten kann, das die Leute berührt.
Ihr Olympia-Botschafter wird Carl Lewis sein. Was erwarten Sie vom neunfachen olympischen Goldmedaillengewinner und bisher schnellsten Mann der Welt?
N. Hayek jr.: Carl Lewis ist der ideale Botschafter für uns. Er vermittelt die Message, weil er ein aussergewöhnlicher Sportler ist, der sehr viele Emotionen und positive Provokation ausgelöst hat. Zudem ist er ein Mann, der immer auf Design und Style geachtet hat. Er fällt auf. Bei uns ist er nicht nur Aushängeschild, sondern eingebunden in das Design und in die Gestaltung von Events. Er wird auch als Fachmann beim Timekeeping dabei sein. Seit 1984 arbeiten wir mit ihm zusammen. Sein Club in Los Angeles testet beim Training unsere Anlagen und gibt uns Feedback für die weitere Entwicklung. Carl Lewis kommt also nicht nur zur Autogrammstunde.
Wann geben Sie Ihr erstes Autogramm als CEO Swatch-Group?
N. Hayek jr.: Titel sind uns nicht wichtig. Aber wahrscheinlich werde ich die Funktion des CEO ab 1. Januar 2003 übernehmen.
Viele Unternehmen weltweit verkaufen Alltagsuhren – aber nur Swatch hat das Image des Lifestyle-Accessoires. Nicolas G. Hayek wollte es uns nicht verraten: Was ist das Geheimnis dieses Brandings, Monsieur Sofisti?
Michele Sofisti: Das Geheimnis ist Emotion und viel Kreativität. Das ist seit dem ersten Tag von Swatch so und wird immer so sein. Wir geben unseren Kunden zusätzlich zu den Uhren gewisse Emotionen und Farben mit, über die sie sich freuen können. Wir möchten mit unseren Uhren und mit allem, was wir machen, direkt in die Herzen der Leute kommen.
Swatch gestaltet solche Events ohne externe Werbeagenturen, sondern inhouse. Was halten Sie persönlich von diesem Konzept des Do-it-yourself?
Sofisti: Alle, die bei Swatch arbeiten, sind Sammler unserer Uhren oder zumindest mit grosser Leidenschaft dabei. Dann ist es für unsere Belegschaft eine Freude, wenn wir ein Meeting machen, an dem sich alle mit ihrem Können beteiligen dürfen. Die ganze Idee für diesen Anlass hier in Athen ist bei uns geboren und gewachsen, und für so etwas, glaube ich – ohne jetzt arrogant zu sein –, kann man intern mindestens auf gleichem Niveau wie eine Werbeagentur arbeiten. Wir bringen die Leidenschaft und das Herz für unser Produkt mit. Dazu arbeiten wir im direkten Kontakt mit Nick Hayek senior und junior. Ich glaube nicht, dass sich in einer Agentur mehr kreative Leute zur Zusammenarbeit einfinden.
Wie viel Anteil an Swatch ist Emotion und Image im Verhältnis zum reinen Material der Uhr?
Sofisti: Ich glaube, dass die Emotion die Hauptsache ist. Die Emotion durch das Produkt. Von diesem Punkt aus kann man mit Werbung arbeiten. Aber die Emotion bleibt die Hauptsache. Interview: Andreas Panzeri

News: WM-Quotenspitze

Die Fussball-Weltmeisterschaft entwickelt sich für Sat 1 Schweiz zum Quotenschlager.

Die Fussball-Weltmeisterschaft entwickelt sich für Sat 1 Schweiz zum Quotenschlager.WM-Quotenspitze Laut Sat-1-Vermarkterin RMB Switzerland erreicht der Privatsender neu den grössten Marktanteil (MA). Im 24-Stunden-Schnitt (15–49-Jährige) erzielte Sat 1 demnach 15,7% und lässt die Privaten (RTL 9,3%, Pro 7 8,9%, RTL 2 5,6%) wie auch die SRG-Sender (SF 1 14,2%, SF 2 6%) hinter sich. Für welchen Zeitraum diese Zahlen gelten, gab RMB nicht an. Da die Zuschauerzahlen der Fussball-WM weit über den erwarteten Werten lägen, verzeichne bei Sat 1 gebuchte Werbung aktuell 25% mehr Leistung.
Meyer’s Ende Der Verlag Meyer AG (VM) stellt ihre Frauenzeitschrift Meyer’s definitiv ein. 55 Angestellte werden entlassen. Tamedia übernimmt den Adressstamm von Meyer’s; die Abonnenten erhalten als Ersatz für die Frauenzeitschrift künftig die Schweizer Familie zugestellt. Meyer’s erscheint in dieser Woche zum letzten Mal.
Bertelsmann will Fachverlage verkaufen Der deutsche Mediengigant Bertelsmann will offenbar seine Fachverlagsgruppe BertelsmannSpringer loswerden. Dies kündigte der Vorstandsvorsitzende Thomas Middelhoff in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung an. «Geschäfte, die unseren Anspruch nach Marktführerschaft nicht erfüllen und nicht ins Konzept eines integrierten Medienkonzerns passen, stehen auf dem Prüfstand», sagte er. Es zeige sich, dass BertelsmannSpringer diese Kriterien nicht erfülle. Zu BertelsmannSpringer gehören in der Schweiz unter anderen der Birkhäuser Verlag, MVS Baumarketing, die Schück Söhne AG und die Media-Daten AG, welche die WerbeWoche herausgibt.
Newsagenturen europas in Bern Die European Alliance of News Agencies (Eana) wählte an einer ausserordentlichen Generalversammlung Bern als seinen Geschäftssitz. Im Verband sind 28 nationale europäische Newsagenturen vereinigt, darunter auch die Schweizerische Depeschenagentur.
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