Aufgefallen: Bei den Stichworten biologischer oder biodynamischer Weinbau trocknet es manchem Weingeniesser die Zunge aus.
AufgefallenBei den Stichworten biologischer oder biodynamischer Weinbau trocknet es manchem Weingeniesser die Zunge aus. Denn er denkt an dumpfe, verstaubte und ungeniessbare Säfte. Während im kulinarischen Angebot nicht oft genug auf die bi
Kolumne
In der Tat von Michael Barney
Nur Insidern wird die Headline meiner Kolumne verraten, worum es geht: Klar, die Fussball-WM. Denn in der Tat gehört eine solche Redewendung dem Kommentator Günter Netzer in der ARD. Kaum lässt sein Gegenüber im Studio, der blasse, schlecht gekleidete Gerhard Delling, eine Frage oder eine Behauptung in Richtung des stets gut gekleideten Herrn Netzer los, antwortet der ehemalige Gladbacher mit: «In der Tat, und so weiter…». Ich bin mit Günter Netzer quasi aufgewachsen. Nein, nicht an seiner Seite bei Borussia Mönchengladbach, sondern vor dem Fernseher. Unvergesslich, seine späte Einwechslung beim Pokalendspiel gegen den 1. FC Köln und seinem grandiosen Siegestor damals. Netzer war einer der ersten deutschen Fussballer mit langen Haaren und einer eigenen Diskothek. Der Spiegel schwärmte damals von der fast schon erotischen Ballliebe, wenn er vor einem Freistoss das runde Leder lange und ausgiebig drehte und streichelte. Ja, Günter Netzer wars, der mit wehender Mähne und breitem Oberkörper zum Sexsymbol avancierte. Zugegeben, nicht schwer gegen einen dumpfen Gerd Müller, gegen Affenkopf Paul Breitner oder den ehemaligen Postbeamten Franz Beckenbauer. Als Günter Netzer dann noch im Trikot von Real Madrid spielte, da war er wirklich kult. Und jetzt, als Kommentator, ist er es sowieso. Das findet auch mein Art Director Reto Leierer, der für Frankreich schwärmt und bisher viel leiden muss, in der Tat. Ebenso unser Fernando, der als Argentinier zurzeit durch die Hölle geht. Ich als Deutscher leide weder unter «Völlerei» noch Nationalstolz. Da meine Mutter aus Flandern stammte, war ich eher für die Belgier. Auch wenn die es nicht weit gebracht haben. Darauf würde der Herr Netzer mir mit einem eindeutigen «in der Tat» antworten.
Michael Barney ist Senior-Copywriter bei der Lowe Werbeagentur, Zürich.
Business Lunch
Petite Eloge auf das Chemmeribodebad-Meringue Was im wuseligen, umtriebigen Zürich ein anglofon angehauchter Business Lunch ist, nennt sich in Bern viel soignierter Déjeuner d’affaires. Besonders auf einer so noblen Terrasse wie der des Hotel Bellevue Palace. Wenn die Sonne scheint, ist dieses Frischluftrestaurant bis auf den letzten Platz gefüllt. Blick auf Aare und Marzilibad, Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, Blick aufs Palais Fédéral. Man luncht im Zentrum der Schweiz und wird von einer Servicebrigade mit auserlesensten Manieren bedient. Das ist schön, erholsam zuweilen – allerdings sitzt man draussen doch eher eng beisammen und sollte darum nicht über das Innenleben militärischer Sicherheitsanlagen und noch weniger über das Privatleben von Parlamentariern parlieren.
Das Déjeuner wird für 66 Franken angepriesen. Nicht wenig, aber auch nicht viel, bedenkt man die A-la-carte-Preise für Hauptgerichte (zwischen 36 und 54 Franken). Begonnen wurde mit hauchdünn geschnittener Bresaola auf reifen Charentais-Melonenstücken mit erstklassigem Olivenöl und fein gehobelter Zitronenzeste. Erfrischend belebte der zitronige Nebengeschmack den Gaumen und verblieb dort gar nicht dominant. Zum Hauptgang servierte die Crew ein Wolfsbarschfilet, perfekt gebraten, mit Pestoreis und frischen Steinpilzen, garniert mit einigen Basilikumblättern. Pestoreis? Das ist, mit Verlaub, ein gastronomischer Unsinn erster Klasse: trocken der Reis, das Pesto ohne Rasse. Pesto gehört in die Pasta oder als Salsa Verde zu gekochtem Fleisch. Mehr vermag es nicht. Die enge Bestuhlung erlaubt es leider nicht, dass die Brigade danach mit dem Dessertwagen vorfährt. Sehr schade! Pfirsichsalat mit Himbeersorbet und Pfirsichroulade: In Ordnung. «Chirschi-Prägu» (Weichseln im Kirschensaft) mit Meringues vom Chemmeribodebad und Vanilleeis: Sehr lecker und sehr geschmacksreich, dieses Meringue. Verdient aufgespürt zu werden, dieses Chemmeribodebad.
Bei den Weinen schwächelt das Bellevue. Viele offene Waadtländer (noch immer dominiert dieses post-koloniale Mutzengehabe), wenige «Ausländer». Die Offenweine würden eben je nach Menü ausgewählt, begründete ein Maître die Auswahl. Für ein Fünfsternehotel fällt sie gleichwohl ziemlich dürftig aus – kann sein, dass der Sommelier einige Ladenhüter los werden möchte, wer weiss? Summa summarum kostet ein Lunch auf der Terrasse für zwei gute 200 Fränkli. Klar, die Aussicht ist im Preis inbegriffen, doch muss sie vorher reserviert werden. Parkplätze im nebenan gelegenen Parkhaus. Carlo Bernasconi [email protected]
Hotel Bellevue PalaceKochergasse 3-5
3001 Bern
Tel. 031 320 45 45
Fax 031 311 47 43
Bewertung Essen …………………..3
Getränke ………………2
Bedienung …………….5
Businessfaktor ……..2
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop
