Aufgefallen: Bei den Stichworten biologischer oder biodynamischer Weinbau trocknet es manchem Weingeniesser die Zunge aus.

AufgefallenBei den Stichworten biologischer oder biodynamischer Weinbau trocknet es manchem Weingeniesser die Zunge aus. Denn er denkt an dumpfe, verstaubte und ungeniessbare Säfte. Während im kulinarischen Angebot nicht oft genug auf die bi

Aufgefallen Bei den Stichworten biologischer oder biodynamischer Weinbau trocknet es manchem Weingeniesser die Zunge aus. Denn er denkt an dumpfe, verstaubte und ungeniessbare Säfte. Während im kulinarischen Angebot nicht oft genug auf die biologische Herkunft der Zutaten hingewiesen werden kann, verschweigt man dieses Label in unseren Breitengraden, wenn es um den vergorenen Rebsaft geht. Nicht mehr lange, denn in Kaliforniens Weinregionen gehört biologischer Weinbau schon zum guten Ton. Punkto Werbung geht das Fetzer Weingut in Mendozino eigene Wege. Mitarbeiter treten in Testimonials auf und informieren anhand von kleinen Anekdoten über die Vorteile dieser naturgerechten Weinbaukultur. Von wegen verstaubt… Chandra Kurt [email protected]
Kolumne

In der Tat von Michael Barney
Nur Insidern wird die Headline meiner Kolumne verraten, worum es geht: Klar, die Fussball-WM. Denn in der Tat gehört eine solche Redewendung dem Kommentator Günter Netzer in der ARD. Kaum lässt sein Gegenüber im Studio, der blasse, schlecht gekleidete Gerhard Delling, eine Frage oder eine Behauptung in Richtung des stets gut gekleideten Herrn Netzer los, antwortet der ehemalige Gladbacher mit: «In der Tat, und so weiter…». Ich bin mit Günter Netzer quasi aufgewachsen. Nein, nicht an seiner Seite bei Borussia Mönchengladbach, sondern vor dem Fernseher. Unvergesslich, seine späte Einwechslung beim Pokalendspiel gegen den 1. FC Köln und seinem grandiosen Siegestor damals. Netzer war einer der ersten deutschen Fussballer mit langen Haaren und einer eigenen Diskothek. Der Spiegel schwärmte damals von der fast schon erotischen Ballliebe, wenn er vor einem Freistoss das runde Leder lange und ausgiebig drehte und streichelte. Ja, Günter Netzer wars, der mit wehender Mähne und breitem Oberkörper zum Sexsymbol avancierte. Zugegeben, nicht schwer gegen einen dumpfen Gerd Müller, gegen Affenkopf Paul Breitner oder den ehemaligen Postbeamten Franz Beckenbauer. Als Günter Netzer dann noch im Trikot von Real Madrid spielte, da war er wirklich kult. Und jetzt, als Kommentator, ist er es sowieso. Das findet auch mein Art Director Reto Leierer, der für Frankreich schwärmt und bisher viel leiden muss, in der Tat. Ebenso unser Fernando, der als Argentinier zurzeit durch die Hölle geht. Ich als Deutscher leide weder unter «Völlerei» noch Nationalstolz. Da meine Mutter aus Flandern stammte, war ich eher für die Belgier. Auch wenn die es nicht weit gebracht haben. Darauf würde der Herr Netzer mir mit einem eindeutigen «in der Tat» antworten.
Michael Barney ist Senior-Copywriter bei der Lowe Werbeagentur, Zürich.
Business Lunch

Petite Eloge auf das Chemmeribodebad-Meringue Was im wuseligen, umtriebigen Zürich ein anglofon angehauchter Business Lunch ist, nennt sich in Bern viel soignierter Déjeuner d’affaires. Besonders auf einer so noblen Terrasse wie der des Hotel Bellevue Palace. Wenn die Sonne scheint, ist dieses Frischluftrestaurant bis auf den letzten Platz gefüllt. Blick auf Aare und Marzilibad, Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, Blick aufs Palais Fédéral. Man luncht im Zentrum der Schweiz und wird von einer Servicebrigade mit auserlesensten Manieren bedient. Das ist schön, erholsam zuweilen – allerdings sitzt man draussen doch eher eng beisammen und sollte darum nicht über das Innenleben militärischer Sicherheitsanlagen und noch weniger über das Privatleben von Parlamentariern parlieren.
Das Déjeuner wird für 66 Franken angepriesen. Nicht wenig, aber auch nicht viel, bedenkt man die A-la-carte-Preise für Hauptgerichte (zwischen 36 und 54 Franken). Begonnen wurde mit hauchdünn geschnittener Bresaola auf reifen Charentais-Melonenstücken mit erstklassigem Olivenöl und fein gehobelter Zitronenzeste. Erfrischend belebte der zitronige Nebengeschmack den Gaumen und verblieb dort gar nicht dominant. Zum Hauptgang servierte die Crew ein Wolfsbarschfilet, perfekt gebraten, mit Pestoreis und frischen Steinpilzen, garniert mit einigen Basilikumblättern. Pestoreis? Das ist, mit Verlaub, ein gastronomischer Unsinn erster Klasse: trocken der Reis, das Pesto ohne Rasse. Pesto gehört in die Pasta oder als Salsa Verde zu gekochtem Fleisch. Mehr vermag es nicht. Die enge Bestuhlung erlaubt es leider nicht, dass die Brigade danach mit dem Dessertwagen vorfährt. Sehr schade! Pfirsichsalat mit Himbeersorbet und Pfirsichroulade: In Ordnung. «Chirschi-Prägu» (Weichseln im Kirschensaft) mit Meringues vom Chemmeribodebad und Vanilleeis: Sehr lecker und sehr geschmacksreich, dieses Meringue. Verdient aufgespürt zu werden, dieses Chemmeribodebad.
Bei den Weinen schwächelt das Bellevue. Viele offene Waadtländer (noch immer dominiert dieses post-koloniale Mutzengehabe), wenige «Ausländer». Die Offenweine würden eben je nach Menü ausgewählt, begründete ein Maître die Auswahl. Für ein Fünfsternehotel fällt sie gleichwohl ziemlich dürftig aus – kann sein, dass der Sommelier einige Ladenhüter los werden möchte, wer weiss? Summa summarum kostet ein Lunch auf der Terrasse für zwei gute 200 Fränkli. Klar, die Aussicht ist im Preis inbegriffen, doch muss sie vorher reserviert werden. Parkplätze im nebenan gelegenen Parkhaus. Carlo Bernasconi [email protected]
Hotel Bellevue PalaceKochergasse 3-5
3001 Bern
Tel. 031 320 45 45
Fax 031 311 47 43
Bewertung Essen …………………..3
Getränke ………………2
Bedienung …………….5
Businessfaktor ……..2
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop

News: Neues Bund-Konzept und Stellenabbau

Die Berner Tageszeitung Der Bund erhält ein neues Konzept.

Die Berner Tageszeitung Der Bund erhält ein neues Konzept.News Neues Bund-Konzept und Stellenabbau Der Verwaltungsrat der Bund Verlag AG hat ein Massnahmenpaket genehmigt, mit dem auf die schlechten Geschäftsergebnisse reagiert wird. Dazu gehört ein Abbau der Redaktion von 85 auf 77 Vollzeitstellen. Das neue Konzept sieht weiter vor, sich «als liberale Qualitätszeitung mit einer eher urban orientierten Leserschaft» vor allem auf die Grossagglomeration Bern auszurichten. Ab Ende Oktober erscheint der Bund mit neuem Layout und einer leicht veränderten Blattarchitektur, mit neuen Gestaltungselementen, Schrift und Farbkonzept.
Fusion von Marti Druck und Impresso
Die Druckunternehmen Marti Druck AG (Ostermundigen) und Impresso AG (Bern) fusionierten per Juni zur Impressomarti AG. Geschäftsführer ist Heinz Stern. Impressomarti AG gehört zur Merkur-Druck-Gruppe in Langenthal und beschäftigt 27 Angestellte.

«Bannerwerbung wird künftig eine untergeordnete Rolle spielen»

Branding-Fachmann Joachim Kernstock über neue Kommunikationsformen im Internet

Branding-Fachmann Joachim Kernstock über neue Kommunikationsformen im InternetVon Daniel Schifferle Nach dem Crash der Bannerwerbung sind kommerziell Erfolg versprechendere Anwendungsformen für das Internet gefragt. Das Online-Medium müsse mediengerecht genutzt werden, fordert Joachim Kernstock, Leiter Kompetenzzentrum Brand Management an der Uni St. Gallen.
Werbung im Internet crasht regelrecht. Wird das Internet im Mediamix momentan unter seinem Wert verkauft?
Joachim Kernstock: Nach der Übertreibung hat das Pendel in die andere Richtung ausgeschlagen. Wenn man ein Pendel ausschwingen lässt, kommt es irgendwo in der Mitte zur Ruhe. Es wird wieder eine Gegenbewegung geben. Diese wird aber nicht mehr in jenes Extrem führen, wie wir es vor zwei Jahren erlebten. Auch vor dem Hintergrund der Lernprozesse, die sowohl auf Anbieter- als auch auf Nutzerseite geschehen, rechne ich mit einem wieder wachsenden Stellenwert des Internets. Die Angebote werden immer ausgeprägter Convenience-orientiert und am Grundnutzen des Internets ausgerichtet. Das honorieren immer mehr User.
Weshalb ist die Bannerwerbung in einen derart extremen Krebsgang geraten?
Kernstock: Das hat damit zu tun, dass Bannerwerbung nicht mediengerecht ist. Sie ist im Prinzip die Anwendung einer von anderen Medien erlernten Kommunikationsform. Bannerwerbung ist nichts anderes als ein Plakat oder eine Anzeige, die man auf dem Bildschirm platziert. Damit werden aber die Potenziale des Internets nicht wirklich genutzt. Deshalb wird Bannerwerbung in ihrer klassischen Form künftig eine untergeordnete Rolle spielen.
Wie untergeordnet?
Kernstock: Auch heute werden im Fernsehen noch Theateraufführungen gezeigt, die in den Anfangsjahren des TVs recht häufig ausgestrahlt wurden, obschon nicht für das Fernsehen gemacht. Ähnlich sehe ich die Zukunft der Bannerwerbung. Eine andere Frage ist, wie eng oder breit man Bannerwerbung fasst. Es sind durchaus auch attraktivere Formen denkbar, die eine höhere Aufmerksamkeit und Reizwirkung erzielen als bisher übliche. Hier ist Kreativität gefordert.
Wenn nicht mit Bannerwerbung, wo wird dann das Internet als kommerzielle Plattform wachsen?
Kernstock: Zum Beispiel mit Sponsoring. Ich denke vor allem an die Interaktion beziehungsweise Integration verschiedener Anwendungsformen. Man muss neue Anwendungszusammenhänge schaffen, die zwischen Plattformen interagieren. Und zwar so, dass dies kommerziell nutzbar wird. Die Philosophie der klassischen Werbung, laut der eine Anzeige oder ein Commercial zwischen redaktionellen Inhalten oder Filmbeiträgen geschaltet wird, funktioniert im Internet nicht. Das Internet muss ganz anders durchdrungen werden.
Was wurde beim Internet als Werbeplattform unterschätzt?
Kernstock: Man hat die Trägheit der damit verbundenen Lernprozesse unterschätzt. Gesellschaftliche Entwicklungen geschehen nicht von heute auf morgen, das sind komplexe Prozesse. Die These, im Internet seien drei Monate so viel wie in anderen Bereichen ein, zwei oder sogar drei Jahre, stimmt eben doch nicht so eins zu eins. Die grosse Masse, die sich nicht zum engeren Kreis der Net-Bewohner zählt, braucht eine gewisse Zeit.
Sehen Sie Chancen, dass mit Internet-Angeboten Rentabilität zu erreichen ist?
Kernstock: Es gibt Angebotsformen, welche die Flexibilität des Internets nutzen. Hinsichtlich Verfügbarkeit, Darstellungsformen oder Suchkriterien ist das Internet den Printmedien klar überlegen. Wenn diese Überlegenheit wirklich genutzt wird, lässt sich das System auch kommerziell erfolgreich betreiben. Autoscout zum Beispiel sagt, sie seien kommerziell erfolgreich und die Volumen seien weiterhin steigend. Wie an der Mediarena zu hören war, kann Autoscout nachweisen, dass die Kleinanzeigen für Automobilhändler dort deutlich effizienter sind als entsprechende Inserate in den Printmedien.
Hat der Schwächeanfall des Internets dem Crossmedia-Ansatz geschadet?
Kernstock: Das Internet hat den Crossmedia-Gedanken erst entstehen lassen. Vor der Ära des Internets hatten wir ein klares Gegeneinander der verschiedenen Medien. Das hat sich jetzt mehr zu einem Nebeneinander gewandelt, bei dem jedes Medium seine eigenen Stärken betont. Heute leistet es sich kaum mehr ein Werbeauftraggeber, nur auf ein Medium zu setzen. Deshalb beurteile ich die aktuelle Entwicklung durchaus positiv.
Sind Internet und Handy potente Partner für die kommerzielle Kommunikation? Anders gefragt: Wer mag schon Werbe-SMS oder Werbe-E-Mails?
Kernstock: Es gibt auch bei Internet und Handy Möglichkeiten, unerwünschte Werbebotschaften auszuschliessen. Andererseits müssen auch beim neueren Medium Handy Formen für Commercials (Werbe-SMS) gefunden werden, die sich an den Interessen und Bedürfnissen der Kunden orientieren. Das Giesskannenprinzip ist hier sicher der falsche Weg. Individualisierung heisst das Zauberwort. Ein Beispiel: Wer vom Biken fasziniert ist, hat auch ein hohes Interesse für den entsprechenden Markt.
Versandhandel ist ein uraltes Konzept, das sich an ein eher ländliches und eher konservatives Publikum richtet. Wie zukunftsfähig ist Online-Shopping?
Kernstock: Online-Shopping stellt im Prinzip auf eine neue Darreichungsform des Kataloges ab. Es stehen andere Reaktionsgeschwindigkeiten zur Verfügung. Der klassische Nachteil des Versandhandels ist, dass sich ein Katalog nicht täglich ändern lässt. Genau diese tagesaktuelle Reaktionsgeschwindigkeit kann man mit einem Online-Auftritt clever realisieren. Allerdings haben traditionsreiche Versandhäuser wie Otto, Quelle oder Bauer gegenüber dem Internethandel einen grossen Vorsprung in Sachen Logistik und Handling. Hier gibt es für die neuen Anbieter noch viel zu tun.

Ausserdem: Die Kommunikationsgruppe Factory hat Matthias Rickenbacher, Geschäftsführer der Werbeagentur Publiartis, zum neuen Präsidenten gewählt.

Ausserdem Die Kommunikationsgruppe Factory hat Matthias Rickenbacher, Geschäftsführer der Werbeagentur Publiartis, zum neuen Präsidenten gewählt. Er löst Heidi Luchsinger, Leiterin der Internetagentur Wetege, ab. Die Mitgliederversamm

Ausserdem Die Kommunikationsgruppe Factory hat Matthias Rickenbacher, Geschäftsführer der Werbeagentur Publiartis, zum neuen Präsidenten gewählt. Er löst Heidi Luchsinger, Leiterin der Internetagentur Wetege, ab.
Die Mitgliederversammlung der Interessengemeinschaft elektronische Medien (Igem) hat Paul Grau (Star-TV) als Vertreter der Privatfernsehen und Corinne Blaser (RMB) als Vertreterin der Kinovermarkter in den Vorstand gewählt. Im Kampf um zwei frei werdende Vorstandssitze für Mediaagenturen machten Luise Diem (OMD Switzerland) und Frank Woday (Universal McCann) das Rennen. Als erster Vertreter der Internetvermittler und -vermarkter nimmt Marcel Bosshard (Publimedia Webadvertising) im Igem-Vorstand Einsitz. Die übrigen Vorstandsmitglieder inklusive Präsident Urs Renner (Mediaedge|CIA) wurden für eine weitere Amtsdauer bestätigt.
Das CI-Unternehmen Külling Partner Identity hat seit Anfang Juni eine neue Geschäftsleitung. Die beiden bisherigen Partner Peter Rohner und Robert Abt werden das Unternehmen per Ende Jahr verlassen. Neben Kurt Lips, Managing Director, und Andy Schneiter, Head Graphic Design, wird Carolin Versteeg, Head Brand Consulting, Einsitz in die Geschäftsleitung nehmen.
CEO und Mitgründer Andrzej Koch übergibt die Geschäftsleitung der Luzerner Webagentur Labor Enter 5 an Rafael Wicki. Koch zieht sich aus dem operativen Geschäft zurück, bleibt der Agentur aber erhalten. Peter Marthaler übernimmt neu die Leitung der Corporate Communications der Swiss Air Lines von Ruth Züblin, die künftig dem Bereich Events und Sponsoring vorsteht.
Bei der Westschweizer Tageszeitung Le Temps werden Unternehmens- und Redaktionsleitung getrennt. Eric Hoesli übergibt das Amt des Chefredaktors an Jean-Jacques Roth, zurzeit stellvertretender Chefredaktor. Hoesli, seit 1997 Chefredaktor von Le Temps, bleibt als Direktor an der Spitze des Unternehmens. Zudem erhält Le Temps zwei neue Verwaltungsräte: Jean-Marie Colombani, Direktor der französischen Verlagsgruppe Le Monde, und Edipresse-Direktor Jean-Claude Marchand wurden von der GV am 14. Juni gewählt.
Anfang September wird Jean-Marc Salamolard von Urs Donatsch als Regionaldirektor der Publicitas Léman abgelöst. Salamolard übernimmt neu die Direktion für strategische Projekte bei PubliGroupe. Donatsch war bisher Marketingdirektor des Bereichs PubliPresse.

So gemütlich kann ein A-Shot sein

FCBLK verleiht dem Appenzeller Alpenbitter zum 100. Geburtstag ein jugendliches Image

FCBLK verleiht dem Appenzeller Alpenbitter zum 100. Geburtstag ein jugendliches ImageVon Ernst Weber Der Appenzeller Alpenbitter wird heuer 100 Jahre alt. Das Jubiläum kommuniziert die in Appenzell domizilierte Herstellerfirma Emil Ebneter durch einen Auftritt ihrer Agentur FCB Leutenegger Krüll (FCBLK). Die kreativ hochprozentige Kampagne der Walliseller Werber stellt den Kräuterschnaps mit Humor als Marke ohne Altersbeschwerden dar.
Das Appenzell hat eine jahrhunderte alte Heilkräutertradition. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts etwa soll der Arzt und Naturforscher Paracelsus, der die meiste Zeit seines Lebens als Wanderarzt durch Europa zog, länger im Appenzellerland geweilt haben. Und noch heute gibt es in dieser Gegend Klöster, die ihre eigenen Kräuterprodukte herstellen.
Das wohl populärste Kräuterprodukt brachte das Appenzell indes erst vor 100 Jahren hervor. Dabei handelt es sich weniger um ein Heilmittel als vielmehr um ein alkoholisches Getränk, das damals allerdings als «ärztlich empfohlen» bezeichnet werden durfte: nämlich um den Appenzeller Alpenbitter. Erfunden wurde der «Flaschengeist aus Appenzell» vom Spirituosenhändler Emil Ebneter. Er gründete 1902 die gleichnamige, am Rand von Appenzell gelegene Familienfirma, die den Bitter bis heute produziert. Nun hat das jubilierende Unternehmen die Walliseller Agentur FCBLK beauftragt, dem Kräuterschnaps einen Auftritt zum runden Geburtstag zu brennen.
Aus gesetzlichen Gründen wird die Marke ein Mensch
Um nicht mit dem Alkoholgesetz in Konflikt zu kommen, behandelt der Auftritt das Produkt als Jubilar. Als würde der Geburtstag einer Person gefeiert, ist im Text durchwegs von einem «100-jährigen Appenzeller» die Rede. Gesetzlich erlaubt ist diese Bezeichnung laut CD Mike Krüll, da sie, auf die Definition Alpenbitter verzichtend, von den Konsumentinnen und Konsumenten erst durch eine geistige Eigenleistung mit dem Produkt in Verbindung gebracht werden kann.
Das trifft insbesondere auf die Rubrikeninserate zu, in denen weder ein Packshot noch ein Logo auf das Produkt hinweisen. Der Betrachter muss selbst merken, dass die Aussagen auf das Produkt anspielen – etwa im Satz «Als 100-jähriger Appenzeller zeige ich den Jungen, wo der Hammer hängt.» Stünde auf den Werbemitteln der Zusatz Alpenbitter, wäre es am Gesetzgeber gewesen, Hersteller und Agentur zu zeigen, wo besagtes Werkzeug hängt.
Die Personifizierung des Produktes im Werbetext verbindet die einzelnen Komponenten des Jubiläumsauftritts verbal miteinander – weil nämlich eine visuelle Kohärenz fehlt. Eine Ausnahme von diesem kommunikativen Merkmal macht freilich ein Sujet, auf dem eine stehende und zwei liegende Appenzeller-Flaschen abgebildet sind. Von Letzteren ist nur der Flaschenboden zu sehen. Unterstützt durch die Headline «1902-2002» wird der Betrachter das «Stillleben» als die Zahl 100 interpretieren.
Lediglich dort, wo die Grafik Zugriff auf die Appenzeller Volkskunst nimmt, ist eine teilweise visuelle Übereinstimmung des Jubiläumsauftritts mit der Basiskampagne gegeben. So etwa durch den gelben Hintergrund der Anzeigen und Plakate sowie durch den roten Zierstreifen, der die Farbfläche umrandet. Inhaltliche Spannung erzeugt der Auftritt, indem er den traditionellen Elementen die Ideenfreiheit entgegensetzt.
«Die Kampagne ist so aufgebaut, dass sie keine ist. Jedes Sujet steht für sich», sagt Mike Krüll. Er ist überzeugt, dass die Appenzeller-Werbung «besonders experimentierfreudig sein muss, damit der Betrachter überhaupt einen neuen Kick erhält». FBCLK bewirbt schliesslich ein Produkt mit einem Bekanntheitsgrad von nahezu hundert Prozent. Aus diesem Grund werden die Umsetzungen, immer im Rahmen des Gesetzes, nach dem Leitsatz «Je verrückter, desto besser» konzipiert. «Wenn das Gesetz nicht wäre, würden wir noch ganz anders auf den Putz hauen», meint der Creative Director von FCBLK.
Den Zielgruppenkonflikt überwunden
Den kreativen Umsetzungen dieser «unbefangenen» Art wohnt eine Dynamik inne. Sie verleiht dem Appenzeller-Auftritt einen jugendlichen Beiklang, der auch von einem Publikum goutiert wird, das mit dem Kräuterschnaps nicht sehr viel anfangen kann: nämlich von Frauen und Männern im Alter zwischen 20 und 40 Jahren.
Die Ursache für das Desinteresse jüngerer Menschen am Kräutertrank liegt weniger am bittersüssen Geschmack, vielmehr behagt dieser Zielgruppe die im Produktnamen Appenzeller Alpenbitter enthaltene heimatlich-ländliche Positionierung nicht.
Dies dürfte einer der wichtigsten Gründe dafür sein, weshalb der Absatz des 29-prozentigen «Dibidäbi» stagniert. Andere ausländische Erzeugnisse auf Kräuterbasis wie etwa Fernet Branca, Jägermeister und Underberg erleben bei der besagten Zielgruppe derzeit einen Aufschwung. Auch italienische Marken wie Averna und Ramazotti breiten sich auf dem Schweizer Markt weiter aus.
«Es ist unsere grosse Aufgabe, den Absatz mindestens zu halten», so Hans Heierli, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter Finanzen und Verwaltung bei Emil Ebneter.
Aus dem Appenzeller wird ein A-Shot oder ein A-Drink
Weil auf Grund der herrschenden Marktsituation wenig Aussicht auf eine Steigerung des Konsums bei der traditionellen Zielgruppe besteht, nimmt man die derzeitige Tendenz zum Anlass, um bei den 20- bis 40-Jährigen zusätzliche Umsätze zu generieren. Für diese Zielgruppe soll der Kräuterbitter nicht mehr Appenzeller heissen. Die Bezeichnung A-Shot oder A-Drink ersetzt den ursprünglichen Produktnamen. «Wir dürfen nicht einfach zur jugendlichen Werbung, sprich ins Ramazotti- und Averna-Lager schwenken, da wir sonst unsere treuen Kunden vergällen», begründet Hans Heierli die Doppelspurigkeit.
AD–Rating

Appenzeller-Kampagne Teils bitterbös waren die Urteile über die Facts-Kampagne. Einen Magenbitter für Frank Bodin! Ob auch die FCBLKer für ihre Appenzeller-Kampagne bald einen Schluck benötigen, entscheiden Sie auf www .werbewoche.ch /adrating.
Facts-Kampagne Top: 25,16%
Flop: 74,84%
Lob und Tadel der AD-Raters zusammengefasst auf www.werbewoche .ch/adrating/comments

Cannes versilbert acht Heftklammern

Am Werbefestival in Cannes gabs in der Kategorie Press & Poster einen einzigen Silberlöwen für die Schweiz.

Am Werbefestival in Cannes gabs in der Kategorie Press & Poster einen einzigen Silberlöwen für die Schweiz.Die Agentur McCann-Erickson, Genf, gewann ihn für Generali Versicherung. Auf die Shortlists schafften es bei den Media Lions die Plakate für das Stück «Stützen der Gesellschaft», Schauspielhaus Zürich, von Publicis, und die Kuoni-Kampagne von Advico Young & Rubicam («Ferien, in denen Sie alles vergessen»). In der Kategorie Press & Outdoor kamen zwei Arbeiten für Hakle von AY&R und zwei Sujets der Kuoni-Kampagne (ebenfalls AY&R) sowie die drei Motive fürs Theater Spektakel von Matter & Partner, die Uno-Beitrittskampagne von Publicis und Euro RSCG mit dem Olympia-Sujet für Tibet in die Endrunde. Bei den Young Creatives ging die Schweiz leer aus. (af)

Kopf der Woche: «Ich bin eine Pragmatikerin, graue Theorien liegen mir nicht»

Carole Armour leitet neu die Genfer Niederlassung des Hastings Audio-Studio

Carole Armour leitet neu die Genfer Niederlassung des Hastings Audio-StudioKopf der Woche Carole Armour leitet neu die Genfer Niederlassung
des Hastings Audio-Studio
«Ich bin eine Pragmatikerin, graue Theorien liegen mir nicht»
Wenn Carole Armour über die Zielsetzungen des neu in Genf eröffneten Tonstudios Hastings spricht, glaubt man kaum, dass die 27-Jährige ihr Selbstbewusstsein erst nach und nach aufbauen musste. Die gelernte Bankfachfrau aus Genf wollte eigentlich nur ein Jahr Praktikum in der Deutschschweiz machen, um ihre Kenntnisse der deutschen Sprache zu vertiefen. Dann ist sie Daniel Wüthrich über den Weg gelaufen, der nicht einmal grosse Überredungskünste anwenden musste, um die junge Frau für sein Tonstudio zu begeistern. Denn ihr schwebte schon immer eine Betätigung im Marketing oder in der Werbung vor.
Das Bankfach hat sie eigentlich nur deshalb gewählt, weil sie eine solide kaufmännische Ausbildung absolvieren wollte. Bei Daniel Wüthrich habe sie, die sich als Pragmatikerin bezeichnet, on the job alles gelernt, was es in einem professionellen Tonstudio zu wissen gelte, meint sie rückblickend. Zwei Jahre nach ihrem Eintritt wurde sie zur Studiomanagerin von Hastings AG, Zürich, befördert. Seit Anfang Januar leitet sie das Studio in Genf, für dessen Aufbau sie ebenfalls verantwortlich zeichnet. Hier ist sie derzeit Mädchen für alles. Sie verantwortet die Buchhaltung, stellt Mitarbeiter ein, sucht professionelle Sprecher, geht auf Kundenakquisition, führt Castings durch, schlägt sich mit der Studiotechnik herum und serviert auch schon mal den Kaffee.
Armours grosses Anliegen ist es, die frankofone Kultur in die Genfer Niederlassung von Hastings einfliessen zu lassen. Dem Kunden aus der Deutschschweiz oder aus Deutschland soll genau jener Sprachduktus angeboten werden, der in diesem Landesteil verstanden wird. Armour sieht im Westschweizer Markt dafür ein grosses Potenzial, nicht zuletzt deshalb, weil auch Deutschschweizer Werbeagenturen entdeckt haben, dass sich die Romandie nicht aus der Ferne bearbeiten lässt. Der Standort Genf ist aus ihrer Sicht aber auch deshalb interessant, weil das benachbarte Frankreich als potenzieller Markt seit dem 1. Juni 2002 noch etwas näher gerückt ist.
Sie weiss auch, dass Schweizer Kunden, die für Film- und Spotproduktionen nach Paris gehen, regelmässig in Schweizer Tonstudios zurückkehren. In Paris bieten diese Studios eben nicht die Mehrsprachigkeit an, die für den Schweizer Markt notwendig ist. Für Hastings mit Studios in Berlin, Düsseldorf, Hamburg, München und Zürich ist deshalb der Genfer Ableger von strategischer Bedeutung. Armours momentan grösste Sorge ist es, qualifizierte Mitarbeiter zu finden, die mehrere Sprachen beherrschen. Schliesslich will sie ihren Betrieb rasch aufstocken, um die grosszügig bemessenen Studioräume an der rue de Lyon noch besser auslasten zu können. Anita Vaucher

Etat-News: Trimarca erhält weiteren Hotel-Etat

Zusammen mit der Zürcher Hotel- und Gastroarchitektin Pia Schmid hat die Churer Kommunikationsagentur Trimarca bereits für rund zehn Schweizer Hotels und Restaurants Marken entwickelt.

Zusammen mit der Zürcher Hotel- und Gastroarchitektin Pia Schmid hat die Churer Kommunikationsagentur Trimarca bereits für rund zehn Schweizer Hotels und Restaurants Marken entwickelt.Etat-News Trimarca erhält weiteren Hotel-Etat Der jüngste Auftrag kommt vom Ferien- und Seminarhotel Floralpina des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes in Vitznau. Das Hotel und seine Umgebung werden im nächsten Jahr um- und überbaut. Trimarca übernimmt die Markenentwicklung, die Positionierung, das Corporate Design und die Kommunikation.
Zoo vergibt Budget nach Solothurn Der Zoo Zürich wechselt die Werbeagentur: Nach neun Jahren bei Lesch+Frei wurde jetzt die Solothurner Kleinagentur Blum und Partner mit der Gesamtkommunikation betraut. Sie setzte sich in einem Pitch gegen neun Mitbewerber durch. Lesch + Frei verzichtete angesichts der hohen Zahl der Wettbewerbsteilnehmer darauf, das Budget zu verteidigen. «Wir hätten das Mandat gerne weitergeführt», bedauerte Beratungsleiter Walter Tagliaferri von Lesch + Frei den Wechsel. «Wir sind aber stolz darauf, dass das von uns entwickelte Logo ‹Zooh!› weiter verwendet wird.» Hinter dem Agenturwechsel steht ein Wechsel im Management des Zoos: Marketingleiter Ulrich Ritschard hat den Tierpark im Dezember verlassen und wurde durch Irène Inderbitzin ersetzt.
Hilcona lässt Eugster werben Eugster Kommunikation promotet in Zukunft die Frisch- und Tiefkühlprodukte des Liechtensteiner Nahrungsmittelkonzerns Hilcona. Die Agentur aus Rorschacherberg setzte sich im Pitch gegen eine deutsche Promotionsagentur durch. Das deutlich sechsstellige Budget umfasst neben der Verkaufsförderung am Point of Sale auch begleitende Massnahmen. Erste Resultate werden im Herbst zu sehen sein.

Quirliges Zeitzeugnis.

Einige zeigen Glupschaugen, andere ein verlegenes Lächeln und viele natürlich eine ausgefallene Idee zur Selbstdarstellung:

Einige zeigen Glupschaugen, andere ein verlegenes Lächeln und viele natürlich eine ausgefallene Idee zur Selbstdarstellung: 365 Selbstporträts als Best-of-Ausbeute des Jahres sind jetzt im dicken Mini-Büchlein «Fotobot» auf den Markt gekommen. «Die Schweiz sind wir», ist die Idee des Projekts der Belleville AG, das für die Expo.02 ein Jahr lang mit 30 Fotobot-Geräten an verschiedenen Standplätzen in der ganzen Schweiz die Passanten zur Inszenierung eines Selbstporträts zu animieren suchte. 700000 spontane Fotografien sind in dieser Zeit entstanden. All diese digitalen Bilder sind auch auf der Internetseite www.cyberhelvetia.ch zu finden. Das Porträtbuch aus dem Verlag Kontrast in Zürich kann bei www.kontrast.ch bestellt werden. Ebenberger PR schliesst sich weltweitem Netzwerk an. Das globale Netzwerk International Public Relations Team (IPRT) hat Ebenberger Public Relations aus Stäfa als Repräsentanten für die Schweiz gewählt. Ebenberger Public Relations wurde 1989 gegründet und beschäftigt zurzeit fünf Mitarbeitende.
Gut kooperiert ist halb gewonnen. «Spieglein, Spieglein an der Wand…» – aber lassen wir das. Mit der natürlichen Coolness der Stolzen freuen wir uns, dass der 8. Diplomkurs der Verlagsfachleute uns angefragt hat, das Layout der WerbeWoche als Vorbild für seine Abschlusszeitung übernehmen zu dürfen. Nach anderthalb Jahren Kurs sind beim Medieninstitut der Schweizer Presse 20 neue Verlagsleute diplomiert worden. In der Abschlusszeitung mit dem adaptierten Titel «VerlagsWoche» hält Karl Lüönd vom Medieninstitut als «Kopf der Woche» ein Pläyoyer für die nebenberufliche Weiterbildung und freut sich, dass bereits die Hälfte der Absolventinnen und Absolventen des letztjährigen Kurses in einer neuen und natürlich besseren beruflichen Funktion tätig ist. Kursleiter Daniel Strobel meint «Im Gespräch», dass dieser Diplomlehrgang jedem, der bereits mehrjährige Erfahrung in der Verlagsbranche gesammelt hat «und auch in Zukunft in dieser Branche tätig sein will», unbedingt zu empfehlen ist.
Alex Schmid AG verlässt Draft Worldwide. Die Dialogagentur Alex Schmid AG, Zollikon, trennt sich vom internationalen Partner Draft Worldwide. Der Kooperationsvertrag mit dem Interpublic-Netzwerk wird auf Ende Jahr aufgelöst. Alex Schmid will sich neu als unabhängige Schweizer Dialogagentur positionieren und vermehrt mit klassischen Schweizer Werbeagenturen zusammenarbeiten.
Gold für Wirz vom ADC of Europe. Höchste Ehren für Wirz Werbung: Der Art Directors Club of Europe (ADCE) hat den Spot «Gemeinsam gegen Gewalt» von Wirz für die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus mit Gold ausgezeichnet.
Life in Style. Die schönsten Dinge des Lebens sind die unnützen. Deshalb erfreut sich in Zürich bereits das dritte Lifestyle-Organ seines jungen Daseins (siehe auch Seite 21). Nach Kult und Forecast hat jetzt zusätzlich Faces das Licht der schillernden Welt erblickt. Creative Director ist Jürg Zentner, der für das erste Heft das Phänomen «Schwarz» zum Stil und Thema gemacht hat. Zumindest für die Werber hat er mit dieser Farbe wohl ins Schwarze getroffen. Herausgegeben wird das Blatt vom Marketingunternehmen Fairlane Consulting in Zürich und Herisau, das bereits seit einem Jahr auch in St.Gallen ein Faces auf dem Markt hat. Seinen Namen leitet Faces übrigens von seiner wohl wichtigsten Rubrik ab: fotogene oder sonstwie interessante Gesichter, aufgenommen in den einschlägigen Clubs mit Face-Kontrolle sowie an diversen Geburtstagspartys, Modeschauen oder anderen Events. Die Zürcher Ausgabe von Faces ist in einer Auflage von 40000 Exemplaren gedruckt worden und liegt gratis in ausgewählten Geschäften und Szenetreffs auf.
Mehr Gold für die Schweiz in New York. Als weitere Schweizer Agenturen neben Publicis und Euro RSCG wurden Matter & Partner, Zürich, sowie McCann-Erickson, Genf, am Print- und Radiowettbewerb der New York Festivals ausgezeichnet. Je eine goldene WorldMedal erhielten Matter & Partner für das Theater Spektakel in der Kategorie Entertainment Promotion und McCanns «Moskito»-Plakat für Opel. Gold erhielt auch die Bieler Designagentur 2. Stock Süd Netthoevel & Gaberthüel, gemeinsam mit der Berner Kommunikationsagentur Push & Pull. Sie wurden für die Broschüre «Markenrecherche» ausgezeichnet, die sie im Auftrag des Eidgenössischen Instituts für geistiges Eigentum realisiert hatten. Der Print- und Radiowettbewerb 2002 der New York Festivals scheint ein guter Jahrgang für die Schweizer Werbung zu werden: Nach Publicis kann auch Euro RSCG Zürich einen Medaillengewinn vermelden. Das Sujet «Siegertreppchen» aus der Tibet-Kampagne wurde mit Silber ausgezeichnet. Ihr Engagement für ein freies Tibet brachte Euro RSCG schon in den New Yorker Wettbewerben für Film und Effizienz Gold und Silber ein.
Heisse Lounge für coole Nächte. Endlich weiss man, wo man seine Schönste wieder einmal ausführen kann, ohne dauernd nur unter Kaufleuten konversieren zu müssen. «Bliss» heisst die neue Lounge, was in der Übersetzung so viel wie «Glück» oder «Glückseligkeit» bedeutet. Zu finden ist dieser Ort der Happiness an der Rämistrasse gleich um die Ecke beim Kunsthaus. Ein paar Werberinnen und Werber sollen dort bereits gesichtet worden sein. Sie kamen wegen der weitläufigen Dachterrasse. Aus welchem Grund jetzt dann noch viel mehr kommen sollen, liegt als Geheimnis in einer Flasche gefangen, welche Jung von Matt/Limmat ziemlich jung im Flaschengeist und gar nicht matt im Wunschdenken zu Plakat und Anzeige gebracht hat.
Editorial

Die Erweiterung des Löwenkäfigs Trotz Stimmungstief in vielen Werbemetropolen ist Cannes vom 16. bis zum 22. Juni wieder der unbestrittene Nabel der Kommunikationsbranche. Doch die Werbeflaute wirkt sich auf den Wettbewerb aus: Nur noch knapp 17000 Arbeiten – fast 10 Prozent weniger als im Vorjahr – aus 72 Nationen (2001: 81) buhlen um die Cannes-Lions, die begehrtesten Werbetrophäen überhaupt. Die Schweiz ist mit 330 Einreichungen vertreten. Welche davon gute Chancen auf einen Award haben, verraten Ihnen unsere Cannes-Experten auf den Seiten 10 bis 16. Drei Löwen nähmen die meisten Schweizer Werber gerne mit im Käfig nach Hause…
Noch auf wenig Gegenliebe stösst der neu ins Festival gehievte Wettbewerb für Direktmarketing. Einige betrachten ihn als Verwässerung des Festivals und halten ihn schlicht für überflüssig, andere werfen der Festivalleitung gar reine Geldmacherei vor. Den verantwortlichen Organisatoren ist das lauwarme Interesse an dieser neuen Disziplin nicht entgangen: Ursprünglich sollte das Festival wegen der Direct Lions bis zum 25. Juni verlängert werden. Doch dieses Vorhaben wurde von der Werbergemeinde nicht goutiert. Die Festivalleitung reagierte umgehend und integrierte die Direct Lions in den bestehenden Wettbewerb: Statt am Dienstag nach Abschluss des eigentlichen Festivals werden die Direct Lions zusammen mit den Cyber Lions bereits am Freitag verliehen, vor dem grossen Schlussabend mit der Film Award Ceremony.
Dass die Schweiz dieses Jahr gleich mit zwei Juroren in Cannes vertreten ist, darf als gutes Omen und auch als Anerkennung für das helvetische Werbeschaffen gewertet werden: Remy Fabrikant, Creative Director von JWT+H+F, ist Mitglied der Press&Poster-Jury; in der Direktmarketing-Jury sitzt Gilbert Fisch, Geschäftsführer der zu Publicis gehörenden Dialogagentur Fisch Meier Direkt.
Wie auch immer die Schweiz abschneiden wird, eines muss allen Teilnehmenden jetzt schon bewusst sein: Es ist immer auch viel Glück und Zufall im Spiel, denn der Wettbewerb hat jedes Jahr seine eigene Dynamik. Aber trotz allem sind Schweizer Chancen auf einen Lucky Punch auch beim 49. Werbefilmfestival intakt. Samuel Helbling, Chefredaktor

Muse & Musse: Christoph Marty

Christoph Marty Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht? Christoph Marty: Das Musical «Deep», zusammen mit anderen Kunden der Konnex.Was lesen Sie gerade? Marty: «Gottes Werk und Teufels Beitrag» von John Irving.

Christoph Marty Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Christoph Marty: Das Musical «Deep», zusammen mit anderen Kunden der Konnex.
Was lesen Sie gerade?
Marty: «Gottes Werk und Teufels Beitrag» von John Irving.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Marty: Gilberto Bebels «Tanto Tempo».
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Marty: «The Big Lebowski», «Shallow Grave» und und und…
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Marty: Schlafe ohne TV hervorragend und schaue selten fern.
Welches ist Ihre neueste Entdeckung im Internet?
Marty: http://kochbuch.unix-ag.uni-kl.de/ eine Sammlung mit rund 5000 Kochrezepten.
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Marty: Auf Musik.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Marty: Etwas zu 100 Prozent machen und mich darauf konzentrieren.
Liebe ist…?
Marty: …wunderbar.

Markus Gut, CD Publicis

Welches sind Ihre Schweizer Favoriten für das Werbefestival in Cannes?

Welches sind Ihre Schweizer Favoriten für das Werbefestival in Cannes?Markus Gut: Mein grosser Favorit bei den TV-Spots ist der Film «Gemeinsam gegen Gewalt» für die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus. Bei der Kategorie Press & Poster haben sicher alle «Flims-Laax-Tibet-Sportplausch-Wider-Snowboard-Fahrschul-Cynar-Anzeigen» eine Chance. Die Helvetic-Tours-, die Kuoni- und die ZVV-Kampagne von Publicis sind aber meine eigentlichen Favoriten.Wie wird die Schweiz dieses Jahr am Cannes-Festival abschneiden?
Gut: Zwei Löwen und zehn Shortlist-Nennungen.
Welcher Spot ist Ihr Favorit für den Grand Prix?
Gut: In einem Jahr mit Fussball-WM hat «Tournament» für Nike von Wieden & Kennedy eine grosse Chance. Dieser gewaltige Film im Bauch eines rostigen Frachtschiffes mit den 24 besten Fussballern der Welt hat sicher das Format für den Grand Prix.
Ist die Schweizer Werbebranche genügend präsent in Cannes?
Gut: Wenn wir mehr Schweizer Werbung produzieren, die am Festival ausgezeichnet wird, wären wir in Cannes am besten vertreten.

Matthias Freuler, CD Wirz

Welches sind Ihre Schweizer Favoriten in Cannes?

Welches sind Ihre Schweizer Favoriten in Cannes?Matthias Freuler: Helvetic Tours könnte Chancen haben, allenfalls Randstat und der Spot «Gemeinsam gegen Gewalt».Wie werden die Schweizer abschneiden?
Freuler: Ich rechne etwa mit acht Shortlist-Nennungen. Mit den Löwen ist das so eine Sache: Alles über drei wäre toll, alles unter drei traurig.
Was halten Sie vom Einbezug der neuen Kategorie Direct Marketing in den Wettbewerb?
Freuler: Wenn der Cannes-Veranstalter Hatchuel etwas Neues auf die Beine stellt, hat es immer und ausschliesslich nur mit Geschäftemacherei zu tun. Im besten Fall haben auch wir andern etwas davon, was aber bei der neuen Kategorie nicht unbedingt der Fall ist.
Wie sieht Ihr Programm in Cannes aus?
Freuler: Nur Leute, die noch nie das Festival besucht haben, vertreten die Meinung, dass man den ganzen Tag am Strand rumhängt. Tatsache ist, dass das, was tagtäglich während 12 Stunden im dunklen Kinosaal geboten wird, so interessant ist, dass man das Festival auch in Wladiwostock abhalten könnte.
Ihr Lieblingsplätzchen?
Freuler: Der kleine Stadtpark vis-a-vis vom Palais, wo zu Fossilien gewordene Boule-Spieler sich keinen Deut darum scheren, dass mal wieder Tausende von Werbern wie Heuschrecken in ihre Stadt eingefallen sind.
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