Simko gewinnt La Vaudoise

Die Versicherung La Vaudoise wechselt die Werbeagentur:

Die Versicherung La Vaudoise wechselt die Werbeagentur:. Simko in Genf löst die bisherige Betreuerin Hermès Communication ab. Simko setzte sich in einer Konkurrenzpräsentation gegen vier Konkurrenten durch.Bundesgericht stützt Genfer Werbeverbote. Kantone dürfen Plakatwerbung für Alkohol und Tabak verbieten. Das Bundesgericht hat ein Gesetz aus dem Kanton Genf gutgeheissen und die Beschwerde von Firmen aus der Werbe-, Tabak- und Alkoholbranche abgewiesen. Das Genfer Werbegesetz untersagt die Reklame für Tabak und hochprozentige Alkoholika auf öffentlichem Grund sowie auf privatem Grund, soweit dieser öffentlich einsehbar ist.
«Scholz & Kids» malen rote Zahlen. Von A wie Alyona bis V für Valentina reicht die Palette der zuckersüssen Imageträgerinnen, die den Geschäftsbericht der seit November 2001 börsenkotierten Berliner Agenturgruppe Scholz& Friends zieren. Die Fotos aus den Familienalben ihres Humankapitals stehen zum einen für dessen (private) Produktivität, zum andern jedoch für die Zukunftsorientierung des unterdessen in 14 europäischen Ländern vertretenen Netzwerks. Dessen umsatzmässiger Babyspeck ist 2001 indessen um knapp zehn Prozent auf 74,4 Millionen Euro geschwunden. Kein Wunder also richtet Scholz-&-Friends-Chef Sebastian Turner seinen Blick hoffnungsvoll auf die Zukunft.
Schmucker Tresor. Schmuckfans erhalten ab Mitte Oktober neue Lektüre: Das Magazin Tres Or berichtet vierteljährlich über Unikatschmuck. Es wird als Huckepack den Tamedia-Zeitschriften Facts und Annabelle beigelegt und über Luxushotels, Designerboutiquen und im Direktversand an Goldschmiedekunden vertrieben. Die Startauflage des 128-seitigen, vierfarbigen Magazins beträgt rund 200000 Exemplare. Die Startnummer vom Oktober erscheint auf Deutsch, eine Ausgabe für die Romandie ist für 2003 angedacht. Hinter Tres Or steht Verleger Jean-Christophe Gyr, der mit Gold’Or bereits ein Fachmagazin für Edelmetall, Uhren, Schmuck und Steine herausgibt. Realisiert und vermarktet wird das Heft von der Zürcher Agentur Bleuler MediaNeutralCommunication.
Fussballenspiele. Bei einigen ist vielleicht nichts mehr gelaufen, weil sie zu viel Fussball geschaut haben. Bei anderen ist das Problem ernsthafterer Natur. Das könnte an einem überstrapazierten Fussballen liegen. Dies jedenfalls suggeriert das Inserat mit dem erigierten Zehen in den sexy geöffneten Sandalen. Auf den zweiten Blick geht es natürlich um erektile Dysfunktion. Jung von Matt/Limmat hat sich kreativ des Problems angenommen, von dem gemäss Forschung rund 500000 Männer in der Schweiz betroffen sind. Dass Selbstversuche mit Aphrodisiaka nicht zu empfehlen sind, weil sie «nur Zeit und Geld kosten», ist auf www.wir-helfen-koennen.ch zu lesen, wo man auch Rat für weiter gehendes Pillenschlucken mit einem neuen Produkt im Jahre vier nach Viagra findet.
Corporate Identity. Unter Corporate Identity lässt sich auch körperliche Identität verstehen. Jedenfalls illustriert dies ein neuer Flyer aus der Kommunikationsagentur von Marc Bohnenblust und Joseph Haas. BH, wie sich die Agentur an der Lavaterstrasse 101 in Zürich nennt, will «Marken machen, die Kunden, Mitarbeitende und Aktionäre gleichermassen überzeugen», wie es beim Umdrehen des Flyers heisst. Zur Aufklärung: Auf der Vorderseite des Flyers geht es selbstredend um Business – ohne BH.
Werbeaufwand sinkt um 5,25% im Mai. Der Bruttowerbeaufwand in der Schweiz ist im Mai gegenüber dem Vorjahr um 5,25% gesunken. Ein positives Ergebnis verzeichneten laut den Zahlen von Media Focus nur Radio (3,4%) und Kino (23,2%). Die Tageszeitungen mussten nach dem knappen Minus (0,5%) vom April wieder stärker bluten: Ihr Werbeumsatz sank um 7,2%. Auch die Fachzeitschriften hatten mit minus 6,0% keinen guten Mai, während die Publikumszeitschriften mit 1,1% Verlust mit einem blauen Auge davon kamen. Teletext und Plakate büssten 3,9% beziehungsweise. 7,5% ein.
Freibier für alle. Mercedes-Benz gratulierte dem Vizeweltmeister mit einem ganzseitigen Inserat in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), ebenso Lufthansa und Karstadt. Das Warenhaus lud zu «Freibier für alle» in den Karstadt-Filialen mit Gastronomie und bot «30% Weltmeister-Rabatt». Würdig reagierte Deutschland somit auf den Samba in Yokohama. Da konnte natürlich die FAZ-Redaktion nicht zurückstehen. Unter dem Titel «Kampf, Kampf, Weinkrampf, Kahn» bastelten die Feuilletonisten ein Gedicht aus 29 Bild-Zeitung-Überschriften. «Die Schlagzeile zum Endspiel war bei Redaktionsschluss unseres Feuilletons noch nicht sicher, aber durchaus wahrscheinlich», entschuldigte sich das Blatt für den Schlussreim: «Ausgerechnet Kahn! Aber du bleibst doch unser Held!». Ein Klick auf Bild-Online hätte den recherchierfaulen Kollegen genügt, um die Ergänzung anzubringen: «Man ka(h)n nicht alles haben…»
Das Buch zum Lärm. Die Musik zum Zeitgeist, welche die Kulturchefin des Blick und ihr «Vis-à-Vis» verzweifelt von der lärmigen Stadt weg ins Hotel treibt, löste beim Werd-Verlag kulturgeschichtliche Recherchen aus: «Street Parade – das Buch» heisst der Band, in dem Christoph Soltmannowski die kulturellen Hintergründe der Zürcher Streetparade bis ins Jahr 1902 zurückverfolgt. Damals sind beim Sechseläuten erstmals Figuren aus dem Bereich der Travestie im Zug der Zünfter gesichtet worden. 1916 waren es die Dadaisten um Hugo Ball, die auch für Unverständnis der Kultursachverständigen mit biederer Fantasie gesorgt haben. «Alle Klänge und Geräusche sind Musik», soll auch Karlheinz Stockhausen frank und frei behauptet haben. Wie aus diesem Kulturerbe die von einigen inzwischen nur noch als Lärm empfundene Street Parade entstanden ist und was dieser Event auch abseits der Hotelbetten in Zürich alles bewegt, beschreibt Soltmannowski auf mehr als 140 Seiten. Kleiner Tipp: Den Fernseher ausschalten und einen netten Talk mit dem Buch beginnen.
Editorial

Sprungbrett ohne Pool? Noch immer suchen Wirtschaftsanalytiker mit der Lupe Indizien für eine Trendwende. Dabei scheint sich der Silberstreifen am Werbehorizont auch fürs angebrochene Semester als Fata Morgana zu entpuppen. Den düsteren Daten von Media Focus, Publicitas und Wemf trotzt der BSW (Branchenverband Schweizer Werbe- und Kommunikationsagenturen) jetzt mit einem Talent-Workshop (siehe dazu der Beitrag auf Seite 12). Prima vista mag das Timing nicht eben ideal erscheinen. Doch warum soll dem BSW nicht billig sein, was vielen ausländischen Fachverbänden recht ist?
Tatsächlich haben sich so genannte «Advertising Weeks» für kreativen Nachwuchs in Frankreich, Skandinavien und England bewährt. Branchenfremde mischen dank solcher Aktionen die Werbeszene fortlaufend auf und bescheren dem Kommunikationszweig einen guten Ruf. Wenn nun Agenturen ihren Kunden antizyklisches Verhalten in rezessiven Konjunkturphasen predigen und schlüssig nachweisen, dass sie gerade mit dieser Strategie nachhaltig Marktanteile gewinnen können, darf der BSW mit gutem Beispiel vorangehen. Nur mit Investitionen in die Zukunft kann ein Austrocknen des Arbeitskräftemarkts wie vor zwei Jahren verhindert werden.
In Zeiten schrumpfender Budgets mutet so viel Zweckoptimismus suspekt an, sagen Skeptiker des Workshops: Obwohl derzeit kaum Top-Vakanzen zu besetzen seien, suggeriere der Workshop reelle Einstiegschancen. Und: Während talentierte Quereinsteiger gesucht werden, investieren die Agenturen selber wenig Zeit und Geld in ihren eigenen Nachwuchs. So vermuten einige in dieser Schnellbleiche nicht mehr als eine preisgünstige Brautschau.
Apropos antizyklische Markenpflege: Der BSW und sein deutsches Pendant – der Gesamtverband Werbeagenturen (GWA) – sagten vor gut einem Jahr die fünfte Marbach Academy wegen Unterbelegung ab. Damals, also noch vor dem eigentlichen Einbruch nach dem 11. September, führten die Organisatoren das dürftige Interesse auf die wirtschaftliche Situation zurück.
Man darf gespannt sein, ob den Sawi-Einführungskursen in die Werbung und in das Marketing Talente abspenstig gemacht werden, oder ob sich das BSW-Experiment, wie das Inseratsujet, in ungewollter Ironie als Sprungbrett ohne Pool entpuppt. Luca Aloisi

Auf grosser Werbefahrt

Scotti gibt für die Servicestärke der Winterthur Versicherungen Gas

Scotti gibt für die Servicestärke der Winterthur Versicherungen GasVon Ernst Weber Der Werbeschwerpunkt der Winterthur Versicherungen hat sich von der Image- auf die Produktwerbung verlagert, seit der Konzern die Zusammenarbeit mit Advico Young & Rubicam beendet hat. Dies zeigt ein von Scotti, Zürich, konzipierter taktischer Auftritt. Er fokussiert auf die Servicequalität der Gesellschaft.
Unter dem Einfluss von Credit Suisse Financial Services (CSFS) wird derzeit das künftige werbliche Vorgehen der Winterthur Versicherungen evaluiert. Die Schweizer Versicherung, die 2001 ein Bruttoprämienvolumen von 2,7 Milliarden Franken erwirtschaftete, befindet sich seit 1997 im Besitz des Geldinstituts und ist Marktführerin.
Es seien Überlegungen im Gange, das Branding auf internationaler Ebene zu vollziehen, erklärt Richard Lüthert, Leiter Marketing Services bei den Winterthur Versicherungen. Bis man sich zu einer Entscheidung durchgerungen hat, sollen vor allem Produkt-bezogene Kampagnen zum Einsatz kommen, die ebenfalls mit CSFS abzusprechen sind.
Die Produktauftritte versuchen auf konkrete Art zu kommunizieren. Sie stehen damit ganz im Gegensatz zur Imagewerbung mancher Versicherer, die ihre Inhalte wie etwa ein Glücksgefühl durch Allgemeinplätze verbreiten. Ausserdem ist man bei der Winterthur überzeugt, durch konkrete Werbung eine Verunsicherung der Konsumenten zu beseitigen. Diese ist vor allem dadurch entstanden, dass die bisweilen identischen Angebote der verschiedenen Versicherungen für Laien nicht mehr unterscheidbar waren.
Das Produkt ans Imagesteuer gesetzt
Jüngstes Beispiel einer konkreten Kampagne ist ein taktischer TV-Spot-Auftritt der Zürcher Agentur Scotti, die seit 1995 für die Winterthur tätig ist. Die Kampagne bringt es fertig, so genannte Me-too-Leistungen im Bereich des Schadenmanagements sowie des Abschlusses von Versicherungen quasi als einzigartige Leistungen der Assekuranz darzustellen.
In Claude Catskys Kreativküche ausgedacht, fehlt es den Spots nicht an Witz. Im Film über das Schadenmanagement etwa schwitzt ein Vater als Fahrlehrer seines Sohnes Blut. Dieser manövriert das Auto, vom Hupen und deutlichen Handzeichen beeinträchtigter Verkehrsteilnehmer begleitet, von einer brenzligen Situation in die andere hinein. Im Spot für den Onlineservice beugt sich ein italienischer Lover der sanften Gewalt seiner Geliebten, die den Abschluss einer Hausratsversicherung verlangt, ehe sie bereit ist, sich ihm erneut hinzugeben.

Ein Hahn mit vielen Rätseln

Der Vierwaldstätter Verlag lancierte einen zweiten Titel und plant weitere

Der Vierwaldstätter Verlag lancierte einen zweiten Titel und plant weitereVon Markus Knöpfli Die Vierwaldstätter Verlags GmbH, die im Frühjahr 2001 mit dem vierwöchigen Programmtitel TV 4 gestartet ist, hat in aller Stille im März ein monatliches Rätselheft lanciert. Bis Ende 2003 plant Verleger Rüdiger Hahn noch zwei bis drei weitere Titel.
Nach wie vor ist das grösste Rätsel um Rüdiger Hahn, Alleininhaber der Vierwaldstätter Verlags GmbH in Kastanienbaum LU, nicht gelüftet: Woher stammt das Geld, mit dem er sein TV 4 in dessen ersten acht Monaten mit einer Auflage von je 300000 Exemplaren grösstenteils gratis verteilen liess und im Frühjahr 2002 mit TV 4-Rätselspass ein zweites Magazin lancierte? Vom Geld für das im November 2002 geplante Heft (siehe Kasten) ganz zu schweigen.
Umgekehrt gibt es Hinweise, wonach Hahns Verlag seine Rechnungen nicht immer termingerecht bezahlt habe. Zu «so allgemeinen Gerüchten» will der Verleger aber nicht Stellung nehmen. Immerhin: Hahn wird das Geheimnis um seine Geldquelle im Herbst lüften.
Dass eine solche bestehen muss, ist klar, denn die Hefte des kleinen Vierwaldstätter Verlags (Aktienkapital 40000 Franken) sind nicht selbsttragend. Zwar gibt Hahn an, dass TV 4 im September Break-even erreichen werde und der Rätselspass bis Ende Jahr kostendeckend sein sollte, Letzteres notabene ohne Anzeigen gerechnet! Doch wie das möglich sein soll, darüber will er partout nichts sagen.
An den Anzeigen kann es jedenfalls nicht liegen, diese sind in beiden Heften dünn gesäht. Gemäss Hahn hatte TV 4 in den letzten Monaten je eine bezahlte Anzeigenseite zu 8900 Franken. Beim neuen Rätselheft, bei dem die ganze Umschlagseite vorläufig 2900 Franken kostet, ist es ähnlich. «Das Anzeigengeschäft steht bei diesen Titeln nicht im Vordergrund, es wird vernachlässigt», sagt Hahn locker.
Auch über Abos ist die Kostendeckung kaum zu schaffen, selbst wenn diese offenbar zunehmen. Bei TV 4 spricht Hahn von derzeit 20000 zahlenden Abonnenten, darunter einige Grosskunden wie Hotels, die mehrere Exemplare beziehen, so dass 25000 Exemplare über Abos weggehen. Die Kioskauflage beträgt derzeit 35000 Exemplare, davon werden gemäss Hahn 25000 Stück pro Monat verkauft. Zum Vergleich: Im letzten Herbst setzte TV 4 14000 Hefte über Abos und 19000 Exemplare am Kiosk ab.
Viele Rätsel wollen auch in Flugzeugen gelöst werden
Beim 34-seitigen, durchgehend vierfarbigen Familien-Rätselheft, das ohne Kommunikation und Gratisauflage gestartet ist und einzig über Kioske vertrieben wurde, weiss angeblich selbst Hahn nicht, wie viele Exemplare er bisher zum Preis von vier Franken verkauft hat. Dennoch hat er die Kioskauflage von zunächst 20000 auf 15000 Exemplare reduziert. Anderseits ist jetzt erstmals dem TV 4-Programmheft ein Gratis-Rätselspass beigelegt – eine Promotion, die Hahn nur zweimal durchführen will.
Mittlerweile sollen Zeitungsverlage bei ihm angefragt haben, das Heft ihren Abonnenten als Beilage abzugeben. Zudem will Hahn die unverkauften Kioskretouren seines Rätselheftes an Hotels, Reisebüros oder auch an eine Airline weiterverscherbeln. Obwohl sein dritter Titel noch nicht existiert, denkt Hahn bereits an einen vierten oder fünften. Möglich wären weitere Rätselhefte für spezifische Zielgruppen. Ihm schwebt aber auch etwas in den Bereichen Lifestyle oder Auto vor.
Billiger als zwei Tele-Ausgaben

Derzeit bereitet Rüdiger Hahn die Lancierung eines 14-täglichen TV-Programmheftes vor – «für eine völlig andere Zielgruppe als jene von TV 4», wie er sagt. Mit seinem dritten Schweizer Titel stösst er wieder in eine Nische vor, die bisher hierzulande nur von den deutschen Titeln TV 14, TV direkt, TV Movie, TV Spielfilm und TV today beackert wird. Mit einem Preis von rund fünf Franken wird Hahns Heft aber etwa doppelt so viel kosten.
Inhaltlich und preislich dürfte das 160-seitige Heft hingegen Ringiers Wochentitel Tele (Einzelpreis: 3.60 Franken) konkurrenzieren, soll doch eine vierköpfige Redaktion auf 25 Seiten über Multimedia, DVD, Video, TV- und Film-News berichten. Die ersten drei Ausgaben umfassen je 500000 Exemplare, von denen 100000 an die Kioske und der Rest regionenweise gratis an alle Haushalte gehen. Diesmal plant Hahn TV- und Radiospots, Anzeigen und einen Werber-Event. Denn beim neuen Titel setzt er auf Anzeigen, mindestens fünf will er pro Ausgabe platziert sehen. Der Einführungspreis pro Seite in den drei Grossauflagen wird sich «unter 10000 Franken» bewegen, sagt Hahn, der sich freut, schon dreimal zwei Inserate fix verkauft zu haben.

Muse & Musse: Hanspeter Hürlimann

Muse & Musse Hanspeter Hürlimann Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht? Hanspeter Hürlimann: Bingo mit Beat Schlatter. Als Chef des Zürcher Brockenhauses ist für mich Tra

Muse & Musse Hanspeter Hürlimann Welche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Hanspeter Hürlimann: Bingo mit Beat Schlatter. Als Chef des Zürcher Brockenhauses ist für mich Trash-Kultur angesagt.
Was lesen Sie gerade?
Hürlimann: «Morbus fonticuli» oder «Die Sehnsucht des Laien» von Frank Schulz. Diesen Wälzer hat mir Frank Baumann untergejubelt. Darin lese ich mit Vergnügen an Schulz’ Sprache und Erzählkunst.
Welche CD hören Sie zurzeit ?
Hürlimann: «Keith Jarrett at the Blue Note, New York».
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Hürlimann: «Polizischt Wäckerli». Er ist so herrlich spiessig.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Hürlimann: «Wetten dass…?»
Welches ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Hürlimann: Unsere Homepage www.zuercher-brockenhaus.ch
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Hürlimann: Auf ein sehr gutes Glas Wein zum Essen.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Hürlimann: Träumen.
Liebe ist…?
Hürlimann: …einen Men- schen akzeptieren, wie er ist.

SRG legt «Radiowerbung» ad acta

Radiospots auf den SRG-Sendern würde Privatradios zu Verlierern machen

Radiospots auf den SRG-Sendern würde Privatradios zu Verlierern machenFalls die privaten TV-Anbieter einen Anteil an den SRG-Gebühren erhalten, will die SRG ihre damit verbundenen Einnahmenausfälle mit Radiowerbung auf ihren Sendern kompensieren. Das war bisher die Position der SRG. Von dieser Haltung ist sie nun aber (fast ganz) abgekehrt. An der Bilanzmedienkonferenz vom 2. Juli erklärte SRG-Generaldirektor Armin Walpen, dass er keine Radiowerbung beantragen werde, weil darunter die Privatradios leiden würden. Derzeit werden 11 Millionen Franken jährlich an private Radios verteilt, sie fordern aber mehr. Zudem werden derzeit in der politischen Diskussion rund 40 Millionen Franken zugunsten der Privat-TVs erwogen.Laut Walpen ist die SRG bereit, maximal 15 Millionen Franken abzutreten. Im Fall einer stärkeren Erhöhung des Gebührensplitting-Anteils forderte er jedoch zwecks Transparenz die Erhebung von zwei Gebühren, je eine für die SRG und eine für die Privaten, sowie eine Kompensation der SRG-Einnahmeverluste. Und nur für den Fall, dass keine Kompensation gewährt werden sollte, hält sich Walpen die Hintertür Radiowerbung noch offen.
Die Tatsache, dass die SRG nun den Zaunpfahl «Radiowerbung» weglegt, begründete Walpen mit einer Studie, die die SRG beim Berliner Institut Goldmedia in Auftrag gegeben hatte. Demnach würde der Sponsoring- und Werbeumsatz der Privatradios unter gleich bleibenden Bedingungen wie heute bis im Jahr 2010 auf 173 Millionen Franken anwachsen, dazu kämen für die SRG 12 Sponsoring-Millionen. Mit Radiowerbung auf SRG-Radios hingegen würde der Radiowerbeumsatz gar auf 243 Millionen Franken steigen (3,7% des Gesamtwerbevolumens), wobei auf die SRG-Radios allein 148 Millionen Franken entfallen würden – vor allem dank ihrer grösseren Reichweite. Und selbst wenn insgesamt drei private sprachregionale Sender bewilligt würden, bliebe den SRG-Radios noch 111 Millionen Franken.
Mit Radiowerbung könnte die SRG ihren Ertragsausfall aus dem erweiterten Gebührensplitting also problemlos wettmachen, die Verlage hingegen, die in den meisten Fällen Träger der Privat-TVs und -Radios sind, würden unter dem Strich mehr verlieren als sie durch Gebührensplitting einnähmen. Markus Knöpfli

Das goldene Klo des Pharao

Wirz fährt für das Brockenhaus an den besten Adressen vor

Wirz fährt für das Brockenhaus an den besten Adressen vorVon Ernst Weber Vom Einkauf bei der Mutter aller Secondhand-Shops bringt man weder Flöhe noch Gerümpel, sondern Trouvaillen mit nach Hause. Ein von Wirz, Zürich, für das Zürcher Brockenhaus konzipierter Imageauftritt positioniert das 98 Jahre alt gewordene Sozialwerk als erste Adresse für Trödel.
Das Zürcher Brockenhaus wurde im September 1904 als gemeinnütziger Verein gegründet, um wenig Bemittelten eine günstige Einkaufsgelegenheit zu bieten. Die Initiative ging von der ältesten Zürcher Freimaurerloge Modestia cum Libertate (McL) aus. Auf die Idee waren Vertreter der Loge gekommen, nachdem sie um die Jahrhundertwende in München das Brockenhaus eines gewissen Julius Müller besichtigt hatten. Mit dem Verkauf gebrauchter Waren finanzierte der deutsche Philanthrop sein Sozialwerk.
Um sich breiter abzustützen, wurde der Vorstand des Zürcher Brockenhauses aus Funktionären der reformierten und katholischen Kirche, der jüdischen Kultusgemeinde, der Stadt Zürich sowie der Loge rekrutiert. Nach diesem Schlüssel ist er bis heute zusammengesetzt. In den vergangenen 25 Jahren richtete die auch von der öffentlichen Hand unabhängige Organisation Zuwendungen in der Höhe von rund zwölf Millionen Franken an verschiedene soziale Einrichtungen aus.
«Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der Steuern und Mehrwertsteuer bezahlt und alle Mittel, die er verteilt, selbst erarbeiten muss», so Geschäftsführer Hanspeter Hürlimann (siehe auch Seite 5).
Brocken aus dem Nachlass von Queen Mum
Obwohl das Zürcher Brockenhaus seit 98 Jahren demselben Zweck dient, hat sich sein Image stark gewandelt. Das Einkau-
fen in Zürichs Arme-Leute-Gebrauchtwarenhaus von einst, das inzwischen den Beinamen «Zürichs originellstes Warenhaus» erhielt, wird zunehmend populärer. Im Rekordjahr 2001 konnte ein Umsatz von 2,6 Millionen Franken erzielt werden.
Den Wandel vom schmuddeligen Brockenladen zur kultigen Einkaufsstätte dokumentiert nun ein von Wirz, Zürich, honorarfrei konzipierter Imageauftritt. Er positioniert die Institution als Haus der Trouvaillen.
Die Sujets zeigen den Lieferwagen des Brockenhauses, parkiert vor Gebäuden wie etwa dem Weissen Haus oder dem Buckingham Palace. Beschriftet mit dem Namenszug und dem Slogan «Wir holen alles», drängt sich dem Betrachter der Schluss auf, dass das Angebot des Zürcher Brockenhauses nie und nimmer nur aus Kitsch und Ramsch bestehen kann.
Eine zusätzliche Wirkung erfährt etwa das Buckingham-Palace-Motiv, indem es durch Queen Mums kürzlichen Hinschied in einen aktuellen Kontext eingebettet ist.
Die Konzeption ist ein organisches Ganzes. Alle Inhalte werden in einem einzigen Schritt kommuniziert. Damit verlässt der Auftritt die Plattform der klassischen Werbung und wandelt sich in Richtung Product Placement. «Der Auftritt ist ein wenig ein Glücksfall, eine Komprimierung, die nicht jedes Mal so gut gelingen kann», meint Wirz-CD Matthias Freuler.

Akais grosser Ärger mit den Trams

Ruf Lanz dramatisiert den dichten VBZ-Fahrplan mit «verpfuschten» Ferienfotos

Ruf Lanz dramatisiert den dichten VBZ-Fahrplan mit «verpfuschten» FerienfotosEntgegen des Eindrucks vom vergangenen WM-Sonntag dominieren nach wie vor die Farben Weiss und Blau das Stadtbild von Zürich. Geprägt wird dieses aber vor allem von Fahrzeugen der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ), die der Limmatstadt ihren blau-weissen Look verpassen, den schon Karl Valentin lobte. Trams und Busse bedienen während 20 Stunden pro Tag 664 Haltestellen, kein Wunder also, dass deren Farben fast omnipräsent sind. Diesen in Europa einzigartig dichten Fahrplan will die VBZ heuer am Open-Air-Kino «Orange-
Cinema» mit einem Auftritt von Ruf Lanz kommunizieren.
«Primär galt es, die Werbezeit zu füllen, die den VBZ auf Grund ihrer Kooperation mit den Veranstaltern zur Verfügung stehen», beschreibt CD Markus Ruf die Ausgangslage. Dafür hat sich das Kreativduo die ungewöhnliche Frage gestellt, wer denn eigentlich unter dem dichten Fahrplan der VBZ «leidet»? Von der Antwort ist der CD felsenfest überzeugt: Es sind Touristen, die kaum eine Zürcher Attraktion auf Celluloid bannen können, ohne dass ein Tram oder ein Bus ins Bild fährt.
Diesen Nachteil dramatisiert Ruf Lanz in einer Diashow des fiktiven japanischen Touristen Tagashi Akai. Dabei werden die Kinozuschauer Zeugen von Akais verzweifelten Versuchen, seine stets tapfer lächelnde Frau zu fotografieren – erfolglos: Jedes seiner Bilder wird von einem Tram oder Bus «verpfuscht». Mit lauten Unmutsbekundungen in Japanisch verleiht das Pärchen seinem Ärger Ausdruck.
Der Spot in Form einer Diashow ermöglichte eine kostengünstige Produktion. Allerdings stiess die Idee VBZ-intern auf so grosse Begeisterung, dass der Auftritt nun auf Inserate und Plakate ausgeweitet wird. Simone Keller

Bald täglich Monica lesen

Die Wemf lanciert im Januar 2003 eine eigene regelmässige Statistik der Werbeausgaben.

Die Wemf lanciert im Januar 2003 eine eigene regelmässige Statistik der Werbeausgaben.Das Projekt mit dem Arbeitstitel Monica (Monitor of Investments in Classic Advertising) strebt eine tägliche oder wöchentliche Datenpublikation an. Ausgewiesen werden sollen die fakturierten Brutto-Werbeumsätze. Für das Projekt hat sich die Wemf Hans-Jürg Gränicher und Stephan Wyss, die beiden Väter von Media Focus, geangelt. Monica wird für die Datenerfassung direkt auf die Dispositionsdaten der Medien zurückgreifen. Dem konkurrenzierten Media Focus offeriert Wemf-Chef René Schmutz eine Zusammenarbeit (siehe Sei-te 5). Media Focus will sich dazu nicht äussern. «Für eine Stellungnahme brauchen wir mehr Informationen», erklärt Knuth Hackbarth, bei der IHA-GfK für Media Focus verantwortlich. Er gibt sich gelassen und meint, dass Konkurrenz das Geschäft belebe. «Auch wir streben eine raschere Datenpublikation an», ergänzt er. Kürzere Lieferzyklen – einmal wöchentlich statt monatlich – würden ebenfalls geprüft. «Wir klären jetzt ab, was unsere Kunden wirklich brauchen.» (dse)

Aufgefallen: Guckt man Frauen auf den Busen, riskiert man schnell, als Sexist taxiert zu werden.

AufgefallenGuckt man Frauen auf den Busen, riskiert man schnell, als Sexist taxiert zu werden. Auch wenn hinter diesem, meist kurzen Blick keine Spur einer sexuellen Absicht steckt. Man schaut auch nicht hin, weil das Gesicht unattraktiver w

Aufgefallen Guckt man Frauen auf den Busen, riskiert man schnell, als Sexist taxiert zu werden. Auch wenn hinter diesem, meist kurzen Blick keine Spur einer sexuellen Absicht steckt. Man schaut auch nicht hin, weil das Gesicht unattraktiver wäre oder weil einem dieser Körperteil in seiner ganzen Fülle entgegen strahlt. Nein, man schaut hin, um wichtige Aussagen über Frauen zu erfahren. So etwa, dass Blondinen auch etwas im Kopf haben oder dass sie beim Friseur waren. Dass sich hinter diesen Sprüchen eine zentrale weibliche Reizzone befindet, führt höchstens zur Verzerrung der Schrift. Denn seit Dolly Parton zugegeben hat, dass Velopumpen mehrzweckfähig sind, ist Vorsicht vor zu viel Luft angesagt. Chandra Kurt [email protected]
Kolumne

Ein Lowe für 12 Aebi von Thomas Lüber
Die Sackgeldentführer von Panini wollen sich nach dem skandalösen Ausscheiden Italiens in Südkorea vom Geschäft mit dem Fussball zurückziehen und brauchen dringend neue Einnahmequellen.
Nun gibt es inoffizielle Pläne für ein Album «Cannes 2003». Das macht Sinn, weil Werbefritzen für die Jagd nach dem Bildli mit dem eigenen Grind ein bedeutend grösseres Budget zur Verfügung haben als zum Beispiel mein Sohn für den Erwerb von Ahmad Al-Dokhi von Saudi-Arabiens WM-Team. Das Problem ist nur: Jeder Werber muss zuerst einen der so raren wie begehrten Plätze auf der Albumseite seines Landes erobern. In der Schweiz ist das besonders schwierig, weil sich alle, ausser Edi Andrist, zu schade sind, ihren Anspruch offen anzumelden. Der ADC hat darum ein Gremium zur Vergabe der Schweizer Plätze gebildet und stellt so schon mal sicher, dass sich Frank Bodin, Peter Lesch und Dani Matter keine Chancen mehr ausrechnen müssen.
Dennoch läuft der Kampf um einen Stickerplatz auf Hochtouren. Versuchen Sie also gar nicht erst, Jean Etienne Aebi zu erreichen, denn der telefoniert mit Ruedi Wyler, damit der mit Markus Ruf telefoniert, damit der sich mit Dani Lanz abspricht, wie man es elegant deichselt, dass Martin Spillmann kein Veto dagegen einlegt, dass Publicis zwölf Quotenplätze erhält. Währenddessen sucht Reini Weber wieder mal Kontakt mit Martin Denecke, der aber gerade in der Kronenhalle mit sauteurem Sliwowitz damit beschäftigt ist, Hansjörg Zürcher abzufüllen, was sich als relativ schwierig erweist, da dieser immer wieder vom Handy abgelenkt wird, auf dem ihn Claude Catsky mit einer gewissen Penetranz zu erreichen versucht. Was im Getöse leider etwas untergegangen ist: Auf Grund des schwachen Abschneidens bei Cannes 2002 ist die Schweiz im Panini-Album gar nicht vertreten.
[email protected]
Thomas Lüber ist Geschäftsführer Kreation von Lesch+Frei Zürich.
Business Lunch

Träume von Freuden des Mittelmeers am ZürichseePlaisirs de la Méditerranée – unter dieses Motto haben Directrice Nathalie Egli-Grisoni und Küchenchef Sven Nindel die Gaumenfreuden in der Bel Etage des Steigenberger Bellerive au Lac gestellt. Gut gewählt! Gut gekocht! Gut präsentiert.
Eines ist klar: Das Bellerive, in den Neunzigerjahren kurzfristig zweckentfremdet, feiert dieses Jahr seinen 70. Geburtstag, zeigt sich aber nach der Renovation durch Architektin Tilla Theus keinesfalls mit Rentnerantlitz: Die Welt des Art Déco ist zurück in Zürich. Doch der dekorative Retrotrend ist nicht in die Küche vorgedrungen. Dort waltet Nindel mit einem sicheren Blick auf die französische Mittelmeerküche, die er auch beim Business Lunch nicht versteckt. Im Gegenteil. Das Entrée sah schon für die Augen lecker aus und bliebs auch im Gaumen: Crevettencocktail, von einem kunstgerecht verzierten Salatbouquet begleitet. Die Crevetten wurden in einer in der Länge zugeschnittenen, zusammengerollten gelben Zucchetti-Scheibe serviert. Zum Hauptgang gabs Rindsentrecôte mit Limettenbutter, Melonenrisotto mit Rohschinken und Gemüse vom Markt.
Als Italiener mit eindeutigen Wurzeln in der Risottoweltzentrale Veneto bin ich skeptisch eingestellt, was die Kombination von Reis und sonstigen Zutaten betrifft. Risotto ist ein Arme-Leute-Gericht, das mit dem «aromatisiert» wird, was gerade auf dem Feld wächst, Gemüse vor allem, oder in den Ställen, im Hühnerhof inbegriffen, geschlachtet wurde. Mein Favorit ist und bleibt
ein Risotto mit Hühnerleber und…aber das bleibt ein Familienrezept, sonst dreht sich Nonna Maria im Grab um – es schmeckt, ist lecker: Melonen, Reis, Rohschinken. Zur Nachahmung empfohlen. Den Abschluss des Dreigangmenüs für 53 Franken bildete ein überaus herrlich mit Früchten «bebilderter» Sorbetteller. Für den Preis, dies alles? Perfekt.
Auch bei den Weinen hält Egli-Grisoni eine schöne Auswahl bereit. Sechs Weissweine, vier Rotweine – Crus, die kein Geld der Welt kosten und ein Mittagsmahl in dieser Location ganz angenehm zu begleiten wissen. Dass der Service «impeccable» ist, versteht sich von selbst, schliesslich weiss Frau Direktorin, was sich gehört im Umgang mit Viersternegästen, denn ihre Hotelière-Laufbahn hat sie richtigerweise in der Küche begonnen. Soll man noch schreiben, dass man dies in der Menüplanung und im kulinarischen Angebot merkt? Wäre Wasser ins nahe Seeufer getragen. Gute Business-Facilities für Gruppen. Handys ausschalten, man hört der dicken Mauern wegen schlecht. Carlo Bernasconi [email protected]
Steigenberger Bellerive au LacUtoquai 47
8008 Zürich
Tel. 01 254 40 00
Fax 01 254 40 01
Parkplätze im nahen Parkhaus.
Bewertung

Essen …………………..4
Getränke ………………4
Bedienung …………….4
Businessfaktor ……..5
5=top, 4=sehr gut, 3=o.k., 2=naja, 1=Flop

Bye-Bye Roxy!

Von Beat Fritsch

Von Beat FritschDie Wochenauftaktparty veranstaltete die Publimag Basel am Mittwochnachmittag bei schönstem Sonnenschein. Zu feiern gabs das 100-Jahr-Jubiläum der Coop-Presse. Über die Bühne ging das Ganze in Kurt Aeschbachers V-Labor im Zürcher Westend. Werberseitig hielt sich der Aufmarsch in Grenzen. Einerseits hatten sich von vornherein gar nicht so viele angemeldet – den Hauptharst der Gäste stellten die Coop-Partnerfirmen –, andererseits pflegen Werber bei Sonnenschein gerne unter Zuhilfenahme gewichtiger Argumente fernzubleiben. Und man fragt sich dann schon, weshalb so viele Kunden kurzfristige Konkurrenzpräsentationen meist in Schönwetterphasen anberaumen…Nun, es hat glücklicherweise in Aeschbis Labor einen Gartensitzplatz, in dem man aufs Beste das Wetter geniessen konnte. Auch die Klimaanlage im Inneren erfüllte an diesem Tag ihren Zweck.
Geboten wurde eine veritable Bühnenshow, viele interessante Talks, eine Verlosung von Freespace und Verpflegung von Gamma-Catering. Bei Letzterem hat man – trotz des gigantischen Küchenaufwands – allerdings auch schon besser gegessen. Da ist man doch tatsächlich fürs Catering mit zwei ausgewachsenen Lieferwagen vorgefahren – um dann im Hinterhof von Aeschbis V-Labor Würste und Lammkoteletts zu grillieren. Schon gut, die Tagliatelle waren Spitze, und die Desserts warens auch. Der Horst-Petermann-Level wurde dennoch nicht erreicht, auch wenn die Preise für Gamma-Catering durchaus mit denjenigen der «Kunststuben» mithalten können.
Für viel Gesprächs- und Jubelstoff sorgten in den letzten vier Wochen jeweils auch Fussballspiele. Das machte sich Heinz Krebs, Verlagsleiter beim Zürich-Express, zu Nutze. Ab den Viertelfinals durften sich geladene Gäste die Matches in der Zürcher «Newsbar» auf Grossleinwand ansehen. So liess sich unter anderen Herbi Lips vom Zirkus Conelli das Spiel Korea gegen Deutschland nicht entgehen, wobei er bei den Anwesenden auch die Werbetrommel für seinen Weihnachtszirkus auf dem Zürcher Bauschänzli rührte. Beim Finale – die Lokalität drohte beinahe aus den Nähten zu platzen – machten wir unter den Fussballfans Bettina Schmid, Tina Lehmann, Nadja Jordi und Markus Presta aus.
Allen Werberveranstaltungen zum Trotz – die letzte Woche gehörte dem Roxy mit Jean Pierre Grätzer und Peter Renner. Die beiden ehemaligen In-Club-Besitzer von der Beatengasse setzten im Zürich der Achtzigerjahre so manche Trends. Nun schliesst das Roxy seine Tore. Auf immer und ewig! Was viele der ehemaligen Members (die Roxy-Membercard öffnete einem damals die Pforten zur höheren Gesellschaft, Schickeria genannt) zu einem letzten Besuch veranlasste; war doch das Roxy Sozialisationspunkt und Szenewohnzimmer in einem. Das Ganze machte den Eindruck einer riesigen Klassenzusammenkunft. Die scharfen Hasen sind attraktive Mütter geworden, und die früher mal knackigen Boys haben jetzt angegraute Schläfen – sofern sie überhaupt noch Haare haben.
Den Auftakt zur Abriss-Partyserie machte Filmer Ernst Wirz von Wirz&Fraefel mit seiner Band Medium Rare am Mittwoch. Bereits dies ein Gig, den sich niemand entgehen lassen wollte. Wirz’ Band spielte früher jeweils im Roxy an Spezialanlässen. Ganz nah an der Bühne natürlich Irène Hiltpold, aber auch Werbeveteran Gebi Schregenberger, Tamedia-Ausbildungsleiter René Bortolani, Francis Sulzer von Sulzer Sutter, Theophil Butz von Rosa, Galerist Andy Illien, Personalberaterin Sonja Sigg, Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel, Annabelle-Marketingleiterin Jacqueline Joos, Tamedia-Pressesprecher Peter Hartmeier und Filmerin Franziska Graf.
Am Donnerstagabend wars so pumpenvoll wie in den allerbesten Zeiten des Clubs. Bald einmal hiess es an der Türe: Sorry, no entry! Die Achtzigerjahre feierten mit Kult-DJ Oli Stumm Auferstehung. Stumm war der erste Resident-DJ des Roxy und ist mittlerweile als Musikproduzent in New York tätig. Neben Theophil Butz kamen auch Kenneth Angst, die Filmer Reiner Roduner von Absolutturnus und Nadia Rosasco von Chocolate Films, Werber Oliver Burger, Marc Schürmann von Mosaik, Sandra Wildbolz, die Journalistin Anna von Senger und Produzentin Ingrid Thommen von Condor. Und auch einige Mädchen und Jungs, die mal ins legendäre Roxy schauen wollten, von dem die Eltern immer erzählen. Einige der Jungmannschaft dürften die Resultate einstiger Roxy-Liaisons der ersten Stunde gewesen sein.
Wie sollte es anders sein, auch am Wochenende war der Club nochmals übervoll. «The Rebirth of Technomusic» hätte das Motto für Freitag lauten können. Angesagt war ein Revival der Neunzigerjahre mit DJ Gogo, heute Mitinhaber des angesagten Club Q an der Förrlibuckstrasse. Am Samstag dann ein Rückblick auf die jüngste Vergangenheit des Clubs. «Fast wie in alten Zeiten» hiess es, als Rainer Kuhn seine Kultpartys im Roxy startete.
Zu Beginn nur vierteljährlich, dann im Monatsrhythmus, schaffte es Kuhn im neuen Jahrtausend, der In-Disco nochmals Leben einzuhauchen. Jetzt ist die Ära Roxy definitiv zu Ende – und wenn die Toiletten und Hinterzimmer an der Beatengasse Geschichten erzählen könnten: Au Backe – der «Borer-Skandal» wäre ein müder Furz dagegen. Was dort im Laufe der Jahre an Skandalstoff für den Boulevard zusammengekommen wäre…
Beat Fritsch

mit Stefan Hostettler beim vier Tage währenden Abgesang aufs gute alte «Roxy». Das Haus, in dem der ehemalige In-Nachtclub und Szenetreff beheimatet war, muss einem Neubau weichen. Es kamen fast alle, die früher auch schon da waren – jetzt aber 20 Jahre älter sind! Auch noch passiert letzte Woche: Die Coop-Presse feierte ihr 100-Jahr-Jubiläum im V-Labor von Kurt Aeschbacher (auch er in früheren Zeiten ein fleissiger Roxy-Gänger). Und die Fussball-WM-Einladungen des ZürichExpress in die «Newsbar», wo man sich die Finalspiele auf Grossleinwand anguckte.
Wer sich in der Kommunikationsszene an den diversen Events und Partys trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Branche. Haben Sie jetzt schon etwas Spannendes zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01
296 97 98) oder in die Tastatur ([email protected]). Für Veranstaltungstipps wie auch weitere Shortlistbilder: www. werbewoche.ch

Grosse Brocken im Haus

Wirz fährt eine ironische Imagekampagne für das Zürcher Brockenhaus

Wirz fährt eine ironische Imagekampagne für das Zürcher BrockenhausDas Zürcher Brockenhaus verabschiedet sich von seinem «Arme-Leute»-Image und fährt erstmals mit einer von Wirz konzipierten Plakatkampagne gross vor: Seinen Abholcamion parkt das «originellste Warenhaus» der Stadt Zürich auch mal vor dem Weissen Haus oder dem Buckingham Palace. Die Imagekampagne hat Silvio Denz, Brockenhaus-Vereinspräsident, in Auftrag gegeben, weil sich in den letzten Jahren das Bild dieser sozialen Institution gewandelt hat und heute vermehrt junge Kunden beim Trödler einkaufen – auch wenn die Brocken noch nicht von George W. Bush aussortiert worden sind. Seite 10

Mass nehmen für Sonntagsleser

WHS positioniert die SoZ als Sonntagslektüre für den Leser mit dem Blick aufs Mittelmass

WHS positioniert die SoZ als Sonntagslektüre für den Leser mit dem Blick aufs MittelmassVon Ernst Weber Drei Monate nach Lancierung der NZZ am Sonntag vom 17. März glaubt die SonntagsZeitung (SoZ) die neue Marktsituation überblicken zu können. Vor dem Hintergrund der neuen Positionen hat Weber Hodel Schmid (WHS), Zürich, eine Inserentenkampagne für das Sonntagsblatt von der Werdstrasse konzipiert.
WHS gewann das SoZ-Mandat Anfang Mai in einem Pitch gegen die bisherige Etathalterin und eine weitere Agentur. Der Entscheid war offenbar nicht durch den Umstand begünstigt, dass WHS das Budget des ebenfalls vom Zürcher Verlagshaus Tamedia verlegten Tages-Anzeiger an Guye Benker verlor. «Es bestand kein Zwang zu dieser Wahl», so SoZ-Verlagsleiterin Sandra Geiger. Vielmehr gab die Leistung der Agentur den Ausschlag dazu.
Nachdem die SoZ im Januar ihr 15-jähriges Bestehen mit einer inhouse produzierten Imagekampagne gefeiert hat, wollte der Verlag nach dem Erscheinen der NZZ am Sonntag zuerst einmal «abwarten, bis die neue Konkurrenz ihre massiven Werbemittel verpulvert hat», wie Geiger meint. Inzwischen ist durch eine Studie belegt, dass trotz der massiven Werbemittel der NZZ am Sonntag erst 40 Prozent der Leute wissen, dass es in der deutschen Schweiz drei Sonntagszeitungen gibt. Und dies erst noch auf Grund einer gestützten Frage.
Vor einer erneuten, bereits geplanten Imagekampagne will die SonntagsZeitung deshalb die Werbebranche dafür sensibilisieren, dass die Zeitung aus dem Haus Tamedia das ideale Mittel, nämlich die Mitte zwischen NZZ am Sonntag und SonntagsBlick bildet, um beim Publikum eine breit angelegte Kampagne schalten zu können.
Der aus vier Sujets bestehende Auftritt sieht Sandra Geiger auch als «Schmunzelkampagne». Der Auftritt der SoZ wird sinnbildlich mit dem Image der NZZ am Sonntag sowie mit Klischeevorstellungen über den SonntagsBlick verglichen. Die Aussage zugunsten des eigenständigen Markenprofils lautet: Die Sonntagszeitung verstehen alle!
Ein Motiv zeigt drei Eierbecher. Lediglich der mittlere enthält ein Ei. Darunter steht «Sonntags: Zeitung». Diese Schreibweise des Produktnamens wird in Zukunft das Logo der Werbung bilden. In den anderen Bechern befinden sich eine Kartoffel und eine Portion Kaviar. Die Zuordnung der anderen zwei Sonntagsblätter zu den Inhalten der jeweils anderen Eierbechern bleibt dem Betrachter «frei gestellt».
«Nachdem man lange nichts mehr von uns gehört hat, ist das ein erster, auf die Inserenten und die Werbebranche ausgerichteter Schuss», meint Sandra Geiger.
NZZ am Sonntag und der SonntagsBlick hätten einen grossen Brand im Rücken. Die SoZ hingegen könne, da sie nicht Sonntags-Tagi heisse, vom Betrachter keiner Marke zugeordnet werden. Durch den im Namen gesetzten Doppelpunkt werde die SoZ nun zur Sonntagszeitung schlechthin, so WHS-CEO Reini Weber.
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