Mani Hildebrand über den «tpc creaTVty award» für den audiovisuellen NachwuchsVon Andreas Panzeri Das TV Productioncenter (TPC) schafft zusammen mit den drei Deutschschweizer Hochschulen für Gestaltung und Kunst einen Förderpreis für audiovisuelle Nachwuchstalente. Der «tpc creaTVty award» wird erstmals am
15. November verliehen und geht auf eine Idee von TV-Redaktor Mani Hildebrand zurück. Die prämierten Arbeiten zeigen, dass sich die Spuren zwischen Kunst und Kommerz weiter verwischen.
Was will das TPC mit dem «creaTVty award» erreichen?
Mani Hildebrand: Die SRG SSR ist schon lange in die Filmförderung involviert. Wir als TPC sind darauf angewiesen, dass in der Schweiz gut ausgebildeter und kreativer Nachwuchs vorhanden ist. Und unsere Kunden, seien es Redaktionen, Werbeauftraggeber oder Kommunikationsagenturen, profitieren auch davon. Statt schon Arrivierte zu fördern, entschlossen wir uns darum zur Förderung junger Talente – die ja vielleicht in Zukunft einmal als Mitarbeiter oder Kunden mit dem TPC zusammenarbeiten. Bei dieser Gelegenheit wollen wir auch der Kommunikationsbranche die Gelegenheit geben, sich ein eigenes Bild zu machen über das Schaffen des Nachwuchses und die Möglichkeiten audiovisueller Produkte.
Was wird nun beim «creaTVty award» ausgezeichnet?
Hildebrand: Eine erste Idee ging in Richtung eines Nachwuchspreises für alle filminteressierten Jungen. Wir haben uns dann jedoch entschlossen, den Teilnehmerkreis einzuschränken auf junge Personen, die sich für eine berufliche audiovisuelle Tätigkeit entschieden haben und die ausbildungsmässig bereits ein solides Fundament vorweisen. Bei der ersten Auflage des neuen Förderpreises werden die Diplomandinnen und Diplomanden der drei Deutschschweizer Fachhochschulen für Gestaltung und Kunst eingeladen, mit ihren Abschlussarbeiten am Wettbewerb teilzunehmen. Die Werke konnten als Film oder Video, auf CD-ROM, DVD oder als Website eingereicht werden. Auch Multimedia-, Video- und Kunstinstallationen waren zugelassen.
Wie viele haben sich für den Preis beworben, und wie war das Niveau der Arbeiten?
Hildebrand: Es sind 24 Diplomarbeiten eingereicht worden, sechs davon gelangten in die Shortlist. Von diesen Nominierten werden drei mit dem Award ausgezeichnet. Mindestens die Hälfte der Einreichungen sowie natürlich die sechs nominierten Arbeiten sind für mich sehr gut und versprechen echte Talente.
Gibt es auch ein Preisgeld?
Hildebrand: Wir sind schnell zur Einsicht gelangt, dass es zwar nett ist, wenn man einen Pokal bekommt. Die jungen Leute können aber 5000 Franken sicher besser gebrauchen. Gerade zum Zeitpunkt, an dem man die Schule verlässt, auf Jobsuche ist und vielleicht auch noch sein Projekt selber finanziert hat.
Haben Sie auch nach Sponsoren gesucht?
Hildebrand: Wir haben keine Sponsoren gesucht, weil wir in der Ausgestaltung des Wettbewerbes keine Kompromisse in Bezug auf Interessen von Sponsoren nehmen wollten. Es war uns wichtig, die Bedürfnisse der Studierenden, die der Schulen und auch jene des TPC unter einen Hut zu bringen, ohne dass eine Seite das Gefühl haben muss, nicht zu profitieren oder gar «missbraucht» zu werden. Wenn sich der Preis etabliert hat, können wir uns aber schon vorstellen, weitere, glaubwürdige Partner einzubinden.
Zeigten die Schulen Berührungsängste im Zusammenhang mit diesem Preis?
Hildebrand: Im ersten Moment habe ich befürchtet, dass die Schulen Berührungsängste zeigen würden. Bei einem Preis wird ja juriert, werden Noten vergeben – und das ist heute nicht mehr so populär. Daraufhin haben wir das Gespräch mit den Schulleitern gesucht – und da ist genau das Gegenteil passiert. Die haben extrem begrüsst, dass man mal einen Förderpreis für junge Leute stiftet. Gerade in der heutigen Situation, in der viele junge Menschen einen Abschluss haben und in eine wirtschaftlich ziemlich unsichere Zukunft entlassen werden.
Nach welchen Kriterien wurden die Arbeiten bewertet?
Hildebrand: Kreativität ist etwas Subjektives, das man nicht mit Punkten bewerten kann. Im Vordergrund stand deshalb ein allgemeiner Begriff von Kreativität: Wie gehe ich mit dem Bild um, wie erzähle ich eine Geschichte, wie kommuniziere ich, was habe ich für Töne, wie setze ich etwas um? Wie hat mich eine Arbeit berührt?
Haben Sie bei den Arbeiten einen Trend feststellen können?
Hildebrand: Zürich ist sehr filmorientiert. Basel ist sehr kunstorientiert, und Luzern ist sehr offen. Vieles, was man an der Expo.02 gesehen hat – Projektionen, Aufteilen von Bildschirmen, ein anderer Umgang mit Bildern, Integration von Tönen –, bildet auch den aktuellen Spielplatz der Ideen an den drei Schulen ab. Das heisst, wir haben heute eine Mischform aus Kunst und Kommerz. Dazu kommen auch interaktive Arbeiten sowie viele räumliche Installationen, bei denen man mittendrin steht und etwas erlebt. Nebst den filmischen Lösungen bestanden rund die Hälfte der eingereichten Arbeiten aus Installationen. Und die führen immer mehr in einen Eventbereich hinein. Ein Trend ist auch darin zu erkennen, dass die Annäherung zwischen Kunst und Kommerz weiter ausgebaut wird. Und zwar nähert sich nicht nur die Kunst dem Kommerz an, sondern auch der Kommerz der Kunst. Mir ist aufgefallen, dass Schüler keine Berührungsängste mit Kommerz haben. Man erkennt den Konflikt und weiss, dass es nichts nützt, diesen einfach abzuweisen.
Wie wird die Preisverleihung gestaltet sein?
Hildebrand: Die Preisverleihung am 15. November ist konzipiert als Tag der offenen Begegnungen und findet im TPC statt. Das TPC organisiert eine Plattform, auf der die Kunststudenten mit Leuten vom Fernsehen, mit Interessierten aus der Werbung und auch mit freien Produzenten ins Gespräch kommen sollen, die wir an diesem Tag gerne im TPC begrüssen. Martin Heller wird mit den Studenten eine Diskussion über die aktuellen Entwicklungen in Kunst und Ausstellungen führen, und ehemalige Absolventen werden aus ihren ersten Erfahrungen im Berufsleben berichten.
Die Jury
Jacqueline Burckhardt (Präsidentin Eidgenössische Kunstkommission), Stefan Jäger (Filmschaffender/Regisseur), Cyril Böhler (Filmmusikkomponist), Martin Roth (Geschäftsleitung Belleville AG), Monika Schärer (Redaktorin SF DRS), Annina Zimmermann (Videokünstlerin und Kuratorin), Alfredo Briccola (Creative Consultant) und Verena Zollinger (Geschäftsführerin und Produzentin TCC Film).
Award Night
Die Award Night beginnt am Freitag, 15. November, um 18.30 Uhr im Studio 1 des TPC und wird von Claudio Zuccolini moderiert. Auf dem Programm stehen prominente Gesprächsgäste und musikalische Performances. Sämtliche Wettbewerbsarbeiten können an einem Videokiosk angesehen werden. Anmeldungen nimmt Daniela Blaser, Tel. 01 305 40 21 oder daniela.blaser @tpcag .ch entgegen.