Rabenschwarzer Humor für Blinde

Ruf Lanz macht mit heiterer und feiner Ironie Fundraising-TV-Spots für ein Zürcher Blindenheim

Ruf Lanz macht mit heiterer und feiner Ironie Fundraising-TV-Spots für ein Zürcher BlindenheimEigentlich werben nur die Angelsachsen so heiter und zugleich ironisch um mehr Aufmerksamkeit und Bargeld für Behinderte. Dass es auch hier zu Lande anders geht, beweist Ruf Lanz mit zwei Spots für das Blindenwohnheim Mühlehalde in Zürich. Die Werbeagentur liess zwei blinde alte Damen ins kühle Nass des Zürichsees plumpsen oder im coolen Kleidershop ein T-Shirt mit der Aufschrift «Sex Bomb» kaufen. Und ist es auch viel Slapstick, so hat es doch Methode. Sehenden erklären beide Spots am Ende: «Ohne Ihre Spende sind die Blinden bei uns bald sich selbst überlassen.»Damit es nicht so weit kommt, hat Ruf Lanz die rührseligen Geschichten vom Tisch gefegt, die jeweils in der Vorweihnachtszeit erzählt werden. «Die Betroffenheitsmasche zieht nicht mehr», erklärt Markus Ruf die Taktik. Er wollte eine Kampagne realisieren, die nicht austauschbar ist. Diese besteht nun aus einem Anzeigensujet, das auch als Tramhänger produziert worden ist, sowie aus den zwei von Condorfilms unentgeltlich produzierten TV-Spots. Die Kernaussage ist unmissverständlich: Heimbewohnerinnen und -bewohner sind im Alltag dringend auf die Hilfe von Drittpersonen angewiesen. Und das kostet Geld. Viel Geld.
Dieses Jahr klafft ein Loch von 1,5 Millionen Franken in der Betriebskasse. In dieser Not habe er bei Ruf Lanz um eine Spende in Form einer Werbekampagne nachgesucht, erklärt der fürs Fundraising zuständige Bruno Guglielmetti, wie es zur Zusammenarbeit mit der Zürcher Kreativagentur kam.
«Ein schwermütiger Auftritt wäre der Mühlehalde nicht gerecht geworden. Die Bewohnerinnen und Bewohner versprühen teilweise wirklich Charme und Schalk», erklärt Markus Ruf. Und begründet damit auch gleich die Wahl für den Tonfall Ironie.
Auch Danielle Lanz liess sich von den Blinden beeindrucken
Die meisten der 78 blinden und sehbehinderten Personen im Alter zwischen 50 und 99 Jahren, die an der Witikonerstrasse 100 in Zürich eine liebevolle Bleibe gefunden haben, sind erst im AHV-Alter am Augenlicht erkrankt. Das ist umso härter, da an Spätblindheit oder an einer Spätsehbehinderung Leidende durch die Maschen der Invalidenversicherung (IV) fallen. Die IV deckt primär den Erwerbsausfall ab. Auf Grund dieser Gesetzeslücke erhalten nur gerade 19 Bewohnerinnen und Bewohner des Heims Unterstützung durch die IV.
Betreut werden die blinden und sehbehinderten Menschen von 97 Mitarbeitenden, die sich 68 Stellen teilen. Vorrangige pflegerische Ziele sind die Bewältigung der durch die Erkrankung ausgelösten Krise sowie eine dem Alter angepasste selbstbestimmte Gestaltung des Lebens.
Beschäftigung finden die Bewohnerinnen und Bewohner etwa in einem Textilatelier und in einer Holzwerkstatt. Ferner umfasst das Animationsangebot unter anderem gemeinsames Singen und das Vorlesen aus Zeitungen. «Das Pflegepersonal geht sehr liebevoll mit diesen Menschen um», zeigt sich Danielle Lanz beeindruckt.
Getragen wird das Blindenwohnheim von der Anfang Juli 1979 vom Verein Frauen-Blindenheim Dankesberg und der Genossenschaft Blinden-Leuchtturm Zürich gegründeten Stiftung Mühlehalde.
Ernst Weber
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«Wir waren zu wenig eigenständig»

Bilanz-Chefredaktor Medard Meier über die Konkurrenz und die Imagekrise der Wirtschaftspresse

Bilanz-Chefredaktor Medard Meier über die Konkurrenz und die Imagekrise der WirtschaftspresseVon Markus Knöpfli Nach Einschätzung von Chefredaktor Medard Meier hat sich die 25-jährige Bilanz recht gut durch die Onlineeuphorie und ein verändertes Konkurrenzumfeld manövriert. Angesichts des sich abzeichnenden Vertrauensverlustes gegenüber der Wirtschaftspresse scheint er hingegen (noch) etwas ratlos.
Herr Meier, wie gehts dem Geburtstagskind?
Medard Meier: (schmunzelt) Das Geburtstagskind ist in einem Segment platziert, das unter Druck steht – nach allem, was in der Wirtschaft vorgefallen ist. Die Bilanz bleibt aber nach wie vor sehr gut positioniert. Die Leserzahlen sind erfreulich. Zwar haben auch wir Leserinnen und Leser verloren, die andern aber doch viel mehr. Nach vier Superjahren befinden wir uns jetzt in einem nicht sehr guten Umfeld, das auch unseren Zustand definiert.
Ihren Zustand würden Sie als nicht sehr gut bezeichnen?
Meier: Er ist besser als der des Segments Wirtschaftspresse. Der Abschluss der Wirtschaftsmedien AG (WM AG) per Ende Juni war schwarz. Ohne Onlinebereich haben wir sogar höchst erfreulich abgeschnitten. Auch das jetzt laufende, verkürzte Geschäftsjahr (Juli bis Dezember 02) wird absolut annehmbar sein.
Bilanz hat mehrere Standbeine: Das Hauptheft, Bücher und Sonderhefte (inklusive Manager-Bilanz), den «Bilanz Business Talk» auf Presse-TV sowie der Onlinebereich. Welche Bereiche werfen Gewinn ab?
Meier: Online ist selbstverständlich rot. Das nehmen wir aber in Kauf, weil wir auf das Internet als Marketing- oder Archiv-Instrument nicht verzichten wollen. Der «Business Talk» wird von unserem Partner Sunrise getragen, wir müssen hier kein Geld verdienen. Er ist aber eine gute Event-Plattform. Die Sonderhefte und das Hauptheft werfen Gewinn ab, während die Manager-Bilanz durch einen Sponsor bezahlt wird – in den letzten fünf Jahren war das Arthur Andersen Schweiz.
Diese Firma gibt es nicht mehr, wer wird neuer Sponsor?
Meier: Wir haben drei bis vier Kandidaten, der Entscheid fällt aber erst etwa in einem Monat.
1997/98 sollen Sie nach einer längeren Rotphase wieder 750000 Franken Gewinn erwirtschaftet haben. Wie schwarz sind die Zahlen tatsächlich?
Meier: Nein, wir hatten im Hauptheft und bei den Sonderheften nur einmal, im Geschäftsjahr 1995/96, rote Zahlen. Damals lösten wir uns von den Senger Annoncen und investierten in eine eigene Anzeigenabteilung. Im Onlinebereich hingegen verloren wir über drei Jahre insgesamt mindestens zwei Millionen Franken, was die Erfolgsrechnung der WM AG jeweils runterzog.
Beim Wirbel um die Jean Frey AG blieb es bei der Bilanz bemerkenswert ruhig.
Meier: Weil wir schon Erfahrung mit Besitzerwechseln hatten, empfahl ich, dass wir uns eher still verhalten sollen, um nicht schon zum vornherein Geschirr zu zerschlagen. Jetzt läuft es gut, ich fühle mich sehr wohl. Zwar hat Filippo Leutenegger seine Aufgabe unkonventionell angepackt, der Erfolg kann sich aber bereits sehen lassen.
In den letzten zwei Jahren war es ruhig geworden um die Bilanz. Es gab kaum Innovationen.
Meier: Unsere Ratings – von den 300 Reichsten bis zu den besten Hotels – finden immer grössere Verbreitung. Unser Swissair-Buch wurde ein Bestseller. Wir haben die Special-Palette mit jährlich zwölf Sonderheften aufgegleist, zudem erscheinen die Manager- und seit zwei Jahren auch die Fonds-Bilanz je viermal pro Jahr. Das leisten wir mit einem 14-köpfigen Redaktionsteam.
Dennoch wurde es auch um einige Bilanz-Angebote ruhig: Vom Aktienführer hört man nichts mehr.
Meier: Richtig, der wurde zurückgefahren auf einen reinen Service. Der Führer war wohl eine Superidee, die aber schlicht nicht zu finanzieren war.
Die New Market-Bilanz…
Meier: …hat sich in Luft aufgelöst. An ihrer Stelle machen wir aber andere Dinge, demnächst ein Wein-Special.
Vor knapp zehn Jahren fusionierte die Bilanz mit dem Magazin Politik & Wirtschaft, Mitte der Neunzigerjahre lancierte man die Sonderhefte. Doch es gab auch verpasste Chancen: Statt neben dem Flaggschiff selbst eine wöchentliche Wirtschaftspublikation zu lancieren, liessen Sie Cash den Vortritt. Dann konkurrierten Borsalino und Moneycab den Aktienführer, schliesslich wurden Sie noch von Stocks überholt. Warum haben Sie diese Felder nicht oder nur halbherzig besetzt?
Meier: Cash konnten wir nicht kontern. Wir hatten zwar auch Ideen für eine Wochenpublikation, aber nie einen Verleger mit genügend Geld. Im Onlinebereich wollten wir auch etwas wie Borsalino machen, was sich aber im Nachhinein, sogar ohne Konkurrenten, als kaum finanzierbar herausstellte. Ich bin deshalb froh, dass rechtzeitig ein Stopp kam. Als hingegen Stocks erschien, war ich zuerst enttäuscht, weil es uns zuvorgekommen ist. Wir hatten mit einem deutschen Verlag als Lizenzgeber und einem anderen Schweizer Verlag ebenfalls ein pfannenfertiges Projekt. Aber heute bin ich heilfroh, dass wir nicht zum Zug kamen, denn das Heft des deutschen Verlages wurde mittlerweile eingestellt. Und es ist eine offene Frage, ob Stocks mit seinen derzeit 59000 Lesern in der heutigen Inserateflaute durchkommt. Kurz: Was Sie als verpasste Chancen bezeichnen, wären also lauter Umwege gewesen, die uns finanzielle Probleme gebracht hätten.
Sehen Sie das auch bei Annabelle Business und Cash Enterprise so, die Ihnen neuerdings bei den Frauen beziehungsweise bei den KMU das Wasser abgraben wollen – Cash notabene mit einem Ex-Bilanz-Mann.
Meier: Cash Enterprise wird wohl vorläufig kein Geschäft sein, sondern dank geschätzter 500000 Sponsorenfranken pro Jahr eine Breakeven-Veranstaltung, allein für den Lesernutzen. Und Annabelle Business ist ebenfalls keine verpasste Chance. Ich will die Bilanzleser nicht segmentieren. Ich will eine einzige Bilanz, die ja mit einem Leserinnen-Anteil von 32 Prozent sehr gut dasteht.
Sie befürchten also keinen Leserinnenverlust?
Meier: Nein, denn die Business-Frauen wollen nicht auf eine spezielle Weise bedient, sondern in der Bilanz voll mitgenommen werden. Natürlich könnte, ja, müsste man etwas mehr machen zum Thema Frau und Wirtschaft. Artikel, die sich aber krampfhaft um das Thema Frau drehen, finde ich schlecht.
Ist die Bilanz nun eher ein Flugzeugträger, an dem alle Angriffe praktisch schadlos abprallen, oder doch eher ein Gärtchen, bei dem andere immer frecher über den Zaun fressen.
Meier: Eher ein Flugzeugträger. Allerdings fürchteten wir damals, als Cash kam, dass wir wegen der unterschiedlichen Erscheinungsrhythmen ins Hintertreffen geraten könnten. Stattdessen wurde aber das Segment Wirtschaftspresse erst richtig interessant. Die Finanz&Wirtschaft und die HandelsZeitung verbesserten sich. Und alle wuchsen. Deshalb legten auch die Tageszeitungen im Bereich Wirtschaft zu. Heute haben wir sogar zwei Sonntagszeitungen mit einem starken Fokus auf die Wirtschaft. Weil nun diese starke Ausweitung der Wirtschaftsberichterstattung in den Deutschschweizer Medien erfolgt ist, kann ich mir nicht vorstellen, dass alle ungeschoren davon kommen.
Kommt hingegen die Bilanz unbeschädigt davon?
Meier: Ich denke schon, denn als Monatsmagazin steht sie in der Schweiz allein da, und die Auflagezahlen der Konkurrenz aus dem Ausland sind marginal. Wir müssen die Bilanz aber im Kern stets aktuell halten, innovativ sein und sie bezüglich Qualität nach der Spitze ausrichten. Nach den letzten drei Jahren muss man den Lesern eine Art neuen Kompass geben, denn sie sind frustriert darüber, was vor allem an den Börsen mit ihnen passiert ist und wie sie von Banken, Vermögensverwaltern und Analysten angelogen wurden. Das hat zu einem massiven Vertrauensverlust geführt. Für die Wirtschaftspresse wird es deshalb eine grosse Aufgabe sein, diese Leute als Leser bei der Stange zu halten.
Sie denken ans Swissair-Debakel, an die Interneteuphorie…
Meier: …an CS, Versicherungen, Ebner – lauter Katastrophen…
…die Diskussion um die Managerlöhne, und jetzt auch die überraschend hartnäckige Rezession – das alles hat ja nicht nur die Manager, sondern auch die Wirtschaftsjournalisten in den Senkel gestellt. Welche Konsequenzen haben Sie für die Bilanz gezogen?
Meier: Sie haben Recht, wir müssen über die Bücher. In gewissen Verlagshäusern war man bezüglich Ausbildung offensichtlich zu wenig vorbereitet. Auch wir waren zu wenig bei den Basics und achteten zu wenig darauf, was wirklich ein nachhaltig erfolgreiches Business auszeichnet. Die jetzige Korrektur fällt nun umso brutaler aus, was uns Wirtschaftsjournalisten künftig eine Lehre sein wird.
Was werden die konkreten Konsequenzen sein?
Meier: Sicher muss die Weiterbildung intensiviert werden. Und bei Neuanstellungen müssen wir genauer in den Rucksack schauen. Bilanz steht aber vergleichsweise nicht schlecht da. Bei uns haben die meisten Mitarbeiter ein Studium abgeschlossen. Die eigentliche Schmach der Analysten und Wirtschaftsjournalisten war aber, dass sie sich zu sehr von «neuen» Werten beeindrucken liessen. Und sie taten das als veraltet ab, was an der Uni gelehrt worden war. Am Schluss kam man auf die einfachen Wahrheiten zurück: Zum Wirtschaften muss man Eigenkapital haben und Gewinn machen. Kurz: Wir sind zu stark mitgeschwommen und waren zu wenig eigenständig.
In den letzten Jahren hat Bilanz 21000 Leser verloren, auflagenmässig steht die Zeitschrift auf dem tiefsten Stand der letzten zehn Jahre. Ist dies eine Folge des Vertrauensverlustes?
Meier: Ein Stück weit kann man das so sehen, wobei unsere Reichweiten im internationalen Vergleich immer noch hoch sind.
Wie packt die Bilanz nun die nächsten fünf Jahre an?
Meier: Im März werden wir die Bilanz einem Relaunch unterziehen und auch dem Rechnung tragen, was wir eben diskutiert haben. Die Details stehen noch nicht fest, aber es wird sichtbare, auch inhaltliche Veränderungen geben.
Wird das publizistische Konzept mit den vier Standbeinen beibehalten?
Meier: Das hat sich bewährt, ja.
Sie sind jetzt 51 Jahre alt. Wie lange bleiben Sie noch am Ruder?
Meier: (zögert, lacht) Ich bin seit 1984 dabei und seit 1990 Chefredaktor, die Aufgabe macht mir Spass. Monat für Monat eine neue Bilanz zu machen, bleibt faszinierend. Letztlich müssen mich aber meine Vorgesetzten beurteilen.
Denken Sie von sich aus ans Aufhören?
Meier: Nein.

Muse & Musse: Cornelia Brunschwiler

Muse & Musse Cornelia BrunschwilerWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?Cornelia Brunschwiler: Die Expo.02 – weil ich mir ein eigenes Bild machen wollte.Was lesen Sie

Muse & Musse Cornelia BrunschwilerWelche kulturelle Veranstaltung haben Sie zuletzt besucht?
Cornelia Brunschwiler: Die Expo.02 – weil ich mir ein eigenes Bild machen wollte.
Was lesen Sie gerade?
Brunschwiler: «How to be good» von Nick Hornby.
Welche CD hören Sie zurzeit mit Vorliebe?
Brunschwiler: «Frisch – Michael von der Heide» – ich mag seine Duette.
Welchen Kinofilm würden Sie am liebsten nochmals sehen?
Brunschwiler: Es gibt zu viele gute Filme.
Bei welcher TV-Sendung sind Sie neulich eingeschlafen?
Brunschwiler: Ich schlafe nicht vor dem Fernseher.
Welches ist Ihre neuste Entdeckung im Internet?
Brunschwiler: www.beobachter.ch – immer wieder gut.
Worauf könnten Sie nie verzichten?
Brunschwiler: Auf meinen Freiraum.
Was machen Sie in einer freien Minute?
Brunschwiler: Lesen oder «nichts tun» – eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.
Liebe ist…?
Brunschwiler: …manchmal ganz schön aufreibend – aber immer wunderschön.

Wer in Farben spricht, gibt der Welt ein Gesicht

Eine kleine Symbolik der Grundfarben Rot, Blau, Gelb und Grün

Eine kleine Symbolik der Grundfarben Rot, Blau, Gelb und GrünSehende und nicht farbenblinde Menschen erleben die Farben jeden Tag in der Natur. Daran gewöhnt, denken wir uns weiter nichts dabei, wenn sie uns begegnen. Doch Farben sind mehr als nur vorhanden. Die Konstanzer Theologin, Philologin und Psychologin Ingrid Riedel etwa vertritt die Auffassung, dass Farben für den Betrachter eine symbolische Bedeutung haben, die im Zusammenhang mit dem Erleben in der Natur steht. Einige auf wissenschaftlichen Tests und Untersuchungen basierende Interpretationen von ihr zu den drei Primärfarben und der Farbe Grün geben einen Einblick in die Wirkungskraft der Farben.Das Blaue vom Himmel reden
Dunkelblau repräsentiert das Gemüt, mithin das befriedigte oder unbefriedigte Bedürfnis nach Ruhe, Zufriedenheit, Frieden, menschlicher oder beruflicher Bindung, Verbundenheit, Treue und Einheit. So stehen etwa die Sterne der Flagge des Vereinten Europa auf blauem Grund, und auch die Flagge der Vereinten Nationen ist blau. Ultramarin und Indigo werden als die Farben des Traumes, der Mystik und des Unbewussten bezeichnet. Kobalt vermittelt Klarheit, Rationalität und Geistigkeit, wogegen das helle Himmelsblau für Träumerei und Irrealität steht. Nach Goethe geht von Blau eine unruhige weiche, sehnende Empfindung aus. Er spricht von einem «reizenden Nichts», das einen in sich hineinzieht. Max Lüscher hat bei Erschöpfung und Krankheit ein gesteigertes Bedürfnis nach Blau beobachtet. Wassily Kandinsky sieht im Blau eine Vertiefungsfarbe, die den Menschen, je tiefer es ist, desto mehr ins Unendliche ruft und in ihm die Sehnsucht nach Reinem und nach Übersinnlichem weckt.
Rot vor Wut
Die Skala des Rots reicht in ihrer emotionalen Ausdrucksfähigkeit von Aggression, Zerstörung und Tod bis zu Liebe, Hingabe und Opferbereitschaft. Zu Zinnober etwa wird Feuer und Eros (sexuelle Triebkraft) vorgestellt. Zu Karmin: Blut, Kraft, Macht und Liebe. Zu Purpur – dem nach Goethe «wahren, reinen, weder ins Gelbe noch ins Violette ziehende Rot» – Königtum, Recht, Gerechtigkeit, Abstand sowie Ehrfurcht vor dem Erhabenen. Rot warnt und bedeutet Gefahr (Verkehrsschilder), steht aber auch für Hilfe (Feuerwehr). «Im Morgenrot spiegelt sich das zarte Erwachen der Gefühle.» Im Blutrot äussert sich der Wille zur Weltveränderung durch Gewalt und Terror. Empfindungen wie warm, heiss und unruhig verbinden sich mit Rot. Weitere Ausdruckswerte sind Frische, Vitalität, Lebenssteigerung, Nähe, Sinnlichkeit, (blinde) Leidenschaft, Erregung, Aufruhr und Lebensbedrohung. Rot ist auch die Farbe des Lasters. Und: Rot ist die Lieblingsfarbe der Kindheit.
Grün hinter den Ohren
Zu Grün werden am häufigsten Wiese, Vegetation und Wald assoziiert. Grün wird als Farbe empfunden, die mit einer milden Fülle in die Augen fliesst, die positiv beruhigt. Grün wird als sanft, freundlich und friedvoll erlebt. Es ist von einem Wiesengefühl die Rede, das zum Ausruhen, Rasten und Tagträumen einlädt. Goethe beschrieb die harmonisierende Wirkung mit den Worten: «Man kann nicht weiter, man will nicht weiter.» Die Urerfahrung ist, dass nach jedem Winter mit dem neuen Grün der Wiesen zugleich die Hoffnung auf wärmere Tage, die kommende Ernte, mithin auf Erhaltung des Lebens aufkommt. Grün steht generell für Wachstum, Entwicklung und Fülle des Lebens. Das Werden findet in Redensarten wie etwa «Grünschnabel» Ausdruck. Mit der Farbe Grün wird jedoch auch die Fähigkeit der inneren Zurückhaltung, Reizkumulation und Reizaufstauung symbolisiert.
Gelb vor Neid
Gelb neigt besonders zur Ambivalenz: Die Skala der Töne reicht vom warmen Goldgelb, dem (Sonnen)Gelb des Lebens, bis hin zum fahlen und gebrochenen Gelb
der Krankheit und des Todes. (Gelbsucht, Nierenleiden, Übelkeit und Vergiftungserscheinungen drücken sich im Gelbwerden der Haut aus.) «Im Gelb», so Goethe, «triumphiert das Licht in der Farbe. Es führt die Natur des Hellen mit sich», der Sonne, des Lichts, der Heiterkeit und der Erkenntnis. Das Gewand des griechischen Sonnengottes Helios war gelb. Buddhistische Mönche und Nonnen tragen ein safrangelbes Kleid als Zeichen ihres Strebens nach Licht und Erleuchtung. Gelb, weckt Assoziationen
wie die Hoffnung auf Glück. Andererseits verbinden sich damit Erlebnisbegriffe wie etwa Übersteigerung, Leichtsinn, Aufregung, Verausgabung, Verschwendung und Zudringlichkeit sowie medizinische Bezeichnungen wie zum Beispiel Gelbsucht. Max Lüscher hat beobachtet, dass Gelb bei jeder Überreizung abgelehnt wird und dann oft Blau bevorzugt wird. Als grelle Signalfarbe warnt Gelb vor Radioaktivität. Im Dritten Reich wurden Juden mit einem gelben Stern gekennzeichnet.
Ernst Weber
Ingrid Riedel, «Farben in Religion, Gesellschaft, Kunst und Psychotherapie», Kreuz Verlag, ISBN 3-7831-0700-8.

Antizyklische Baselbieter

Die Basellandschaftliche Zeitung (Auflage: 25136 Exemplare) führt die Frühzustellung ein:

Die Basellandschaftliche Zeitung (Auflage: 25136 Exemplare) führt die Frühzustellung ein:Ab 2. November wird das Blatt aus dem Liestaler Lüdin Verlag (Umsatz: 16 Millionen Franken) von der BaZ-Tochter Prevag in beide Basel, in Teile des Fricktal und des Solothurn (Thierstein/Dorneck) verteilt. Der schlechter gewordene Zustellservice der Post habe ihn dazu gezwungen, sagt Verleger Mathis Lüdin, der innert sechs Monaten mit 2500 Neuabonnenten rechnet. 50% der Zusatzkosten von 1,5 Millionen Franken trägt der Verlag selbst, der Rest wird auf die Abos überwälzt. Auf sein antizyklisches Verhalten angesprochen, sagt Lüdin: Das bringt Vorteile, wenns wieder aufwärts geht.» Zwar komme er nun «nahe an die roten Zahlen», doch «dank Reserven ertragen wir drei schlechte Jahre mit Links.» (mk)

Spots und Zicken! Beat Fritsch

Spots und Zicken! Von Beat Fritsch Ganz im Zeichen der Cannes-Rolle und des Tennissports stand die vergangene Woche. Im Inhouse-Kino der Zürcher Andromeda-Film lud der Branchenverband Idée-VfW (Vereinigung für Werbekommunikation) zur Visionie

Spots und Zicken! Von Beat Fritsch
Ganz im Zeichen der Cannes-Rolle und des Tennissports stand die vergangene Woche. Im Inhouse-Kino der Zürcher Andromeda-Film lud der Branchenverband Idée-VfW (Vereinigung für Werbekommunikation) zur Visionierung der Cannes-Rolle, die in diesen Tagen ihre Tournee durch die Schweiz antritt. Der kleine und gemütliche Vorführraum war bis auf den letzten Platz ausgebucht. Rund vierzig ziemlich neugierige Personen wollten sich die Vorführung der prämierten Spots nicht entgehen lassen.
Auch in Genf brüllten letzte Woche die Löwen. Eigentlich wollte Agenturinhaber Pedro Simko die Rolle nur agenturintern vorführen. Das Interesse war dann aber so riesig, dass der Anlass zu einem Happening mit rund 200 Besuchern ausgebaut wurde. Dem Vernehmen nach war nämlich dieses Frühjahr ausser Simko keine der Westschweizer Agenturen nach Cannes gereist, so dass die Gelegenheit zur Spotvisionierung natürlich zahlreich ergriffen wurde. Mit im Publikum war auch Publisuisse-Chefin Ingrid Deltenre, der die Spots schon berufeshalber sehr am Herzen liegen.
«Spiel – Satz – Sieg!», hiess es während der ganzen Woche in Zürich-Kloten. An der Swisscom-Challenge konnten die besten Tennisfrauen der Welt bewundert werden, auch wenn die Turnierleitung dieses Jahr etwas Pech hatte mit den Absagen. Die Abwesenheit von Tennisdarling Anna Kurnikova enttäuschte natürlich vor allem die männlichen Fans masslos. Ans Tennisturnier lädt der Tages-Anzeiger unter Federführung von Anzeigenleiter Fridolin Holdener als Co-Sponsor jeden Abend zur Begutachtung der Tennisgladiatorinnen. Und wer Holdener kennt, weiss, dass ein Besuch nur schon der guten Bewirtung wegen lohnenswert ist. Der passionierte Weinliebhaber pflegt jeweils ganz edle Tropfen dekantieren zu lassen. Beim Besuch am Donnerstag musste man sich allerdings etwas in Geduld üben. Die einzelnen Spiele dauerten so lange, dass der Zeitplan durcheinander gewirbelt wurde. Der Hauptgang konnte erst gegen Mitternacht, nach dem fulminanten Viertelfinalspiel der späteren Turniersiegerin Patty Schnyder, serviert werden. Etwas mehr Glück hatten da der selbstständige Mediaspezialist Thomas Rüttimann und Oliver Pel von The Eyecatcher. Sie waren von einer anderen Zeitschrift eingeladen worden und bekamen das Nachtessen wesentlich früher vorgesetzt. Allerdings konnten sie, obwohl Gault-Millau-Chef Urs Heller mit am Tisch sass, sicher nicht denselben bacchantischen Genüssen frönen wie die Gäste von Holdener.
Auch der Sonntag brachte die erwartete Spannung. Vor dem Spiel durfte man sich einen ausgedehnten Sonntagsbrunch munden lassen, der jedes Feinschmeckerherz höher schlagen liess. Mit Patty Schnyder stand zudem eine Schweizerin im Final, was das Publikum zum Toben brachte. Die Baslerin wurde von den Anfeuerungsrufen förmlich zum Sieg gepeitscht. Das Geschehen auf dem Center Court ist sowieso immer enorm spannend, auch wenn keine Top-Ten-Spielerinnen auf dem Platz sind. Ziemlich unangenehm können sich die Tennisdamen jeweils gegenüber Schieds- und Linienrichtern benehmen, so dass man direkt an die guten alten Zeiten eines John McEnroe erinnert wird. Gegen die Tenniszicken der WTA-Tour sind selbst die eingebildetsten unter allen Werbeassistentinnen und andere Vorzimmerdrachen ganz brave und umgängliche Lämmer.
Beat Fritsch

lud als Präsident des Kommunikationsverbands Idée-VfW Mitglieder und Gäste zur jährlichen Vorführung der Cannes-Rolle in Zürich. Auch in Genf wurden die prämierten Werbefilme fleissig bestaunt. Sportlich ging es im Klotener Schluefweg zu und her. Sonst Heimarena des Eishockeyclubs Kloten Flyers geben sich dort einmal im Jahr die weltbesten Tennisspielerinnen ein Stelldichein. Sie kämpfen um so exorbitant hohe Preisgelder, von denen selbst die in Cannes hoch dekorierten Kreativen nur träumen können.
Wer sich in der Kommunikationsbranche an Partys und Apéros trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen der Szene. Haben Sie jetzt schon etwas Spannendes zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tastatur (info@werbewo che.ch). Für Veranstaltungstipps und weitere Shortlistbilder: www.werbewoche.ch

«Whassup in Geneva?»

Die Westschweiz hat einen weiteren Jungverleger mit einem Riecher für die englischsprachige Nische:

Die Westschweiz hat einen weiteren Jungverleger mit einem Riecher für die englischsprachige Nische:Addison Holmes stellte fest, dass die Bewohner Genfs mit Muttersprache Englisch zu wenig Informationen über das lokale Geschehen bekommen – sowohl im politischen als auch im kulturellen Bereich. Sein Geneva English Speaking Magazine (GEM) sieht er zudem als Plattform der Begegnung zwischen den Genfern und ihren englischsprachigen Mitbürgern. Die erste Ausgabe im Januar 2003 werde sich zum Beispiel mit den verschiedenen Religionen auseinander setzen, die in der Rhonestadt praktiziert würden, sagt der Verleger. Von GEM sind zehn Ausgaben pro Jahr geplant. Die Startauflage werde 5000 Exemplare betragen, später soll auf 15000 aufgestockt werden. Die Zeitschrift will geplante 60 Seiten umfassen, vier Franken kosten und auch am Kiosk erhältlich sein. Holmes zählt auf 60000 bis 100000 potenzielle Leserinnen und Leser in Genf, deren Hunger nach Lokalinfos er mit seinem Blatt stillen will.
Dass schon andere Verlage auf dem Platz Genf vergeblich ihr Glück mit englischsprachigen Titeln versucht haben, schreckt Holmes nicht ab. Noch nicht lange ists her, dass die Geneva Post ihr Erscheinen einstellen musste. Sie hatte die gleichen Zielsetzungen und das gleiche Publikum im Visier. Holmes indessen glaubt an sein Konzept und ist auch zuversichtlich, dass GEM für die lokalen Inserenten eine willkommene Alternative sein werde. Jedenfalls habe dies eine erste Vorabklärung ergeben, sagte er gegenüber der WerbeWoche.
Noble Zurückhaltung, wenns ums Geld geht
Nicht ganz so optimistisch sieht Charly Schwarz von XL Media die Chancen für neue Printprodukte in diesem Lesersegment. Weil die Lokal-TVs und Lokalradiostationen bei den Zuschauer- und Hörerzahlen enorm zugelegt hätten, sei die Konkurrenzsituation ungleich schärfer geworden. Viel hänge auch davon ab, ob ein neues Produkt über Mittel für die notwendigerweise hohen Investitionen verfüge, gibt er zu bedenken.
Holmes mag allerdings nicht darüber reden. Fragt man ihn, wie viel Geld er in die Hand nehmen will, um seinem jüngsten Baby die ersten Schritte in die Genfer Zeitungslandschaft zu ermöglichen, schweigt er beharrlich. Freilich, der 33-jährige Australier hat bereits in Melbourne diverse Magazine lanciert und in Genf für die Vereinten Nationen gearbeitet. Er ist alles andere als ein Greenhorn aus dem Aussie-Dschungel. In der Branche wird er als smart und intelligent bezeichnet.
So sagt etwa Gabriel Sigrist, Mitherausgeber des Magazins Violet, ebenfalls eine Neugründung auf der Suche nach dem englischsprachigen Leser in der Schweiz, über den Jungverleger: «Addison Holmes ist ein brillanter Typ. Wir schliessen auch eine punktuelle Zusammenarbeit mit ihm nicht aus.» Konkrete Pläne dafür gebe es allerdings noch nicht. Anita Vaucher

Kopf der Woche: «Musikfernsehen ist und bleibtmein Element»

Asta Baumöller ist seit vier Monaten Geschäftsführerin von Viva Swizz

Asta Baumöller ist seit vier Monaten Geschäftsführerin von Viva SwizzKopf der Woche «Musikfernsehen ist und bleibt mein Element»
Asta Baumöller ist in Aufbruchsstimmung. Im Juli hat sie die Geschäftsführung von Viva Swizz angetreten – jetzt verfügt der Musiksender bereits über eine neue Identität: «Wir haben das Design verändert sowie Programmstrukturen und Inhalte überarbeitet», erklärt die 35-Jährige. Zu lieb, zu brav, zu neutral sei der Sender vorher gewesen. Baumöller jedoch möchte Viva Swizz als charakterstarke Jugendmarke positionieren, die durchaus Ecken und Kanten haben darf. «Dazu muss der Sender noch mutiger und frecher werden», ist sie überzeugt.
Mut, Risikobereitschaft und das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, prägen auch ihren eigenen Werdegang: Nach dem Abitur zog die Deutsche für ein Jahr nach New York, jobbte als Au Pair und belegte Designkurse. Immer schon habe sich ihr Augenmerk auf Werbekampagnen und Verpackungsdesign gerichtet. Zurück in Deutschland bewarb sich Baumöller nach dem «Schrotflintenprinzip» bei mehreren Kunsthochschulen. Mit Erfolg: In Stuttgart und Düsseldorf konnte sie ihr Studium fortsetzen. Zeitgleich begann sie bei RTL als Freie Mitarbeiterin in der On-Air-Promotion zu jobben. «Für Designstudenten war RTL damals zwar der Horrorsender», lacht Baumöller heute, «aber ich fand das Medium super spannend.» Als Assistentin des CD konnte sie später das Studium in den Beruf einfliessen lassen – auch wenn der Kreativität durch das Corporate Design des Senders Schranken gesetzt waren.
Das änderte sich schlagartig, als Baumöller nach ihrem Studienabschluss die Assistenz des AD bei Viva antrat: «Im kreativen Bereich war viel mehr möglich. Als grosse Musikfreundin habe ich mich zudem total mit dem damals jungen und kleinen Laden identifizieren können.» Dass Viva noch in den Kinderschuhen steckte, ermöglichte ihr zusätzliche Einblicke in die unternehmerische Seite der Medien.
Aus dieser Begeisterung ist eine Erfolgsgeschichte geworden: Baumöller hat sich zum CD von Viva und Viva Zwei hochgearbeitet, betreute den Senderaufbau von Viva Italy in Mailand inhaltlich und strategisch mit und war zuletzt für die internationalen Viva-Design-Aktivitäten verantwortlich. Die kreativen Arbeiten für beide Sender haben ihr zudem ein Dutzend Preise und Auszeichnungen des deutschen ADC eingebracht.
Elan und Leidenschaft für den Job sind Baumöller trotz ihrer Karriere nicht abhanden gekommen: «Musikfernsehen ist und bleibt mein Element.» Der Spass an kreativer Aufbauarbeit, die Raum für Visionen lässt, hat sie letztlich auch von Köln nach Zürich geführt. «Hier bietet sich die Möglichkeit, etwas zu bewegen und neu zu gestalten. Und ich habe ein gutes Team vorgefunden.» Carole Koch

«Das Mitspielen kostet etwas»

Mit Star Games will Paul Grau europaweit die Multimediaschiene vorantreiben

Mit Star Games will Paul Grau europaweit die Multimediaschiene vorantreibenVon Daniel Schifferle Paul Grau setzt mit seinem neuen Programm Star Games voll auf die Interaktivität. Spätestens im Sommer 2003 soll das europaweit via Satellit verbreitete Angebot in den Äther gehen. Mit Werbeeinnahmen rechnet Grau vorderhand aber gar nicht.
Es herrscht Krise. Ausgerechnet jetzt kündigen Sie einen Game-Sender an. Ist das wirklich der richtige Zeitpunkt für ein derart hedonistisches und schmal ausgerichtetes Angebot?
Paul Grau: Es geht uns nicht in erster Linie um Video-Games. Wir wollen das digitale interaktive Fernsehen weiterentwickeln. Das Fernsehen der Zukunft wird digital und interaktiv sein. Unser Ziel ist es, hierzu das nötige Know-how zu entwickeln. Weshalb wir die Welt der Videogames wählen? Gamer haben keine Scheu vor neuen Technologien.
In welche TV-Zukunft soll uns Star Games führen?
Grau: Wir wollen das interaktive Fernsehen einen grossen Schritt weiterbringen. Wenn wir die Game-Applikation so zum Laufen bringen, wie wir uns das vorstellen, funktioniert damit auch jedes andere interaktive Fernsehen. Das heisst, wir werden x-beliebige andere Inhalte mit interaktiven Services aufrüsten können. Wenn uns das gelingt, ist das Ziel von Star Games erreicht.
Das Programmprojekt spricht eine extrem enge Zielgruppe an: Die Mehrheit der Gamer dürfte unter 20 Jahre sein, mit schmalem Konsumbudget dazu. Damit wird Star Games als Werbeplattform keinen Staat machen.
Grau: Was das Alter betrifft, stimmt die Aussage nur für die Vergangenheit. Als die Sony-Playstation vor sieben Jahren lanciert wurde, waren das zuerst alles sehr junge Leute, die mitspielten. Aber heute ist das Spielesortiment viel diversifizierter. Es gibt jetzt Angebote auch für eine viel breitere Altersgruppe. Das geht heute hinauf bis 50.
Welche Rolle spielen Werbeeinnahmen in Ihrem Budget?
Grau: In der Startphase haben wir keine Werbeblöcke eingeplant. Der Grund ist folgender: Wenn man Werbeblöcke hat, muss man sofort mit klaren Programmstrukturen arbeiten. Das wollen wir aber nicht, denn die Startphase soll auch eine Experimentierphase sein, von der wir zu neuen Ufern aufbrechen und Erfahrungen sammeln wollen. Diese Phase wird bis zu zwölf Monate dauern. Erst danach wollen wir weitergehen und der Werbewirtschaft Angebote unterbreiten.
Können Sie noch ein bisschen mehr sagen zur Programmstruktur?
Grau: Die Game-Schiene wird sicher das Hauptgewicht bilden. Wir werden zudem eine E-Commerce-Schiene einrichten. Hier wird man Spiele und andere Multimediaprodukte bestellen können. Auch Programminhalte, die zu Games passen, erhalten einen wichtigen Platz. Zum Beispiel werden wir unsere Multimediaschiene, die bei Star-TV freitags läuft, auf Star Games übernehmen. Diese Sendung besteht schon heute zu rund der Hälfte aus Video-Game-Präsentationen.
Mit einem allzu grossen Budget wird Star Games kaum rechnen können. Sicher tiefer als jenes von Star-TV, das sechs Millionen Franken pro Jahr zur Verfügung hat?
Grau: Es wird tiefer sein. Mehr sage ich dazu aber nicht.
Wer trägt die Kosten mit? Ist die TME Group, Ihr technischer Partner bei der Entwicklung von Star Games, am Sender beteiligt?
Grau: Die TME-Group ist beteiligt. Aber Details dazu kann ich im Moment nicht geben.
Sie rechnen nicht mit Werbeeinnahmen, wie refinanzieren Sie dann das Programm?
Grau: Da sind vor allem zwei Bereiche: E-Commerce, das heisst der Verkauf von DVD, Videogames und weiteren Multimediaprodukten. Die andere Einnahmequelle: Das Mitspielen kostet etwas. Das heisst, der oder die Anrufende bei einer interaktiven Geschichte wählt eine gebührenpflichtige Nummer. Aber auch Sponsoringpartner sind bei Star Games willkommen.
Spielen braucht weder Lokalbezug noch kennt es Grenzen. Vom Thema her wäre ein solcher Kanal wie geschaffen, um daraus eine internationale Plattform zu machen. Genau das war ja eigentlich für Star-TV geplant, umgesetzt wurde es bisher aber nicht. Kommt das noch?
Grau: Genau das tun wir jetzt mit Star Games. Wir werden das Programm europaweit über Satellit verbreiten. Wir müssen den Willen, ins Ausland zu gehen, dort umsetzen, wo wir am erfolgreichsten sind. Mit Star Games sind wir auf dem richtigen Weg. Was Star-TV betrifft: Dieses Programm taugt als internationale Plattform weniger gut. Es hat zu viel Lokales drin, wie etwa unsere Kinoschiene, die national ausgerichtet ist.
Wenn Sie an die Gebührenmillionen denken, die die Lokal-TVs in ein paar Jahren bekommen sollen, Star-TV als nationaler Sender aber leer ausgeht: Werden Sie wehmütig oder stinksauer oder beides?
Grau: Dass Star-TV leer ausgehen wird, ist überhaupt noch nicht in Stein gemeisselt. Das ist für mich wie ein Gerichtsentscheid, den man anfechten kann. Zuerst muss man mir mal erklären, weshalb sprachregionale Programme ausgegrenzt werden sollen. Das ist undemokratisch.
Wie werden Sie vorgehen?
Grau: Lassen Sie mir etwas Zeit.
Interaktivität mit Star Games

Spätestens im Sommer 2003 lanciert Star-TV den neuen auf Interaktivität fokussierten Sender Star Games. Neben dem Hauptprogramm will man einen zusätzlichen Kanal mit interaktiven Spielen und Services betreiben. Projektleiter ist Gregory Turkawka.
Mit Star Games kann sich der Zuschauer von seiner Stube aus per Telefon oder per Internet an kollektiven Videospielen auf dem Bildschirm beteiligen. Gemäss rechtlichen Abklärungen von Star-TV sind die gesetzlichen Bedingungen für eine auf drei Jahre begrenzte Konzession «für Versuche mit neuen Technologien» erfüllt. Star Games wird von Star-TV in Zusammenarbeit mit der Firma TME Group, Schlieren, entwickelt, die die technische Koordination übernimmt. Ziel des neuen Kanals sei es, den Zuschauern den Zugang zu interaktiven Services zu ermöglichen, die auch Informations-, Entertainment- und Commerce-Inhalte umfassen sollen.
Weil der neue Sender von Synergien mit Star-TV profitiert, könne der personelle Ausbau tief gehalten werden. Die bestehende Multimediaredaktion soll um maximal zwölf Personen erweitert werden. (dse)

Heute Aktion: Marcus Burkhard

Publicis bewirbt die Schauspielhausabos mit Darstellern zum Sonderpreis

Publicis bewirbt die Schauspielhausabos mit Darstellern zum SonderpreisWas jedem Hörnlihändler billig ist, soll dem Schauspielhaus teuer sein: Multipack- oder Tiefpreisangebote gibts nun auch in der Theaterkultur Zürichs zu haben. Dank einer listigen Idee von Publicis-CD Markus Gut, der mit drei TV-Spots die Zürcher zum Konsum von Theaterabonnements für die arg gebeutelte Pfauenbühne animieren will. In der Tat: Die Zuschauerzahlen waren in den letzten zehn Jahren noch nie so tief wie in der vergangenen Saison. Deren Vorstellungen vermochten gerade mal 119040 Kulturinteressierte vor die verschiedenen Bühnen zu locken – rund 13 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Auch die Zahl der verkauften Abonnements sackte in der letzten Spielzeit von 4776 auf 3001 ab. Da mag Theater heute die Pfauenbühne noch lange zum «Theater des Jahres» wählen, die Zahlen sprechen ihre eigene Sprache.
Die schlechte Auslastung der Aufführungsstätten schickte die Einnahmen in den Keller, während die Beiträge aus der öffentlichen Hand drastisch anstiegen. Deshalb fordert der Verwaltungsrat der Schauspielhaus AG die Schliessung der Finanzierungslücke von rund 4 Millionen Franken. Kein leichtes Unterfangen für den Stern am Kulturhimmel.
Kauf dir doch den Schauspieler aus dem Warenhaus
Damit das Theater als moralische Anstalt den Konkurs noch abwenden kann, hat die Zürcher Agentur eine überraschende Strategie ausgetüftelt: «Warum soll Werbung für Kultur mit klassischen Verkaufsmechanismen des Detailhandels nicht auch dem Schauspielhaus zu mehr Zuschauern verhelfen?», fragten sich die Kreativen um CD Markus Gut und siedelten die drei neuen Spots in einer Kaufhausumgebung an.
Die Protagonisten der Werbefilme sind denn auch «echte» Darsteller des Schauspielhauses, die allerdings zum Produkt degradiert werden. So sehen erstaunte Tele-Züri-Zuschauer seit Oktober den Schauspieler Marcus Burkhard in der Tiefkühltruhe zwischen Ofenfrites und Rosenkohl liegend, apart mit dem Schild «Tiefpreis» versehen. Jean-Pierre Cornu sitzt hinter einer Tafel «Jetzt zugreifen» im Regal.
Der dritte Spot zeigt, wie Raphael Clamers Strichcode von einer Kassiererin eingescannt wird. «Im Abo günstiger» verspricht der Claim und dramatisiert so ironisch die Vorteile von Kultur im Multipack. Neben den bestehenden Angeboten wie dem Generalabo oder dem Abo Plus kann übrigens seit kurzem auch ein «Marthaler bleibt Abonnement» erworben werden. Letzteres füllt zusätzlich den Solidaritätsfonds für den künstlerischen Direktor. Damit dieser nicht dem Ruf der Lerche folgen muss und auch nicht Opfer seines für die kommende Saison geplanten Mottos wird: Die neue Armut.
Die Direktion übrigens begründet auf ihrer Homepage die «exorbitanten Eintrittspreise» mit «früheren kulturpolitischen Versäumnissen dieses Gemeinwesens». Die hohen Preise seien «strukturell nötig», um die Einnahmen der «verarmten Aktiengesellschaft zu sichern». Simone Keller

«Comfort food» für Konsumenten

Die heile Welt hält wieder Einzug in Werbekampagnen

Die heile Welt hält wieder Einzug in WerbekampagnenVon Luca Aloisi Nach dem Platzen der New-Economy-Blase ist wieder nostalgische Naturästhetik in der Werbung gefragt. Romantische Werte sollen in vertrauten Inszenierungen Zuversicht schaffen und die Krise vergessen lassen. Verblasst sind die Hypes, die Pull-Marketing-Ansätze und der kühle Business-Touch des Cyberspace-Zeitalters.
«Listen to the sky, can you hear the clouds sing?», säuselt eine männliche Stimme über einen weichen Klangteppich im neuen Coop-Spot «Dream» für Naturaline. Eine Schar Gänse zieht unter einem Himmel voller Schäfchenwolken vorbei. Weiss gewandete Menschen schwelgen in der unberührten Natur. Für die Butter präsentiert sich das Set nicht minder harmonisch: Eingebettet in sattgrünen Wiesen und anmutigen Wildblumen wandelt eine verträumte Naturschönheit im romantisch cremefarbenen Kleid im warmen Sonnenlicht und zählt den Zuschauern in Urner Dialekt die Vorzüge der Butter auf.
Aktuelle Kampagnen, die das Bild einer heilen Welt evozieren, finden sich zurzeit zu Hauf: Zürcher Verkehrsverbund, Toni-Jogurt, Canon, ja sogar Porsche. Egal ob Mode-, Uhren- oder Autowerbung, die Devise lautet «Zurück zur Natur». Die Familienidylle wird der CEO-Coolness vorgezogen. Seelenlose Skylines weichen dem Alpenglühen. Hauptsache, alles sieht «authentisch» aus. Wie die Kampagne für Carl F. Bucherer und andere beweisen, lag der Bildersturm seit einiger Zeit in der Luft, weil die Wirkung moderner Ikonen nachliess. Es fegt ein neuer Bildersturm übers Land und taucht die Welt in Pastelltöne und Durklänge.
Schnörkellose Informationen sind gefragt
In der darnieder liegenden Konjunktur wird das Barometer für kreative Werbung nicht neu geeicht. Angeeckt wird kaum noch und wenn, dann höchstens mit wohl kalkulierten Folgen. War eine regelrechte Testimonialschwemme die erste deutliche Reaktion einer kränkelnden Werbebranche, lässt sich seit einigen Wochen eine weitere Häufung feststellen: die Rückkehr der Werbemotive aus der heilen Welt.
Anders als Testimonials zeigen sich die Romantikauftritte etwas besser davor geschützt, in der Banalität unterzugehen. Was in den Neunzigerjahren als Kitsch durchgegangen wäre, gilt heute als willkommener Seelentröster. Im Unterschied zu den vergangenen Jahren sieht man immer mehr Kampagnen, die idyllische Welten und romantische Mythen nicht karikieren, sondern zum Nennwert als visuelle Pfadfinder einsetzen.
«Nach der Zukunftseuphorie des New-Economy-Hype stellen wir einen gewissen Innovation-Overload fest, der jetzt durch eine Sehnsucht nach Normalität und Einfachheit, nach Wärme und Sicherheit kompensiert wird», erklärt Karin Frick, Leiterin Research beim Gottlieb-Duttweiler-Institut (GDI). Selbst bei Early-Adopters ist eine Übersättigung und Verlangsamung nicht zu übersehen. Die allgemeine Ernüchterung wurde durch die Terrorwelle und die negative Wirtschaftsentwicklung zusätzlich verstärkt.
In dieser Stimmung der Verunsicherung suche man nicht mehr das Aussergewöhnliche, sondern eher das Beruhigende und Vertraute, unterstreicht Frick. Auch in der Werbung würde momentan eine Entwirrung der Komplexitäten stattfinden. «Die Leute haben keine Lust mehr, Rätsel zu entziffern. Sie wollen einfache Botschaften. Wenn die Leute verwirrt sind, Trost und Sicherheit suchen, muss man ihnen wieder mehr Vertrautes anbieten», empfiehlt Frick.
Angesichts dieses Stimmungswandels hat das GDI den Marketers schon im März zwei Empfehlungen aus den USA übermittelt, um die Orientierungslosigkeit im Marketing zu überwinden: In Krisenzeiten wollen die Menschen keine Ironie, Sarkasmus oder Übertreibungen, sondern schnörkellose, konkrete Informationen und Ansprache.
Adbusters, die medien- und werbekritische Zeitschrift aus Kanada, rät: Wenn die Tagesaktualität schockierend ist, kann Werbung als «comfort food», als Trostspender dienen, der das Herz erwärmt und Hoffnung verspricht. Konkreter wird der US-Ableger des internationalen Netzwerks Euro RSCG: «Senden Sie Botschaften der Sicherheit und Rückbesinnung via nostalgischer Bilder, Musik oder Worte. Versichern Sie Ihren Kunden, dass bessere Zeiten kommen werden.»
«Zwar entsprechen die Bilder und Mythen, die man jetzt wieder vermehrt belebt, der Sehnsucht nach Vertrautem – aber nicht der Realität», sagt Frick und sieht darin den Grund, weshalb sie nur als mittelfristiger Trost funktionieren werden. Sobald eine Sättigungsgrenze erreicht sei, werde auch dieser Zyklus wieder kippen.
Zunahme an Motiven aus der eigenen Kindheit
Der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann ist überzeugt, dass «diese ganzen Bewegungen in Wirklichkeit viel länger dauern, als man das in den Medien zur Kenntnis nimmt». Er begründet dies mit der geringen Bereitschaft der Konsumentinnen und Konsumenten, Änderungen emotional wirklich aufzunehmen. Es brauche eine bestimmte Zeit, um diese neue, simulierte, nichtironisierte heile Welt in die Köpfe und Herzen zu bringen.
«Die heutigen Bilder unterscheiden sich deutlich von jenen der Neunzigerjahre», stellt Wippermann fest. Die Bilder der damaligen Purismus- und Ökowelle seien meist spirituell überhöht gewesen, während man heute zur «idealisierten Romantik Hollywoods» zurückgeht.
Die Idee, sich in einem «perfect past» zu bewegen und das Vergangene noch besser als in der Erinnerung zu inszenieren, habe es für die jüngeren Generationen schon in den Siebziger- und Achtzigerjahren gegeben. Neu ist, dass diese nostalgische Romantik heute auch für die ältere, konservative Generation eingesetzt wird. Es gibt eine Zunahme von Motiven, die an Kindheitserinnerungen und an eine heile Welt anknüpfen.
Diese Beruhigungsstrategie der Werbung werde erst dann wieder durch mehr Experimente und Witz abgelöst, wenn die Unsicherheit, Dynamik und chaotischen Strömungen in Wirtschaft und Gesellschaft abebbten, fasst Wippermann seine Erkenntnis zusammen.
Hinweise auf die Sehnsucht nach Poesie und Romantik hat das Trendbüro in Hamburg an verschiedenen Details der Jugendkultur erkannt. So beispielsweise am längeren Haar der männlichen Models, die auch sonst lyrischer aussehen als in der Hochphase der Techno-Kultur. Damals galten glatzköpfige junge Männer als Idealbild einer in die Zukunft stürmenden Generation.
Eine Branche, die besonders früh diesen Wandel vollzogen habe, sei die Uhrenbranche, sagt Wippermann. «Diese ist immer interessant zu beobachten, weil sie schnell und sensibel reagiert. In Anzeigen der Topmarken sieht man jetzt vor allen Dingen neu interpretierte alte Themen wie ‹Romeo und Julia›, oder Vater mit Kind, was die Idee der romantischen Liebesbeziehung oder der Dynastie wieder in Erinnerung ruft», sagt der Trendforscher.
In Italien, Ursprungsort der Purismus- und Naturalismuswelle im Design, sei die Rückbesinnung auf vertraute Motive und Stimmungen der Kindheit ebenfalls bis in die Werbung durchgedrungen, sagt Emilio Genovesi, Director Education Area der Domus Academy, einem renommierten Mailänder Institut für Trendforschung. Genovesi präzisiert aber: «Die Rückkehr zur Harmlosigkeit und Natürlichkeit in der Werbung ist alleine schon durch die erhebliche Kürzung der Budgets bedingt. Das hat in unserem TV-lastigen Land einerseits zu einer gesunden Selektion der Ideen und Umsetzungen geführt. Andererseits erkennt man einen Trend zu solideren Werten, der aber nicht so prononciert ist, weil die hiesige Werbung die katholische Moral zwar nicht deklariert, von ihr aber doch geprägt ist.»
Diesem Bilderkanon widersetze sich nur die Modewerbung, wo – auch in der Krise – die Übertretung von Konventionen und der Exzess weiterhin ausgereizt würden. Zwar werde auch hier die Naturkulisse mehr und mehr in den Vordergrund gerückt, doch nur, um ihre Unschuld und Romantik mit zynischer Ironie zu brechen. Ein schönes Beispiel dafür steht auf Seite 8 dieser Ausgabe.
low-tech-Games sind in den Usa in

Die US-Agentur der Trendpäpstin Dee Dee Gordon, LookLook, hat festgestellt, dass obwohl Computergames schneller und realistischer werden, immer mehr Kids und Teens ihre Joysticks zu Gunsten traditioneller, Low-tech-Spiele weglegen: Karten- und Gesellschaftsspiele wie Uno oder Monopoly seien voll im Trend. Als Gründe dafür nennt Gordons Domain look look.com die Technologieübersättigung, fehlende menschliche Komponenten, der hohe Preis der Games und die beschränkte Mobilität der Spielkonsolen. Ausserdem hätten die alten Spiele eine «Retro Cool»-Qualität.
Marketing in Zeiten der Verunsicherung

Lars Feldmann vom TrendLab des GDI stellte folgende US-Rezepte (Euro RSGC Worldwide, USA, und Adbusters März/ April 02) für Marketer zusammen:
Seien Sie real und authentisch! Echtheit und Authentizität waren nie wertvoller als im Moment.
Vermeiden Sie jede Form von Hype! Die Menschen fühlen sich verletzlich und unsicher. Sie wollen schnörkellose, konkrete Informationen. Vermeiden Sie Ironie, Sarkasmus oder Übertreibung in der Ansprache Ihrer Kunden.
Vermitteln Sie ein Gefühl der Zusammengehörigkeit! Mehr denn je wünschen sich Konsumenten Sicherheit und Zugehörigkeit durch die emotionale Bindung zu einer Marke.
Erinnern Sie die Kunden an Ihre gemeinnützigen Engagements! Zeigen Sie ihnen auf subtile Weise, wie Sie sich für das Gemeinwohl einsetzen.
Offerieren Sie kleine Lichtblicke! Senden Sie Botschaften der Sicherheit und Rückbesinnung via nostalgischer Bilder, Musik oder Worte. Versichern Sie Ihren Kunden, dass bessere Zeiten kommen werden. Fokussieren Sie Friedensbotschaften.
Vereinfachen Sie die Botschaft! Während einer Krise sind die Menschen nicht gewillt, in komplizierten Werbebotschaften Sinn zu suchen.
Machen Sie «Advertainment»! Wenn die Tagesaktualität schockierend ist, kann Werbung als «comfort food» dienen, die das Herz erwärmt und Hoffnung verspricht.
Bringen Sie die Menschen zum Lachen! Sanfte Spässe und «Das Leben ist manchmal schon komisch»-Humor sind angesagt. Ironie ist verpönt.

VgT verklagt Lokalradios

Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) verklagt Radio Grischa und Radio 32, weil sie einen Werbespot gekürzt haben.

Der Verein gegen Tierfabriken (VgT) verklagt Radio Grischa und Radio 32, weil sie einen Werbespot gekürzt haben.Aus dem 45-sekündigen Original schnitt Radio 32 vier, Grischa sogar zehn Sekunden heraus. Der Schere fielen Pausen zwischen Sprechpassagen zum Opfer. Der VgT wurde weder um Zustimmung gebeten noch nachträglich informiert. Da der volle Preis verrechnet wurde, sehen die Tierschützer betrügerische Absicht am Werk. Beide Sender hätten ihr Vorgehen als üblich gerechtfertigt. Der VgT glaubt, Lokalradios versuchten mehr Spots in der gesetzlichen Werbezeit unterzubringen. Das hält Radioverkaufsleiter Felix Kirchsperger von Radiotele für unwahrscheinlich, da heute kaum ein Sender ausgebucht sei. Eigenmächtige Kürzungen seien aber natürlich nicht zulässig. (sm)
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