Ärztlich getestet.
Dass originelle Werbung auch bei Ärzten gut ankommt, beweist der diesjährige Anzeigentest der Ärztefachzeitschrift Journal.
Ceccaronis Comeback. Für die Basler Fussballfans ist Massimo Ceccaroni Kult, für die Manager des FC Basel gehört er zum alten Eisen. Nach 15 Jahren beim Club hat der Vorstand dem Profi ausgerechnet im Jahr der Champions League gekündigt. Für Ceccaroni kein Grund zum Aufgeben. Der Profi hat einen neuen Club gefunden. City Sports Club heisst der Verein. Dort wird zwar nicht mehr Fussball gespielt. Dafür bietet der Club ein Fitness-Angebot. Die Plakate und Anzeigen mit Ceccaronis Claim «Time to Change!» sind von mrg communications Basel konzipiert worden; CDs Andreas Mesmer, Michael Gerber. Die abgetakelte Garderobe von Ceccaronis Ex-Verein wurde von AD Tommy Schilling gestylt.
«Lifestyle» mit neuem Konzept und weniger Stellen. Das Magazin «Lifestyle» auf Tele Züri startet am 1. Januar mit einem neuen Konzept. Künftig soll die Sendung nicht mehr im Studio, sondern vor Ort produziert werden. Der Talk-Teil wird intensiviert, wie Tamedia-Sprecher Peter Hartmeier gegenüber der WerbeWoche erklärte. Durch den Relaunch werden 2,4 Stellen überflüssig. Den Journalisten Dieter Guggenheim und Florina Rudin wurde gekündigt, wie die WerbeWoche erfahren hat. Weitere Stellenprozente können laut Hartmeier durch Teilzeit abgebaut werden. Der Abbau habe nichts mit dem Tamedia-Sparprogramm zu tun, betont Hartmeier. Man habe bei «Lifestyle» einfach «nach all den Jahren» einen neuen Approach gesucht.
Umrühren lohnt sich. Im Rahmen der VBZ-Kampagne «Umsteigen lohnt sich» hat die Agentur Ruf Lanz eine kecke Neu-Interpretation des Kreisverkehrs-signals entdeckt. Während dieses für die Autofahrer laut Theoriebüchlein bedeutet, die Geschwindigkeit zu mässigen und den im Kreis von links kommenden Fahrzeugen den Vortritt zu lassen, bedeutet es für die Gäste des Fondue-Trams viel entspannender: «Gemütlich rühren.» Das neue Zürcher Fondue-Tram bietet Platz für 28 Leute. Es wird vom Zunfthaus zur Zimmerleuten bekocht und kann ab sofort für Weihnachtsessen und andere Partys für eine frei wählbare Fahrt auf dem ganzen Netz der VBZ gemietet werden.
Geile Zahlen. Man nehme die Zahlenkombination 71.39, lasse diese als digitale Gewichtsanzeige auf einer Waage erscheinen, dann drehe man die Anzeige um 180 Grad – und schon hat man ein voll geiles Inserat. Woher die eben entdeckte Werbeidee für Kellogg’s Special «99 Prozent fettfrei» stammt, wollte uns Kellogg’s Schweiz allerdings auch nach drängelnden und mit säuselnder Stimme vorgetragener Bitten nicht verraten. Anfragen von Medien werden nur auf dem langwierigen Briefweg beantwortet. Auch das ist voll fettfrei – aber nicht so geil!
Schienenverkehr. Seit 39 Jahren arrangiert Margrit Neisser liebevoll ihre Modelleisenbahnen im Schaufenster an der Zürcher Birmensdorferstrasse und lädt so zum Verweilen ein. Nicht nur eingefleischte «Isebähnler» versinken ob der ausgestellten Bahnromantik in nostalgischen Gefühlen. Umso mehr erstaunt der Slogan «Die geilsten Schienen und schärfsten Kurven im Kreis 4!», der seit Oktober auf Shop-Plakaten, Postkarten und Fachanzeigen zu lesen ist. Brüskierte Stammkunden können aber beruhigt werden: Frau Neisser hat nicht das Gewerbe gewechselt! Sie war einfach der Meinung, «nach 30 Jahren Reklame-Abstinenz», könnte ein bisschen Aufmerksamkeit nicht schaden. Kreative Unterstützung erhielt die alte Dame von AD Roland Hess und Texter Tamás Kiss. Für die Headline im Langstrassen-Slang (mit dem man bei Hesskiss bestens vertraut ist) machte sich das Duo den Umstand zu Nutze, dass der Laden, wenn auch an der Grenze zu Wiedikon, noch knapp im «Kreis Cheib» liegt.
Editorial
Wie Medien auf die Wirklichkeit blicken«Krise – die Schweiz im Tief» titelte in fetten Lettern das Nachrichtenmagazin Facts vergangene Woche auf den Kioskplakaten. Das Kontrastprogramm zum Weltwoche-Aushang hätte nicht schärfer ausfallen können: Mit Schlagworten wie «Kein Grund zur Panik – Der Welt geht es besser – Schweizer haben Erfolg – Die Liebe siegt» versuchte das Wochenmagazin die durch Wirtschaftspleiten, Börsencrash und bundesrätlich legitimierten Rentenklau verstörten Schweizerinnen und Schweizer aufzumuntern. Einmal in Umkehrung des medienimmanenten Zynismus – «Only bad news are good news, good news are no news» – überraschte die Weltwoche ihre Leserschaft mit der frohen Botschaft.
Er habe kein Hurra-Dossier drapieren wollen, verkündet Chefredaktor Roger Köppel im Editorial, doch der Befund zur Lage der Welt sei verblüffenderweise positiv ausgefallen, die wohlfeilen Angstprognosen, die vor allem in den Medien rasch und bedenkenlos herumgeboten würden, seien in wesentlichen Punkten falsch. Angesichts der grassierenden Verunsicherung und Kriegsangst mag es tröstlich sein, dass uns ein Magazin frei nach den berühmten Formeln von Leibnitz & Hegel vorrechnet, dass wir in der besten aller möglichen Welten leben, dass alles Wirkliche vernünftig ist und nur das Vernünftige wirklich ist. Und man fragt sich insgeheim, wieso es in den Medien so unpopulär ist, die Welt positiv zu betrachten.
Die Diskrepanz zwischen den Schlagzeilen von Facts und Weltwoche liefern den besten Beweis für das populäre Vorurteil, dass uns die Medien mit ganzer Macht zu manipulieren versuchen. Ein Befund, der schwer zu widerlegen, aber trotzdem sinnlos ist. Denn die Medien interessieren sich nicht für die Wirklichkeit «an sich», sondern dafür, wie die Wirklichkeit von andern gesehen wird. Sie berichten nicht, was geschieht, sondern was andere vermeintlich für wichtig halten. Die Medien sind eine Art Wirklichkeitsindustrie; sie konstruieren die Realität vor allem mit Informationen, die irritieren und erregen.
Sie können dies, weil nicht Tatsachen, sondern Meinungen über Tatsachen unser Zusammenleben bestimmen. Denn was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. Andererseits wissen wir so viel über die Massenmedien, dass wir ihnen nicht trauen können. Wir wissen, dass wir manipuliert werden und trotzdem sind wir bereit, die Informationen über die Welt und die Gesellschaft als Informationen über die Realität zu akzeptieren. Ein Paradox, mit dem wir trotz allem gut leben, weil wir insgeheim wissen, dass es kein Jenseits der Massenmedien gibt.
Samuel Helbling, Chefredaktor
