Ehrlich währt am längsten. Das müssen sich die Werber von Publicis gedacht haben, als sie für die aktuelle Bilanz ein Inserat mit dem Claim «Welcome to Cayman Islands» gestaltet haben. Die beworbene Ausgabe des Wirtschaftsmagazins verspricht nämlich einen Report über «Die besten Steueroasen» sowie «Tipps und Tricks» rund ums Ärgernis Steuern. Ob die verblüffende Offenheit dieses Inseratemotivs ein Anzeichen dafür ist, dass die Bilanz-Macher bald eine Geschichte über das Ende des schweizerischen Bankgeheimnisses drucken können, möge Gedanke nur kurz aufblitzen. Oder wie sagte doch Tony Blair zu Beginn dieser Woche beim Besuch von Bundesrat Pascal Couchepin in London: «Das Bankgeheimnis ist überholt und hat im 21. Jahrhundert keine Daseinsberechtigung mehr.» Zebrastreifen. Dass Frank Bodin früher als Konzertpianist aufgetreten ist, weiss die Branche längst schon. Weniger bekannt ist hingegen, dass der heutige CEO von Euro RSCG in jungen Jahren auch als Strassenmarkierer gearbeitet hat. «Zebrastreifen und Haifischzähne waren interessanter als Mittelstreifen auf der Autobahn», verrät Bodin in einer Homestory «Menschen & Räume» in der Novemberausgabe von NZZ Folio. Lesen kann man dort auch, dass Bodin eigentlich Opernregisseur werden wollte. Er war gerade bei Rolf Liebermann an der Hamburger Staatsoper, als ihn die Nachricht ereilte, dass er nächstens Vater von Zwillingen würde. «Da macht man sich natürlich schon Gedanken», meinte der Musiker und wurde flugs zum Starwerber.
Klaus Stöhlker jammert nicht. Die PR-Agentur Klaus J. Stöhlker AG zeigt sich optimistisch für 2003. Einen Tag, nachdem der Bund der Public Relations Agenturen (BPRA) den ersten Branchenknick seit den Achtzigerjahren bekannt gegeben hat, meldet Stöhlker «gute Aussichten für erfahrene Strategie-Berater auf dem Gebiet Gesamtkommunikation» im nächsten Jahr. «Der Abwärtstrend bei anderen Unternehmensberatungen trifft uns nicht», wird Agenturchef Klaus J. Stöhlker zitiert. Immerhin muss sich auch Stöhlker «der Disziplin unserer Klienten unterwerfen, die zum grossen Teil Sparprogramme durchführen», relativiert COO Stephan Oehen.
Boulevard Falkenstrasse. «Maradona erholt sich im Jura», titelte die NZZ am Sonntag vom
3. November. Dazu wurde allerdings nicht der Ex-Starfussballer, sondern eine Kuh mit einem Fussball abgebildet. Maradona sei nicht kokainsüchtig und ausserdem ein Ochse, war dazu im Text zu lesen. Auch dass dieser Stier ins Kloster kam, allwo man ihm die Hörner abgesägt habe, was ihn schliesslich zum Ochsen machte, durfte der staunende Leser erfahren. Natürlich handelt es sich bei Maradona um das Tier, das vor drei Jahren auf dem Weg zur Schlachtbank abgehauen und auf den Letzigrund gestürmt war, wo es vom FCZ-Vorstand freigekauft wurde und seither als Maskottchen seinen eher unzuverlässigen Dienst tat. Nun hat die NZZ am Sonntag den Ochsen in einer Tierpension im Jura aufgestöbert – und die Medienwelt rätselt: Ist das nun schon der neue Recherchierjournalismus oder sind es erste zaghafte Schritte auf den Boulevard von der Falkenstrasse?
DaimlerChrysler zeichnet Alex Schmid mit Gold aus. Die Direktmarketingagentur Alex Schmid BSW (AS) in Zollikon wurde von DaimlerChrysler mit einem Star Award in Gold geehrt. Mit diesem Preis werden herausragende Leistungen in der weltweiten Mercedes-Marketingkommunikation prämiert.
Aufgeschlitzte Matratzen. Wer überhaupt noch den Nerv hat, die Entwicklungen an der Börse täglich mitzuverfolgen, kriegt vor allem eines bestätigt: Das herkömmliche Sparen und Vorsorgen via Bank ist wieder
angesagt. Und dies gemäss einer Werbung von Jung von Matt/Limmat am besten bei der Graubündner Kantonalbank. Diese fordert die Bündner Bevölkerung jetzt unter dem Motto «Raus aus der Matratze!» dazu auf, ihr hart Erspartes Gewinn bringend und besonders sicher anzulegen. Zu diesem Zweck hängt Jung von Matt/Limmat zurzeit alte Matratzen an B12-Plakatwände. Natürlich echt und aufgeschlitzt. Dazu die Aussage: «Schon wieder ein Kunde, der sein Erspartes zur Graubündner Kantonalbank gebracht hat.»
Redaktioneller Alltag. Ende der Neunzigerjahre verbreitete sich ausgehend vom Magazin des Zürcher Tages-Anzeigers eine neue Tendenz in der Schweizer Pressefotografie: Porträts, in denen sich zwei Positionen begegnen, die sich eigentlich ausschliessen – die bildgestalterische Perfektion und das journalistische Realitätsprinzip. Hundert solcher Bilder, versammelt in einem preisverdächtigen Bildband, zeugen nun von diesem offenen und oft auch augenzwinkernden Blick einer jungen Fotografengeneration. Zu sehen sind etwa Ex-Botschafter Thomas Borer, durch die Tür in einem Hinterraum fotografiert, Ulrich Bremi neben einem riesigen Kaktus, Jana Caniga mit einem Esel posierend, Viktor Giacobbo mit abgeschnittenem Kopf oder Ruth Metzler beim Sichsetzen (oder Sicherheben?) von einem Stuhl. Wie die Bilder entstanden sind, beschreibt Roger Köppel in einem Begleittext: «Zu einem grossen Teil sind es journalistische Auftragsarbeiten, die ausserhalb geschützter Werkstätten im Planungschaos des redaktionellen Alltags entstanden sind.» Das Buch «Hundert Porträts in alphabetischer Reihenfolge» ist im Christoph Merian Verlag erschienen (ISBN 3-85616-172-4).
Ein Baby lügt nie. Drei Tropfen von Somersets Shaving Oil genügen, und schon hat man eine sanftere Rasur als mit viel Schaum und Gel auf Kinn und in Nasenlöchern. Diese Aussage versucht Lowe Zürich nicht mit einer «vorhersehbaren Headline» zu formulieren, sondern vertraut einzig und allein der Bildsprache.
Diverse Porträts von grossen und starken Männern, die sich selbst in ihre Babyzeit zurückrasiert haben, zeigen in den neuen Sujets für Somerset, wie glatt man sich damit tatsächlich rasieren kann. Lowe Zürich wird Somerset Shaving Oil international betreuen und im Zuge der jetzt gestarteten Kampagne kreative Lösungen für weitere Anzeigen, Plakate und POS-Massnahmen entwickeln.
Das Buch zur Nacht. Zwölf Kolumnisten wollen gemeinsam auf Tour gehen, um ihre Texte lesenderweise zum Leben zu erwecken. Die fünf «Nächte der Kolumnisten» sollen in Basel, Bern, St.Gallen, Luzern und Chur über die Bühnen gehen und «haben geradezu nach einem Buch gerufen», das die besten Texte der «Nacht der Kolumnisten» versammelt. Profilierte, für die verschiedensten Medien tätige Schreiberinnen und Schreiber von Gisela Widmer und Katja Alves über Max Küng und Richard Reich bis zu Linus Reichlin sind nun in diesem Buch vertreten und garantieren unterhaltsame Lektüre. Herausgegeben und produziert wurde das «Buch der Kolumnisten» von Hans Georg Hildebrandts Büro für Texte und Firmenpublizistik. Für das Design des Buches zuständig war Art Directorin Nina Thoenen von Matadordesign. Mit einem grosszügigen Beitrag hat das Schweizer Modelabel Navyboot die Produktion ermöglicht. Das Buch ist zu bestellen bei
[email protected] und kostet 18 Franken.
Basler Exil. Beim FCB spielen viele Ex-GC-Stars – kein Wunder, denn das Kicken haben sie beim derzeitigen Trainer Christian Gross gelernt. Für die Basler Sympathisanten ist das aber noch lange kein Grund, allzu GC-freundlich aufzutreten. Im Gegenteil: Der Meisterschaftsrivale bleibt für die FC-Basel-Fans ein rotes Tuch. Selbst für die, die unweit des GC-Stadions arbeiten und leben. Eben haben diese nämlich in der Limmatstadt den ersten FC-Basel-Fanclub Zürich gegründet. Einmal pro Monat trifft man sich im passenden Leibchen in einem Zürcher Pub. Damit das Fan-Trikot auch so aussieht, wie es muss, gibts jetzt von Henkel die passende Kampagne mit dem Werbeslogan: «Lieber richtig waschen als den Fanclub zu wechseln». Erfunden haben die Kampagne die Leute von cR DDB Basel, das sind CD Hans Tanner und die ADs Gabriel Heuberger und Felix Zimmermann.