Dieses Jahr darf das Leibblatt der Schweizer Banker, die Finanz und Wirtschaft (FuW), ihr 75-Jahr-Jubiläum begehen.Klar doch, dass es nicht nur mit einer umfassenden und sehr lesenswerten Extraausgabe abgefeiert wird – diese lässt die Geschichte des Titels nochmals Revue passieren und Wirtschaftskoryphäen wie Helmut Maucher, Nikolaus Senn, Michael Kohn und unzählige andere zu Wort kommen. Aber: Auch die grosse Party darf nicht fehlen.Währschaftes Essen, genug zu trinken, guter Sound, Star-Musikgäste aus der Werbe- und Medienbranche und ein Wettkampf mit dem neuen FuW-Tool (1. Preis: eine Inserateseite) stellte Herausgeber Gerhart Isler bereits in der Einladung zum Geburtstagsfest in Aussicht. Hingegen werde es steife Atmosphäre, einen Krawatten-Abend, Sitzordnung, lange Reden und ein offizielles Programm sicher nicht geben, wurde des Weiteren versprochen. Abgesehen von der FuW-Crew kamen dann trotzdem die meisten Gäste in Anzug und Krawatte, ansonsten aber trafen die Prophezeiungen der Gastgeber zu hundert Prozent ein. Mit Grillwürsten in allen Variationen, vom Chili-Cracker bis zur Gemüsebratwurst, konnte man seinen Hunger stillen. Wer noch nicht genug hatte, tat sich anschliessend am frisch zubereiteten Steinpilzrisotto aus der grossen Pfanne gütlich. Die Mövenpick-Glacés wurden direkt ab Eiswagen in frisch gebackenen Waffeltüllen serviert und kühles Bier an der eigens für den Anlass hergestellten FuW-Bar gezapft. Ebenso wenig fehlte ein geschmeidiger Weiss- wie auch ein süffiger Rotwein.
Gino Todesco vom NJP-Tonstudio bestritt mit einer Dreiercombo das musikalische Rahmenprogramm, das zusätzlich mit etlichen Überraschungsgästen gespickt war. Als erstes Intermezzo sah man die hauseigene FuW-Band (inklusive weiblichem Begleitchor), die zeitweise noch durch Isler mit trompetendem Gartenschlauch – des Gärtners Pendant zur singenden Säge – oder als appenzellischer Talerschwinger verstärkt wurde. Hut ab vor der reifen musikalischen Leistung der Verlagsangehörigen. Auch der ehemalige FuW-Redaktor und heutige Kolumnist René Bondt liess sich nicht zweimal bitten und hämmerte einen zackigen Ragtime in die Tasten. Zu guter Letzt gabs ein wunderbares Duett von Todesco und Robi Weber, während- dem es die beiden Klaviervirtuosen auch noch schafften, in einem nahtlosen Übergang ihre Instrumente zu wechseln.
Der mit Vorschusslorbeeren angekündigte Wettkampf mit dem neuen FuW-Tool erwies sich weder als GRP-Blitzberechnungswettbewerb unter Mediaspezialisten noch als Börsenspiel, sondern als witziger Jojo-Wettkampf. Und wie beim Aktienhandel gehts ja auch beim Jojospiel ständig rauf und runter. Gruppenweise möglichst synchron die Jojos zu schwingen – am besten noch mit einer kleinen Tanz- oder Akrobatikeinlage –, wäre das Ziel gewesen. Was sich zur allgemeinen Erheiterung der Zuschauer mehr als nur knifflig erwies. Fairerweise musste aber jeder einmal ran und konnte sich so gleich selbst zum Jojo-Clown machen.
Auch die obligate Rede des Gastgebers fehlte nicht, sie wurde aber, wie angekündigt, kurz und bündig gehalten. In der ganzen Geschichte der Finanz und Wirtschaft habe man eigentlich alles selbst organisiert, wies Isler auf die lange Self-Made-Tradition der Publikation hin. Und FuW stehe übrigens auch für «Feste und Wettkämpfe», so Isler weiter. Seien es nun Leser- oder Publikumsaktionen wie der FuW-Ballontag, von dessen überwältigendem Erfolg der Verleger heute noch schwärmt, oder die vielen kleinen und grösseren Anlässe für Kunden und Auftraggeber, vom Jass- bis zum Golfturnier; das Domizil gar wurde zwar nicht eigenhändig erbaut, aber dennoch wenigstens verlagsintern geplant, bevor der Architekt gebrieft wurde. Von dieser Tradition wollte man auch für dieses Jubiläum nicht abweichen. Unkompliziert und etwas handgestrickt, dafür umso familiärer und sympathischer empfanden die Gäste die Party. Sogar ein hausgemachter TV-Spot der FuW-Crew tauchte noch aus dem Fundus auf und konnte begutachtet werden – obwohl man, im Nachhinein und ganz nüchtern betrachtet, die Arbeit der Spotkreation vielleicht besser an einen Spezialisten delegiert hätte.
Weil es sich beim zweiten Event der letzten Woche um eine echt bajuwarisch-freistaatliche Morgenspeisung mit originalen Zutaten handelte, geben wir den Bericht dazu ausnahmsweise in der entsprechenden Landessprache wieder (mit Simultanübersetzung freilich):
A griabige Gaudi hotts die letzte Wochn boam Soldini Mark und dem Preissn Bienenfeld Frank gemn – (Ebenfalls letzte Woche luden auch Mark Soldini und der Nicht-Bayer Frank Bienenfeld von der gleichnamigen Agentur zu einem kleinen Fest). Die Kommunikationsfachleid vom Greitzblotz, dem misrabligen, hoamn ihre Kundn und etliche Freind zur Brotzeit einglodn. (Bereits um 11 Uhr trafen sich Kunden und Freunde des Hauses in der Agentur am Kreuzplatz, der sich momentan als hässliche Grossbaustelle präsentiert). Dös Essn is goanz frisch aufn Tisch kümmn, wui so an Depp mit soane zwoahundertfuffzg Sochn in d’Schweiz n’eini groast is. (Das Essen wurde am frühen Morgen frisch ab Wursterei mit dem Kurier Richtung Schweiz geschickt). Zutzln oder schäln, dös woa oane der Frogn, dias dia Geckn und s’Weibsvolk ummitriamn hoamn. (Wie behandelt man die Weisswürste nun richtig – von einer Seite her auslösen oder aufschneiden – war eine der Fragen, welche die anwesenden Damen und Herren beschäftigte). Gemn hots die Wuäscht aus Minga mit Brezn, oam echtn Senf und oaner zinftgen Moass Weizn, groad wia auf die Wiesn. (Gereicht wurden die Original Münchner Weisswürste natürlich mit Bretzeln, Süsssenf und einem schönen Glas Weissbier, fast wie beim Oktoberfest). So gmiadli woas, dös se dia Madln und Mannsbilder d’Wampn gonz schee gfuilt homn. (Weil die Stimmung so gut war, war auch der Appetit entsprechend). Und wuis heraussen so schiach gween is, und do herinnen bei die beidn Buam, den zwoa Hundlingen, so schee, do hoamn d’Leid a feschs Oaschleder ghobt und soan a rechte Zeit sitzn bliamn. (Weil draussen nicht gerade die Sonne lockte und die beiden cleveren Gastgeber mit ihrer Idee anscheinend ins Schwarze getroffen hatten, verweilten die Gäste denn auch recht lange, bevors wieder an die Arbeit ging). Und oans woass a sowieso a jeder Schranz: A liaba zuvui drunga ois zwenig gessn. (Abschliessend waren sich die Anwesenden denn auch einig: Gutes Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen).
Good old times: FuW-eigene Hermes Ambassador.
Beat Fritschvertieft sich in die Jubiläumsausgabe der Finanz und Wirtschaft, die heuer ihr 75-Jahr-Jubiläum begeht. Das überaus spannende Extrablatt war allerdings nicht die einzige Aktivität, die der Verlag dazu entwickelte – selbstredend gabs auch eine grosse Party. Einen eher ausgefallenen Anlass bot die Agentur Soldini Bienenfeld – deren Inhaber luden letzte Woche zu einer Original Münchner Weisswurstschlemmerei. Mit Erfolg, wie es scheint – der Autor dieser Kolumne jedenfalls spricht seither nur noch bairisch.
Wo sich die Kommunikations-, Media- und Verlagsszene zu ihren Events trifft, orten wir an den verschiedensten Veranstaltungen. Haben Sie schon jetzt etwas zu berichten? Greifen Sie zum Hörer (01 296 97 98) oder in die Tasten (
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