Höflich, normal und erst noch günstig

Sponsoring VI Für die meisten Schweizer Telecomfirmen bleibt Sponsoring ein wichtiger Pfeiler im Marketingmix und im Kampf um Mobilkunden.

Sponsoring VI Für die meisten Schweizer Telecomfirmen bleibt Sponsoring ein wichtiger Pfeiler im Marketingmix und im Kampf um Mobilkunden.Von einem solchen Lucky Punch träumt jeder Sponsorverantwortliche: Wenige Monate nach dem Einstieg von Swisscom als Hauptsponsor beim Schweizer Ski Nordischteam im vergangenen Jahr sprang Newcomer Simon Ammann in Salt Lake City völlig unerwartet auf zwei Goldmedaillenplätze und sorgte weltweit für Aufsehen. Dass Ammann in Gottschalks «Wetten dass …» und der amerikanischen Talksendung von David Letterman auf jegliches Productplacement verzichten musste, tat der Freude über den gelungenen Coup bei Swisscom keinen Abbruch. Der Skispringer war und ist auch ohne diese Auftritte mit dem Swisscom-Logo für den Telecomriesen ein Glücksfall. Er ist erfolgreich, höflich, normal, sympathisch – und erst noch günstig. Die Sponsoringkosten des Telecomkonzerns dürften weit niedriger sein als der Werbewert, den Ammann heute hat.
Aber auch die Erfolge der Konkurrenz lassen sich sehen: Nicht gar so günstig, aber zumindest ähnlich erfolgreich wie Ammann für die Swisscom ist das Kino-Engagement von Orange: Das Westschweizer Unternehmen übernahm 2000 von Philip Morris die Rechte als Hauptsponsor der Kino-Openairs in Zürich, Bern, Basel und Lausanne. Das Spektakel soll Orange einige Millionen Franken wert sein. Als Gegenleistung erhält Orange seither eine optimale Plattform für verschiedene Kommunikationsmassnahmen.
Orange nutzt diese mit Bus- und Tram-Posters, Billboards, einer
eigenen Internetsite (www.orange
cinema.ch), einer starken Präsenz vor Ort (Communications Center mit zahlreichen Verkaufsangeboten), Merchandising, Filmprogrammen via SMS und speziellen Events.
Ebenfalls ein gutes Händchen
in Sachen Sponsoring bewies Sunrise mit einem seiner neuen Sponsoring-Engagements: Seit März 2003 ist Sunrise offizielle Kommunikationspartnerin für die Super League der Swiss Football League und kann somit die besten Schweizer Vereine kollektiv für seine Kommunikations- und Marketingzwecke nutzen.
Gute Imageträger und eine weitsichtige Strategie sind darum die wesentlichen Erfolgsbestandteile der Sponsoring-Engagements helvetischer Telecomfirmen. Von Budgetkürzung hielten Swisscom, Orange und Sunrise im Gegensatz zu vielen Grossfirmen 2003 wenig. Swisscom und Sunrise beliessen ihr Budget auf gleicher Höhe wie letztes Jahr, nur Orange reduzierte seine Ausgaben leicht. Auch der Sponsoringmix ist bei den Big Three fast identisch geblieben. Mehrheitlich setzen sie auf Sport und Kultur, vereinzelt auf Sozio-Sponsoring, wie dies Orange beispielsweise für Unicef tut.
Mehr Image fürs Telecom-Geld
Neu sind hingegen bei allen drei die Erwartungshaltungen an die Empfänger ihrer Gelder: «Die Sponsoring-Engagements werden vermehrt auf einen unmittelbaren Return on Investment ausgerichtet», sagt Peter Boeni, Leiter Sponsoring von Swisscom. Und Sunrise-Kommunikationschefin Monika Walser ergänzt: «Der Sponsor erwartet von den Organisatoren mehr als nur jeweils mit einem Logo in der Kommunikation und vor Ort präsent zu sein.»
Statt wie Rolex still im Hintergrund zu bleiben, wollen die Telecombosse nun vermehrt auch Einfluss nehmen. Beispielsweise Swisscom mit ihrem neuesten Sponsoring-Engagement. Vor wenigen Monaten erwarb sie von der Sportart AG für schätzungsweise eine Million Franken pro Jahr die Namensrechte am Schweizer Fussballcup. Während vier Jahren wird Swisscom dem Schweizer Cup den Namen Swisscom Cup geben können. Vier BSW-Agenturen pitchten um den Auftrag, ein Corporate Design zu erarbeiten, gewonnen hat den Auftrag Unikat (siehe auch Seite 7).
Dass die Swiss Football League mit dem Verkauf der Namensrechte am Schweizer Cup ihr Label laut Marketingfachleuten, längerfristig gesehen, herunterwirtschaftet, braucht die Swisscom nicht zu kümmern. Die Swisscom hat, was sie will und wird es auch in Zukunft haben: Denn: «Auf Grund der Wirtschaftslage werden viele Sponsoring-Budgets zurückgebunden. Verbände und Institutionen werden es deshalb in Zukunft noch schwerer haben, Sponsoren zu finden», weiss Boeni.
Sport und Kultur: Erfolgreiche Kern-Sponsorings der Telecomfirmen.
Annelies Friedli

Fastnacht im Zweivierteltakt

Der Hochsommer, der für einmal diesen Namen verdient, stand im Zeichen des Zelluloids. Bereits zum zweiten Mal hiess es im NJP-Tonstudio in Küsnacht «Film ab!».

Der Hochsommer, der für einmal diesen Namen verdient, stand im Zeichen des Zelluloids. Bereits zum zweiten Mal hiess es im NJP-Tonstudio in Küsnacht «Film ab!».Die Idée-VfW lud bei schönstem Wetter zum Filmabend. Der Anlass ist eine Kombination aus Fachveranstaltung und Freizeitvergnügen. Nach einem ausgedehnten Apéro im Freien und vor der Filmvorführung zeigte NJP-Inhaber Leos Gerteis den Anwesenden Funktionsweise und Einsatzbereiche einer modernen (klimatisierten!) Tonschmiede.Ein ebenso luftiges Vergnügen für tropische Temperaturen ist das Kino am See. Mit «Pirates of the Caribbean» gabs sogar eine Europa-Premiere. Der Streifen passte ideal zum Klima. Nur die Elektroinstallationen hielten nicht durch. Der zweimalige Filmunterbruch, verursacht durch ausgebrannte Sicherungen (Piraten?), war sicher nicht im Sinne des anwesenden Regisseurs Gore Verbinski. Die folgende Piratensause verbrachten die Gäste trotzdem gut gelaunt auf der Terrasse des benachbarten Lake Side Casino Zürichhorn.
Auch mit den bösen Terminatoren aus der Zukunft gabs ein Kino-Wiedersehen. Nach der Premiere des neuen Schwarzenegger-Spektakels «T-3» fand in der Säulenhalle die dazu passende Party statt. Absolut fett, was die Leute von der Eventagentur Aroma im Hof des Löwenbräu-Areals aufgebaut hatten. Eine stilechte Endzeit-Szenerie mit aufgestapelten Schrottautos, gespenstischen Nebel- und Feuerausbrüchen, unterlegt mit dem Terminator-Filmsound. Auch Hauptdarstellerin Kristanna Loken war beeindruckt.
Gründe, ans Filmfestival von Locarno zu gehen, gibts mehrere – das Programm gehört nicht an die erste Stelle. Tessiner Küche und Merlot hingegen schon. Und für die Profis die Tradingshows der Major-Companies samt Networking-Gelegenheiten. So sah man mit Matthias Luchsinger, Jean-Claude Bruhin, Corinne Blaser, Nicole Steinegger und Claudia Wilden gleich eine grössere Cinecom-Delegation vor Ort. Auch das Nachtleben ist eine Reise wert. Partys und Bars ermöglichen ein extensives Ausgehverhalten über die Morgendämmerung hinaus. Beispielsweise an der Straight-Friday-Party von Manuel Nappo, Michel Pernet und Barman Christian «Bossi» Bosshard im Grand Hotel. Gelernt ist halt gelernt.
Abfeiern war auch an der Street Parade angesagt. Die von Radiotele geladenen Gäste aus der Werberzunft durften sich den farbenfrohen Umzug einmal mehr vom Garten der Edelherberge Baur au Lac aus ansehen. Bruno Oetterli und sein Team trafen ins Schwarze. So viel Bewegungsfreiheit wie im Garten des Nobelhotels gibts am Techno-Defilée nirgends. Obwohl: Das Gedränge in den Strassen schien weniger schlimm als auch schon, trotz rund 900000 Besuchern.
Und dass früher alles besser war, ist ein Spruch, den man mittlerweile auch an der Street Parade hört. Ist auch was dran – was nämlich vor elf Jahren als farbenfrohes Happening von ein paar wild gewordenen, bunten Technofreaks begann, ist zur familientauglichen (Grossmutter inklusive) und reglementierten Spiesserfete mit absolutem Sponsoring-Overkill degeneriert; eine postmoderne Fastnacht im Zweivierteltakt.
Organisierte für die Idée-VfW den Filmevent: Natalie Schneider (l.), mit ihrer zukünftigen Chefin Sandra Genge von Lowe Direct.
Piratenparty im Lakeside: Werner Windler (l.) von Schröderpartners, Claudia Wilden, Cinecom, und Dieter Steger, Cinerent.
Trotz Strompanne zufrieden: Daniel Höltschi (l.) und Peter Hürlimann (r.) von Cinerent mit Matthias Frei, Buena Vista.
Vor der «Terminator»-Premiere im Cinemax gesehen: Christoph Marty, Bruno Bötschi und Roli Wahrenberger (v. l.).
Hahn im Korb: Cinecom-Chef Matthias Luchsinger mit Freundin Alexa (unten) sowie Flavia Schlittler (l.) und Barbro Tollardo (r.).
Roger Crotti, Managing Director Buena Vista, mit seinen Presseladys Vanessa Flack (l.) und Eveline Fischer.
Begrüsste seine Gäste im Garten des Baur au Lac: Radiotele-Chef Bruno Oetterli mit Monica Jäggi (l.) und Corinne Kelly von Konnex.
«…und der Mann gereiche den Frauen zur Zierde»: Peter Kettiger mit Annemarie «Musi» Frey (l.), Sorpresa AG, und Hélène Müller.
Fast vierzig Grad im Schatten sind im Garten leichter auszuhalten: Susanne und Stephan Küng (l.) mit Gerry Stadler.
Die Miss-Street-Parade der Radiotele, Madeleine Bieri (l.) hatte alles im Griff: Auch Dani Depping und Chantal Arnold (r.).
Cooler Ablauf dank Ticketino-System: Luzi Rageth (r.) und Patrick Walgis mit Raverladys Bettina Roth (l.) und Rosangela Thomaz.
Starkoch Jacky Donatz (l.) vom Sonnenberg mit Künstlerin Mirjam van Zweden und Renato Schena von Starplakat.
Wollten nur mit der schönsten Frau im Garten (O-Ton) aufs Bild: Christof Kaufmann und Felix Kilchsperger (r.) mit Danielle Lanz.
Ronald Ziegler (l.), Brand Manager Seat bei Amag, mit Beppo Genovese (r.), Starplakat, und Teuta Suleymani vom MGB.
Schon tags zuvor gut abgetanzt: Marina Stierli und Pascal Vallon (r.) von der Berner Agentur 141, mit dem Autor dieser Kolumne.
Beat Fritsch

Der Schlächter von der Sihl

Gastronomie Neben Vegifood serviert das Restaurant Hiltl Besuchern des Orange- Cinema auch ein neues Werbemenü aus der Wirz-Küche.

Gastronomie Neben Vegifood serviert das Restaurant Hiltl Besuchern des Orange- Cinema auch ein neues Werbemenü aus der Wirz-Küche.Sein Anblick lässt jedes Pflanzengewächs bis in die Wurzeln erzittern: Andi Bosshart, Chefkoch im traditionsreichen vegetarischen Restaurant Hiltl. Dass dieser Mann in der gesamten Flora den Ruf eines «Jack the Ripper» haben muss, steht für das Kreativteam von Wirz Werbung ausser Frage. Für den neuen Hiltl-Spot, der im OrangeCinema zum Einsatz kommt, widerlegt die Crew gar die unter Vegetariern verbreitete Meinung, dass Pflanzen – mangels eines komplexen Nervensystems – weniger leiden als Tiere und Menschen. Wenn in dem 30-Sekunden-Film Andi B. durch die Gassen geht, verkriechen sich Tomate & Co. in die tiefsten Winkel ihrer Töpfe, um dem Pflanzenschlächter nicht ins Blickfeld zu geraten. Der Minikrimi ist erst der zweite Spot in der Werbegeschichte des über 100-jährigen Restaurants. Im Rahmen des Catering-Engagements am Openair-Kino erhielt Wirz Werbung auch dieses Jahr den Auftrag, einen Film zu realisieren. «Während der letztjährige Hiltl-Spot nach Cannes durfte, blieben wir in Zürich und drehten den Nachfolger ab», schmunzelt CD Matthias Freuler – nicht ohne Stolz: Immerhin hat es der Rosen fressende Amateur-Vegetarier bis auf die begehrte Filmshortlist des Festivals geschafft.
Gemäss Rolf Hiltl, Inhaber des Lokals an der Sihlstrasse 28, kam der Spot nicht nur bei Werbefachleuten gut an. «Nach der Schaltung besuchten uns viele neue Gäste, die die Hiltl-Küche einmal ausprobieren wollten», erklärt er. Die meisten seiner Gäste seien Teilzeitvegetarier, also solche, die einfach aus Genuss ab und zu vegetarisch essen. Dagegen sei aber ein Trend feststellbar, wonach immer mehr junge Frauen ganz auf den Verzehr von Fleisch verzichten, so Hiltl weiter. Die Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV) hat auf Grund der Gesundheitsbefragung durch den Bund im Jahr 1997, «einen spürbaren Trend zu weniger Fleisch» festgestellt. Laut SVV nahm die Zahl der täglichen Fleischesser im Vergleich zur Vorgänger-Studie 1992 um drei Prozent ab. Nur zwei Prozent aller Befragten gaben an, nie Fleisch zu konsumieren.
Der aktuelle Spot mit dem Pflanzenschlächter alias Andi Bosshart flimmert ab 17. Juli über die Leinwand am Zürichhorn. Im Film mimte sich Küchenvirtuose Bosshart gleich selbst. Starallüren hat er deswegen keine bekommen, im Gegenteil: «Ich bleibe lieber Küchenchef», lautete sein Fazit nach stundenlangem Warten auf dem Set.
Simone Keller

Fahnen(un)treue

Auch Werber sind bisweilen noch lernfähig. Jüngstes Beispiel: Das Sunrise-Team bei Wirz Werbung in Zürich.

Auch Werber sind bisweilen noch lernfähig. Jüngstes Beispiel: Das Sunrise-Team bei Wirz Werbung in Zürich.Telekommunikation Die Senkung der Auslandtarife in zwölf Ländern wollten die Kreativen um das CD-Duo Thomas Bolliger und Thomas Kurzmeyer mit einer traditionellen «Flaggenschwinget» bekannt machen. Die angefragten Fahnenschwinger-Vereine waren von der Idee zwar begeistert, wollten aber nicht teilnehmen. Der Grund für die Absage: Wer eine andere als die Schweizerfahne schwingt, wird in dieser Zunft geächtet. Allerdings hatten die Werber Glück im Unglück: Es fand sich doch noch ein Profi – dessen Namen hier verständlicherweise verschwiegen wird –, der die in Eile gecasteten Models in die Kunst des unpatriotischen Fahnenschwingens einweihte.

«Bereit für den Aufschwung»

Werner Lang und Peter Knoll, Mitgründer von LangGysiKnoll, geben ihre Anteile ab und ziehen sich zurück. Zur GL – Nicole Huber, André Gysi und Silvano Spezia – stösst neu CD Simone Quast hinzu.

Werner Lang und Peter Knoll, Mitgründer von LangGysiKnoll, geben ihre Anteile ab und ziehen sich zurück. Zur GL – Nicole Huber, André Gysi und Silvano Spezia – stösst neu CD Simone Quast hinzu.WW Simone Quast, Sie haben am 1. Juli in der LGK-GL Einsitz genommen, die neu aus zwei Männern und zwei Frauen besteht. Hat Ihre Agentur eine Quotenregelung?Simone Quast Wo denken Sie hin? Wir orientieren uns radikal am Markt. Gut die Hälfte der Konsumenten sind Frauen. Und rund die Hälfte unserer Kunden sind es auch. Tatsächlich ist die Führungsequipe von LangGysiKnoll Ausdruck eines natürlichen Prozesses. Wir denken nicht in Geschlechterkategorien. Bei uns zählen Persönlichkeit und Performance. Die Konstellation in der Geschäftsleitung ist zufällig eine paritätische. Lebenserfahrung, unterschiedliche Blickwinkel und Strategien führen uns zu Entscheidungen, die immer wieder gute Grundlagen sind für erfolgreiche Lösungen.
Frauen in der GL haben Seltenheitswert in der Schweizer Werbeszene. Was machen Sie anders?
Was jetzt neu scheint, ist nichts anderes als der sichtbare Ausdruck einer lange geplanten Entwicklung. Wir sind vier Partner, die ihren Weg gemeinsam gehen. Dank dieser Konstellation auf GL- und Inhaberebene können wir die strategischen Aufgaben optimal unter uns aufteilen und viel Zeit ins Tagesgeschäft und in New-Business-Projekte investieren.
Sind es diese Punkte, die Sie an der neuen Funktion reizen?Einfluss zu nehmen und Dinge verändern zu können, ist immer wieder ein gutes Gefühl. Besonders dann, wenn man dabei von einer Menge Leute unterstützt wird. Nun kommen zu meinen Aufgaben als CD neue strategische Aufgaben hinzu. Das bedeutet: Ich werde jetzt noch mehr für das Unternehmen tun können.
Bekanntlich ziehen sich in Rezessionsphasen eher Frauen als Männer aus dem Arbeitsleben zurück. Wie schätzen Sie die derzeitige Situation der Frauen in der Werbebranche ein?
Seit der letzten Rezession sind ja auch einige Jahre ins Land gegangen, und selbst die Schweiz entwickelt sich weiter. Heute sind Frauen in leitenden Positionen kaum mehr von dem Phänomen betroffen, das Sie ansprechen. Nach meiner Einschätzung sind es eher Frauen, die in einer Partnerschaft das Zubrot verdienen, die sich angesichts des drohenden Rotstifts zurückziehen oder abgebaut werden. Aber auch hier: Bei LGK sind Frauen und Männer gut ausgebildete Profis, und wer will schon auf die verzichten?
Ist die junge Tradition der Agentur ein Grund dafür, dass Sie deren Markennamen nicht ändern?Richtig. LangGysiKnoll war von Anfang an als Marke gedacht. Dreiklang-Dimensionen, wie das bei «Rheingold» in den Achtzigerjahren so schön hiess.
Sie werden ja auch gleich Mitinhaberin der Agentur. Wie wollen Sie die Performance Ihrer Top-15-Agentur steigern?
Wir gehen gesund, abgespeckt und fit durch die Krise und sind bereit für den Aufschwung. Durch unsere Investitionen im Bereich Account Planning wollen wir in Zukunft noch effizienter ans Ziel kommen. In der Vergangenheit waren das rund 13 Prozent plus pro Jahr, und an diesen Erfolg wollen wir anknüpfen.
Werden Sie schon im laufenden Jahr an solche Zuwachsraten anknüpfen?Schön wärs! Aber lassen Sie uns auf dem Teppich bleiben: In der gegenwärtigen Marktlage sind wir auch mit weniger zufrieden.
Dann werden Sie wohl eine aktivere Pitchpolitik betreiben als früher?Am liebsten ist uns ein verdaubares Wachstum. Aber es stimmt schon, im Augenblick sind wir ziemlich aktiv. Und ich hoffe, dass ich mich in Bern und Zürich bald wieder nach geeigneter Verstärkung umsehen kann. Wobei: die «Zurigesen» scheinen lieber arbeitslos bleiben zu wollen, als sich für eine Stunde in den Zug zu setzen.
Peter Knoll und Werner Lang verkaufen ihre Beteiligungen und ziehen sich aus der GL zurück. Damit verkleinert sich diese auf ein Quartett. War das die erste Sparmassnahme?
Also bitte, wer will denn schon an der Qualität sparen? Tatsächlich wurde aus unserer Geschäftsleitung nur vorübergehend ein Fünfergremium, als Nicole Huber – übrigens eine der tollsten Frauen, die ich kenne – 2001 auf den Plan trat, um den längst geplanten Generationenwechsel einzuleiten.
Wenn sich zwei der drei Agenturväter zurückziehen und ein Generationenwechsel vollzogen wird, fragt man sich, ob sich auch André Gysi mit seiner Nachfolgeregelung befasst.
Der Name täuscht wohl, LangGysiKnoll hatte immer schon vier Agenturväter. Silvano Spezia und André Gysi sind noch kein bisschen müde, und das ist Nicole Huber und mir nur recht. Dass da einer abdankt, ist gar kein Thema.
Paritätisches Führungsquartett bei LangGysiKnoll: Nicole Huber, Silvano Spezia, André Gysi – und neu: Simone Quast (v. l.).

LangGysiKnoll in Zahlen

Die LGK, Bern, entstand 1994 aus der Fusion von Lang & Knoll mit Gysi & Partner. Ende Juni traten Werner Lang und Peter Knoll aus der operativen Geschäftsführung zurück und gaben auch ihre Anteile an der Agentur ab. Neue Inhaber der Agentur sind seit 1. Juli Nicole Huber, Simone Quast, André Gysi und Silvano Spezia. Heute beschäftigt die Full-Service-Werbeagentur 37 Mitarbeitende und betreut 30 Kunden aus den Branchen Banken und Versicherungen, Einzelhandel, Energie, Post und Transport, Food und Nonfood als auch Medien, Kultur und Wissenschaft. Der Umsatz betrug 2002 40 Millionen, die Bruttobetriebseinnahmen 7,2 Millionen Franken. (la)
Interview: Luca Aloisi

Marketing Trophy verleiht Edelmetall

An der 7. Durchführung der Marketing Trophy gibt es 2004 erstmals Gold, Silber und Bronze zu gewinnen.

An der 7. Durchführung der Marketing Trophy gibt es 2004 erstmals Gold, Silber und Bronze zu gewinnen.Bisher wurde nur jeweils ein Sieger in den drei Kategorien Klein-, Mittel- und Grossunternehmen ausgezeichnet. Neu ist auch eine spezielle Trophy für Non-Profit-Organisationen. Die Ausschreibung für den Wettbewerb, den der Schweizerische Marketing Club (SMC) veranstaltet, läuft bereits. Anmeldeschluss ist am 24. Oktober. Die Preise werden am Schweizerischen Marketingtag am 15. Januar 2004 verliehen. Weitere Auskünfte gibt der SMC, [email protected] oder Tel. 062 207 07 70.

Mediaedge|CIA klebt auch für Henkel

Das Mediabudget der Klebstoffmarken Pritt und Pattex von Henkel wird künftig von Mediaedge|CIA betreut.

Das Mediabudget der Klebstoffmarken Pritt und Pattex von Henkel wird künftig von Mediaedge|CIA betreut.Die Agentur ist ab Juli für alle Geschäftsfelder des deutschen Chemieunternehmens in der Schweiz verantwortlich. Vor einem Jahr hat Mediaedge|CIA bereits die Bereiche Waschmittel und Kosmetik gewonnen. Das gute Echo aus diesen Bereichen habe die Entscheidung zum Agenturwechsel erleichtert, erklärte Beatrice Bender, Marketingmanagerin Consumer Adhesives, gemäss einer Mitteilung. Bisher wurden Pritt und Pattex von OMD Zürich betreut.

Kein Ausbau von SF info

Presse-TV (PTV) verzichtet vorläufig auf den Ausbau von SF info.

Presse-TV (PTV) verzichtet vorläufig auf den Ausbau von SF info.Verlegerfernsehen Dies hat der PTV-VR an seiner Sitzung auf Antrag von Geschäftsführer Hans Jürg Deutsch beschlossen. Die Marktanteile von SF info kommen nicht über 0,5 Prozent hinaus. PTV besitzt seit letztem Herbst eine Konzession, die es ihm erlaubt, SF info sukzessive mit redaktionellen Eigenleistungen und mit Werbung zu einem dritten Programm auszubauen. Heute ist SF info ein werbefreier Wiederholungskanal, der von SF DRS und PTV genutzt wird.

Der Milchmann kommt nicht mehr

Packaging 5 Eine zerbrochene Milchglasflasche steht am Anfang einer beispiellosen Verpackungshistorie für das nahrhafte Getränk. Vor allem dank der Migros steht Milch heute in vielfältigsten Verpackungsformen im Regal.

Packaging 5 Eine zerbrochene Milchglasflasche steht am Anfang einer beispiellosen Verpackungshistorie für das nahrhafte Getränk. Vor allem dank der Migros steht Milch heute in vielfältigsten Verpackungsformen im Regal.
Kauft der Schweizer Konsument Milch, steht er vor der Qual der Verpackungswahl: Tetra Brik, Top (mit Schraubdeckel), Schlauchbeutel oder PE Flasche – kein anderes Grundnahrungsmittel erfreut sich einer solchen Präsentationsvielfalt.
Was für helvetische Konsumenten heute eine reine Selbstverständlichkeit ist, stiess vor rund 40 Jahren auf harten, zumeist bäuerlichen Widerstand. Dem Grossverteiler Migros ist es unter anderen Anbietern zu verdanken, dass lichtgeschützt verpackte Milch in Selbstbedienungsläden eingeführt wurde. Denn Pierre Arnold, ehemaliger Verwaltungsratspräsident des Migros-Genossenschafts-Bundes, war einer der Visionäre, die sich 1958 trotz Opposition der Milchlobby für die Verbreitung der «Papiermilch» stark machten. Diese war vom schwedischen Hersteller Tetra Pak Mitte der Fünfzigerjahre im Schweizer Markt eingeführt worden. Erst 1962 durfte der Detaillist die ersten tetraederförmigen Milchpackungen ins Sortiment aufnehmen. In den Siebzigerjahren folgte Tetra Brik, und rund 20 Jahre später der Schlauchbeutel. Mitte der Neunzigerjahre ergänzte Tetra Top das Sortiment, und seit zwei Jahren gibt es Milch in der PE Flasche.
Das erste Patent für eine Milchpackung aus Karton erwarb 1915 der amerikanische Spielzeugfabrikant John Van Wormer. Glaubt man der Anekdote, gründete seine Erfindung auf der leidigen Bekanntschaft einer Milchglasflasche mit der Gravitationskraft. Die Schwierigkeiten mit der verpackten Milch bestanden zum einen darin, die Konsumenten für die Neuerung zu begeistern. Zum anderen stellte eine antiseptische Abfüllung der Milch höchste Ansprüche an die Technik. Aus Sicht der Lebensmittelhygiene ist das keimfreie Abfüllen in die Verpackung das Hauptproblem, wie Roger Stephan, Leiter des Instituts für Lebensmittelsicherheit und -hygiene der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Zürich, bestätigt. Zudem müsse die Verpackung so beschaffen sein, dass die Inhaltsstoffe der Milch während der Lagerung nicht beeinflusst würden.
Da und dort ertönt ein JuchzerMit dem freien Verkauf von verpackter Milch fand auch eine langjährige Tradition ein abruptes Ende: «Der Milchmann kommt nicht mehr», titelte eine Anzeige für Papiermilch aus den späten Fünfzigerjahren. Die Bezeichnung «Milchkasten» für das grosse Fach unter dem Briefkasten hat sich dennoch bis heute halten können – ebenso eine Handvoll Milchmänner: Beim Milchhändlerverband Basel und Umgebung setzt man heute noch auf das traditionelle Verteilernetz, – dessen bäuerliche Vertreter sich nicht selten mit einem stolzen Juchzer bei den Hausfrauen anmelden.
Am Anfang war der Tetraeder: Kleine Historie der Milchverpackung.

Simone Keller

AdRating

Orange

OrangeBei Orange sitzen Sie in der ersten Reihe: nicht vor der Glotze, sondern am Open-air-Kino. Die Kampagne dazu dürfen auch Nicht-Cinéphile auf www.werbewoche.ch/adrating bewerten.Portraits
Oft kopiert, aber gewusst, wie: Hesskiss hat mit der Portrait-Kampagne von den AdRatern Wohlwollen bekommen.
Top 69%
Flop 31%

Mehr als nur ein Texter gesucht

Was will eine Frau mit Jeans und Spaghetti-T-Shirt auf einer Männertoilette? Hosen verkaufen? Nein. Will sie urinieren? Nein. Was machen ihre Hände vor dem Unterleib? Keine Ahnung.

Was will eine Frau mit Jeans und Spaghetti-T-Shirt auf einer Männertoilette? Hosen verkaufen? Nein. Will sie urinieren? Nein. Was machen ihre Hände vor dem Unterleib? Keine Ahnung.Below-the-line Will sie Gleichberechtigung? Keine Ahnung. Warum schaltet Jeans & Co. solche Below-the-line-Werbung auf der Damentoilette des Szenelokals «Kaufleuten»? Genug der Fragen – auf zum Besuch der Homepage www.jeans-co.ch. Die Texte auf Packpapierhintergrund wissen die Antwort, endlich: Wers versteht, so viele grammatikalische Fehler in so wenigen Sätzen unterzubringen, dem kann nur solche Werbung einfallen. (ck)

Das Rezept heisst Wildeisen

Zeitschriften Das Magazin Kochen weist ein erstaunliches Wachstum auf. Grund dafür ist auch eine clevere Multichannel-Marketingstrategie.

Zeitschriften Das Magazin Kochen weist ein erstaunliches Wachstum auf. Grund dafür ist auch eine clevere Multichannel-Marketingstrategie.Ueli Eckstein, bei den AZ Medien Leiter Print-Medien, kann sich über wärmendem Küchenfeuer die Hände reiben: das Magazin Kochen, dem er im März 2002 als Projektleiter und Verlagsleiter ad interim bei der Geburt zur Seite gestanden ist, hat sich prächtig entwickelt – mehr noch: nach gut einem Jahr hat der Titel den Break-even bereits erreicht. In seinen ersten neun Ausgaben bis Dezember 2002 enthielt Kochen 80 Inserateseiten, in den ersten vier Ausgaben dieses Jahres waren es 44 Seiten. Und schon jetzt steht auf Grund der Buchungen fest, dass Kochen 2003 besser abschneiden wird als die im letzten Jahr eingestellte Chuchi (Verlag Meyers) in ihrem besten Jahr. «Die Anzeigen entwickeln sich erfreulich, aber wir hatten doch mit mehr gerechnet», sagt dazu Eckstein trocken.Der Faktoren, die zum raschen Erfolg des jungen Titels geführt haben, sind viele. Eine wichtige Rolle spielt zweifellos der Name Annemarie Wildeisen. Die Chefredaktorin wechselte Anfang 2002 mit ihrem ganzen Team von der Chuchi zur AZ Medien – zuvor hatte sie beim Verlag Meyer auch noch fast ein Dutzend Kochbücher publiziert. Ebenso wichtig ist, dass Meyers im Mai 2002 die Segel strich und Chuchi an die AZ Medien verkaufte. Diese stellte die unliebsame Konkurrenz kurzerhand ein, übernahm aber den schweizweiten Abostamm. Obschon: Hanspeter Eggenbergers Editorialfirma Duktus hatte in Meyers Auftrag in nur wenigen Monaten das biedere Chuchi-Heft auf guten Weg gebracht.
Der Übernahmecoup katapultierte die Druckauflage von Kochen ohne grossen Werbeaufwand von damals 40000 auf 90000 Exemplare. Mittlerweile kann der Titel gemäss einer Wemf-Zwischenbeglaubigung eine Auflage von 75265 Exemplaren ausweisen, 25000 mehr, als gemäss ursprünglichem Businessplan für den Break-even gereicht hätten.
Wildeisen, Wildeisen, WildeisenAber auch eine clevere Marketing-strategie trägt zum Erfolg bei: Dass die AZ Medien ihr jüngstes Kind auf allen hauseigenen Medienkanälen pusht, versteht sich von selbst, bringt dem Titel aber kaum Neuabonnenten ausserhalb des Rüeblikantons. Mailings, eine Hotline für Fragen rund ums Kochen und die Homepage www.wildeisen .ch sind dafür eher geeignet. Tatsächlich generiert der Internetauftritt nicht nur 180000 Pageimpressions pro Monat, sondern auch überdurchschnittlich viele Probeabos. 800 waren es von Januar bis Mai 2003, vergleichbare Homepages generieren bestenfalls 50 bis 200 pro Jahr. Und die Umwandlungsquote liegt bei 50 Prozent. «Fragen Sie mich nicht, warum das so ist», staunt selbst Eckstein.
Seit vier Monaten versucht Kochen zudem verstärkt in Zürich, Bern und Basel Fuss zu fassen. Dafür ging man eine Partnerschaft mit 20 Minuten ein, so dass nun freitags in der Pendlerzeitung jeweils ein «Wildeisernes» Kochrezept erscheint. Zudem war Kochen über eine Anzeigenkampagne während dreier Wochen in der Gratiszeitung präsent, gleichzeitig erhöhte man die Kioskauflage um 30 Prozent. «Innerhalb von 14 Tagen gewannen wir so 4000 Schnupperabos von vorwiegend jungen Leuten. Mit 20 Minuten erreicht man dieses Zielpublikum wirklich», lobt Ecksein – wohl nicht ohne Seitenblick auf den happigen Druckauftrag, den die AZ Medien für das Pendlerblatt seit einiger Zeit ausführt.
Bleibt noch die dreiminütige TV-Kochsendung von Wildeisen zu erwähnen, die wöchentlich auf Tele M1 und Tele Tell ausgestrahlt wird. Sie gehört dort zu den Ratingleadern und promoted Kochen somit auch in der Innerschweiz. «Wir sind zudem mit weiteren zwei TV-Stationen in Verhandlung», sagt Eckstein.
Klares Layout, klare Rezepte – und TV-Promo: Annemarie Wildeisens Kochen würzt in helvetischen Küchen.

Markus Knöpfli

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