Spezialisten für alle Verpackungs-Fälle

In der Verpackungsindustrie setzt sich der Trend zur Spezialisierung fort. Die vier Verpackungshersteller gehören in ihren Bereichen zu den Leaderbetrieben.Model Holding AG, Weinfelden•

In der Verpackungsindustrie setzt sich der Trend zur Spezialisierung fort. Die vier Verpackungshersteller gehören in ihren Bereichen zu den
Leaderbetrieben.
Model Holding AG, Weinfelden• Verpackungen aus Karton.
• 24 Firmen in Europa. Jahresumsatz 468,2 Millionen Franken (2002). Gruppenweit 2500 Mitarbeitende.
Innovation: Emotion-Display für Milka-Schokolade. Auf Grund der neu entwickelten Technologie wirkt der Kartondisplay auf den Konsumenten optisch immer voll.
Ungewohnte Blickwinkel ziehen
den Focus der Kunden auf sich.
Vetropack AG, Bülach• Glasverpackungen
• Fünf Glashütten beliefern Getränke- und Lebensmittelhersteller in 16 Ländern. Jahresumsatz: 428, 5 Millionen Franken (2002), 2800 Mitarbeitende.
Innovation: Flasche für das neue Mineralwasser Active02 der bayerischen Alpenquelle GmbH, das
15-mal mehr Sauerstoff als normales Wasser enthält. Das Design der
Flasche besticht durch Gradlinigkeit und Reduktion aufs Wesentliche.
Pago AG, Grabs • Etiketten, Etikettiersysteme
• Jahresumsatz: 121 Millionen Franken 2002 (nur Schweiz) mit rund 461 Mitarbeitenden. Die weltweit tätige Pago Holding beschäftigt über 1300 Personen.
Innovation: Selbstklebende Wickeletiketten machen es möglich, neutrale Kunststoffflaschen für verschiedene Produkte einzusetzen.
Lose Beipackzettel und Faltschachteln können eingespart werden.
BMW-Vogel AG, Aesch• Geblasene Kunststoff- und Weissblechverpackungen
• Gehört zur Crown Cork & Seal-Gruppe. Der Global Player in Sachen Verpackung besitzt 200 Werke in 50 Ländern und beschäftigt rund 11000 Angestellte. Bei BMW-Vogel in Aesch stehen 100 Mitarbeitende auf der Lohnliste.
Innovation: Milchflasche aus Polyethylen, unter anderem für die Aargauer Zentralmolkerei. Dank neuartiger Stabilisierungsrillen ist die Flasche rund 25 Prozent leichter. Die Griffigkeit der Flasche, der Drehverschluss und die spezielle Ausgussmündung setzen neue Standards im Bereich Convenience.

Die bürgerliche Mitte

Dieses am Status Quo orientierte Mainstream-Milieu wird dominiert vom Wunsch nach einem harmonischen Familienleben in gesicherten Verhältnissen und der Integration ins soziale Umfeld.

Dieses am Status Quo orientierte Mainstream-Milieu wird dominiert vom Wunsch nach einem harmonischen Familienleben in gesicherten Verhältnissen und der Integration ins soziale Umfeld.Mit 16 Prozent des Kundenpotenzials* der Schweiz und fast 970000 Personen ist die bürgerliche Mitte das grösste Milieu der Schweiz. Es findet sich in allen Sprachregionen und lässt sich beschreiben als modern-gemässigtes Zentrum der Schweizer Gesellschaft. Auffallend an diesem Milieu ist der ausgeprägte Wunsch nach Erhaltung des Status Quo. Man strebt nach einem ruhigen und harmonischen Leben in gesicherten materiellen Verhältnissen, der Wunsch nach Aufstieg und Karriere nimmt demgegenüber eine nur nachgelagerte Stellung ein. Dass die Bereitschaft, sich mit neuen Entwicklungen auseinander zu setzen, in diesem Milieu eher gering ist, muss nicht weiter erstaunen. Das langfristig Bewährte wird dem Neuen vorgezogen, teilweise fühlt man sogar Verunsicherung gegenüber einer allzu modernisierten und globalisierten Welt. Das erklärte Lebensziel liegt in einem glücklichen und zufriedenen Familienleben in überschaubarem Rahmen. Prestige und Status im Konsumverhalten sind da vergleichsweise weniger bedeutsam. In der bürgerlichen Mitte vereinigen sich also traditionelle Werte mit einem gemässigt modernen, eher konventionellen Lebensstil: Die bürgerliche Mitte ist stets bereit, sich den herrschenden Konventionen anzupassen und sich in das jeweilige soziale Umfeld zu integrieren. Auch die regionale Identifikation ist diesem Segment wichtiger als eine nationale oder gar weltbürgerliche Orientierung, insbesondere in der Westschweiz.
Beschaulich geht es auch in der Freizeit zu: «mit Kindern spielen» steht an erster Stelle der häufig ausgeübten Freizeitaktivitäten, gefolgt von Basteln und Heimwerken, Gymnastik, Stricken und Schneidern. Zu den Lieblingssportarten der bürgerlichen Mitte zählen neben dem Skifahren das Radfahren und Wandern. Der Altersschwerpunkt in dieser Zielgruppe liegt zwischen 30 und 50 Jahren, der Frauenanteil beträgt rund 60 Prozent Die bürgerliche Mitte lebt typischerweise in Haushalten mit vier und mehr Personen. Zum Segment gehören viele Angestellte und Beamte, aber auch Hausfrauen. Finanziell bewegt sich die bürgerliche Mitte in abgesicherten Verhältnissen: Das monatliche Haushaltsnettoeinkommen liegt in der Regel zwischen 4500 und 7800 Franken.

Mai bisher bester Monat

Werbeaufwand Der Bruttowerbeaufwand in der Schweiz ist gemäss Media Focus im Mai gegenüber der Vorjahresperiode um 2,8 Prozent zurückgegangen.

Werbeaufwand Der Bruttowerbeaufwand in der Schweiz ist gemäss Media Focus im Mai gegenüber der Vorjahresperiode um 2,8 Prozent zurückgegangen.Es ist der bisher kleinste Verlust im laufenden Jahr, nachdem bereits der April mit 2,9 Prozent einen vergleichsweise geringfügigen Rückgang gebracht hatte. Über alle fünf Monate hin beträgt das Minus 4,4 Prozent Zulegen konnten im Mai Fernsehen (6,1 %), Radio (2,8 %) und Kino (25,2 %). Die beiden letzteren liegen bisher deutlich im Plus, während TV erstmals einen grösseren Gewinn verbuchte und insgesamt immer noch 2,1 % weniger umgesetzt hat als im Vorjahr. Einen schlechten Mai schrieben Fachzeitschriften (–11,8 %), Plakat (minus 7,9 %) und Tageszeitungen (minus 5,0 %). Auch Publikumszeitschriften verloren 1,7 %. Internetwerbung meldete mit 998000 Franken das höchste Resultat dieses Jahres.

Lektüre für Untote

Beilagen Mit Haifaif erzieht die Südostschweiz Jugendliche zum Zeitungslesen.

Beilagen Mit Haifaif erzieht die Südostschweiz Jugendliche zum Zeitungslesen.Diese Zielgruppendefinition ist noch ein wenig gewöhnungsbedürftig: «Die Zeitung für Lebende» nennt die Südostschweiz Presse AG ihre neue Beilage namens Haifaif. Als «Lebende» sollen sich vor allem die 15- bis 25-Jährigen angesprochen fühlen. Haifaif ist Teil des Marketingkonzepts High5, mit dem das Churer Verlagshaus den eigenen Lesernachwuchs sichern will. Wer Mitglied im High5-Club werden möchte, muss nicht etwa Südostschweiz-Leser sein. Die Stossrichtung verläuft genau umgekehrt: Über den Genuss von High5-Aktionen und -Events sollen Jugendliche an die Zeitung herangeführt werden.
Das Bindeglied zwischen Club und Blatt ist Haifaif. Die Beilage erscheint jeden zweiten Freitag als fünfter Bund sämtlicher Regionalausgaben der Südostschweiz sowie des Bündner Tagblatts. Clubmitglieder, die keine Zeitung abonniert haben, erhalten Haifaif zugeschickt. Dies sind laut Thomas Kundert, bei Publicitas für den Verkauf von Haifaif zuständig, rund 4000 Personen. Insgesamt erreicht die Auflage 74000 Exemplare. Mit dieser Verbreitung biete sich Haifaif auch für nationale Werbekunden an, glaubt Kundert. Immerhin machen die 15- bis 25-Jährigen gemäss Mach Basic 2002 rund 13 Prozent der Leserschaft von Südostschweiz und Bündner Tagblatt aus.
Allerdings sind überregionale Kunden im gegenwärtigen Anzeigenmarkt schwer zu finden. Eine Kooperation läuft indes bereits: Die Handelskette Media Markt stellt CDs und Videospiele zur Verfügung, die von der Redaktion unter dem Firmenlogo rezensiert werden. «Wir sind sehr offen für diese Form von Vermischung zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten und stehen für eine Fülle von Sonderwerbeformen bereit», kommentiert Kundert dieses Konzept. Trotzdem könne Haifaif zurzeit die Kosten nicht durch Werbeeinnahmen decken. Als Investition in die Zukunft der Zeitung wird das Jugendblatt aus dem Marketingbudget finanziert.
Stefano Monachesi

Die Experimentalisten

Das kreative, individualistische Jugendmilieu ist spontan, offen für vielfältige kulturelle Einflüsse und neue Erfahrungen. Experimentalisten sind immer auf der Suche nach intensiven Erlebnissen und ungehinderter Selbstentfaltung.

Das kreative, individualistische Jugendmilieu ist spontan, offen für vielfältige kulturelle Einflüsse und neue Erfahrungen. Experimentalisten sind immer auf der Suche nach intensiven Erlebnissen und ungehinderter Selbstentfaltung.Die Experimentalisten repräsentieren eine Zielgruppe, die auf der Suche nach Erfahrungen und Erlebnissen ist: individualistisch, kreativ und experimentierfreudig. Das Leben dreht sich in erster Linie darum, Neues zu entdecken und sich Freiräume zu schaffen. Freiräume, die nötig sind, um sich auszuleben – sei es in Bezug auf die eigene persönliche Entwicklung, die künstlerische oder die berufliche Betätigung. Das abwechslungsreiche und exzessive Leben der Experimentalisten erlaubt keine langfristigen Sicherheitsbestrebungen – um die Altersvorsorge kann man sich ja später immer noch Gedanken machen. Experimentalisten sind für unterschiedlichste Lebensformen und Kulturen zugänglich. Sie zeigen sich weltoffen, kontaktfreudig, kommunikativ und tolerant. Neue Trends und Entwicklungen werden mit Interesse verfolgt, noch lieber geht man der Zeit voraus: Anstatt sich der Mode anzupassen, wird häufig ein neuer und eigener Stil kreiert.
In der Freizeit findet man die Experimentalisten in Diskotheken und Clubs, bei Videospielen oder im Kino. Lieblingssportarten in diesem Segment sind Fussball, Handball, Tennis und Wassersport.
Der Altersschwerpunkt der Experimentalisten liegt unter 30 Jahren, und sowohl Drei- bis Vier-Personen-Haushalte als auch Ein-Personen-Haushalte sind überrepräsentiert. Es überwiegen die mittleren und höheren Bildungsabschlüsse, altersgemäss befinden sich viele der Experimentalisten auch noch in der Schul- oder Berufsausbildung. Der Beruf muss dem Experimentalisten vor allem Spass machen und zu den eigenen Interessen passen. Häufig ist man als einfacher oder leitender Angestellter oder freiberuflich tätig. Das Einkommensspektrum ist breit, ein leichter Schwerpunkt ist in der Klasse zwischen 3200 und 3850 Franken auszumachen. Das Milieu der Experimentalisten macht sechs Prozent der Grundgesamtheit* aus; die Zielgruppe umfasst damit rund 360000 Personen, die sich gleichmässig über die drei Sprachregionen verteilen.

Glaspalastrevolution

Kommentar Tamedias Abschied vom Zeitschriftendruck und von dem Edelmagazin Du signalisieren einen internen Kulturwandel, meint Oliver Classen.

Kommentar Tamedias Abschied vom Zeitschriftendruck und von dem Edelmagazin Du signalisieren einen internen Kulturwandel, meint Oliver Classen.Mit der Rosskur, die Martin Kall Tamedias Zeitschriftenbereich verordnet hat, erreicht der Vorsitzende der Unternehmensleitung gleich zwei Etappenziele seines kompromisslosen Restrukturierungsplans. Zum einen löst er durch die stufenweise Einstellung des Zeitschriftendrucks endlich das Firmenversprechen «Content for People» ein und fokussiert das Zürcher Medienhaus konsequent auf Inhalte. Schon bei seinem Ex-Arbeitgeber Michael Ringier, dem Kall auch als Zeitschriftenchef diente, hatte er mit der Forderung nach attraktiveren interne Druckkonditionen auf Granit gebissen. Von Outsourcing ganz zu schweigen.Zum andern trimmt der gelernte Bertelsmann die seit knapp drei Jahren börsenkotierte Tamedia weiter eisern auf Rentabilität. Prominentestes Opfer der jüngsten Fitnessaktion ist der prestigeträchtige Dauerverlustbringer Du, an der die kulturbeflissene Verlegerfamilie emotional besonders hing. Mit dem Paukenschlag letzte Woche ist deren bisherige ideell-kommerzielle Mischkalkulation nun wohl endgültig im Papierkorb der Mediengeschichte gelandet.
Dass es dem Erzpragmatiker Kall nach nur 15-monatiger Amtszeit gelungen ist, seinen neuen Patron Hans Heinrich Coninx zur abrupten Abkehr vom Mäzenatentum zu bewegen, wirft ein grelles Licht auf den längst weit übers Operative reichenden Einfluss des deutschen CEO. Und deutet auf einen eigentlichen Kulturwandel bei Tamedia. Statt – wie bisher – in Zweifels- und Schicksalsfällen auf Verwaltungsrat Iwan Rickenbacher,
Beirat Roger de Weck oder Tagi-Chefredaktor Peter Hartmeier zu hören, scheint Coninx nun ganz auf seinen Chefstrategen Kall zu setzen.
Der will sich nach den Zeitschriften im vierten Quartal den Zeitungsbereich vornehmen. Was bad News für das Magazin als letztes Rentabilitätsreservat bedeuten könnte. Aber vielleicht wird ja auch die Cashcow Tages-Anzeiger in die Schlankheitskur geschickt.
Oliver Classen, Redaktor

Pasta von Barilla. Basta.

Teigwaren von Barilla sollen für echte Liebhaber der italienischen Küche die besten sein. Auf jeden Fall sind es die Nudeln, die in Italien am häufigsten im Kochtopf landen.

Teigwaren von Barilla sollen für echte Liebhaber der italienischen Küche die besten sein. Auf jeden Fall sind es die Nudeln, die in Italien am häufigsten im Kochtopf landen.Nahrungsmittel «Numero uno in Italia», heisst es deshalb auch im Claim der neuen Barilla-Werbung von Advico Young & Rubicam. Bebildert hat die Agentur ihre Überzeugung mit zwei Monumenten, die auf der ganzen Welt sofort als Sinnbild für alles Italienische erkannt werden: der schiefe Turm von Pisa und das Römer Colosseum – natürlich nachgebaut aus Barilla-Teigwaren.

Jenni poliert Bits für Abraxas

Der IT-Dienstleister Abraxas Informatik AG hat Jenni Kommunikation mit dem PR-Mandat für die deutschsprachige Schweiz beauftragt.

Der IT-Dienstleister Abraxas Informatik AG hat Jenni Kommunikation mit dem PR-Mandat für die deutschsprachige Schweiz beauftragt.Abraxas ist aus den Informatikabteilungen der Kantone St.Gallen und Zürich entstanden und operiert heute als unabhängige Gesellschaft mit den beiden Kantonen als Hauptaktionären. Nachdem sich das Unternehmen auf dem Markt etabliert habe, gehe es darum, seine Aktivitäten bekannt zu machen, schreibt Jenni Kommunikation.

Digital-TV in weiter Ferne

Digitales Fernsehen wird in den kommenden Jahren keinen Marktdurchbruch erzielen, schreibt das Forschungsinstitut Prognos in seinem neuesten Report.

Digitales Fernsehen wird in den kommenden Jahren keinen Marktdurchbruch erzielen, schreibt das Forschungsinstitut Prognos in seinem neuesten Report.Fernsehen Bis 2007 würden in deutschsprachigen Ländern weniger als 40 Prozent der Haushalte Digital-TV empfangen können. In Deutschland und Österreich überwiege dabei der Empfang über Satellit, in der Schweiz über Kabel. Ein Markt für Digital-TV werde aber nur im Kabel entstehen.

Korrigendum

Der Artikel «Net-Promotions am Ende» (WW 24, 19.6.03) enthielt zwei Fehler. Zum einen hiess es darin, die konkursite Firma Net-Promotions sei «bis Ende 2002» eine Partnerfirma der Goldbach Media AG gewesen. Richtig ist, dass die Partnerschaft bereits

Der Artikel «Net-Promotions am Ende» (WW 24, 19.6.03) enthielt zwei Fehler. Zum einen hiess es darin, die konkursite Firma Net-Promotions sei «bis Ende 2002» eine Partnerfirma der Goldbach Media AG gewesen. Richtig ist, dass die Partnerschaft bereits im Sommer 2002 beendet worden war und Goldbach-CEO Klaus Kappeler zu diesem Zeitpunkt seinen Rücktritt als VR-Delegierter bei Net-Promotions bekannt gegeben hatte. Zudem wurde Hans Ulrich Keller, VR-Präsident von Net-Promotions, mit den Worten zitiert, seine Firma sei «illiquid, aber nicht verschuldet». Richtig hätte es aber heissen müssen, die Firma sei «illiquid, aber nicht überschuldet».

Die neue Lust am POS

Packaging 1 In Zeiten knapper Werbebudgets erinnern sich Hersteller gerne daran, dass bis zu 75 Prozent der Kaufentscheide am POS fallen – und bringen frischere Farben, sinnlichere Formen und mehr Convenience in die Verpackung.

Packaging 1 In Zeiten knapper Werbebudgets erinnern sich Hersteller gerne daran, dass bis zu 75 Prozent der Kaufentscheide am POS fallen – und bringen frischere Farben, sinnlichere Formen und mehr Convenience in die Verpackung.Wie unbegrenzt die Möglichkeiten der Verpackung sind, bewies der Aargauer Kunststoffhersteller Georg Utz AG an der Expo.02. Aus simplen Kunststoff-«Harassen» baute er den lichtdurchfluteten Künstlerpavillon «Artplace». Der spektakuläre «Verpackungs-Auftritt» hatte Symbolcharakter für eine Branche mit gestärktem Selbstvertrauen. Vor allem in den Teppichetagen der Konsumgüterhersteller setzt sich die Erkenntnis durch, dass mit einem Budget von 50000 Franken kaum noch nachhaltige Werbung möglich ist – doch lässt sich für den Preis eine optimale Verpackung entwickeln, die sich auch am POS durchsetzt. Während sich konkurrenzierende Produkte bloss noch marginal voneinander unterscheiden und folglich ihre USPs immer undeutlicher werden, ist es die Verpackung, die dem Produkt einen einzigartigen Auftritt verspricht. Fachleute sprechen darum heute weniger vom USP als von UPP, was so viel heisst wie «Unique Packaging Proposition». Eine ideale UPP basiert auf der Form (neue Convenience-Aspekte), der Grafik, dem Material und der Farbe. Und gerade die Verpackungsindustrie kann in diesen Bereichen dank permanenter Innovationen immer bessere Lösungen anbieten.
So stehen etwa die Salatdressings von «Anna’s Best» (Migros) in extrem taillierten Kunststoffflaschen im Regal, deren Rundumetiketten (vom Bodenrand bis Flaschenmündung) in Grossaufnahmen Gemüse und Salate in ungewohnter Schärfe und Farbbrillanz zeigen. Denselben Effekt zeigen Tafelschokoladen, die mit neuen Folien verpackt werden. Wie gross die Bandbreite an Verpackungsformen heute ist, zeigt etwa Vetropack, die Schweizer Weinproduzenten über 100 Flaschen-Standardmodelle in acht Farbnuancen anbietet.
Wachsender Preisdruck«Die Bedeutung der Verpackung im Marketingmix hat in den letzten Jahren eindeutig zugenommen. Ein Indiz dafür ist, dass die klassische Werbung ungleich stärker unter der gegenwärtigen Rezession leidet als das Verpackungsdesign», sagt Martin Amann, CEO Future Brand AG in Reinach. Trotzdem befindet sich auch der Schweizer Verpackungsmarkt in einem Strukturwandel. In den Regalen der Grossverteiler wird der Verdrängungskampf zusehends härter geführt. Parallel zu den steigenden Erwartungen hinsichtlich Präsentation der Produkte wächst auch der Kostendruck. In diesem Umfeld können vermehrt nur noch grosse Unternehmen mit internationaler Ausrichtung oder aber hoch spezialisierte Kleinfirmen bestehen.
Ein weiteres Phänomen sind kürzer werdende Lebenszyklen der Produkte. Vor allem im Konsumgüterbereich, wo früher Süssgetränke oder Schokoriegel jahrelang optisch unverändert im Regal lagen, werden sie heute schon nach kurzer Zeit neu positioniert. Dies erfordert von Seiten des Verpackungswesens eine erhöhte Reaktionsfähigkeit und Flexibilität.
POS- statt klassische WerbungIn den Grossverteilern gehen etablierte Marken zusehends dazu über, neue Produkte wie Jogurts, Biscuits oder Schokoladen nur über POS-Marketing zu lancieren – ohne begleitende Werbung. Fachleute sind überzeugt, dass über UPP nicht nur solche Line-Extensions möglich wären, sondern auch eigentliche Neueinführungen von Marken. Doch hier sind es die Grossverteiler, die Gegensteuer geben, indem sie neue Produkte beziehungsweise Marken nur listen, wenn der Hersteller flankierende Aktivitäten im Bereich der klassischen Werbung garantiert.
Interessenskonflikte zwischen Handel und Herstellern gibt es auch bei Display-Lösungen. So sind etwa bei der Model AG in Weinfelden, Branchenleader in diesem Bereich, solche Display-Lösungen seitens der Hersteller zunehmend gefragt. Letzterem garantieren sie eine klare Profilierung gegenüber Konkurrenzprodukten. Die Grossverteiler dagegen melden Vorbehalte gegen Display- oder Shop-in-the-Shop-Lösungen an. Sie erfordern in der Regel einen Platz (und Umsatz) raubenden, zweiten Verkaufspunkt. Zudem gehen die Grossverteiler davon aus, dass es der Konsument vorzieht, alle Produkte einer bestimmten Kategorie im selben Regal vorzufinden. So sind es letztlich nach wie vor der Shelf-Impact (Auffälligkeit), die Size-Impression (Grössenwirkung) und die Blockwirkung (optische Zusammengehörigkeit einer Range), die darüber entscheiden, welche Marke sich am POS gegenüber Mitbewerbern durchsetzen kann.
Nicht nur die tolle Verpackung löst Kaufimpulse aus – es kommt auch auf den Regalplatz im Shop an.

Der SVI startet durch

Die Geburtstagsfeier steht im Zeichen des Aufbruchs. Exakt 40 Jahre nach seiner Gründung will sich das Schweizerische Verpackungsinstitut (SVI) branchenintern vermehrt als übergeordnete und verbindende Plattform etablieren. Auch nach aussen will der Verband selbstbewusster als Sprecherin der Branche auftreten und das Thema Verpackung in der Öffentlichkeit etablieren. Das Ziel: Verpackung soll weniger als «Abfall» wahrgenommen werden, sondern als «emotionales Produkt mit zunehmender Bedeutung im täglichen Leben». Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, wurde in den letzten zwei Jahren eine neue Strategie erarbeitet, die nun ab Juli 2003 sukzessive umgesetzt werden soll. Mit der umfassenden Stärkung des Verbandes reagiert die Branche auf künftige Herausforderungen des Marktes, wie die zunehmende Globalisierung, den steigenden Wettbewerbs- und Kostendruck und die Konzentrationstendenzen. Im Zentrum der Neuausrichtung steht die Aus- und Weiterbildung (eine «Verpackungslehre» fehlt bisher ebenso wie die Weiterbildung auf Ingenieursstufe) sowie der Aufbau einer aussagekräftigen Branchenstatistik. Das wichtigste Schaufenster der schweizerischen Verpackungswirtschaft ist der Wettbewerb Swiss Star, der jährlich die innovativsten und kreativsten Arbeiten der Branche bewertet und auszeichnet. Dieser Wettbewerb wurde bereits 1957 lanciert und hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen.
Weitere Infos finden sich unter www.svi-verpackung.ch und www.verpackungs-markt.ch (tv)
Thomas Vaterlaus

Waschmittel vom Pizzablitz

Florian Biafori von Mediabox glaubt an die wachsende Bedeutung von Below-the-line-Massnahmen und hat die beste Übersicht.

Florian Biafori von Mediabox glaubt an die wachsende Bedeutung von Below-the-line-Massnahmen und hat die beste Übersicht.Hunderttausende von Kebab-Tüten werden in der Schweiz monatlich zur Hand genommen. Auf diesen Papierfetzen könnte Werbung für Kaugummi platziert und mit einem Probiermuster ergänzt werden, der den Atem nach dem Genuss des türkischen Snacks wieder erfrischt. Mit der Auslieferung von Pizzas kann ein Sampling von neuartigen Waschmittel-Tabs gleich mitabgegeben werden. Die sabbernden Konsumenten würdens danken.«Wieso eigentlich nicht?», sagte sich Florian Biafori vor knapp drei Jahren und gab sich die Antwort zusammen mit Sandro Proietto gleich selber: Mediabox wurde gegründet – und beide Ideen in die Tat umgesetzt. Werbung auf Zapfpistolen an Tankstellen, Plakate an Skiliftmasten, in Toiletten oder Liftkabinen, Eyecatcher auf Schmutzfangmatten, Bierdeckeln oder auch Zuckerbeuteln sowie Cards for free oder Wildplakate gibts zwar schon länger, doch werden diese, teils von Mediabox initiierten Medienträger, heute professionell vermarktet, wie das eine herkömmliche Vermarktungsagentur mit ihren klassischen Werbemitteln macht.
«Es gibt hunderte verschiedener Werbeträger – aber keine Stelle, bei der diese zentral gebucht werden können», war die zündende Idee. Das Ziel: einen Pool gründen für alle nichtklassischen Medien – ähnlich wie das Publicitas im Printbereich macht. Wichtigste Frage bei dieser neuartigen Vermittlung: «Wo ist die Zielgruppenaffinität für eine Below-the-line-Massnahme?»
Beim Beispiel der Pizza-Schachtel ist die Werbung für neue Waschmittel-Tabs fast ohne Streuverlust an die Kunden gebracht worden. Junge Leute, die meistens erstmals selber einen Haushalt in Schuss halten müssen, aber den ganzen Tag arbeiten, benützen Food-Kuriere und werden ein Waschmittelmuster in der Pizzaschachtel kaum wegwerfen. Und wenn das Produkt gut ist, wirds später im Laden gekauft.
Florian Biafori hat diese Mechanismen neun Jahre bei Mediaagenturen kennen gelernt. 1992 meldete er sich nach Abschluss des Wirtschaftsgymnasiums auf ein Inserat bei Leo Burnett Media, wo er als Mediaassistent engagiert wurde und zuletzt für die Mediaplanung der gesamten Philip-Morris-Gruppe zuständig war. Später wurde er Mediaplaner und Leitung Aussenwerbung bei den damaligen Innomedia und schliesslich Medialeiter bei der MQI (heute: Mediaedge|CIA). In diesen Agenturen hat er Kunden wie Credit Suisse, Orange oder die Feldschlösschen-Gruppe betreut, viel gelernt – und gemerkt, «dass ich anfange, in platten Schemen zu denken».
Bei einem solchen Nachdenken über seinen Job – zusammen mit Sandro Proietto, der damals bei Cinecom arbeitete –, ist bei beiden die Lust auf Mediabox entstanden. Heute hat ihr Unternehmen «jedes Medium, das in der Schweiz im nichtklassischen Bereich angeboten wird, unter Vertrag». Aber: Mediabox entwickelt auch selber Ideen und sucht dazu die passenden Kunden.
«Die Nachfrage ist gross, weil Below-the-line immer wichtiger wird», weiss Biafori. Weil die Agenturen selber keine Zeit haben, bei solchen bisher unbekannten Medien up to date zu bleiben. Mediabox hingegen hat sofort viele Erfahrungswerte anzubieten, für die ein konventioneller Mediaplaner erst einmal tagelang recherchieren müsste. «Es gibt bereits Agenturen, die uns mitnehmen zu einer Kundenpräsentation, weil wir als Partner viele neue Ansätze und Wege aufzeigen können», ist Biafori stolz.
Ergänzend für den Bereich Crossover-Projekte ist jetzt auch noch ein «Jugendpool» als zentraler Vermarkter für Trend- und Jugendmagazine in die Mediabox integriert worden.
Bei so viel Arbeit blieb Biafori in drei Jahren Mediabox erst wenig Freizeit. Dabei hat er sich eigentlich auch selbstständig gemacht, weil er damals Vater geworden war und für sich und für das Kind ein bisschen mehr freie Zeit erhoffte. Das ist bis jetzt Illusion geblieben. Zum Glück gibts ja den Pizzakurier.
Wollte ursprünglich mehr Freizeit, stattdessen versinkt Mediabox-Mitinhaber Florian Biafori in der Arbeit.

Andreas Panzeri

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