Privat-Radios Das in Energy Zürich umfirmierte Hitradio Z wendet sich einer massiv jüngeren Hörerschaft zu und holt Roman Kilchsperger wieder vors Mikrofon.Ab dem 15. August wird im Zürcher Radiomarkt nichts mehr sein wie vorher. Nach zwei Jahrzehnten Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Platzhirsche um das gleiche Publikum, verabschiedet sich Hitradio Z Richtung 15- bis 34-Jährige – Radio 24 bedient das Zielpublikum der 15- bis 49-Jährigen künftig für sich alleine. Noch wichtiger: Mit dem Namenswechsel zu Energy Zürich hält eine neue Radiophilosophie in der Limmatstadt Einzug: Die französische NRJ Groupe bringt ihr in neun europäischen Ländern erfolgserprobtes Radio-Know-how in die Redaktionsräume des bisherigen Hitradio Z. NRJ kann sein Erfolgsrezept vom ersten Tag an kompromisslos umsetzen, denn deren Radioprofis haben beim Sender künftig alleine das Sagen. Zwischen den beiden Besitzern wurde eine klare Aufgabenteilung eingerichtet: NRJ betreibt den Sender, Goldbach Media kümmert sich um Vermarktung und Marketing.Die Schweizer Lokalradiolandschaft erwarte die grösste Frischzellenkur seit ihrer Geburt vor 20 Jahren, wie die Sendervertreter an einer Kundenorientierung zu verstehen gaben. «Zusammen mit den Möglichkeiten des internationalen NRJ-Netzwerkes werden wir uns gegenüber allen anderen Privatradios der Schweiz abgrenzen», erklärte der VR-Delegierte Jörg Bachmann. Völlig ungewohnt tönte die Botschaft in Richtung des bisherigen Konkurrenten Radio 24: «Wir wollen aneinander vorbeikommen», betonte IPM-Chef Michi Frank. Die Zeiten der Me-too-Produkte gehörten für immer der Vergangenheit an.
Ganz im Vordergrund standen die verbreiteten Ängste, in Zürich würde nun ein ausländisches Standardrezept mit wenig Bezug zum hiesigen Publikum umgesetzt. «Ein Sender kann nur Erfolg haben, wenn er sich an seinem lokalen Publikum ausrichtet, das zeigt uns die eigene Erfahrung immer wieder neu», erklärte Francis Rivollet, International Management Deputy bei der NRJ Groupe. «Energy Zürich wird anders sein als alle übrigen 100 NRJ-Stationen.» Das ging offenbar nicht ohne Druck auf Goldbach Media. Dort sei man nicht einverstanden gewesen, Hitradio Z einfach in «Energy» umzubenennen, so Rivollet.
Das auf jung getrimmte Energy Zürich bringt eine hier zu Lande eher seltene Stärke mit: Das Radionetzwerk pflegt rege Beziehungen zu den Stars – und lässt sein Publikum daran teilhaben: Einladungen an Privatkonzerte, Backstage-Reportagen und Meet & Greets gehören dazu. Mit dem geballten Potenzial an Star-Connections erhält Radio 24 – bisher der einzige Sender mit einem Draht zur Welt des Glamours – jetzt scharfe Konkurrenz.
Auch DRS 3 und 105 im VisierFür die NRJ Groupe ist der Eintritt in den Zürcher Radiomarkt auch ein Novum, weil sie damit von ihrem bisher streng durchgehaltenen Businessmodell abrückt. «Das ist der erste Fall, bei dem die NRJ Groupe die Vermarktung dem lokalen Anbieter übergibt», erklärte Rivollet.
Die allergrösste Spannung gilt jetzt aber dem Publikumserfolg bei Energy Zürich. Klar ist schon jetzt: Wenn man das Zielgruppensegment um 15 Altersjahre verkürzt, müssen im Gegenzug etliche zielgruppenkonforme Hörer hinzugewonnen werden, damit die Abgänge einigermassen kompensiert werden. «Sehr viele unserer bisherigen Hörer werden bleiben, einige werden weggehen – damit müssen wir leben», sagte Frank. Energy Zürich werde aber darauf hinarbeiten, ein neues Publikum anzusprechen. «Zum Beispiel tönen wir sicher auch gut für Leute, die bisher DRS 3 oder 105 hörten.»
Keine einfache Sache ist die Berechnung der Werbetarife – denn die künftige Hörerzahl des umgebauten Senders steht im Moment in den Sternen. Und das wird bis einige Wochen nach dem Start so bleiben, wenn die ersten Radiocontrol-Zahlen vorliegen. Goldbach Media hat das Problem so gelöst: Die Tarife von Hitradio Z behalten bis Ende Jahr Gültigkeit, aber der Vermarkter gewährt einen Einführungsrabatt von 30 Prozent. Ab 2004 zählen die tatsächlichen Publikumswerte. Mit einem Verlust an Aufmerksamkeit rechnet Frank aber ohnehin nicht. «Wir glauben daran, dass Energy Zürich vom ersten Tag an etwas bewegen wird», meinte er.
Frische Brise über Zürichs Radiolandschaft: Mit dem Ende von Hitradio Z wechselt auch der optische Auftritt des Lokalsenders.
Aus Radio Edelweiss wird Basel 0neMit einem neuen Namen, neuem Format und neuem Logo geht auch das Baselbieter Radio Edelweiss in die Zukunft: Ab 25. August heisst es Basel One. Denn der Sender will die Stammhörerschaft so ausbauen, «dass Basel One ein erfolgreicheres Radio wird», sagt Tanja Schmidt, Leiterin audiovisuelle Medien bei der Besitzerin Basler Mediengruppe.
Intern bestehe zudem das ambitionierte Ziel, Basel One «bis in zwei Jahren zur Nummer eins in der ganzen Region – nicht primär in der Stadt Basel – zu machen», sagt sie.
Doch anders als bei Hitradio Z wird mit der Vergangenheit nicht gebrochen. «Basel One wird nicht etwas radikal Neues – aber anders wird es auf alle Fälle», sagt Schmidt. Auch bei Basel One hat NRJ, das zu 24 Prozent beteiligt ist, konzeptionell mitgearbeitet, doch sei «kein NRJ-Konzept übergestülpt worden», betont Schmidt. So steht auch noch nicht fest, wie Basel One vom internationalen NRJ-Netz profitieren wird. Schmidt möchte jedenfalls nicht, dass es bloss Star-Interviews von deutschen NRJ Radios übernimmt.
Den bisherigen Musikstil wird Basel One in etwa weiterführen, jedoch gezielter abgestimmt auf das Zielpublikum der 15- bis 40-Jährigen. Die News wünscht sich Schmidt prägnanter – und voraussichtlich zur vollen Stunde (in der Primetime auch halbstündlich). Bisher wurden sie jeweils fünf Minuten vor DRS und Basilisk ausgestrahlt.
Bei der Werbung wird Basel One neu Crossmedia-Pakete mit der
Basler Zeitung und dem Baslerstab anbieten. Bereits wurde der Personalbestand im Verkauf um zwei Mitarbeitende aufgestockt. (mk)
Weniger Einheitsbrei«Das Radio ist bereits erfunden, wir werden es aber trotzdem ein bisschen neu erfinden» – so der Tenor an der Kundenorientierung zur Lancierung von Energy Zürich. Das Rezept: Viel lokaler Bezug bei den stündlichen (am Morgen halbstündlichen) News – auf einem Musikteppich mit den «Hits der Stars von heute». Als garantiertes Publikumszugpferd konnte Zürichs bekannteste Morgenstimme, Roman Kilchsperger, verpflichtet werden. Er moderiert täglich von 5 bis 10 Uhr die Morgensendung «Energy – mein Morgen». Musikalisch ist mehr Abwechslung programmiert: Neue Musiktitel werden bereits früher gespielt und nicht erst, wenn sie in den vordersten Charträngen angelangt sind. Dafür werden sie aber auch rascher wieder ausgewechselt. Energy will zum Trendsetter werden – ganz nach dem Wunsch einer jüngeren Zielgruppe. (dse)
Daniel Schifferle