Zukunft der Werbung Teil II Zwölf Tendenzen zur Entwicklung der Werbung beschreibt Jean Etienne Aebi in seinem Buch «Einfall oder Abfall». Die ersten sechs Trends stellte die Werbewoche in ihrer Ausgabe vom 4. September vor. Über die folgenden sechs lesen Sie auf diesen Seiten.Mit vielen Beispielen ortet Jean Etienne Aebi zwölf Trends im derzeitigen Werbeschaffen und setzt sie in einen gesellschaftlichen Kontext. Die ersten sechs bezogen sich vor allem auf den emotionalen Zugang, den die Werbung bei der Darstellung von neuen oder alten Produkten zu potenziellen Kunden sucht, und zeigten dazu die gesamte Klaviatur der Werbemöglichkeiten. Im zweiten Teil schweift Aebis Blick nun über die verschiedenen Mittel der Marketingkommunikation, die heute Erfolg versprechend eingesetzt werden – und auch morgen nicht schon wieder von gestern sein werden. Der Fantasy-Highway
Futurismus ist nur das eine, um der Post-Star-Wars-Independence-Day-Generation in unserer Dotcom-Playstation-Society noch neuen Kitzel zu geben. Das andere sind moderne Märchen, die das wachsende Bedürfnis nach Ersatz der alten Helden und Verlierer bedienen. Vierte Art at its best, die neue und bestehende Markenkulte schaffen und nähren wird. Werbung, die gewaltiges Vergnügen bereitet und der Fantasie ihrer Empfänger freien Lauf lässt.
Beware of things made in October. Denn im Oktober finden die Major League Baseball Playoffs auf Fox Sports Television statt. Weshalb die Arbeiter in den Fabriken nur noch auf den Fernseher starren – und keine Schraube mehr festsitzt, keine Lötstelle mehr hält. Dies die Auflösung von Spots, in denen Leute ihr Motorboot nicht mehr steuern können, der Laubsauger zum Feuerspeier wird, die Nagelpistole von selbst losgeht und ein Tohuwabohu an kuriosesten Katastrophen resultiert. Zum Glück nur zum Totlachen.
Ohnehin längst eine der Benchmarks auf diesem Feld, nimmt die Budweiser-Kommunikation mit der wieder ganz anderen Serie «Real Men of Genius» nochmals einiges vorweg. Unterschnitten mit einem Rocksänger und einem Chor weiblicher Back-Vocals, die das soulige Loblied auf die «Real Men of Genius» anstimmen, wird da zum Beispiel der Innovationsgeist jener zelebriert und gepriesen, die à tout prix alles daran setzen, Hot-Dog-Würstchen zu züchten, die länger sind als alles, was die Welt schon gesehen hat. Mr. Foot-long-Hot-Dog-Inventors: Gleichzeitig als Helden gefeiert und der Lächerlichheit preisgegeben, wird ihnen dieser Film gewidmet. Von Bier ist da nirgends die Rede. Warum auch?
Doch auch eine Produkteigenschaft lässt sich zu Science-Fiction hochstilisieren. Weshalb im Spot für die bereits mal ausgewrungenen Levi’s «Twisted to fit»-Jeans die Leute ihre Köpfe, Hände, Beine usf. wie selbstverständlich um 360 Grad zu drehen vermögen.
Eine wieder andere Art der Fantasiebefriedigung das Skurrilitäten-Kabinett der coolen Kultpuppen und schrägen Symbolikobjekte. Der «Muppetshow»-ähnliche, bärtige, orange Flat Eric mit seinem normalmenschlichen Freund Angels in den Spots für Levi’s Sta-Prest. Jack mit dem aufgesetzten weissen Kugelkopf in intellektuellen Dialogen mit seinen Freunden für die Fastfoodkette Jack in the Box.
Die zwei Pupillen in Lebensgrösse, die überall auf der Strasse die Leute irritieren – «Irritating Eyes?», Werbung für Livostin Augentropfen. Der monströse Bierbauch in der Verfolgungsjagd eines flüchtenden, unbescholtenen Bürgers, der ihn dann doch noch loswird: Reebock – Lose the Beer Belly.
Der Nostalgie-PfadDie gegenläufige Richtung zur letzteren. Die Übersättigung und -forderung durch neue Technologien, neue Lebensentwürfe, neue Weltordnung, durch ständige News und sich selbst in immer schnellerer Frequenz ersetzende Aktualität – dieser Dauerdruck von aussen erzeugt zum Teil auch eine innere Abwehrhaltung. Nicht eine neue Verklärung von irgendwelchen guten alten Zeiten, aber schon das Gefühl, dass nicht alles, was neu ist, schon darum besser und wertvoller sein muss.
Rückbesinnung ist kein Tabu. «Back to the Roots» wird zur allgemeinsprachlichen Redewendung. Das ist keine auf die älteren Generationen beschränkte Reaktion. Etwas Flower Power wird wieder stilfähig. Blues und Rock barfähig. Bob Dylan wird neu digitalisiert aufgelegt. John Wayne lässt grüssen.
Retro, wie es die Werber nennen, ist eine häufiger benutzte Kategorie. Vom optischen Zitat aus alten Filmen von Orson Welles über Road Movies im Stil von «Easy Rider», einem Lebensgefühl à la «Howl» des Beat-Poeten Allen Ginsburg in der Gap-Werbung bis zum computeranimierten Auftritt des verstorbenen Steve McQueen im TV-Spot für Ford.
Zukunftsfähige Nostalgie auch die neue Geschichtsschreibung für Heineken Bier. Zum Beispiel das grosse nächtliche Rock Open Air. Ein Typ klickt sein Feuerzeug an, weil er seine Bierflasche am Boden sucht. Titel: July 15, 1978 – The Lighter Phenomenon is Born. Mit gefundener Flasche richtet er sich wieder auf und siehe da: Andere haben es ihm nachgemacht. Schliesslich sind es Tausende – ein Meer von Feuerzeug-Flämmchen. Slogan: It’s all about the beer. Heineken-Logo. Oder der Fat-Disc-Jockey. Weil die soeben aufgelegte Platte offensichtlich nicht gefällt, sucht er aufgeregt nach einer anderen, wobei seine Bierflasche umkippt und sich auf seinen Plattenspieler ergiesst. Unser DJ versucht per Hand die Platte zu putzen, wodurch das Hin-und-Her-Scratch-Geräusch entsteht: March 8, 1982 – The Birth of Scratching. Ganzer Saal begeistert. Und so fort.
Die Show-Down-Bühne
«To have lunch or be lunch» ist einer der neueren selbstzynischen Sprüche in der Wirtschaft, die auf immer härteren Konkurrenzkampf hinausläuft. Härtere Töne werden auch in der Kommunikation angestimmt. Vergleichende Werbung wird zulegen. Aber neu nicht nur in faktisch offensiver Argumentation, sondern – viel wirkungsvoller – auch emotional unterlegt, durchaus mit Schalk und Charme.
Das Duell war nicht nur im alten Western das Erfolgsrezept, es sorgt auch zwischen Präsidenten- oder Kanzler-Kandidaten in der heutigen Politik für die besseren Einschaltquoten. Häkkinen gegen Schumacher war für die Formel 1 viel publikumsstärker als die folgende jahrelange, reine Ferrarishow.
Der Schaukampf ist bestes Infotainment. Ob zwischen Gleichwertigen wie Pepsi vs. Coke oder als David-gegen-Goliath-Spiel wie seinerzeit Avis vs. Hertz. Beides wird in der Werbung wieder neu und häufiger umgesetzt werden. «Hurra! Avis vermietet den Smart für 99 Mark am Tag» und auf der nächsten Seite: «Haha! Für das Geld kriegen Sie bei Sixt einen Mercedes.» – Sixt macht es immer wieder vor. Schön auch die BMW-Anzeige, welche die Markenpositionierung «Freude am Fahren» damit umsetzt, dass der Parkplatz in der Tiefgarage zwischen einem Mercedes und einem Jaguar halt leer bleibt. Frech kontert Mercedes mit der Abbildung der Topmodelle von BMW, Lexus, Audi und Jaguar: Spitzenklasse. Aber nicht S-Klasse.
Solcher Schlagabtausch macht Spass und verschafft der Werbung ihrer Mitspieler ein unbezahlbares Plus an Aufmerksamkeit. Erst recht der Fall für die Apple-Switcher-Campaign, in der bisherige, enttäuschte Windows-Nutzer und heutige, enthusiastische Mac-Fans so handfest für Macintosh argumentieren, wie es sonst kein Werbetexter jemals dürfte.
Lustig auch, wenn ein imaginärer Konkurrent aufgebaut wird: Nach dem Titelsong «Komm sofort zum Stierli-Sport» wettert ein Heinz Stierli in einer Radiospotserie gegen Sportplausch Wider in Wallisellen. Letzteres sei gar keine City, weshalb er Wider verbieten lasse, seine beliebten Citybikes zu verkaufen. Die Racingbikes von Stierli seien schneller, er habe extra alle Bremsen abmontiert. Und so fort.
Die Art-Gallery
Das unverwechselbare Key Visual als visualisierte Brand Property einer Marke war schon immer und zu Recht ein Wunsch aller Werbeauftraggeber. Die interessantesten Beispiele haben damit gespielt, das besetzte Zeichen so variiert, dass es einem immer wieder neu bewusst wurde. So unter anderem die langjährige Kampagne der Nobelzigarette Silk Cut mit den Schnitten durch alle erdenklichen Stoffe und Oberflächen.
Diese Reduktion führt zu Lösungen, die «pure art» sein können. Anzeigen, die gerahmt über dem Sofa hängen oder sogar in Museen. Werbekunst, die auch draussen stattfinden kann – so haben die Austrian Airlines mit dem «Museum in Progress» Künstlern Grossplakatstellen überlassen. Worauf Farbreihen im Sinne des Konstruktivismus und Porträtgalerien die Passanten erfreuten. Und auch in filmischer Umsetzung führt eine solche schlicht-schöne Idee zum kleinen Kulturerlebnis: Die Spots für Fnac-Platten-/Video-/Buchläden, in denen zum Beispiel die suchenden Finger die CD-Reihe im Rhythmus von Tä-tä-tä-tääää… durchblättern, um dann Beethovens Fünfte rauszugreifen, zeigen, wies geht.
Das tut auch die Stella-Artois-Kampagne mit den künstlerisch hochstilisierten Anzeigenbildern, die suggerieren, dass es sich dabei um ein so hochklassiges Premium-Beer-Delight handelt, dass einem völlig egal ist, wenn dafür beim Öffnen des Kronkorkenverschlusses die Autohaube oder der Designerstuhl draufgehen: «Reassuringly Expensive». Fotografisches Kunstniveau, das eine Produktpositionierung zum kulturellen Momentum macht.
Schlicht schön die diamantenbesetzte Luxusuhr, auf der anstelle des Gucci-Logos «Lotto» steht. Eine Anzeige der Nordwest Lotto-Toto-Gesellschaft. Ästhetik pur die Air-France-Motive, in denen der Flieger zum Beispiel einer Frau zum Ohr hinauszufliegen scheint.
Die Guerilla-Strategie
West lässt ihr Markenbild auf einer Sojuskapsel in den Weltraum schiessen. In «Minority Report» von Steven Spielberg tragen schwebende Zukunftsautos das Lexus-Logo. Fay Weldon wird dafür bezahlt, einen Roman mit dem Titel «The Bulgari-Connection» zu schreiben. Vodafone auf den T-Shirts von Hauptdarstellern in Werbefilmen für Stratos Candy Bar oder Pepsi. Werbe-Soap-Operas für Nestlé, Tankstellen-Sitcom für DEA.
Ein kruder Spot für Reebok, in dem zwei Abenteurer ihren eigenen Urin trinken, darf nur auf dem Internet laufen – wofür aber in der Presse Werbung gemacht wird. «Drogen? Piss drauf!» klebt in Pissoir-Schüsseln in Polen (Anti-Narcotics-Program). «Don’t jump» liest auf dem Busdach, wer in Virginia aus dem Fenster hinunterschaut – auf fahrende Werbung für Careerbuilder.com. Die Polizei von Springfield in Florida verhaftet im Namen von McDonald’s, die ihre Autos sponsert. Schulen in Texas tragen das Logo ihres «Donators» Dr. Peppers.
Neben der flächendeckenden Flugwaffenwirkung klassischer Werbung wird immer mehr auf Guerillatruppen und Sonderkommandos gesetzt. Kommunikative Umzingelung, Infiltration, Subversion. Nicht nur per Eventmarketing, Sponsoring, Product Placement und Bartering (eigene kommerzielle Sendegefässe). Auch wer kleinere Brötchen brät, wird in Zukunft nicht mehr nur dort werben, wo man es erwartet, sondern zunehmend auch anderswo.
Behind-and-off-the-line, Überraschungsangriff und Verblüffungsgranaten. So wie Swatch im Bahntunnel mit einer Bilderfolge, die im Zugstempo einen Film ergibt. In diesem Sinne die echten Jeans von Dockers, die in New York an Busstationen hängen. Der Zeppelin, der für Orange über die Stadt fliegt.
Höchst wirkungsvoll Medien- und Publikumsreaktionen auslösend der Feldzug «Wir bleiben dran» der Zeitung Tages-Anzeiger. In lokale bis globale Aktualitäten mischt er sich direkt am Ort des Geschehens ein. Mit subversiv platzierten Plakatstellen oder dort abgestellten plakatversehenen Lieferwagen vor dem Büro oder im Gelände von Betroffenen – und diese zitierend beim Wort nehmend. In Zürich auf den Schweizer Privatfernsehpionier gemünzt: Fernsehen, das wissen wir bereits, ist erbarmungslos. Roger Schawinski, wir bleiben dran. In Bonn auf den (seinerzeit) amtierenden Regierungschef gezielt: Wir werden ernten, was wir gesät haben. Herr Bundeskanzler Kohl, wir bleiben dran. Diese Strassenaktionen dann multipliziert durch Wiedergabe in Anzeigen.
Kein traditionelles Sponsoring ist es, wenn Reebok für die Leichtathletikmeisterschaften ihre Vertragspartner kollektiv an den interessantesten Körperstellen tätowieren lässt. Wenn das Puma-Raubtierlabel auf dem Ringfinger von Marlene Ottey blinkt und einen aus den Kontaktlinsen von Linford Christie anblickt. Wenn der Mundschutz von Eishockeyspielern mit »Nike« in die Kamera grüsst.
Der Mitspiel-Virus
Eine andere Spielform der kommunikativen Unterwanderung ist die Werbung, die das Publikum in ihre Entwicklung oder Verbreitung einbezieht. BMW-Spots, die nur im Internet laufen und da bewertet werden können. Marken-Chatrooms, in denen Net-Freaks zum Besten geben, was sie wollen. Viral Marketing und Advergaming. Anzeigen mit nichts als einer Telefonnummer, auf der dann der Sound Commercial abläuft. Louis Vuitton verteilt in Berlin Spezialbrillen, mit denen Verkehrsampeln und Autoscheinwerfer plötzlich das Markenlogo wiedergeben.
Die Produzenten von Schweizer Milch laden online zum Adventsquiz im Wettbewerb mit ihrer hoch beliebten Werbefigur, der Milchkuh Lovely. Das Product Placement wird vom Sender ABC um die Variante bereichert, dass die gezeigten Produkte in der Soap Opera «All My Children» in den Werbepausen direkt zum Verkauf angeboten werden.
Die Welt wird noch mehr dieser neuen Dimension von interaktiver Werbung erleben. Sie wird spektakuläre Züge haben wie auch amüsante, nachhaltige Formen. Bereits haben in «Mission Mini» 21 Teams aus 17 Ländern in 121 neuen BMW Minis eine hollywoodreife Agentenjagd nach in Barcelona gestohlenen Bildern bestritten. Verfolgt von einer Horde von Polizisten und über 100 Journalisten und Kamerateams – mediale Multiplikation rund um den Globus. Tausende bewerben sich freiwillig um die Wahl zum neuen Coke-Light-Man – um auch mal in die Werbung zu kommen.
Es geht auch eine Nummer kleiner – wie mit unserer Kampagne für den Verband Schweizer Presse. Um die vergleichslos intensive Auseinandersetzung mit dem Medium Presse zu demonstrieren, werden Prominente eingeladen, mit Rotstift direkt auf den Druckbögen redaktioneller Seiten ihre Kommentare abzugeben, worauf diese Seiten so erscheinen. Unzählige, so gesehen Gratisanzeigen, von Lesern gestaltet, in hunderten von Titeln.
Entscheidend bleibt so oder so die spezifische, eigene, originäre Idee
Die einen Tendenzen sind inhaltlicher Natur, die anderen betreffen mehr die Umsetzung inklusive der medialen. Kein Trend wird eindeutige Dominanz entwickeln und andere ausschliessen. Selbstverständlich sind es deshalb zum Teil sehr widersprüchliche respektive gegensätzliche. Alles hat seinen Platz. Nichts ist unmöglich. Zukünftig nur noch mehr.
Mit technischen Konzeptionskategorien und formalen Gestaltungskriterien hat das wenig zu tun. Komm, wir machen einen Prominenten-Spot, ist überhaupt keine Idee. Ein schlagender Einfall hingegen, wenn die Parteipräsidentin der CDU mit ihrer biederen Haartracht und daneben mit hoch aufgestelltem Haar gezeigt und darunter geschrieben wird: Lust auf eine neue Frisur? Mieten Sie sich ein Cabrio. Von Sixt.
Wir benutzen einen berühmten Sportler als «voice-of-authority»: Ein solcher Vorschlag bringt noch gar nichts. Den 40-jährigen Michael Jordan gegen sich selbst als 15-Jährigen (in einer digitalen Version) antreten zu lassen, um zu zeigen, dass er heute genauso lange durchhalten kann wie vor 25 Jahren – das dramatisiert brillant, wozu der isotonische Drink Gatorade gut ist.
Wird es also künftig mehr oder weniger Testimonials geben? Es wird. Ist das Vorher-Nachher-Schema noch geeignet oder nicht? Es ist. Hat der Presenter-Spot ausgedient oder Zukunft? Er hat. Werden Produktdemos mehr Sinn machen oder weniger? Sie werden. Wird Reduktion weiterhin ein gutes Rezept oder Kaffee von Gestern sein? Sie wird. Sind Doppelseiten zukünftig in oder out? Sie sind.
Diese Fragen sind falsch gestellt und deshalb uninteressant. Die erfolgreichen Kreativen haben sie sich kaum je gestellt. Sie suchen nach dem aussergewöhnlichen, überraschenden Einfall. Dessen Umsetzung benutzt dann vielleicht das eine oder andere Mittel, das in der Terminologie fleissiger Besucher des ersten Semesters eines Werbekurses Testimonial oder Demonstration oder Reduktion heisst. Der umgekehrte Weg ist eine Sackgasse.
Das Wissen um Kategorien und das Benutzen von Denkmustern produzieren noch keine herausragende Werbung mit der erwünschten Wirkung. Nur der Einfall wird nicht zu Abfall.
Einordnungsversuche sind ohnehin regulativ, nie innovativ. Das gilt auch für Trendprognosen. Die hier dargelegten nicht ausgeschlossen. Welchen Weg sollen Sie nun also für Ihre nächste Kampagne wählen? Fantasy-Highway oder Nostalgie-Pfad? Am besten Ihren eigenen.
Gewusst wie und warumDieser Text stammt aus dem 436-seitigen Buch «Einfall oder Abfall – Was Werbung warum erfolgreicher macht», das Anfang Oktober im Verlag Hermann Schmidt Mainz, ISBN-Nummer 3-87439-638-X, Fr. 79.80, erscheinen wird. Die Schweizer Präsentation des Buches findet am 1. Oktober ab 18.00 Uhr im neuen Vortragssaal Kunsthaus Zürich statt. (ww)
Der Fantasy-HighwayModerne Märchen dürfen auch mal ironisierend erzählt werden, wie im Budweiser-Spot «Real Men of Genius» mit den «Erfindern» der längsten Hot-Dog-Würste der Welt.
Der Nostalgie-PfadRetro kann auch cool sein, wenn im TV-Spot Geschichten erfunden werden: Das Feuerzeug-Lichtermeer verdankt die Popmusik einer verzweifelten Suche nach Heineken.
Die Show-Down-BühneSchön frech, die Positionierungskampagne von BMW für «Freude am Fahren» – Noch schöner, wenn die Konkurrenz das Sujet aufnimmt und zum Show-Down auf die Anzeigenbühne bittet. Denn davon
profitieren am Ende beide Marken.
Die Art-GalleryFotografisches Kunstniveau vermittelt die Produktpositionierung für das Bier Stella Artois und erhebt so die Anzeige in den Adelsstand des
kulturellen Momentum.
Die Guerilla-StrategieÜberraschen, wo Werbung nicht erwartet wird, ist ein Merkmal gelungener Guerilla-Strategie: Hier für die Website Careerbuilder.com
Der Mitspiel-VirusProminente kommentieren Medien mit dem Rotstift: Leser werden zu
Anzeigengestaltern, in diesem Fall für die Publicis-Kampagne für den Verband Schweizer Presse.
Jean Etienne Aebi