Fundraising In einem neuen Spot von Ruf Lanz bittet das Blindenwohnheim Mühlehalde auch dieses Jahr um grosszügige Beiträge.Hungerbäuche, Leprageschwüre und traurige Kinderaugen: Seit dem 18. Oktober versuchen – alle Jahre wieder – unzählige Organisationen über das Mitgefühl die Brieftaschen der Wohlstandsgesellschaft zu erreichen. Spende heisst das Zauberwort, das dem Bürger erlaubt, mit reinem Gewissen und steuerlichen Abzugsmöglichkeiten ins neue Jahr zu rutschen. Dass sich aber in Zeiten der Krise jeder selbst der Nächste ist, beweisen die Zahlen des GfS-Forschungsinstituts schwarz auf weiss: 2002 ist das gesamte Spendenvolumen in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um rund 13 Prozent geschrumpft. Umso härter wird da der Kampf der rund 300 Zewo-anerkannten Organisationen um finanzielle Unterstützung. Eine davon ist die Stiftung Mühlehalde, die Trägerin des gleichnamigen Blindenwohnheims in Zürich ist. Dieses hat 2002 die Agentur Ruf Lanz um kreative Unterstützung beim jährlichen Spendenaufruf gebeten. Dass man etwas ganz anderes machen würde als alle anderen, stand für Danielle Lanz und Markus Ruf ausser Frage. «Wir wollten die blinden Menschen nicht als Behinderte darstellen, die unser Mitleid brauchen», so der CD.
Stattdessen appellierte das Kreativduo über die Lachmuskeln an die Herzen potenzieller Spender, indem sie zeigten, was geschieht, wenn sich die blinden Seniorinnen und Senioren – die sich in den Spots gleich selbst mimten – gegenseitig helfen müssen: Ein Spaziergang endet im See und eine Shoppingtour mit unpassenden T-Shirts.
Der Mut zum Humor hat sich für die Heimleitung bezahlt gemacht. Etwa 700 neue Gönner konnten in der Zeit von Mitte Oktober bis Ende Dezember gewonnen und die Spenden damit um 118 Prozent auf rund 800000 Franken gesteigert werden. Da mit dieser Summe der Finanzbedarf von 1,5 Millionen Franken aber noch lange nicht gedeckt ist, wartet das Wohnheim seit kurzem mit einem neuen Spot auf.
Die Magie schwarzer BrillenDiesmal wollte man mehr Heimbewohner in die Produktion einbeziehen, wie Markus Ruf erklärt. Schliesslich waren die drei Frauen der Vorgängerspots von der Presse regelrecht «gejagt» worden, sodass man am Schluss den Eindruck gewann, sie würden die schwarzen Brillen tragen, damit man sie nicht erkenne, schmunzelt der CD.
Diese schwarzen Brillen waren dann auch die zündende Idee für eine würdige Fortsetzung der letztjährigen Kampagne. Das Utensil ist nämlich das Markenzeichen eines der berühmtesten – und reichsten – Blinden der Welt: Stevie Wonder. Vier Wochen lang hat der Chorleiter der Mühlehalde mit den Bewohnern den Wonder-Hit «I just called to say I love you» eingeübt. In einer aufwändigen Produktion – das Studio lag im dritten Stock ohne Lift – inszeniert der Film eine Plattenaufnahme und enthüllt für alle hörbar, dass «nicht alle blinden Menschen mit Singen Millionen verdienen können».
Flankierend zum Spot, der sowohl im Fernsehen als auch in den Kinos läuft, hat Ruf Lanz ein Sujet für Tramplakate, Inserate und für
E-Boards kreiert. Aus drei schwarzen CDs der blinden Sänger Stevie Wonder, Ray Charles und Andrea Bocelli ist auf gelbem Hintergrund ein Blindenzeichen entstanden. Singen wollten die Belcanto-erfahrenen Stars von der Mühlehalde aber nur etwas von Stevie Wonder oder Ray Charles. Bocelli, so waren sich alle einig, sei «Kitsch».
Simone Keller