«Die Cash-Grösse ist ideal für Kinderarme»

René Gehrig, Initiant und Verleger von «Cracks for Kids», glaubt an seine Unabhängigkeit und den Anzeigenmarkt.

René Gehrig, Initiant und Verleger von «Cracks for Kids», glaubt an seine Unabhängigkeit und den Anzeigenmarkt.WW Herr Gehrig, offiziell figuriert Ringier nur als Ihr logistischer Partner. Wie weit reicht der Einfluss des grössten Schweizer Verlagshauses wirklich?René Gehrig Keinen Millimeter über die Technik hinaus. Ringier steht mit uns in einem branchenüblichen Vertragsverhältnis und liefert uns eine integrale Druck- und Servicelösung. Dafür hat ein so kleiner Newcomer wie wir einfach nicht die nötige Infrastruktur. Dass CfK im Cash-Format erscheint, hat diese Partnerwahl erleichtert.
Eine Kinderzeitung könnte man sich auch im trendigen Tabloid vorstellen.
Nicht wenn man, wie wir, ein kritisch-kompetentes Qualitätsblatt machen will. Die einzige Gemeinsamkeit mit 20 Minuten besteht darin, dass auch bei uns der Name Programm ist. Wir wollen den Heranwachsenden vor allem ein echtes Zeitungsfeeling bieten. Wie ich bei meinem neunjährigen Sohn beobachten konnte, ist die Cash-Zwischengrösse dafür ideal, weil sie etwa der Spannweite von Kinderarmen entspricht.
Werden in «CfK» heikle Themen wie Kinderarbeit oder Markensucht
behandelt? Immerhin könnten potenzielle Inserenten wie etwa
Nike dabei schlecht wegkommen.
Wenn eine solche Geschichte fundiert daherkommt, dann hätte ich damit keinerlei Probleme. Die journalistische Unabhängigkeit ist unser oberstes Gebot, direkt gefolgt allerdings von einer kindergerechten Themenaufbereitung und -darstellung…
…für eine äusserst heterogene Zielgruppe. Schliesslich haben 9- und 13-Jährige sehr unterschiedliche Interessen und Lesekompetenzen.
Dieser Umstand spielt bei Themenauswahl und Gestaltung eine entscheidende Rolle. So werden wir Sprachstil und Schriftgrösse so wählen, dass uns ein 9-Jähriger problemlos lesen kann, eine 13-Jährige jedoch nicht unterfordert ist oder das Gefühl hat, vor einem Plakat zu stehen. Eine integrative Funktion werden hier Comics haben.
Gewähren Sie Anzeigenkunden Einführungsrabatte?
Das werden wir nur indirekt tun: Unsere Startauflage wird rund 25 Prozent über den mittelfristig angepeilten 50 bis 60000 Exemplaren liegen, aber mit 9900 Franken pro Seite gleich viel kosten.
Ihre Longterm-Partner werden den Launch wohl durch PoS-Massnahmen unterstützen.
Richtig. Im Januar lassen wir CfK bereits samstags vor den grossen MediaMärkten verteilen. Zudem werden in der Einführungsphase – also im Weihnachtsgeschäft – die einschlägigen DVDs und CDs mit Hinweisklebern versehen. Deren Aufschrift lautet «CfK – Deine Sonntagszeitung ab Januar am Kiosk».Interview:
Oliver Classen

Mitlinks designt drei Websites neu

Die Webagentur Mitlinks gestaltet dem Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich die Website neu.

Die Webagentur Mitlinks gestaltet dem Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich die Website neu.Die Webagentur Mitlinks gestaltet dem Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich die Website neu. Das Institut für Körperzentrierte Psychotherapie (IKP) lässt ebenfalls seine Website redesignen und ein Extranet für die Studierenden schaffen. Ferner erhielt die Webagentur ein Mandat der Puressence Würsten AG, für die sie unter Aromaworld.ch einen E-Shop realisiert.

Schönste Bücher der Schweiz gesucht

Das Bundesamt für Kultur (BAK) schreibt den Wettbewerb «Die schönsten Schweizer Bücher» aus. Buchgestalter, Verlage und Druckereien können ihre Produkte bis 10. Januar 2004 anmelden.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) schreibt den Wettbewerb «Die schönsten Schweizer Bücher» aus. Buchgestalter, Verlage und Druckereien können ihre Produkte bis 10. Januar 2004 anmelden.Mindestens einer der drei Partner muss in der Schweiz tätig sein. Zum Wettbewerb zugelassen sind alle in diesem Jahr erschienenen Bücher. Die prämierten Titel erhalten eine Urkunde und werden im Museum für Gestaltung Zürich und im Musée de design et d’arts appliqués in Lausanne ausgestellt. Anmeldeformulare stehen auf www.bak.admin.ch bereit.

Das Böse steht Kopf, bis das Gute hilft

Fundraising Die neue Kampagne von Caritas Schweiz wendet das Schicksal von Armen zum Guten.

Fundraising Die neue Kampagne von Caritas Schweiz wendet das Schicksal von Armen zum Guten. Bis zum Überdruss wird der Medienkonsument mit Kriegen, Konflikten und Katastrophen gefüttert. Was soll der Einzelne dem vielen Elend entgegensetzen? Zu viele negative Informationen schaffen einen Nährboden für Resignation. Von dieser Prämisse sind die Verantwortlichen von Caritas Schweiz ausgegangen, als sie in ihrer neuen Fundraising-Kampagne das Publikum zu aktivem Handeln anregen wollten – trotz aller Gefühle von Ohnmacht, die sich im Blick aufs Elend einstellen wollen. Caritas ermutigt den Medienkonsumenten, Negatives in Positives zu wenden, und das buchstäblich.
Seit drei Jahren schon nimmt das Hilfswerk die Dienste der Agentur Grendene Ogilvy&Mather in Anspruch. Ihr neuer TV-Spot beginnt mit einer Szene des Elends, die auf den Kopf gestellt läuft. Die dazugehörende Botschaft lautet: «Bitte wenden!». Irritiert folgt der Zuschauer einem neunjährigen Mädchen, das auf einer Müllkippe in Rio de Janeiro Plastikflaschen sammelt, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Dann erst dreht sich das Bild, und die Auflösung folgt der neuen Einstellung: Mit dem Eintritt ins lokale Caritas-Betreuungs- und Ausbildungsprogramm erhält das Kind als eines von 1000 Nahrung, Unterkunft, Schulung und Arbeit. Das erste Ziel ist erreicht. Das elternlose Kind ist von der Strasse weggekommen. Durch Betreuung und handwerkliche Tätigkeiten hilft Caritas mit, dem Kind eine Zukunftsperspektive zu vermitteln.
Der 30-Sekunden-Spot ist ab November auf SF DRS zu sehen. Gedreht hat ihn Reto Salimbeni Anfang Oktober in den Favelas der brasilianischen Stadt. Die Kamera bediente Dokumentarfilmer Felix Karrer. Das Direct Marketing für die zum Spot ebenso wichtigen Einzahlungsscheine besorgt Spinas Gemperle.
Dokfilmer Karrer stellt den Caritas-Spot auf den Kopf, um über die Irritation Mitleid zu wecken.
Andreas Panzeri

Die ganze Welt in Luzern

Bankenmarketing Die Luzerner Kantonalbank positioniert ihr Private Banking als nahe liegenden Dienstleister mit global fokussierten Produkten.

Bankenmarketing Die Luzerner Kantonalbank positioniert ihr Private Banking als nahe liegenden Dienstleister mit global fokussierten Produkten.Langsam macht sich wieder Bullenoptimismus breit im Finanzmarkt. Nicht dass die Luzerner Kantonalbank (LUKB) unter der Rezession gelitten hätte. Dank erfolgreichen Kostenmanagements und überlegter Risikostrategie bewies sich die LUKB als widerstandsfähig. Das schlägt sich im Aktienkurs, in der Ausweitung der Bilanzsumme und in den Noten der Ratingagenturen nieder.Im Vergleich zu den Geschäftsbereichen Retail- und Firmenkunden schnitt das Private Banking (PB) in Folge des tieferen Umsatzvolumens und der Kursverluste weniger gut ab (–22,7%). Doch statt nur die Stabilisierung anzupeilen, scheint man sich im Rahmen des Turnaround-Plans auch um eine Wachstumsstrategie gekümmert zu haben. Denn für den 1999 eingeführten Bereich hat die LUKB den autonomen PB-Kommunikationsetat konstant gehalten.
Keine Verwässerungsgefahr
Erweitert hat sich indes das Spektrum der Medien. Wurde Ottiger & Partner vorerst als Agentur für Below-the-line-Massnahmen bestimmt, zeichnet die Luzerner Agentur nun auch für die Imagekampagne verantwortlich. In Bildsprache und Claim hebt sich diese zwar vom LUKB-Dachauftritt ab, aber «eine Verwässerung befürchten wir nicht, weil wir uns klar zum Stammhaus verpflichten», erklärt Sacha Johann, LUKB-Marketingverantwortlicher. Mit dieser zielgenauen Ansprache geht die Bank bewusst auf eine Gratwanderung zwischen den traditionellen Kunden und potenziellen Anlegern.
Die steigende Zahl der Institute, die diesen Kundensektor bewirtschaften, macht die eigenständige Kampagne plausibel. Als Reaktion auf die ZKB-Offensive seien die Kampagne und der ähnlich lautende Claim nicht gedacht. Vielmehr gehe es darum, das Vertrauen im Wirtschaftsraum Luzern, aber auch im deutschsprachigen Ausland sowie im Tessin zu stärken und die eigenen Marktanteile auszubauen.
Weil Werte wie Sicherheit und Kompetenz kaum Spielraum für Differenzierungen bieten, entschied man sich für Kundennähe. «Auch hier mied das Kreativteam ausgetrampelte Pfade und entwickelte ein Konzept, das auf dem Gedanken ‹warum in die Ferne schweifen› basiert», sagt René Amstutz, Beratungsgruppenleiter bei Ottiger & Partner. Gezeigt werden ungewohnte Ansichten von Luzern, die bei einem flüchtigen Blick an bekannte Landschaften oder Sehenswürdigkeiten aus der ganzen Welt erinnern. Mit selbstironischen Headlines schlägt die LUKB nicht nur Imagekapital aus der Tourismusregion Zentralschweiz, sondern baut eine Brücke zu Attributen, die man üblicherweise vor allem den Grossbanken zuschreibt.
Kokett spielt Ottiger & Partner für die LUKB mit dem Tourismusbild, das Luzern gerne vermittelt.
Bankenmarketing Ottiger & Partner verzaubert fürs Private Banking der LUKB das Naheliegende mit poetischer Ironie.
Luca Aloisi

NR-Kommission will keine Tabakwerbung mehr

Werbeverbote I Der Nationalrat soll ein Verbot der Tabakwerbung nach europäischem Vorbild ernsthaft prüfen.

Werbeverbote I Der Nationalrat soll ein Verbot der Tabakwerbung nach europäischem Vorbild ernsthaft prüfen.Werbeverbote I Der Nationalrat soll ein Verbot der Tabakwerbung nach europäischem Vorbild ernsthaft prüfen. Seine Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) beantragt ihm mit 11 zu 7 Stimmen bei 2 Enthaltungen, einer Einzelinitiative Folge zu geben. Christian Grobet (SP) hatte sie eingereicht, weil verschiedene Vorstösse zum Schutz der Jugend beim Bundesrat nichts gefruchtet hätten.

Fashion-Fusion

Frauenzeitschriften Ringier lässt Edelweiss in Bolero aufgehen.

Frauenzeitschriften Ringier lässt Edelweiss in Bolero aufgehen.Im Februar 2003 erst ist Ringier mit Edelweiss in den Frauenzeitschriften-Markt der Deutschschweiz vorgestossen, nun wird der Titel wegfusioniert: Er geht in Bolero auf, das Ringier rückwirkend per 1. Juli 2003 zu 100 Prozent erworben hat. «Ringier will mit der Verschmelzung der beiden Produkte unter der Marke des Luxusmagazins Bolero seine Stellung im Mode- und Lifestyle-Segment ausbauen», heisst es im Communiqué. Die letzte Edelweiss-Ausgabe erscheint Ende November (Dezember-Ausgabe), Ende Januar 2004 folgt die fusionierte Bolero-Ausgabe mit einer leicht erhöhten Auflage. Denn Edelweiss kam bisher auf «etwa 10000 bis 20000 Exemplare, inklusive Schnupperabos», erklärt Johannes Hummel, stellvertretender Leiter Ringier-Zeitschriften Deutschschweiz. Das Medienhaus übernimmt die gesamte Bolero-Crew, spricht aber bei Edelweiss Kündigungen aus. Sämtliche Bolero-Aktivitäten werden weitergeführt. Bolero und das Westschweizer Edelweiss werden redaktionell und verlegerisch zusammenarbeiten, Details werden noch diskutiert. (mk)

Billigere Pendler

Tarife 20 Minuten erhöht die Tarife und senkt den TKP.

Tarife 20 Minuten erhöht die Tarife und senkt den TKP. Der Reichweitengewinn der Pendlerzeitung von 36,9 Prozent hat ihren Preis: Anzeigen in 20 Minuten werden national um 18,5 Prozent teurer und kosten neu 28600 Franken (Brutto-Einheitstarif für eine ganze Seite). Damit verbessere sich auch das Preis-Leistungsverhältnis, betrage doch der neue TKP 39,75 Franken, sagt Verlagsleiter Rolf Bollmann. Auch die Tarife der Regionalausgaben schlagen auf, jedoch unterschiedlich: Der Tarif bei der Ausgabe Bern wird um 34,7 Prozent auf 9200 Franken erhöht, jener für Basel auf neu 8000 Franken (+27,5 Prozent), und die Ausgabe Zürich verteuert sich um 24,9 Prozent auf 13800 Franken. Zudem kommt 20 Minuten einer Forderung der Schweizer Werbeauftraggeber entgegen und schafft einen einheitlichen Millimetertarif für Stellen und übrige Rubriken. National beträgt dieser neu 8 Franken, für Zürich 4 Franken, für Bern 2,5 Franken und für Basel 2,15 Franken. Übrigens: Die Ausgabe Zürich generiert 56 Prozent aller 20-Minuten-Leser, jene in Bern 27 Prozent und die Ausgabe Basel erreicht 17 Prozent aller Pendlerblattleser. (mk)

Ogilvy bringt Sandoz nach Deutschland

Unter dem Namen Sandoz will der Basler Chemiekonzern Novartis künftig sein Generikageschäft bündeln. Den Etat für den Relaunch der Marke in Deutschland hat Ogilvy Healthcare gewonnen.

Unter dem Namen Sandoz will der Basler Chemiekonzern Novartis künftig sein Generikageschäft bündeln. Den Etat für den Relaunch der Marke in Deutschland hat Ogilvy Healthcare gewonnen.Ogilvy setzte sich laut Presseberichten gegen Euro RSCG Life und Publicis Vital durch. Anfang 2004 wird eine Kampagne starten, die auf Fachwerbung setzt. Sandoz löst in Deutschland die Marke Azupharma ab; in der Schweiz gehört Schönenberger Pharma zur neuen Sandoz.

Mediaspezialisten sind Quereinsteiger

Die Hälfte der Mitarbeiter von Schweizer Media-Agenturen sind durch die Vermittlung von Freunden und Bekannten zu ihrer Stelle gelangt.

Die Hälfte der Mitarbeiter von Schweizer Media-Agenturen sind durch die Vermittlung von Freunden und Bekannten zu ihrer Stelle gelangt.Die Hälfte der Mitarbeiter von Schweizer Media-Agenturen sind durch die Vermittlung von Freunden und Bekannten zu ihrer Stelle gelangt. Nur 65 Prozent haben eine mediaspezifische Ausbildung
absolviert – und profitierten kaum davon: In einer Studie des Media Trend Journals sagten zwar 88 Prozent, ihr Fachwissen habe sich dadurch erhöht. Jeweils über 60 Prozent meinten aber, weder beim Einstieg in die Branche noch beim Salär noch auf der Karriereleiter habe sich die Ausbildung bezahlt gemacht. Mehr über die Ergebnisse der Studie lesen Sie in der
Novemberausgabe des Media Trend Journals. Einzelausgaben können
direkt auf www.mtj.ch bestellt werden.

Lernen vom Buhmann

Aufgefallen Anders als Moritz Leuenberger will und braucht Christoph Blocher keine Bea Tschanz. Statt auf PR-Berater setzt er einzig auf seinen Instinkt für Themen. Grösster Trumpf des Volkstribuns ist jedoch seine Authentizität.

Kolumne Anders als Moritz Leuenberger will und braucht Christoph Blocher keine Bea Tschanz. Statt auf PR-Berater setzt er einzig auf seinen Instinkt für Themen. Grösster Trumpf des Volkstribuns ist jedoch seine Authentizität.Ist das noch die Schweiz? Das Land vibriert ja förmlich – wegen der Politik! Auf der Szene: drei Getriebene und ein durchtriebener Treiber. Und der jagt die ganze Meute lachend durchs Dorf, genau in die Richtung, die ihm passt. Wer je einen Kurs in AgendaSetting brauchen sollte: Der ideale Dozent wäre Christoph Blocher. Oder etwa doch nicht? Wahrscheinlich könnte er nämlich nicht mal erklären, warum er alles richtig macht und wie die anderen Parteigewaltigen regelmässig in seine Kommunikationsfalle tappen. Der Mann ist einfach ungeheuer instinktsicher. Man mag ihn und seine Inhalte mögen oder nicht: Lernen lässt sich alleweil von ihm.Stattdessen jedoch beschimpfen sie ihn. Kein anderer Politiker ist in den letzten Jahren von den Medien so heftig angefeindet worden. Ausser Unzucht mit Kindern haben sie Blocher alles vorgeworfen: Lohn-Dumping, Waffenhandel, Börsenspekulation, Neonazi-Verstrickungen… Alles Luftheuler, zum Teil sogar Verleumdungen, schlimmer als die Borer-Geschichte. Und wie hat er reagiert? Hat er Gerichte und Anwälte bemüht? Hat er wenigstens Berater beigezogen? Nichts dergleichen. Sein Tribunal ist die Öffentlichkeit, und PR-Leute hält er sowieso verächtlich für «Fassadenreiniger».
Lernen kann man zum Beispiel, dass Politik nichts anderes ist als Öffentlichkeitsarbeit an und – vor allem – für sich. Dass ein Politiker, der Spin doctors, Einflüsterer, Händchenhalter und Leichenschminker braucht, nichts taugt, weil das Spüren und (Be-)Setzen von Themen eigentlich sein genuiner Job wäre, dies lässt ein Kaliber wie Blocher seine Konkurrenz nur beiläufig, aber umso deutlicher spüren.
Der bestgehasste Politiker der Schweiz indes zeigt sich zugänglicher denn je. Neuerdings spricht er sogar mit Ringier-Blättern, die ihn seit Jahren per Stallorder bekämpfen. Denn er weiss: Je williger er sie bedient, desto billiger besorgen sie sein Geschäft. Blocher ist Unternehmer; vom Gegenwind, der ihm ins Gesicht bläst, nutzt er sozusagen den Umkehrschub als Eigenenergie.
Man mag ihn mögen oder nicht, aber er zeigt, dass ein authentischer Typ bei der Mehrheit des Publikums unabhängig vom Medieneinfluss gut ankommt. Auch andere Politiker profitieren von diesem Effekt: Vor 30 Jahren war es James Schwarzenbach, heute sind es Persönlichkeiten wie Kaspar Villiger, Peter Bodenmann, Ernst Mühlemann und manchmal Franz Steinegger. Dafür braucht ein Moritz Leuenberger jetzt Bea Tschanz, damit ihm endlich jemand sagt, was auf seinem Zürcher Heimmarkt in Sachen Fluglärm so läuft.
Politiker bedienten sich immer schon der Medien. Im 19. Jahrhundert, als die meisten unserer Zeitungen gegründet wurden, dienten sie als Plattformen und Lautsprecher für da-hinter stehende Parteien. Seitdem ist einiges passiert mit dieser Schweiz: Bildung, Massentourismus, Verstädterung, Autoritätskrise, Frauenemanzipation, Konsumexplosion, Informatisierung, Beschleunigung bis zur globalen Gleichzeitigkeit. Heutige Bürgerinnen und Bürger brauchen die Medien nicht mehr als Kanzeln oder als Katheder, eher als Suchmaschinen, als Bühnen, allenfalls als Zeitspiegel. Kluge Politiker merken das. Die anderen versuchen derweil, die nicht mehr so leicht steuerbaren Medien mit Verfassungsartikel, der Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie des RTVG, mit einer tückischen Presseförderung und zugleich mit der Keule jakobinischer Werbeverbote gefügig zu machen.
Das alles wird vermutlich scheitern. Denn mit dem Medienbild des 19. Jahrhunderts ist im 21. nicht mehr viel auszurichten. Blocher weiss das. Die anderen müssen es noch lernen. Ob von ihm oder trotz ihm, spielt eigentlich keine Rolle.
PS: Würde er die politischen Geschäfte so gut führen wie er seit zwei Wochen die Öffentlichkeit manövriert, wäre er ein exzellenter Bundesrat!
Karl Lüönd über den sicheren Medieninstinkt Christoph BlochersHat Helvetia fest im Griff und ist ein durchtriebener Treiber: Noch-nicht-Bundesrat Christoph Blocher.
> Karl Lüönd ist Publizist, Buchautor und Leiter des Medieninstituts desVerbands Schweizer Presse.

Wovon Werber lieber nicht träumen

Aufgefallen Das hat sich offenbar jeder Mann schon in seinen kühnsten Fantasien ausgemalt: Ein prall gefüllter Ballon hebt ab.

Erektile Dysfunktion Das hat sich offenbar jeder Mann schon in seinen kühnsten Fantasien ausgemalt: Ein prall gefüllter Ballon hebt ab.Die Frau reisst ihm die Krawatte vom Hemd. Sein Mantel ist schon lange über Bord. Zuletzt streift sie ihre High Heels ab. Auch diese fliegen in hohem Bogen aus dem Korb, bevor sich das Paar ins Bodenlose fallen lässt. Und immer wieder züngelt der Brenner eine feurige Flamme in die Ballonhülle. «Nicht jeder kann so unbeschwert», heisst es allerdings ernüchternd in der Anzeige für die Homepage www.erektionsprobleme.ch. In den meisten Fällen sind sie körperlich verursacht, heisst es weiter im (holperigen) Text. Ein wenig impotent scheint auch die Idee zu dieser Anzeige zu sein. Hilfe versprechen hier Bayer und Glaxo Smith Kline, erfährt der Website-Besucher. Dort steht auch, dass weltweit 152 Millionen
Männer betroffen sind. Wie viele davon künftig für ihre Höhenflüge zum Flammenwerfer greifen, bleibt ein Geheimnis.
(pan)
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