Gedruckt in 10 Minuten

Distribution Zehn Zürcher Kioske verkaufen exklusiv die neueste Ausgabe der New York Times und acht weitere ausländische Zeitungen – als geheftete A3-Kopien. Der innovative Print-on-demand-Test dauert noch bis Ende Jahr. Er dürfte konkrete Folgen haben.

Distribution Zehn Zürcher Kioske verkaufen exklusiv die neueste Ausgabe der New York Times und acht weitere ausländische
Zeitungen – als geheftete A3-Kopien. Der innovative Print-on-demand-Test dauert noch bis Ende Jahr. Er dürfte konkrete Folgen haben.
Von der Ausdünnung ihres Presseangebots um rund 500 auf 3500 Titel, das die Valora-Tochter K-Group kürzlich ankündigte, sollen in erster Linie ausländische Printprodukte betroffen sein. Umso mehr erstaunt und erfreut denn auch die parallel dazu erfolgte Einführung eines neuen Services, mit dem die Deutschschweizer Monopolistin still und leise eine neue Distributionsära einläuten könnte.Seit Mitte September stehen an Flughafen und Hauptbahnhof je zwei und in sechs weiteren Zürcher Filialen der Kiosk AG je ein blauer Zeitungsständer mit neun Tageszeitungen im A3-Format.
Das aktuelle, nachfrageorientierte Angebot reicht von der Osloer Aftenposten über Sports Nippon und die saudische Al-Jazirah bis zur
Washington Post, wird von einem Laserprinter in Muttenz täglich frisch gedruckt und basiert auf den Daten respektive (total fast 200) Lizenzen von Newspaper Direct.
NYT farblos, dafür billiger
Die Hamburger Zweigstelle des 1999 in Vancouver gegründeten Digitalzeitungsvertriebs (Claim: «We move bits not trees») unterhält ein über den gesamten deutschsprachigen Raum gespanntes Netzwerk aus derzeit 20 aktiven Druckstationen. Der Grossteil davon steht in Luxushotels, die internationalen Gästen einen Added Value in Form ihres tagesaktuellen Leibblatts bieten wollen. Ein On-demand-Service, der indes ein bisschen dauert: Für eine 70-seitige New York Times braucht der Drucker volle 10 Minuten. Das Resultat ist durchgängig schwarzweiss, beidseitig bedruckt und etwas kleiner als das Original. Kostenpunkt: stolze Fr. 11.80. «Würden wir die Times konventionell importieren, käme sie den Kunden fast doppelt so teuer», weiss Peter Rutishauser, Projektverantwortlicher der K-Group. Zudem sei die via Satellit als verschlüsseltes PDF-File aus den USA gelieferte «National Edition» so jeden Morgen pünktlich ab acht Uhr greifbar – unabhängig von Wetterkapriolen oder Flugstreiks. Mit dem bisherigen Verlauf des Kooperationsexperiments zeigt sich Rutishauser zufrieden. Die Remissionsquote liege zurzeit zwar noch bei 65 Prozent; bei 50 Prozent der verkauften Hightech-Weltblätter funktioniere diese neue Dienstleistung jedoch bereits kostendeckend.
Diesen Wert glaubt der oberste Pressegrossist bis zum Ende der Testphase in zwei Monaten zu erreichen. Vorausgesetzt, dass sich unter ausländischen und einheimischen Zeitungsfreaks weiter herumspricht, dass man – wie früher am Quartierkiosk – sein Lieblingsblatt wieder richtig bestellen kann, eine durchaus realistische Hoffnung. Optimismus versprühen entsprechend auch die Hamburger Partner. «Wir gehen von einer Etablierung und Ausweitung dieser Zusammenarbeit aus», sagt Jörg Blümel. Soll heissen: Wenns nach dem deutschen Newspaper-Direct-Chef geht, werden seine Schweizer Lizenzprodukte kommendes Jahr nicht mehr in der Muttenzer Kopfstation, sondern gleich direkt an einzelnen zentralen Kiosken gedruckt.
Fast wie «richtige» Zeitungen: Die Laserprints von Weltblättern im Aushang der Kiosk AG.
Oliver Classen

Der Mut hat sich ausbezahlt

Sportgetränke Coca-Cola lancierte im März den Durstlöscher Powerade in der Schweiz und hat dank cleverer Vertriebsstrategien Isostar und Gatorade den Rang abgelaufen.

Sportgetränke Coca-Cola lancierte im März den Durstlöscher Powerade in der Schweiz und hat dank cleverer Vertriebsstrategien Isostar und Gatorade den Rang abgelaufen.
Selbst Konkurrenten müssen zähneknirschend zugeben: Mit Powerade ist dem US-Multi aus Atlanta ein fulminanter Markteintritt gelungen. Auf Anhieb eroberte Coca-Cola 39,7 Prozent des Produktegruppen-umsatzes und katapultierte sich in nur sieben Monaten in der Schweiz auf den ersten Rang der flüssigen Sportgetränke. Gatorade, der Marktführer 2002, liegt neu mit nur noch 20,6 Prozent Marktanteil auf Platz 3, Isostar belegt mit 25,1 Prozent hinter Powerade Platz 2. Schenkt man den Aussagen von Coca-Cola Glauben, so hat selbst beim US-Multi niemand mit diesem Ergebnis gerechnet. «Wir sind von der Dimension des Erfolgs überrascht», sagt Jürg Dinner, Mediensprecher Coca-Cola Schweiz. Allerdings haben die Marketingstrategen vernünftige Rechnungen angestellt, als im Februar das Getränk auf den Markt gebracht wurde. Schliesslich wurden 2002 nur gerade fünf Millionen Liter der isotonischen Durstlöscher verkauft. Ein Klacks, vergleicht man den Output mit den vier Milliarden Litern, die die Schweizer Getränkehersteller auf dem Markt absetzen. Freilich, die sommerliche Hitze dürfte dem neuen Produkt zusätzlichen Schub gegeben haben.
Klotzen statt kleckern
Aber gleich von null auf Platz eins in nur acht Monaten? Marktforscher sind von Coca-Colas Erfolg kaum überrascht. «Die Einführung von Powerade war clever terminiert und vorbildlich ausgeführt», sind sie sich einig. Dass man bei Coca-Cola ganz genau wusste, was man tat, beweist auch die Aussage von Nicolas Brabeck Letmathe, bei Coca-Cola zuständiger Manager für Innovations & New Beverages: «Wir hatten ein klares Bild, wie das Produkt aussehen, wen es ansprechen soll und wo wir mit Powerade hin wollen. Dies alles haben wir konsequent umgesetzt», erklärt er das Erfolgsrezept und führt als Beweis die eindrückliche Werbeoffensive vor: 2400 Plakatstellen wurden mit Powerade-Plakaten belegt, zahlreiche Anzeigen in Fachzeitschriften geschaltet, einige Promotionen mit Handelspartnern – beispielsweise Coop – initiiert und neue Absatzkanäle eröffnet – wie Ochsner Sport.
Für sein neustes Produkt suchte Coca-Cola Schweiz passende Sportgeschäfte und Fitnesszentren auf. Angefragt wurden diese von zehn Teams, bestehend aus jeweils einem Kundenberater und einem Sportstudenten. Und dies mit Erfolg. Eine grosse
Zahl von Fitnessstudios und Sportgeschäften sagte zu. Seit März 2003 stehen nun kleine Kühlschränke in verschiedenen Trimmzentren und Sportartikelläden. «Die Aktion in den neuen Verkaufskanälen ist auf positive Resonanz gestossen», sagt Dinner. Wie hoch der Anteil des Umsatzes aus diesen zielgruppengerecht platzierten Apparaten im Vergleich mit dem Gesamtumsatz von Powerade ist, will Dinner nicht verraten. Auch die Kosten für die Werbekampagne, die in London erstellt und von einem Coca-Cola-internen Marketingteam für den hiesigen Markt adaptiert wurde, behält man lieber für sich. Fakt bleibt auch ohne nackte Zahlen: Für Coca-Cola hat sich der forsche Eintritt in den Sportgetränkemarkt ausbezahlt.
Aber auch die Konkurrenz profitierte von der Marketingpower der Amerikaner. Arnold Furtwaengler, Marketing- und Verkaufsleiter von Isostar, stellte für sein Getränk «seit dem Eintritt von Powerade in sämtlichen Bereichen» gar zweistellige Zuwachsraten fest. Dennoch betont er: «Natürlich nehmen wir Power-ade ernst.» Er lässt sich nicht vorwerfen, man habe der Offensive aus Atlanta tatenlos zugesehen. «Wir haben Isostar 2002 einem kompletten Relaunch unterzogen, neue Flaschen auf den Markt gebracht, unsere Formel für die Getränke neu entwickelt und sind ein TV-Sponsoring mit der Sat1-Fussballsendung ‹Ran› eingegangen», sagt er.
Keine ungeliebte Konkurrenz
Beim Berner Nahrungsmittelkonzern Wander, der Isostar-Besitzerin, sieht man im Marktauftritt von Powerade vielmehr eine Chance denn eine reale Gefahr. «Ein neuer Konkurrent belebt immer das Geschäft», ist Furtwaengler überzeugt. Vor allem, wenn er den Markt ausweitet, wie dies eben mit Powerade geschehen ist. Laut verlässlichen Quellen wuchs dieser Getränkesektor im laufenden Jahr um über 25 Prozent. Zudem habe sich Isostar «als Sporternährungsexperte im Markt positioniert», betont Furtwaengler. Und der Umsatz des Durstlöschers mache nur 33 Prozent des gesamten Umsatzes im Isostar-Produktesortiment aus. «Weil sich Powerade eher im Segment Lifestyle-Softdrinks ansiedelt, hat es für uns immer noch genug Platz», zeigt sich Furtwaengler zuversichtlich.
Die neue Konkurrenz aus dem Coca-Cola-Konzern dürfte dem US-Getränkehersteller Gatorade indes mehr Kopfschmerzen bereiten. «Die beiden liegen ziemlich auf der gleichen Welle und dürften auch die gleiche Zielgruppe anpeilen: junge, aktive Menschen, aber auch Sportinteressierte, die sich fit halten wollen und einen aktiven Lebensstil pflegen», analysiert ein Marktforscher die Positionierungsstrategien der beiden Produzenten. Bei dem in Chicago domizilierten Konzern Gatorade, der in den Sechzigerjahren in Florida gegründet worden war, wollte sich niemand zur neuen Konkurrenz äussern.
Coca-Cola arbeitet derweil an seiner Erfolgsstrategie weiter. Wie diese künftig aussehen wird, will der Getränkehersteller noch nicht verraten. Bereits jetzt steht fest: Mit dem Lancierungserfolg wird sich
Coca-Cola noch lange nicht zufrieden geben.
Powerades TriumphDie Marke Powerade ist in den USA seit 1992 auf dem Markt.
Nach Europa kam sie im Oktober 2001 und wurde in Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und Irland eingeführt.
Inzwischen ist Powerade das führende Sportgetränk in Europa.
In der Schweiz ist Powerade seit März 2003 erhältlich und kann an
Tankstellen, Take-aways, Kiosken, Getränkeautomaten und in allen
grossen Einzelhandelsketten gekauft werden, mit Ausnahme von Migros und Denner. Das Getränk gibts in der 500ml-PET-Flasche in drei
Geschmacksvarianten: Mountain Blast (Beerengeschmack), Orange und Citrus. Von allen drei Aromen ist Mountain Blast nach Darstellung von Coca-Cola am beliebtesten. (af)
Zielgruppengerechter Vertrieb: Coca-Cola lancierte Powerade in Fitnesszentren und Sportläden.
Annelies Friedli

Testosteronkick für Männerröcke

Mode II Man sieht sie gelegentlich an einer Party für Werber oder an anderen lärmigen Orten kreativen Seins und Scheins: Männerröcke sind en vogue.

Mode II Man sieht sie gelegentlich an einer Party für Werber oder an anderen lärmigen Orten kreativen Seins und Scheins: Männerröcke sind en vogue.Damit das nicht mehr weiter nur bei Insidern so ist, hat jetzt Matter & Partner eine entsprechende Kampagne für Amok lanciert. Dieses neuste Motiv des Szene-Labels soll breit eingesetzt und als Anzeige in Trendmagazinen sowie als Plakat oder Postkarte dafür sorgen, dass die aktuelle Amok-Kollektion zu reden gibt. Anders gesagt: «Blow another one…»

Boykottgrund Blocher?

Oliver Classen über das Schweizer Parteipresse-Revival

Oliver Classen über das Schweizer Parteipresse-RevivalBeim Kollektiv-Interview vergangenen Montag im Zürcher Kaufleuten trat Christoph Blocher erwartungsgemäss nicht darauf ein, ob er stiller Teilhaber des Jean-Frey-Verlags (JF) sei. Gestellt hatte diese Gretchenfrage für die Glaubwürdigkeit der Weltwoche tags zuvor Chefredaktor Andreas Durisch – und hat seine SonntagsZeitung damit in jene Anti-SVP-Phalanx der Tamedia eingereiht, die Facts und Tages-Anzeiger schon vor Wochen in Stellung gebracht haben.
Überhaupt spiegelt sich die politische Polarisierung der Schweiz stark in ihren Meinungsbildungsorganen. So übt sich die von der FDP-Schlappe schwer gezeichnete NZZ weiter tapfer in Blocher-Häme. Und der Chefopportunist des Ringier-Konzerns, Frank A. Meyer, hat zwar kiloweise Kreide gefressen, flirtet nun aber ebenso hemmungslos mit dem Bundesrat in spe wie er ihn vorher verdammt hat.
Trendsetter in Sachen publizistischer Parteinahme aber sind Oberweltwöchler Roger Köppel und sein Capo Filippo Leutenegger. Dass deren stramm rechtsliberaler Kurs der SVP die eine oder andere Stimme beschert hat, scheint wahrscheinlich. Sicher hingegen ist, dass die vielen impliziten und eine explizite Wahlempfehlung dem «Duo Triomphal» ökonomisch nicht geschadet hat. Im Gegenteil: Der Turnaround im Lesermarkt brachte dem JF-Flaggschiff auch im Anzeigengeschäft die antizyklische Wende.
Flagge zeigen lohnt sich also wieder – auch oder gerade in unseren
vermeintlich post-ideologischen Zeiten. Vorausgesetzt allerdings, sie trägt die richtigen, sprich: wirtschaftsfreundlichen Farben. Sonst würde es einem vielleicht heute noch so ergehen wie Anno 1979 der Tamedia, als der Autoimporteur und SVP-Nationalrat Walter Frey einen
Magazin-Artikel mit jahrelangem Anzeigenentzug quittierte. Ein linker Inserateboykott gegen die Weltwoche indes bliebe selbst dann Utopie, wenn Blocher sich als JF-Aktionär outen sollte. Und zwar nicht mal wegen zu wenig guter Gründe, sondern schlicht mangels rot-grün gesinnter Werbeauftraggeber.
> Oliver Classen, Redaktor

Wenn der Vater mit dem Sohne

Weihnachten Wenn der Weihnachtsmann friedlich mit einem Rentier im Bettchen schnarcht, könnte es sein, dass er seinen Arbeitseinsatz verschlafen hat.

Weihnachten Wenn der Weihnachtsmann friedlich mit einem Rentier im Bettchen schnarcht, könnte es sein, dass er seinen Arbeitseinsatz verschlafen hat.In diesem Fall hilft nur noch der «Weckruf an alle Unternehmen», der in diesen vorweihnachtlichen Tagen von Catsky & Partner an ausgewählte Kommunikationsabteilungen ergangen ist. «Haben Sie Ihre Weihnachts- oder Neujahrskarte schon startklar?», fragt Claude Catsky. Wenn nicht, bietet er seine Dienste mit Hilfe von Vater Nico an. Der Karikaturist und die Agentur präsentieren auf Wunsch verschiedene Ideenvorschläge und machen die festliche Grusskarte damit «zu einem echten Stück Kommunikation». Natürlich kann man sich bei der Agentur auch frommere Weihnachtskarten ohne Nicos Witz gestalten lassen.

ADC steht auf Tele

Am 1. Februar 2004 erscheint pünktlich zur Jurierung des Art Directors Club Schweiz die ADC-Festzeitschrift. Das Layout dazu wird wie jedes Jahr von einemMedientitel «geklaut» (mit dessen freundlicher Einwilligung).

Am 1. Februar 2004 erscheint pünktlich zur Jurierung des Art Directors Club Schweiz die ADC-Festzeitschrift. Das Layout dazu wird wie jedes Jahr von einemMedientitel «geklaut» (mit dessen freundlicher Einwilligung).Am 1. Februar 2004 erscheint pünktlich zur Jurierung des Art Directors Club Schweiz die ADC-Festzeitschrift. Das Layout dazu wird wie jedes Jahr von einem Medientitel «geklaut» (mit dessen freundlicher Einwilligung). Diesmal ist das Medienmagazin Tele dran. Damit es keine Verwechslung gibt, heisst die ADC-Variante «Fete».
Die ersten 500 Exemplare werden am ADC-Fest verteilt. Weitere 17500 Exemplare werden der Werbewoche und anderen Fachzeitschriften beigelegt.

Rat von Complecta und NetAgentur

Die Kommunikationsagentur Complecta und der Webdienstleister NetAgentur haben einen Ratgeber für die erfolgreiche Kommunikation mit neuen Medien veröffentlicht.

Die Kommunikationsagentur Complecta und der Webdienstleister NetAgentur haben einen Ratgeber für die erfolgreiche Kommunikation mit neuen Medien veröffentlicht.Das Booklet beleuchtet das Thema in 16 kurzen Kapiteln sowohl aus sozialer als auch aus technischer Sicht. Der Ratgeber kann als PDF-Version von www.complecta.ch geladen werden.

Auf den Hund gekommen

Mode I Man kann es derzeit an jeder Strassenecke, an jedem Baum feststellen: Der Besitz eines kleinen Hundes liegt im Trend.

Mode I Man kann es derzeit an jeder Strassenecke, an jedem Baum feststellen: Der Besitz eines kleinen Hundes liegt im Trend.Dies hat die Designer von H&M auf die Idee gebracht, eine Dogwear-Kollektion zu gestalten, damit die hippen Hundehalter ihre Lieblinge auch passend kleiden können. Die Kollektion besteht zur Hauptsache aus Baumwoll-Artikeln. Für die Hündin gibt es ein Sweatshirt mit grossen Tupfen und einen glänzenden Plastikregenmantel mit Baumwollfutter. Und für die Rüden finden Herrchen bei H&M Sweatshirts mit Football-Print und eine Nylonjacke mit kariertem Futter. Die Dogwear-Kollektion wird nur eine Saison lang beim schwedischen Mode-Discounter zu kaufen sein. Danach müssen die Hunde wieder korrekt entkleidet werden.

Feiertagsblatt für Jungleser

Sonntagspresse Weltwissen will «Cracks for Kids» vermitteln. Aufgabe des von Migros, MediaMarkt und Zürich Versicherungen getragenen Kindersonntagsblatts ist auch Early Branding.

Sonntagspresse Weltwissen will «Cracks for Kids» vermitteln. Aufgabe des von Migros, MediaMarkt und Zürich Versicherungen getragenen Kindersonntagsblatts ist auch Early Branding.
Sieht man mal vom Pendlerzeitungsphänomen ab, scheint der Tag des Herrn für Verlagsstrategen nach wie vor die grösste Inspirationsquelle zu sein. Nach den bunten siebten Ausgaben von NZZ und FAZ erscheint ab 11. Januar 2004 auch «Cracks for Kids» (CfK) am Sonntag und verfolgt auch ein Doppelkalkül: Publizistisch möchte man erklärtermassen aktuelles Agenda Setting für die ganze Familie betreiben; und kommerziell offenbar eine Early-Branding-Plattform kreieren, die den Einfluss des Nachwuchses auf sonntägliche Kaufentscheidungen vergrössern hilft.With the eyes of a child…
Im ersten Bund des vierten (!) Deutschschweizer Feiertagsblatts soll darum die politisch-wirtschaftliche Realität der Erwachsenen durch Kinderaugen betrachtet werden, während im zweiten Softthemen wie Sport, Games und Entertainment (sowie die damit assoziierten Brands) zum Zuge kommen. Apropos Assoziation: Angesichts der bereits geschützten Wortmarke «CfK» dürften manche des Englischen nur mässig mächtige Eltern eher an das gleichnamige Kokainderivat denken als an journalistische Experten, die den 9- bis 13-Jährigen die Zeitläufte zeigen und erläutern wollen.
Dabei verfolgt Ex-Tamedia-Manager René Gehrig mit seinem Projekt, dessen Jahresbudget (2004: 3,5 bis 4 Millionen Franken) «längerfristig» und zu gleichen Teilen von den erwähnten drei Partnern gesponsert wird, neben den wirtschaftlichen auch ideelle Absichten. Gemäss Konzept soll das – wie SoBli, SoZ und NZZaS via Zuvo früh verteilte – Baby unter den Sonntagstiteln nämlich als Forum für lokale bis globale Persönlichkeiten mit Vorbild- und Anspornfunktion fungieren. Des Weiteren will der erfahrene Marketer und Vater eines neunjährigen Sohnes möglichst schnell auch SMS-Wettbewerbe und «Cracky»-Events organisieren. Die so erzielten Erlöse werde er «gemeinnützigen Institutionen wie etwa der Stiftung SOS-Kinder überweisen», versichert Gehrig der Werbewoche.
Als Chefredaktor konnte er Tausendsassa Mario Aldrovandi gewinnen, der zusammen mit Ex-Cash-Blattmacher Hansi Voigt zurzeit eine kindgerechte Leserführung entwickelt. «Vom Bild über dessen Legende und den zugehörigen Lauftext bis zur Website» lautet dabei die Devise einer multimedialen Philosophie, bei der interaktiven Internet-Inhalten eine zentrale Funktion zukommen soll. Die Erfahrung des Bildmenschen Aldrovandi, gesammelt unter anderem bei Ringier, Radio 24 und zuletzt RTL/Pro Sieben, kommt diesem Vertiefungs- respektive Verknüpfungskonzept gewiss zugute.
Profitieren wird Gehrig, der selber 90 Prozent an der im aargauischen Lenzburg domizilierten CfK Media AG hält, ebenfalls von Dani
Späni, seinem einzigen Teilhaber. Denn dessen Gesundheitsmarketing-Agentur Sanatrend garantiert der Sonntagszeitung für Junioren neben dem fachlichen Know-how wohl auch eine professionelle Bearbeitung dieses bislang auf Senioren fokussierten Werbemarkts.
Kein Einfluss der Early BrandersAuf Nummer sicher hat CfK indessen die grossen, jedoch bereits budgetrelevanten Kampagnen seiner Long-Term-Gönner Migros, MediaMarkt und Zürich Versicherungen. Deren Image- und Produktanzeigen werden alternierend und exklusiv ein kommerzielles «Schweizerkreuz» auf den Seiten zwei und drei zieren. Abgesehen von Beiratssitzen für die Repräsentanten der Hauptsponsoren sei diese prominente Platzierung die einzige Gegenleistung, zu der er sich vertraglich verpflichtet habe. Bedenken bezüglich etwaiger Einflussnahmen der drei Early Brander versucht Gehrig mit dem Hinweis auf deren ureigenstes Interesse an redaktioneller Unabhängigkeit zu zerstreuen. «Wollte die Migros eine Kinderausgabe ihres Brückenbauers, würde sie einfach eine machen.» Und Aldrovandi ergänzt metaphorisch: «Unsere Partner haben lediglich die Autobahn gebaut; darauf fahren werden einzig wir.»
Wovor die FAZ am Sonntag «warnt», setzt «CfK» in die Tat um: Ein Blatt nur für Kids.
Oliver Classen

Alles Murmi, oder was?

Kinderprogramme Elf Sender strahlen Woche für Woche «Murmi» aus – und es werden immer mehr. Keine andere Schweizer Kindersendung flimmert derart häufig über helvetische TV-Schirme.

Kinderprogramme Elf Sender strahlen Woche für Woche «Murmi» aus – und es werden immer mehr. Keine andere Schweizer Kindersendung flimmert derart häufig über helvetische TV-Schirme.«Hallo Murmi, ich finde dich einfach super», schrieb Simon ins Gästebuch auf der Website murmi.ch. Und Justin beklagt sich, dass er von Murmi noch nie einen Brief erhalten hat. Ohne Zweifel, Murmi, das zottige, grell-orange Riesen-Murmeltier mit Bernhardiner-Blick, hat in seinen ersten fünf TV-Jahren viele kleine Fans gefunden. Verständlich, denn es hat eine fast ungeheure TV-Präsenz: Seit dem Start auf Tele M1 und TeleTell strahlen bereits neun weitere Stationen, darunter alle grösseren Sender (Ausnahme: TeleZüri, das auf Kindersendungen verzichtet) die rund 25-minütige Sendung (siehe Kasten) aus, je nach Sender vier bis 28 Mal wöchentlich, was rund 150 Ausstrahlungen ergibt. Mit weiteren Anbietern sind Gespräche im Gang.Die Murmi Production GmbH in Oberentfelden gibt an, dass 530000 Personen pro Woche die ganze Sendung sehen. Doch diese Zahl ist ein Jahr alt und wurde nur «geschätzt», und zwar auf Grund eines Stichtages bei Tele M1 und TeleTell mit einem Tagesrating von 87000 Zuschauern. Doch dem liegt wohl eine Begriffsverwechslung zu Grunde. Denn gemäss aktuelleren Zahlen der beiden Sender kam «Murmi» dort in diesem Jahr auf ein Wochenrating von maximal 90600 Zuschauer.
Zahlen hin oder her: Bei den Sendern ist man sich Murmis Beliebtheit bewusst. «Es ist enorm, was ‹Murmi › bei den Kindern auslöst», weiss Peter Schwager, Geschäftsführer von Tele Ostschweiz, der schon «Murmi»-
Live-Auftritte an Messen und Firmenanlässen miterlebt hat. Deshalb ist für ihn klar: «‹Murmi› gehört auf den Sender.» Marc Friedli von TeleBärn attestiert den «Murmi»-Machern zudem «viel Gschpüri» für das Zielpublikum. Und Florenz Schaffner, Geschäftsführer von Tele M1 und TeleTell, ergänzt: «Die Figur ist zum Kult geworden.» Letzteren fördert die Murmi Production mit Produkten wie beispielsweise Plüsch-«Murmis», CD, Video, «Murmi»-Salbe, «Murmi»-Kirschsteinsäcke, «Murmi»-Pullover und anderem. Lanciert werden diese Produkte immer öfter mit Hilfe von Firmenpartnerschaften.
Für die TV-Zuschauer von morgen
Murmi Production kooperiert für jedes von «Murmis» Abenteuern mit einem Partner, der dann auch Thema einer Wochensendung wird. Die Kosten dafür: 4900 Franken inklusive Drehbuch, Produktion und Ausstrahlung. Als Alternative sind auch ein bis zwei Moderatoren möglich (1000 bis 2000 Franken). Ähnliches gilt für den Newsteil. Zwischen Murmi Production und TV-Stationen fliesst kein Geld; beide Seiten profitieren voneinander. Peter Schwager sagt es so: «Mit ‹Murmi› kommen wir an die TV-Zuschauer von morgen heran. Und an ihre Mütter.»
Wem die Werbezeit zwischen den beiden Formaten gehört, ist unterschiedlich geregelt: Manchmal akquiriert der Sender Werbung, manchmal Murmi Production.
Die Firma erzielt «einen siebenstelligen Jahresumsatz», sagt deren Alleininhaber und Gründer Thomas Widmer. 50 Prozent davon generiert er mit Werbung, Auftragsproduktionen und Presenting, 35 Prozent mit Events und den Rest mit Merchandising. Als Ganzes ist die Firma mittlerweile selbsttragend, doch die ersten eineinhalb Jahre wären ohne Widmers zweites Unternehmen, die seit 15 Jahren bestehende Gauklertruppe «Pajazzo», nicht möglich gewesen. Je nach Sendung greift Widmer heute noch immer auf seine Artistencrew zurück.
Bei den Unternehmen ist «Murmi» beliebt, die Nachfrage nach Auftragsproduktionen ist, so Widmer, grösser als die Kapazität. Deshalb wird er ab 2004 wöchentlich zwei Sendungen liefern und die Zahl der Ausstrahlungen je Sendung halbieren. Zudem hat Widmer das Medium Radio im Auge: Erste «Murmi»-Hörspiele auf Radio Ri wurden bereits realisiert, nun will er Gespräche mit anderen Sendern aufnehmen.
Auch die Expansion ins Ausland ist nicht tabu: Erste Stationen dürften dabei die Türkei, Spanien oder Portugal sein. Und schliesslich sieht es danach aus, dass Widmer bis Ende 2005 seinen Traum – ein «Murmi»-Land – realisieren kann. Bereits habe sich ein Investor mit Land in der Schweiz angeboten, sagt Widmer, der generell an weiteren Partnerschaften interessiert sei.
Die Sendung mit dem «Murmi»Eine «Murmi»-Sendung besteht aus zwei Formaten: «Murmis Abenteuer» (20 Minuten) und «Murmi-News» (sechs Minuten), unterbrochen von «familiengerechten» Werbespots. Im ersten Teil erleben Murmi und sein
Menschen-Freund Geri neue Dinge, ganz nach dem Strickmuster der «Sendung mit der Maus». Nur dass sich Murmis «Erlebnisse» meist nach den Wünschen der zahlenden Auftraggeber richten. So wird Murmi ebenso in das kulinarische Angebot im Europapark eingeweiht wie in die Herstellung von Süssigkeiten. Das Drehbuch stammt von Thomas
Widmer, der versucht, die Wünsche des Auftraggebers so in eine
Geschichte einzubetten, dass sie auch Kindern munden. Die «Murmi-News» im zweiten Teil bieten einen Wettbewerb, einen Studiogast und Hinweise auf neue «Murmi»-Produkte sowie auf «Murmis» bevorstehende
Liveauftritte, etwa bei McDonald’s, Möbel Pfister oder Amag. (mk)
«Murmi»-Macher Thomas Widmer mit zotteligem Begleiter: Dank Product Placement schreibt der Produzent schwarze Zahlen.
Freut bald ausländische Kids: «Murmi» an einem Kinderfest.
Markus Knöpfli

Berlitz Schweiz zu MAD

Die Werbeagentur MAD übernimmt die Gesamtkommunikation der Sprachschulen Berlitz Schweiz. Die Agentur gewann den Auftrag in einem Pitch.

Die Werbeagentur MAD übernimmt die Gesamtkommunikation der Sprachschulen Berlitz Schweiz. Die Agentur gewann den Auftrag in einem Pitch.Er umfasst die deutsche und die französische Schweiz mit strategischer Beratung und Kreativleistungen. In der nächstjährigen Kampagne von Berlitz werden voraussichtlich Anzeigen, Spots und Plakate zum Einsatz kommen. Daneben werden Below-the-line-Massnahmen realisiert. Die Kampagne läuft ab Januar 2004.

Sparübung mit Ausbauziel

Privat-TV Tele M1 und TeleTell streichen Sendungen, um ihre News auszubauen.

Privat-TV Tele M1 und TeleTell streichen Sendungen, um ihre News auszubauen.Anfangs 2004 stellen die Regionalsender TeleTell und Tele M1 ihr Programm um. Von Montag bis Freitag sollen in der Primetime die Newssendungen «Aktuell» redaktionell ausgebaut und neu halbstündlich wiederholt werden – sofern es das Uvek genehmigt. Einige Sendungen der zweiten halben Stunde werden auf jeden Fall gestrichen. Konkret gekündigt sind die Verträge mit CashTV und Videogang, wie Florenz Schaffner, Chef der beiden Sender, auf Anfrage erklärt. Der selbst produzierte «Report» fällt ebenfalls weg, ausser es finde sich noch ein Sponsor dafür. Gestrichen wird ferner die von TeleBärn produzierte «Stubete». Die Sendungen «Tierisch», «Lifestyle», «Kochen» und «Wohnen» hingegen bleiben auf beiden Kanälen. TeleTell behält zudem den «Regio-Talk», während man für den Talk auf Tele M1 ein neues Konzept und einen Sponsor sucht.Klar ist: Der «Aktuell»-Ausbau stellt sich auch als Sparübung heraus. Durch die Streichung der erwähnten Sendungen wird ein «siebenstelliger Betrag» frei, von dem gemäss Schaffner die Hälfte – allerdings noch immer ein siebenstelliger Betrag – in die News investiert wird: Die Aktuell-Redaktion von TeleTell wird von 6,5 auf 9 Stellen (von Montag bis Freitag) ausgebaut. Im technischen Bereich kommt es parallel zu einer Entlassung im Studio Aarau. Abgebaut wird auch bei den freien Mitarbeitern.
Vor zwei Jahren haben die beiden Sender schon einmal Sendungen gekippt und Teile der Einsparungen in die News investiert. Seither ist die Tagesquote von «Aktuell» um 100 Prozent auf 100000 Personen gestiegen. Gestützt auf eine Umfrage sehen die beiden Sender noch mehr Potenzial.
Florenz Schaffner
Markus Knöpfli
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