Das Ende der Schönfärberei

Radiocontrol Eine neue Gebietsdefinition bringt realistischere Stichproben. Nicht nur zur Freude der Sender.

Radiocontrol Eine neue Gebietsdefinition bringt realistischere Stichproben. Nicht nur zur Freude der Sender.
Bisher liessen sich die Radio-Marktanteile von Radiocontrol nach Sprachregionen, Empfangsgebieten (EG), Wemf-Wirtschaftsgebieten oder Agglomerationen auswerten. Das ändert sich nun: Gemäss den neuen Rahmenverträgen zwischen Radioverbänden und Publica Data wird das EG seit dem 1. Januar 2004 durch die Einheit «Verbreitungsgebiet» ersetzt. Hintergrund für diesen Wechsel ist eine Diskrepanz zwischen dem publizierten Konzessionsgebiet (KG) und dem häufig kleineren, von den Sendern selbst definierten EG. Diese Diskrepanz hat einerseits historische und technische Gründe (siehe Kasten), und geht andererseits aur Marketingüberlegungen zurück. Einige Sender definierten ihr EG allerdings weniger nach technischer Reichweite, sondern nach jenen Gebieten, in denen sie eine besonders grosse Hörerschaft haben. Radio Top zum Beispiel klammerte Winterthur, wo es in Konkurrenz zu Radio 24 und NRJ steht, aus seinem EG aus. Und Radio Argovia definiert sein EG so eng, dass 50 Prozent seiner Hörerschaft ausserhalb des Empfangsgebiets wohnen. Die Wirklichkeit im ganzen KG wurde somit verfälscht.
Wer macht das beste Radio?
Mit der neuen Einheit «Verbreitungsgebiet» (VG) sollte dies besser werden, da sie in der Regel dem KG entspricht. In einem Fall geht sie auf Wunsch der Radios sogar darüber hinaus (Grossraum Zürich). Das hat vor allem eine Folge: VG-bezogene Zahlen lassen sich nicht mit EG-bezogenen Daten vergleichen. In ihrem Heimmarkt beginnen die Sender also punkto Daten wieder bei null. Für die Werbewirtschaft, die diese Auswertungsebene bisher mangels Vergleichbarkeit ohnehin kaum nutzte, ändert sich fast nichts. Denn auf den Ebenen Deutschschweiz, Wirtschaftsgebiete und Agglos bleiben die Daten vergleichbar.
In einer Hinsicht jedoch können die VG-bezogenen Daten aber auch der Werbewirtschaft dienen. Immerhin vermögen sie eine Frage deutlich besser zu beantworten als bisher, nämlich: Welche Sender erreichen die Bevölkerung, die von ihnen versorgt werden sollte, besonders gut? Oder in der Sprache der Werber: Welcher Sender hat eine überdurchschnittlich hohe Affinität zur Bevölkerung in seinem KG?
Glossar: Konzession, Empfang und VerbreitungSelbst Radioprofis bringen die Begriffe für den Senderaum der Radios durcheinander. Hier die Klärung:
Das Konzessionsgebiet (KG) wird vom Bundesamt für Kommunikation in der Konzession umschrieben, oft mit Flurnamen, Verbindungsstrecken oder politischen Einheiten (Ämter, Bezirke, Kantone). So ist etwa das KG von Radio Emme «durch die Kantonsstrasse Huttwil–Ettiswil begrenzt».
Das Empfangsgebiet (EG) war bisher die gebräuchliche Einheit. Sie wird ab 2004 nicht mehr verwendet. Jedes Radio deklarierte sein EG weit gehend selbst, häufig nach Empfangsqualität, teils aber auch nach Marketingüberlegungen. Meist war das EG kleiner als das KG, weil die Sender bestimmte Gebiete (Täler) erst nach und nach erschliessen konnten.
Das Verbreitungsgebiet (VG) ist die neue Einheit von Radiocontrol.
Es entspricht an sich dem KG, wobei seine Grenzen entlang von Gemeindegrenzen verlaufen. Das VG kann gleich oder grösser als das KG sein, nie jedoch kleiner. (mk)
Das Verbreitungsgebiet von Radio Argovia ist doppelt so gross wie das deklarierte Empfangsgebiet.
Markus Knöpfli

Appetit auf die Trophy

Letzte Woche fand in Freiburg im Rahmen des 7. Schweizerischen Marketingtags die Verleihung der Marketing-Trophy statt. Die Preise wurden in drei Kategorien, unterteilt nach Firmengrösse, vergeben.

Letzte Woche fand in Freiburg im Rahmen des 7. Schweizerischen Marketingtags die Verleihung der Marketing-Trophy statt. Die Preise wurden in drei Kategorien, unterteilt nach Firmengrösse, vergeben.Bei den Gewinnern drehte sich dieses Jahr alles ums Essen. So machte bei den Kleinbetrieben die Kräuter Pfarrer Künzle AG für die erfolgreich durchgeführte Neupositionierung das Rennen. Bei den mittelgrossen Unternehmen kam Bio-Familia mit einem praxisnahen Konzept für Fit-Crisp, einem Functional-Food-Produkt, auf den Goldplatz. Und in der Kategorie der Grossbetriebe holte sich die A. Hiestand AG für eine Innovation im Convenience-Backwaren-Bereich, das erste tiefgekühlte Holzofenbrot überhaupt, den Kranz. Wenn mans recht bedenkt – wären die marketingorientierten Referate am Nachmittag nicht gewesen, hätte man sich bald einmal als Gast an der Anuga, der Igeho oder der Gourmesse gewähnt.Die rund 600 Gäste störte es nicht, denn was beim Galadinner auf die Teller kam, war ebenfalls recht. Für die Unterhaltung zwischen den Gängen sorgte die Toni’s Big Band, und nach der offiziellen Veranstaltung gings ins Casino Freiburg, das einen Schlummertrunk und ein paar Gratisjetons zum Verjubeln offerierte.
Claudia Hauser, Client Service Director bei 141 Worldwide, mit Sawi-Direktor Jürg Engi (r.) und Bendicht Rindlisbacher von Innova.
Zufriedenes Reed-Messen-Team: GL-Mitglied Iris Sorgalla mit Verkaufsleiter Thomas Berger (r.) und Berater Ajas Kalici.

Roland Bürgy, Geschäftsführer, und Thomas von Ballmoos, Marketingleiter von Escor, mit Werner Bättig (v. l.) von Optobyte.

Gaben sich die Ehre am Marketingtag: Publigroupe-CEO Hans-Peter Rohner mit Peter Keller (r.), Verlagsleiter des Corriere del Ticino.

Dreierbande: Guillaume Laroyenne, Charles André Robert und Theodor Hofstetter (v. l.) von Bongrain SA.

Interesse am Marketingtag: Peter Petrin, Rektor Akad Business School, mit Alain Jaccard (r.), Verwaltungsmitglied der Stadt Morges.

(bf)

Wirz holt Micasa-Budget

Inneneinrichtung Pitch-Gewinn für Wirz Werbung: Die Zürcher Agentur sicherte sich den Gesamtetat von Micasa. Die Migros-Tochter ist laut Wirz das drittgrösste Einrichtungshaus der Schweiz.

Inneneinrichtung Pitch-Gewinn für Wirz Werbung: Die Zürcher Agentur sicherte sich den Gesamtetat von Micasa. Die Migros-Tochter ist laut Wirz das drittgrösste Einrichtungshaus der Schweiz.Wirz präsentierte ein Konzept, das einen durchgängigen Auftritt vom 300-seitigen Wohnbuch über den 30-sekündigen Fernsehspot bis zum Promo-Mailing und Rotair erlaubt. Laut Wirz-Geschäftsführer Geri Aebi ist Micasa der achte Neukunde in sechs Monaten.

Aus dem Schneider

Urs Schneider hat seine Mediaagentur in weniger als drei Jahren zu einer Schweizer Topadresse gemacht.«Viele Kampagnen sind wunderschön, aber man sieht sie nicht», sinniert Urs Schneider. Der Mediaspezialist im Zürcher Seefeld hat deshalb

Urs Schneider hat seine Mediaagentur in weniger als drei Jahren zu einer Schweizer Topadresse gemacht.«Viele Kampagnen sind wunderschön, aber man sieht sie nicht», sinniert Urs Schneider. Der Mediaspezialist im Zürcher Seefeld hat deshalb ein ganzes Berufsleben lang Ideen entwickelt, damit dieses sinnlose Verstreuen von Werbegeldern in kreative Bahnen gelenkt werden könnte. «Man gibt viel mehr Geld in den Media aus als in der Kreation.» Da ist es für Schneider nur logisch, dass er in der Mediaplanung auch «viel mehr als nur Erscheinungspläne und Kostenberechnungen bietet».
Mit dieser «Strategie» hat sich Mediaschneider in weniger als drei Jahren zu einer führenden Agentur in der Schweizer Mediaszene entwickelt. Im Juni 2001 ist das Unternehmen mit zwei Assistenten und «ohne einen einzigen Kunden» gestartet. Heute arbeiten zehn Leute für zwanzig Kunden. Mit diesen hat man 2002 einen Umsatz von 78 Millionen Franken erwirtschaftet – und dieser Abschluss soll 2003 noch übertroffen werden.
Der Patron der inhabergeführten Agentur ist sich bewusst: «Ein Punktekoch kann nicht mehr alles selber kochen, aber er muss wissen, was seinen Kunden aufgetischt wird, und sich regelmässig im Restaurant zeigen.» Immer mehr Umsatz zu machen, ist deshalb für Schneider kein Mass für die Qualität seiner Agentur. «Mit jeder Million, die dazukommt, muss man logischerweise auch Arbeit delegieren», weiss er.
Bei Mediaschneider ist es Konzept, dass die Strategie von den Leuten umgesetzt wird, die sie auch mitgestaltet haben. Die Planung wird nicht getrennt vom Medieneinkauf. Auch das Controlling wird vom selben Team durchgeführt. Schneider: «Wenn Arbeiten immer weiter aufgeteilt werden, herrscht mit der Zeit kollektive Verantwortungslosigkeit.»
Damit diese Arbeitsstruktur jederzeit funktioniert, sind bei Mediaschneider immer zwei Planer gemeinsam für einen Kunden zuständig. «Einer hat den Lead, aber beide sind Ansprechpartner und wissen über alles Bescheid.»
Eine grosse Herausforderung sieht Schneider in der immer grösseren Vielfalt der Medien – auch «Massnahmen below the line» würden immer wichtiger. Hier gilt es, die Übersicht zu behalten, angefangen von neuen Entwicklungen im Printbereich über Trends im Internet bis zu Werbung auf Pizzaschachteln. «Breiten- und Tiefenstrategie ist Schnee von gestern. Wir suchen nach neuen Strategiemodellen», meint er und formuliert als Stichwort «die Kombination von Kreation und Media».
Reingekommen in diese Welt der Media ist Schneider als Lehrling bei der Publicitas. Anzeigen verkaufen am Telefon sei eine gute Schule gewesen. «Noch heute habe ich höchsten Respekt vor jedem, der mich anruft und ein Angebot machen will. Ein ganz harter Job.»
Sein weiterer Weg führte ihn über die Werbeassistentenschule als Mediaplaner nach London sowie zur P nach Genf. Bei der späteren Publimedia in Zürich war er für Verlagsmarketing und die Ausbildung zuständig, bevor er nach 26 Jahren als Anzeigenchef zum Blick wechselte und schliesslich bei Ringier als Key-Account-Manager aufgebaut wurde. Es folgte eine kurze Periode als Geschäftsführer bei Wolfgang Mecklenburg und schliesslich der Entschluss zur Eröffnung der eigenen Agentur. Mit dieser ist Schneider heute dort, wo er gemäss Businessplan eigentlich erst in fünf Jahren sein wollte. Vielleicht gilt ja auch hier sein Credo: «Wichtig ist, nach jedem Auftrag aus dem Controlling zu lernen.»
Urs Schneider ist verheiratet und stolzer Vater zweier Buben. In seiner Freizeit fährt er am liebsten Velo.
Er ist ein virtuoser Fahrradfahrer, hat er es in jungen Jahren doch bis zum 7. Rang an der Weltmeisterschaft im Kunstfahren gebracht. Seine weiteren Hobbys sind Yoga und seit 25 Jahren sein Lehramt in Statistik am Sawi. «Kein einfaches Fach. Aber wenn ich jemandem etwas Spass an Zahlen vermitteln kann, ist das auch für mich ein Vergnügen.»
«Ich habe höchsten Respekt vor jedem, der Anzeigen verkauft»: Urs Schneider, Inhaber Mediaschneider.

Andreas Panzeri

Zahl der Woche

68Auto BMW ist die Web-aktivste Automarke. In einer internationalen Analyse von 1363 Webseiten von Automarken ist BMW mit weltweit 68 Onlineauftritten die Nummer eins vor Toyota mit 65 und Mercedes-Benz mit 59 Websites. Rechnet man zudem die

68Auto BMW ist die Web-aktivste Automarke. In einer internationalen Analyse von 1363 Webseiten von Automarken ist
BMW mit weltweit 68 Onlineauftritten die Nummer eins vor Toyota mit 65 und Mercedes-Benz mit 59 Websites. Rechnet man zudem die zum bayerischen Konzern gehörende Marke Mini mit 30 Sites hinzu, ist BMW die unangefochtene Nummer eins im Auto-Cyberspace. In der
Qualitätsbewertung der Studie des Dortmunder ProfNet Instituts für Internetmarketing siegt jedoch die australische Automarke Holden von General Motors mit nur zwei Webauftritten. Maserati fährt qualitativ auf den zweiten Platz, dicht gefolgt von Smart.

Cracks for Kids hilft beim Sackgeld

Sonntagspresse Mit Cracks for Kids lernt der Nachwuchs nicht nur Zeitung lesen.

Sonntagspresse Mit Cracks for Kids lernt der Nachwuchs nicht nur Zeitung lesen.Die Internetedition des neuen Wochenblatts hilft Kindern und Eltern auch bei der Finanzplanung – mit einem interaktiven und vorläufig noch kostenlosen Sackgeldplaner. Konzipiert wurde das familienfreundliche Tool von den CfK-Redaktoren Peter Sennhauser und Cordula Sanwald, realisiert hat es Support Solutions in Uster.

Mitlinks bringt Valser Stein ins Netz

Baustoff Die Webagentur Mitlinks, Zürich, wurde von der Firma Truffer in Vals beauftragt, die Onlinekommunikation für das Produkt Valser Stein zu realisieren.

Baustoff Die Webagentur Mitlinks, Zürich, wurde von der Firma Truffer in Vals beauftragt, die Onlinekommunikation für das Produkt Valser Stein zu realisieren.Baustoff Die Webagentur Mitlinks, Zürich, wurde von der Firma Truffer in Vals beauftragt, die Onlinekommunikation für das Produkt Valser Stein zu realisieren. Dazu gehören die Entwicklung des CI/CD-Konzepts und eine imagegerechte Webumsetzung. Der Valser Stein der Firma Truffer kam unter anderem beim Bau der Therme Vals des Architekten Peter Zumthor zum Einsatz. Auch für die Neugestaltung des Bundeshausplatzes kommt er zum Zug. Als weiteren Neukunden kann Mitlinks die One Imageberatung begrüssen. Das Zürcher Unternehmen betraute Mitlinks mit dem Redesign seiner Website.

SRG vergrössert ihr digitales Audioangebot

Radio Die SRG baut das Programmangebot der digitalen Radioversorgung weiter aus.

Radio Die SRG baut das Programmangebot der digitalen Radioversorgung weiter aus.In der Deutschschweiz werden neu La Première, Rete Uno und Swiss Classic aufgeschaltet, in der Romandie kommt Swiss Classic hinzu. Seit 1999 sendet die SRG in weiten Teilen der Deutschschweiz und seit 2000 in der Westschweiz auch im DAB-Format. Das Angebot umfasste in der Deutschschweiz bisher DRS 1, DRS 2, DRS 3, MW 531, Virus, Radio Rumantsch, Swiss Pop und Swiss Jazz. In der Westschweiz waren es La Première, Espace 2, Couleur 3, Option Musique, DRS 1, Rete Uno, Radio Rumantsch, Swiss Pop und Swiss Jazz.

Nicht Hoffnung, Humor stirbt zuletzt

Kampagne des Jahres Gebt uns was zu lachen! In Zeiten der Rezession honorierte die Leserschaft von Tele und Werbewoche humorvolle Werbung.

Kampagne des Jahres Gebt uns was zu lachen! In Zeiten der Rezession honorierte die Leserschaft von Tele und Werbewoche humorvolle Werbung.Wenn das garstige Wirtschaftsklima materielle Abstriche erfordert, wirken vor allem Werbekampagnen, die dem Konsumenten einen finanziellen Mehrwert versprechen. Hochzeit für Schweinebauchanzeigen und Wochenaktionsspots, schliesslich lassen sich damit die Massen leichter anlocken. Hohe Sympathiewerte erreicht solche Werbung allerdings kaum, weil sie nur Verbindlichkeiten, in Tonalität und Nebenbotschaften aber keine zusätzlichen psychologischen Reize vermittelt.Wenn es um die Profilierung affektiver Komponenten der Marke geht, dann sucht der Mensch in schwierigeren Zeiten vermehrt nach Schlüsselmotiven, die ihm Ängste und Unsicherheiten abnehmen können, so die Meinung einiger Marketingexperten. Dass es sich hierbei selten um die eigentliche Problemlösung handelt, sondern eher um entkrampfende und gemeinschaftsbildende Surrogate wie Ironie und Selbstironie, gehört zur Natur des Menschen.
Das könnte ein Grund sein, weshalb der Anteil an ironischen Kampagnen in den Top Ten heuer noch höher ausgefallen ist als in anderen Jahren. Gleich alle drei Medaillenplätze werden von spassigen Arbeiten besetzt. Ruedi Kaufmann, Senior Consultant bei Demoscope, erklärt diese Entwicklung aus der Sicht des psychologischen Klimas der Schweiz (PKS): «Wir haben festgestellt, dass schwierige Verhältnisse in Politik und Wirtschaft zu einer ‹Angewöhnungszeit› führen: mit einem zunächst gesteigerten Realitätssinn, einem Zurückstecken von überhöhten Ansprüchen und Distanz zu Utopien und Idealen. Im Gegenzug nimmt das Bedürfnis nach Unterhaltung und Humor zu.» Solche Phasen erlebten wir letztmals in den Jahren 1989 bis 1992 – mit einer politischen und anschliessenden wirtschaftlichen Krise und der darauf folgenden Erholung, berichtet Kaufmann.
Ironie als Selbstzweck…
Doch – und damit gelangen wir zur zweiten Spekulation – nicht allein die Vorlieben der Medienkonsumenten dienen als Indiz für diesen Zeitgeist, sondern auch jene der Macher, sprich: der Kreativen selber. Genau hier beginnt der Hochseilakt launiger Kampagnen.In ihrer wachsenden Anzahl geraten sie in Gefahr, zur kollektiven Branchenmode zu werden und damit Individualität und Verbindlichkeiten der Marken zu untergraben. Analytisch gesehen, so der strategische Markenberater Thomas Otte, hat die immer beliebter werdende Gleichstellung von Stilmerkmal Ironie und Markenwert nichts mit der Selbstähnlichkeit des Brands zu tun. Viel mehr jedoch mit der intelligent coolen Pose, in der sich die Werber besonders gut gefallen.
Dass die Werber damit aber in einer Zeit, in der die Menschen nach Stabilität und Sicherheit suchen, den Leistungsernst der beworbenen Marken aufs Spiel setzen, sei ihnen selten bewusst, meint Otte. Folge: Die Kreativen suchen nach immer verrückteren Ideen, weil inzwischen alle Konsumhorizonte ausgeleuchtet sind. Die Frage drängt sich auf: Wann geht der Unterhaltungswert des feinen, bitteren Spotts auf Kosten der Glaubwürdigkeit?
…oder überschätztes Stilmittel?
Urs Schaad, Werbeleiter der Suva und Gewinner der Wahl, relativiert die skeptischen Vorbehalte: «Da Werbung generell von vielen als langweilig empfunden wird, denken wir bei unseren Kommunikationsmassnahmen immer auch ans Publikum, das wir auf überraschende, intelligente oder humorvolle Art unterhalten wollen. Regelmässige Erfolgskontrollen zeigen, dass unsere Kampagnen einem breiten Publikum gefallen.»
Die Migros, die seit Jahrzehnten erfolgreich Ironie in der klassischen Werbung einsetzt, erklärt dies mit ihrem Leitbild, welches das
Allgemeininteresse an
erster Stelle nennt. Claudia Haueter, stellvertretende Leiterin Marketingkommunikation: «Da die seriösen und kompetenten Marktleistungen der Migros tief verwurzelt sind, können wir in unserer Werbung mit wenigen Ausnahmen die schönen und witzigen Seiten des Lebens hervorheben – erst recht, wenn das Umfeld rauer ist.» Mittlerweile wird das Stilmerkmal als Charakteristik des Grossverteilers betrachtet, sodass das Migros-typische Augenzwinkern nahezu erwartet wird.
Stefan Kaiser vom Gottlieb-Duttweiler-Institut will die ironischen Kampagnen nicht einfach auf ein gesellschaftlich angespannteres Umfeld zurückführen. Dies würde die Bedeutung der Werbung überschätzen: «Dass heute vermehrt humoristische Kampagnen auftauchen, zeigt eher, dass man das Publikum stärker einbinden möchte, nachdem sich die banalen Preiskriegsbotschaften langsam erschöpft haben. Gute Ironie überrascht, fordert zum Mitdenken auf und nimmt die Zuschauer ernst – ein wichtiger Aspekt für das heutige Glaubwürdigkeitsproblem.»
Die Top Ten1. SuvaRisk (Ruf Lanz, Zürich)
2. Migros-Genossenschafts-Bund (Exxtra, Zürich)
3. Migros-Genossenschafts-Bund (Publicis, Zürich)
4. Suzuki (Ammarkt, St. Gallen)
5. Coop Naturaplan (TBWA, Küsnacht)
6. Express Post (LangGysiKnoll, Bern)
7. Feldschlösschen (Spillmann Felser Leo Burnett, Zürich)
8. NZZ am Sonntag (Publicis, Zürich)
9. Bluewin (JvM/Limmat, Zürich)
10. Emmentaler (Publicis, Zürich)
Too much risk, no fun: Die eindeutig zweideutige Präventionskampagne für die Suva von Ruf Lanz gewann die Goldmedaille.
Werbung mit Biss: Mit der tierisch lustigen Candida-Kampagne von Exxtra eroberte sich die Migros die Silbermedaille.
Witz und Esprit: Die unkonventionelle Migros-Imagekampagne fällt auf und kommt an – Platz drei.
Luca Aloisi

Cinecom wirbt mit leiseren Tönen

Kinowerbung Im 1. Halbjahr 2003 waren 17 Prozent der Schweizer Kinospots zu laut. Die Messung «Leq 82 db» untersuchte 185 Spots und beanstandete 28, wie Medienvermarkter Cinecom mitteilt.

Kinowerbung Im 1. Halbjahr 2003 waren 17 Prozent der Schweizer Kinospots zu laut. Die Messung «Leq 82 db» untersuchte 185 Spots und beanstandete 28, wie Medienvermarkter Cinecom mitteilt.Kinowerbung Im 1. Halbjahr 2003 waren 17 Prozent der Schweizer Kinospots zu laut. Die Messung «Leq 82 db» untersuchte 185
Spots und beanstandete 28, wie Medienvermarkter Cinecom mitteilt.
Die erstmalige Durchführung der Messung zeigte Wirkung: Im 2. Halbjahr überschritten nur noch drei Spots den Grenzwert von 82 Dezibel. «Leq 82 db» geht auf ein Gentleman’s Agreement aller Beteiligten zurück. Die Initiative soll starke Tonschwankungen im Werbeblock verhindern. Dank hoher Akzeptanz im Markt werde die Messung bis auf weiteres fortgeführt, schreibt Cinecom. Zu laute Spots würden künftig retourniert und die Kunden aufgefordert, neue Kopien mit korrekter Lautstärke abzuliefern.

>> Medien Schau

Der Präsident des Verbands Schweizer Presse, Hanspeter Lebrument, verteidigt im Wirtschaftswochenblatt seine Subventionsansprüche:«Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten in unserer Branche beides haben, Medienvielfalt und einen wirklich fre

Der Präsident des Verbands Schweizer Presse, Hanspeter Lebrument, verteidigt im Wirtschaftswochenblatt seine Subventionsansprüche:«Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten in unserer Branche beides haben, Medienvielfalt und einen wirklich freien Markt. Wenn eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer bereit ist, auf ihre tägliche Lokalzeitung zu verzichten, und sich mit einem zweiwöchigen Amtsblatt zufrieden gibt, dann brauchen wir dafür keine Subventionen. Nur: Ein solches Amtsblatt wird dann zu hundert Prozent von der öffentlichen Hand, also aus Steuergeldern, finanziert sein.»
…
Das US-Zentralorgan der Kommunikationsbranche freut sich auf die TV-Übertragung des am ersten Februar stattfindenden Football-Finals:The average price of a 30-second spot on the Super Bowl has jumped seven percent to a record-breaking 2,25 million dollars, solidifying the game’s role as the highlight of the advertising year. (…) CBS has sold 54 in-game spots to leading marketers such as Anheuser-Busch, Frito-Lay, Pepsi-Cola and Procter & Gamble. According to media buyers, only eight slots remain. Those last spots, as usual, are available for significantly less than the spots already sold.
…
Auf der letzten täglichen Medienseite der Deutschschweiz wundert man sich, wie glimpflich Weltwoche-Chefredaktor Roger Köppel bei einem Auftritt an der Universität Freiburg davonkam:Die einzige Frage, die ihn ins Schwitzen brachte, war die Bitte, er solle die drei besten Geschichten nennen, die in der Ära Köppel in der Weltwoche erschienen sind. (…) Ganz offensichtlich wollten es sich die Studierenden, darunter viele Kommunikationswissenschaftler, mit dem potenziellen Arbeitgeber Köppel nicht verderben. Auf die Frage, welche Studienrichtungen er bei Bewerbern bevorzuge, meinte Köppel, Ökonomen und Historiker – und Germanisten nur dann, wenn sie sich vom Literaturanspruch verabschieden.
…
Die Hamburger Wochenzeitung resümiert, was uns zwanzig Jahre Privat-TV gekostet und gebracht haben: Zum Beispiel das Zappen. Man zappt, um dem Werbeblock zu entkommen. Der Werbeblock ist das Jucken des Fernsehens. Privatfernsehen bedeutet die ewige Flucht vor dem Werbeblock. (…) Früher stand «Privat…» immer für etwas besonders Edles. Privatbanken. Privatpatienten. Der Privataufzug für den Herrn Generaldirektor. Seit es Privatfernsehen gibt, klingt das Wort privat ein bisschen anzüglich.

Werbemarkt-Studie zeigt Branchentrends

Marktforschung Die Media Research Group hat ihre jährliche Werbemarktstudie um eine neue Auswertung ergänzt.

Marktforschung Die Media Research Group hat ihre jährliche Werbemarktstudie um eine neue Auswertung ergänzt.Sie ermittelt für elf Branchen spezifische Kommunikationstrends (auf Grund der Jahre 2000 bis 2003) und vergleicht sie mit dem Durchschnitt der gesamten Wirtschaft. Analysiert werden unter anderem die Nutzung der einzelnen klassischen und nicht klassischen Werbemittel sowie die vorrangigen Kommunikationsaufgaben und -ziele. Die Auswertung besteht aus 100 Diagrammen, von denen die wichtigsten kommentiert sind. Wer an der diesjährigen Studie teilnimmt, kann die «Kommunikationstrends» seiner Branche gratis von www.mediaresearchgroup.ch herunterladen.
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