Nach wochenlangem Tauziehen verzichtet der Verlag auf den milliardenschweren Kauf der Fernsehgruppe. Dies teilte die Verlagsgruppe am Mittwoch mit. Begründet wird der Entscheid mit den unzumutbaren Risiken, die aufgrund der wirtschaftlichen und juristischen Unsicherheiten entstanden seien. Das Vorhaben werde deshalb nicht weiter verfolgt. Die Anteile in der Höhe von 2,5 Mrd. Euro, die sich Springer bereits im Kauzfvertrag mit den Besitzern von ProSiebenSat.1, der Investorengruppe um Haim Saban, gesichert hatte, fallen wieder an die bisherigen Eigentümer zurück, da der Vertrag hinfällig geworden ist. Ebenso hinfällig geworden ist das öffentliche Übernahmeangebot an die aussenstehenden Aktionäre. Springer reagiert mit dieser Entscheidung auf die Entwicklung der letzten Tage: Das Bundeskartellamt hatte am 23. Januar die Fusion untersagt, die Medienaufsichtsbehörde KEK hatte ebenfalls ein Veto eingelegt. Die Landesmedienanstalten, die den Entscheid der KEK hätten aushebeln können, hatten am 31. Januar ihren Entscheid auf Ende Februar vertagt. Springer hatte sich zuletzt auch nicht mehr zugunsten einer Ministerialerlaubnis, mit welcher der Entscheid des Bundeskartellamts hätte umgangen werden können, entscheiden können. Laut der Süddeutschen Zeitung hatten sowohl die Verlagsgruppe DuMont Schauberg als auch Holtzbrinck bereits Klagen zur Verhinderung angedroht.Haim Saban zeigte sich von der Entscheidung der Verlagsgruppe enttäuscht. Dennoch seien er und seine Investoren weiterhin extrem zufrieden mit der Entwicklung den ProSiebenSat.1. ProSieben wie auch Sat.1 weisen gegenwärtig ein etwas stärkeres Wachstum aus als RTL. Saban soll sich bereits nach anderen Käufern für die Senderfamilie umsehen. Unter den möglichen Käufern sind der französische Tv-Konzern TF1 und die Luxemburgische SBS Broadcasting. Aber auch US-Medienkonzerne und Beteiligungsfirmen bekunden Interesse. Darunter GE Electric, Blackstone, Ronald Lauder, Viacom, Permira, Disney und Tycoon Rupert Murdoch. Vermutlich wird in einer eventuellen neuen Verkaufsrunde auch der Preis neu definiert: als die Transaktion mit Springer beschlossen wurde, kosteten die ProSiebenSat.1 Aktion rund 14 Euro, derzeit stehen sie bei über 19 Euro, wie die Netzeitung berichtet.