Webradios schiessen wie Pilze aus dem Boden. Deren Betreiber wollen sie auch vermarkten – dazu jedoch braucht es verlässliche Zahlen. Wo steht die Forschung in Sachen Webradios? Die Werbewoche hat nachgefragt: Net-Metrix steht kurz davor, ein Forschungsmodul zu realisieren. Das Forschungsunternehmen Mediapulse, das mittels Radiocontrol die Nutzung von konventionellen Radiosendern erhebt, ist bei den Webradios nicht aktiv. Der Ball liegt bei der Internetforschungsorganisation Net-Metrix. Gegenwärtig kann die Studie Net-Metrix-Audit allerdings nur erfassen, wann ein Webradio angeklickt wurde – die Länge der Nutzung bleibt unbekannt. Dem soll Abhilfe geschaffen werden: Net-Metrix ist daran, ein eigenes Modul für die Webradios zu entwickeln, wie Mirco Marrone, Senior Product Manager Net-Metrix-Audit, erklärt. Es soll im Jahr 2008 startklar sein, gegenwärtig laufen Tests mit verschiedenen Sendern. Das Modul verlangt, dass Webradio-Veranstalter ihre Angebote mit einem Tag versehen, damit sie messbar werden.
Allerdings sind mit dem neuen Modul noch nicht alle Probleme gelöst: Es kann bloss jene Webradios messen, die entweder über den Realplayer oder Microsofts Mediaplayer laufen. Streamingangebote wie beispielsweise Youtube bleiben aussen vor. Internetfernsehen, welches über einer der beiden genannten Player läuft, kann dafür von dem neuen Modul aus dem Hause Net-Metrix auch gemessen werden.
Die Daten sind laut Marrone vor allem für die internen Analysen der Webradio-Anbieter gedacht. Welche Messgrössen als verbindliche Kategorien auf dem Werbemarkt gelten könnten, muss noch diskutiert werden. «Das ist ein Thema, dass wir mit unserer User Commission besprechen wollen», sagt der Verantwortliche für Net-Metrix-Audit. Bis ein gültiger Standard für die Messung von Streaming-Inhalten etabliert ist, könnte es also doch noch eine Weile dauern. «Die Messung von Webradio ist sehr komplex», so Marrone.
Um manche Defizite des geplanten neuen Moduls auszugleichen, könnte in einem weiteren Schritt die Studie Net-Metrix-Tracking beigezogen werden, die als Panel aufgebaut ist. Sie könnte weitere Informationen über die Nutzungsgewohnheiten liefern.
Die Studie Net-Metrix-Tracking liegt in den Händen von Markus Jufer. «Die Möglichkeiten, Streaming-Daten den Werten aus der Radio- und TV-Forschung anzugliedern, werden zurzeit im Rahmen eines Fusionsprojektes geprüft. Insofern steht die Webradio-Forschung auch in Verbindung mit Mediapulse», erklärt Jufer.
Man stehe auch im Kontakt zu Forschungsunternehmen im Ausland, sagt Mirco Marrone. Diese stehen wie die Schweizer Organisationen auch vor der Frage, wie die vielfältigen multimedialen Möglichkeiten in harte Zahlen verwandelt werden können.
Carole Scheidegger