Eine Studie zur Nachhaltigen Entwicklung der Euro 08 hat ergeben, dass Deutsche und Franzosen nach der Austragung der Fussballeuropameisterschaft in der Schweiz kaum ein anderes Bild von der Schweiz haben. Langfristig konnte keine Nachhaltigkeit des Fussballereignisses nachgewiesen werden. Die Studie wurde durch das Bundesamt für Sport (Baspo) angefertigt und basiert auf Befragungen im In- und Ausland sowie ökonomischen Untersuchungen. Erste Auswertungsergebnisse wurden am Montag in Bern präsentiert.
Die Imagewirkung sei generell überschätzt worden, sagte Hansruedi Müller vom Berner Forschungsinstitut für Freizeit und Tourismus (FIF) an der Medienkonferenz. In der Befragung der Schweizer Bevölkerung zeigt sich besonders die skeptische Einschätzung des wirtschaftlichen Erfolgs der Euro. Diesem Eindruck stellen die Forscher die Brutto-Wertschöpfung entgegen, die bei rund 870 Millionen Franken und damit dem oberen Bereich der Schätzungen vor dem Ereignis liegt.
Die Forscher fanden auch eine Ursache für die gegenüber der Vorjahresperiode gesunkenen Übernachtungszahlen während der Euro in den Austragungsorten: Viele ausländische Besucher kamen nämlich entweder bei Bekannten oder Verwandten unter oder übernachteten im Auto oder in wilden Campings.
In der Infrastruktur löste die Euro je nach Berechnungsart zwischen 38 und 56 Millionen Euro Investitionen in der Schweiz aus, wie Christian Moesch, der Autor der entsprechenden Studie, ausführte. Ökologisch sei die Euro trotz viel Abfall dank vernünftiger Massnahmen verantwortbar gewesen, sagte Projektleiter Müller. Es sei aber schade, dass kein langfristiger Prozess zur Nachhaltigkeit, beispielsweise eine Zertifizierung, ausgelöst wurde.
Die Erkenntnisse der Studie zur Euro sollen in die Strategie zu sportlichen Grossanlässen einfliessen, sagte Baspo-Direktor Matthias Remund. Es gehe um die Frage, ob die Schweiz imstande sei, beispielsweise Olympische Winterspiele zu organisieren. Vertreter der Schweizer Sportverbände werden am Donnerstag in Magglingen erstmals die Resultate diskutieren, teilte die SDA am Montag mit.