Das Seilzeihen um die TV-Konzession für das Gebiet Innerschweiz ist beendet. Die AZ Medien von Verleger Peter Wanner hat ihren Innerschweizer TV-Sender Tele Tell per 1. April 2009 an die Konkurrentin LZ Medien verkauft.
Das zur NZZ-Gruppe gehörende Luzerner Medienhaus, das schon einen Aktienanteil von 6,5 Prozent bei Tele Tell hält, übernimmt den Sender zu 100 Prozent, samt Infrastruktur und Mitarbeitern. Auch Tele-Tell-Geschäftsleiter Bruno Hollenweger bleibt auf seinem Posten.
Der Hintergund: Die LZ Medien hatte ein Konzessionsgesuch für ein eigenes Innerschweizer TV-Projekt namens Tele 1 eingereicht und dafür im letzten Herbst vom Uvek auch die ausgeschriebene Konzession erhalten. Tele Tell ging hingegen leer aus. Trotzdem blieb Tele 1 blockiert, weil Wanner gegen den Entscheid beim Bundesverwaltungsgericht rekurriert hatte.
Gemäss Erwin Bachmann, CEO der LZ Medien, sieht die Vereinbarung zwischen den beiden Medienhäusern nun vor, dass Tele Tell bis Ende Jahr mit gleichem Erscheinungsbild weiter senden wird. «In der Zwischenzeit werden wir in unserem neuen Medienhaus in Luzern ein Grossraumstudio sowie ein News-Studio einrichten. Zudem werden wir weiteres Personal rekrutieren und ausbilden.» Auch werde eine neue Sendestruktur erarbeitet.
Per 1. Januar 2010 werde der Sender dann nach Luzern umziehen und sein Programm unter dem Namen Tele 1 ausstrahlen, sagte Bachmann. Die Vereinbarung sieht zudem vor, dass Peter Wanner seinen Rekurs beim Bundesverwaltungsgericht zurückzieht. Umgekehrt werden Tele 1 und Wanners zweiter Sender Tele M1 eng zusammen arbeiten. Bisher pflegte Tele M1 mit Tele Tell einen regen Programmaustausch sowie eine Kooperation im werblichen Bereich.
Für die Übernahme von Tele Tell ist alles vorbereitet: Die LZ Medien hat kürzlich die Tele 1 AG gegründet, die mit einem Aktienkapital von 1,5 Millionen Franken ausgestattet ist. Neben Bachmann als Präsident gehören dem Verwaltungsrat auch Jörg Schnyder, Finanzchef, sowie Jürg Weber, Geschäftsleiter der Neuen Luzerner Zeitung AG, an. Bruno Hollenweger, Geschäftsleiter von Tele Tell, übernimmt neu bei Tele 1 die Geschäftsleitung.
Erwin Bachmann zeigte sich erleichtert über das Verhandlungsergebnis. «Ich habe immer auf eine einvernehmliche Lösung gehofft und nun haben wir tatsächlich einen Weg gefunden, der für alle Beteiligten gut ist.» Auch das Bundesamt für Kommunikation sei einverstanden. Gemäss Bachmann wird Tele 1 in seinem Programm die Schwerpunkte in den Bereichen Information und Kultur sowie in regionalen Reportagen setzen. Der Sender plane seine Magazine unter anderem in Zusammenarbeit mit der Universität und der Hochschule Luzern. Nicht zuletzt deshalb, aber auch wegen weiteren Kriterien (Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter, Anzahl Mitarbeiter, Qualitätssicherung) hatte das Uvek Tele 1 klar den Vorzug gegeben.
Bei der AZ Medien spricht Mediensprecherin Eva Keller von einer «Vernunftslösung». Man habe zwar viel Geld und Herzblut in den Sender Tele Tell gesteckt, aber es mache keinen Sinn, sich über Monate zu bekämpfen. «Beide Sender wären in ihrer Entwicklung blockiert gewesen, denn es wäre kein Geld geflossen.» Keller betonte jedoch, dass das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht noch offen gewesen sei.
Der Entscheid zum Verkauf von Tele Tell scheint umso leichter gefallen zu sein, als Peter Wanner nun andererseits seine Konzession für Tele M1 auf sicher hat. Diese hatte er zwar vom Uvek erhalten, sie war ihm aber vom kleinen Alf TV, das bei der Konzessionsvergabe im Gebiet Mittelland leer ausging, per Rekurs streitig gemacht worden. «Doch auch hier haben wir eine Einigung gefunden», sagt Keller. Alf TV ziehe seinen Rekurs zurück und verzichte auf eine Konzession, Tele M1 werde aber künftig mit Alf TV kooperieren. So werde Tele M1 Bildmaterial aus dem kulturellen Bereich von Alf TV übernehmen und man werde auch bei der Ausbildung von Videojournalisten zusammenarbeiten.
Zweifellos kann der Verkauf von Tele Tell an die LZ Medien auch als weitere Annäherung der AZ Medien an die NZZ-Gruppe gewertet werden. Diese arbeiten schon bei der soeben lancierten Internetplattform News1.ch zusammen, zudem existieren Werbekombis unter den entsprechenden Sonntagstiteln. Nach dem Tamedia/Edipresse-Deal ist halt ein rasches Zusammenrücken angesagt.
Markus Knöpfli