Ein Zeitungsinserat muss den Leser in weniger als zwei Sekunden fesseln, sonst wird es überblättert – was Werber und Unternehmen natürlich verhindern wollen. Junge Kreative lernen deshalb, wie sie Menschen in Sekundenbruchteilen fesseln können: Hingucker sind gefragt. Was sie auf dem Kasten haben, können europäische Nachwuchstalente Jahr für Jahr beim best YET-Wettbewerb beweisen. Wer das Fesselspiel beherrscht und damit den Titel «best Young European Team 2009» verdient, wird derzeit in London ermittelt. Am Donnerstag um 15 Uhr Ortszeit haben die Teilnehmerteams das Briefing erhalten, die drei Sieger des Kreativwettbewerbs werden am Freitag gegen 18 Uhr Ortszeit feststehen. Auf Werbewoche Online lesen Sie unmittelbar danach, wer es geschafft hat.
Fundraising für Bildung
Nach der Begrüssung durch Robert Ray, Marketingdirektor der Londoner Newspaper Society, startete der Wettbewerb wie jedes Jahr mit einem genauen Briefing zum Thema, zu dem der Nachwuchs ein Inserat gestalten soll. Vorgestellt wurde das Thema von Stef Jones, dem Vorsitzenden der Jury. In diesem Jahr müssen die Teilnehmer ein Inserat für den World Literacy Day entwickeln, der am 8. September 2009 von Room to Read veranstaltet wird. Room to Read ist eine Organisation, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Kindern den Zugang zu Bildung und Literatur zu ermöglichen. Das Inserat soll zum einen transportieren, warum Bildung insbesondere für Kinder wichtig ist, zum anderen soll es Menschen zum spenden für die Organisation mobilisieren und für den Literaturtag interessieren. Speziell dabei: Die Menschen, die das Inserat anspricht, können lesen – die, um die es geht, können nicht lesen.
Für die Konzeption ihres Inserats haben die Teilnehmer 24 Stunden Zeit. Denn in der Werbung zählen nicht nur gute Einfälle, sondern auch das Tempo, mit denen man sie aufs Papier bringen kann. Dass die Kandidaten bei ihren Kreationen nur ein Blatt und ein paar Stifte benutzen dürfen, ist eine besondere Herausforderung. Denn schliesslich gehören Zeichnen und handwerkliche Fertigkeiten heute nicht mehr unbedingt zum Rüstzeug eines jeden Werbers. Es geht ja auch einfacher: Nach ein paar Klicks spuckt der Computer das Sujet so aus, wie man es sich wünscht.
Hand- und Kopfarbeit gefragt
Die best YET-Teilnehmer haben es schwerer. Sie müssen im Kopf erst einmal ein tragfähiges Konzept entwickeln, das sie dann auch noch per Hand skizzieren müssen. Wer das schafft, hat wirklich einen Preis verdient: Die Kreation des best YET-Siegerteams wird zwar nicht wie beim Wettbewerb «Das kann nur ein Inserat» professionell umgesetzt und lanciert, aber sie wird in ganz Europa publiziert, die Namen der Gewinner werden sich in allen Agenturen der zehn teilnehmenden Länder wie ein Lauffeuer verbreiten. Und das Sahnehäubchen: Das Siegerteam darf für vier Tage nach Cannes reisen, zum Cannes-Lions-Werbefestival vom 21. bis 24. Juni. Die ersten drei Gewinnerteams erhalten ausserdem ein Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme am Wettbewerb.
Um die Wette kreieren
Insgesamt 19 Teams aus zehn Ländern treten heute und morgen in London an, um zu zeigen, wie schlagkräftig Inserate sein können. Morgen, Freitag 8. Mai, müssen die Jungkreativen ihr Konzept und ihren Entwurf dann auf Englisch vor der best YET-Jury und Medienvertretern präsentieren. Dafür haben sie zwei Minuten Zeit. Um den ersten, zweiten und dritten Platz bei best YET 2009 kämpfen:
Belgien
Team 1: Ross McCurrach & Arnaud Bailly, Saatchi
Team 2: Pieter Claeys & Jef Boes, Germaine
Deutschland
Team 1: Marco Gabriel & Nicolas Ritter, Hochschule für Gestaltung HfG, Offenbach am Main
England
Team 1: Joe Talboys & Alex Allen
Team 2: Enrique Reija & Borja Alvarez
Frankreich
Team 1: Paul Kreitman & Alexis Benoit, CLM/BBDO, Paris
Team 2: Charles Lefort & Viken Guzel, BETC Euro RSCG, Paris
Kroatien
Team 1: Drazen Novak & Borna Obranovic
Team 2: Klara Simmunovic & Lena Telenta
Niederlande
Team 1: Reinier Gorissen & Marlon Shoudesh von Franquemont
Team 2: Job Damien Bakker & Paul van Raak
Norwegen
Team 1: Finn Knudsen and Eirik Sørensen, DIST Norway
Team 2: Torkel Bjørnstad Sveen and Eirik Stensrud, Kitchen
Österreich
Team 1: Stefan Grigic & Karl Royer, Euro RSCG Vienna
Team 2: Antonia Heydon?Linden & Thomas Schoffman, Euro RSCG Vienna
Schweden
Team 1: Philip Frendberg & Tobias Grönberg
Team 2: Mattis Bernstone & Mattias Johansson
Schweiz
Team 1: Bettina Klossner & Laurie Morard
Team 2: Oliver Schaich & Silvio Seiler
Jedes der teilnehmenden Teams wurde in seinem Herkunftsland im Rahmen eines eigenen Wettbewerbs von einer Kreativjury ermittelt und nach London geschickt. Die Schweizer Teilnehmer sind die Sieger des diesjährigen Wettbewerbs «Das kann nur ein Inserat». Sie stellen sich mit ihren Arbeiten einer hochkarätigen, internationalen Jury:
– Stef Jones, England, Creative Director von Big Al’s Creative Emporium, Vorsitzender der Jury
– Boris Belak, Kroatien, Creative Director von BBDO Zagreb
– Frank Marinus, Belgien, Creative Director von TBWA
– Alexander Rudan, Österreich, Creative Director von Oglivy & Mather
– Andreas Prokesch, Schweiz, Ex-Präsident des Art Directors Club, Texter und Texttrainer
– Johan Holmström, Schweden, Creative Director von DDB Stockholm
– John Horjus, Niederlande, Creative Director von Concept & Everything
– Gabriel Gaultier, Frankreich, Creative Director von Leg
– Tim Stübane, Deutschland, Creative Director von DDB
– Robert Radoli, Norwegen, Creative Director von DINAMO
Die Jurymitglieder dürfen die Teams während ihrer Arbeit beraten und ihnen Tipps zur Umsetzung geben. Die Mitarbeit oder Beeinflussung der kreativen Ideen ist jedoch verboten. Der Schweizer Juror Andreas Prokesch gab den beiden Schweizer Teams vor dem Themenbriefing wertvolle Worte mit auf den Weg: «Lasst uns nicht als Konkurrenten, sondern als Freunde am Wettbewerb teilnehmen. Ich bin nicht Euer Chef, sondern Euer Coach – und jederzeit für Euch ansprechbar, auch um drei Uhr nachts.» Nun erwarten Jury und Medienvertreter gespannt, was die jungen Kreativen ihnen morgen präsentieren werden.
Anne-Friederike Wilhelm