Die Wettbewerskmission nimmt die Fusion von Tamedia und Edipresse unter die Lupe. Eine vorläufige Prüfung des Zusammenschlusses habe Anhaltspunkte dafür ergeben, dass bei den Pendlerzeitungen in der Romandie eine marktbeherrschende Stellung begründet oder verstärkt werden könnte, teilt die Weko am Freitag mit. Insbesondere in den Leser- und Werbemärkten der Pendlerzeitungen sowie im Bereich der Frühzustellung von Zeitungen in der Romandie könnte die Fusion eine marktbeherrschende Stellung begründen oder verstärken. Die restlichen Bereiche, und damit der grösste Teil der geplanten Fusion, sind von der vertieften Prüfung nicht betroffen, wie Patrik Ducrey, stellvertretender Direktor des Weko-Sekretariats, auf Anfrage der NZZ sagte.
Es müsse nun vertieft geprüft werden, ob beim Zusammenschluss der Pendlerzeitungen 20 Minutes und Le Matin bleu für Werbetreibende der Wettbewerb beseitigt werde und dadurch die Preise stiegen, erklärte Weko- Sprecher Patrik Ducrey auf Anfrage. Aber auch im Bereich der Frühzustellung von Zeitungen in der Romandie könne die Fusion eine marktbeherrschende Stellung begründen oder verstärken. Aus diesen Gründen unterzieht die Weko den Zusammenschluss einer vertieften Prüfung, die laut Ducrey maximal vier Monate dauern wird.
Weder für Tamedia noch für Edipresse kommt die Nachricht der Weko überraschend. Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer sagte auf Anfrage, dass eine vertiefte Prüfung erwartet worden sei. Daraus ergebe sich keine Verzögerung im Fusions-Zeitplan. Die Weko müsse nun bis Anfang November entscheiden. Zimmer wie auch Edipresse-CEO Tibère Adler gehen von einer Zustimmung der Weko aus. Im März hatte Edipresse-Verleger Pierre Lamunière bereits gesagt, er wage nicht sich vorzustellen, dass die Weko diese Fusion scheitern lasse. Einen Plan B für diesen Fall gebe es nicht. Der erste Schritt des Zusammenschlusses von Edipresse und Tamedia sei für den 1. Januar 2010 geplant. Einzig bei den Pendlerzeitung möchte Tamedia so schnell wie möglich handeln. Dieser Zusammenschluss könne nach dem Weko-Entscheid in die Wege geleitet werden.
Als Anfang März die beiden Medienhäuser ihre Fusion bekannt gaben, war die Rede von 20 Entlassungen bei den welschen Pendlerzeitungen. Zimmer rechnet heute mit deutlich weniger Entlassungen aufgrund der natürlichen Fluktuation und Perspektiven, die sich für Betroffene ergeben hätten.
Die Tamedia beabsichtigt, von der Edipresse in drei Schritten 100 Prozent der Aktien der Presse publications SR SA (PPSR) zu erwerben, in der im Wesentlichen die schweizerischen Aktivitäten der Edipresse-Gruppe zusammengefasst sind. Mit der Übernahme soll das viertgrösste Schweizer Medienhaus entstehen, zu dem unter anderem der Tages-Anzeiger, die Berner Zeitung, Le Matin, 24 Heures, 20 Minuten, Le Matin Bleu, die Fernsehsender TeleZüri und TeleBärn sowie die Radiostationen Radio 24 und Capital FM gehören.