Im Schweizer Kino sind einheimische Streifen von rund 10 Prozent in den guten alten Zeiten des «Groundings» auf nur noch 4 Prozent im Jahre 2009 zurück gegangen. Das liegt aber mehr an den aktuell (noch) geförderten Stoffen als an der Promotionsarbeit von Swiss Films. Mit einem Jahresbudget von 3,5 Millionen Franken, 11 Vollzeitstellen und einem für NGO unterdurchschnittlich tiefen Budget für Administration hat die Promotionsagentur «sehr erfolgreich» gearbeitet, wie die Stiftungspräsidentin Josefa Haas am Mediengespräch aufzeigen konnte.
Eine ab heute sicher sicher positiv auffallende Arbeit ist der Relaunch einer neuen Website
Swissfilms.ch. Nach elf Jahren hat man die Datenbank neu strukturiert, mit vielen wertvollen Infos erweitert und vor allem auch sehr praktisch und benutzerfreundlich verlinkt. Mit nur noch wenigen Klicks ist zu erfahren: Welche Filme laufen aktuell wo? An welchen Festivals wurden Preise gewonnen? Welche Credits stecken hinter den über 3‘000 erfassten Titeln? Dazu gibt es Programme, Biografien oder Fotos zum Downloaden und neu werden auch alle verfügbaren Trailers zu Schweizer Filmen ins Archiv aufgenommen. Die Website und Datenbank bilden ein Arbeitsinstrument, das bereits heute von über 1‘000 Besucher pro Tag genutzt wird, wie Ursula Hartenstein als Verantwortliche für die Kommunikation erklären konnte.
Gestiegene Nachfrage nach Schweizer Filmen im AuslandMit «moving movies» hat Swiss Films auch einen neuen Claim gefunden, der nicht nur rechtlich noch frei war, sondern auch tatsächlich viel bewirken konnte, vor allem bei der Promotionsarbeit im Ausland. Aufgrund der Vermittlung und mit Unterstützung von Swiss Films sind 2009 über 50 lange und über 70 kurze Schweizer Filme an 37 wichtige internationale Filmfestivals eingeladen worden. Seit Mitte des Jahres glänzten verschiedene Schweizer Filme an A-Festivals: «Coeur animal» in Montreal, «Pepperminta» und «Hugo en Afrique» in Venedig, «Space Tourists» in Amsterdam und Sundance, welches ebenfalls «Pepperminta» zeigte. In Berlin feierte das Schweizer Filmschaffen sein Comeback mit «Cosa voglio di più», «Daniel Schmid – Le chat qui pense» und «Aisheen (Still Alive In Gaza)», während es in Cannes mit «Film Socialisme», «Cleveland Versus Wall Street» und dem kurzen Animationsfilm «Miramare» aufgefallen ist. «Selten sind so viele Schweizer Filme an ausländischen Filmfestivals zu sehen, und erstmals gelingt es, mit einem Schweizer Dokumentarfilm den Europäischen Filmpreis zu gewinnen», bilanziert Direktor Micha Schiwow. Dabei handelt es sich um Cineasten und Filme, die von Swiss Films kontinuierlich begleitet werden. Peter Liechti konnte für «The Sound Of Insects» nicht nur den Europäischen Filmpreis entgegen nehmen, er erfuhr grosse Anerkennung mit Retrospektiven in Europa, Amerika und Asien. In Cannes wurde er zusammen mit Jean-Stéphane Bron zum «Documentary Brunch» eingeladen, welches die herausragendsten Vertreter des Dokumentarfilms vereinigt. Die Schweiz wird in diesem Bereich einmal mehr ihrem exzellenten internationalen Ruf gerecht. Konkret möglich werden solche Visitenkarten im Ausland zum Beispiel dank 38’000 Franken von Swiss Films rund um die geeigneten Kopien und Promotion von Pippi Lotti Rists «Pepperminta» in Venedig oder 33’000 für das Ebnen des Weges zum europäischen Filmpreis für «The Sound Of Insects».
Weitere wichtige Bausteine der erfolgreichen Promotion für Schweizer Filme im Ausland sind die Beratung der Filmschaffenden und die Förderung des Exports. Zwölf Schweizer Filme erhielten 2009 Vertriebsförderung. Die vergebenen 300’000 CHF unterstützten Kinostarts in Deutschland (5), Frankreich (4), Niederlande, Österreich und Polen (je 1), in Argentinien (1) und in den USA (2). Grosses Medienecho im Ausland hatten «Home» in den USA, «Die Standesbeamtin» in Deutschland und «Letter To Anna» in Frankreich.
Für die Platzierung von Filmprogrammen kooperierte Swiss Films mit insgesamt 19 Veranstaltern im Ausland, mehrheitlich mit Festivals. 32 Programme hat die Promotionsagentur selbst realisiert, 23 davon in Europa. Eine grosse Retrospektive zum 80. Geburtstag von Alain Tanner wurde zusammen mit der Cinémathèque Française in Paris realisiert, drei weitere fanden anlässlich internationaler Festivals in Polen, Thailand und Frankreich statt. Peter Liechti, Ursula Meier, Lional Baier und Fernand Melgar standen im Zentrum von Filmprogrammen, die Swiss Films initiiert hat. Mit einem Fokus auf China, den Swiss Films seit 2008 gemeinsam mit Pro Helvetia organisiert, schafft die Promotionsagentur die Grundlagen für eine nachhaltige Präsenz von Schweizer Filmen in China. Dazu gehören auch Workshops mit Schweizer Filmern für den chinesischen Nachwuchs.
Die Wahrnehmung im Inland verstärkt Swiss Films mit öffentlichkeitswirksamen Events: Die von Swiss Films kuratierte Reihe Appellations Suisse am Filmfestival in Locarno zählte 6’500 Eintritte. Das sind rund 600 pro gezeigten Film. Leider kann der Event aus Kostengründen in diesem Jahr nicht mehr wiederholt werden. Die Einladungen für internationale Festivals sind derart zahlreich ausgefallen, dass sich hier eine Verschiebung der Investitionen aufdrängen musste. Gesichert ist aber die Kurzfilmnacht-Tour. Diese lockte 17’000 Zuschauer an.
Auch bei der Organisation des Schweizer Filmpreises spielt Swiss Films konstant eine zentrale Rolle. Hier hat man bei der vergangenen Auflage im KKL erfolgreich den Kompromiss zwischen BAK und der neuen Academy moderiert. Inzwischen fungiert Swiss Films auch als die ständige Geschäftsstelle der Academy, welche die Filme zum Auszeichnen vorschlägt.
Digitalisierte Kurzfilme und offizielles LobEinen weiteren Schritt in der elektronischen Kommunikation unternimmt Swiss Films mit der Digitalisierung von Kurzfilmen, die ab diesem Jahr im Rahmen des Pilotprojekts «E-Cinema» den traditionellen Verleih von Kurzfilmen erweitern soll. Swiss Films präsentierte an den Winterthurer Kurzfilmtagen 2009 das neue Projekt, das digitalisierte Filme via Cinecom-Server direkt auf die Festplatten der Kinos einspeist. Für das Pilotprojekt konnten bereits sechs Kinos gewonnen werden, die bei Swiss Films ein Jahresabonnement lösten. Damit können sie ein Jahr lang beliebig häufig Kurzfilme digital zeigen. Swiss Films will damit dem kulturellen Vorfilm im Kino wieder zu einem Comeback verhelfen.
Für all das liess Swiss Films eine Evalulation ihrer Tätigkeit durchführen. Die von der Kulturfachfrau Tina Wodiunig durchgeführte Untersuchung bestätigt eine effiziente Organisation und eine effektive Wirkung: «Der Ausbau der Informations- und Dokumentationsleistungen kommt voll und ganz der Sichtbarmachung des Schweizer Filmschaffens allgemein sowie den spezifischen Bedürfnissen der Anspruchsgruppen von Swiss Films nach Information, Dokumentation, Vernetzung und Vermittlung zu gute.» Josefa Haas, Stiftungsratspräsidentin Swiss Films, hält fest: «Die Resultate der Evaluation bestätigen die wichtige Rolle von Swiss Films für das Schweizer Filmschaffen. Mit grosser Aufmerksamkeit analysiert die Stiftung die Bedürfnisse und passt ihr Angebot laufend an.»
Swiss Films setzt sich für die Präsenz von Schweizer Filmen an internationalen Festivals ein, unterstützt ihren Verleih in ausländischen Kinos, organisiert Retrospektiven und Filmreihen in der ganzen Welt, vermittelt Informationen über Schweizer Filme in ihrer ganzen Breite, ganz egal ob kurz oder lang, ob fiktional oder dokumentarisch, experimentell oder animiert. Die Promotionsagentur setzt Erfahrung, Ideen und Kontakte ein, um ausländische Festivaldirektionen, Kinoverleiher oder Fernseheinkäuferinnen auf Schweizer Filme aufmerksam zu machen, Medienleute zu Geschichten über den Schweizer Film zu animieren und öffnet neuen Talenten und erfahrenen Filmprofis Türen zur internationalen Wahrnehmung.
Bearbeitung: Andreas Panzeri
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