Erklärungsbedarf besteht bei den Umsatzzahlen. So schlug sich die anziehende Konjunktur bisher bei Ringier nur gerade in der Schweiz und Deutschland in positiven Zahlen nieder. Hier legte das Zürcher Verlagshaus einen Umsatzzuwachs von 11,8 Prozent vor, was wesentlich den steigenden Anzeigenerlösen zu verdanken sei, wie Marc Walder, CEO von Ringier Schweiz und Deutschland, erklärte. In den Ländern Zentraleuropas, Asiens und auch im Schweizer Druckgeschäft hingegen verzeichnete Ringier nach wie vor rückläufige Umsätze. In diesen Märkten werde die wirtschaftliche Erholung erst jetzt langsam spürbar, sagte Unger.
Joint Venture in Osteuropa erschwert direkten Vergleich
Die Umsatzentwicklung insbesondere in Zentraleuropa ist ohnehin kaum mit dem Vorjahr vergleichbar. Dies hat mit dem 50:50-Joint Venture zu tun, das Ringier und Axel Springer vor einem Jahr in den Ländern Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und Serbien eingegangen sind. Allerdings konnte dieses aus kartellrechtlichen Gründen noch nicht vollständig umgesetzt werden: Für Ungarn liegt noch keine Bewilligung vor, weshalb Ringiers eigene Aktivitäten in diesem Land noch vollkonsolidiert in der aktuellen Rechnung erscheinen. Hingegen flossen Ringiers Länderergebnisse von Serbien, Slowakei und Tschechien ab Mitte 2010 nur noch zu 50 Prozent in die Rechnung ein, doch ist umgekehrt die Hälfte des Springer-Geschäfts in Polen und Tschechien in Ringiers Rechnung konsolidiert. Ebenfalls grossen Einfluss auf den Zentraleuropa-Umsatz hatten die Währungseffekte. Dies alles führte in Zentraleuropa zu einem Umsatzminus von fast 20 Prozent, was wiederum den gesamten Konzernumsatz um 2,5 Prozent nach unten drückte. Würde man diese speziellen Umstände nicht berücksichtigen, läge der Konzernumsatz in etwa auf dem selben Stand wie 2009, sagt Unger.
Ausgleichszahlungen von Axel Springer
Das Joint Venture Ringier Axel Springer Media AG wirkte sich aber auch noch in anderer Hinsicht auf den Konzernumsatz aus – und zwar in Form von Ausgleichszahlungen von Axel Springer an Ringier. Dies geht aus dem Jahresbericht hervor. Mit andern Worten: Ringier profitiert vom Joint Venture nicht nur langfristig durch die Marktausweitung und die gemeinsame Marktführerschaft in einigen Ländern, sondern auch kurzfristig finanziell. Was Unger zudem gegenüber der Werbewoche preisgab: Der Ringier-Konzern, der in Rumänien aktiv ist und dort auch bleiben möchte, will von Edipresse dessen Rumänien-Geschäft hinzu kaufen. «Derzeit laufen Gespräche», sagte Unger. Edipresse ist jedoch in Rumänien seinerseits schon mit Axel Springer in einem 70/30-Joint-Venture liiert – der Hauptgrund, weshalb bislang Rumänien bei Ringier Axel Springer Media AG ausgeklammert blieb. Würde es Ringier aber gelingen, den Edipresse-Anteil zu übernehmen, könnte das Joint-Venture zwischen Edipresse und Axel Springer aufgelöst werden – und der Integration Rumäniens bei Ringier Axel Springer Media AG stünde nichts mehr im Wege.
Online bringt 20 Prozent des Schweizer Umsatzes
Die Erlöse in den einzelnen Segmenten zeigen, dass das Digitalgeschäft ein besonders starkes Wachstum verzeichnete, es stieg auf 130,1 Millionen Franken und macht mittlerweile 10,3 Prozent des Konzernumsatzes aus. Anders bei Ringier Schweiz und Deutschland: Hier kommt das Digitalgeschäft auf einen Umsatzanteil von 13,4 Prozent: Darunter fällt aber nur das transaktionsbasierte Online-Geschäft – konkret die Umsätze der Scout24-Gruppe oder von geschenkidee.ch. Rechnet man auch die Umsätze aus den App-Verkäufen oder die Werbeumsätze auf Titel-Websites ein, erreichen die digitalen Erlöse laut Marc Walder 20 Prozent.
Baustelle bei Cash.ch, keine Sorgen mit Bolero
Im Gespräch mit der Werbewoche sagte Walder zudem, dass Ringier in der Schweiz nur noch eine Baustelle habe: Cash.ch. Es sei eine Herausforderung, dieses Wirtschaftsportal ohne Printtitel zu monetarisieren, meinte er. CashTV hingegen laufe auf kleinem Feuer selbsttragend. Keine Sorgen bereiten Walder die stark sinkenden Leserzahlen von Bolero. Den Frauentitel habe man nach der Lancierung von SI Style als Premiumprodukt für die Uperclass unter den Frauen positioniert – und in dieser Zielgruppe seien die Leserinnenzahlen «nicht wirklich matchentscheidend», meinte Walder. Im Werbemarkt laufe der Titel jedenfalls hervorragend. Überhaupt ist Walder mit den Titeln in der Schweiz grösstenteils sehr zufrieden. Selbst L’Hebdo, TV8 und Illustré, die gemäss Wemf-Inseratestatistik weiterhin rückläufige Anzeigenvolumina im zwestelligen Prozentbereich ausweisen, stünden in Wirklichkeit «solid bis sehr gut da», sagte er. Die selbstdeklarierten Minuszahlen in der Statistik seien auf EDV-Probleme zurückzuführen, denen man noch nicht auf die Schliche gekommen sei.
Ringier will die Marke Energy ausweiten
Der CEO von Ringier Schweiz und Deutschland äusserte sich ferner zu TV-Plänen (die Werbewoche berichtete). Und er bekräftigte einmal mehr, dass Ringier im Bereich Entertainment daran interessiert wäre, die Marke Radio Energy über Zürich und Bern hinaus auch auf andere Schweizer Regionen auszuweiten – insbesondere nach Basel und in die Innerschweiz. Ein Versuch, Radio Basel von Christian Heeb auf NRJ-Kurs zu bringen, ist letztes Jahr allerdings gescheitert. Wie es weiter gehen soll, liess Walder offen. Es gebe zwar Pläne, doch seien diese noch nicht spruchreif, sagte er. Da man in der Schweiz von Gesetzes wegen maximal zwei UKW-Sender besitzen kann, kommen für Ringier nur noch Kooperationen, allenfalls auch Minderheitsbeteiligungen, in Frage.
Markus Knöpfli
Ringier in Zahlen (in Mio Fr.)
2010 2009 Veränderung in %
Konzernumsatz 1263.9 1296.1 – 2.5
– Umsatz CH + D 613.7 548.9 + 11.8
– Umsatz Zentraleuropa 336.4 418.8 – 19.7
– Umsatz Asien/Pazifik 50.3 52.0 – 3.2
– Umsatz Print CH 263.5 276.4 – 4.6
Konzerngewinn 61.8 17.2 +359.8
Cashflow 161.1 93.8 + 71.8
Anzahl Mitarbeiter 7752 7448 + 4.1