Daniel Pillard, Leiter von Ringier Romandie, bestätigte auf Anfrage eine entsprechende Meldung des Westschweizer Magazins Comin. Somit ist klar: Goldbach Media, das seit Anfang 2011 alle anderen Schweizer Werbefenster vermarktet, ging diesmal leer aus – und das Goldbach-Monopol im Privat-TV-Bereich hat bereits wieder ein Ende.
Wie Pillard weiter sagte, war es das erste Mal, dass sich Ringier um die Vermarktung eines Werbefensters bewarb. Beim Pitch im letzten Jahr um die Fenster von Sat.1 (Schweiz) und kabel 1 hatte sich Ringier noch nicht beteiligt. «Das ist ein rein Westschweizerisches Projekt», sagte Pillard. «Wir haben ganz opportunistisch gehandelt.» Mit vier Magazinen halte Ringier im Westschweizer Zeitschriftenmarkt einen Marktanteil von 60 Prozent, man habe deshalb nach weiteren Wachstumsmöglichkeiten Ausschau gehalten. «Wohl haben wir den digitalen Bereich ins Auge gefasst, sind aber immer wieder an Grenzen gestossen.» Unterdessen sei Ringier aber am Diversifizieren – und der Bereich Entertainment, der auch TV enthalte, sei eines der Standbeine. «Wir sahen hier deshalb eine gute Chance, für Ringier in der Westschweiz neue Geldquellen zu erschliesen», sagte Pillard. Es sei gut möglich, dass Ringier dereinst «auch noch weitere Werbefenster» betreuen werde – und dass der Einstieg in die TV-Werbung auch in der Deutschschweiz Schule machen könnte. «Denn verkaufen ist verkaufen», sagte Pillard selbstbewusst. Den Schritt im TV-Bereich will er allerdings nicht als generellen Einstieg in die Drittvermarktung verstanden wissen. Dass Ringier beispielsweise im Printbereich die Vermarktung verlagsfremder Zeitungen und Zeitschriften anbieten könnte, schloss der Leiter von Ringier Romandie ausdrücklich aus.
Gemäss Pillard hat sein Anzeigenleiter Patrick Zanello das TF1-Vermarktungsprojekt aufgegleist. «Herr Zanello hat gekämpft wie ein Löwe», sagte Pillard anerkennend. Das Werbefenster werde ab 5. September 2011 starten, zuerst mit einem Einführungsangebot, ab 2012 dann mit einem Vollangebot. Ringiers neue Vermarktungsabteilung unter Zanellos Leitung verfüge in Lausanne und Zürich je über eine Verkaufsstelle. Bemerkenswert: Ab Juni werden die TF1-Angebote auf dem Publiplan, dem Planungstool der SRG-Vermarkterin Publisuisse, publiziert. In der Schweiz stünden nur zwei Tools zur Verfügung – dasjenige der Publisuisse und dasjenige von Goldbach Media. «Da Goldbach unterlegen ist, kam eben nur das Tool von Publisuisse in Frage», sagte Pillard.
Hier noch einige aktuelle Zahlen zum Schluss: Im April 2011 kam TSR1 in der Westschweiz auf einen Marktanteil von 20,9 Prozent, TF1 kam auf 13,8 Prozent und M6 auf 8,5 Prozent (immer 24h, 3+).
Markus Knöpfli
Bild: Daniel Pillard (Ringier)