Keine Frage, die Zeit drängt: Verleger und SRG haben nur noch bis Ende Jahr Zeit, punkto «SRG-Onlinewerbung» gemeinsam eine Lösung zu finden. Dies sagte Medienministerin Doris Leuthard kürzlich in einem Werbewoche-Interview. Doch bekanntlich möchte der Bundesrat der SRG diese Einnahmequelle nicht grundsätzlich verwehren.
Dieser Umstand bringt die SRG in eine relativ komfortable Position. Bei den Verlegern und Onlinemedien hingegen macht sich Nervosität breit. Auch bei Tamedia, wo Verleger Pietro Supino offenbar bereits einen Teil der Onlinewerbefelle davon schwimmen sieht. Jedenfalls übte er anlässlich der Präsentation seiner Halbjahreszahlen ungewöhnlich harsche Kritik an der SRG. Wohl solle sich die SRG auch online entfalten dürfen, jedoch nur innerhalb des gesetzlichen Auftrags, hielt Supino fest. Und der Auftrag der SRG sei klar: «Sie soll Radio und Fernsehen machen.» Darüber hinaus schreibe die Bundesverfassung der SRG Rücksichtnahme gegenüber den privaten Medienunternehmen vor.
Dass die SRG nun aber «ein neues Onlinemedieum entwickeln» und erklärtermassen zu einem «Haus der Inhalte» werden wolle – und dies allein, weil ihr «extrem hohe Gebührengelder zur Verfügung stehen» – das halte er «für masslos und unanständig», führte der Verleger weiter aus.
Es sei deshalb nötig, eine Diskussion darüber zu führen, was ein öffentlich-rechtlich finanziertes Unternehmen wie die SRG legitimerweise online machen darf und was nicht. «Doch bis jetzt verweigert sich die SRG dieser Diskussion», sagte Supino, fügte jedoch an, er sei guter Hoffnung, dass man demnächst zusammen sprechen werde. «Wenn wir das nämlich tun, wird sich relativ schnell die Lösung abzeichen», meinte der Verleger.
Der SRG gab er ferner den Tipp, nicht auf die «Totalkonvergenz aller Medien» zu setzen. Auch Tamedia, dass seine TV-Sender verkauft hat und seine Radiosender eventuell noch verkaufen wird, habe davon Abstand genommen. «Ich glaube nicht, dass diese Allmediastrategie für uns das Richtige ist, und ich denke auch nicht, dass sie für die SRG das Richtige ist.» Supino betonte zudem, dass es ihm nicht darum gehe, die «wertvolle Institution» SRG zu schwächen.
Markus Knöpfli