Einen Sprung nach vorn taten in der Frühjahreserhebung 2016 gegenüber den Herbstdaten 2015 laut der Wemf für Werbemedienforschung die Zürcher Regionalzeitungen, die neu auf 402'000 Leserinnen und Leser (+4,4 Prozent) kommen.
Der Winterthurer Landbote verbesserte die Reichweite gar um 10 Prozent auf 108'000, wie die Wemf am Dienstag bekanntgab. Andere Regionalblätter wie die Thurgauer Zeitung, der Walliser Bote, der Bote der Urschweiz oder das Bieler Tagblatt legten ebenfalls zu.
Die Reichweite der Südostschweiz ging leicht auf 205'000 Leser (-1,4 Prozent) zurück, während die AZ Nordwestschweiz unverändert gut 461'000 Leser zählte. In beiden Fällen sind aus methodischen Gründen die Zahlen nicht mit den Daten vom Herbst 2015 vergleichbar.
Grosse Zeitungen verlieren
Die grossen Blätter mussten dagegen Federn lassen. Leserstärkste Zeitung bleibt das Pendlerblatt 20 Minuten mit 1,43 Millionen Leser in der deutschen Schweiz. Das sind 2,6 Prozent weniger als bei der letzten Erhebung im Oktober 2015. Der Rückgang hält damit an, waren es vor zwei Jahren doch noch 1,57 Millionen gewesen.
Die Pendlerzeitung Blick am Abend konnte dagegen ihre Reichweite mit 672'000 Lesern halten. Sie verfügt jedoch verglichen mit 20 Minuten nur über eine halb so grosse Leserschaft. Bei den bezahlten Zeitungen fällt auf, dass der Tages-Anzeiger gegen den Trend zulegen konnte (+3,7 Prozent auf 474'000 Leser).
Weiter deutlich Terrain eingebüsst hat der Blick, der neu noch auf eine Reichweite von 609'000 Lesern (-7,0 Prozent) kommt. Der Ringier-Konzern, zu dem der Blick gehört, setzt stark auf digitale Medien. So lag Blick Online bei der Erhebung im letzten Oktober klar auf Platz zwei hinter dem Portal von 20 Minuten.
NZZ wird weniger gelesen
Die grossen Regionalzeitungen konnten ihre Leserschaft halten. Bei der Neuen Luzerner Zeitung waren es 302'000 und beim St. Galler Tagblatt 278'000 Leser. Die NZZ, die eine internationale Ausstrahlung hat, erreicht noch 263'000 Leser (-4,0 Prozent).
Nach vielen erfolgreichen Jahren kämpfen die Sonntagsblätter mit einem Leserschwund. Der Sonntagsblick hat mit 638'000 Lesern zwar die Nase noch knapp vorn, verlor aber im letzten halben Jahr 8,2 Prozent seiner Leserschaft. Knapp dahinter folgt auf Platz zwei die Sonntagszeitung mit 616'000 Lesern (-1 Prozent).
Rang drei belegt die NZZ am Sonntag, die in der Deutsch- und Westschweiz noch 413'000 Leser (-2,4 Prozent) hat. Die Reichweite der Schweiz am Sonntag schrumpfte dagegen um 5,7 Prozent auf 345'000 Leser. Gut zu halten vermögen sich auf den folgenden Plätzen die Zentralschweiz am Sonntag und die Ostschweiz am Sonntag.
Weltwoche und Woz legen zu
Politisch eher polarisierende Medien wie die Weltwoche (+4,7 Prozent) und die Woz (+26 Prozent) waren im Aufwind. Der gegenteilige Effekt ist offenbar bei der Basler Zeitung zu beobachten, an der Christoph Blocher beteiligt ist. Hier ging die Leserschaft markant um 12,3 Prozent auf 114'000 zurück.
Spezial-Titel, die teilweise eine hohe Reichweite erzielen, schnitten gut ab. Das Migros-Magazin und die Coopzeitung konnten leicht zulegen, während der Drogistenstern weiter an Leserschaft verlor. Ungebrochen ist der Siegeszug der Landliebe, die mittlerweile eine Reichweite von 627'000 Lesern erzielt.
Ein gemischtes Bild zeigt die Wirtschaftspresse. Während die Handelszeitung um über 5 Prozent zulegen konnte, büsste die Bilanz weiter Terrain ein (-6,3 Prozent). Die Finanz und Wirtschaft konnte ihre Reichweite halten.
Junge lesen Pendlerzeitungen
Ein Blick in die Detailzahlen zur Altersstruktur der Leserschaft bestätigt die Erwartungen. Während die Pendlerzeitungen 20 Minuten und Blick am Abend vor allem bei der jüngeren Leserschaft Beachtung finden, ist es bei den traditionellen Tageszeitungen die ältere Generation, die diese Titel liest.
Ein etwas anderes Bild zeigt sich in der Romandie. Hier konnte das Pendlerblatt 20 Minutes nochmals leicht auf 537'000 Leserinnen und Leser (+1,3 Prozent) zulegen. Einbussen mussten die grösseren Blätter in der Westschweiz (Le Matin, Tribune de Genève) hinnehmen.
Einzelne Regionaltitel (Nouvelliste, Quotidien Jurassien) erhöhten die Reichweite. Bei 24 Heures und Le Temps blieb die Leserschaft stabil. Die Sonntagszeitung Le Matin dimanche musste weiter Federn lassen und zählt noch 452'000 Leser.
Im Tessin büsste 20 Minuti knapp 8 Prozent auf 81'000 Leser ein. Die La Regione verzeichnete kleine Verluste, während der Corriere del Ticino im Aufwind war. Die Sonntagsblätter Caffè della Domenica sowie Mattino della Domenica standen wie die Sonntagstitel in der Deutsch- und Westschweiz auf der Verliererseite. (SDA)