Betroffen sind 35 Mitarbeitende. Jedoch ist bis jetzt noch unklar, wie viele von ihnen die Kündigung erhalten, beziehungsweise an einem anderen Ort im Unternehmen beschäftigt werden. Die Sendungen vermochten die betriebswirtschaftlichen Erwartungen schon länger nicht mehr zu erfüllen, wie Ringier in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Die Geschäftsleitung Ringier Schweiz habe nach reiflicher Abwägung von Rahmenbedingungen, konjunktureller Situation und zu erwartendem Geschäftsverlauf entschieden, per Ende Jahr auf die Produktion der «journalistisch sehr gut gemachten aber schon seit längerem defizitären und deshalb quersubventionierten Formate» zu verzichten.
Die am Standort Hagenholz in Zürich von rund 35 Mitarbeitenden verantworteten Formate gehören dem Geschäftsbereich Ringier Entertainment Fernsehen an. Für wie viele Mitarbeitende die Einstellung der Sendungen eine Kündigung mit sich bringt, wird sich in den nächsten drei bis vier Wochen zeigen, heisst es in der Ringier-Mitteilung weiter. Der Zeitraum der Ungewissheit werde für die Mitarbeitenden so kurz wie möglich gehalten. Die Kündigungen werden mehrheitlich per Ende 2012 erfolgen und durch einen Sozialplan begleitet. Die Redaktionsteams wurden am Dienstagvormittag von der Bereichsleitung über die beschlossenen Massnahmen und die weiteren Schritte informiert.
Wie Ringier-Sprecher Edi Estermann auf Anfrage der SDA sagte, waren nicht alle Sendungen unrentabel. Es bringe aber wenig, einzelne Formate weiterzuproduzieren. Die Geschäftsleitung habe deshalb den Grundsatzentscheid gefällt, das gesamte Paket einzustellen. Grund für die roten Zahlen sind die zu geringen Werbe- und Sponsoringeinnahmen aufgrund der gegenwärtigen konjunkturellen Lage. Presse TV erhält von der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG zwar einen Sendeplatz beim Schweizer Fernsehen und eine gewisse Abgeltung – ohne Werbung und insbesondere Sponsoring können die Produzenten ihre Programme aber nur schlecht finanzieren.
Presse TV bedauert den Ausstieg
Man bedaure den Ausstieg von Ringier, schreibt der Präsident von Presse TV, Wolfgang Frei, in einer Mitteilung vom Dienstag. Was mit den frei werdenden Sendeplätzen passiere, werde demnächst mit den Verantwortlichen der SRG und des Schweizer Radio und Fernsehens SRF besprochen. Der Zusammenarbeitsvertrag mit der SRG läuft noch bis Ende 2013. Presse Tv hat die Absicht, diesen Vertrag auch nach dem Ausstieg von Ringier per Ende 2012 weiterzuführen, wie Wolfgang Frei weiter schreibt. Die privat produzierten Sendungen sollen also bis mindestens Ende 2013 weiterlaufen.
Zu Ringier Entertainment Fernsehen gehören nach der Einstellung der Sendungen für Presse TV auch weiterhin die Abteilungen Ringier TV Productions und Web TV. Ringier ist im Fernsehbereich zudem beteiligt an Sat.1 Schweiz (40 Prozent), der TV- Produktionsfirma Grundy Schweiz (35 Prozent) sowie am Teleclub (33.3 Prozent). Fernsehen bleibe für Ringier somit auch weiterhin ein Geschäftsfeld von strategischer Bedeutung, heisst es in der Mitteilung abschliessend. Die Presse TV besteht seit 1995, wurde ursprünglich von den Medienunternehmen Ringier, NZZ sowie der deutsch-japanischen Development Company for Television Program (DCTP) als Treuhänderin der Fernsehaktivitäten deutscher Verlage, gegründet. Später kamen die Basler Zeitung und seit November 2007 auch die Axel Springer Schweiz als Presse TV-Aktionär dazu. Die Zusammenarbeit mit der SRG regelt ein Kooperationsvertrag, der Ende 2013 ausläuft.